Der Tag an dem der Trockner ausging

Drei Stunden ohne Strom machen mir jetzt doch ein bisschen Angst vor der Apokalypse.

Viele glauben, das Legendenerzählen gehöre der Vergangenheit an. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine sehr lebendige Kulturtechnik. So erfuhren wir beispielsweise von unserem damals fünfjährigen Kind 1.0, dass es [Bauer Räinscha] gibt, welche die Welt vor dem Bösen bewahren. Einer der nicht englisch sprechenden Kindergartenfreunde hatte sie im Fernsehen gesehen und den anderen davon berichtet. Man versuchte sich herzuleiten, was genau die Bauer Räinschas seien. Das Wort Bauer war schließlich allen geläufig, nur bei dem Begriff Räinscha wendeten sich die Kinder Hilfe suchend an die Erwachsenen.

Zunächst dachte ich, das Legendenerzählen sei eng mit dem Unvermögen zu lesen verknüft, tatsächlich wurde ich eines besseren belehrt. Gut fünf Jahre später unterhält uns Kind 1.0 beim täglichen Abendbrot mit Legenden zur nahenden Apokalypse. Natürlich habe ich die Angelegenheit zunächst nicht ernst genommen. Schließlich schreie ich auch nicht jedes Jahr kurz vorm 31. Dezember, dass die Welt untergeht, weil unser gregorianische Kalender endet.

Heute jedoch habe ich meine Haltung gründlich überdenken müssen. Wegen Bauarbeiten vor dem Haus wurde ein Hauptstromversorgungskabel beschädigt und ich war drei Stunden ohne Strom. Was soll ich sagen? Es war furchtbar!

Kein Strom bedeutet – und darauf kam ich nicht sofort – kein Internet. Als das Licht ausging und alle Geräte stoppten, küsste ich zunächst mein eifrig laufendes Webbook. Ich blieb ganz ruhig, denn aus Erfahrung wußte ich, dass ich aufgrund der Akkuleistung mindestens zwei Stunden ausharren könnte. Genug Zeit um eine Freundin anzurufen und mich bei ihr einzunisten.

Doch OH SCHRECK „Keine Verbindung zum Internet“ klagte mein kleiner Gefährte. OK, OK ruhig bleiben, dachte ich, mache Dir erst mal einen Kaffee. Doch haha! Unser Kaffeevollautomat funktioniert ohne Strom natürlich auch nicht. Bestimmt kommt der Strom bald wieder. Mache ich besser Hausarbeit. Doch wie Wäsche trocknen ohne Wäschetrockner? Und wie Krümel aufsaugen ohne funktionierenden Staubsauger?

Ich war der Panik nahe und setzte mich ins halbdunkle Wohnzimmer und dachte über die Apokalypse nach. Bestenfalls würde die Erde wirklich einfach verschlungen werden. Weitaus wahrscheinlicher, jedoch deutlich ungünstiger wäre ein Szenario wie ich es gerade erlebte. Kein Internet, kein funktionierendes Telefon, keinen Kaffee und unerträgliche Hygienezustände. (Meine elektrische Zahnbürste streikte ebenfalls.) Nicht mal die Möglichkeit mir bei Amazon ein Survivalbuch oder Apokalypse für Dummies zu bestellen!

Ich war kurz davor meiner Familie einen Zettel zu hinterlegen und zu hoffen, dass sie es mit dem letzten Benzin im Tank ebenfalls nach Bayern zu meinen Eltern schaffen würden. Die haben nämlich ein 2.000 Quadratmeter großes Dach, das mit Solarpanels gepflastert ist und in ihrem Garten könnten wir ausreichend Zucchini für uns alle anbauen. Glücklicherweise ging dann der Strom wieder an.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

4 Gedanken zu „Der Tag an dem der Trockner ausging“

  1. Ich sage nur: eine Woche kein Internet. Eine Woche. Alice. Die mit dem Gaddafi-Sohn. (Ich stelle mir gerade vor, wie ich das durchgeschwitzt in einer Kneipe an der Grenze zu Mexiko einem zahnlosen Barkeeper und einem tätowierten Exhäftling erzähle, die natürlich kein Wort verstehen)
    In dieser Woche habe ich Überstunden gemacht und mein Smartphone vermutlich häufiger als meine Frau geküsst. Was mir leid tut.

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