Apropos kinderfreie Zonen…

Gerne echauffiere ich mich über kinderfreie Zonen und Kinderfeindlichkeit im Allgemeinen, da muss man die löblichen Ausnahmen auch mal explizit erwähnen.

Deswegen heute meine Burger-Empfehlung – das Lily Burger in Neukölln. Ganz ehrlich, geht dahin.

Ich hab im Moment offenbar Hormone, aber ich war wirklich kurz davor, mich an die Hälse der Bedienungen zu hängen und theatralisch zu schreien: „OH MANN, IHR SEID SEIT LANGEM MAL DER KINDERFREUNDLICHSTE LADEN DIESER ERDE. DES UNIVERSUMS! ECHT JETZT!“

Und ich spreche hier nicht von gutmütigen, älteren Herrschaften sondern coolen Hipstertypen mit Basecap, Baggyjeans und Sidecut.

Kind 3.0 stößt eine Limo-Flasche um, schneller als ich denken kann „upsi“, steht die Bedienung mit Servietten bereits am Tisch und wischt fröhlich das Zuckerwasser vom Tisch. „Kein Ding“, sagt er und stellt fest: „Eure Rechnung klebt jetzt auch viel besser am Tisch, die fliegt nicht mehr weg, gut oder?“

Waaahhhh!

Kleiner Burger im Lily Burger
Bild von @monoxyd
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Low Carb Burger (ohne Bun und dochdoch, da ist ein Fleischpatty)

Die Bedienungen waren außerdem schnell, zuvorkommend und superfreundlich. So freundlich, dass die Kinder ganz irritiert waren.

Die Burger sind supergut. Bio Angus, zart, nicht zerbraten (nicht nur ich finde das). Wie man auf dem Bild sieht, kann eine Kleinfamilie sich von einem einzigen Burger ernähren.

Die Pommes (nicht im Bild) ebenfalls köstlich.

Bald macht direkt am Park in Friedrichshain ein weiterer Laden auf (ungefähr Ecke Friedensstraße), sagte uns eine der Bedienungen. Der neue Laden sei dann kinderfreundlich mit Spielecke und Co. Da musste ich lachen. Kann mir nicht vorstellen, dass die tiefenentspannte Kinderfreundlichkeit, die ich dort erlebt habe, noch steigerbar ist.

Ja, Kinderfreundlichkeit sei ihnen wichtig, erzählte uns die eine Bedienung. Er sei neulich mit seinem zweijährigen Kind asiatisch essen gewesen. Als diesem der Löffel runter gefallen sei und es sich darüber aufgeregt habe, sei gleich die Bedienung an den Tisch gekommen und hätte um Ruhe gebeten. „Bei einem Kind in diesem Alter sofort so überzogen zu reagieren, ist doch bescheuert…“.

Ja, das ist es.

Esst Burger bei Lily Burger und lasst euer Geld nicht mehr in Läden, in denen Kinder keine Geräusche machen dürfen.

Deine Freunde machen Deine Mudda glücklich

Das erste Konzert, das mir Spaß gemacht hat. Naja nach Herbert Grönemeyer, aber das sag ich nicht öffentlich. Das ist Kompromat.

IMG_7716Konzerte und ich, das ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Seit meiner Schulzeit denke ich immer wieder, es könnte mir Spaß machen Konzerte zu besuchen. Wenn ich dann da bin, merke ich, tief in mir lebt schon immer eine alte Oma.

Diese Oma findet große Menschenansammlungen blöd – v.a. dann wenn ihre Körper schwitzen und diese sie immer wieder berühren. Die selbe Oma ärgert sich immer wieder über die unangenehme Lautstärke von Konzerten und findet es ätzend, wenn Stücke gespielt werden, die sie gar nicht kennt oder erkennt.

Eigentlich möchte sie auch gar nicht stundenlang stehen, aber Sitzkonzerte sind noch viel schlimmer.

Die Oma hört schon immer schlecht – allerdings meint sie dennoch beurteilen zu können, dass achtzig Prozent aller Bands live unglaublich schlecht sind. Manchmal können die SängerInnen nicht singen, manchmal die Bandmitglieder ihre Musikinstrumente nicht so gut spielen. Oft sind einfach die Toningenieure ein bisschen taub.

Das Symbolbild für dasnuf und Livekonzerte wäre eine alte Dame, die etwas träge mit einem Krückstock wedelt und krächzt: „Bleiben Sie mir fort mit diesem modernen Zeug! Am schönsten ist Musik zuhause am Sofa!“

Im Grunde gibt es nur eine Sache, die schlimmer ist als Livekonzerte und das ist Kindermusik. Kindermusik, das hat sich irgendein Menschenhasser ausgedacht, das bedeutet Kinderchöre mit glockenhellen Stimmen, die irgendwas fiepen, schreckliche Melodien (die einen dennoch mehrere Monate als Ohrwurm begleiten ALLELEUTALLELEUT! JANUARFEBRUARMÄRZAPRIL!) und grauselige Texte.

Die Kinder werden geboren, man denkt sich: ich höre einfach weiter die Musik, die mir gefällt und basta und plötzlich wacht man in einem PEKiP-Kurs auf und klatscht und trällert eben jene Kinderlieder und wenn man dann in das fröhliche Babygesicht schaut, singt man das einfach ein paar Jahre weiter.

Eine echte Erlösung war deswegen die Entdeckung der Band „Deine Freunde„.

„Deine Freunde,“ das sind der ehemalige Echt-Schlagzeuger Florian Sump, der Fettes Brot DJ Markus Pauli und der Tigerenten Club Moderator Lukas Nimschek.

Ich meine irgendwo gelesen zu haben [*], dass Florian Sump selbst als Erzieher in einem Kindergarten tätig war und genau auf dieses Problem der unerträglichen Kindermusik gestoßen ist und dann das Lied „Schokolade“ geschrieben hat.

Das war der Beginn der Band, die bis heute drei Alben geschrieben hat.

Sofern man deutschen HipHop mag, kann ich „Deine Freunde“ wirklich sehr empfehlen. Die Musik ist so wie man es als Erwachsene gut hören kann und die Texte sind sehr, sehr gut. Genau genommen entsprechen die Texte diesen Elternblogtexten, die einen total begeistern, weil sie mit unglaublichem Feingefühl und Herzenswärme typische Eltern-Kind-Themen aufgreifen und zwar so, dass man v.a. über die Schmerzen des Elternseins lachen muss.

Die Witze gehen aber nie auf Kosten der Kinder. Denn im Grunde sind die Texte aus deren Perspektive geschrieben. Kinder, das darf man nie vergessen, haben es mit uns Eltern auch nicht immer leicht.

Es gibt auch Texte, die sind mit so viel Gefühl geschrieben, dass ich (ich bin zugegebenermaßen, was meine Gefühle angeht, oft etwas verdreht) zu Tränen gerührt bin. Das Lied „Ganz groß“ (Amazon Werbelink) erweicht mein Mutterherz jedes Mal und am liebsten würde ich beim Hören meine Kinder in den Arm nehmen und weinen wie diese Comicfiguren, denen rechts und links die Wasserfontänen aus den Augen spritzen und mich dann in ihren Shirts schnäuzen. (Zum Glück habe ich mich im Griff! Zum Glück!)

Deine Freunde - fotografieren verboten!

Jedenfalls das Konzert war grandios. Grandios, meine Damen und Herren!

Ich stand irgendwo hinten auf einer Balustrade während ich mit meinem Freund Händchen hielt und wir beide leise schluchzten: Das ist das erste Mal, dass die Kinder ganz alleine im Konzertpit hüpfen und mitsingen.

So war das nämlich organisiert: Die vordere Hälfte der Bühne war ausdrücklich nur für Kinder. Erwachsene durften dem Konzert in gebührlichen Abstand lauschen.

Wer schon mal einem Karnevalsumzug beiwohnte, der weiß nämlich, dass Erwachsene unendlich nerven können, z.B. weil sie Kinder schubsen oder ihnen rücksichtslos auf den Füßen rumtrampeln.

Deine Freunde - fotografieren verboten!

Ach, ich könnte jetzt noch einen Roman schreiben über das tolle Konzert und ein ganzes Reclam-Heft mit der Interpretation der einzelnen Songs befüllen – aber ich lasse das einfach und empfehle: Kaufen Sie die CDs, gehen Sie auf die Konzerte, singen Sie mit! Machen Sie die Band reich, da verderben Sie nichts mehr (die meinten ohnehin, dass sie jetzt so bekannt seien, dass sie jetzt bald arrogant würden).


(Unbedingt nicht anhören, wenn man nicht 14 Tage lang einen Ohrwurm haben möchte. Ich hab Sie gewarnt!)

P.S. Nach intensiven Befragungen der Kinder konnte ich ihnen auch ein enthusiastisches Urteil abringen:

„Wie findet ihr die Band?“ „Gut.“


[*] Mir wurde freundlicherweise auf die Sprünge geholfen, wo ich das gelesen habe: Was machen die denn da – Florian Sump

Ein Büchlein von Kind 3.0

Kind 3.0 und ich träumen davon eines Tages gemeinsam ein Buch zu schreiben. Kind 3.0 würde die Schule rasch fertig machen, aber dann nie arbeiten müssen. Wir stellen uns nämlich vor, dass wir sowas wie den Grüffelo zusammen schreiben. Finde ich ein valides Einkommenskonzept für die Zukunft. Kind 3.0 würde mich zu 40% an den Gewinnen beteiligen.

Heute morgen haben wir dann schon mal ein Mini-Buch zusammen gemacht. Heute hat die Kita nämlich geschlossen.

Weil Kind 3.0 nicht verständlich zu machen war, warum das Buch nicht sofort von einem Verlag aufgekauft, gedruckt und ab heute Nachmittag in der Bibliothek erhältlich ist, habe ich als Kompromiss angeboten, es in meinem Blog zu veröffentlichen.

Kind 3.0 erbittet Feedback.

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Idee und Konzept Kind 3.0, Recherchen und Schrift Patricia, beim Malen abgewechselt


Auf Wunsch als PDF: Einmal um die Welt

12von12 im Juni und Bonusmaterial

Das mit dem Ausschlafen an kinderfreien Wochenenden hab ich immer noch nicht zuverlässig drauf. Wahrscheinlich weil ich ohnehin mein ganzes Leben nie ausgeschlafen habe. Ich bin einfach Lerche.

Es ist allerdings schon neun. Also stehe ich jetzt auf und mache mir Kaffee. Mit dieser Bialetti, die angeblich Crema hinbekommt. Das Ding macht mich schon seit Wochen wahnsinnig.

Die ersten Male sprudelte und spritzte der Kaffee immer oben aus dem Loch (und ja, da ist ein Loch, es gibt dazu keinen Deckel, man kann nichts zuklappen, das gehört so). Dann habe ich nachgelesen auf was alles zu achten ist und auch was gelernt: Wenn man bereits kochendes Wasser unten in die Kanne füllt (ja, nur bis zum Ventil und nein, es ist nicht verstopft), dann ist der Kaffee nicht nur viel schneller fertig – er schmeckt auch sehr viel besser. Und nein, ich drücke das Kaffeepulver nicht an und eine andere (zu fein gemahlene) Marke ist es auch nicht und trotzdem sprudelt und sprutzelt der Kaffee seit neustem wieder oben wie irre raus. Aber ich hab das im Griff. Heute hab ich nämlich erst die Milch warm gemacht und in dem Moment, in dem die Kaffeekanne zur Fontäne wird, halte ich den Kaffee über den Topf und muss danach nicht den Herd putzen, sondern hab fertigen, wohlschmeckenden Milchkaffee.

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Am wichtigsten ist ohnehin, dass man den Kaffee (wahlweise auch den Tee) aus einer schönen Tasse trinkt. Und ja, man kann diese Tasse bestellen und ja, eigentlich will man alle Modelle haben.

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Nach dem Kaffee habe ich immer noch Zeit. Der Freund ist noch nicht aufstehwillig. Also lese ich. Zum Beispiel einen Artikel über Gleichberechtigung (ja, schon wieder!): Gleichheit der Geschlechter – 
Die große Illusion – Der Unterschied zwischen Mann und Frau spielt keine Rolle, heißt es. Bis es um Schwangerschaft und Geburt geht.

Ich finde, der Artikel hat viele interessante Aspekte, wenngleich er auch sehr viel vermischt. Zum Beispiel erklärt er mir, warum viele der jetzt ca. 30jährigen Frauen finden, dass wir keinen Feminismus mehr brauchen.

Die Leserschaft ist sich ob der Qualität des Artikels etwas uneinig.

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Mir ist immer noch wach und Frühstück wäre jetzt nicht schlecht. Also ziehe ich mich an und gehe zum Bäcker. Beim Bäcker lerne ich dann: Die Croissants immer zuletzt bestellen! Immer. Erst die Brötchen, dann die Croissants. Die Bäckereifachverkäuferin redet sich in Rage. Der Bäcker macht sich so eine Mühe mit den Croissants und dann kommen die Kunden und bestellen falschrum, das Croissant landet in der Tüte unten, wird zerquetscht und all die Mühe futsch. Das muss doch nicht sein. Wirklich nicht. Wehe, Sie bestellen nochmal in der falschen Reihenfolge. Ich hab’s natürlich richtig gemacht.

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Am Rückweg fällt mir auf, dass mal wieder ziemlich viel Sperrmüll auf der Straße steht. Ich denke, wenn es in Berlin wäre, wie es bei mir war als ich klein war, wenn also an einem bestimmten Tag im Jahr Sperrmüll wäre und die BSR führe durch die Straßen und holte alles ab, dann stünde nicht ständig und jeden Tag der ganze Müll herum. Warum das in Berlin anders ist als in anderen Städten – das kann mir vielleicht mal jemand erklären.

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Während ich mich also auf den Sperrmüll konzentriere, fällt mir auf, dass den ganzen Weg die Baumscheiben sehr liebevoll gestaltet sind. Baumscheibe auch so ein Wort, das ich nicht kannte bevor ich nach Berlin kam. Gemeint sind die freien Erdflecken um die Straßenbäume herum. Oft einfach von Hunden vollgekackt, manchmal aber auch von Anwohnern, Kneipen oder Kindergärten eingezäunt und liebevoll bepflanzt.

Ein sehr schöner Brauch.

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Und da sehe ich wieder: Berlin ist so schön oder häßlich wie man es sehen will.

Dann gibt es Frühstück. Der Freund muss arbeiten und ich fahre mit der Tram nach Hause, denn auch ich habe eine unendliche ToDo-Liste. All das, was ich im Alltag nicht schaffe… v.a. dann, wenn die Kinder da sind.

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Zum Beispiel Schubladen tauschen. Ich dachte, das dauert zehn Minuten, doch am Ende sitze ich schwitzend eine Stunde da und wünsche mir einen Akkuschrauber als ich die Schienen der Schubladen das dritte mal anschraube. Dann erst sehe ich, dass die Schubladenblenden zwei unterschiedliche Positionen haben und ach, ach, ach, was man alles falsch machen kann [1].

Am Ende siege ich, aber nur weil ich mir vorstelle, ich sei einer dieser Orks, die um ihre Ehre bemüht sind, die mir gestern Abend in Warcraft begegnet sind.

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Danach schnell noch die Wäsche. Schnell noch. Haha. Vier Maschinen waren das ingesamt, aber noch länger aufschieben geht nicht. Ich habe ausserdem seit neusten Spaß am Zusammenfalten, weil der Freund immer so ordentlich faltet, dass ich es auch so hübsch haben will und siehe da, wenn ich die Wäsche auf einem Tisch falte, dann sieht es halbwegs ordentlich aus.

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Am Nachmittag schwingen wir uns auf die Fahrräder und treffen die Illustratorin und den Autor von Pinipa bei Aldemir Eis.

Wie eine alte Oma denke ich mir als erstes: Also das wird hier ja auch immer teurer. Bald haben wir Preise wie auf Korsika. Dafür gibt es wirklich exotische Eissorten. Nachdem ich ca. zwanzig Minuten in Schockoptionsparalyse verharre, entscheide ich mich für Erdnusseis mit Sahne und Schokosoße. „Halbe Portion Sahne?“, fragt die Verkäuferin. Irre, halbe Portionen kann man bestellen? Weil das geht, bestelle ich eine halbe Portion.

Vielleicht hätte ich doch lieber das Ingwer-Eis nehmen sollen? Oder Zimt? Oder Kokos? Hmmm…

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Wir spazieren am Kanal entlang. Es ist früher Abend und wir sind alle hungrig. Also gehen wir zu Il Casolare. Ich bin gerne dort, weil es tatsächlich so italienisch ist, wie ich Italien als Kind kennengelernt habe. Ich mag die Schnoddrigkeit und die Gleichgültigkeit der Bedienungen. Mich nerven die Raucher. Also Kinderverbote finde ich unmöglich, aber Raucher! Raucher, die möchte ich gerne verbieten oder ihnen eigene Schutzräume geben. Raucher, die draußen in Restaurants sitzen und qualmen – das brauche ich wirklich nicht.

Wir bestellen eine Pizza Incredibile und eine Golosa und teilen sie uns. Unverschämt lecker sind die. Schade, dass ich nicht noch als Vorspeise die Auberginen hatte. Naja, dann esse ich wenigstens eine Nachspeise: Profiteroles. Seit Tagen habe ich Lust auf Profiteroles [2].

Der Espresso ist auch hervorragend und den Rest des Tages bin ich komplett essensbefriedigt. Ich liebe gutes Essen. Es macht mich so glücklich. Eigentlich will ich nur gut essen. Wie ich es hasse, irgendwas in mich rein zuschaufeln nur damit ich nicht mehr hungrig bin. Nein! Am liebsten würde ich jeden Tag so köstlich essen. Überhaupt essen. Es. ist. so. toll.

Mein Freund bestellt sich derweil Chinotto [3] und als ich den Geruch wahrnehme, muss ich mir auch ein Chinotto bestellen. Als Kind durfte ich mir Chinotto statt Cola bestellen und kam mir dann immer wahnsinnig erwachsen vor. Geschmeckt hat es mir nie, aber weil ich es durfte, hab ich es bestellt.

Chinotto ist irgendeine bittere Zitrusfrucht, zu den Bitterorangen gehört sie, mehr weiß ich nicht. Schmeckt eigentlich auch nicht. Ich gebe einen Teil meiner bitteren Limonade an meinen Freund. Das halbe Glas hat mich ausreichend glücklich gemacht.

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Nach dem Essen verabschieden wir uns von unseren Freunden und fahren mit dem Rad wieder nach Hause. Gegenüber haben die Nachbarn ihr Fernsehgerät auf das Fensterbrett gestellt und eine Bierbankgarnitur auf die Straße.

Ich mag Berlin, ich mag es wirklich. Wie schön, dass die Leute hier machen auf was sie Lust haben und sich in den allermeisten Fällen nicht allzu sehr gegenseitig auf die Nerven gehen.

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[1] Bonusmaterial „Was man alles falsch machen kann“

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[2]

[3]

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Genervt

Diese Woche bin ich sehr dünnhäutig und hatte verschiedene Dinge, die mich genervt haben.

Schulranzen.

Ich meine mich zu erinnern, dass ich zur Einschulung von Kind 2.0 unter hundert Euro ausgegeben habe. Auch das fand ich schon ziemlich teuer. Als ich mich jetzt auf die Suche nach einem Ranzen für Kind 3.0 machte, kosteten die meisten um die 230 Euro. Dazu fällt mir echt nichts mehr ein.

Wären die irgendwie fair hergestellt oder würde der Produktionsprozess besonders schonend für Mensch und Umwelt sein, ich wäre ja noch bereit, viel Geld zu zahlen – aber für was zahle ich hier eigentlich?

Dann schaue ich mir an wie viel Krempel das arme Kind 2.0 jeden Tag in die Schule und wieder zurück schleppt (und rechne die Kosten dazu) und da frage ich mich doch: Wann zur Hölle kommen die Tablets?

Star Wars

Ende des letzten Jahres bin ich in das Thema Star Wars eingestiegen, weil ich meine Kinder nicht mehr verstanden habe. Zwei Wochen später war ich so im Thema, dass ich mich heute über mich selbst wundern kann.

Der aktuelle Star Wars Film The Force Awakens hat mich total begeistert. V.a. wegen Rey

Rey ist einfach ein grandioses Vorbild.

Rey ist großartig. Sie ist ein völlig unabhängiger Charakter. Sie stellt sich selbst nie in Frage. Sie handelt einfach und zwar unabhängig von der Legitimation von Männern, ohne deren explizite Erlaubnis und trifft Entscheidungen ohne männliche Berater zu konsultieren. Sie ist Pilotin (und zwar eine mit sehr hohem Skill, sie fliegt den Millennium Falcon durch das Wrack eines Sternenzerstörers), sie ist findige Mechanikerin und ist trotz ihrer Zartheit und Weiblichkeit niemanden physisch unterlegen. Sie ist eine Anführerin und zwar eine, die sich diese Position nicht erkämpft, sondern eine, der diese Position einfach inne wohnt […]

Deswegen liebe Werbeindustrie, würde ich meinen Kindern den ganzen Rey-Star Wars Krempel kaufen. Hier! Ich wedele mit Euroscheinen!

Was muss ich aber feststellen? Es. gibt. verdammt. nochmal. kaum. etwas. mit Rey.

Da stehe ich im Kaufhaus und es gibt echt keine fucking einzige Rey-Figur? Wohl aber Poe Dameron, Han Solo, BB-8 und Chewbacca, von Darth Vader und den Storm Troopern ganz zu schweigen, Kylo Ren natürlich auch und selbst Admiral Ackbar und Jakku Bewohnern. Aber Rey?

Selbst im The Force Awakens Malbuch: Zwei Mal Rey auf ungefähr dreißig Seiten.

Rey-Fehlanzeige und das nach dem vergangenen #whereisRey Shitstorm. Liebe Werbeindustrie, ich sag euch, ihr macht einen Fehler. Wenn ihr Geld verdienen wollt, sprecht die Mädchen und Frauen an. Himmelherrgott.

Körperbilder

Durch meine Timeline rattert das Bild eines Mannes, der seinen Bierbauch zärtlich streichelt.

An jeder U-Bahnstation das Bild, der beiden Männer, die ihren dicken Bauch an den Zaun drücken.

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Toll, oder? Endlich sind alle Körperformen erlaubt! Es wird mit dicken Menschen Werbung gemacht. Moment? Dicke Menschen? Ne. Dicke Männer. Wo sind die dicken Frauen?

Ok, es gibt maximal die Ulknudel, die darf dick sein – aber sonst?

Mir ist das Pendant jedenfalls noch nicht begegnet. Ein Bild, das eine Frau mit Bauch zeigt, den sie sich vielleicht mit leckeren Nudeln angefuttert hat, den sie stolz rausstreckt und alle denken „Hey! Lustig! Wie schön! Ich hab auch einen. Wir lieben unsere Bäuche! Wir sind stolz auf sie.“ und nicht „Entschuldigung? Die lässt sich total gehen und dann feiert sie auch noch ihre Wampe ab?“.

Frauen in der Werbung müssen dünn und normschön sein. Und zwar egal, ob sie Bikini-Werbung machen oder für irgendwas anderes werben (auf meinem Arbeitsweg z.B. für ein Datingportal, ein Jobportal, einen Freizeitpark, eine Wohnungsbaugesellschaft, einen Wellnessanbieter).

Und übrigens was spricht eigentlich dagegen Bikini-Werbung mit unterschiedlich gebauten Models zu machen? ICH finde das toll und kann mich da wirklich nicht satt sehen, wie wunderschön ist das eigentlich (z.B. bei ASOS)?

[Und ja, ich finde, Astra Werbung darf ich mit jeder x-beliebigen anderen Werbung vergleichen, denn großartig anders machen sie nichts (denn 90% der Werbung, die Frauen darstellt, ist sexistisch – wenngleich sie vielleicht nicht auf das 0815-Model-Klischee zurückgreifen).]

Ach, aber was solls. Im Thema Frauen und Werbe- bzw. Stockfotografie ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Nicht nur beim Körperbild.

Twitterliebe 05/16

(Niemanden wird es auffallen, niemanden! Und du: pscht!!!)

Mal wieder Links

Männerquote in Frauenberufen? Ich bin dafür.

Wenn aber Arbeitgebern vorgeschrieben wird, einen bestimmten Anteil aller Positionen mit Männern zu besetzen, bleibt ihnen nur eins übrig: Löhne raufsetzen. Schließlich leben wir im Kapitalismus. Und da regelt bekanntlich der Preis den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.

Linear trauern, Dinge hinter sich lassen, abschließen, (wie) geht das und was ist eigentlich ein Zuhause?

Jetzt könnte ich das ganze natürlich professionell abhaken und sagen, ja mein Gott, das ist eine Note, guck dir einfach alle deine anderen Noten an, die sind besser, trink nen Tee, kauf Schokolade, fahr ne Runde Rad. Aber da sind wir wieder beim Abhaken. Ich bin die weltschlechteste Abhakerin aller Zeiten

Apropos Trauer. Wie schön, wenn es Rituale gibt, wie schön, wenn man die Leichtigkeit der Kinder betrachtet, wenn es um das Thema Tod geht. Der Text „Leerstelle“ hat mich lachen und weinen gleichzeitig lassen.

Nachdenklich hat mich der Text „Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Väter ein Opt-Out geben sollte“ werden lassen.

Ich plädiere dafür, dass nicht nur die Schwangere, sondern auch der Samenspender die Möglichkeit haben sollte, vom Projekt „Kindhaben“ zurückzutreten. Wählt er den Opt-Out, ist er raus, muss sich um nichts kümmern, keinen Unterhalt bezahlen und so weiter. Das kann natürlich nicht bedeuten, dass die Frau allein für das Kind aufkommen muss, […]

(und ich frage mich, wie der Text aussähe – bzw. wie die Reaktionen wären – wenn er heißen würde „Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Mütter ein Opt-Out geben sollte“ – denn faktisch gibt es das vielleicht im Punkt Abtreibung – nicht aber im Punkt „das Kind ist schon da“ – aber das ist eine ganz andere Baustelle.)

Weiter im Thema Väter: Vor einigen Tagen las ich das Zitat:

Alle reden von Elternzeit, Teilzeit oder Homeoffice. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich mal eine Woche lang erst um 19:30 Uhr nach Hause komme? Und ich bin sicher, dass Kinder ihre Väter lieben und eben die Väter die Kinder. Heute und genauso vor 60 Jahren. Ende der Durchsage! *

Ich bin ein Kind der 70er, in denen es in Westdeutschland total üblich war, dass der Vater unter der Woche ungefähr zur Tagesschau erschien und dann hieß es „Ruhe bitte“. In einer neumodischen Elternzeitschrift würde ich schreiben „Ich bin ein Kind der Nie-Da-Väter-Generation“.

Mir hat der Text „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus – wo sind meine Kekse“ sehr gut getan.

Es ist schon erstaunlich, wie leicht es sich Väter von heute noch immer machen: >Ich habe zwar kaum Zeit für die Kinder, überlasse der Mutter die Sorgearbeit und den Alltag mit den Kindern, aber das ist egal, denn schließlich liebe ich meine Kinder vom Büro aus […]

Mir reicht es nämlich nicht zu hören „Ich liebe Dich“. In keiner zwischenmenschlichen Beziehung. Ich möchte Taten sehen. Ich möchte, dass jemand, der behauptet, er liebt mich, für mich da ist. So wie in den Eheversprechen sozusagen: „In guten und in schlechten Zeiten.“ Ich möchte diese Zeiten teilen und das geht nur indem man Zeit miteinander verbringt und sich umeinander sorgt und füreinander da ist. So sehe ich jedenfalls meinen Part sowohl als Mutter und als Partnerin in einer Beziehung (und wüsste nicht warum das für Männer und Väter anders sein sollte).

Abschließend möchte ich noch auf die schöne Sammlung zum Thema „Vereinbarkeit“ von Mama Notes hinweisen. In ihr habe ich viele Texte gefunden, die ich noch gar nicht kannte.

Ein älterer Text „Ich hab die Nase voll“ fordert, dass man seine Forderungen an das Thema Vereinbarkeit selbst durchsetzen müsse. Alles Gejammer helfe eben nicht.

Und wenn Sie mir jetzt damit kommen, dass Ihr Mann die ganze Woche woanders arbeitet, tja. Auch das ist ist NIE in Stein gemeisselt. Wenn man sich dafür entscheidet, dieses Modell zu leben (und ja, dafür mag es sicher manchmal gute Gründe geben), dann ist das so, dann ist das aber eine Entscheidung, die man (im besten Fal) als Familie getroffen hat und mit der man halt dann leben muss. Dann wird es kompliziert, aber dafür kann niemand was, ausser den Leuten, die diese Entscheidung getroffen haben. Sorry.

Diese Stelle ist mir etwas bitter aufgestoßen, weil er sich explizit an die Frauen/Mütter richtet (so verstehe ich diese Passage).

Ich bin auch gestartet mit der Vorstellung, dass Care- und Haushaltsarbeit v.a. mein Aufgabengebiet ist, dass ich nach der Geburt des ersten Kindes Elternzeit nehme und dann nur noch Teilzeit arbeite, um diese Aufgaben zu übernehmen.

Als Kind 3.0 auf die Welt kam und ich wieder arbeiten ging, habe ich gemerkt, dass das so nicht mehr geht. Natürlich gab es da (endlose) Diskussionen…  und to make a long story short … am Ende haben wir uns getrennt und jetzt ist alles besser.

So und jetzt kommts! Das ging u.a. nämlich, weil ich finanziell nicht abhängig bin. Ich konnte diese Entscheidung treffen, ohne meinen Lebensstandard aufzugeben und mich (langfristig) in die (Alters-)armut zu verabschieden. Wenn man (also in dem Fall konkret die Frau!) jahrelang gar nicht gearbeitet hat, kein eigenes Einkommen etc. hat, dann sieht das einfach total anders aus.

Viele Frauen, die im Versorgermodell leben, haben diese (meine) Entscheidungsfreiheit nicht. Sie können ihre Forderungen im Grunde nur zu dem Preis des sozialen Abstiegs durchsetzen.

 

Im Thema Vereinbarkeit ist eben nicht alles persönlicher Entscheidungsspielraum.

 

Dazwischen

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Ich bin zu früh und weil ich nicht an der S-Bahnstation zwischen all den Menschen warten möchte, laufe ich ein Stück bis ich schließlich eine Parkbank finde.

An der Rückseite der Bank, rechts und links große angerostete Kübel, die mit Gräsern bepflanzt sind, die aussehen wie Roggenähren. Die Sonne scheint und der Wind streicht über das Miniaturfeld im Pflanzenkübel. Vielleicht ist es tatsächlich Roggen.

Ich setze mich und blicke auf die Straße und auf die etwas höher liegende S-Bahnstation von der ich gerade komme. Die Autos rasen vor mir vorbei, eine S-Bahn nach der anderen hält und spuckt Menschen aus.

Ein ganz normaler Tag für all die Menschen. Aussteigen, zur Arbeit gehen, Mittag essen, zurück laufen, wieder in die S-Bahn, nach Hause. Die meisten Menschen blicken nicht auf, rauschen aneinander vorbei, einige mit Taschen, Rucksäcken, einige Kinder an der Hand. Mir kommt alles einen Tick zu schnell vor.

Langsamer müsste es gehen. Man müsste mit dem Finger über das Bild streichen können. Alles einen Moment stoppen und dann mit einem zarten Schubs wieder in Gang setzen, nur mit dreißig Prozent weniger Geschwindigkeit.

Mein Körper schrumpft und in meinem Oberkörper fühle ich einen harten, zusammengezogenen Stein. Ich erinnere mich an dich. Du stehst in der Küche mit meinen Kindern. Ihr lacht alle und das Mehl ist überall. „Wir machen Pizza!“

Heute, denke ich, heute ist ein Tag, den du nicht erlebst. Eines Tages kommt mein Tag. Ein Tag, den ich nicht erlebe und alles wird weiterlaufen wie immer. Niemand hier wird es bemerken.

Weiter, weiter, weiter.

Ich denke über das Weitermachen nach. Wie kann man weitermachen? Warum macht man weiter?

Man macht es einfach. Jeder Schritt fällt schwer, jeder Griff, jeder Atemzug, sogar das Denken fällt schwer. Als wenn man selbst in einer anderen Dimension sitzt, einer Art Langsamkeitstunnel, der Rest der Welt macht weiter. Die eigene Langsamkeit lässt alles andere etwas zu schnell erscheinen.

Ich nehme die Langsamkeit als Geschenk. Ich packe sogar mein Handy weg. Fünfzehn Minuten habe ich noch, dann muss ich selbst weiter. Ich möchte wieder fühlen, wie sich eine Viertelstunde anfühlt.

Ich schließe die Augen, spüre die Sonne auf meiner Haut. Mehr hab ich gerade nicht. Die Sonne auf der Haut..

Aufstehen. Weitergehen. Weitermachen. Weitermachen. Weiter. Weiter. Ich weiß gerade nicht, wie man seinen eigenen Trott aushalten soll.