Genießen in vollen Zügen

[Servicebeitrag und Wochenendbericht]

Da ich vom Kulturzentrum Merlin in Stuttgart eingeladen war, am Sonntag mit einem parallelen Sendung mit der Maus Screening zu lesen, haben wir uns Samstag mit dem Zug auf den Weg nach Stuttgart gemacht.

Ich bin Bahn-Fan. Von mir aus könnte man alle Autos abschaffen und nur noch mit Bus und Bahn durch die Gegend fahren. Stellt euch das vor: Diese Ruhe! Kein Parkplatzgesuche, keine Staus, keine Abgase, kein Gestank, entspanntes Fahrradfahren überall.

Ich kann Bahn-Bashing nicht nachvollziehen. V.a. dann nicht, wenn es um 10-15 Minuten Verspätung geht*. Das ist albern. Mit einem Auto würde man eine solche Präzision nicht erwarten.

Mit Kindern mit der Bahn zu reisen, ist außerdem 100x entspannter als mit dem Auto zu fahren. Man kann sich bewegen, vorlesen, Karten spielen, Hörspiele hören und aufs Klo gehen.

Was mich gelegentlich auch stresst, ist die Intransparenz in Sachen größeren Verspätungen. Konkret meine ich:

a) wie man spontan umplanen kann (und zwar trotz Zugpreisbindung), weil ein Zug ausfällt oder ein Anschlusszug nicht erreicht wird

b) welche damit verbundenen Rechte man als Fahrgast hat

Ich schreibe deswegen ein paar Zeilen zu meinen Erfahrungen.

Tipp 1: Wenn man eine Zugverbindung online bucht, immer das Häkchen für Verspätungsalarm per SMS ankreuzen.

In der Regel erhält man dann rechtzeitig (manchmal schon Stunden vorher) eine Nachricht, ob mit deutlichen Verspätungen oder einem Ausfall des Zuges zu rechnen ist.

Tipp 2: Die Zugbindung hebt sich automatisch auf, wenn der betroffene Zug ausfällt oder aber, wenn man den Anschlusszug nicht erreichen kann.

Dass das so ist, kann man sich auf verschiedene Arten bestätigen lassen:

Variante 1: Es ist genug Zeit – z.B. meldet der Verspätungsalarm Stunden vorher einen ausfallenden Zug oder der 1. Zug hat so viel Verspätung, dass man noch vor der Abfahrt weiß, dass man den Anschlusszug sicher nicht erreichen wird) – in diesem Fall geht man ins Reisezentrum, lässt sich dort einen Stempel geben, bekommt die neue Reiseverbindung und mit viel Vorlauf sogar eine neue Reservierung.

Dort lässt man sich auch das Formular für Fahrgastrechte geben. Darüber kann man sich verfallene Reservierungen rückerstatten lassen und Entschädigungen auszahlen lassen.

Für 60 Minuten erhält man 25%, ab 120 Minuten 50% des gezahlten Fahrpreises für die einfache Fahrt zurück.

Man geht dann am Zielort entweder mit der Originalfahrkarte direkt ins Reisezentrum und erhält das Geld zurück oder man schickt das Formular per Post und erhält eine Überweisung.

Variante 2: Es ist nicht genug Zeit (man sitzt z.B. im Zug, der unterwegs so viel Verspätung bekommt, dass man den Anschlusszug verpasst) – dann lässt man sich von dem/der ZugbelgeiterIn bestätigen, dass man den Anschlusszug nicht erreichen wird.

Weiteres Vorgehen wie mit dem Formular für Fahrgastrechte weiter oben beschrieben.

Variante 3: Es ist nicht genug Zeit zum Reisezentrum zu rennen, aber man will auch nicht in den Zug steigen, der ohnehin den Anschlusszug nicht erreicht – aber es gibt vor Ort eine etwas später fahrende Alternative, die einen zum Zielort bringt – dann steigt man einfach da ein und hofft, dass die/der ZugbegleiterIn fair ist, die Verspätung nachschaut und die Zugpreisbindung aufhebt.

Tipp 3: Es ist dafür (und auch für das eigenständige Nachschlagen aller Alternativen am Gleis) von großem Vorteil die Bahn-App am Handy zu haben.

Verspätungen werden in der DB Navigator App angezeigt und ggf. überzeugt dann noch ein Screenshot.

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Die App zeigt, dass der Anschlusszug sehr wahrscheinlich nicht erreicht wird.

Worst Case wäre, dass der/die ZugbegleiterIn sich quer stellt. Dann sehe ich folgende Alternativen: Freundlich nach dem/der Zug-Chefin fragen, und prüfen, ob der/die das auch so sieht und wenn ja: Zugticket neu lösen und dann Rückerstatten lassen, weil die Regel nunmal ist, dass die Zugbindung sich aufhebt, wenn Züge so viel Verspätung haben, dass man den Anschlusszug nicht erreicht.

Es ist übrigens sehr hilfreich sich immer nur über das Worst Case Szeario und nicht über alle möglichen Szenarien den Kopf zu zerbrechen.

Variante 3 wurde mir am Telefon bei der Bahn-Auskunft mitgeteilt. Die Bahnauskunft hat die Nummer 01806996633. Unabhängig von der Dauer des Gesprächs kostet ein Anruf dann 20 Cent aus dem Festnetz und
60 Cent aus dem Mobilfunknetz.

Man klickt sich ggf. mit der Sprachsteuerung durch das Menü bis man bei der Informationsstelle für Fahrgastrechte gelandet ist. Die geben einem Auskunft. V.a. für Variante 3 (keine Zeit irgendwas bestätigen zu lassen) den Namen des Call-Agents merken.

Was jetzt sehr kompliziert klingt, ist im Grunde ganz einfach: Können gebuchte Verbindungen nicht genutzt werden, hebt sich die Zugbindung auf. Geld zurück gibt es auf jeden Fall für die Reservierungen und bei erheblichen Verspätungen, gibt es auch bis zu 50% des Fahrpreises zurück.

Auf dem Weg nach Stuttgart habe ich das ausprobieren können.

Am Hinweg hatte der 1. Zug in Berlin schon so viel Verspätung, dass sicher war, dass wir den Anschlusszug in Hannover nicht erreichen. Wir hätten mit einer Stunde Wartezeit in Hannover nach Mannheim fahren müssen, um dann weiter nach Stuttgart zu fahren (oben Variante 3).

Die Alternative war viel schöner: Einfach in Berlin in den nächsten Zug nach Stuttgart steigen.

Am Weg von Stuttgart nach Berlin, habe ich 4 Stunden vor Abfahrt erfahren, dass unser Zug komplett gestrichen ist. Wir sind dann ins Reisezentrum und haben umgebucht (oben Variante 1).

Das hat uns leider 3 Stunden Stuttgart in der Sonne geklaut, war aber besser als gar nicht mehr nach Berlin zu kommen.

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So aufregend für mich! Ein echtes Plakat UND ich saß auf einer Bühne, auf der u.a. auch schon Max Goldt saß!

Die Lesung im Merlin selbst war wunderbar. Das Merlin ist einfach wunderbar. Das Merlin ist eine kleine Bühne mit einem dazugehörigen Café. Die Idee eine familientaugliche Veranstaltung zu machen, fand ich supergut und ich hoffe, es nehmen sich andere Veranstalter ein Beispiel daran.

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Auf der Bühne war es sehr hell. Nicht im Bild: ca. 60 Lesungsgäste
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Normalweise treten abends Rockstars im Merlin auf, die morgens ausschlafen müssen.

Während ich ab 11.30 gelesen habe, schauten die Kinder parallel im Café Sendung mit der Maus. Als die Sendung fertig war, kamen die Kinder in den Raum mit der Bühne. Es waren auch Eltern mit Babys und Kleinkindern dabei, die ab und an mal Geräusche machten. Das ist ja auch völlig normal mit Kindern. Mir hat das wirklich gut gefallen. Auf der Bühne stört das gar nicht und als Mutter hätte ich mich gefreut samt Nachwuchs zu einer Lesung gehen zu können.

Zwei ältere Kinder haben mir nach der Lesung sogar gesagt, dass sie es sehr lustig fanden.

Für mich war es das erste Mal in zwei langen Blöcken (je 40 Minuten) vor fremdem Publikum zu lesen. Ich hatte ins Publikum gefragt, wer schon Buch oder Blog kennt und den Eindruck, dass tatsächlich 3/4 der Menschen noch nie von mir gehört hatten und trotzdem gekommen waren.

Ich hatte jedenfalls großen Spaß und würde das jederzeit wieder tun. Danke für die Einladung liebes Merlin. Es war mir eine Ehre!

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Von allen geplanten Programmpunkten lediglich den Schloßplatz geschafft, weil der Zug ausfiel und wir früher zurück mussten.

Auf der Rückfahrt war ich so euphorisch, dass ich das erste Mal in meinem Leben ins Zugrestaurant gegangen bin. Der Kellner war so höflich und zuvorkommend, wie ich es bislang wirklich nur in sehr teuren Restaurants erlebt habe. Schon wie elegant er beim Servieren das Zuggewackel mit einigen gekonnten Ausfallschritten auszugleichen vermochte – allein deswegen lohnte sich ein Besuch dort.

Wir bestellten den teuersten Rotwein (2012er Tempranillo Crianza Edición Limitada**) der Karte und dazu ein Chili. Der Rotwein war interessant. Viel zu kalt und für mich das erste Mal, dass ich neben dem Geschmackseindruck „Wein“ weitere Varianten erkannte. Sehr hervorstechend der Nachgeschmack nach Gurkenwasser. Und zwar nicht Wasser und Gurke sondern der Geschmack, den man aus den eingelegten Gurken kennt. Sprich sehr wässriger Senf und Dill.

Das war so scheußlich, dass ich zu jedem Schluck Wein einen Löffel Chili nehmen musste. Das Chili hat wie eine Dosengulaschsuppe geschmeckt und zeichnete sich v.a. durch sehr schön quadratische Pressrindfleischstückchen aus.

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Sieht zumindest ganz passabel aus.

Um das Geschmackserlebnis abzurunden, gönnten wir uns eine zuckerstrotzende belgische Waffel als Dessert und wankten mit dicken Bäuchen zurück ins Abteil.

Alles in allem ein sehr gelungenes Wochenende.


 

*Außerdem gibt es immer noch die Möglichkeit, sich mal von der japanischen Bahn beraten zu lassen. Der Shinkansen-Zug hat eine durchschnittliche Verspätung am Ankunftsbahnhof von sechs Sekunden (Emoji mit offenem Mund).

*Nach rund 14 Monaten Reifezeit in französischer und amerikanischer Eiche, wird der Wein auf der Flasche gezogen, wo er für weitere 10 Monate reifen kann. Die Farbe der Edicion Limitada erinnert an Schwarzkirsche. In der Nase eine komplexe Palette von Aromen, Noten von Brombeere, Lakritze, Nelken und Graphit. Am Gaumen ist er lebendig; Pflaume, Balsamico und Mineralien, die in einen leckeren und sehr runden Abgang verschmolzen sind.

Quelle: Vinehouse.de

U-Bahn Gedanken

Ich hatte irgendwann mal den Kommentar: „Mach mal die Augen auf, erklär mir mal wie man eine Vollzeitanstellung in eine Teilzeitanstellung umwandeln kann wenn man ein Mann ist“ unter einem meiner Blogartikel. An diesen Kommentar musste ich heute in der U-Bahn denken.

Ein sehr wichtiger Kommentar, denn er spiegelt eine bestimmte Denkhaltung wieder. Was für Männer offenbar ganz unmöglich ist, ist für Frauen anscheinend kein Problem. Immer wieder wird so getan, als sei der gleiche Sachverhalt für eine Frau etwas total anderes als für einen Mann.

Ich habe versucht mir das mal an verschiedenen prototypischen Alltagssituationen vorzustellen

Situation 1: Haushalt

Frau: Ich liebe Spülmaschine ausräumen. Das Ein- und Ausräumen der Spülmaschine erfüllt mich so sehr, dass ich sie manchmal einfach vollräume, obwohl nichts schmutzig ist. Einzig und allein – weil mir das so einen Spaß macht.

Mann: Spülmaschine ausräumen. Na toll. Schon wieder. Elendige Sisyphos-Arbeit. Als gäbe es nichts schöneres. Macht mir echt keinen Spaß!

Situation 2: Das Kind ist krank

Frau: Hallo Chef, ich muss leider zuhause bleiben, mein Kind ist krank.
Chef: Oh, das macht nichts. Ganz ehrlich, sie haben doch schon letzte Woche zwei Mal gefehlt und wirkten so angeschlagen auf mich. Lassen sie sich krank schreiben und kurieren sie sich bitte endlich mal richtig aus. Ihre Kunden laufen ihnen nicht weg…

Mann: Hallo Chef, ich muss leider zuhause bleiben, mein Kind ist krank.
Chef: Was? Schon wieder? Das ist – um offen zu sein – sehr ärgerlich. Da müssen wir jetzt aber wirklich langfristig mal schauen, ob wir die wichtigsten ihrer Projekte an die Frau Müller geben. Die hat so gut wie keine Fehlzeiten.

Situation 3: Eine Schwangerschaft wird verkündet

Frau: Chef, ich bin schwanger.
Chef: Herzlichen Glückwunsch. Das ist das dritte, oder? Genießen sie bitte ihre Elternzeit. Ihre Projekte und Verantwortlichkeiten bekommen sie dann wieder zurück. Wir halten sie up to date.

Mann: Chef, meine Frau ist schwanger.
Chef: War das Absicht? Das ist doch schon das dritte? Sie wollen wohl hoffentlich keine Elternzeit machen. Ich weiß nicht, ob wir ihre Projekte für sie nach einer längeren Pause halten können.

Situation 4: In Teilzeit gehen

Frau: Ich würde gerne Stunden reduzieren.
Chef: Alles klar! Wären 28 Wochenstunden OK? Wir bekommen das schon hin. Wir schauen einfach mal, welche Themen sie abgeben können, ohne ihren Verantwortlichkeitsrahmen zu verkleinern. Es geht hier schließlich nicht um Anwesenheit sondern um ihre Kompetenz, die ich im Übrigen sehr schätze. Außerdem probieren wir so neue Arbeitszeitmodelle aus. Das kann ja auch ein Vorteil für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein, oder?

Mann: Ich würde gerne Stunden reduzieren.
Chef: Wie bitte? Sie wissen doch selbst, dass eine bestimmte Hierarchie-Stufe auch vom Vorbildcharakter lebt. Sie können nicht Abteilungsleiter sein und dann früher gehen. Sie müssen ein Vorbild für die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sein. Ihre Position ist leider nicht geeignet in Teilzeit ausgeführt zu werden. Das ist ihnen doch klar?


 

Falls es nicht klar geworden sein sollte. Ich bin sicher, es hängt nicht am Geschlecht der Bittstellenden. Es hängt am Arbeitgeber, es hängt an der Einstellung der Vorgesetzten UND es kommt wohl nur in sehr seltenen Fällen vor, dass alltägliche Pflichten erfüllend sind. Meistens sind es eben nur Pflichten, die geschlechtsunabhängig keinen Spaß machen.

Frauen stehen vor den selben Problemen wie Männer. Sie sind offenbar aus Tradition eher bereit, diese Probleme anzugehen und ggf. die damit verbundenen Diskrimierungen hinzunehmen und mit den Herabstufungen und dem Mobbing zu leben, auf Karriereschritte und Geld zu verzichten.

Partnerschaftlich geteilt

Eine Freundin hat mir kürzlich ein älteres Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch, Professorin für Geschlechterverhältnisse an der TU Darmstadt, zugeschickt. Es heisst „Putzen oder lieben„.

Bemerkenswert und schön als kleiner Test, schon eine Frage ganz zu Beginn:

Sie sprechen von einem inneren Widerspruch [zwischen romantischen Liebe und gleichberechtigter Partnerschaft.]: Wie finden Sie den heraus?

Wir führen Interviews mit den Paaren. Wenn man sie zum Thema Hausarbeit befragt, kann man hören: Bei uns läuft das partnerschaftlich, wir teilen uns die Arbeit auf. Aber wir wollen das genauer wissen und fragen nach: Wer putzt denn bei Ihnen die Fenster? Wer näht die Knöpfe an? Wenn man insistiert, kommen andere Dinge ans Licht. Etwa dass immer dann, wenn der Mann für längere Zeit die Hausarbeit übernimmt, im Erziehungsurlaub beispielsweise, eine Putzfrau engagiert wird, die es nicht gegeben hat, als die Frau für die Hausarbeit zuständig war. Das sind interessante Details, die den inneren Widerspruch deutlich machen.

Wer putzt das Klo?
Wer putzt die Fenster?
Wer wäscht die Wäsche?
Wer hängt sie auf?
Wer faltet sie?
Wer räumt sie in den Schrank?
Wer bügelt?
Wer steht am Wochenende mit den Kindern auf?
Wer überzieht die Betten?
Wer macht die Einkaufsliste?
Wer plant was gegessen wird?
Wer gießt die Blumen?
Wer näht kaputte Kleidungsstücke?
Wer bringt den Müll runter?
Wer macht die neue Mülltüte in den Mülleimer?
Wer saugt?
Wer wischt den Staub?
Wer wischt den Boden?
Wer wischt die Schränke mal aus?
Wer kümmert sich rechtzeitig um die Geburtstags/Weihnachtsgeschenke?
Wer denkt an die Geburtstage der Verwandtschaft?
Wer achtet darauf dass die Schuhe der Kinder passen?
Wer besorgt neue Schuhe?
Wer macht den Großeinkauf?
Wer besorgt alle paar Tage frische Sachen wie Obst und Gemüse?
Wer kauft Windeln?
Wer geht zum Elternabend?
Wer sortiert die kaputte und nicht passende Kleidung der Kinder aus?
Wer schneidet den Kindern die Fingernägel?
Wer denkt an die U-Untersuchung?
Wer geht mit den Kindern zur U-Untersuchung?

Wer repariert ein kaputtes Fahrrad?
Wer schaut nach der Wechselwäsche im Kindergarten?
Wer entrümpelt das Kinderzimmer?
Wer macht den Ofen sauber?
Wer macht jeden Morgen die Schulbrote?
Wer räumt die Spülmaschine aus?
Wer räumt sie ein?
Wer macht die Spülmaschine regelmäßig sauber?
Wer erledigt die Behördengänge?
Wer denkt an ablaufende Fristen?
Wer kocht?
Wer deckt den Tisch?
Wer räumt den Tisch ab?
Wer macht die Schuhe sauber?
.
.
.
Und dann: Wie oft tut er/sie das?
Und: Tut er/sie das ohne Aufforderung?
Und: Erledigt er/sie die Aufgaben ohne Zuarbeit und Nacharbeit?


 

Und wenn nach Abarbeiten dieser Liste eine Person den Löwenanteil trägt, dann einfach die 10 Life-Changing Tips to Make Your Home So Much Cleaner lesen.

Mir gefallen am Besten Tipp 6 und 7:

6. Don’t clean. Let it get so bad that your family signs you up for a reality show where a professional comes in and cleans.

Kick back and enjoy the money.

7. The mess isn’t the problem, it’s the fact that you can see it.

Have your eyes surgically removed and never see again.

 

P.S. Ich hab das ja mal versucht, um das große Kind zum Mithelfen zu bewegen. Ich habs nicht ausgehalten.

Meine (etwas fruchtlose) Affäre mit Snapchat

Ich bin ja eigentlich sehr glücklich mit Twitter und auch schon total raus aus dem Alter, in dem ich mich immer fragen muss: „Gibts noch was besseres?“

Twitter und ich, das ist was für die Ewigkeit. Ob nun Sternchen oder Herzchen, ob mit oder ohne Gifs, ob ich Umfragen erstellen kann oder nicht. Is mir alles egal. Selbst die zunehmenden Werbetweets, ignoriere ich einfach standhaft. Ignorieren ist, manche Leserin mag das verwundern, eine meiner Kernkompetenzen.

Allerdings kommt man als Internetkranke (wie ich liebevoll von einigen Menschen genannt werde), kaum an Snapchat vorbei. Irgendwie ist das wahnsinnig groß und damit eben relevant und offenbar tummelt sich dort die Jugend (Wahrscheinlich genau die Jugend, die in Facebook vor der nervigen Elterngeneration geflohen ist).

Neben der Jugend ist Snapchat offenbar für den Journalismus als solches auch ein heißes Ding (Breitband Radiobeitrag).

Ach und ach, also musste ich mir dieses Snapchat doch mal anschauen, immerhin werden

„bei Snapchat […] pro Tag rund 700 Millionen Fotos gepostet und damit 10 mal mehr als bei Instagram. Ebenso generiert die App bereits jetzt schon ta?glich 6 Milliarden Videoaufrufe und damit fast so viele wie Facebook (8 Milliarden).“

und

„Snapchat ist mittlerweile 19 Milliarden US-Dollar wert und geho?rt zu den am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerken unserer Zeit.“

Quelle: Philipp Steuer „Snap Me If You Can„, S. 5 und S. 17

Kapiert habe ich erstmal nichts. Ich kenne Leute, die sagen: Die Usability ist so unter aller Kanone, dass ich das deswegen nicht benutze.

Ich halte solche Aussagen für das „Mama will mit dem neumodischen Videorekorder nichts zu tun haben“-Phänomen meiner Kindheit. Wir 40jährigen werden einfach alt und sind vielleicht eine bestimmte Logik gewohnt, die bei Snapchat nicht eingehalten wird und schimpfen dann krückstockwedelnd dass die Plattform nichts taugt, weil wir nicht verstehen wie sie funktioniert.

Und ungewohnt ist es ja wirklich bei diesem Snapchat. Ohne Gebrauchsanweisung hab ich wirklich nicht viel mehr geschafft als die App zu öffnen.

Nach drei Wochen mache ich im Grunde zwei Dinge:

  • Mich staunend gemeinsam mit den Kindern über die Videofilter (eigentlich „Lenses“) schlapp lachen

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Kurzer Einschub hierzu: Für mich sind diese Filter ebenso faszinierend wie für Kind 3.0. Ich kann stundenlang vor meinem Telefon sitzen und mein Gesicht verziehen, weil ich nicht verstehen kann, wie das so gut funktioniert. Das ist für mich wie Zauberei.

  • Die (wie sagt man dazu eigentlich?) Snapchats anderer Leute anschauen

Was mich extrem irritiert ist, dass man nicht liken kann. Ich schaue mir also etwas an, das mir sehr gut gefällt und dann denke ich: Hm und nu? Wie sage ich dem- oder derjenigen, die das produziert hat, dass es mir Freude bereitet hat? Mit einer Bildantwort? Einem „Danke“ oder „haha“ im Chat?

Snapchat fühlt sich außerdem seltsam intim an. Fremden schreibe ich gar nichts (sehr im Gegensatz zu Twitter übrigens) und Menschen, die ich persönlich mittelgut kenne, schicke ich auch nichts, weil es sich so wie äh kleine Liebesbotschaften anfühlt? Schwer zu beschreiben, jedenfalls höchst inadäquat. Lediglich Menschen, denen ich ohnehin nahe stehe, kann ich einfach Snaps schicken. Aber auch da irritiert mich in ein schwarzes Loch zu kommunizieren, da oft einfach nichts zurück kommt.

Snapchat ist außerdem jedes Mal wieder eine Entscheidung. Es gibt keine Timeline in dem Sinne sondern man klickt jeden Beitrag, den man sehen will, bewusst an. Die Bewegungsrichtung ist eine andere. Bei Twitter und Facebook rauscht meine Timeline an mir vorbei. Bei Snapchat wende ich mich aktiv den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern zu.

Wer sich wirklich einarbeiten möchte, dem empfehle ich „Snap Me If You Can“ von Philipp Steuer (den Tipp habe ich übrigens von @leitmedium). Dort ist das Thema wirklich sehr gut aufgearbeitet und man findet sogar „Snapchat Hacks“.

Meine Snapchatnutzung bleibt jetzt erstmal das Nutzen der Lenses, das Abspeichern der Fotos und das verschlüsselte Verschicken der Fotos an Freunde per iMessage oder Threema. Snapchat selbst bleibt mir suspekt.

Über Follower-Empfehlungen freue ich mich übrigens. Bislang blieb mir da der große AHA-Effekt aus.


 

Nachtrag: Wer wissen möchte, wie man an die viel zitierten Pimmelbildchen bei Snapchat kommt, liest bei dem Snapchat-Veteran (2013!!!1!) Heiko „Ich hab Snapatmung“ weiter.

Kindheitskuchen

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der eigentlich nie gebacken wurde. Wenn – dann gab es Fertigteigmischungen – was mich gar nicht gestört hat.

Einer meiner Lieblingskuchen war eine Backmischung namens „Tortina“, die es schon lange nicht mehr gibt. Im letzten Weisheits-Podcast haben wir über unsere Lieblingskuchen gesprochen und deswegen habe ich vorher nach dem Rezept gegoogelt und bin tatsächlich fündig geworden.

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Weil das auf so große Begeisterung gestoßen ist, verblogge ich das Rezept, ganz so wie man das von einem ordentlichen Mutti-Blog erwartet (wie z.B. im Blog von Felix Schwenzel, dessen verbloggte Rezepte ich sehr gerne lese).

Zutaten

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Kuchenschicht 1
100 g weiche Butter oder Margarine
140 g Zucker
1 Pck. Vanillin-Zucker
1 Pr. Salz
1 Ei (Größe M)
3 Eigelb (Größe M)
100 g Weizenmehl
3 gestr. TL Backpulver
50 g Feine Speisestärke
4 EL Milch
50 g Schokoflocken

Kuchenschicht 2
3 Eiweiß (Größe M)
120 g Puderzucker
100 g Gemahlene Haselnüsse

Kuchenschicht 3
Puderzucker

Zubereitung

Bis auf die Schokoflocken alle Zutaten von Kuchenschicht 1 nehmen, zusammenwerfen und rühren. Am Ende die Hälfte der Schokoflocken zärtlich in den Teig einrühren.

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Für Kuchenschicht 2 die Eiweiße steif schlagen. Puderzucker reinsieben (man kanns auch klumpig reinwerfen und zerdrücken), Haselnüsse dazu, rühren und sich dabei immer fragen, was „vorsichtig unterrühren“ in herkömmlichen Rezepten wohl meint.

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Springform ausfetten, Globsch von Kuchenschicht 1 reinwerfen, glatt streichen, Globsch von Kuchenschicht 2 reinwerfen, glatt streichen. Ganz oben drauf die übrig gebliebene Hälfte der Schokoflocken der Zutaten aus Kuchenschicht 1 auf dem Teig verstreuen. Häufchenbildung vermeiden.

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Das Ganze bei 180 Grad eine Stunde in den Ofen.

Kuchen auskühlen lassen, aus der Form nehmen und mit Puderzucker (diesmal aber wirklich sieben) bestreuen.

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Fertig!

Wer es komplizierter mag mit einer bestimmten Reihenfolge welche Zutat mit wem und so, der liest das Originalrezept.

Allen anderen: Guten Appetit.

12 von 12 im März

Ich bin seit 6.50 Uhr wach. Leider habe ich den Kindern gesagt, dass wir ausschlafen möchten und sie uns nicht vor 9.30 Uhr wecken sollen. Es ist verrückt, seit dem letzten Urlaub klappt das. Ich hab einfach eine Regel aufgestellt und sie halten sich (wenngleich immer unter Protest und mit Augen verdrehen) dran. Vor 9.30 Uhr aufzustehen, wäre jetzt natürlich fatal. Ich lese also ein wenig im Internet, dann kommentiere ich noch ein bisschen und endlich ist es 9.00 Uhr. Dann gebe ich auf und gehe in die Küche. Mein Freund versteht nicht, was so hart am Ausschlafen ist.

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Natürlich wären die Kinder schon lange verhungert. Zum Ausschlaf-Deal gehört, dass sie selbst bis mindestens 8.00 Uhr in ihrem Zimmer bleiben und dann Schoko-Müsli essen dürfen. Erziehung durch Bestechung heißt das, glaube ich.

Es gibt bei uns fast nie süßes Frühstück. Keine Marmelade und allerhöchstens am Wochenende sowas wie Nuss-Nougat-Creme. Ich rede mir ein, dass das deswegen OK ist.

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Dann stehe ich mit meinem Freund auf. Wir frühstücken erstmal. Meine Frühstückskultur hat sich durch das Internet total verändert. Früher gabs eine lieblose Stulle und fertig. Durch die ganzen Fotos von Frühstückstischen, habe ich jetzt andere Bedürfnisse. Vor allem nach Schnickschnack. Avocado! Frische Paprika! Körnerbrötchen! Würden wir nicht gleich zu einem Brunch gehen, wäre da noch viel mehr. Und diese Schüsselchen! Ich liebe sie.

Ich bin sogar so weit, dass ich oft eine Kerze anmache. Heute nicht. Man muss ja nicht übertreiben.

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Mein Freund geht arbeiten und ich gehe mit den Kindern zu Freunden, die ein Baby erwarten. Was dort aufgetischt ist, ist irre. Diese Torte. Oft sehen Torten ja geil aus und schmecken dann nach nichts, v.a. weil alles, was Deko ist, aus Fondant besteht. Das hier ist Marzipan, mit Schokolade, Buttercreme und Himbeeren. Das schmeckt so gut, dass ich meine Obstphobie ignoriere und ohne pulen alles aufesse.

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Teil des Party „Programms“ sind Henna-Tattoos, die sich alle machen lassen können. Ich überlege schon lange, ob ich doch ein Tattoo brauche. Ein Motiv hätte ich schon – das Problem ist nur, dass ich große Angst vor allem habe, das irgendwie „für immer“ gedacht ist.

Ich bin gespannt, wie lange das hält. Die Dame, die das gemacht hat, ist wirklich sehr handfertig. Ich bewundere solche Talente.

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Auf der Party war es total entspannt. Ich bin dort sehr gerne. Alles unhektisch, irgendwie kuschlig und es gibt hervorragenden Kaffee. Was kann man mehr wollen? Die Kinder sind ebenfalls sehr, sehr gerne dort. Auf dem Weg nach Hause schlagen sie mir vor, dass ich einfach alles in unserer Wohnung mache, wie es bei unseren Freunden ist. Ich könnte ja fragen, wie es geht. SO schwer ist das bestimmt nicht.

Ich würde den Tag gerne gemütlich ausklingen lassen – nur leider habe ich es die letzten beiden Wochen vor Arbeit und kranken Kindern nicht geschafft, den Lieferdienst rechtzeitig zu beauftragen.

Wir fahren mit der Tram zum Freund, der dann mit uns gemeinsam einkaufen geht.

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Im Einkaufsland ist alles wie Mordor. Ich bin schlecht gelaunt, meine Kinder sind schlecht gelaunt, die Regale verstecken die Artikel, die wir eigentlich kaufen wollen. Hass. Hass. Hass.

Der Lieferdienst ist wirklich jeden Cent wert. Ich weiß, das ist großer Luxus, aber es ist echt irre, was das an Stress spart. Abends am Rechner eine Einkaufsliste durchzuklicken, ist eben was anderes als mit zwei Kindern durch absurd riesige Supermärkte zu irren, genervt an Kassen zu stehen und den ganzen Mist dann nach Hause in den 4. Stock ohne Aufzug zu schleppen. Ich bin so sauer auf mich, dass ich es diesmal nicht auf die Reihe bekommen habe.

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Draußen dann wieder eine „Hunde-Situation“. Im Moment bin ich total abgenervt von rücksichtslosen HundebesitzerInnen. Ich verstehe es nicht. Dieses auf Straßen kacken lassen – in Parkanlagen frei rumlaufen lassen – zur Krönung auf Spielplätze scheißen lassen und wie hier – mit langer Leine in den Eingang stellen.

Ich habe da schlimme Fantasien, was ich gerne alles machen würde. Dann denke ich an den Film Muxmäuschenstill und atme tief durch.

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Mein Freund hat wohl gemerkt, dass ich GRROOAAARRRRR ein bisschen genervt bin. Statt selbst kochen, schlägt er Burger essen gehen vor. Nach einigem Abwägen, entscheide ich mich für YOLO.

Im Burgerladen dann: kein Platz.

Also Pizza! Im Pizzaladen: kein Platz!

GEHEN WIR HALT GOTTVERDAMMTE FLAMMKUCHEN ESSEN.

Und dann geschieht ein Wunder: Wir bekommen einen Platz und das Essen ist wirklich sehr, sehr gut. Die Kinder essen alles auf. Wir lassen der Köchin unsere Glückwünsche übermitteln. Mein Flammkuchen mit Ziegenkäse, Cocktailtomaten und Oliven, sowie einem Hauch von Rucola, ist ebenfalls hervorragend.

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Kind 3.0 ist sehr zappelig und steht unterm Essen immer wieder auf, um zu tanzen. Wie ermahnen abwechselnd wie ein Metronom (30 BPM): „Hinsetzen – leise – hinsetzen – leise“

Mein Freund bekommt dabei eine weitere Einsicht in die Elternschaft:

Wir entscheiden uns (natürlich) für Nachtisch.

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Die Kinder wünschen sich statt Geschichte vorlesen, Trailer für Kinderfilme anschauen. Über Zoomania und Pets müssen wir sehr lachen. Dann kuscheln wir noch und die Kinder schlafen ein.

Es ist für mich ein Ritual geworden, abends noch eine Tasse Tee zu trinken. Ich fürchte, ich besitze so 20 Sorten Tee und trinke dann doch fast immer den selben.

Interessant finde ich übrigens, dass viel über überteuerten Kaffee geschimpft wird und kaum über bekloppt teuren Tee. Der Tee aus dem Bio-Laden kostet pro Tasse rund 18 Cent.

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Den Rest des Abends schauen wir Serien. Aktuell Limitless und neu Lucifer, einer Neil Gaiman Verfilmung, deren Pilot ganz unterhaltend ist. It’s all very British.

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In guten Absichten

Da sind sie wieder, die guten Absichten, die die Straße zur Hölle plastern.*

Heute wurden zwei Superväter mit je 5.000 € für ihr Engagement in der eigenen Familie ausgezeichnet. Es ist die 11. Preisverleigung dieser Art. Geehrt werden Väter, die durch Flexibilität und Partnerschaftlichkeit glänzen. Schirmherrin der Aktion ist Familienmisterin Schwesig.

Die Details sind eigentlich nicht wichtig. Es wurde nichts außergewöhnliches vollbracht. Es wurden lediglich zwei Männer geehrt, die das tun, was Millionen von Frauen schon seit hunderten von Jahren tun. Sie haben sich um ihre Kinder, ihre Familie gekümmert und ihrer Partnerin ermöglicht arbeiten zu gehen.

*slow clap*

Der Preis verfolgt drei Ziele:

1. Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbskraft von Wirtschaft und Unternehmen

Der Spitzenvater des Jahres verständigt sich mit der Mutter und findet mit ihr gemeinsam eine Lösung, wie beide Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. […] Unternehmen können mit Spitzenvätern sowohl strategisch als auch operativ sicherer planen.

2. Tendentielle Erhöhung des Anteils von Zweiversorgerehen

Dank der praktizierten Partnerschaft in Ehe und Familie kann jeder Elternteil wirtschaftliche Selbstständigkeit erlangen und zum Familienunterhalt beitragen. Mutter und Vater sind in der finanziellen Lage, die Altersvorsorge zu gestalten und der verbreiteten Altersarmut insbesondere bei vielen allein stehenden älteren Frauen, vorzubeugen […]

3. Ausdehnung des väterlichen Einflusses auf die Entwicklung des Kindes

Das Projekt […] strebt danach, die Wichtigkeit der Rolle des Vaters für die Entwicklung des Kleinst-, Klein- und Schulkindes ins öffentliche Bewusstsein zu rufen. Das Projekt bricht mit der traditionellen Vorstellung, dass für die ersten Monate und Lebensjahre allein die Mutter zuständig ist. […]

Gute, sehr sinnvolle Ziele, richtig?

Es geht also darum, so auch die Schirmherrin Bundesfamilienministerin Schwesig: „Vorbilder [zu ehren], die eine moderne Familienkultur leben, die sich immer mehr Paare wünschen. […] Es geht darum Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen.“

Ihrem Grußwort ist zu entnehmen:

„Die Auszeichnung „Spitzenvater des Jahres“ zeigt jedes Jahr wieder, dass es sich lohnt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur als ein Thema für Frauen zu verstehen, sondern auch Männer zu ermutigen, sich mehr Zeit für die Familie zu nehmen. Familien gewinnen dadurch mehr Zeitsouveränität und Lebensqualität. Unternehmen wiederum können sich auf diese Weise als attraktive Arbeitgeber positionieren.“

Warum kann man sich nun trotzdem darüber aufregen (also außer weil man halt als Feministin sowieso immer was zu meckern hat und deswegen so laut und wütend ist)?

Der Preis ist ein Schlag ins Gesicht aller Frauen, die sich seit Jahren völlig preislos um Kinder und Familie kümmern (von den Alleinerziehenden gar nicht erst zu sprechen). Der Preis verhöhnt außerdem all die anderen Männer, die genau das  tun, was oben beschrieben wird und dafür keine 5.000 Euro bekommen.

Aber die Absichten dahinter sind doch gut!

Ja – nur die Umsetzung ist wirklich schlecht. Ein einfacher Weg gute Beispiele herauszustellen wäre z.B. Familien zu ehren und nicht nur die Männer.

-> Gedankensprung

Ich habe vor Kurzem einen Fragebogen zu Erziehern in Kindergärten zugeschickt bekommen.

Ob ich mir mehr männliche Erzieher wünsche?

Ja!

Wie man sie zu motivieren wären? Es folgt eine Multiple-Choice Liste, auf Platz 1: Mehr Geld.

Klar, mehr Geld wäre super. Dann würden Männer bestimmt auch so unattraktive und anstrengende Jobs übernehmen.

Innerlich verdrehe ich wieder die Augen.

Auch hier: Guter Vorsatz – mehr Männer in den Care-Bereich und wie: mit mehr Geld. Is klar, dass die Frauen vielleicht auch mehr Geld verdient hätten, dass es um eine allgemeine Aufwertung dieses Jobs gehen müsste etc. pp. dazu lese ich nichts.

-> Gedankenspung Ende

Schon seit der Gabriel Debatte um die offensive Väter treibt mich wirklich die Frage umher: Es muss doch einen Weg geben, der Männer motiviert ohne gleichzeitig die bereits geleistete Arbeit von Frauen zu entwerten?

(So sehr ich mir auch wirklich, wirklich wünschen würde, das Männer nicht erst motiviert werden müssten… aber gehen wir mal gutherzig davon aus, dass es ganz, ganz viele Männer/Väter gibt, die wirklich, wirklich wollen – aber nicht wissen wie und einfach nicht können…)

Deswegen würde ich gerne Ideen sammeln. Habt ihr welche?

 


 

*Auf Deutsch heisst das Sprichwort eigentlich „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“ – auf Englisch „The road to hell is paved with good intentions“.


 

Weitere Leseempfehlungen:

Superväter – ney!

Zitat aus dem Artikel:

„Und so wird der Preis zur Patriarchatsabwrackprämie: Bezahlen wir den Menschen doch Geld dafür, dass sie ein ohnehin völlig überholtes Familienmodell über Bord werfen. Eine Entschädigung für die armen Menschen, die sich an etwas Neues gewöhnen müssen. Das lässt sich nämlich auch spitzenmäßig vermarkten.“

Superväter? – yay!

Zitat aus dem Artikel:

„Seien wir ehrlich: Noch sind wir nicht so weit, dass siebeneinhalb Stunden Kinder- und Hausarbeit ein realistischer Durchschnittswert für den in Deutschland lebenden Mann sind.

Wenn wir so weit sind, können wir den Spitzenväter-Preis gerne abschaffen.“

Ein Interview mit einem der diesjährigen Preisträger:

SPIEGEL ONLINE: Herr Neumann, Sie dürfen sich jetzt offiziell „Spitzenvater“ nennen. Freuen Sie sich?

Neumann: Ja, aber ich tue mich etwas schwer damit, einen Preis für etwas Selbstverständliches entgegenzunehmen. Es gibt wahrscheinlich Väter, die diese Auszeichnung mehr verdient hätten.