Flickr böse böse böse

Dieses massenweise flickr-Account-Protest-Löschen finde ich völlig albern. Zensur! Verletzung von Menschenrechten! Wenn sich die liebe Bloggergemeinde mal wirklich über was aufregen möchte, wie wäre es mit Menschenrechtsverletzung in China oder Einmischung in die Innenpolitik in Afghanistan? Wieso kann man bitte nicht einfach bei flickr protestieren und dann eine Woche abwarten was passiert? In welcher Traumwelt leben wir eigentlich? Ist das was Neues? Zensur im Internet? Wer von den Damen und Herren benutzt eigentlich kein Google mehr, seitdem die zensieren, hm?

Nachtrag/Zitat des Tages von kid37:

Gut, daß im Gazastreifen keine Bildersuchmaschine oder Web-2.0-Plattform in Betrieb ist. Die Region hätte womöglich die Aufmerksamkeit von Bloggern bekommen.

HH

Liebe Hamburger, wer kennt eine billige Pension in HH, wo man mit Kind und Kegel ein Paar Nächte verbringen kann. Im Grunde muss da nichts sein, nur saubere Bettwäsche. Vielleicht auch Jugendherbergen? Aber das ist mit Baby wohl nicht so der Hit? Ich kenne mich da nicht aus. Sagen Sie doch mal.

Hauptsache es stinkt nicht

Wenn die letzten Wochen begonnen haben und man eigentlich noch viel Wichtiges zu erledigen hätte, hält man sich gerne mit Nebensächlichkeiten auf, die sich, erst mal angefangen, als unbewältigbare Aufgaben entpuppen.
Folgerichtig lasse ich lasse die Steuererklärungen der letzten fünf Jahre liegen und begebe mich zum örtlichen Drogeriemarkt. Dort werde ich Windeln und Reinigungszubehör erstehen. So der leichtsinnig gefasste Plan.
Kaum angekommen, verstehe ich was im Biologieunterricht mit Übersprungshandlung gemeint war und mir ist wie jedem anderen vernünftigen handlungsunfähigem Huhn nach Körnerpicken zumute.
Das dargebotene Portfolio an Pflegemitteln für das Kleinstbalg ist nahezu unendlich. Ich scharre also ein wenig auf dem Linoleumboden und erwäge Handlungsalternativen. Kurzerhand entschließe ich mich einfach alles zu kaufen, was die Frau mit dem Kinderwagen neben mir kauft.
Nur den Puder lasse ich stehen. Puder ist nämlich ein ganz erstaunliches Produkt.
Zwar erinnere ich mich deutlich daran, dass vor einem Vierteljahrhundert Babys noch eifrig der rote Windelpopo gepudert wurde, jedoch verursacht allein das Erwähnen eines ähnlichen Vorgehens in der heutigen Zeit bei allen erfahrenen Eltern ein panikartiges „Ahhh ahhhh Puder! Puder! Puder!“-Geschrei, dessen Intonation leicht zu entnehmen ist, dass es sich beim Einpudern eines Babys um eine ähnlich schändliche Handlung wie das Abreiben mit mexikanischen Jalapenos handeln muss.
Beim nächsten Hebammenbesuch versuche ich die Pflegeproduktthematik auf rationale Weise zu lösen und erfrage einfach, was man haben sollte. Die Antwort ist ganz und gar erstaunlich: Nichts.
Bei genauerem Nachbohren erweist sich dieses Nichts als völlig abwegig. Nichts bedeutet dass man das Kind mit teurem Quellwasser und Seidentüchern abrubbeln soll bevor man das teuerste Premiumolivenöl auf dem rosafarbenen Körper verteilt. Im Falle einer leichten Rötung könnte man zu den harten Sachen greifen und z.B. Muttermilch direkt von der Brust auf das Kindlein spritzen.
Ich lächle verkrampft und bin froh, dass ich von jedem Babypflegeprodukt, dass es im Drogeriemarkt gab, ein Exemplar gekauft habe und bin fest entschlossen mein Kind täglich in der Badewanne mit Kernseife abzuschrubben, um es dann einmal vollständig in Paraffinöl zu tauchen bevor ich es rundum in Babypuder paniere.

Wo reiben schwitzende Frauen ihre Becken aneinander?

Richtig! Es ist der Rückbildungskurs nach einer Geburt. Das schlimmste am Kinderbekommen. Meine Schwangerschaft und die Geburt waren dagegen ein Spaziergang auf einer blühenden Sommerwiese während ein laues Lüftchen mein Haar zerzaust und ich an einem kühlen Glas Mangolassi schlürfe.
Der Rückbildungskurs ist das aller-, aller-, allerschlimmste, das ich in meinem jungen Leben je gemacht habe.
Für alle, die keine Ahnung haben, wie so was abläuft:
Zu Beginn läuft man sich mit sieben anderen Frauen und einer Vorturnerin auf einem sechs Quadratmeter großen Areal warm. Dabei soll man die Knie in die Luft oder die Fersen an den Po schleudern. Die Stillbrüste wackeln dabei so, dass man sie mit beiden Händen festhalten muss.
Nach ca. zehn Millisekunden schwitzt man wie ein Schwein. Das ist der Augenblick, in dem man eine andere schwitzende Frau anfassen muss, um gemeinsam mit ihr ekelerregend körperbetonte Ertüchtigungsübungen zu machen.
Man steht beispielsweise Rücken an Rücken und drückt beckenbodenanspannend die Unterleiber aneinander. Dabei spürt man deutlich wie sich die angespannten Pomuskeln der anderen Frau am eigenen Rücken reiben.
In diesen Momenten beginnt man zu beten, das eigene Kind möge doch so wie die anderen sechs Babys krakeelen, damit man sich abwenden kann, um es bis zum Ende des Kurses zu wiegen.
Doch das Baby bleibt hart und schläft.
Dann legt man sich auf den Rücken und beginnt damit die verschiedenen Schichten des Beckenbodens zu enervieren.
Und ich schwöre, könnte ich wählen zwischen dem was dann kommt und Wehen ohne PDA – ich würde die Wehen wählen.
Die Instruktion der Vorturnerin lauten nun:
„In Vierfüßlerstand gehen, das Steißbein nach vorne zur Brust ziehen und sich dabei vorstellen, verhindern zu wollen, dass drei große Hunde namens Lack, Luck Lock über die Straße rennen wollen. Man muss deswegen ihre Namen laut rufen.“
Während mir die Peinlichkeit leise durch den Körper schleicht (Warum Hunde? Warum haben sie so bescheuerte Namen? Und wieso soll ich sie rufen?) ahne ich noch nicht, dass sich meine peinliche Berührtheit auch zu starken körperlichen Schmerzen steigern lässt.
Spätestens da hätte ich mein Kind schnappen und das Weite suchen sollen, denn nun wird von uns verlangt:  „Harnröhre und Anus zwinkern sich zu, während die Schamlippen Applaus klatschen.“
Standing Ovations. Der Vorhang fällt!

Lass‘ keine Fremden in Deine Wohnung

Handwerker und sonstige Menschen, die ich in meine Wohnung lassen muss wenn ich alleine bin, sind mir von Grund auf suspekt. Ich verstecke vorsichtshalber eine gusseiserne Pfanne im Wohnzimmer, um sie notfalls niederzuschlagen und telefoniere mit meinem imaginären Freund, der gerade auf dem Heimweg von seinem letzten bestandenen schwarzen Gürtel einer beliebigen Kampfsportart ist. Hallo Schatz? Du bist gleich da? Toll! Und den schwarzen Gürtel hast Du auch bestanden? Super!
Wenn es klingelt, luge ich durch den Türspion und frage alle relevanten Daten ab. Firma, Uhrzeit des vereinbarten Termins, Rufnummer der Zentrale? Als nächstes muss der Handwerker den Werkzeugkoffer langsam im Hausflur auspacken und laut und deutlich die Namen der Werkzeuge sagen, bevor er mir einige exotische Ersatzteile präsentiert.
Erst dann öffne ich die Tür und führe ihn durch den verdunkelten Gang in den Raum mit dem defekten Gerät.
Wenn er nämlich kein psychopatischer Mörder ist, so ist es doch wahrscheinlich, dass es sich bei ihm um einen ausgebufften Dieb handelt, der bei seinen Montagen Wohnungen auf Wertgegenstände ausspioniert.
Kaum dass er beginnt das Gerät unter Augenschein zu nehmen, fange ich an zu jammern, dass es hoffentlich nicht viel kostet, wir wären ja so arm und hätten aufgrund unserer horrenden Schulden bereits alle Wertgegenstände bei ebay versteigern müssen.
So gehe ich sicher, dass er schnell arbeitet und seinen Komplizen hinterher vermeldet, dass bei uns nichts zu holen sei.
Mir dünkte schon seit jeher, dass Handwerker mich aufgrund dieser Verhaltensweisen seltsam finden könnten.
Seit ich den Säugling habe, bin ich mir sogar sicher.
Der schlief gestern im anderen Zimmer und ich eilte im Minutentakt zwischen Küche, wo der defekte Herd stand, und Wohnzimmer, wo der schläfrige Säugling lag, hin und her.
Der arme Handwerker hatte jedoch keine Ahnung, dass außer mir noch jemand in der Wohnung war. Mein Hin- und Herwandern machte ihn ein wenig argwöhnisch. Durchaus irritiert schaute er, als ich ihn aus dem anderen Zimmer leise Schatz und Mausepups nannte. Deutliche Verwunderung spiegelte sich in seinem Gesicht, als ich von der Küche aus rief: „Wenn Du fertig bist, dann darfst Du nackig auf der Kuscheldecke liegen, ja?“
Dabei starrte ich ihn selbstverständlich an, er sollte schließlich nicht denken, dass er mir da ein Ersatzteil verbauen könnte, was ich am Ende gar nicht benötigte.
Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen und ignorierte mein Gefasel. Doch als er beim Ausfüllen seines Schadensbehebungsformulars einen Schnuller auf der Küchenanrichte entdeckte, zeichnete sich deutliche Erleichterung in seinem Gesicht ab.
Trotzdem suchte er schnell das Weite. Ich nehme an, ihm war das gewetzte Brotmesser in meiner rechten Hand suspekt.

Kurbel der deutschen Wirtschaft

Irgendwann muss man ja damit anfangen. Millionen Euro für die Erstlingsausstattung rauswerfen. Für Geizkragen wie mich pure Folter. Die Dinger wachsen doch eins, zwei, drei wieder aus dem Zeug raus. Ich war schon immer dafür Kinderschuhe aus alten Autoreifen zu machen, die man einfach mit Wurstgarn um die kleinen Füßchen bindet. Irgendwie ist das doch fast das selbe wie diese Biostricksöckchen, die irgendeine Emanze mit den Haaren auf ihren Zähnen mit Naturkautschuk bestreicht. Einzig und allein im Preis würden sich diese Dinger unterscheiden.
Genauso steht es doch um die Babyzimmermöbel. Dem kleinen Wesen ist es doch herzlich egal wie die Möbel aussehen bzw. ob es überhaupt Möbel hat. Am liebsten klebt es doch weiterhin wie ein kleines Äffchen am mütterlichen Bauch und mustert interessiert seine Umwelt.
Die Krönung der Anschaffungsliste stellt der Kinderwagen dar. Da gibt es im Wesentlichen zwei Alternativen. Entweder man absolviert schnell einen Aufbaustudiengang „Kinderwagen – Vehikel der Mobilität, Transportmittel an dem sich die Geister scheiden“ oder aber, wenn man in Berlin lebt, aus einem Doppelverdienerhaushalt im Prenzlauer Berg kommt, macht man es sich leicht und kauft sich für schlappe 1.000 € einen Bugaboo Chameleon.
Vorteil bei letzterem: sehr hoher Wiederverkaufswert bei ebay. Nachteil dem organisierten Verbrechern der Kinderwagenmafia ist dieser Wert durchaus bewusst. Wer also kein Einfamilienhaus hat, wo er den Wagen sicher unterstellen kann, der darf damit rechnen, ihn einmal im Jahr geklaut zu bekommen.
Alles in allem also eine wenig verlockende Aussicht. Demzufolge immatrikuliert man sich kurz nach Bekanntwerden der Schwangerschaft in den oben genannten Studiengang. Nachdem man dann sechs Monate Informationen zusammengetragen hat und Diskussionsrunden über Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten beigewohnt hat, entscheidet man sich dann für irgendein Modell, bei dem dann aber nach kurzem Einsatz schon auffällt was man hätte besser machen können.
Es zeigt sich hier zum wiederholten Male, dass sich Vielfalt nicht auszahlt. Ich will einen Kinderwagenmonopolisten. Da kaufe ich dann ein Modell und lebe mit den Nachteilen. Fertig. Die Recherche und die ganze vergeudete Zeit dazwischen spare ich mir einfach.
Alternativ fordere ich einen staatlich entwickelten Fragebogen, der mir nach dem Ausfüllen ein bestimmtes – perfektes – Modell empfiehlt.
Im Muliple-Choice-Verfahren nähert man sich so seiner Auswahl.
– Ich habe ein Auto ja/nein
– Ich wohne in einer Gegend mit Kopfsteinpflaster ja/nein
– Ich verfüge über einen abschließbaren Ort, an dem ich den Kinderwagen abstellen kann ja/nein
– Mein Kind wird vorraussichtlich so groß wie xxx (Dinobaby aus Serie) ja/nein
– Ich will mit Wagen und Kind sportlich aktiv sein ja/nein
– Etc.
Leider bekommt man nach dieser Einsicht ein Kind und hat dann keine Zeit mehr für so einen Schnickschnack. Viel schlimmer noch, der Nestbauinstinkt setzt kurz vor der Geburt ein und plötzlich macht man nichts lieber als Babykram kaufen.
Wer Glück hat, im Kreise der vor Entzückung kreischenden besten Freundinnen. Man fällt in Kinderbekleidungsläden ein und sieht sich zurückversetzt in die präpubertäre Barbiephase.
Überall rosa, rosa, rosa! Rüschen, Glitzer, Schleifchen! Alles minimninimini! Ahhhhh! Man macht nur noch Geräusche, die man normalerweise ausschließlich von Meerschweinchen kennt und greift zweihändig in die Regale. Alle klitzekleinen Einzelteile kosten doch nur unter 10 Euro. Die Vernunft bleibt auf der Strecke und man erwirbt allein so viele von diesen Minisöckchen, die gerade auf die eigenen Fingerkuppen passen, dass man damit auch bedenkenlos einen brasilianischen Tausendfüßler winterfest machen könnte.
Das Baby dankt es wenig später indem es zeigt, dass man von der Erstlingssocke bis zum Kopfhäubchen wirklich alles mit Breikacke einkacken kann.
Doch was solls. Ist das Ding erst mal auf der Welt, so freut man sich auch über rosa Minikleidchen mit blassbraunen Streifen.