Linklisteneröffnung

Natürlich habe ich in der Schwangerschaft keine Sackleinen getragen, sondern Unmengen an Geld ausgegeben halbwegs attraktiv zu bleiben. Da mir aufgefallen ist, dass es einige Leserinnen in guter Hoffnung gibt, hier eine Liste von Läden, in denen man glücklich und arm werden kann:

9 Monate Berlin

Formes

Jibboo

Klamutter

Mia Nana

Mother

Punkt und Pünktchen

Sexymama

Dicke Dinger

Ohne Laden gleich bestellen bei Mamarella

Bei den meisten gibt es übrigens auch Still-BHs und praktische Stillmode, die es nicht nur ermöglicht das Baby dezent zu säugen sondern auch den Ex-Schwangerschaftsbauch ansehlich kaschiert.

Es werden folgen: Linkliste zu Baby & Berliner Museen, Linkliste zu arm werden mit schönen Babydesignerklamotten und Linkliste zu Secondhandläden

Ich bin ein Fuß

Als Hochschwangere im Mutterschutz kann man schnell Langeweile bekommen. So entschloss ich mich in der 37. Woche einige Stufen zu übersehen und meinen Fuß wie in einem asiatischen Horrorfilm um 180 Grad zu verdrehen und mir zur Abwechslung mal die chirurgische Abteilung der Notaufnahme anzuschauen.
Dort schilderte ich den Vorfall und man wollte gleich röntgen, was ich mit einer schüchternen Nachfrage, ob man das denn während einer Schwangerschaft so mache, unterbrach. Ach? Schwanger sei ich? Ja, 9. Monat. Große Verwunderung. Ach!
Ja während der letzten Wochen einer Schwangerschaft sei es ganz normal dicke Gelenke und Wasserfüße zu haben. Natürlich schätze ich bei Ärzten einen gewissen Sinn für Normalität jedoch konnte ich es mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass das Beschränktsein der Schwellung auf eine Körperseite plus der vorangehende Treppensturz ein gewisser Hinweis auf ein extern verursachte Verletzung sein könnte.
Schulterzuckend wurde mir dann ein Verband angelegt und mir ein Paar Gehhilfen zugewiesen. Mit dem Sport solle ich es jetzt jedoch kürzer treten. Schade, befand ich mich als angehende Monsterbowlingkugel doch gerade auf dem Höhepunkt meiner Vorbereitung für die nächste Leichtathletikmeisterschaft.
Erstaunen beim humorfreien Krankenhauspersonal.
Schön kühlen und dann ab nach Hause, nicht dass das Kind sich jetzt auf den Weg mache. Interessant, bislang bin ich davon ausgegangen, dass ein Krankenhaus ein nicht völlig ungeeigneter Ort sei, wenn es ums Kinderbekommen ging – aber man lernt eben nie aus.
Bei allen Flüchen die man als Elefant auf Krücken der Welt entgegen bringen mag, so bleibt doch festzuhalten, dass dieser Anblick selbst den hartherzigsten Berliner in öffentlichen Verkehrsmitteln dazu bewegt seinen Sitzplatz anzubieten. 

Bahnfahren ist schön

War es für mich jedenfalls so lange, wie ich jobbedingt kostenlos erste Klasse reisen konnte.
Als Normalmensch ist bahnfahren schwierig.
D.h. eigentlich stört ja nicht die Bahn sondern die anderen Fahrgäste. Kontakt lässt sich nur ganz schwer vermeiden. Deswegen buche ich für mich gleich immer ein ganzes Abteil. Immerhin kann man ein Abteil für nur neun Euro für sich alleine haben. Man bestellt seine Tickets einfach im Internet und gibt fünf Kinder unter fünf Jahren an und dass man auf keinen Fall in einem Großraumabteil sitzen möchte.
Wenn dann während der Fahrt Menschen kommen und fragen, ob frei sei, muss man nur streng schauen und selbstbewusst mit „nein“ antworten. Penetranten Nachfragern berichtet man von den Freundinnen, die gerade im Bordrestaurant einen warmen Kakao zu sich nehmen. Schaut sich der Nachfrager im Abteil um, wird er kaum Verdacht schöpfen, denn schließlich hat jede vernünftige Frau, die verreist, Gepäck für rund zehn Menschen dabei. Lediglich, die Damen, die das wissen runzeln ungläubig ihre Stirn, denn immerhin müsste sich im Abteil ja Gepäck für sechzig Menschen befinden. Im Regelfall gibt sie dennoch auf und lässt von den vermeintlich freien Sitzplätzen ab.
Diese Taktik geht eigentlich immer auf. Mit Ausnahme von letzten Sonntag. Da gab es nur fünf statt der sechs gewünschten Plätze, die sich reservieren ließen. Optimist wie ich bin, dachte ich, fünf freie Plätze, das ist besser als gar nichts und ein weiterer Mensch im Abteil, so garstig kann der nicht sein.
Weit gefehlt.
Ein Mensch kann so furchtbar sein, dass man sich das gar nicht ausmalen kann. Dabei spreche ich nicht mal von den Menschen, die sich mit Krautbouletten und/oder abgelaufenen Hack während der Fahrt verpflegen, Blähungen bekommen und die Luft in explosives Gasgemisch verwandeln während sie ihre langen, gelben, nach kräftigem Pecorino duftenden Fußnägel schneiden bzw. sich die Hornhaut der Unterseite des Fußes abnagen.
Die erkennt man nämlich gleich. Da kann man adäquat reagieren. Viel schlimmer sind die Unscheinbaren. Die inversen Scheinriesenomas z.B.
Die sitzen mit straff gekämmten Dutt im selbstgestrickten Pulli lächelnd im Abteil. Bewusst setzt man sich so, dass mindestens ein Platz zwischen der Oma und einem selbst frei bleibt. Bei inversen Scheinriesen nützt das allerdings nichts. Je näher man ihnen kommt, desto größer werden die nämlich und alles unter zehn Meter ist leider unter sehr nah zu verbuchen. Man nimmt Platz und schon ist man ihnen auf den Fuß gestiegen. Am Anfang kann man sich das nicht erklären und entschuldigt sich für das Missgeschick. Daraufhin quetscht man sich dicht an die Fensterscheibe und hat sie dabei wieder grobmotorisch angestoßen. Aus den Augen der unscheinbaren Oma entweichen kleine Blitze und sie beginnt damit sich galertartig im Abteil auszubreiten. Ich erinnere mich an „Der Schwarm“ und sehe das Ende der Welt auf mich zukommen. Während ich langsam in einer der Hautfalten der Dame fortgeschrittenen Alters verschwinde, wünsche ich mir, ich hätte mich mit einem Platz im Großraumabteil zufrieden gegeben. Dort wäre ich nur in uninteressante Gespräche verwickelt worden oder ein Kind hätte mich von hinten bekotzt. Das sind meine letzten reumütigen Gedanken. Dann umschließt mich die Dunkelheit.

Auffallen um jeden Preis

Wenn man so viel wiegt wie ein grauhäutiges Säugetier, lernt man die Vorzüge der beinahe Schwerelosigkeit schnell schätzen. Die Umgebung der Einrichtungen, die ein solches Leichtgefühl verschaffen hingegen schätzen die Anwesenheit von menschlichen Elefanten jedoch nicht. D.h. ich weiß nicht, wie es ist, wenn man einen dieser Zeltbadeanzüge trägt. Im Bikini wird man mit zunehmenden Bauchumfang angestarrt, als trage man Satans Brut mit sich herum. Dabei ist mir aufgefallen, dass v.a. in sogenannten Wellnessbädern mein Bauch nicht wesentlich kleiner als der der anderen Damen ist. Der einzige Unterschied ist, dass mein Bauch straff ist.
Die Empörung über meinen Anblick missachtend habe ich jedoch jede Chance genutzt ein bisschen schwimmen zu gehen – v.a. dann, wenn es sich um Thermalbäder handelte. Da kann man nämlich kieltreibend durchs Wasser floaten ohne dass einem kalt wird.
Von der Obermaintherme in Bad Staffelstein war ich schwer begeistert. Jede Stunde gibt es hier eine kostenlose Aktivität. Meine Favoriten waren Aquapower und Gesichtsmaske. Aquapower im Kreise der Ü80-Jährigen zu den Smashhits von Mr. President, das ist eine Sache, die man einmal im Leben gemacht haben sollte. Begeistert werfe ich im Takt der Musik Arme und Beine in die Luft, fühle mich wie ein Sportass, schwitze sogar und kann mich kaum davon abhalten laut Coco Jamboo (Yayaya Coco Jamboo yaya yeah, Put me up, put me down, Put my feedback on the ground, Put me up, take my heart and make me happy […]) oder JoJo Action (JoJo Action – satisfaction, Candy apple tree, JoJo Action – satisfaction, JoJo honey bee, Listen JoJo Action, Gimme satisfaction, JoJo come with me) mitzusingen.
Eine Stunde später stehe ich als erste in der Reihe wenn es um die Verteilung der Schlammportion für die französische Heilerde geht. Das erste Mal kam ich zu spät, also musste ich einige Opas und Omas unauffällig vom Beckenrand ins Wasser stoßen um sicherzustellen, dass ich diesmal ausreichend Schlamm zu meiner Hautverschönerung abbekommen würde.
Begeistert schmiere ich mir die Gesichtsmaske auf die Haut und bewundere meinen Anblick im Spiegel. Das Ding aus dem Sumpf hätte sich umgehend in mich verliebt.

Des Sumpfdings Liebe

Mein Gesicht ist erst einheitlich dunkelgrün, doch dann atmen sich die Poren ihren Weg frei und ich werde hellgrün/weiß gesprenkelt. Jede auch nur mikromillimetertiefe Falte sieht nach weiteren fünf Minuten aus wie eine Ackerfurche.
Die Haut brennt, doch als Optimist halte ich das für die verschönernde Energie der Gesichtsmaske. Erst beim Abwaschen stelle ich fest, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt. Mein Gesicht ist heiß, rot und geschwollen.
Ich entschließe mich, mir einen kleinen Snack im thermaleigenen Bistro zu gönnen. Vom Außenbeckenbereich konnte ich deutlich lesen: Hier sind sie auch in Badebekleidung herzlich willkommen.
Wunderbar, denke ich, und mache mich meinen Kugelbauch vor mich herschiebend auf den Weg ins Café. Als ich dort endlich ankomme, werde ich von den Anwesenden angestarrt als sei ich nicht das Objekt der Begierde des Dings aus dem Sumpf sondern das Monster selbst.
Alle sind komplett angezogen. Manche tragen sogar Schals und Mützen, nur ich stehe im Bikini mit tomatenrotem Schwellgesicht im Thekenbereich.
„Huhu“ grüße ich freundlich und löse mich in Luft auf.

Jaaahaaaa was is denn das, ei ei ei?

In teerzähen Schritten geht es auf die Geburt zu. Ein Event auf das man sich noch mehr freut als auf eine dreitägige Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Befragungen im bekindeten Freundeskreis haben ergeben, dass es trotz der finalen Vorausschaubarkeit des Ergebnisses der Geburt (Kind ist raus) doch noch bei allen Frauen großes Erstaunen darüber gab, dass am Ende ein echtes Kind geboren wurde. Man glotzt das verschleimte Ding an und wundert sich, meistens zwei Tage und zwei Nächte lang.
Zu Beginn erstaunten mich solche Berichte. Die letzten Tage vor der Geburt versagte jedoch tatsächlich auch mein Vorstellungsvermögen. Soll da in wenigen Tagen wirklich ein menschliches Wesen aus mir entsteigen?
Was wenn es doch ein Hund wird, frage ich meinen Freund ängstlich, wir wollten doch keine Haustiere.
Nach kurzem, sorgvollen Überlegen entscheiden wir uns dann, das Hündchen im Fall der Fälle einfach zu rasieren und in Babyklamotten zu stecken. Das erste Jahr wird das unserem Freundeskreis und den Familien kaum auffallen.
Zu der Thematik bitte auch hier lesen