Was freue ich mich mit Minibaby am Mittwoch Bahn zu fahren. Bestimmt gibt das einen super Bahnjammerartikel für den Blog. Immerhin.
Was nach dem 17uhrwahnsinn folgt
Die Geburt eines Kindes macht aus Atomuhren Sonnenuhren. In meinem babylosen Leben war ich einst Koordinatorin von EU-Projekten, weil ich eine Vorliebe für Haarspalterei, Deadlines und unverhältnismäßig komplizierten Abrechnungsregularien hatte. Meine Kollegen schenkten mir zum Geburtstag ein Stempelset mit dem ich auch im Privatleben meine Ablage perfekt organisieren konnte.
Jetzt bin ich Mama und lebe lustig mit dem Baby in den Tag hinein. Ich weiß selten wie viel Uhr es ist und schon gar nicht welchen Wochentag wir haben.
Mein Freund ist bisweilen entsetzt darüber, denn im Laufe der Beziehungsjahre hat er gewisse Erwartungen aufgebaut. Waren wir beispielsweise früher irgendwo eingeladen, hatte ich den Anfahrtsweg in drei Varianten, einen Ausschnitt des Stadtplans und einen Kompass in der Handtasche. Heute stehen wir ratlos in der Straße und ich versuche mich zu erinnern, ob die Hausnummer ein- zwei- oder gar dreistellig war.
Doch was soll ich sagen. Das Ex-Leben als Atomuhr macht nur halb so viel Spaß wie das einer Sonnenuhr und so lebe ich heiter nach dem Motto, das ich vor ca. zwei Jahrzehnten gerne in Poesiealben krakelte: Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur.
Wer ihn nicht kennt, den 17uhrwahnsinn.
Man solls eben richtig einteilen
Die Hebamme prophezeite, dass man im Schnitt nach der Geburt eine Konfektionsgröße mehr tragen würde. Im Geiste verabschiedete ich mich also von der 34. Und wirklich, am Ende hat sie Recht behalten, mir passt nur noch die 36.
Nun, werte Leserin, haben sie den Hass in sich aufkochen spüren? Ja? Dann wissen Sie, wie ich mich fühle, wenn ich solche postnatalen Gesprächen lauschen muss. Behaupten doch eine nicht unbeachtlich große Menge von Damen, ihnen würden die Kleidungsstücke aus dem kindlosen Leben gleich nach der Geburt wieder passen.
Im Wochenbett dachte ich noch, diese Frauen seien gemeine Lügnerinnen, doch im Rückbildungskurs wurde ich eines besseren belehrt.
Es gibt sie, diese Monster. Sie sind schmal wie grüner Spargel, haben keinen Bauch und selbst kurz nach dem Stillen stehen ihre Apfelbrüstchen keck nach oben.
Mit solchen Frauen einen Raum zu teilen, ist eine wahre Zumutung. Vor allem in so kinderreichen Gegenden wie dem Prenzlauer Berg muss das doch nicht sein. So wie in jedem vernünftigen Englischkurs, wo man die Teilnehmer in Anfänger, Fortgeschrittene und Profis aufteilt, könnte man Rückbildungskurse doch auch in Schwabbel, Ganz-Okene und Topmodels aufteilen.
Dann müsste ich sie nicht sehen, diese figürlichen Bohnenstangen.
Und was ich nicht sehe, gibt es nicht.
Hoffnungsspendender Nachtrag:
Genau 90 Tage nach der Geburt geschah, was ich für völlig unmöglich gehalten hatte. Ich passte trotz meiner enormen Kiste endlich wieder in meine allergrößten Hose. Das gibt überschwänglichen Optimismus für die Zukunft.
Fortuna schlägt zu
Wenn es Glück bringt, von einem Vogel angekackt zu werden, was passiert dann erst, wenn man an ein und dem selben Tag morgens auf die frisch gewaschenen Haare gekotzt bekommt und abends beim Baden mit Kind erstaunt feststellen darf, dass sich die weiche Milchkacke im Wasser nicht auflöst, sondern langsam zu Boden sinkt (vorausgesetzt man bewegt sich nicht)?
Wie bitte?
Jedem Star Wars Fan müsste bereits aufgefallen sein, dass der kleine Chinese aus Ocean’s 12 und Ocenan’s 13 der R2D2 der Truppe ist.
Er brabbelt vor sich hin, der Zuschauer versteht kein Wort, doch seine Freunde scheinen alle des Chinesischen mächtig und antworten stets auf Englisch.
Ähnlich geht es mir, wenn mein Freund nach Hause kommt, der führt mit unserem Baby nämlich Gespräche, deren Inhalt mir völlig verborgen bleibt.
Der Papa kommt nach Hause.
Kind: Bubu üääähhhh grrrrrr.
Papa: Hallo Schätzelein, wie gehts denn so?
Kind: Uaah ha ahhhaaa.
Papa: Das ist super! Und was habt ihr so gemacht heute?
Kind: Pfffrrrrrt ähäh ühhhh grrrr rrrrr pft.
Papa: Wirklich? Das ist ja toll!
Kind: Örgöl örks bubu.
[…]
Andere Kinder sind immer doof
Lange schon beschäftigt mich die Frage, ob Kinder mit einem eigenen Charakter geboren werden oder ob sie die Eigenarten der Eltern übernehmen. Bezogen auf unser Kind 2.0 tendiere ich zu These zwei, denn es ist außerordentlich genügsam, charakterlich liebreizend und klug.
Dem entgegen stehen die Kinder, die wie Bamm-Bamm der Familie Feuerstein sind. Man erkennt sie an folgender prototypischen Verhaltensweise.
Man sitzt gesittet zu leiser Mozartmusik am Geburtstagskuchentisch und unterhält sich übers Stricken. Die Kinder liegen und sitzen in der Krabbelecke und schütteln lächelnd ihre Rasseln, als es plötzlich in der Küche ohrenbetäubend scheppert. Vermutlich ist das Regal mit den Kochtöpfen zusammengebrochen.
Eine Sekunde später rennt ein Kind brotleibschwingend in das Wohnzimmer. Es holt aus, dreht sich schwungvoll einige Male um die eigene Achse und wirft dann Baaaahhhh AHHHHHHHhhh brüllend wie ein Hammerwerfer den Zweipfünder genau in die Geburtstagstorte.
Danach lacht es schrill und verschwindet in einem anderen Zimmer. Die betroffene Mutter erhebt sich vom Tisch, lächelt nervös und nimmt die Verfolgung auf.
Klein Bamm-Bamm versteckt sich zunächst in der Glasvitrine hinter der Stereoanlage, die polternd umfällt als er an der kriechenden Mutter vorbei flitzt, um sich eines der Babys vorzunehmen.
Nur mit großer Not kann die Babymutter gerade noch das fliegende Baby schnappen, denn Bamm-Bamm hat es johlend am Fuß gepackt und Richtung Fenster gefeuert.
Die anderen Babys weinen. Bamm-Bamm verschwindet erneut in der Küche und kommt wenige Minuten später, den Messerblock auf der Nase balancierend, zurück ins Wohnzimmer.
Zeit für mich mit meinem Baby aufzubrechen. Ich renne das Treppenhaus herunter, lasse den angeketteten Kinderwagen stehen, flüchte die Straße entlang und sehe bei einem letzten Schulterblick, wie die Wohnung in der ich eben noch kuchenessend saß, wie bei einem der Stirb langsam-Filme explodiert.

Zur Hülf …. mal wieder
Bei dem Freizeitstress kommt man ja kaum zum Schreiben. Nach stundenlanger, vergeblicher Internetrecherche nun die Frage an die verehrte Leserschaft. Wer weiß wo man in Berlin außer im Europabad freies Babyschwimmen (ohne Kurs) machen kann? V.a. tagsüber unter der Woche wäre extrem schick.
