Die Liebe in Worten oder die Schönwettervaterschaft

Jetzt muss ich eben doch.

Ich hatte bereits geschrieben, dass mich der Text „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus“ bewegt hat. Denn ich teile die Meinung, dass die bloße Anwesenheit des Gefühls Liebe bei einer Person nicht ausreicht, um als Leistung (oder irgendwas) bei einer zweiten Person anerkannt werden zu können.

Der zitierte Text ist eine Antwort auf einen anderen Vater-Text, der im Grunde sowas sagt wie: Ich bin kein schlechter Mensch nur weil ich kaum Zeit mit meinen Kindern verbringe. Früher war das Standard, davon ist auch keiner gestorben. Die Väter haben ihre Kinder auch lieb gehabt!

Jetzt gibt es wieder eine Antwort auf die Antwort sozusagen, in der konkret steht:

Die Aussage, dass Liebe kein Kriterium für die Beurteilung der Leistung eines Vaters sein kann, ist für mich ebenso schwer nachvollziehbar und niveaulos, wie die Aussage, dass ein Mensch anderer Hautfarbe nicht mein Nachbar sein kann. [1]

Mal abgesehen davon, dass ich überhaupt nicht verstehe was der 2. Teil des Satzes mit dem ersten zu tun hat, möchte ich entschieden widersprechen.

Meiner Auffassung nach kann man sich das Wort Vater auch schenken und durch Mensch ersetzen.

Einem Freund, einem Vater, einem Partner, einer Freundin, einer Mutter, einer Partnerin, der/die sagt „Ich liebe dich“ und den Worten keine Taten folgen lässt, kann ich persönlich wenig abgewinnen.

Für solche Oberflächlichkeiten ist mein Leben zu kurz.

Wenn ich in meinem Leben zurück blicke, gibt es allerdings ausreichend Personen dieser Art. Aber waren sie da als ich sie brauchte? Nein.

Natürlich geht es nicht nur um die Einheit „Zeit verbringen“, natürlich ist das als bloßes Kriterium genauso dumm und wertlos wie die bloße Aussage „Ich liebe dich“.

Bin ich also nur ein guter Vater, wenn ich so viel Zeit wie möglich mit meinem Sohn verbringe? Egal wie? [1]

Ne, biste nicht. Genauso wenig wie der Vater, der jeden Tag bis 20 Uhr im Büro abhängt und am Telefon „Ich lieb dich“ zu den Kindern sagt, wie andere Leute „Tschüß“ sagen.

Und diese Diskussion um Leistung. Elternschaft sei schließlich keine Leistung oder etwas das man messen könne oder solle. Ist sie in meinen Augen doch (nicht nur, aber auch).

Care-Arbeit.

Am Anfang war mir dieses Wort fremd und ich hab mich gefragt, ob man wirklich für alles immer einen hippen Anglizismus braucht. In der Zwischenzeit denke ich: Ja, den braucht man. Weil der Begriff eben sehr gut beschreibt, was Elternschaft auch umfasst. Arbeit! Es wird organisiert, mitgedacht, geplant, geteilt, mitgetragen, gepflegt, es werden Opfer gebracht (die man auch gerne bringt, weil man das Kind ja liebt).

Aber ein hinreichend guter Vater – eine hinreichend gute Mutter ist man nicht, weil man es im Herzen sein will und für sich sagt: Ich liebe das Kind doch.

Ein hinreichend guter Vater – eine hinreichend gute Mutter ist man wenn man da ist, wenn man präsent ist, wenn man eine Stütze ist, wenn man einen Hafen bietet und im Notfall ein verlässlicher Kämpfer an der Seite des Kindes.

Wenn man sich verdammt nochmal einbringt und nicht nur ein Schönwettermensch ist. Verantwortung übernimmt. Wenn man auch da ist, wenn es schwer wird, wenn es anstrengend wird, wenn es an die eignen Grenzen geht.

Das regt mich so auf.

Im Text steht auch:

Ob sie ihren Kindern etwas mitgeben, ihren Kindern etwas beibringen, ihre Neugier wecken, ihnen Geduld schenken, etwas auszutüfteln und Herausforderungen selbst zu schaffen. Das geht schon beim Abknibbeln von Fußball-Klebebildchen los. Es geht meiner Meinung nach auch darum, den Kindern neue Horizonte zu bieten aber auch Grenzen aufzuzeigen. Und als Vater die damit verbundenen Konsequenzen auszuhalten. All das hat nichts mit Zeit, sondern mit Liebe zu tun.

Genau und es hat mit noch mehr Liebe zu tun Kotze aufzuwischen, Windeln zu wechseln, Nächte zu durchwachen, Seelennöte zu lindern.

Wenn meine Mutterschaft sich beschränkt auf Fußball-Klebebildchen abknibbeln, gemeinsam Sendung mit der Maus schauen und Achterbahnfahren, dann bin ich echt die tiefenentspannteste Mutter der Welt.

Aber die Frage ist: Wie fühlt sich mein Kind, wenn es krank ist und ich immer im Büro bin, weil es angeblich sein muss? Wie fühlt sich mein Kind, wenn es etwas Tolles erlebt und das Erlebnis nicht mit mir teilen kann, weil ich im Büro bin und erst nach Hause komme, wenn es schon schläft?

Ach, was rege ich mich auf. Ich gehe jetzt lieber Eis essen.

Lesen Sie auch „Neue Väter. Ein Abgesang„, da steht alles strukturierter.

Passt auch irgendwie „Eltern machen alles möglich bis es sie zerreisst„:

Mein Kind hatte einen angeknacksten Fuß, lag morgens im Bett und konnte nicht aufstehen. Das war die Situation: Mein Mann ist weg, ich muss zum Flughafen, das Taxi steht schon vor der Tür. Und da fange ich an, hektisch rumzutelefonieren, wer jetzt das Kind nehmen kann. Das Kind weint und klammert. Und ich sage nicht: So, mein Kind hat einen angeschwollenen Fuß, dies ist der Tag, an dem ich zu Hause bleiben werde. Ich hab das heulende Kind im Taxi bei der Kinderfrau vorbeigefahren und bin pflichtschuldigst zum Flughafen weitergerast. Und erst im Flugzeug hab ich gedacht: Was hast du denn da gerade gemacht? Welches Gefühl bleibt da beim Kind zurück? Egal, was mit mir ist: erste Prio hat Mamas Job?!

Denn an der Stelle spätestens kann man sich fragen, was die Liebe alleine in so einem Fall dem Kind bringt und ob man sich und dem Kind solche Situationen nicht ersparen möchte.


[1] Was macht einen guten Vater aus?

Genervt II

Teilzeit-Kommentare

Neulich hatte ich diesen Tweet in meiner Timeline

und ich dachte: Ja, ich kann das auch nicht mehr hören. Alle Varianten davon, denn ich habe einen Tag Homeoffice und bin flexibel im Kommen und Gehen. Ein Elterntraum – also ohne Quatsch.

Wären da nicht die Sprüche, die ich mir manchmal anhören muss (die natürlich, wenn man zur Sprache bringt, dass man abgenervt davon ist – immer nur lustig gemeint sind).

„Ach? Heute arbeitest du?“

„Ach? Gehst du schon?“

„Oh. Heute bist du aber spät.“

„Ich sehe im Kalender, du hast morgen Homeoffice, arbeitest du da bzw. kann ich dir dann was schicken?“

„Hm? Heute bist du aber lange da, du gehst doch sonst IMMER schon mittags?“

Vereinbarkeit sind eben nicht immer nur die tatsächlichen Arbeitsbedingungen sondern auch die Einstellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ideal der Präsenzkultur und der Überstundenkult scheint aus manchen Köpfen nicht rauszubekommen sein.

Teilzeit-Unmöglichkeit

Und als am Donnerstag das Deutschland-Spiel um 18 Uhr lief, war ich doch etwas verwundert wie leer gefegt Büros sein können als ich gegen 19 Uhr nach Hause ging.

Leichtfertig hab ich dann das hier getwittert:

Dooferweise wurde das ziemlich oft gefavt und geretweetet, was bedeutet, dass man Replys und Direktnachrichten von Menschen bekommt, die naja, nennen wir sie impulsiv sind.

Da war alles dabei von „Unzulässige Verallgemeinerung“ über „Denk mal drüber nach, warum du so einen Mann nicht hast, vermutlich bist du es nicht wert“ bis hin zu Menschen, die acht Mal reply klicken, um mir zu erläutern was sie heute alles für ihre Kinder getan haben.

Formal korrekt ist übrigens der Hinweis der Verallgemeinerung – denn natürlich gibt es Männer, bei denen es nicht so ist, die z.B. extrem früh arbeiten gehen um sich nachmittags um die Kinder kümmern zu können und zwar weil sie es wollen und nicht weil sie müssen, weil die Frau es verlangt… und es gibt auch Männer, die in Teilzeit arbeiten [siehe Tweet oben]… nur leider ist Twitter auf 140 Zeichen begrenzt und ich konnte deswegen nicht schreiben:

Ich stelle mir gerade eine Welt vor, in der der überwiegende Teil aller Männer, die Väter sind, es genauso problemlos durchsetzen für ihre Kinder früher zu gehen, wie es offensichtlich klappt, wenn es um Fussball-Spiele geht.

Denn meiner persönlichen Erfahrung nach sind solche Männer immer noch die Ausnahme. Und wenn man Statistiken bemüht, dann scheint es sich nicht ausschließlich um einen Fall anekdotischer Evidenz zu handeln. In der Zwischenzeit arbeiten zwar fast 20% der Männer in Teilzeit wohingegen es bei den Frauen immer noch fast 60% sind [1].

Anderen Studien zufolge, ist die Verteilung bei Müttern und Vätern sogar drastischer:

Unter Müttern beträgt die Teilzeitquote sogar 70 Prozent. Väter sind dagegen nur zu 6 Prozent in Teilzeit beschäftigt.

Quelle: WSI Report März 2015

Das ist stimmig zu der Aussage:

Kaum kommen die Kinder, entscheidet sich ein Großteil der Paare für das „Zuverdienermodell“ mit vollzeitbeschäftigtem
Mann und teilzeitbeschäftigter Frau.

Quelle: IAB Kurzbericht April 2015

Immer wieder höre ich, das sei eben nicht so einfach, man könne als Mann nicht einfach in Teilzeit gehen… und dann frage ich mich, warum Frauen das aber können (Siehe Szenen mit dem Chef).

Aber gut.

Für Fußball ist es möglich, die meisten Replys haben mich belehrt, das sei ja nur in Ausnahmefällen während der EM. Naja und vielleicht bei der WM. Aber sonst eben nicht und das wäre dann ja auch ziemlich wenig wenn man das auf die Kindersituation überträgt.

Da zucke ich echt nur mit den Schultern. Denn das wäre wenigstens mehr als nichts.

Teresa Bücker hatte interessanterweise einen ähnlichen Gedanken:

Und sehr schön schließt der letzte Tweet den Bogen zum ersten Thema im Blogpost


[1] Und wer mir mit „persönliche Entscheidung“ kommt, der bekommt von mir den sizilianischen Todesblick.

Apropos kinderfreie Zonen…

Gerne echauffiere ich mich über kinderfreie Zonen und Kinderfeindlichkeit im Allgemeinen, da muss man die löblichen Ausnahmen auch mal explizit erwähnen.

Deswegen heute meine Burger-Empfehlung – das Lily Burger in Neukölln. Ganz ehrlich, geht dahin.

Ich hab im Moment offenbar Hormone, aber ich war wirklich kurz davor, mich an die Hälse der Bedienungen zu hängen und theatralisch zu schreien: „OH MANN, IHR SEID SEIT LANGEM MAL DER KINDERFREUNDLICHSTE LADEN DIESER ERDE. DES UNIVERSUMS! ECHT JETZT!“

Und ich spreche hier nicht von gutmütigen, älteren Herrschaften sondern coolen Hipstertypen mit Basecap, Baggyjeans und Sidecut.

Kind 3.0 stößt eine Limo-Flasche um, schneller als ich denken kann „upsi“, steht die Bedienung mit Servietten bereits am Tisch und wischt fröhlich das Zuckerwasser vom Tisch. „Kein Ding“, sagt er und stellt fest: „Eure Rechnung klebt jetzt auch viel besser am Tisch, die fliegt nicht mehr weg, gut oder?“

Waaahhhh!

Kleiner Burger im Lily Burger
Bild von @monoxyd
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Low Carb Burger (ohne Bun und dochdoch, da ist ein Fleischpatty)

Die Bedienungen waren außerdem schnell, zuvorkommend und superfreundlich. So freundlich, dass die Kinder ganz irritiert waren.

Die Burger sind supergut. Bio Angus, zart, nicht zerbraten (nicht nur ich finde das). Wie man auf dem Bild sieht, kann eine Kleinfamilie sich von einem einzigen Burger ernähren.

Die Pommes (nicht im Bild) ebenfalls köstlich.

Bald macht direkt am Park in Friedrichshain ein weiterer Laden auf (ungefähr Ecke Friedensstraße), sagte uns eine der Bedienungen. Der neue Laden sei dann kinderfreundlich mit Spielecke und Co. Da musste ich lachen. Kann mir nicht vorstellen, dass die tiefenentspannte Kinderfreundlichkeit, die ich dort erlebt habe, noch steigerbar ist.

Ja, Kinderfreundlichkeit sei ihnen wichtig, erzählte uns die eine Bedienung. Er sei neulich mit seinem zweijährigen Kind asiatisch essen gewesen. Als diesem der Löffel runter gefallen sei und es sich darüber aufgeregt habe, sei gleich die Bedienung an den Tisch gekommen und hätte um Ruhe gebeten. „Bei einem Kind in diesem Alter sofort so überzogen zu reagieren, ist doch bescheuert…“.

Ja, das ist es.

Esst Burger bei Lily Burger und lasst euer Geld nicht mehr in Läden, in denen Kinder keine Geräusche machen dürfen.

Deine Freunde machen Deine Mudda glücklich

Das erste Konzert, das mir Spaß gemacht hat. Naja nach Herbert Grönemeyer, aber das sag ich nicht öffentlich. Das ist Kompromat.

IMG_7716Konzerte und ich, das ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Seit meiner Schulzeit denke ich immer wieder, es könnte mir Spaß machen Konzerte zu besuchen. Wenn ich dann da bin, merke ich, tief in mir lebt schon immer eine alte Oma.

Diese Oma findet große Menschenansammlungen blöd – v.a. dann wenn ihre Körper schwitzen und diese sie immer wieder berühren. Die selbe Oma ärgert sich immer wieder über die unangenehme Lautstärke von Konzerten und findet es ätzend, wenn Stücke gespielt werden, die sie gar nicht kennt oder erkennt.

Eigentlich möchte sie auch gar nicht stundenlang stehen, aber Sitzkonzerte sind noch viel schlimmer.

Die Oma hört schon immer schlecht – allerdings meint sie dennoch beurteilen zu können, dass achtzig Prozent aller Bands live unglaublich schlecht sind. Manchmal können die SängerInnen nicht singen, manchmal die Bandmitglieder ihre Musikinstrumente nicht so gut spielen. Oft sind einfach die Toningenieure ein bisschen taub.

Das Symbolbild für dasnuf und Livekonzerte wäre eine alte Dame, die etwas träge mit einem Krückstock wedelt und krächzt: „Bleiben Sie mir fort mit diesem modernen Zeug! Am schönsten ist Musik zuhause am Sofa!“

Im Grunde gibt es nur eine Sache, die schlimmer ist als Livekonzerte und das ist Kindermusik. Kindermusik, das hat sich irgendein Menschenhasser ausgedacht, das bedeutet Kinderchöre mit glockenhellen Stimmen, die irgendwas fiepen, schreckliche Melodien (die einen dennoch mehrere Monate als Ohrwurm begleiten ALLELEUTALLELEUT! JANUARFEBRUARMÄRZAPRIL!) und grauselige Texte.

Die Kinder werden geboren, man denkt sich: ich höre einfach weiter die Musik, die mir gefällt und basta und plötzlich wacht man in einem PEKiP-Kurs auf und klatscht und trällert eben jene Kinderlieder und wenn man dann in das fröhliche Babygesicht schaut, singt man das einfach ein paar Jahre weiter.

Eine echte Erlösung war deswegen die Entdeckung der Band „Deine Freunde„.

„Deine Freunde,“ das sind der ehemalige Echt-Schlagzeuger Florian Sump, der Fettes Brot DJ Markus Pauli und der Tigerenten Club Moderator Lukas Nimschek.

Ich meine irgendwo gelesen zu haben [*], dass Florian Sump selbst als Erzieher in einem Kindergarten tätig war und genau auf dieses Problem der unerträglichen Kindermusik gestoßen ist und dann das Lied „Schokolade“ geschrieben hat.

Das war der Beginn der Band, die bis heute drei Alben geschrieben hat.

Sofern man deutschen HipHop mag, kann ich „Deine Freunde“ wirklich sehr empfehlen. Die Musik ist so wie man es als Erwachsene gut hören kann und die Texte sind sehr, sehr gut. Genau genommen entsprechen die Texte diesen Elternblogtexten, die einen total begeistern, weil sie mit unglaublichem Feingefühl und Herzenswärme typische Eltern-Kind-Themen aufgreifen und zwar so, dass man v.a. über die Schmerzen des Elternseins lachen muss.

Die Witze gehen aber nie auf Kosten der Kinder. Denn im Grunde sind die Texte aus deren Perspektive geschrieben. Kinder, das darf man nie vergessen, haben es mit uns Eltern auch nicht immer leicht.

Es gibt auch Texte, die sind mit so viel Gefühl geschrieben, dass ich (ich bin zugegebenermaßen, was meine Gefühle angeht, oft etwas verdreht) zu Tränen gerührt bin. Das Lied „Ganz groß“ (Amazon Werbelink) erweicht mein Mutterherz jedes Mal und am liebsten würde ich beim Hören meine Kinder in den Arm nehmen und weinen wie diese Comicfiguren, denen rechts und links die Wasserfontänen aus den Augen spritzen und mich dann in ihren Shirts schnäuzen. (Zum Glück habe ich mich im Griff! Zum Glück!)

Deine Freunde - fotografieren verboten!

Jedenfalls das Konzert war grandios. Grandios, meine Damen und Herren!

Ich stand irgendwo hinten auf einer Balustrade während ich mit meinem Freund Händchen hielt und wir beide leise schluchzten: Das ist das erste Mal, dass die Kinder ganz alleine im Konzertpit hüpfen und mitsingen.

So war das nämlich organisiert: Die vordere Hälfte der Bühne war ausdrücklich nur für Kinder. Erwachsene durften dem Konzert in gebührlichen Abstand lauschen.

Wer schon mal einem Karnevalsumzug beiwohnte, der weiß nämlich, dass Erwachsene unendlich nerven können, z.B. weil sie Kinder schubsen oder ihnen rücksichtslos auf den Füßen rumtrampeln.

Deine Freunde - fotografieren verboten!

Ach, ich könnte jetzt noch einen Roman schreiben über das tolle Konzert und ein ganzes Reclam-Heft mit der Interpretation der einzelnen Songs befüllen – aber ich lasse das einfach und empfehle: Kaufen Sie die CDs, gehen Sie auf die Konzerte, singen Sie mit! Machen Sie die Band reich, da verderben Sie nichts mehr (die meinten ohnehin, dass sie jetzt so bekannt seien, dass sie jetzt bald arrogant würden).


(Unbedingt nicht anhören, wenn man nicht 14 Tage lang einen Ohrwurm haben möchte. Ich hab Sie gewarnt!)

P.S. Nach intensiven Befragungen der Kinder konnte ich ihnen auch ein enthusiastisches Urteil abringen:

„Wie findet ihr die Band?“ „Gut.“


[*] Mir wurde freundlicherweise auf die Sprünge geholfen, wo ich das gelesen habe: Was machen die denn da – Florian Sump

Ein Büchlein von Kind 3.0

Kind 3.0 und ich träumen davon eines Tages gemeinsam ein Buch zu schreiben. Kind 3.0 würde die Schule rasch fertig machen, aber dann nie arbeiten müssen. Wir stellen uns nämlich vor, dass wir sowas wie den Grüffelo zusammen schreiben. Finde ich ein valides Einkommenskonzept für die Zukunft. Kind 3.0 würde mich zu 40% an den Gewinnen beteiligen.

Heute morgen haben wir dann schon mal ein Mini-Buch zusammen gemacht. Heute hat die Kita nämlich geschlossen.

Weil Kind 3.0 nicht verständlich zu machen war, warum das Buch nicht sofort von einem Verlag aufgekauft, gedruckt und ab heute Nachmittag in der Bibliothek erhältlich ist, habe ich als Kompromiss angeboten, es in meinem Blog zu veröffentlichen.

Kind 3.0 erbittet Feedback.

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Idee und Konzept Kind 3.0, Recherchen und Schrift Patricia, beim Malen abgewechselt


Auf Wunsch als PDF: Einmal um die Welt

12von12 im Juni und Bonusmaterial

Das mit dem Ausschlafen an kinderfreien Wochenenden hab ich immer noch nicht zuverlässig drauf. Wahrscheinlich weil ich ohnehin mein ganzes Leben nie ausgeschlafen habe. Ich bin einfach Lerche.

Es ist allerdings schon neun. Also stehe ich jetzt auf und mache mir Kaffee. Mit dieser Bialetti, die angeblich Crema hinbekommt. Das Ding macht mich schon seit Wochen wahnsinnig.

Die ersten Male sprudelte und spritzte der Kaffee immer oben aus dem Loch (und ja, da ist ein Loch, es gibt dazu keinen Deckel, man kann nichts zuklappen, das gehört so). Dann habe ich nachgelesen auf was alles zu achten ist und auch was gelernt: Wenn man bereits kochendes Wasser unten in die Kanne füllt (ja, nur bis zum Ventil und nein, es ist nicht verstopft), dann ist der Kaffee nicht nur viel schneller fertig – er schmeckt auch sehr viel besser. Und nein, ich drücke das Kaffeepulver nicht an und eine andere (zu fein gemahlene) Marke ist es auch nicht und trotzdem sprudelt und sprutzelt der Kaffee seit neustem wieder oben wie irre raus. Aber ich hab das im Griff. Heute hab ich nämlich erst die Milch warm gemacht und in dem Moment, in dem die Kaffeekanne zur Fontäne wird, halte ich den Kaffee über den Topf und muss danach nicht den Herd putzen, sondern hab fertigen, wohlschmeckenden Milchkaffee.

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Am wichtigsten ist ohnehin, dass man den Kaffee (wahlweise auch den Tee) aus einer schönen Tasse trinkt. Und ja, man kann diese Tasse bestellen und ja, eigentlich will man alle Modelle haben.

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Nach dem Kaffee habe ich immer noch Zeit. Der Freund ist noch nicht aufstehwillig. Also lese ich. Zum Beispiel einen Artikel über Gleichberechtigung (ja, schon wieder!): Gleichheit der Geschlechter – 
Die große Illusion – Der Unterschied zwischen Mann und Frau spielt keine Rolle, heißt es. Bis es um Schwangerschaft und Geburt geht.

Ich finde, der Artikel hat viele interessante Aspekte, wenngleich er auch sehr viel vermischt. Zum Beispiel erklärt er mir, warum viele der jetzt ca. 30jährigen Frauen finden, dass wir keinen Feminismus mehr brauchen.

Die Leserschaft ist sich ob der Qualität des Artikels etwas uneinig.

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Mir ist immer noch wach und Frühstück wäre jetzt nicht schlecht. Also ziehe ich mich an und gehe zum Bäcker. Beim Bäcker lerne ich dann: Die Croissants immer zuletzt bestellen! Immer. Erst die Brötchen, dann die Croissants. Die Bäckereifachverkäuferin redet sich in Rage. Der Bäcker macht sich so eine Mühe mit den Croissants und dann kommen die Kunden und bestellen falschrum, das Croissant landet in der Tüte unten, wird zerquetscht und all die Mühe futsch. Das muss doch nicht sein. Wirklich nicht. Wehe, Sie bestellen nochmal in der falschen Reihenfolge. Ich hab’s natürlich richtig gemacht.

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Am Rückweg fällt mir auf, dass mal wieder ziemlich viel Sperrmüll auf der Straße steht. Ich denke, wenn es in Berlin wäre, wie es bei mir war als ich klein war, wenn also an einem bestimmten Tag im Jahr Sperrmüll wäre und die BSR führe durch die Straßen und holte alles ab, dann stünde nicht ständig und jeden Tag der ganze Müll herum. Warum das in Berlin anders ist als in anderen Städten – das kann mir vielleicht mal jemand erklären.

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Während ich mich also auf den Sperrmüll konzentriere, fällt mir auf, dass den ganzen Weg die Baumscheiben sehr liebevoll gestaltet sind. Baumscheibe auch so ein Wort, das ich nicht kannte bevor ich nach Berlin kam. Gemeint sind die freien Erdflecken um die Straßenbäume herum. Oft einfach von Hunden vollgekackt, manchmal aber auch von Anwohnern, Kneipen oder Kindergärten eingezäunt und liebevoll bepflanzt.

Ein sehr schöner Brauch.

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Und da sehe ich wieder: Berlin ist so schön oder häßlich wie man es sehen will.

Dann gibt es Frühstück. Der Freund muss arbeiten und ich fahre mit der Tram nach Hause, denn auch ich habe eine unendliche ToDo-Liste. All das, was ich im Alltag nicht schaffe… v.a. dann, wenn die Kinder da sind.

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Zum Beispiel Schubladen tauschen. Ich dachte, das dauert zehn Minuten, doch am Ende sitze ich schwitzend eine Stunde da und wünsche mir einen Akkuschrauber als ich die Schienen der Schubladen das dritte mal anschraube. Dann erst sehe ich, dass die Schubladenblenden zwei unterschiedliche Positionen haben und ach, ach, ach, was man alles falsch machen kann [1].

Am Ende siege ich, aber nur weil ich mir vorstelle, ich sei einer dieser Orks, die um ihre Ehre bemüht sind, die mir gestern Abend in Warcraft begegnet sind.

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Danach schnell noch die Wäsche. Schnell noch. Haha. Vier Maschinen waren das ingesamt, aber noch länger aufschieben geht nicht. Ich habe ausserdem seit neusten Spaß am Zusammenfalten, weil der Freund immer so ordentlich faltet, dass ich es auch so hübsch haben will und siehe da, wenn ich die Wäsche auf einem Tisch falte, dann sieht es halbwegs ordentlich aus.

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Am Nachmittag schwingen wir uns auf die Fahrräder und treffen die Illustratorin und den Autor von Pinipa bei Aldemir Eis.

Wie eine alte Oma denke ich mir als erstes: Also das wird hier ja auch immer teurer. Bald haben wir Preise wie auf Korsika. Dafür gibt es wirklich exotische Eissorten. Nachdem ich ca. zwanzig Minuten in Schockoptionsparalyse verharre, entscheide ich mich für Erdnusseis mit Sahne und Schokosoße. „Halbe Portion Sahne?“, fragt die Verkäuferin. Irre, halbe Portionen kann man bestellen? Weil das geht, bestelle ich eine halbe Portion.

Vielleicht hätte ich doch lieber das Ingwer-Eis nehmen sollen? Oder Zimt? Oder Kokos? Hmmm…

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Wir spazieren am Kanal entlang. Es ist früher Abend und wir sind alle hungrig. Also gehen wir zu Il Casolare. Ich bin gerne dort, weil es tatsächlich so italienisch ist, wie ich Italien als Kind kennengelernt habe. Ich mag die Schnoddrigkeit und die Gleichgültigkeit der Bedienungen. Mich nerven die Raucher. Also Kinderverbote finde ich unmöglich, aber Raucher! Raucher, die möchte ich gerne verbieten oder ihnen eigene Schutzräume geben. Raucher, die draußen in Restaurants sitzen und qualmen – das brauche ich wirklich nicht.

Wir bestellen eine Pizza Incredibile und eine Golosa und teilen sie uns. Unverschämt lecker sind die. Schade, dass ich nicht noch als Vorspeise die Auberginen hatte. Naja, dann esse ich wenigstens eine Nachspeise: Profiteroles. Seit Tagen habe ich Lust auf Profiteroles [2].

Der Espresso ist auch hervorragend und den Rest des Tages bin ich komplett essensbefriedigt. Ich liebe gutes Essen. Es macht mich so glücklich. Eigentlich will ich nur gut essen. Wie ich es hasse, irgendwas in mich rein zuschaufeln nur damit ich nicht mehr hungrig bin. Nein! Am liebsten würde ich jeden Tag so köstlich essen. Überhaupt essen. Es. ist. so. toll.

Mein Freund bestellt sich derweil Chinotto [3] und als ich den Geruch wahrnehme, muss ich mir auch ein Chinotto bestellen. Als Kind durfte ich mir Chinotto statt Cola bestellen und kam mir dann immer wahnsinnig erwachsen vor. Geschmeckt hat es mir nie, aber weil ich es durfte, hab ich es bestellt.

Chinotto ist irgendeine bittere Zitrusfrucht, zu den Bitterorangen gehört sie, mehr weiß ich nicht. Schmeckt eigentlich auch nicht. Ich gebe einen Teil meiner bitteren Limonade an meinen Freund. Das halbe Glas hat mich ausreichend glücklich gemacht.

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Nach dem Essen verabschieden wir uns von unseren Freunden und fahren mit dem Rad wieder nach Hause. Gegenüber haben die Nachbarn ihr Fernsehgerät auf das Fensterbrett gestellt und eine Bierbankgarnitur auf die Straße.

Ich mag Berlin, ich mag es wirklich. Wie schön, dass die Leute hier machen auf was sie Lust haben und sich in den allermeisten Fällen nicht allzu sehr gegenseitig auf die Nerven gehen.

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[1] Bonusmaterial „Was man alles falsch machen kann“

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[2]

[3]

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Genervt

Diese Woche bin ich sehr dünnhäutig und hatte verschiedene Dinge, die mich genervt haben.

Schulranzen.

Ich meine mich zu erinnern, dass ich zur Einschulung von Kind 2.0 unter hundert Euro ausgegeben habe. Auch das fand ich schon ziemlich teuer. Als ich mich jetzt auf die Suche nach einem Ranzen für Kind 3.0 machte, kosteten die meisten um die 230 Euro. Dazu fällt mir echt nichts mehr ein.

Wären die irgendwie fair hergestellt oder würde der Produktionsprozess besonders schonend für Mensch und Umwelt sein, ich wäre ja noch bereit, viel Geld zu zahlen – aber für was zahle ich hier eigentlich?

Dann schaue ich mir an wie viel Krempel das arme Kind 2.0 jeden Tag in die Schule und wieder zurück schleppt (und rechne die Kosten dazu) und da frage ich mich doch: Wann zur Hölle kommen die Tablets?

Star Wars

Ende des letzten Jahres bin ich in das Thema Star Wars eingestiegen, weil ich meine Kinder nicht mehr verstanden habe. Zwei Wochen später war ich so im Thema, dass ich mich heute über mich selbst wundern kann.

Der aktuelle Star Wars Film The Force Awakens hat mich total begeistert. V.a. wegen Rey

Rey ist einfach ein grandioses Vorbild.

Rey ist großartig. Sie ist ein völlig unabhängiger Charakter. Sie stellt sich selbst nie in Frage. Sie handelt einfach und zwar unabhängig von der Legitimation von Männern, ohne deren explizite Erlaubnis und trifft Entscheidungen ohne männliche Berater zu konsultieren. Sie ist Pilotin (und zwar eine mit sehr hohem Skill, sie fliegt den Millennium Falcon durch das Wrack eines Sternenzerstörers), sie ist findige Mechanikerin und ist trotz ihrer Zartheit und Weiblichkeit niemanden physisch unterlegen. Sie ist eine Anführerin und zwar eine, die sich diese Position nicht erkämpft, sondern eine, der diese Position einfach inne wohnt […]

Deswegen liebe Werbeindustrie, würde ich meinen Kindern den ganzen Rey-Star Wars Krempel kaufen. Hier! Ich wedele mit Euroscheinen!

Was muss ich aber feststellen? Es. gibt. verdammt. nochmal. kaum. etwas. mit Rey.

Da stehe ich im Kaufhaus und es gibt echt keine fucking einzige Rey-Figur? Wohl aber Poe Dameron, Han Solo, BB-8 und Chewbacca, von Darth Vader und den Storm Troopern ganz zu schweigen, Kylo Ren natürlich auch und selbst Admiral Ackbar und Jakku Bewohnern. Aber Rey?

Selbst im The Force Awakens Malbuch: Zwei Mal Rey auf ungefähr dreißig Seiten.

Rey-Fehlanzeige und das nach dem vergangenen #whereisRey Shitstorm. Liebe Werbeindustrie, ich sag euch, ihr macht einen Fehler. Wenn ihr Geld verdienen wollt, sprecht die Mädchen und Frauen an. Himmelherrgott.

Körperbilder

Durch meine Timeline rattert das Bild eines Mannes, der seinen Bierbauch zärtlich streichelt.

An jeder U-Bahnstation das Bild, der beiden Männer, die ihren dicken Bauch an den Zaun drücken.

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Toll, oder? Endlich sind alle Körperformen erlaubt! Es wird mit dicken Menschen Werbung gemacht. Moment? Dicke Menschen? Ne. Dicke Männer. Wo sind die dicken Frauen?

Ok, es gibt maximal die Ulknudel, die darf dick sein – aber sonst?

Mir ist das Pendant jedenfalls noch nicht begegnet. Ein Bild, das eine Frau mit Bauch zeigt, den sie sich vielleicht mit leckeren Nudeln angefuttert hat, den sie stolz rausstreckt und alle denken „Hey! Lustig! Wie schön! Ich hab auch einen. Wir lieben unsere Bäuche! Wir sind stolz auf sie.“ und nicht „Entschuldigung? Die lässt sich total gehen und dann feiert sie auch noch ihre Wampe ab?“.

Frauen in der Werbung müssen dünn und normschön sein. Und zwar egal, ob sie Bikini-Werbung machen oder für irgendwas anderes werben (auf meinem Arbeitsweg z.B. für ein Datingportal, ein Jobportal, einen Freizeitpark, eine Wohnungsbaugesellschaft, einen Wellnessanbieter).

Und übrigens was spricht eigentlich dagegen Bikini-Werbung mit unterschiedlich gebauten Models zu machen? ICH finde das toll und kann mich da wirklich nicht satt sehen, wie wunderschön ist das eigentlich (z.B. bei ASOS)?

[Und ja, ich finde, Astra Werbung darf ich mit jeder x-beliebigen anderen Werbung vergleichen, denn großartig anders machen sie nichts (denn 90% der Werbung, die Frauen darstellt, ist sexistisch – wenngleich sie vielleicht nicht auf das 0815-Model-Klischee zurückgreifen).]

Ach, aber was solls. Im Thema Frauen und Werbe- bzw. Stockfotografie ist ohnehin Hopfen und Malz verloren. Nicht nur beim Körperbild.

Twitterliebe 05/16

(Niemanden wird es auffallen, niemanden! Und du: pscht!!!)