Kinder, Kinder

Vor Jahren habe ich mal ein Wiki mit Freunden gestartet. Mir war aufgefallen, dass es zwar duzende Berlin-mit-Kind-Führer gab, dass mir aber oft entscheidende Informationen fehlten. In den Beschreibungstexten stehen Dinge wie „bezaubernde Bedienung“ oder „das Waffelsortiment lässt keine Wünsche offen“ oder unspezifisch „Das Schwimmbad hat ein Nichtschwimmerbecken“.

Was mich aber interessiert hätte: Für welches Alter ist das Schwimmbad besonders geeignet? Beginnt das Nichtschwimmerbecken direkt bei 1 Meter Wassertiefe (doof für Babys) oder geht es langläufig von 0 auf 1,40 Meter? Gibt es Wickelkommoden in der Umkleide? Gibt es einen Abstellplatz für den Kinderwagen draußen? Gibt es Laufställe oder ähnliches, in die man die Kinder ganz kurz reinsetzen oder stellen kann, wenn man sich selbst duschen möchte?

Das selbe bei Spielplätzen: Können Zweijährige alleine die Rutsche erklimmen oder müssen die Eltern immer dabei stehen? Ist das Spielplatzareal umzäunt? Lässt sich das Tor ordentlich schließen? Gibt es in der Nähe eine Möglichkeit für die Eltern sich einen Kaffee zu holen? Gibt es eine Wasserpumpe (toll im Hochsommer – total nervig, wenn sie an kalten Apriltagen schon angestellt ist…)? Wie sieht es aus mit Schatten? Bietet das Gelände irgendwas, das auch noch Zehnjährige aus dem Kinderzimmer locken könnte?

Ich schrieb also über unsere Ausflüge Berichte und machte ein Paar Fotos und stellte sie in das Wiki. Brav kategorisierte ich nach Alter und Wetterlage.

Der Erfolg des Wikis war atemberaubend. Drei der dreißig Eltern, die ich eingeladen hatte, loggten sich einmal ein. Keiner schrieb oder ergänzte jemals einen Eintrag. Nach ein Paar Monaten verlor ich die Motivation meine Einträge selbst zu verfassen (ich bin ja FFRR-abhängig und das kann ich mir nicht selbst geben).

Jahre später stehe ich wieder vor dem gleichen Problem. Meine Schwester kommt nach Berlin und ich würde ihr gerne unsere Kinderhighlights beschreiben – nur leider sind meine Eintrage zum Teil veraltet oder ich hab sie noch gar nicht geschrieben, weil zwischen Wikitod und Schwesterbesuch fünf Jahre liegen.

Ein anderer Aspekt ist übrigens das Geld. Mir geht es total auf den Geist, wenn Unternehmungen mit Kindern ständig (viel) Geld kosten sollen. Gar nicht mal so sehr wegen des Geldes – sondern vor allem wegen der Erwartungshaltung, welche die Kinder mit der Zeit bekommen. Wäh? Nur Spielplatz? Ihhh! Schon wieder nur Park?! Kotz!

Meiner persönlichen Erfahrung nach gibt es wirklich sehr viele Angebote für Kinder, die großartig und kostenlos sind. Angefangen bei den zum Teil sensationellen Spielplätzen (Hasenheide!) über die großartigen Bibliotheken (inkl. kostenlosem WLAN ) über die großen Planschen im Berliner Osten (z.B. die im Plänterwald/Dammweg) bis zu den Angeboten einiger Schwimmbäder wie dem Prinzenbad, dass Kinder in der letzten Stunde der Öffnungszeiten für das eifrige Müllsammeln im Areal des Schwimmbads eine Eintrittskarte für den nächsten Tag bekommen können.

Was Spielplätze angeht, gibt es beispielsweise diese Seite, die nicht nur zahlreiche Bilder von jedem Spielplatz in Berlin bietet, sondern auch eine ortsabhängige Suche. (Unbedingt klicken, die Seite ist sensationell, da steckt irre viel Arbeit drin, weil man 757 bebilderte Spielplätze anschauen und bewerten kann)

Vielleicht kennt ihr andere Angebote oder habt Tipps, die ich hier nach und nach teilen kann. Es gibt z.B. Blogs wie BerlinFreckles, die ausführlich Eltern-Kind-Cafés getestet haben – aber wie gesagt – richtig begeistern würden mich Tipps, die kostenlos sind und von denen man ableiten kann, ob man da wirklich hin möchte. Auch gibt es günstige Angebote für Tagesausflüge in der Nähe von Berlin – so wie der Familiengarten in Eberswalde (3 Euro pro Erwachsenen und 1,5 für Kinder zwischen 3 – 16 – dafür aber mit kostenlosem unterirdischen Tretbootfahren und Tretautoparcours) oder auch den Dinopark Germendorf (4 Euro pro Erwachsenen und 1 Euro für Kinder), die nicht zu vergleichen sind mit den utopischen Preisen des im Lichte des Legolands (regulär für 5 Personen 80 Euro) oder SEA Life (72,50 Euro regulär für uns) noch günstig erscheinenden Zoos (35 Euro für das große Familienticket).

D.h. alles, was schon hunderte Male beschrieben ist und Unmengen an Geld kostet: Zoo, Aquarium, Legoland etc. interessiert mich eher weniger. Sollte ich jemals mein Passwort zum Wiki wieder finden, werde ich nach und nach meine bereits geschriebenen Einträge veröffentlichen.

Puh! Fast vergessen: Gratis in Berlin – Kategorie Kinder & Jugendliche. Da stehen auch Flashmobs (Kissenschlacht-Flashmob war großartig) und Events wie die Brückenschlacht Kreuzberg und Friedrichshain drin.

Ergänzung: Kinderbauernhof Pinke Panke

15 Gedanken zu „Kinder, Kinder“

  1. Hach, beim Googlen gerade über deinen (zugegebenermaßen etwas älteren) Artikel gestolpert :)

    Wir haben aus eigener Erfahrung als Eltern gerade https://www.kindaling.de entwickelt um das ganze Thema etwas transparenter zu machen. In Berlin hat man so einen Überblick über alle Freizeitmöglichkeiten mit Kind und wir haben auch noch Kinderkurse, Kindergeburtstage und Feriencamps mit drauf. Alles was so zur Freizeitgestaltung mit Familie gehört.

  2. In Bremen ist das genauso so, es gibt keine Tageskarte für Kinder. Es gibt Tageskarten in zwei verschiedenen Formen: Tagesticket normal: 1 Erwachsener und max. 2 Kinder 5,90 Euro Tagesticket plus: 2 Erwachsene und max. 4 Kinder 7,30 Euro. Auch wenn man damit den ganzen Tag bis Betriebsschluss fahren kann, muss man dennoch einen Nachtzuschlag zahlen, wenn man mit Nachtlinen fährt und die fangen schon um 22:45 Uhr an. Ohne Nachtzuschlag=Schwarzfahren=40 Euro und das trotz Ticket! Bei Monatsabo wird es noch komplizierter: Das normale, was man jeden Monat kauft, kann man weitere Leute am Wochenende mitnehmen, aber muss Nachtzuschlag zahlen. Beim Jahresabo (Mindestvertragslaufzeit 12 Monate) gibt es Typ A: Keine Mitnahme und Nachtzuschlag muss bezahlt werden, bei Typ B Mitnahme möglich und auch kein Nachtzuschlag. Aber das kapiere erstmal. Es gibt keine Tageskarte für Kinder, weil keiner diese überbezahlten, aber unterqualifizierten Halbbeamten auf den Gedanken gekommen sind, wenn der erste sowas einführen würde, machen andere es auch so. NACHTRAG: Gegenargument zu deinem Gegenargument: Schüler in einer Großstadt habe eh eine Schüler-Monatskarte oder fahren schwarz, ein wirksamer Schutz ist also nicht nicht.

  3. Danke für die Verlinkung, bei der mir einfällt, dass ich in diesem Leben gar nicht mehr so viele Kinder bekommen kann, wie es Familiencafés zu testen gäbe. Die sind ja in letzter Zeit in Berlin aus dem Boden geschossen wie die Pilze…

    Ganz ähnlich sprießen derzeit auch diverse Apps aus dem Boden wie „Babyplaces“ etc., denen es aber ich nicht anders geht als dir mit dem Wiki. Wenn keiner etwas einträgt, bleibt der Nutzen auf der Strecke. Ich habe die neulich mal ausprobiert und was soll ich sagen? Laut App sind wir in die wahrscheinlich kinderUNfreundlichste Ecke von Friedrichshain, wenn nicht gar von ganz Berlin gezogen!

    Ansonsten ist unsere kleine Alternative zu Zoo und Tierpark das „Haus Natur & Umwelt“ auf dem Gelände vom FEZ: http://hnu-berlin.de Erwachsene zahlen 1,50 Euro und Kinder ab 5 Jahre 1,- Euro

    Wenn ich mal einen Berlin-mit-Kind-Stadtführer schreiben würde, dann würde ich eine Entdeckungstour entlang (und neben und hinter) der Karl-Marx-Allee beschreiben und „Zuckerbäcker“ müsste natürlich unbedingt in den Titel. Na ja, wenn mal Zeit ist…

  4. Wir waren heute wandern und dachten, dass es einen Ratgeber für kinderwagengeeignete Wanderwege geben sollte. Dachten aber, dass es sowas bestimmt schon gibt. Vielleicht sollte man zusammen und mit anderen einen Blog oder ein Wiki mit Tips für Eltern für ganz Deutschland machen. Man kann ja die verschiedenen Städte/Regionen taggen. Wir kommen aus der Region Mittelrheintal. Aber wie gesagt, vielleicht gibt es sowas schon.

  5. Oh, das kommt ja wie gerufen! Wir werden im August das erste Mal mit Kind in Berlin sein und ich fange gerade so allmählich mit dem Finetuning unseres Besuchs an :)

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