Über die Privatheit von Familienblogs

Auf der #denkst Familienbloggerkonferenz habe ich mit nur 54 Folien einen Vortrag zum Thema „Über die Privatheit von Familienblogs und die Frage: gehört das wirklich ins Netz?“ „Kinderfotos gehören ins Netz!“* gehalten.

Tweets dazu gibt es bei Twitter mit dem Hashtag #privatheit und #denkst.

*Zu meinem eigenen Erstaunen, hat sich meine Haltung zur Frage des Postens von Kinderfotos im Netz durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema im Vergleich zum Vorjahr deutlich gelockert. Nach der 3. Überarbeitung habe ich den Vortragstitel geändert und die Inhalte entsprechend angepasst. Ich erwarte nun freudig die hitzige Diskussion.

Im Schwerpunkt habe ich mich mit Kinderfotos beschäftigt – bin am Ende aber noch auf die Frage der Texte über Kinder eingegangen.

Bevor ich überhaupt über die Argumente für und gegen das Posten von Kinderfotos gesprochen habe, habe ich mir ein paar Gedanken zu der motivationalen Lage gemacht.

Wir posten Fotos denn:

  • ­Bilder schaffen Nähe
  • ­Bilder sagen mehr als 1000 Worte
  • ­wir können den Moment festhalten
  • ­Freunde und Stolz teilen
  • ­mit den Bildern vermitteln wir Persönlichkeit und natürlich
  • ­erhöhen Bilder die Aufmerksamkeit bei Leserinnen und Lesern.

Wenn man sich Fotos von Kim Kardashians Sohn (2,9 Mio Likes!) anschaut, fragt man sich zu Recht: Was kann denn überhaupt das Problem sein? Wie könnte so ein niedliches Babyfoto ein Problem für irgendwen werden?

Ich stelle deswegen einige Beispiele vor, bei denen Fotos ein Problem wurden.

Es gibt z.B. ein niederländisches Aktionistenduo (Ellen Bijsterbosch und Tijmen Schep), die aus fremden Kinderfotos, die von Eltern bei flickr unter einer CC Lizenz eingestellt wurden, einen Tassenshop gemacht haben.

Ähnlich unschön ist es, wenn eigene Bilder auf einer viel geteilten Buzzfeed-, 9GAG- oder imgur-Liste landen. Wer will schon Teil auf der Liste 22 Akward Moments That Happen When You’re Bad With Kids oder 27 People Who Are Way Worse At Parenting Than You sein?

Nirvana Nevermind Cover Baby Spencer Elden ist heute 25 und muss sich immer noch anhören, dass er „the guy with the small penis“ ist. Das Album wurde bis heute 26 Mio verkauft…

Auch können Fotos total aus dem Kontext gerissen werden und unabhängig von den Nutzungsrechten missbraucht werden. Jüngstes Beispiel ist das blonde Kind in einer Runde indischer Kinder, das u.a. Steinbach dazu benutzt hat, um Ängste gegen Überfremdung zu schüren.

Schwarzseherisch kann man jetzt sagen: Alles, was ins Netz gestellt wird, kann potentiell missbraucht werden.

Das einzige, was außerdem gegen die GesichtserkennungsalgorithmenFacebook Profiling und Corporate data mining hilft, ist in letzter Konsequenz gar keine Fotos zu postenNetzwerke sind Wirtschaftsunternehmen, die am Ende immer das Ziel haben Profit zu machen. Es werden in der Regel riesige Datenmengen gesammelt und weiterverwertet (zB um auf den User abgestimmte Werbung zu schalten).

Netzwerke haben immer wieder Probleme die Sicherheit der personenbezognen Daten zu gewährleisten. Egal wie die Benutzereinstellungen sind, es gibt keine 100% Sicherheit, dass Daten nicht abhanden und ggf. missbraucht werden können.

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Kinderfotos Gutes bewirkt haben. Der Junge vom Success Kid Mem, Sammy Grinder, konnte z.B. 2015 über 90.000 $ crowdfunden, weil sein Vater Geld für eine Nierenplantation benötigte.

Ist das am nur die Ausnahme der Ausnahme? Will man wirklich keinerlei Risiken eingehen, bleibt weiterhin als letzte Konsequenz keine Kinderfotos im Netz zu posten.

ABER: Soll das Internet wirklich ein kinderfreier Raum werden?

In der Kohlenstoffwelt gibt es ja schon kinderfreie Orte oder Orte, die gerne kinderfrei wären.

The Barn Rostery hat erst mit angeblichen Brandschutzmaßnahmen (Pollern im Eingang) die Kinderwagen ausgeschlossen und dann Müttern das Stillen in der Fensterfront des Cafés untersagt.

Das Hotel Esplanade in Bad Saarow ist kinderfrei und damit nur Teil einer aktuellen Entwicklung.

Zwei asiatische Airlines rühmen sich kinderfreier Zonen und am Ende kann man sich den Science-Fiction Film „Children of Men“ mal anschauen. Da leben die Menschen in einer komplett kinderfreien Welt, weil seit 18 Jahren kein Kind mehr geboren wurde. Ich spoilere nicht zu viel wenn ich verrate, dass das keine schöne Welt mehr ist.

Ob Internet oder Kohlenstoffwelt – persönlich möchte ich keine kinderfreien Orte. Ich halte nichts von Exklusion. Deswegen habe ich mir die Argumente für das Posten von Kinderfotos mal angesehen. Ich lasse sie bewusst unkommentiert und hoffe, dass sie nicht sofort Reaktanz auslösen sondern Anlass bieten wirklich mal darüber nachzudenken, was für Kinderfotos im Netz spricht.

  • Alle machen das, das ist die Normalität

„Das Posten von Fotos im Netz ist gerade für junge Menschen so normal geworden, dass unsere Jungs uns ein paar Familienfotos der letzten Jahre, auf denen sie auch zu sehen sind, garantiert nicht vorwerfen würden.“*

Johnny Haeusler

  • Ich bin die Mutter/der Vater, ich entscheide auch andere Dinge für mein Kind, deswegen kann ich das auch entscheiden.

Das ist völlig richtig. Rechtlich gesehen können Eltern minderjähriger Kinder frei entscheiden, ob sie Bilder ins Netz stellen oder nicht. Die Kinder gelten als noch nicht einsichts- und geschäftsfähig, und das betrifft auch das Recht am eigenen Bild. Sobald das Kind die Risiken, die damit verbunden sind, selbst einschätzen kann, darf es aber mitentscheiden. Das ist in etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren der Fall.

  • Ja, vielleicht sind die Kinder mal unzufrieden mit der Entscheidung, aber das wird in anderen Erziehungsthemen auch so sein, damit muss man leben.

„Das Kind könne ja noch nicht mal entscheiden, ob es das will, so der Tenor. Gegenfrage: Hat denn das Kind was zu sagen gehabt beim Eintritt in die Kinderkrippe?“*

Claudia Marinka

  • Gewisse Grenzen sind zu wahren – peinliche und entkleidete Fotos werden ohnehin nicht ins Netz gestellt, harmlose Fotos sind OK.
  • Das Risiko, dass „was Schlimmes“ mit den Bildern passiert, ist gering. Gemessen an der Anzahl aller hochgeladenen Bilder im Netz, ist die Anzahl der Fälle von Missbrauch verschwindend gering.
  • Bilder helfen den Alltag von Eltern zu vergleichen (Stichwort: Online-Eltern-Clan), deswegen sind sie hilfreich und gut.

„Die große Chance sozialer Medien, Kindern aus der Ausgrenzung wieder zurück in den Alltag zu holen, wird durch eine kulturhistorische Ablehnung des Bildes und paternalistische Haltung Eltern gegenüber vertan.“*

Caspar Clemens Mierau

Von Susanne Mierau stammt der Begriff des Online-Eltern-Clans. Fotos und Texte über Kinder helfen uns Teil einer Gemeinschaft zu werden. Sie helfen uns beim Austausch von Erfahrungen und Lebensrealitäten. Sie sind uns Rat und Einblick, wir teilen unsere Elternschaft dadurch und sind nicht mehr auf uns alleine gestellt. Für mich ist das neben dem Sichtbarkeitsaspekt, das wichtigste Argument für das Teilen von Fotos und Texten über Kinder.

Also: Am Ende ist die Frage gar nicht, ob oder ob nicht, sondern in welcher Art und Weise Kinderfotos im Netz gepostet werden.

Es gibt eine Menge Alternativen, wie man Fotos posten kann und trotzdem die Persönlichkeitsrechte der Kinder wahrt.

(Danke an @caschy, @heibie und @Mama arbeitet für die Beispielbilder)

Gar keine Fotos posten, kann also nicht der Weg sein. Kinder sind Teil unserer Gesellschaften und sollen deswegen auch sichtbar stattfinden.

Ein kleiner Exkurs zu behinderten Kindern: Ich wurde in den Kommentaren von einer Mutter eines behinderten Kindes darauf hingewiesen, dass die Situation hier nochmal eine besondere ist. Zum einen, weil es sein kann, dass die Kinder unabhängig vom Alter (z.B. aufgrund einer geistigen Behinderung) nie entscheiden werden können, ob sie Fotos von sich im Netz haben wollen und zum anderen weil Inklusion in der realen Welt schon so rar ist, dass das Nicht-Zeigen von behinderten Kindern das Internet zu einem weiteren Ort machen würde, der frei von Behinderungen gehalten wird.

Natürlich ist die Meinung über dieses Thema auch hier nicht bei allen die selbe.

Am Ende ist und bleibt es die eigene Entscheidung. Es gibt lediglich Entscheidungshilfen.

Zum Beispiel die Uni Basel forscht zu diesem Thema und dabei sind  zwei, wie ich finde, sehr gute und differenzierte Broschüren entstanden:
Der Entscheidungskreis für das Online-Stellen von Bildern und der Elternguide für das Online-Stellen von Fotos.

Ansonsten kann man sich durch die Tipps anderer hangeln, wie z.B. Béa Beste, die sagt:

„Better safe than sorry – aber „safe“ heißt nicht „nix machen“, es heißt „vorsichtig machen“*

Zusammengefasst hilft nur nachdenken, nachdenken, nachdenken. Und wenn die Kinder alt genug sind – einfach in die Entscheidung miteinbeziehen.

Sowie regelmäßig prüfen: Wer profitiert vom Posten der Kinderfotos? Und hier kann die Antwort eben ganz klar sein: Die Gesellschaft

Apropos Verantwortung! Bei der Frage um die Kinderfotos geht es nicht nur um das Posten sondern auch um die Frage was like ich eigentlich, was teile ich und was bewirkt das?

Da packe ich mich an die eigene Nase. Ich habe mir auch schon zweifelhafte Videos und Bilder angeschaut und gelikt oder geteilt. Ich bin dann Teil dieser viralen Verbreitung!

Es ist und bleibt also ein Lernprozess. Wir müssen den richtigen Umgang damit lernen. (Dass das geht, zeigt der Umgang mit den geleakten Promifotos. Es gibt in meiner Filterbubble nur sehr wenige Ausnahmen, die diese Fotos noch geteilt haben…)

Noch ein Wort zum Unterschied von Fotos und Texten. Texte sind für mich eher wie gemalte Bilder. Sie beschreiben etwas, geben aber kein 1 zu 1 Bild wieder. Ich glaube, es gibt auch weitere Unterschiede.

Bei Fotos ist die Usability des Missbrauchs besser. Es ist viel einfacher sie in einen anderen Kontext zu stellen, sie sind leichter zu teilen und man erreicht viel schneller eine höhere Reichweite.

Ich habe länger nach einem Beispiel eines Textes gesucht, der so wie die oben genannten Bilderbeispiele missbraucht wurde und nichts gefunden. Wer ein Beispiel kennt, möge es mir bitte sagen!

Ein guter Hinweis kam noch auf auf meine Frage: Sind Texte über Kinder im Netz was anderes als Fotos von Kindern? Wenn ja, warum?

Natürlich gibt es auch im Textbereich Beispiele von Texten über Kinder, die viele hunderttausend, vielleicht millionenfach gelesen worden sind und in diesem Zusammenhang bin auf die Bücher und Kolumnen von Jan Weiler gestoßen, der u.a. sehr erfolgreich über das Thema Pubertät schreibt.

Ich habe ihn gefragt, ob er glaubt, dass Bilder und Texte das selbe sind und wie seine Kinder sich mit seinen Texten fühlen. Er hat die Frage bejaht und klar gestellt “ [ich muss deutlich machen], dass ich keine Texte über meine Kinder veröffentliche.“ Er schreibe Texte über fiktionale Figuren. Natürlich habe er zwei Kinder, aber die hießen anders und seien anders als die Figuren seiner Geschichten. Er achte die Persönlichkeitsrechte seiner Kinder und schreibe nur über verallgemeinbare Prozesse oder Themen, niemals über individuelle Probleme seiner Kinder.

Auch würden sich seine Kinder mit den Texten wohl fühlen und kämen auch gelegentlich zu seinen Veranstaltungen.

Für mich ist das ähnlich. Meine Texte entsprechen den Fotos mit den Katzenköpfen. Sie sind ein Gemisch aus wahren und erfundenen Gegebenheiten – mir geht es um die prototypischen Situationen. Kind 1.0, 2.0, 3.0 sind Projektionsflächen – keine 1 zu 1 Darstellungen. Ich versuche immer Fokus auf mich und meine Sicht/Rolle als Mutter und dem Verarbeiten von Erlebten zu setzen.

Plus: In der Zwischenzeit sind alle Kinder in dem Alter, in dem ich Rücksprache halten kann, ob OK ist, was ich poste – was ich auch mache.

Am Ende gilt für Texte dennoch was ähnliches wie für Fotos

  • ­Wenn Peinlichkeiten enthalten sind, nicht posten.
  • Wenn die Kinder damit googelbar werden, nicht posten.
  • Wenn Persönlichkeitsrechte verletzt werden, nicht posten.

Zuletzt geht es um Respekt und Grenzen. Bei Jesper Juul habe ich zu vielen Erziehungsfragen gelesen, dass es hilft sich zu fragen: Würdet ihr das mit einem Erwachsenen/dem Partner/einer Freundin auch so machen?

Deswegen zusammenfassend: Natürlich ist es eine persönliche Entscheidung der Eltern, ob sie Bilder posten und ob sie Texte über ihre Kinder veröffentlichen. Das klingt banal, aber ich möchte das wirklich nochmal hervorheben, v.a. nachdem ich facebook Kommentare unter einem Pro Posten Artikel gelesen habe und entsetzt war.

Jede/r muss für sich regelmäßig die Haltung überdenken, denn die Rahmenbedingungen ändern sich, die Kinder ändern sich, die Welt ändert sich, man selbst ändert sich. Was in 10-15 Jahren sein wird, können wir nicht sagen: Schlimmstenfalls (in meinem Fall):

„Mama, war ich nicht süß genug oder warum hast du nie ein Foto mit Gesicht gepostet?“*

¯\_(?)_/¯

Wichtige Anregungen für meinen Vortrag kamen von:

Im Vortrag genannt als Entscheidungshilfen:

tldr:

Kinder sind Teil unserer Gesellschaft. Natürlich sollen sie auch im Internet stattfinden. Die Frage ist also nicht, OB man Kinderfotos postet oder nicht, sondern viel mehr – auf welche Art und Weise man das tun.

 


Feedback zum Vortrag und weitere Artikel zum Thema:


Weltkugelbahn: Wenn Kinderbilder im Netz Familien zusammen halten


Mama Notes: Mein Besuch auf der Elternbloggerkonferenz denkst
Mamis Blog: Denkst 2015

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

129 Gedanken zu „Über die Privatheit von Familienblogs“

  1. Interessant wie sich die Meinung im Gegensatz zur Republica geändert hat.
    Und irgendwie kommt mir der Satz doch sehr bekannt vor mit: War ich zu hässlich um fotografiert zu werden?
    Ich gestehe, ich bin erstaunt, dass der Text doch recht wertfrei ist, auch im Gegensatz zur Republica, wo Argumente meinerseits ja streckenweise etwas „lächerlich“ gemacht wurden.

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  2. Als kinderloser Mensch bin ich in der glücklichen Lage, mir da noch keine Gedanken drüber zu machen. Mein Hauptargument für Bilder von Kindern ist eben genau der, dass das Internet nicht aus lauter vorauseilendem Gehorsam (sprich, der Angst, irgendwas schlechtes könnte mit dem Bild passieren) zu einem kinderfreien Ort werden soll. Tatsächlich freue ich mich über die Bilder der Kinder von Bloggern, weil die Menschen für mich dadurch realer und fassbarer werden.

    Auf der anderen Seite muss ich aber natürlich auch nicht mit den möglichen Risiken klarkommen oder mich nachher mit meinen Kindern auseinandersetzen, warum ich damals dieses Bild veröffentlicht habe. Dementsprechend soll das auch jeder selbst entscheiden, und das Für und Wider abwägen, und für sich ausmachen, was er preisgeben will und was nicht.

    Wahrscheinlich ist dieses Thema gerade bei Kindern so schwierig, weil hier das vermutlich recht geringe Risiko (jemand mit bösen Absichten kann mein Kind identifizieren) auf das vielleicht Wertvollste im eigenen Leben trifft (mein Kind!) und darüber dann eben für Außenstehende (vor allem die ohne Kinder) scheinbar übervorsichtig reagiert wird.

    Ansonsten muss ich aber oft die gleichen Entscheidungen treffen, nämlich wirklich immer dann, wenn ich über andere Menschen schreibe und vor allem dann, wenn es keine fremden Menschen sind. Über eine zufällige Begegnung mit einem mir unbekannten Menschen auf der Straße kann ich noch schreiben, ohne mir viele Gedanken darüber machen zu müssen. Sobald ich über meinen Mann, meine Eltern oder irgendjemanden anderes schreibe, achte ich aber darauf, dass ich nichts schreibe, was diesen Menschen unangenehm sein könnte, oder es so überspitze, dass es als Pointe taugt und klar ist, dass das jetzt eine überzogene Darstellung ist. Ich habe aber auch schon Bloggeschichten vorher abnicken lassen. Bei Fotos gilt eigentlich das gleiche. Insofern ist mir die Fragestellung wahrscheinlich dann doch gar nicht so fremd.

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  3. Höchstinteressant! Schon viele, viele Gedanken darüber gemacht: Bilder, Namen, Geschichten, die von mir aus dem Alltag kommen, ein wenig überspitzt niedergeschrieben und veröffentlicht werden usw. usw. Du hast mich schon einige Male mit deinen Familiengeschichten zum Lachen gebracht und mich so aus meiner „mein Kopf plumpst vor Verzweiflung auf die Tischplatte“-Situation gebracht. Mit dir als digitaler Gesellschaft habe ich dann gelacht und nicht geflennt. Das ist wunderbar! Hat auch ohne Gesichter-Kinderfotos funktioniert. U.a. gerade wegen deines Kinderfotoumgangs und auch vorher als mein Blog online ging, habe ich viel gegrübelt und mit meinem Mann gesprochen. Das Ziel, andere zum Schmunzeln zu bringen, eventuell gar zu inspirieren, selbst bei dem Getipsel einen Heidenspaß zu haben (in wahnwitzigen Situationen dann einfach selbst nur noch herzhaft zu lachen und so eine entspannte Mama zu sein), sich über jedes feedback honigpferdartig zu freuen – für mich Gewichte in der Waagschale.
    Vielen Dank für diesen weiteren Denkanstoß! Das „wie“, ja wie wahr. Über die neutralen Namen werde ich mal wieder grübeln.

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    1. Ich freue mich, wenn mein Vortrag oder Blogbeitrag Denkabstoß für dich war. Neutrale Namen braucht man gar nicht unbedingt. Die Kinder können auch einfach anders heißen. Anna, Thommy und Tina. Fertig.

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  4. „“When I am introduced, they introduce me as the Nirvana baby,“ said Elden.“ Sonst würde es niemand wissen.

    „ABER: Soll das Internet wirklich ein kinderfreier Raum werden?“
    Ist genau die Frage, die ich mir auch bei diversen Kommentaren dachte. Ganz besonders bei „NEIN zu Kinderfotos auf Facebook, WhatsApp und Instagram“ von Mimikama. (Die gezeigten Beispielbilder dort scheinen übrigens keine zufälligen Elternfotos zu sein, sondern eher bezahlte Models, deren Bilder für ein spezifisches Publikum fotografiert wurden.)

    Zuerst alle privaten Fotos weg und nur mehr mehr oder minder bezahlte Models (oder Kinder der Fotografen. Ein Klassenkamerad in der Fotoschule stand mit seinem Bruder auch Modell für seinen Vater.) Weil sie könnten missbraucht werden. Dann alle Models ausradieren weil ihre Bilder missbraucht werden könnten. (Man frage Teenager-Jungs aus der Pre-Internet-Zeit zu Otto/Quelle-Katalogen, Bravo und anderem.) Dann keine Kinder in Filmen, Fernsehserien, weil da kann man Screenshoots machen. Keine Dokumentationen über Kinder und mit Kindern, weil die Bilder könnten missbraucht werden. Keine Kinderfotos in Büchern, weil die können eingescannt werden.

    Das kann man bis zur kinderfreien Medienwelt treiben.

    Und schon vor dem Internet gab es so manche weit verbreitete lustige Kinder-Postkarte.

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  5. „Das ist völlig richtig. Rechtlich gesehen können Eltern minderjähriger Kinder frei entscheiden, ob sie Bilder ins Netz stellen oder nicht. Die Kinder gelten als noch nicht einsichts- und geschäftsfähig, und das betrifft auch das Recht am eigenen Bild. Sobald das Kind die Risiken, die damit verbunden sind, selbst einschätzen kann, darf es aber mitentscheiden. Das ist in etwa im Alter von 12 bis 14 Jahren der Fall.“

    Das ist genau der springende Punkt: Sind Kinder nicht von Anfang an eigene Persönlichkeiten und nur, weil sie gesetzlich als noch nicht einsichts- und geschäftsfähig gelten, kann über ihren Kopf hinweg entschieden werden? Wie fühlt sich das an, wenn ich als Zwanzigjährige ein Kinderfoto von mir im Netz finde, was ich peinlich finde. Wenn Muttern zu Ostern und Weihnachten vor meinem Ehemann die alten Geschichten auskramt…“als die T. damals blabla“, dann ist das familienintern…ein Foto im Netz! Never. Respektiert die Privatsphäre eurer Kinder, bis sie selber Entscheidungen treffen können.

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    1. „Respektiert die Privatsphäre eurer Kinder, bis sie selber Entscheidungen treffen können.“
      Wer ist ihr?
      Für mich ist diese Aufforderung schon wieder eine Art Aburteilen anderer Eltern, die sich anders entscheiden als du.
      Leider ist die Sache mit den Fotos/Texten nicht schwarz oder weiß. Wie soll ein Kind mit 14 plötzlich etwas entscheiden können, das bislang nie Thema war? Wenn es keine Beispiele kennt? Wenn es keine Vorerfahrungen macht?

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      1. Indem mach versucht bis dahin die Kinder zu sensibilisieren und zu erklären, was es bedeutet Fotos in der digitalen Welt zu veröffentlichen. Naives Denken, ich weiss, aber man erklärt ja auch jungen Leuten wie sie Auto fahren und setzt sie nicht einfach hinters Lenkrad. Unfälle passieren trotzdem. Aber man kann den ein oder anderen dadurch vll verhindern.

        Ich reagiere empfindlich wenn sich jemand erlaubt ein Foto von mir (oder mit mir) bei Facebook und co zu veröffentlichen. Ich möchte das nicht und gehe ggf. dagegen vor (=ansprechen, das Bild zu entfernen und es in Zukunft zu unterlassen).
        Wenn ein Kind nicht versteht was es bedeutet, oder es noch nicht einmal artikulieren kann, dann gehe ich im Zweifel erst einmal davon aus, dass es das nicht möchte.
        Umgang, Erfahrung und Verständnis mit der digitalen Welt kann man auch anders lernen.

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        1. Ich habe etwas vergessen, Verzeihung:
          Ich finde es gibt davon abgesehen auch einen Unterschied zwischen den Fotos. Deine Fotos halte ich für ziemlich anonym, denn die übergroßen Katzenköpfe decken viel ab, die Fotos sind meist recht „unspektakulär“ (nicht im negativen Sinne ;) zu Hause geschossen…das könnte überall sein, jedes Kind.
          Aber andere Blogger hinterlassen auf ihren Blogs immer wieder Kleinigkeiten die gesammelt doch ziemlich viel preisgeben….wie alt das Kind ist, welche Klamotten es bevorzugt trägt, welche Schuhe Mutti sich zuletzt gekauft hat, welchen Buggy man fährt, wo man einkaufen geht. Fasst man das alles zusammen, ist es denke ich nicht allzu schwer die Person auch auf der Straße wiederzuerkennen. Und ob sich dessen alle so bewusst sind?
          Ich will es niemandem verbieten, ganz sicher nicht…ich sehe das ganze nur sehr kritisch…

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  6. Ein schöner, differenzierter Text.
    Ich überlege auch immer wieder, wie es am besten ist. Bis jetzt veröffentliche ich keine Kinderfotos im Netz, wobei die Situation hier wegen Patchwork-Konstruktion (in der der leiblichen Eltern ja im Zweifel in dieser Frage auch noch was zu melden haben) noch etwas komplizierter ist.

    Die Analogie-Argumente pro Veröffentlichung sind eben Analogien, Kinderkrippe ist was anderes als Internet. Auf der anderen Seite finde ich Exklusion ein einleuchtendes Argument. Das Leben findet nun mal mit den Kindern statt.

    Meine Lösung ist im Moment: Solange die Kinder nicht selbst entscheiden können, wird nichts gepostet, und wenn ich danach mal das Gefühl habe: Das wäre auch ein schönes Bild für meinen öffentlichen Flickr-Account, dann würde ich fragen, und zwar möglichst das Kind und beide Eltern.

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  7. Eine Anmerkung zum Success Kid Mem: Der Attentäter auf die Kölner Bürgermeisterin hat sich beim Prozessauftakt mit einem Ordner das Gesicht verdeckt. Darauf geklebt: das Success Kid Mem (Ich hasse Sandburgen)

    Einfach Bildersuche nach reker attentat angeklagter machen.

    Schon irgendwie seltsam, oder?

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  8. Zuerst waren irgendwelche Hamburger nur dagegen, dass eine Kita bei ihnen in der Nähe gebaut wurde. – Jetzt sind Randberliner Hotels am Scharmützelsee der Meinung, dass sie Kinder auch nicht einladen – Deutschland wird wirklich bald keine eigenen Kinder haben.

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