Alle, die von der Diskussion um die Krautreporter schon genervt sind, empfehle ich an dieser Stelle einfach nicht weiterzulesen.
Mein Startpunkt war folgender: Schade, dass da so wenig Frauen mitmachen, ich hätte das Projekt gerne unterstützt, wenn es ein ausgewogeneres Verhältnis gegeben hätte. Sie haben sich dagegen entschieden. Kann man machen. Es stört andere nicht. Schön für die Krautreporter. Mich persönlich stört es.
Leicht hat sich mein Blutdruck gehoben bei Kommentaren zu einzelnen Artikeln auf Facebook. Z.B. zu „kaum krautreporterinnen“ und „kritik-kritiker kritik„.
(Wer Lust hat, möge reinklicken und das lesen. Für mich war es sehr erhellend, wie wer argumentiert – ich fasse das nicht zusammen, weil es mir um eine andere Sache im Wesentlichen geht.)
Gut. Man kann so argumentieren. Kann man machen.
Die Krautreporter haben auf die Kritik reagiert und zwar zeitnah am 14. Mai 2014.
Q: Warum gibt es nur sechs Frauen, aber 19 Männer unter den Autoren?
A: Es stimmt: Wir haben es in der Vorbereitungsphase versäumt, auf mehr Vielfalt in der Redaktion zu achten, etwa auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Männern und Frauen im Team. Das wird uns in Zukunft nicht mehr passieren. Wir werden das Ungleichgewicht berücksichtigen, wenn Krautreporter startet und wir die Redaktion erweitern.
Heute stolpere ich über diesen Beitrag bei Facebook vom 28. Februar 2014 von Tilo Jung.
Auf die Frage: „ warum fehlt es an den spannenden Stellen immer an Frauen, wo wir doch sogar mehr sind?!“ zitiere ich mal die Antworten von Tilo Jung:
„Prioritäten.“
„Wegen der Quote also ab sofort lieber „Kultur für Desinteressierte“ (?)“
„es ging bei uns ja nicht um einen generellen, sondern um, sagen wir, den projektbezogenen Mangel an weiblicher Genialität.“
Weiter unten melden sich mehrere Journalistinnen und bieten ihre Unterstützung an.
Sorry, aber wie glaubhaft ist der Blog-Beitrag zur Problematik jetzt noch? Drei Monate vor Projektstart hat man den Punkt Frauenmangel identifiziert und dann wird das mit Argumenten wie projektbezogener Mangel an weiblicher Genialität ad acta gelegt?
Für mich müsste der Beitrag im Krautreporterblog korrekt lauten:
Wir haben es in der Vorbereitungsphase bewusst darauf verzichtet, auf mehr Vielfalt in der Redaktion zu achten, etwa auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Männern und Frauen im Team. Auch in Zukunft wird uns das nicht interessieren. Wenn Krautreporter startet und wir die Redaktion erweitern, werden wir uns wieder nur an die richten, die wir schon kennen.
Als Ergänzung dann bitte diesen Beitrag von Anatol Stefanowitsch hier lesen:
Amen.
—- Update—-
Aus den Kommentaren hochgezogen ein Hinweis von Sebastian Esser, Herausgeber der Krautreporter:
„Das Bild ist vom 28. Februar, als das Team völlig anders aussah. Dazwischen sind viele dazugekommen und wieder weggegangen, Frauen, Männer, Teams. Ich verstehe, dass es so wirkt, wie Du es beschreibst, wenn man es so nebeneinander stellt, wie Du es tust. Es zeigt aber kein realistisches Bild des dynamischen Ablaufs. Es zeigt vor allem, dass wir nach Frauen gesucht haben. Das Geschlecht war am Ende aber nicht die oberste Priorität. Es ging darum, ein Team guter Journalistinnen und Journalisten zusammenzustellen, und diese Truppe kam – für den Anfang – zusammen. Die Wahrheit ist, dass ich mir die Gender-Brille nicht aufgesetzt habe. Da kann man natürlich tatsächlich drüber diskutieren. Und das tun wir ja sehr ausführlich. Btw: Wir haben noch zwei weitere Frauen an Bord, die beim Pitch aus unterschiedlichen Gründen noch nicht dabei sein können.“
Hinweis auf Wunsch von Tilo Jung (nachträglich eingefügt, Interessierte lesen bitte die gesamte oben verlinkte Konversation auf facebook):
@dasnuf Hinweis: "Prioritäten" zB als Antwort auf Antonias Kommentar. Bitte korrigiere dies & ignoriere nicht die Konversation. Merci.
— Tilo Jung (@TiloJung) May 16, 2014

