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So manches aus dem fernen Asien ist mir wirklich fremd. Allem voran die verschiedenen Modeerscheinungen. Letztes Jahr waren beispielsweise Zahnspangen trendy.

Ich erinnere mich an die Zeit in der ich Zahnspange tragen musste, weil ich eine ein Zentimeter große Zahnlücke zwischen den oberen Vorderzähnen hatte, nicht gerne zurück.

Zum Glück hatte ich nur eine herausnehmbare, die ich lediglich sporadisch trug. Wunder der Medizin, trotz des unregelmäßigen Tragens stellte meine Kieferorthopädin enorme Verbesserungen zwischen den einzelnen Besuchen fest.

Bah! Wenn ich an diese Frau denke. Sie roch grauenerregend nach Knoblauch und hatte riesige, schwarze Mitesserkrater auf der Nase und ihre Damenbarthaare bogen sich über das obere Ende ihres Mundschutzes. Wenigstens hat sie einen getragen. Ich denke, wenn sie das nicht getan hätte, hätte ich mich von der Knoblauchfahne übergeben und wäre daran und nicht an der verschluckten Zahnspange gestorben.

Das Mundteil der Zahnspange hat stets leicht muffig oder metallisch gerochen, wenn man es gerade mit einem Kukidingens gesäubert hatte. Ich erinnere mich auch, dass es irgendwann glitzernde Gaumenteile gab. Meines war dunkellila.

Im Schullandheim hatten alle ihre Zahnspangendöschen dabei. Manche trugen die Teile doch tatsächlich den ganzen Tag um den Hals. Obwohl ich nicht mal elf war, wusste ich dass es sich dabei um ein modisches No-Go handelt.

Ach ja. Die späten Achtziger. Die Zeit in der wir alle sprachen, dann eine kurze Pause machten und die Spucke, die sich im Mundraum und Gaumenraum der Zahnspange angesammelt hatte aufsaugten und runterschluckten.

„Hallo, ich bin Nuf …. zzzzzwwwwwww *gulp*“
Gott sei Dank musste ich nicht so ein Hannibal-Lector-artiges Teil tragen, was mit einem Gummiband um den Kopf herum befestigt war und bei Mädchen mit langen Haaren diesen Frankensteinbeulenhinterkopf machte, weil die Haare kontinuierlich nach oben geschoben wurden.

P.S.

Auch für Hunde gibt es Zahnspangen

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Mozart, der heute offensichtlich Geburtstag hat, geht mir seit Anbeginn des Mozartjahrs auf die Nerven. Mozart, das ist Klassik für Kleinkinder.
Interessanter finde ich, dass Mozart ein Markenname, der jährlich 5,4 Milliarden Euro einbringt. Es gibt um die 150 Mozartprodukte. Das Schöne: Der Name Mozart ist markenrechtlich nicht geschützt, was jedem Interessierten ermöglicht Mozartprodukte auf den Markt zu werfen.
Der Phantasie ist da kein Einhalt geboten, so kommt es dass ein Metzger aus dem Raum Salzburg, die allerorts dringend benötigte Mozart-Dauerwurst in Geigenform erträumte.

Auch sollte jeder Haushalt, der geschmacklich etwas auf sich hält, eine Mozartgardine im Wohnzimmer hängen haben. Für den Kleinen gibt es die Mozartaktionpuppe.

Für die Mama gibt es dann die original Mozartzauberflöte, mit der sie spielen kann, während Papa sein Mozartbier trinkt.

Inspiriert durch einen Beitrag auf Radio Eins

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Meine französische Freundin sagt, wenn Schuhe nicht weh tun, sind es nicht die richtigen Schuhe.

Ich bewundere ihren Ehrgeiz dem Paradigma „Wer schön sein will, muss leiden“ zu folgen. Doch Vorsicht! Das ist nur nachahmenswert, wenn man tatsächlich eine zierliche, modebewusste Französin ist.

Die deutsche Frau hingegen, muss bei der Präsentation ihres Modebewußtseins vorsichtiger sein. Denn Modebewußtsein hat nicht ausschließlich etwas mit im heimischen Fernsehprogramm erspähten Modetrends zu tun. Wer sich mit der aristotelischen Syllogistik auskennt, der weiß:

Wenn der Schuh gut aussieht, tut er weh

– ist nicht in –

Wenn der Schuh weh tut, sieht er gut aus

– zu wandeln.

Das ist der Grund warum nicht jeder in ein Glitzerschühchen gepfropfte Plattsenkspreizfuß hübsch aussieht. Im Gegenteil, da fühlt man sich schnell an die beiden Stiefschwestern von Aschenbrödel erinnert, die wiederum nicht für ihren Liebreiz in die grimmsche Geschichte eingingen.

Auch ist die Herausforderung nicht zu unterschätzen, wenn das deutsche Modeopfer sich abends nach all den Plagen des Tages im heimischen Sofa suhlt und einen Stoßseufzer ausstoßend mit Hilfe eines Schuhlöffels das vakuumisierte Leder vom Körper zu stemmen sucht.

Das wäre am Ende alles zu ertragen, würde das Modeediktat die Frauenwelt nicht zusätzlich zum Tragen spitzer Schuhe zwingen. Hat der Fuß nämlich nicht Schuhgröße 36, dann dauert es kaum zwei Tage und der elegant geschnittene Neuschuh läuft nicht mehr aerodynamisch spitz zu, sondern beult an den Zehenseiten zunehmend aus. Ich frage mich, ob die meisten Frauen an psychogener Blindheit leiden, denn offensichtlich können sie nicht sehen wie unästhetisch es ist, die 43er Füße durch eine 15 cm lange Schuhspitze zu verlängern. Die Wahrheit ist: es hat den Anmut von angschnallten Saugpümpeln.

Das sieht nicht nur hässlich aus, das ist ungesund!

Fußdeformationen sind kein Spaß!

Durchblutungsstörungen durch eingequetschte Zehen ziehen Krampfadern nach sich!

Kauft runde Schuhe!

Befreit Eure Füße!

Befreit meine Seele!

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Seit mehreren Jahrzehnten erzählen mir meine Eltern, dass ich das einzige Kind war, das am ersten Tag im Kindergarten geweint hat, als es abgeholt wurde.

Das ist nicht verwunderlich. Im Kindergarten gab es nämlich etwas, was ich aus meinen ersten drei Lebensjahren, die ich mit meiner Mami verbracht hatte, nicht kannte. Es war das andere Geschlecht.

Jungs fand ich klasse. Ich denke, seitdem ich sie entdeckte, war ich stets in mindestens einen verliebt. Meine erste große Liebe hieß Thorsten. Unsere Liebe wurde jedoch von unsensiblen Eltern auseinandergerissen. Sie zogen in das Nachbardorf. Ich sah Thorsten nie wieder.*

Ungefähr siebenunddreißig große Lieben später lernte ich L. kennen.

Er war der Freund meiner zickigen Schultheatergruppenkollegin. Während sie sich selbst handküsschenzuwerfend ihre gelbblond gefärbten Haare vor dem Spiegel hinter der Bühne kämmte, saß er gelangweilt auf einem Sportmatratzenstapel, rauchte Zigaretten und zwinkerte mir zu.

Ich arbeitete ein Jahr auf ein Date mit ihm hin. Ich fing dafür zu rauchen an. Das war sehr anstrengend und es brauchte mehrere Anläufe bis ich ohne Hustenanfälle inhalieren konnte. Ich rauchte dafür wochenlang ohne Publikum.

Ich versuchte mich optisch aufzubessern, indem ich meine Haare mit Henna fuchsrot färbte und ich zertrat wutentbrannt mehrere Kajalstifte bei dem Versuch mir den perfekten Lidstrich zu ziehen. Es war die Zeit in der man sich mit Häkeltops und Trompetenarmen aufhübschte.

Kein Wunder dass es so lange dauerte, bis ich sein Interesse wecken konnte. Immerhin war er schon zwanzig. Ich traf ihn Monate nach unserer ersten Begegnung, als mich meine beste Freundin zu einer WG-Party mitnahm.

Landeiig wie ich war, war ich mir sicher, dass „Mensch, der in WG wohnt“ mit Terrorist gleichzusetzen war. Die Party offenbarte mir, dass er nicht nur illegal in Schulturnhallen rauchte sondern auch WG-Mitbewohner war. Seine Gefährlichkeit trieb mir leise Wellen der Erregung durch den Körper.

Ich weiß nicht wie, aber ich schaffte es, dass er mich nach Hause brachte. Als wir uns meiner Tür näherten, beschleunigte sich mein Puls. Ich wurde immer aufgeregter. Ich nestelte im Rucksack nach meinem Haustürschlüssel. Mein Herz klopfte dabei wie eine kleine Taschenuhr. Klopf klopf klopf klopf klopf klopf.

Mein Mund war ganz trocken. Meine Hände umso feuchter. Jetzt standen wir im Gang zu meiner Wohnung. Ein langer, enger Gang. Ich mit dem Rücken zur Wand. Verlegen von einem Fuß zum anderen tretend. Er vor mir. Viel größer als ich. Leicht vorgebeugt. Langsam kam er mir näher. Mir wurde schwindelig. Mein Magen rumorte. Noch näher. Ich konnte seinen Atem spüren. Noch näher. Ich hielt die Luft an. Noch näher. Jetzt stand er fast Nase an Nase vor mir und schaute mich an.

Mir wurde so … so … ich kann es nicht beschreiben. Mir wurde schwummerig. Er verlagerte das Gewicht und berührte mit seiner Hand sanft meinen Bauch. Lehnte sich an mich und setzte gerade zum Kuss an, als mir schlagartig einfiel woher ich dieses schwummerige Gefühl kannte. Doch da war es zu spät. Der leichte Druck auf meinen Unterbauch hatte schon den schlimmsten und lautesten Furz meines Lebens gelöst, der sich unaufhaltsam seinen Weg in die Freiheit erkämpfte.

In den wenigen Millisekunden die mir bis zu seinem Austritt blieben gingen mir verschiedenste Alternativen ihn wenigstens akustisch zu übertönen durch den Kopf. Laut singen? Etwas scheppernd auf den Boden fallen lassen? Einfach weglaufen?

Doch es war zu spät.

PrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRTTTTTTttttttttttttttt!

*Thorsten, wenn Du mitliest, bitte melde Dich!