Wir verstehen uns ohne Worte

Beziehungsverträge
Beziehungsverträge aushandeln und schriftlich festhalten. Wäre das nicht sehr unromantisch?

Neulich schrieb Sue Reindke in ihrem Newsletter (den ich so sehr liebe, dass ich ihn oft nicht sofort lese, sondern mir aufspare für einen ruhigen Moment, in dem ich ihn langsam und mit Genuss lesen kann) über Beziehungsverträge, die im BDSM-Bereich wohl durchaus üblich sind.

Sie spielt mit dem Gedanken wie es wäre, wenn man einfach den Modus Operandi einer jeden Beziehung gemeinsam aushandeln würde?

Tatsächlich kenne ich kein Paar, das sowas macht.

Warum eigentlich nicht, habe ich mich heute früh beim Spaziergang zum Bäcker gefragt.

Zum einen steht dem natürlich das romantische Ideal der Liebe entgegen. Ganze Armaden von Kalendersprüchen verweigern sich Aushandeln und Liebe in einen Zusammenhang zu bringen.

Wer sich liebt, versteht sich ohne Worte. Man ist sich so nahe, dass der andere stets die Bedürfnisse des Partners kennt und weil man sich schließlich liebt, versucht man alles, um diese zu erfüllen.

Klar.

Funktioniert in Paarbeziehungen hervorragend. So zwei Wochen. Manchmal vielleicht auch einige Monate. Kommt auf die hormonelle Verblendung an. Menschen sind da ja unterschiedlich anfällig.

Hormonell verblendet (oder wie andere sagen: frisch verliebt) ist alles toll. Alles klappt, es ist unkompliziert, man schenkt sich Blumen, bringt dem Partner Kaffee ans Bett und dann naja… kommt der Alltag.

Bei genügsamen Menschen funktioniert es wortlos bestimmt auch noch länger – doch spätestens wenn ein Kind in die Beziehung kommt, sollte man doch zur Verhandlung übergehen.

Und nicht nur das. Man sollte in Verhandlung bleiben. Denn egal wie mühsam man Dinge ausgehandelt hat, das Leben ändert sich, die Rahmenbedingungen ändern sich und – auch das kommt vor – man hat sich (selbst) falsch eingeschätzt und wünscht sich vielleicht doch was anderes als gedacht.

Das Aushandeln ist unendlich anstrengend.

Meine ersten Beziehungen habe ich nicht gehandelt. Da haben wir uns auf Annahmen ausgeruht. Das Resultat war am Ende immer unendlicher Frust und dann irgendwann Trennung.

Beziehungsverträge aushandeln – darauf wäre ich früher nie gekommen.

Auch jetzt habe ich keinen Beziehungsvertrag, aber wir haben eine Wochenbesprechung. Die dient zum einen der konkreten Planung der Woche, aber wir nehmen auch Punkte auf die Agenda, die uns sonst im Beziehung- und Familienleben wichtig erscheinen. Wir nehmen auch immer wieder Entscheidungen der Vergangenheit mit auf unsere Gesprächsliste: „Wir hatten ausgemacht, dass du die kleinen Einkäufe direkt nach der Arbeit erledigst, wie fühlst du dich damit?“

So versuchen wir sicher zu stellen, dass sich bestimmte Vereinbarungen nicht zur Bürde entwickeln, weil man vielleicht im Alltag gar nicht genug Zeit hat zu reflektieren, ob man sich wirklich wohl mit dieser Entscheidung fühlt.

Tatsächlich nutzen wir auch diverse Tools, um uns zu koordinieren und Vereinbarungen und ToDos festzuhalten. Eine Wunderlist z.B. für die täglichen Einkäufe, eine für die Großeinkäufe, eine mit Gerichten, die wir kochen können, eine mit wiederkehrenden ToDos (z.B. Essenplan der Schule ausfüllen) und eine mit unregelmäßig auftretenden ToDos (z.B. Geschenk für Kindergeburstagseinladung besorgen).

Wir benutzen Trello für die konkreten Wochentage (wer übernimmt was, wer arbeitet wann wie lange) und haben einen geteilten Kalender (online) und einen Kalender an der Wand, wo auch die Kinder eintragen, wo sie so sind und wann sie nach Hause kommen.

Das klingt aufwändig – ist es tatsächlich auch, aber es hat wirklich mehrere Vorteile. Viele Aufgaben, die vorher jahrelang unsichtbar waren, sind jetzt sichtbar. Da jede/r Zugang zu den Inhalten hat, kann man sich auch einfach Aufgaben nehmen (Halbe Stunde bis zum nächsten Termin? Dann gehe ich noch schnell den Klebestift besorgen… die Pushnachricht beim Abhaken der Aufgabe benachrichtigt den Partner darüber, dass etwas erledigt wurde) und Aufgaben eintragen, die neu dazu kommen.

Perfekt ist das System dennoch nicht. Es gibt immer wieder Frust und wir vergessen auch Sachen. Es ist ein stetiger Lernprozess.

Und das ist übrigens was für mich Liebe ausmacht. Nicht das wortlose verstehen sondern die Bereitschaft zu teilen und zu kommunizieren.

(Naja und das Interesse am langfristigen Wohlergehen des Partners.)

Das alles fiel mir wieder ein, als letzte Woche mehrere Male der Emma-Comic „You should have asked“ durch meine Timeline ging. Da wird erklärt wie es dazu kommen kann, dass Frauen an ihren alltäglichen Familienaufgaben, die unsichtbar nebenher laufen, kaputt gehen können – obwohl sie doch angeblich so unterstützungsbereite Partner haben, die durchaus mithelfen würden, wenn man sie nur darum bitten würde.

Emma bringt den Begriff „mental load“ auf. Ich kannte den Begriff vorher nicht, aber ich würde sagen, dass mein „mental load“ der Vergangenheit mich kurz vor den Burnout gebracht hat.

Ich war irgendwann so weit, dass ich so erschöpft war, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, mich einfach auf die Straße zu legen und mich dort auf dem Asphalt ein wenig auszuruhen.

Ich war so fertig, dass mein Körper wirklich einfach nur noch liegen wollte. Egal wo. Es war für mich unendlich schwer, dem nicht nachzugehen und stattdessen einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen und dann weiter ins Büro zu gehen.

Wenn man das nicht erlebt hat, kann man sich wirklich nur schwer vorstellen, dass es anstrengend sein kann und Kraft kostet, einfach nur zu gehen (von allen anderen Tätigkeiten mal abgesehen).

Zurück zum Comic – die Autorin erklärt dort sehr gut, wie es dazu kommt, dass dieser Typ Mann („Natürlich helfe ich, wenn meine Frau mich darum bittet!“) so verbreitet ist. Sozialisation und tradierte Rollenbildern, die in Werbung und Medien ständig reproduziert werden.

Das Comic bleibt beschreibend und erklärend.

Und vielleicht wurde es deswegen so gerne und zahlreich geteilt.

Ich würde unterstellen, dass viele Männer diese Beschreibung als eine Art Absolution empfinden. In der Art „Schaut her, wir können nichts dafür, wir wurden so erzogen, wir sind herzensgut und gewillt zu unterstützen. An uns liegt es nicht, die Gesellschaft ist schuld. Wir können die unsichtbaren Sachen einfach nicht sehen. So sorry!“

Leider macht mich das wütend.

Schaut euch das Comic nochmal an.

Die Anfangsszene, die beschrieben ist, zeigt für mich v.a. eines: Man(n) muss schon wirklich ignorant sein, um nicht zu sehen, dass Unterstützung notwendig wäre.

(Jetzt schreibe ich „Unterstützung“… was natürlich falsch ist, denn wenn man das Leben teilt, dann ist nicht die Frau die Managerin und der Mann der auf freiwilliger Basis Zuarbeitende!).

Jedenfalls – um es mal als frustrierte Emanze in deutliche Worte zu packen – Mann muss schon ignorant, faul und doof sein, in solchen und ähnlichen Situationen unbeteiligt rumzusitzen und darauf warten, gefragt zu werden, ob man denn bitte mal helfen kann.

Die Sozialisation kann man sich da gerne an den Hut stecken.

Da geht es für mich schlichtweg ums WOLLEN bzw. eben ums Nichtwollen.

Denn natürlich ist Teilen anstrengend. Wenn mein Partner in der Küche hantiert, kocht, Tisch deckt und nebenher aufräumt und ich in einem anderen Zimmer vorm Rechner sitze, dann ist das Gefühl in mir sehr stark sitzen bleiben zu wollen und nicht nach den Schultaschen zu schauen, die Brotdosen auszupacken, die Elternhefte zu kontrollieren oder die Wäsche, die gerade fertig geworden ist, aufzuhängen.

Die Verlockung sich keinen Schritt zu bewegen, ist sehr groß. Ich weiß nämlich, dass mein Partner das auch alles noch machen würde und sich zumindest heute nicht beschweren würde. Vielleicht auch morgen nicht und wie schön wäre es da, wenn ich auf meinem bequemen Schreibtischstuhl sitzen bliebe und ein wenig Twitter läse?

Und dann, wenn er nach einer Woche meines Nichtstun sagen würde: „Patricia, Du könntest vielleicht auch mal was im Haushalt machen?“ zu sagen: „Warum ist denn Dein Ton so gereizt? Du musst mir doch nur sagen was ich tun soll. Warum hast du denn nicht früher gefragt? Du weisst doch, dass ich immer helfe, wenn du mich darum bittest!“

Ich übernehme also nicht eigenaktiv meine Hälfte sondern lasse mich alle drei Tage auffordern. D.h. ich arbeite nur ein Drittel meiner Hälfte ab und muss somit nicht mal 17% aller Aufgaben erledigen.

PLUS: Ich bin noch total nett. Denn immerhin unterstütze ich IMMER wenn mein Partner mich fragt. Ich sage schließlich nie nein.

Also: Was ich sagen will – im Familienalltag all das nicht zu sehen, das ist keine unglückliche Sozialisation sondern Ignoranz. Fertig.

Und: Auf der anderen Seite davon auszugehen, dass sich alles von alleine gerecht aufteilt, ist leider auch sehr naiv.

Beziehungen sind Arbeit und vielleicht wäre es gar nicht so doof wirklich Beziehungsverträge auszuhandeln. Man lernt sich und den Partner dadurch besser kennen. Und wenn man den Beziehungsvertrag regelmäßig neu bespricht, dann bleibt man auch UpToDate was die Lebensumstände, die Tagesform und die aktuelle Belastbarkeit angeht.

Also weg mit den dämlichen Liebesidealen und hin zu einer Kultur des Austauschs – denn natürlich wäre es schön, wenn wir uns ohne Worte verstünden, nur leider sind wir keine Betazoiden.


Auch Melanie von glücklich scheitern hat sich Gedanken zu dem Comic gemacht und sagt auch „Familienmanagement“ ist Teamwork.

Autor: dasnuf

Aha! Google doch "dasnuf" Muhahahahaha!

193 Gedanken zu „Wir verstehen uns ohne Worte“

  1. Pingback: Anne
  2. Pingback: Flocke
  3. Puh. Wie wahr, dieses Comic.
    Darf ich fragen, wann Ihr Eure Wochenbesprechungen macht? Klingt wie eine gute Idee für uns. Sonntags vor dem Tatort?

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  4. Pingback: pat
  5. Pingback: pat
  6. Interessant. Das beschreibende comic ist stark. Ich hoffe nur dein Verdacht mann nutze es als Ausrede ist falsch. Ich beispielsweise kam gar nicht auf den Gedanken, sondern habe wie vorgeschlagen direkt nachgefragt, ob ich wie ich denke wirklich 50% der Hausarbeit mache. Antwort steht noch aus, bin gespannt.

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  7. Das machen wir ähnlich. Weil wir beide viele Jahre in Stunden gebillt haben, rechen wir uns oft den jeweiligen Aufwand in Viertelstunden vor. Das klappt ganz gut, wir haben aber auch viel externalisiert.

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  8. Danke. Die Romantik einer Liste und dass das Aushandeln und auch Ausbreiten von Organisation einer Form von Zuneigung und Engagement sein könnte, das ist im RomCom-Weltbild nicht vorgesehen.

    Mit Abstrichen und ganz anderen Vorzeichen gibt es übrigens auch ähnlich gelagerte Aufgaben, die einem als Mann quasi Gewohnheit und Sozialisation oft zufallen. Ich war eine Zeit lang in einer Beziehung mit einer Frau, die sich in der Theorie mit feministischen Themen beschäftigte und diese auch schnell bei der Hand hatte, wenn es um mein Fehlverhalten ging. Und gleichzeitig war ich verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit der Baumarkt in mein Aufgabengebiet fiel, das Anschließen von Waschmaschine und Spülmaschine, der Aufbau der Küche, die Organisation des Umzugs, der Überblick über die finanzielle Gesamtsituation, Autofahren, Großeinkäufe, jedes gebohrte Loch, jeder größere Abwasch nach gemeinsamem Besuch.

    Ich habe damals gelernt, dass Unvermögen und Schwäche auch eine dominante Haltung sein können. Dieses „ich kann das nicht so gut wie du“, auch dieses „ich bin so schwach“ ist ein wahnsinnig vergiftetes Kompliment und ein systematisches Desinteresse an der Gemeinsamkeit, ganz gleich ob es um das Wechseln von Windeln oder das Bohren von Löchern geht. Was nicht bedeutet, dass man keine Schwäche zeigen soll. Sondern dass man auch einen fairen Modus für Aufgaben finden muss, mit denen sich keiner der Beteiligten wohlfühlt.

    Was mich dabei frustriert: Dass das in der Konsequenz dazu führt, dass traditionelle Organisation, oder genauer: eindeutige Aufgabenverteilung, zu weniger Reibung und weniger Absprachen führt und damit ein zumindest kurzfristig geringeres Konfliktpotential birgt. Dass der Versuch, eine Beziehung gleichberechtigt und fair zu organisieren, eher schwieriger zu sein scheint (ich lasse mich sehr gerne widerlegen), das deprimiert mich. Und ich hoffe, das auf lange Sicht die Listen, die Fairness und die Auseinandersetzungen zu einem ganz anderem Maß an Kennenlernen, Gemeinsamkeit und Verbundenheit führen.

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  9. „Wir nehmen auch immer wieder Entscheidungen der Vergangenheit mit auf unsere Gesprächsliste: „Wir hatten ausgemacht, dass du die kleinen Einkäufe direkt nach der Arbeit erledigst, wie fühlst du dich damit?““

    Gut. Aber was macht man (bzw. frau), wenn das Gegenüber, das diese kleinen Einkäufe auf dem Heimweg erledigen würde – in der Annahme, dass frau in dem Moment z.B. die Kinder vom Hort abholt oder die Oberbetten aus der Reinigung oder die Rechnungen zahlt oder noch arbeitet oder vielleicht einfach für die Einkäufe einen riesigen Umweg in Kauf nehmen müsste – dann sagt „Nein, damit fühle ich mich schlecht. Ich mache das nicht mehr.“
    Sicherlich kann man dann Aufgaben umorganisieren. Vielleicht kan man(n) dann eben die Kinder holen (aber macht das Sinn, wenn die KiTa direkt neben ihrem Arbeitsplatz am anderen Ende der Stadt ist) oder die Oberbetten aus der Reinigung (aber macht das Sinn, wenn sie mit dem Auto und er mit dem Rad ist?) oder die Fenster putzen, das löst aber möglicherweise das Problem nicht, das dann abends der Salat fehlt…

    Man verteilt Aufgaben in Beziehungen ja nicht unbedingt danach, wem es mit der Erledigung des zu erledigenden besser geht. Dann würde bei uns z.B. niemand Fenster putzen. Nie. Im Gegensatz zu nicht bügeln ist das in der Regel aber keine Option. Manchmal müssen Aufgaben eben auch — zuverlässig — von dem Partner übernommen werden, der sie am sinnvollsten erledigen kann. Wenn man(n) in der Stadtverwaltung direkt neben dem Schreibwarengeschäft arbeitet, ist es vielleicht sinnvoll, dass man(n) vor der Arbeit / in der Pause / nach dem Außentermin / nach der Arbeit schnell den Klebestift kauft, wenn frau mitten im Industriegebiet arbeitet und für den Kauf des Klebestifts erst zum Arbeitsplatz des Partner fahren, parken, aussteigen, Parkticket ziehen, zum Schreibwarenladen laufen müsste und das im Zweifel mit den Kindern, die sie auf dem Heimweg im Hort abgeholt hat, im Schlepp.

    Warum muss man in einer intakten Beziehung überhaupt festhalten, wem das Ausführen einer bestimmten Tätigkeit gerade weniger „schlecht fühlen“ vermittelt. Woher der Anspruch, dass man(n) sich bei der Familienarbeit gut fühlen muss? Wenn man(n) sie nicht macht, bleibt sie schließlich an frau hängen – egal wie sie sich dabei fühlt! Wer lässt schon seinen Erstklässler auflaufen, der morgen ohne Klebestift in die Schule kommt? Und keinen Smilieaufkleber in sein Hausaufgabenheft bekommt?

    Ich habe mal zwei Wochen (vor den Kindern) im Haushalt nur das gemacht, auf das ICH Lust hatte. Ich habe Abendessen gekocht. Ich habe die Post mit rein gebracht. Ich habe die Kleidung gewaschen, die ich gerne tragen wollte und nur mit reingeschmissen, was gerade noch passte. Ich habe keine Tische aufgeräumt. Ich habe keine Zettel vom Fußboden aufgehoben. Ich habe nicht gespült. Ich habe keinen Müll rausgebracht. Ich habe keine dreckigen Socken unter dem Schreibtisch aufgesammelt. Was ist passiert? Nichts. Man(n) stieg über die Zettel, die Socken wurden auf links gedreht zum dritten Tragen, der Müll entwickelte ein Eigenleben und versuchte, die Wohnung aus eigener Kraft zu verlassen und irgendwann gab es das Abendessen aus Müslischalen. Als keine Oberhemden mehr sauber waren, ging das Geheule los.

    Es geht nicht um WOLLEN oder NICHTWOLLEN. Es geht darum, dass bestimmte Dinge erledigt werden MÜSSEN. Und dass in einer Beziehung von beiden Partnern erwartet werden kann, dass sie das sehen, verstehen und umsetzen. Jeden Tag. Nicht erst wenn einer weint. Oder blutet. Und da sehe ich den Comic – egal wie beschreibend und erklärend er (zum Glück) bleibt – als gesunden Denkanstoß. WARUM räumt Mann denn nur das Fläschchen aus der Spülmaschine? Weil er keine LUST hat mehr zu tun. Es geht aber in Familienarbeit nicht um LUST. Es geht darum, den Partner zu unterstützen, ihm durch einfaches TUN Respekt entgegenzubringen. Davon profitieren im Haushalt am Ende alle.

    Ich handwerker gerne. Mein Mann nicht. Natürlich übernehme ich Ikea Möbel aufbauen oder Löcher bohren oder Lampen anbringen dann. Das mache ich gern. ABER trotzdem fehlt mir dann Zeit für andere Dinge, die erledigt werden müssen. Und dann MUSS halt jemand den Müll runterbringen, der sich dabei nicht „gut“ fühlt (muss man auch nicht, das ist dem Müll wurscht). Noch viel sinnloser wird es, wenn ich mir überlegen muss, oder gar nachfragen muss, ob Mann sich nun beim Möbel aufbauen oder beim Müll runterbringen schlechter fühlt. Und nein, ich mache nicht beides. Und nein, wenn ich Mann anbieten würde, er könne auch etwas machen, bei dem er sich besser fühlen würde, hätte das sicherlich ganz ganz wenig mit Hausarbeit zu tun.

    Kein Milchbauer würde sich abends ans Fenster setzen und sagen „Och nöh. Ich will die Kühe gerade nicht melken, ich habe da keine Lust zu, ich fühle mich damit nicht gut. Ich will das jetzt nicht machen.“ Jeder Milchbauer würde aus dem Fenster schauen, seine Kühle sehen, die sich inzwischen unwohl fühlen mit den prallen Eutern, die in ihren Stall wollen und sich denken „Die Arbeit muss erledigt werden“, seinen Hintern hochbekommen und einfach MACHEN, egal ob er sich dabei gut fühlt (im Zweifel würde er sich noch gut fühlen, WEIL er es getan hat). Die gleiche Einstellung zur Familien- und Hausarbeit… dat wär schön.

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    1. So habe ich den Text oben nicht verstanden.
      Also kein Fragen an den Mann, ob er sich gut dabei fühlt dies und jenes zu tun.
      Stattdessen eine gemeinsame Bestandsaufnahme, ob beide Eltern ihre Aufgaben gut schaffen oder es Verhandlungsbedarf gibt, weil die Erledigung von xy für eine*n schwieriger ist, als vorher theoretisch angenommen.

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    2. Jein.
      Natürlich müssen bestimmte Sachen gemacht werden, aber eben nicht unbedingt auf eine bestimmte Art und Weise und auch nicht immer auf die effizienteste Weise. Das meine ich.

      Wenn ich mich also schlecht fühle, möchte ich eine Möglichkeit haben, Dinge auch anders zu regeln.
      Immer vor dem Hintergrund, dass wir versuchen es gerecht (50/50) aufzuteilen. Aber worst case eben auch nicht, weil ich zB gerade mal nicht belastbar bin.
      Dann macht der Partner eben mal ein bisschen mehr.
      Aber auch der soll die Möglichkeit haben, die Aufgaben irgendwann wieder abgeben zu können oder einen Weg zu finden, sie anders zu regeln.

      Alles andere: Zustimmung.

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  10. So ähnlich wie in Deinem worst case beschrieben, lief es auch mit dem Ex ab. Und dann hat er sich gewundert, warum ich explodiert bin, als er einmal sagte „Du hättest doch was sagen können!“ Nee, wenn man nicht vollkommen egoistisch ist merkt man auch, dass der Partner auf dem letzten Loch pfeift und zu nix mehr Bock hat.
    Besonders schwierig ist es, wenn eine/r zu Hause ist (in der Zeit war ich das, aber das nur, weil ich an einer Hausarbeit nach der nächsten geschrieben habe, was auch Arbeit ist) und der andere Partner arbeitet. Denn dann ist man ja eh nur daheim und hat doch den ganzen Tag Zeit… wenn dann noch Kinder dazu kommen, wird es besonders spannend.

    Insofern finde ich Absprechen schon wichtig und Listen sind sowieso gut.

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  11. „Und dann? Dann kommt’s.“

    Man kann ja mal sich drüben bei den Verfechtern von Eheverträgen (die Ehe gilt ja heutzutage auch als Beziehung) mal über die Durchsetzbarkeit von Klauseln informieren…

    … kurzum, es ist eine weitgehend romantische Vorstellung, nur weil etwas diskutiert, schriftlich niedergelegt und vielleicht noch unterschrieben wurde, es auch tatsächlich stattfindet.
    Wir leben im Zeitalter des Egoismus, der Vertragsbrüche und des permanenten Beleidigtseins. Für uns ist die Hoffnung schon verloren. Vielleich kann man’s schaffen den Kindern ein einigermaßen stabiles Weltbild mitzugeben, damit’s für die übernächste Generation einfacher wird.

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    1. Allein das explizite Besprechen sorgt für Transparenz für den gesamten Mental (und tatsächlichen Work-) Load.

      Allein das ist Gold wert.

      Es gibt natürlich immer Pappnasen, die sich an nichts halten.
      Das sollte einen aber nicht davon abhalten diese Chance zu nutzen.

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  12. Ich habe mir den Comic noch mal angesehen und stimmt, die Eingangsszene zeigt auch nach meinem Verständnis eher gemeine Ignoranz als unglückliche Sozialisation. Komisch, dass mir das nicht beim ersten Lesen aufgefallen ist… Vielleicht ist diese Szene einfach zu vertraut und ich hoffe unterbewusst zu sehr, dass es eine nette Erklärung dafür gibt, die die Menschen aus meiner Umgebung entschuldigt? Was mir beim ersten Lesen aber aufgefallen ist, ist der Satz am Ende, dass man sich vielleicht mit etwas mehr Unordnung anfreunden muss, wenn man Aufgaben teilt. Das finde ich seltsam. In den Phasen, wenn bei uns einer alleine für alles zuständig ist, ist es immer unordentlicher, als wenn wir uns die Arbeit teilen. Kann doch auch gar nicht anders, oder? Also, ich meine, wie kann man denn alleine mehr wegräumen und sauber machen als zu zweit?

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  13. Team Beziehungsverträge verhandeln! Selten hat mich etwas so nachhaltig in allen meinen Lebensbereichen, insbesondere meines Beziehungsverhaltens, geprägt, wie das Verhandeln im BDSM zu erlernen (Safe-Sane-Consensual… auf so viele andere Bereiche zu übertragen!).

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  14. Ich glaube, es ist quasi eine sozialisierte Intoleranz. Wird man während seiner Sozialisation nicht darauf hingewiesen, dass dieses Verhalten Intoleranz ausstrahlt, weiß man es ja nicht besser.

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  15. Pingback: admin
  16. Immer wieder ein wichtiges Thema. Ich widerspreche nur beim Thema Verträge im BDSM-Bereich, das ist lange nicht so verbreitet wie einem das Shades of Grey weiß machen will. Für Details müsste ich ausholen, wenn das von Interesse sein sollte, gerne per PN. Gibt es eine Möglichkeit, diesen Newsletter nachzulesen? Ich würde gerne wissen, was da im Detail drin steht…

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  17. WORD!

    Ich kann mich noch sehr gut erinnern, auf wieviel Unverständnis das gestoßen ist, als ich mich mit meinem Mann bevor wir zusammen gezogen sind hingesetzt habe, wir alle regelmäßig anfallenden Haushaltsarbeiten aufgelistet und besprochen haben, wer wann was macht. Wobei ich dazu sagen, muss, dass der Impuls von mir kam – er hatte (so ganz romantisch) vorgeschlagen, dass wir zusammenziehen könnten, und ich dann so „Super Idee, aber nur wenn die Haushaltsarbeit gerecht aufgeteilt wird“. Er hat erst ein wenig doof aus der Wäsche geguckt, es aber dann eingesehen. Wir waren zu dem Zeitpunkt beide noch im Studium mit Nebenjob. Bei dem Gespräch kam dann z.B. raus, dass er nicht gerne kocht und ich nicht gerne bügel. Also koche ich (was für mich Entspannung ist), er bügelt (was ihm gar nix ausmacht, weil er dabei Tatort guckt. Meine Schwiegermutter hat echte Schnappatmung gekriegt als sie erfahren hat, dass ich ihren armen Goldjungen zum Bügeln zwinge!). Was wann geputzt wird ist genau festgelegt und wird überdies abgewechselt. Ich kaufe eher öfter ein als er, dafür mäht er den Rasen und ist halb inoffziell der Spülmaschineneinräummanager (aber nur, weil er wenn ich einräume eh die Hälfte wieder umkramt). Und er ist derjenige, der eher Urlaub und familiäre Termine organisiert.

    Wenn mal Nachwuchs kommt werden wir uns natürlich wieder zusammensetzen müssen, aber ich bin zuversichtlich dass wir weiterhin fair bleiben. Denn wir sehen immer öfter an den Konflikten, die andere Paare haben wie viel stressfreier es ist, solche Dinge festzulegen. Einfach, weil man z.B. einen festen Putzturnus abgemacht hat und nicht jedes Mal neu diskutieren muss. Und keiner braucht ein schlechtes Gewissen zu haben mal zu chillen wenn der/die andere grade was macht – ich kann in Ruhe faul auf der Terrasse sitzen wenn er Rasen mäht oder putzt, weil er genauso faul vor der Glotze sitzt wenn ich abends vor dem Herd stehe.

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