Was ich von der re:publica 09 mitgenommen habe II

Twitter kenne ich seit ca. 6 Monaten. Ich benutze es so: Einloggen und solange ältere Beiträge lesen und den More-Knopf anklicken bis ich an der Stelle angekommen bin, bei der ich beim letzten Login aufgehört habe zu lesen. Twitter ist mir suspekt. Ich mache nur mit, damit meine Kinder mich in fünf Jahren nicht auslachen.
Auf die re:publica hat es mich aufgrund einer Verkettung seltsamer Zufälle verschlagen.
Mein Resumée: Nächstes Jahr wieder und dann aktiver.
An Tag 1 habe ich mir die nette Begrüßung angesehen und gestaunt was man mit iPhone alles machen kann.
Danach habe ich gestaunt wie unglaublich reich und wichtig man als Blogger werden kann.
Den Chacka-alles-was-wir-machen-hat-die-Verbesserung-der-Welt-zum-Ziel-Vortrag von IBM habe ich aus Sicherheitsgründen mit Alufolie am Kopf verfolgt.
Inspirativ und auch glaubhaft, fand ich den social everywhere-Vortrag von Dr. Peter Schütt.
Tag 2 startete aufgrund einer morgendlichen Katastrophe (Dreiradsattel brach ab, passende Mutter nicht verfügbar) erst mit einem sehr akademischen Vortrag zur digitalen Identität und mündete Stunden später in einer  Twitterlesung.
Am 3. Tag saß ich im bewegenden Vortrag von Esra’a Al Shafei und hörte mir die anschließende Podiumsdiskussion an, um endlich mal etwas über Relevanz zu erfahren.
Hätte ich für den anschließenden Vortrag von Wales etwas spenden müssen, ich hätte mich aus dem Saal geschlichen, wie manch einer sich an der Toilettenfrau vorbei schleicht.
Cory Doctorow war umso phantastischer und eigentlich auch der einzige Vortrag bei dem ich für mein Gefühl wirklich Neues gehört habe.
Den letzten Vortrag des Tages „Wenn Frauen bloggen – Warum Babykotze genauso relevant ist wie das iPhone.“ wollte ich unbedingt anhören, bin dann weil zwei Teilnehmerinnen absagen mussten, durch Zufall hinter statt vor dem Tisch gelandet, um mit Entsetzen festzustellen, wie viel Diskussionsbedarf es noch zum Thema „die arme, benachteiligte, von Männern in allen Lebensbereichen unterdrückte Frau“ gibt. Schade, denn an sich hätte ich gerne mehr von den anderen Teilnehmerinnen gehört, deren Blogfelder ganz andere Bereiche abdecken. Ich hätte ohne Punkt und Komme zu solch seltsamen Weltansichten Stellung nehmen können, habe es dann aber gelassen, weil man in solchen Diskussionen ohnehin nicht gegen solche Positionen ankommt. Nichtsdestotrotz bin ich motiviert nächstes Jahr das Thema Frauen & Blogs wieder aufzugreifen und zu vertiefen. Bis dahin sind hoffentlich auch andere selbstbewusst selbst zu sagen: Unser Blog hat im Monat an die 200.000 Pageviews und das bedeutet unabhängig von der intellektuellen Güte unserer Inhalte, dass wir eine gewisse Relevanz haben.

Fernsehschlaf und Speckröllchen

Männer sind manchmal wahnsinnig undankbar. Mein Ex z.B. fands total doof, dass ich jeden Abend gegen 20.17 Uhr vorm Fernseher einschlafe. Und das obwohl ich ihm das große Kompliment, das sich dahinter versteckt, ausführlich erklärt habe. Im Grunde war es nämlich eine leise schnarchende Liebeserklärung; denn:
Vor 10.000 Jahren konnten die Steinzeitweibchen in der heimischen Höhle nur sanft einschlummern, wenn sie sich durch ein kräftiges Steinzeitmännchen bewacht fühlten.
Einzuschlafen ist also ein unausgesprochenes: Schatz, ich find‘ Dich wildmännlich, stark und groß! Ich fühl mich so beschZZZzzzzzzzzzzzzzt.

Auch fürs Dickerwerden höre ich nie ein Paar Worte des Danks!

Je glücklicher, wohliger und heimeliger sich ein Steinzeitweibchen fühlte, desto mehr Speckröllchen konnte es anlegen. Diese bildeten nämlich die unverzichtbare Basis für das Austragen der Nachkommenschaft.
Deswegen sollte zumindest mein derzeitiger Mann sich über meine stetige Gewichtszunahme und meinen abendlichen Erhohlungsschlaf freuen. Dass er nicht jedes Jahr ein Kind haben will – dafür kann ICH doch nichts.

Weibliche Selbstkasteiung

Gegen die Altersverdickung kann man im Grunde nichts machen. Man kann sich höchstens ein bisschen strafen. Wie ich heute gesehen und gehört habe, machen das Männer auf unterschiedlichste Art und Weise. Der eine ernährt sich nur von grünen Kürbisgewächsen, der andere schlürft in der Mittagspause eine Rindsbouillon.
Ich hingehen gehe zum Sport. Wäre ich reich, ich zahlte 120 Euro im Monat und lümmelte mich im Whirlpool von Holmesplace oder ließ mich in der Sauna langsam durchkochen.
Weil ich leider arm geizig bin, ich erwähnte es bereits , mache ich einen VHS-Kurs.
Dieser findet in einer Schulturnhalle mit schweißstinkenden Gummiboden und einer wändischen Vollvertäfelung statt. Die Yeah-we-giong-to-Ibiza-Musik plärrt aus einem Ghettoblaster, der vermutlich Mitte der 80er Jahre angeschafft wurde, und vor mir hüpft kaum hörbar atmend eine 20 Jährige Studentin.
Sie wiegt 45 Kilo und ihr Frohsinn weckt in mir die Mordeslust. Während ich halb ohnmächtig nach der 3. ‚Frauenliegestütz‘ auf die Matratze sinke, frage ich mich, ob ich nicht auch lieber Brühe trinke. Zu dumm nur, dass ich weder Gurken noch Rinder essen mag.

Der Katzenveit von Tripstrille

Kürzlich war unsere italienische Verwandtschaft zu Besuch und es dauerte keine 60 Minuten bis die Kinder mit einem leuchtenden, blinkenden und melodienleiernden Spielzeug ausgestattet waren.
Wenn man liest, man habe Gefangene mit Popsongs von Britney Spears und Metallica gefoltert, dann ist es leicht vorstellbar, dass auch diese Art Spielzeug eingesetzt wurde.
Die Melodie ist eingängig und schon ein sechs Monate altes Kind kann sie problemlos nachahmen. Von sprechfähigen und schulpflichtigen Kindern ganz zu schweigen.
So dudelt und rollt das automatische Gefährt seit einer Woche fröhlich durch die Wohnung. Wenn die Kinder nicht da sind, versteckt es sich hinter dem Wäschekorb oder in der Spülmaschine und fährt unerwartet aus seinem Versteck hervor und versetzt uns Erwachsene in Angst und Schrecken.
Einmal saß es sogar in der Kloschüssel und griff jäh beim morgendlichen urinieren an.
Tagsüber wenn die Kinder wach sind, fährt und tutet es wie von Geisterhand gesteuert durch die Wohnung und die Kinder laufen fröhlich singend hinterher. Der Melodienzug fährt durch den Flur, durchs Wohnzimmer und zurück ins Bad und die Kinder klatschen dazu im Takt.
In einem nächtlichen Traum höre ich genau die selbe Melodie auf einer menschenleeren Straße. Der Dudelzug fährt durch Berlin und die 7.976 Kinder unseres Bezirks folgen ihm die Tonfolge leise murmelnd. Als ich aus dem Fenster sehe, erkenne ich im fahlen Licht der Laternen in drei großen Lettern G E Z am Wagenstand. Die Zimmertür der Kinderstube öffnet sich leise knarrend und unser Baby schüttelt traurig den Kopf: Kulturzeit, Mama.
Gert Scobel sagt das größere Kind, dann laufen auch sie auf die Straße hinaus zum GEZZug. Schluchzend rufe ich in die Nacht: Abba isch abbe gar keine Färnsäha!