Kind 1.0: „In der Kinderdisko haben sie letzte Woche das OBI-Lied auf Englisch gespielt. Das war witzig!“
Schlagwort: kinder
Brief an die Pateneltern
Liebe Pateneltern,
ihr wißt, ihr sollt nur Sachen schenken, welche die Kinder auch WIRKLICH haben wollen. Kota, der kleine Triceratops wäre ein gern gesehener Freund in unserer Familie und billiger als 12 Jahre Katze samt Unterhalt und Arztkosten ist er allemal. Einziger Haken: Er müßte in Großbritannien abgeholt werden … aber ihr reist ja gerne. Dürfte von daher kein Problem sein.
Danke und liebe Grüße
Mama Pizza
Familiäre Wochenendbeschäftigungen
Wer seine schicke Designerwohnung in eine Messibude verwandeln möchte, beherbergt entweder trinkfreudige Studenten oder schafft sich ein Paar Kinder an.
Allein schon die Anzahl der Dinge, auf die man täglich tritt und die man sich anschließend aus den Zehenzwischenräumen pult, ist enorm. Es ist daher dringend notwendig 30% des Haushaltes in Halbjahreszyklen zu versteigern oder an Flohmärkten feil zu bieten.
Im Irrglauben ein Flohmarkt würde Arbeit ersparen, nahmen wir gestern an einem solchen teil.
In vorangegangenen Feldstudien hatte ich alle Parameter bestimmen können der Verkaufsschlagerstand am Platz zu werden. Alle meine Sachen waren gebügelt, nach Größen und Themen sortiert und ansprechend auf Ständern, Bügeln und in kleinen Stapeln auf einer gemangelten Tischdecke platziert. Ich hatte Preisschilder befestigt und über meinem Kopf hing ein Schild, welches meine Verhandlungsbereitschaft signalisierte.
Ich selbst hatte geduscht, meine Haare waren gekämmt und ich verzog sogar die Mundwinkel nach oben.
Alles war perfekt.
Leider kamen dann die ersten Interessenten. Diese begannen in sekundenschnelle militärisch exakt gefaltete Kleidungsstücke zu verknüseln und unsystematisch Gegenstände aufzunehmen, um sie an völlig unpassenden Stellen wieder abzulegen.
Andere nahmen feilgebotene Artikel in ihre bakterienbehafteten Hände und führten sie so nahe vor Augen, dass sicherlich Abermillionen von Keimen direkt aus ihren Augen auf die Verkaufsstücke fielen oder ihr schlechter Atem sich an sie heftete.
Manche wagten es sogar einzelne Gegenstände zu beschnuppern! Mit solchen obszönen Vorgehensweisen hatte ich nicht gerechnet und fiel in Ohnmacht.
Die Kinder hatten wir zum Beginn der Aufbauphase vor vier Stunden an Stühle hinter unserer Verkaufsfläche gebunden, weil sie sich nicht artig verhalten wollten. Die verzweifelten Blicke und schrillen Hilferufe wirkten sich jedoch nur mäßig verkaufsfördernd aus und so entschied ich, meinen Freund mit ihnen loszuschicken, so dass er sie beschäftigen möge.
Dreißig Minuten später hatte ich bereits die Hälfte unserer Ware verkauft und freute mich darauf der Restfamilie von unseren Erfolgen zu berichten, während ich auf einen Haufen Kinderspielzeug blickte, der sich seltsamerweise langsam wankend auf mich zu bewegte.
Als der Tandberg schließlich an unserem Stand stoppte und oben erst die Kinder und dann der Freund herauspoppten, ahnte ich, dass die Arbeitsanweisung „Geh und beschäftige bitte die Kinder“ unpräzise formuliert war.
Es stellte sich heraus, dass der weichherzige Vater den Kindern genau den bewirtschafteten Betrag zum Erwerb von Losen überlassen hatte.
Gustavgansgleich hatten sie bis auf den Hauptpreis alle Gewinne aus dem Loszettelkasten gefischt.
Da mir zudem am Stand nebenan und gegenüber bereits interessante Gegenstände aufgefallen waren, lösten wir vorsichtshalber unsere Verkaufsstelle auf und fuhren nach nur 45 Minuten aktiver Flohmarktteilnahme wieder nach Hause.
Einkaufsspaß mit Kind
Mit Kindern in letzter Minute dringende Einkäufe erledigen, ist nicht immer ein lustiges Erlebnis – jedenfalls nicht für einen selbst.
So waren wir samstags zu einer Hochzeit eingeladen und der Blick in den Kleiderschrank des Kindes um 19.20 Uhr am vorangehenden Freitag eröffnete, dass alle Hosen durchlöchert, zerschlissen oder mit unentfernbaren Flecken dekoriert waren.
Schnell also das Kind unter den Arm geklemmt und ins nächste Einkaufszentrum geeilt.
Das Kind, denkbar lustlos, war nur aufgrund mittelgroßer Bestechungen dazu zu bewegen in einer Umkleidekabine auf die Präsentation verschiedener Hosenmodelle zu warten.
Als ich endlich schwitzend vier Hosen anschleppte, war die Kooperationsbereitschaft vollends verflogen und selbst die Ankündigung einer siebenstöckigen Schokoladentorte zeigte keinerlei positive Wirkung.
Liebe, gegenseitige Akzeptanz und Freiräume bei der Kindererziehung in Ehren, die Hosen mussten anprobiert werden. Das Kind wand sich, es krakeelte, widerstrebte und als das alles nichts half, griff es instinktiv zu der letzten aller grausamen Maßnahmen: es brüllte Sätze, für die man in der Regel verhaftet wird.
– Ich will nicht, die Hose kneift.
– Die kneift nicht, jetzt probiere sie doch wenigstens.
– Nein!
– Doch, Du probierst jetzt die HOSE!
– NEIN!
Mutter zerrt an Kind.
– NEEEEEiiiiiiinnn, ich will nicht!
Mutter zerrt weiter.
– NEEEeeeeeiiIIIIIIIIIIIIIN, bitte nicht, das tut so weh!
Zerrt und zerrt.
– Nein, bitte nicht da unten, das tut so weh. NICHT DA UNTEN!!! AUA!!!! AUAAAAAAAA!
Draußen hört man die Verkäuferin heraneilen. Getuschel in der Nebenkabine.
Ohovenesk gedeiht in mir das dringende Bedürfnis zu einem übereilten Aufbruch. Ich packe drei Hosen, die vierte binde ich um den Mund des schreienden Kindes, eile zur Kasse, lege alle Scheine, die ich besitze auf den Tresen und verflüchtige mich in der untergehenden Sonne.
Ode an das Glücksgefühl
Langjährige Freundinnen werden es bestätigen können, früher war mir alles peinlich. Und ich kann versichern, mit alles, ist ALLES gemeint. Ein Gang auf die Toilette im vielfrequentierten Restaurant, allein das Betreten desselben, die Platzsuche oder das Bestellen eines Nachtisches: peinlich, peinlich, peinlich.
Ich war perfekt und wunderschön. Ein Viertelmillimeter abstehende Beinhaare, waren das beste Verhütungsmittel. So wäre ich keinem Mann unter die Augen getreten. Ich stand jeden Morgen um fünf Uhr auf, um mich zu stylen. Hatte immer angst etwas falsch zu machen oder etwas dummes zu sagen. Also schwieg ich lieber süffisant lächelnd und wurde für klug gehalten.
Jetzt bin ich Mutter und alle Peinlichkeit ist bei der Geburt meines ersten Kindes von mir abgefallen.
Rückblickend auf meinen gequälten Seelenzustand, bin ich voller Mitleid für all diejenigen, die ebenfalls so leben und kann ihnen nur dringend empfehlen, sich ebenfalls Kinder zuzulegen. Notfalls vom Nachbarn geliehene.
Jetzt, da alle Perfektion von mir abgefallen ist, bin ich ein fröhlicher Mensch und die beste Tierstimmenimitatorin der Stadt.
Wenn ich krähe wie ein Hahn, schreie wie eine ganze Affenhorde oder trompete wie ein Elefant, leuchten Kinderaugen und Babys fallen vor lachen um.
Meine Frisur ist wüst und meine Kleidung schmutzig, aber ich kann nach Herzenslust mit meinen Kindern am Spielplatz spielen.
Wir bewerfen die Model-Mamas am Rand mit Sand und wenn sie nicht hinsehen, buddeln wir kleine Löcher, in denen sie mit ihren hochhackigen Schuhen stecken bleiben.
Survival of the Fittest
Das ganze Jahr über erzieht man die Kinder. Macht Vorgaben, gibt Richtlinien, korrigiert und ermahnt. Natürlich alles nur in bester Absicht. Doch der sprichwörtlich Bewanderte weiß, der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Deswegen sind Ausnahmen wichtig. Alle fünf Jahre z.B. darf Kind 1.0 einen Film mit uns ansehen. Um die Seltenheit dieses Ereignisses wissend, verbringt es ein gutes Quartal mit der Filmauswahl und entscheidet sich dann spontan für eine aktuelle DVD und schafft damit eine nicht unbanale Herausforderung für die Eltern.
Denn aktuelle Filme sind eigentlich immer ausgeliehen und lassen sich leider nicht reservieren.
So klemme ich mir im Morgengrauen meinen Schlafsack unter den Arm, befülle die Thermoskanne mit Espresso und mache mich auf zur Videothek. Dort lege ich mich vor den Eingang und drücke mir die Nase an der Scheibe platt. Ein einziges Ausleihkärtchen für Ratatoille kann ich erspähen.
Es ist fünf Uhr und die letzten Jugendlichen finden ihren Weg von einem anstrengenden Ausgehabend nach Hause. Mitleidig schauen sie mich an und gelegentlich wirft einer eine Münze in den leeren Becher vor mir.
Noch sechs Stunden bis die Videothek öffnet. Doch ich werde den Film mit nach Hause bringen, das Kind wird glücklich sein, es wird dankbar sein, es wird ab da tun, was wir verlangen, es wird nie mehr widersprechen, es wird uns lieben, unsere Opfer zu schätzen wissen … doch halt! Dankbarkeit bei einem Kind? Ich muss eingeschlafen sein. Benommen reibe ich meine Augen und stelle fest, die Tür vor mir ist geöffnet. Gerade übersteigt mich ein ca. zwei Meter großer Kerl und peilt das Regal an, in wechem die von mir begehrte Ausleihkarte steckt.
Ich robbe im Schlafsack so schnell ich kann in den Laden. Indem ich mich um die eigene Achse rolle, erhöhe ich die Geschwindigkeit. 5 km/h, 10 km/h, 15 km/h. Endlich schnell genug, um dem Mann die Füße unter den Beinen wegzukegeln. Während er wie ein gefällter Baum zur Seite kippt, streife ich den Schlafsack ab und hechte an seine Hand. Noch hält er die Karte fest umschlossen, doch als ich ihm reinbeiße, kann er nicht standhalten. Die Karte segelt zu Boden, ich fange sie und eile zur Ausleihe.
Der Typ ist mit dem Kopf an den überdimensionierten Spiderman gefallen, der an der Ecke des Raumes den Film bewirbt.
Besser so für uns beide, denke ich und eile mit der DVD nach Hause, wo Kind 1.0 gespannt wartet.
Während der Film läuft, hole ich uns Erfrischungsgetränke aus der Küche als mein Blick zum Fenster des Hinterhofs schweift. Dort sehe ich gegenüber, eine Etage unter uns just den Koloss von eben, wie er mit hängenden Schultern zwischen vier weinenden Kindern steht.
Fast überkommt mich Mitleid, doch dann lasse ich das Rollo runter. Wäre er eben früher aufgestanden. Das Leben ist kein Ponyhof.
Ein bewegender Moment
Heute dem Kind 2.0 bei youtube den ersten lebendigen Hasen gezeigt.
Praktische Anwendungen zur Theorie des subjektiven Zeiterlebens
In einer halben Stunde wird der Übernachtungsbesuch von Kind 1.0 abgeholt. Wir sitzen beim Frühstück:
Kind 1.0: Wann wird Klausi abgeholt?
Nuf: In 30 Minuten…
Kind 1.0: Waaaaaaaas? Schooon?
[Denkpause]
Kind 1.0: Klausi, dann lass uns nichts spielen, so vergeht die Zeit langsamer.