Mal wieder Links

Männerquote in Frauenberufen? Ich bin dafür.

Wenn aber Arbeitgebern vorgeschrieben wird, einen bestimmten Anteil aller Positionen mit Männern zu besetzen, bleibt ihnen nur eins übrig: Löhne raufsetzen. Schließlich leben wir im Kapitalismus. Und da regelt bekanntlich der Preis den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.

Linear trauern, Dinge hinter sich lassen, abschließen, (wie) geht das und was ist eigentlich ein Zuhause?

Jetzt könnte ich das ganze natürlich professionell abhaken und sagen, ja mein Gott, das ist eine Note, guck dir einfach alle deine anderen Noten an, die sind besser, trink nen Tee, kauf Schokolade, fahr ne Runde Rad. Aber da sind wir wieder beim Abhaken. Ich bin die weltschlechteste Abhakerin aller Zeiten

Apropos Trauer. Wie schön, wenn es Rituale gibt, wie schön, wenn man die Leichtigkeit der Kinder betrachtet, wenn es um das Thema Tod geht. Der Text „Leerstelle“ hat mich lachen und weinen gleichzeitig lassen.

Nachdenklich hat mich der Text „Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Väter ein Opt-Out geben sollte“ werden lassen.

Ich plädiere dafür, dass nicht nur die Schwangere, sondern auch der Samenspender die Möglichkeit haben sollte, vom Projekt „Kindhaben“ zurückzutreten. Wählt er den Opt-Out, ist er raus, muss sich um nichts kümmern, keinen Unterhalt bezahlen und so weiter. Das kann natürlich nicht bedeuten, dass die Frau allein für das Kind aufkommen muss, […]

(und ich frage mich, wie der Text aussähe – bzw. wie die Reaktionen wären – wenn er heißen würde „Elternschaft muss freiwillig sein! Warum es für Mütter ein Opt-Out geben sollte“ – denn faktisch gibt es das vielleicht im Punkt Abtreibung – nicht aber im Punkt „das Kind ist schon da“ – aber das ist eine ganz andere Baustelle.)

Weiter im Thema Väter: Vor einigen Tagen las ich das Zitat:

Alle reden von Elternzeit, Teilzeit oder Homeoffice. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, wenn ich mal eine Woche lang erst um 19:30 Uhr nach Hause komme? Und ich bin sicher, dass Kinder ihre Väter lieben und eben die Väter die Kinder. Heute und genauso vor 60 Jahren. Ende der Durchsage! *

Ich bin ein Kind der 70er, in denen es in Westdeutschland total üblich war, dass der Vater unter der Woche ungefähr zur Tagesschau erschien und dann hieß es „Ruhe bitte“. In einer neumodischen Elternzeitschrift würde ich schreiben „Ich bin ein Kind der Nie-Da-Väter-Generation“.

Mir hat der Text „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus – wo sind meine Kekse“ sehr gut getan.

Es ist schon erstaunlich, wie leicht es sich Väter von heute noch immer machen: >Ich habe zwar kaum Zeit für die Kinder, überlasse der Mutter die Sorgearbeit und den Alltag mit den Kindern, aber das ist egal, denn schließlich liebe ich meine Kinder vom Büro aus […]

Mir reicht es nämlich nicht zu hören „Ich liebe Dich“. In keiner zwischenmenschlichen Beziehung. Ich möchte Taten sehen. Ich möchte, dass jemand, der behauptet, er liebt mich, für mich da ist. So wie in den Eheversprechen sozusagen: „In guten und in schlechten Zeiten.“ Ich möchte diese Zeiten teilen und das geht nur indem man Zeit miteinander verbringt und sich umeinander sorgt und füreinander da ist. So sehe ich jedenfalls meinen Part sowohl als Mutter und als Partnerin in einer Beziehung (und wüsste nicht warum das für Männer und Väter anders sein sollte).

Abschließend möchte ich noch auf die schöne Sammlung zum Thema „Vereinbarkeit“ von Mama Notes hinweisen. In ihr habe ich viele Texte gefunden, die ich noch gar nicht kannte.

Ein älterer Text „Ich hab die Nase voll“ fordert, dass man seine Forderungen an das Thema Vereinbarkeit selbst durchsetzen müsse. Alles Gejammer helfe eben nicht.

Und wenn Sie mir jetzt damit kommen, dass Ihr Mann die ganze Woche woanders arbeitet, tja. Auch das ist ist NIE in Stein gemeisselt. Wenn man sich dafür entscheidet, dieses Modell zu leben (und ja, dafür mag es sicher manchmal gute Gründe geben), dann ist das so, dann ist das aber eine Entscheidung, die man (im besten Fal) als Familie getroffen hat und mit der man halt dann leben muss. Dann wird es kompliziert, aber dafür kann niemand was, ausser den Leuten, die diese Entscheidung getroffen haben. Sorry.

Diese Stelle ist mir etwas bitter aufgestoßen, weil er sich explizit an die Frauen/Mütter richtet (so verstehe ich diese Passage).

Ich bin auch gestartet mit der Vorstellung, dass Care- und Haushaltsarbeit v.a. mein Aufgabengebiet ist, dass ich nach der Geburt des ersten Kindes Elternzeit nehme und dann nur noch Teilzeit arbeite, um diese Aufgaben zu übernehmen.

Als Kind 3.0 auf die Welt kam und ich wieder arbeiten ging, habe ich gemerkt, dass das so nicht mehr geht. Natürlich gab es da (endlose) Diskussionen…  und to make a long story short … am Ende haben wir uns getrennt und jetzt ist alles besser.

So und jetzt kommts! Das ging u.a. nämlich, weil ich finanziell nicht abhängig bin. Ich konnte diese Entscheidung treffen, ohne meinen Lebensstandard aufzugeben und mich (langfristig) in die (Alters-)armut zu verabschieden. Wenn man (also in dem Fall konkret die Frau!) jahrelang gar nicht gearbeitet hat, kein eigenes Einkommen etc. hat, dann sieht das einfach total anders aus.

Viele Frauen, die im Versorgermodell leben, haben diese (meine) Entscheidungsfreiheit nicht. Sie können ihre Forderungen im Grunde nur zu dem Preis des sozialen Abstiegs durchsetzen.

 

Im Thema Vereinbarkeit ist eben nicht alles persönlicher Entscheidungsspielraum.

 

Dazwischen

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Ich bin zu früh und weil ich nicht an der S-Bahnstation zwischen all den Menschen warten möchte, laufe ich ein Stück bis ich schließlich eine Parkbank finde.

An der Rückseite der Bank, rechts und links große angerostete Kübel, die mit Gräsern bepflanzt sind, die aussehen wie Roggenähren. Die Sonne scheint und der Wind streicht über das Miniaturfeld im Pflanzenkübel. Vielleicht ist es tatsächlich Roggen.

Ich setze mich und blicke auf die Straße und auf die etwas höher liegende S-Bahnstation von der ich gerade komme. Die Autos rasen vor mir vorbei, eine S-Bahn nach der anderen hält und spuckt Menschen aus.

Ein ganz normaler Tag für all die Menschen. Aussteigen, zur Arbeit gehen, Mittag essen, zurück laufen, wieder in die S-Bahn, nach Hause. Die meisten Menschen blicken nicht auf, rauschen aneinander vorbei, einige mit Taschen, Rucksäcken, einige Kinder an der Hand. Mir kommt alles einen Tick zu schnell vor.

Langsamer müsste es gehen. Man müsste mit dem Finger über das Bild streichen können. Alles einen Moment stoppen und dann mit einem zarten Schubs wieder in Gang setzen, nur mit dreißig Prozent weniger Geschwindigkeit.

Mein Körper schrumpft und in meinem Oberkörper fühle ich einen harten, zusammengezogenen Stein. Ich erinnere mich an dich. Du stehst in der Küche mit meinen Kindern. Ihr lacht alle und das Mehl ist überall. „Wir machen Pizza!“

Heute, denke ich, heute ist ein Tag, den du nicht erlebst. Eines Tages kommt mein Tag. Ein Tag, den ich nicht erlebe und alles wird weiterlaufen wie immer. Niemand hier wird es bemerken.

Weiter, weiter, weiter.

Ich denke über das Weitermachen nach. Wie kann man weitermachen? Warum macht man weiter?

Man macht es einfach. Jeder Schritt fällt schwer, jeder Griff, jeder Atemzug, sogar das Denken fällt schwer. Als wenn man selbst in einer anderen Dimension sitzt, einer Art Langsamkeitstunnel, der Rest der Welt macht weiter. Die eigene Langsamkeit lässt alles andere etwas zu schnell erscheinen.

Ich nehme die Langsamkeit als Geschenk. Ich packe sogar mein Handy weg. Fünfzehn Minuten habe ich noch, dann muss ich selbst weiter. Ich möchte wieder fühlen, wie sich eine Viertelstunde anfühlt.

Ich schließe die Augen, spüre die Sonne auf meiner Haut. Mehr hab ich gerade nicht. Die Sonne auf der Haut..

Aufstehen. Weitergehen. Weitermachen. Weitermachen. Weiter. Weiter. Ich weiß gerade nicht, wie man seinen eigenen Trott aushalten soll.

Lego Ausstellung „The Art Of The Brick“

Lego Munch "Der Schrei"

Lego Munch Seitenansicht "Der Schrei"Wie gestern berichtet, waren wir am Wochenende in Hamburg um uns die Lego Ausstellung „The Art Of The Brick“ anzuschauen.

Korrekter wäre wahrscheinlich zu sagen, sich die Ausstellung des Künstlers Nathan Sawaya anzuschauen, der mit Legosteinen arbeitet.

Der Eintrittspreis ist ziemlich knackig und übertrifft sogar die absurden Preise, die man zahlt, wenn man mit Kindern ins Kino oder in den Zoo geht. Ich habs mir mit dem Argument „macht man eben nur einmal“ schön geredet und schließlich sind wir in der Familie alle große Legofans.

Mit Lego kann man schon eine Menge machen. V.a. mit Lego Duplo, das wie Rapid Prototyping funktioniert. Ich hab z.B. mal Kind 1.0 bis 3.0 als Legobauwerke nachgebaut. Gerne hätte ich auch ein paar Millionen Steine, mit denen ich lustige Dinge nachbauen kann.

Jedenfalls, die Ausstellung ist durchaus sehenswert (wenn man erstmal das Geld ausgegeben hat, dann denkt man das), wenngleich sie mich v.a. im Bereich der zweidimensionalen Umsetzungen und nicht im Bereich der Skulpturen überzeugt hat.

Meines Erachtens ist es auch nicht so wirklich Kunst sondern eher sowas wie eine Handwerksausstellung. Ich war zu faul alle Beschreibungen zu den Exponaten zu lesen und mir die die selbsthuldigenden Videos anzuschauen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es gute technische Lösungen gibt, hochzurechnen welche und wie viel Steine man braucht, um eine bestehende Skulptur nachzubilden. Vielleicht muss ich aber auch nur nochmal das Buch „Das kann ich auch!: Gebrauchsanweisung für moderne Kunst“ lesen. Aber ob das am Ende hilft, bleibt fraglich (siehe Hackfleischbesprechungen).

Ich habe leider nicht nachgezählt, es wird mit „über 100 Exponate“ geworben – diese Zahl möchte ich doch eher anzweifeln [1]. Selbst mit Audio-Guide, die es für Kinder und Erwachsene kostenlos gibt, braucht man lediglich knapp 1,5 Stunden um die ganze Ausstellung zu erkunden.

Es ist in der Ausstellung trotz zahlreicher Ventilatoren sehr stickig. Wahrscheinlich möchte man deswegen auch gar nicht länger als 1,5 Stunden brauchen.

Ganz am Ende der Ausstellung gibt es noch fünf große Kisten mit Legosteinen, an denen man sich selbst ausprobieren kann.

Amüsant ist es dem Künstler zuzuhören, wie er sich selbst lobt. Immer wieder lässt er im Audioguide verlauten: „Die Herausforderung habe ich an dieser Stelle sehr gut gemeistert“, „Die Umsetzung ist mir doch sehr gut gelungen.“ und „Man muss schon einiges an Geschick mitbringen um dies erschaffen zu können.“ An den Wänden kann man dann weitere Selbstzitate seiner Genialität finden. Vielleicht ist diese Attitüde auch nur sehr amerikanisch und kam uns deswegen so albern vor…

Dennoch. Die Ausstellung hat einige schöne Highlights und ist für Kinder gut geeignet einige der großen Werke der Kunstgeschichte näher kennenzulernen. Sie ist quasi wenn man die Analogie zum Essen ziehen darf „convenience food“. Nichts anspruchsvollen, aber auch nicht zu platt und man nimmt etwas mit.

Gut die Hälfte der Ausstellungsstücke sind Legointerpretationen bestimmter Kunstwerke aus verschiedenen Epochen. Ein weiteres Highlight ist das 80,020 Steine große Dinosaurierskelett, an dem der Künstler einen ganzen Sommer arbeitete.

Kind 3.0 war zu meiner Überraschung am meisten vom Nachbau des Parthenons begeistert (es ist wirklich imposant zwischen den Säulen durchzuschauen und sich das mächtige Bauwerk in Originalgröße vorzustellen. Leider hab ich es einfach nicht geschafft ein gutes Foto zu machen…)

Kind 2.0 war insgesamt etwas gelangweilt.

Meine Highlights waren der Nachbau eines Glasfensters der Nordrosette in der Kathedrale von Chartres sowie die Darstellung des Drucks „Die große Welle vor Kanagawa“.

Glasfenster und Lichtschatten

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tldr: Wenn es regnet (soll ja vorkommen in Hamburg) und man zu viel Geld hat, macht man als Legofan nichts falsch, wenn man sich die Ausstellung anschauen geht.


[1] Wer noch hingeht, bitte für mich nachzählen.

VR und die Einsatzmöglichkeiten

VR
Quelle: pixabay @fill

Auf der re:publica hätte ich ausreichend Möglichkeiten gehabt – dennoch habe ich noch nie eine VR-Brille aufgehabt… doch… halt! Doch, doch! Einmal hatte ich eine an.

Auf einer der vergangenen pictoplasma Ausstellungen hatte ich eine auf. Das war so: Man konnte sich anstellen, die Brille aufsetzen und dann zeigte einem die Brille durch einen Blick in einen virtuellen Spiegel das wahre Ich. Die Schlange war lang und alle ganz gespannt. Die Menschen zogen die Brille an, schauten vor sich in den Spiegel der Offenbarung, wedelten mit Armen und Beinen, lachten, drehten ihren Körper einige Male hin und her so als ob sie sich betrachteten und zogen dann die Brille wieder ab, um sie der nächsten wartenden Person zu überreichen.

Wenn die Menschen in der Reihe sich kannten, fragten sie sich gegenseitig: „Und, was warst du?“

„Ein Einhorn auf zwei Beinen!“

„Eine mächtige Gewitterwolke mit düsteren Augen.“

„Eine Art Gorilla mit sehr, sehr kräftigen Armen.“

Ich war schon soooo gespannt. Dann war ich endlich an der Reihe. Ich zog die Brille über und blickte mein Alter Ego im Spiegel an.

Ich war…

Ich war…

…ein dampfender Kackhaufen auf zwei sehr dünnen Beinen. En fröhlich dreinblickender, das will ich nicht leugnen, aber eben doch ein Kackhaufen. Ich tat was alle taten. Arme hoch, Arme runter, der Kackhaufen machte mich nach. Ich ging in die Knie, der Kackhaufen auch.

VR ist nicht immer schön
Die ernüchternde Wahrheit

Das war bislang meine einzige VR-Brillen-Erfahrung.

Seitdem gibt es lediglich in meiner Twittertimeline einen Schnittpunkt zu diesem Thema, die mir immer mal wieder Videos von Menschen zeigt, die in Todespanik mit VR-Brillen virtuelle Welten erkunden, sei es auf Planken über Hochhäuser, sei es inmitten der Zombie-Apokalypse.

Mir tun diese Menschen eigentlich eher leid, als dass ich über sie lachen könnte. Für viele scheint eine VR Erfahrung nicht von einer Erfahrung der Kohlenstoffwelt unterscheidbar zu sein. Sie schreien, krümmen sich und wimmern. Ich hab noch nie gesehen, dass sich jemand die Brille einfach abreißt. Meistens kommt eine weitere Person und erlöst den Menschen aus der virtuellen Realität.

Neulich gabs auch mal einen Beitrag bei Breitband zum Thema „VR Porn“. Das Thema finde ich total interessant. Würde ich das (wenn das mal wirklich ausgereift ist) ausprobieren? Ist das unmoralisch und gleichzusetzen mit Fremdgehen? Was ist, wenn das mehr Spaß macht als Sex in der Kohlenstoffwelt? Wie verändert das die Gesellschaft? Wenn alle immer genau die körperliche Nähe (und den Sex) haben können, die sich wünschen? Uiuiuiui…

Egal. Ich glaube ja nicht, dass ich mir diese Fragen in meinem Leben noch tatsächlich stellen muss.

Neulich dachte ich weiter über den Begriff Porn nach. Interessant ist ja, dass der Begriff Porn im Essenskontext unsexualisiert benutzt wird. Wenn man auf instagram nach #foodporn sucht, bekommt man einfach nur Essensfotos. Nicht mal ausschließlich geiles Essen. Also diese Art Essen, das im Alter vielleicht den Sex ersetzen kann – nein, Menschen fotografieren ihren Kantinenfraß und setzen das Hashtag #foodporn drunter.

Porn scheint hier also weiter gefasst zu sein. Es geht wohl mehr um Dinge, die einen in Ekstase versetzen, die einen glücklich machen, die einen total begeistern.

In dem Zusammenhang wiederum hab ich überlegt, welche Genres sich in den virtuellen Welten allgemein durchsetzen werden. Sex – klar – das ist total naheliegend. Extremsport – auch das verständlich – denn man kann dann einen Adrenalinkick ohne die tatsächliche Gefahr haben und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ein weiteres Genre würde Elternporn sein!

Und zwar im unsexualisierten Sinne. Eltern haben ja keinen Sex (also mindestens die 40%, die ein Familienbett haben nicht und die andern sind auch zu müde…). Mit Elternporn sind eher Dinge gemeint, die man im echten Alltag mit Kindern nie hat, aber eigentlich UNBEDINGT haben will. Dinge, an denen man jeden Tag erneut scheitert.

Ich stelle mir das so vor: Ich setze die VR Brille auf und starte Das Morgenprogramm und das läuft dann so ab:

„Kinder! Anziehen!“

Kinder: „Ok, Mama.“

IST. DAS. NICHT. GEIL? Das Programm verkaufe ich für 89 Cent (dauert ja auch nicht sooo lange). Das würden doch alle kaufen, oder? Stellt euch das doch mal vor!

Oder Tisch decken:

„Kinder, Tisch decken!“

„Alles klar, Mama“ und 5 Minuten später ist der Tisch gedeckt.

Oder Zimmer aufräumen…, Zähne putzen…, ordentlich zu Tisch essen… die Möglichkeiten sind endlos. Endlos!

Ich werde reich! Ich habe eine Marktlücke entdeckt!

Ich muss das mal testen. Ohhh! Hach! Awww!

HEY! NEIN! LASSEN SIE DAS! NICHT DIE BRILLE ABNEHMEN! NEIN! EY!

Netflix-Cheating und Trolling

Liebling, ich habe ohne dich weitergeschaut… Stream-Cheating betrifft 12% aller Paare. Die Dunkelziffer ist bestimmt höher!

Disclosure: Ich bin Teil des Netflix-Streamteams. Der Beitrag hat damit aber nichts zu tun, d.h. er ist nicht bezahlt, in Auftrag gegeben oder sonstiges.

Netflix kann neue Beziehungsprobleme bringen
Quelle: Pixabay @funnytools

Netflix und andere Streaming-Dienste stellen Beziehungen vor neue Herausforderungen. Zum Beispiel wenn man als Pärchen anfängt eine Serie zu schauen, der eine Partner dann aber keine Zeit mehr hat zeitnah weiterzuschauen, die Serie aber so spannend ist, dass der andere Partner, der Zeit hat, weiterschauen möchte und es dann auch heimlich tut.

Das Fachwort hierfür lautet „Stream-Cheating“ bzw. „Netflix-Adultery“.

Ich gestehe, sowas schon getan zu haben. Wie soll man das auch aushalten, wenn man z.B. an einem Wochenende sechs Folgen Jessica Jones gesehen hat und es dann so atemberaubend spannend ist und man trotzdem drei Wochen warten soll, bis der Partner wieder Zeit hat mitzuschauen. Das kann man doch nicht!

Also habe ich weitergeschaut und als es dann soweit war wieder mitgeschaut und war dabei ziemlich gelassen was Plotwendungen anging (oder ich schlief gleich ein und hab mir so den Spitznamen „Buddha-Nuf“**** erschlichen. Denn nur wer so gelassen wie Buddha ist, schläft ein während Kilgrave… aber ich will hier nichts spoilern…)

 

Das Phänomen ist bereits näher unter die Lupe genommen und es gibt Zahlen:

In a study of 2000 American adults, 12 percent confessed to watching ahead on TV shows they were supposed to save to watch with their partners.*

Ebenfalls 12 % der Betroffenen schauen dann einfach nochmal mit und täuschen ihre Reaktionen auf die bereits gesehene Folge vor.

12 percent would rewatch and „fake it“ in their reactions*

Immerhin 14% fühlen sich so schlecht, dass sie alles gestehen.**

14 percent felt so guilty they confessed to cheating.*

Stream-Cheaten ist übrigens nicht so einfach, wenn man gemeinsam einen Account benutzt. Man muss sich dann die Stelle merken, bei der man eigentlich gemeinsam aufgehört hat zu schauen und nach dem Weiterschauen wieder in den Abspann der letzten gemeinsam gesehenen Folge klicken. Sonst geht’s beim Weiterschauen an der Stelle weiter, bis zu der der letzte Partner heimlich weiter geschaut hat. Das will man ja nicht.

Man sollte ohnehin getrennte Accounts benutzen. Netflix merkt sich ja, was man geschaut hat und macht passende Vorschläge für die Zukunft.

Einmal haben wir versehentlich mit dem Account meines Freundes „H20“ geschaut (Kind 3.0s Lieblingsserie, gleich nach dem „Dino-Zug“). Damit ist die Vorschlagsfunktion ziemlich verhunzt und statt Martial Arts und Fantasy sehen die Vorschläge die nächsten Monate so aus:

Netflix Cheating und Trolling I

Upsi!

Man kann diese Funktion übrigens auch gezielt nutzen, um den Partner zu trollen und einfach alle Vorschläge verseuchen, indem man ein paar lustige Kinderserien laufen lässt, während man z.B. Reifen wechselt.

Netflix Cheating und Trolling II

Wenn man das ausdauernd genug macht, werden auch die Vorschläge im Newsletter amüsant. Der sucht nämlich auch schöne Sachen für die unterschiedlichen Accounts raus und stellt neue Serien vor.

Während ich, vermutlich weil ich irgendwo angegeben habe, dass ich weiblich bin, langweilige Liebeskomödien vorgeschlagen bekomme, bekommt mein Freund immer die Ankündigungen zu den coolen Serien.***

(Jedenfalls schaue ich so Sachen wie „Kriegerin“, „Winter’s Bone“, „River“, „The Returned“, „Warrior“ oder „Narcos“ und bekomme vorgeschlagen: Hey, schau doch mal „Clueless“ *seufz*)

Jetzt bekommt er jedenfalls die besten Serien in Rosa, mit Feen sowie Schweinchen und anderen Tierbabys. Das ist nur gerecht!

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**Apropos Schatz. Ich hab Die Brücke, Staffel III weiter geschaut also äh genauer gesagt, ich hab äh sie fertig geschaut.

***Nein, wir haben keine Pärchenemailadresse, es gibt nur eine Adresse für den Account auf den die Post für alle Profile kommt. ICH SCHWÖRE!

****Ich denke doch, dass sich Buddha auf meine Gelassenheit und nicht auf meine Körperform bezieht?

Gedanken eines Kindergartenkindes zum Thema Kinderfreundlichkeit

Ich muss noch in die Apotheke und nehme die direkt neben dem Spielplatz. Kind 3.0 kommt mit. Innen ist ein winziges Karussell mit drei Plätzen, eine kleine Couch, daneben einige Bücher und zwei große Bagger. Vor mir ein Rollstuhlfahrer. Ich stelle mich mit Diskretionsabstand an.

Kind 3.0 derweil schaut völlig fasziniert auf das sich drehende Karussell. Ein kleiner Junge dreht sich auf ihm. Er streckt den Fuß als Bremse raus und lädt Kind 3.0 ein mitaufzusteigen. Kind 3.0 nimmt die Einladung gerne an.

Eine zweite Apothekerin kommt an den Tresen und winkt mich ran. Ich schildere mein Begehr. Der Heuschnupfen dieses Jahr macht mich irre. Wir diskutieren hin und her was helfen könnte. Unser Gespräch dauert rund fünfzehn Minuten. Die Apothekerin schaut Nebenwirkungen nach, vergleicht Preise. Wir sprechen darüber wie lange man ein abschwellendes Nasenspray tatsächlich benutzen darf. „Wenn alle Menschen so vorsichtig mit Drogen umgehen würden, wie mit Nasensprays gäbe es deutlich weniger Probleme in der Welt. Die meisten nehmen die Warnung so ein Nasenspray nicht länger als eine Woche zu benutzen, sehr, sehr ernst.“

Ich bezahle, rufe Kind 3.0 und wir gehen.

Draußen bleibt Kind 3.0 stehen und schaut zurück zu dem Laden: „Warum hatten die da ein Karussell?“

„Hat es dir denn gefallen?“, frage ich.

„Ja, sehr!“

„Das nennt sich kinderfreundlich.“

„Kinderfreundlich?“

„Ja, die haben sich etwas ausgedacht, was Kindern gefällt, damit die Erwachsenen in Ruhe mit den Apothekerinnen sprechen können. Machmal will man nicht nur was abholen, sondern benötigt Beratung…“

„Und die Kinder spielen dann!“

„Genau.“

„Das ist toll. Wollen wir da nächstes Mal wieder hin gehen?“

„Klar, können wir machen, wenn ich wieder was aus der Apotheke brauche.“

„Warum sind nicht alle Einkaufsläden kinderfreundlich?“ Kind 3.0 spricht kinderfreundlich aus, wie Kinder Worte aussprechen, die sie sich das erste Mal zusammen buchstabiert haben.

„Das frage ich mich auch. Es gibt sogar Orte an denen Kinder verboten sind.“

Kind 3.0 schaut mich empört an: „Was sind das denn für Orte?“

„Restaurants, Cafés, Hotels…“

„Und da gehen Menschen hin, die keine Kinder haben?“

„Nicht nur, da gehen sogar Eltern hin, die kinderfrei haben und dann auf keinen Fall Kinder sehen wollen.“

Kind 3.0 schaut ungläubig: „Aber das ist doch voll gemein?“

„ICH finde das auch. Machmal blogge ich auch darüber, dass ich das unmöglich finde.“

Kind 3.0 schaut nachdenklich: „Wenn die Erwachsenen ihre Ruhe haben wollen, warum gibt es dann nicht eher sowas wie in der Apotheke?“

„Wahrscheinlich weil sie wirklich nichts hören wollen. Vermutlich auch keine anderen Erwachsenen und schon gar keine Kinder auf Karussells.“

„Dann können die doch am besten zuhause bleiben?“

Ich muss lachen. Ja, das finde ich irgendwie auch.

Wir steigen auf mein Fahrrad. Während wir unsere Helme aufsetzen, sagt Kind 3.0: „Leute, die Kinder verbieten wollen, sollten nicht dein Blog lesen dürfen!“

„Nie mehr?“

„Na fünf Tage. Oder eine Woche. Eine ganze Woche. Oder fünf Tage. Jedenfalls… das was mehr ist!“

Ja, diese drakonische Strafe hätten sie sich eigentlich verdient.

Super-Papa nano auf 3 Sat

Am 18.5. lief auf 3Sat die Sendung „Super-Papa“ (30 min). Abgesehen vom Titel eine schöne Zusammenfassung zum Thema „moderne Väter“.

Aufgezeigt wird die Kluft zwischen wollen und tatsächlich umsetzen. Was 9 von 10 Männern wollen, tut am Ende nur einer: In Teilzeit arbeiten, um für die Familie da zu sein (und dann zum größten Teil mit einem 80%-Model).

(Ein bisschen süß sind die Passagen, in denen gesagt wird: Sie ist zwei Tage für die Kinder da, er einen (zwei Tage der Hort), sie macht den Haushalt … Wäsche waschen und so … er die Steuererklärung und ja, sie sind gleichberechtigt.)

16% der Väter gelten als überdurchschnittlich engagiert – viele davon haben ihr Arbeitspensum reduziert.

Interessant in diesem Zusammenhang das Projekt Teilzeitmann in der Schweiz, das Firmen und Einzelpersonen aufzeigen möchte, wie sich Teilzeit umsetzen lässt.

(Interessanterweise gehts nicht ohne Superheld-Metapher… im Clip dann aber sehr schön unspektakulär und ermutigend.)

Größtes Hindernis in Richtung Teilzeit ist laut Bericht nicht der Verzicht auf Geld oder Karriere (der mit Teilzeit leider verbunden ist) sondern dass die meisten Männer sich und ihre Männlichkeit noch über den Beruf definieren. Obwohl Frauen (mit)verdienen sehen sich viele Männer als Hauptversorger. Der Beitrag stellt heraus, dass Teilzeit

  • gut für die Gesundheit,
  • gut für die Bindung zu den Kindern und
  • gut für die Beziehung ist.

Der Rest der Sendung beschäftigt sich mit der Frage, ob es eine Korrelation zwischen hormoneller Ausstattung und Vatertyp gibt (angeblich ja) und in welcher Konstellation Männer besonders zufriedene Väter sind (in traditionellen Kernfamilien sind die am glücklichsten, als Alleinerziehende sind sie am gestresstesten).

Abschließendes Zitat „Wenn die Väter nicht erst präsent sind, wenn es ums Fußballspielen geht (sondern auch schon im 1. Lebensjahr), dann können sie eine absolut gleichwertige Bindung zu den Kindern aufbauen wie Mütter.“

Der Beitrag stellt auch heraus das Mütter mitverantwortlich sind und den gewillten Vätern auch den Säugling in den Arm drücken müssen (wobei mir in bestimmten Konstellationen immer noch schwer fällt mir vorzustellen, wie Mütter sich gegen Beteiligung wehren, z.B. mitten in der Nacht, wenn das Baby schreit: „NEIN! STEH NICHT AUF! ICH MACH DAS!“ oder morgens um 5 Uhr: „NEIN, LASS DAS! ICH will mit dem Kind aufstehen, immer!!!“ aber gut, anscheinend gibt es das).


Durch Hinweis in den Kommentaren auf eine weitere Sendung gestoßen: „Von Männern und Vätern„.

Hat mir sehr gut gefallen, weil eher deskriptiv und nicht so verallgemeinernd und ganz am Ende kam ein Gedanke, den ich auch schon oft hatte: Ein Vater bedauert, dass er die Kinder und die eventuell entstehenden Enkelkinder und deren Kinder nicht mehr begleiten können wird.

„Ich hab zu meinen Gefühlen gefunden, durch die Geburt und das Leben mit meinen Kindern, weil es eben jeden Tag, immer wieder ein Überprüfen von allem ist und man muss sich alles bewusst machen […] im Guten wie im Schlechten – es ist immer mit Arbeit verbunden und mit einer ständigen Arbeit an einem selber.

Wenn mein Leben aus ist, dann solls so sein, meine Angst ist ganz anders begründet, dass ich einfach irrsinnig gerne Zeuge wäre von dem ganzen Leben, das macht mir echt zu schaffen […] ich weiß, dass es seine Richtigkeit hat, aber ich würde gerne wissen, ob sie selbst Kinder kriegen, würde gerne wissen, wie sie ist mit 60 und wie ihre Kinder wieder sind, das ist dieser Kreislauf, der nie aufhört und was richtig dabei rauskommt, das kannst nicht mittkriegen…“

Nicht lustig

Durch die sozialen Netzwerke geistert ein Bild eines kleinen Jungens in einem Autositz. Der Junge sieht herzzerreißend elendig aus und auf seiner Brust ist alles voll mit seinem eigenen Erbrochenen.

Die „witzige“ Story dahinter: Der Junge hat sich vollgekotzt, der Vater war völlig überfordert und textet seiner Frau, dass er selbst jedes Mal brechen muss, wenn er versucht das Kind sauber zu machen. Eine Dame, die das beobachtet, alarmiert darauf hin die Polizei, weil sie glaubt, der Vater sei betrunken.

Witze-Seiten, Frauenzeitschriften, private Accounts teilen dieses Foto. Darunter lachende Smileys, lols, endlose Likes.

Mich macht das wirklich wütend.

Aus zwei Gründen:

Erstens: In der Debatte Kinderfotos im Netz ist scheinbar die allergrößte Mehrheit gegen das Zeigen von erkennbaren Kinderfotos. Der Ton in dieser Diskussion ist mitunter unter aller Kanone. Ich erinnere mich an einen Beitrag, in dem eine Fotografin bekennt, Fotos ihres Kindes zu veröffentlichen. Wenn man sich die Fotos anschaut – alle wunderschön. Die Kommentare darunter unfassbar. Es geht so weit, dass man ihr sagt, wenn das Kind nun von einem Pädophilen entdeckt würde, es wäre ihre Schuld. Gekeife, Hetze, Widerwärtigkeiten.

Kinderfotos im Netz? AUF KEINEN FALL. Alle Eltern, die sowas tun, direkt in die Hölle.

Genau diese Meute teilt nun lachend das Bild des vollgekotzten Jungen. lol lol lol.

Wenn es nämlich ums Teilen anderer Leute Kinderfotos geht, v.a. wenn sie entwürdigend sind (das ist ja nicht das erste Foto, das ein Kind vollgeschmiert mit Ausscheidungen irgendwelcher Art zeigt), dann kann man sie ruhig teilen. Ist ja lustig! So, so lustig. Nicht.

Für mich verletzt dieses Bild die Würde und die Privatsphäre des Kindes. Es zu liken oder zu teilen halte ich für falsch.

Die Bigotterie mit der die Kinderfotos im Netz Debatte an dieser Stelle geführt wird, macht mich wütend.

Kinder am Spielplatz? Auf dem Schulweg? Im Café? Im Garten? Alles verboten. Eltern, die sowas teilen, egomane Widerlinge, klickgeil.

Der vollgekotzte Junge in seinem Autositz? Haha, gleich mal teilen.

Zweitens: Der Vater (wahrscheinlich nehme ich ihn zu unrecht in Schutz, der Screenshot seines Messengers zeigt den Namen seiner Frau. Das legt nahe, dass er die Screenshots selbst gemacht und geteilt hat).

Also besser das Vaterbild über das hier alle lachen. Idiot Dad. Haha. Die Frau geht mal einen Abend weg und dann passiert sowas und weil der Vater wahrscheinlich noch kein einziges Mal Kotze aufgewischt hat in seinem Vaterleben, ist er total überfordert. Haha.

Das ist so kontraproduktiv. So wie die Blogartikel über Väter, die zu doof sind ihre Kinder ordentlich anzuziehen. Haha.

Ich musste das übrigens auch lernen. Erster Stein und so. Den kann ich nicht werfen. Dennoch: Wie schön wäre es, wenn solche Bilder einfach nicht geteilt würden? Wenn sie einfach ignoriert werden würden und wenn das Kind jetzt nicht aufwachsen müsste mit der Tatsache, dass „jede/r“ im Internet jetzt diese „lustige“ Familiengeschichte kennt.

(Im Übrigen weiß ich, dass es auf eine gewisse Weise paradox ist, diesen Artikel zu schreiben, aber da ich mich im Rahmen der Kinderbilder im Netz Debatte so intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe, passt sie einfach sehr gut in diese Doppelmoral derjenigen, die Eltern verteufeln, die alltägliche Kinderfotos ins Netz stellen und gleichzeitig solche entwürdigenden Fotos liken).

Rant Ende.