Durch die Blogosphäre schleicht wieder das „Früher war alles besser“-Tierchen. In diversen Blogs, zuletzt im jawl-Blog lese ich wie beklagenswert es im Grunde doch sei, dass es einigen Bloggerinnen und Bloggern gelungen ist mit ihrer Bloggerei Geld zu verdienen.
Zugegebenermaßen fühle ich mich da angesprochen.
2004 habe ich angefangen zu bloggen. Ganz ohne Hintergedanken, einfach an der Lust zu schreiben und wahrscheinlich auch, weil ich ein Mitteilungsbedürfnis hatte und mein Freundeskreis schon alle Storys kannte.
Ich habe nie auf die Zugriffszahlen geschaut und war der festen Überzeugung, dass ich ungefähr fünf Leserinnen und Leser hätte.
2005 war ich dann sehr überrascht bei Zeit Online einen Preis gewonnen zu haben. Wer außer Mutti liest denn noch mit?
So entwickelte sich die Bloggerei. Ich war ein paar Mal im Radio, hab einige Vorträge gehalten, an einem Buch mitgewirkt, ein eigenes Buch geschrieben und irgendwann auch Geld mit Werbung verdient.
Buuuuhhhh!
Ich überspringe den „bloggen kostet auch Zeit und Mühe, wäre es da nicht schön, wenn man dafür entlohnt würde-Vortrag“ und weise nur auf eine Buchrezension, die mich doch sehr zum Lachen gebracht hat:
Ich liebe den Familienblog der Autorin (dasnuf.de), weswegen ich mir sofort nach Erscheinen das Buch der Autorin gekauft habe, in der Hoffnung auf neue, unbekannte und längere Episoden aus dem Leben von Frau Cammarata zu stoßen. Ich liebe ihre unkomplizierte Art zu schreiben und ihren Humor.
Leider kannte ich ca. 90% der Kurzgeschichten aus Ihrem Blog, den ich regelmäßig verfolge. Daher war das Buch in meinen Augen das Geld einfach nicht wert.
Da ist also jemand, der vielleicht seit 2004 mitliest. Über 2.500 Artikel kostenlos gelesen hat, sich daran mal mehr mal weniger erfreut hat, die ein oder andere Anregung mitbekommen hat und sich dann ärgert (damals) 8,99 Euro ausgegeben zu haben. Dafür dass es neue Geschichten, großartige Zeichnungen und ein Lektorat gab. OK.
(Das treibt mir umso mehr die Tränen der Rührung in die Augen, wenn ich daran denke, dass viele meiner Bloggerfreundinnen sich das Buch gekauft haben, obwohl sie ein kostenloses Rezensionsexemplar hätten haben können – aber so sind die Bloggerinnen eben – geldgierig!)
Ups, jetzt hab ich den Vortrag doch gehalten.
Apropos Zugriffszahlen. Ich habe irgendwann den Provider gewechselt und deswegen nicht alles lückenlos mitgebucht, aber seit 2009 hatte ich 4,5 Mio Seitenbesucher. Wenn ich da seit 2004 für jeden Klick 20 Cent bekommen hätte, nun, Sie dürfen mir glauben, ich hätte nie übers Werbungmachen nachgedacht.
Mal abgesehen davon kommt es vielen auch nicht in den Sinn, dass es in Sachen Vereinbarkeit kaum was besseres geben kann als mit dem Bloggen Geld zu verdienen.
Das kann man nämlich immer und überall, mit Baby und Teenagern, mit eins, zwei, drei und vier Kindern machen, mit gesunden Kindern und mit kranken.
(Hihi, ihr Influenza. Hahaha.)
Schön alle Bloggerinnen und Blogger über einen Kamm scheren. So ist fein.
Ich gebe mir zum Beispiel sehr große Mühe, sehr klar zu kennzeichnen. Auf Twitter verwende ich sogar ein Hashtag, so dass man die Werbebeiträge rausfiltern kann. Im Feedreader ist das Wort Werbung so deutlich in der URL, dass man einfach den Beitrag nicht klicken muss.
Dass dieses stetige – ih, die werben jetzt, wo geht sie hin, die Authentizität auch dazu beiträgt, dass manche davon absehen ordentlich zu kennzeichnen, das könnte ja auch mal einen Gedanken wert sein.
Dass es außerdem ein Privileg ist, es sich leisten zu können (zeit- und geldmäßig) kostenlos zu bloggen, wird ebenfalls nie erwähnt.
Denn entweder man ist die nicht ernstzunehmende Back- und Bastelmutti, die so dämlich ist kostenlos zu bloggen oder man ist das geldgierige, unauthentische Ekelwesen. Dazwischen gibt es nichts.
Ich verstehe diese Haltung nicht.
Auf der einen Seite soll ich bitte kein Geld verdienen, auf der anderen Seite wird gemeckert, weil mein Indie-Plugin nervt oder die Seite nicht für mobile Endgeräte optimiert ist. Das soll ich doch bitteschön mal fixen.
Tatsächlich gibt es Blogs von früher, die ich heute nicht mehr lese, weil dort nur Werbung zu lesen ist. So what? Muss ich mich deswegen theatralisch beschweren? (Mache ich nur, wenn es Schleichwerbung ist)
Es gibt außerdem ganz viele tolle neue Blogs, die es früher™ nicht gab.
Und es gibt etablierte Blogs, die Werbung machen, die ich total gerne lese. Weil ich nämlich sehe, dass sie nur dann eine Kooperation eingehen, wenn es passt.
Glänzendes Beispiel Susanne Mierau von geborgen-wachsen. Ich habe auch schon Dinge gekauft, die sie empfohlen hat. Hui! Werbung funktioniert.
Sie soll bitte ordentlich Geld verdienen, damit sie sich leisten kann auf immer und ewig weiterzuschreiben.
Das wünsche ich allen Blogs und Podcasts, die ich regelmäßig konsumiere.
Aber weil sich viele so anstellen, dass man teilweise Geld mit Blogs und Podcasts verdienen kann, wird in Zukunft eines passieren: Angebote werden hinter Paywalls verschwinden.
Da kann dann höchst authentisch weitergebloggt werden. Das haben sich die „Früher war alles besser“-Menschen dann redlich verdient.
(Ja, sorry, ich hatte ein Gefühl und bin jetzt maulig)
Jetzt muss ich aber in meinem Geldspeicher schwimmen gehen bzw.
Käme das Kind nach Hause und würde mir sagen: „Ich brauche einen Stift, den man wieder wegmachen kann.“ Ich würde einen kaufen. Vielleicht einen Füller mit einem Tintenkiller, vielleicht einen Bleistift und einen Radiergummi, vielleicht einen radierbaren Kugelschreiber. Beschwert hätte ich mich nicht.
Das Kind kommt aber nicht nach Hause und braucht irgendwas Allgemeines. Es braucht bestimmte Produkte. Weil der Lehrer Produkte empfiehlt. Einen Pilot Frixion Ball.
Dieser Stift kostet 2,50 Euro (günstigstenfalls) und ist gefühlt alle zwei Wochen leer.
Pelikan Wasserfarben, sollen es dann sein. Ein „Hausaufgabenheft für Faule“ bitteschön. Knete! Unbedingt brauchen Erstklässler von Habichvergessen Knete. Der ergonomische Tintenroller – STABILO EASYoriginal soll es für die Kleinen sein.
Ich finde das einfach nur ätzend. Trotzdem kaufe ich den ganzen Mist, weil es nämlich das Kind abbekommt, wenn ich es wage mich zu widersetzen.
„Warum hat die Mami denn nicht xy gekauft? Hast Du das der Mami nicht gesagt? Das ist aber nicht schön. Ich habe doch xy empfohlen.“
Es gab sogar Kritik weil das jüngste Kind das Lesebuch des Geschwisterkindes nochmal benutzt hat: „Das ist aber nicht so gut. Warum hast du denn kein eigenes bekommen?“
WEIL DAS FUCKING VERSCHWENDUNG IST??!!
„Wir benutzen Silbenstifte. Es ist nämlich nicht so schön für ihr Kind, wenn es beim Schreiben den Stift wechseln muss.“
Altes T-Shirt zum Malen? Faber-Castell hat doch Malschürzen! Wasserbecher? Einen aus Plastik, den man über hat? Nenenenene! Entschuldigung? Es gibt doch extrateure Pinselbecher.
Ich übertreibe jetzt ein wenig. Aber die Hälfte ist wahr und v.a. ist wahr, dass wann immer ich nicht mache, was der Lehrer sagt, das Kind subtil angemeckert wird.
Das Kind möchte es dem Lehrer aber perfekt recht machen und quält sich deswegen sehr, wenn sich die reaktante Mutter weigert, ebenjene tollen Superprodukte zu kaufen und anstatt dessen andere, billigere Alternativprodukte kauft.
Meine Reaktanz geht soweit, dass ich dieses Jahr sogar Dinge ge-bastelt! habe.
Nachdem ALLE Kinder nach der ersten Klasse die scheißteure Markenknete unbenutzt und leicht vertrocknet wieder nach Hause gebracht haben, war ich verleitet beim jüngsten Kind einfach farbige Fakewürste in die Knetpackung zu legen.
Und ja, ich rege mich aus Prinzip auf. Leisten kann ich mir das Zeug. ABER EIGENTLICH WILL ICH NICHT. Eben auch, weil es nicht für jede Familie einfach ist, Schulsachen im Wert mehrerer hundert Euro zu kaufen.
Ich will v.a. nicht, dass eine Autoritätsperson (ja, die Lehrerinnen und Lehrer sind für die Kinder Halbgötter, sie wollen ihnen immer alles recht machen, niemand darf sie anzweifeln, auch wenn die Englischlehrerin sagt es heisst „My best book is Harry Potter“ und nicht „My favorite book is Harry Potter“.) meinen Kindern eintrichtert, dass man immer teure Markenprodukte kaufen muss.
Aber wenn ich so eine Diskussion am Elternabend anfange, dann muss das mein Kind ausbaden. Also halte ich die Klappe.
Rezensionsexemplar „Das Versagen der Kleinfamilie“ von Mariam Tazi-Preve
Vor einigen Wochen wurde ich gefragt, ob ich das Buch „Das Versagen der Kleinfamilie“ von Mariam Tazi-Preve lesen möchte. Wie immer in solchen Fällen, habe ich mir die Kurzzusammenfassung durchgelesen und dann, weil es mich tatsächlich interessierte, geschrieben: „Gerne lese ich das Buch, ich kann allerdings nicht garantieren, dass das zeitnah geschieht oder dass ich das tatsächlich schaffe, zu verschriftlichen. Wenn das OK ist, dann schicken Sie mir gerne das Buch zu.“
Tatsächlich habe ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Sehr stark komplexitätsreduziert geht es um die Feststellung, dass es in der Klischeefamilie der industrialisierten Welt Vater-Mutter-Kind fast unmöglich ist, ohne Burnout oder sonstige Schäden Kinder groß zu ziehen.
Frau Tazi-Preve geht ausführlich auf die Gründe ein und zeigt alternative Lebensformen in anderen Gesellschaften, die besser funktionieren als die landläufigen Klischees des Westens.
Dabei geht es nicht nur ums organisatorische – wer holt die Kinder ab, wer bringt sie in Kindergarten und Schule, wer kauft ein, wer kocht, wer bringt sie ins Bett – sondern eben um all die Lebenszeit, die man miteinander verbringt jenseits der morgen- und abendlichen Abfertigung, in der man kuschelt, vorliest, sich unterhält, zusammen spielt und Lebenzeit miteinander teilt.
Ganz nebenbei bin ich übrigens auch der festen Überzeugung, dass es für die Seele der Kinder wichtig ist, dass sie nicht ausschließlich die Mutter als erwachsene Bezugsperson haben.
(Ich schreibe hier absichtlich die Mutter, denn im klassischen Versorgermodell, gibt es zwar Väter, die sind aber aufgrund ihrer starken Erwerbszentriertheit leider oft nur mittelmäßiger Ersatz, wenn es um das Thema Bezugsperson geht (vgl. „Liebe in Worten oder die Schönwettervaterschaft“ und „Ich liebe meine Kinder vom Büro aus„)
Ich kann jedenfalls jedes Wort von Tazi-Preve unterschreiben, da ich an der Kleinfamilie grandios gescheitert bin.
In meinem Alltag waren keine Großeltern, keine Geschwister und auch sonst niemand, den ich einbinden konnte UND wollte. (Sich helfen lassen, musste ich auch erst lernen).
Seit einigen Jahren läuft es anders. Neben der gleichberechtigten Partnerschaft, habe ich liebe Freunde und Freundinnen, die z.B. regelmäßig am Nachmittag oder abends die Kinder betreuen, die uns zur Seite stehen, die uns schon eingekauft haben oder sogar Essen vorgekocht haben und uns zum Einfrieren vorbei gebracht haben, die vorlesen, malen, basteln.
Dort geht es außerdem ausführlich um den Aspekt wie absurd es ist, dass die romantische Liebe und das sichere Aufwachsen von Kindern so eng miteinander verknüpft werden und die Kleinfamilie als Ort der alleinigen Glückseligkeit gesehen wird.
Sehr beschäftigt hat mich auch der Punkt wie entgegengesetzt Arbeits- und Familienleben konnotiert sind. Im Job geht es um Konkurrenzdenken, Kosten-Nutzen-Logik und Profitmaximierung. Im Familienleben hingegen um emotionale Zuwendung und Empathie wichtig.
Das Buch hat in mir vieles zusammengebracht, was mir im Kopf schon lange herumschwirrte:
Familie als selbstgewählte Beziehungen sehen (und nicht als Geburts- und Genkonstellation)
Hilfe zulassen und selbst anbieten
den Kindern zusätzliche Herzensbezugspersonen schenken
im Arbeitsleben auch auf Empathie und Beziehungen setzen
Konsum reduzieren und kleiner denken (wer keine riesige Wohnung, keinen teuren Urlaub, keine Designermöbel und -klamotten braucht, braucht weniger Geld, muss weniger Arbeiten, hat mehr Zeit etc.)
Beziehungen leben (sich Zeit nehmen, nicht auf morgen verschieben, etc.)
Die einzelnen Aspekte auszuformulieren, würde am Ende wahrscheinlich ein weiteres Buch entstehen lassen. Deswegen am Ende nur die Empfehlung: Das Buch lesen und schauen, wo die Stellhebel im eigenen Leben sind.
Buch: Muttergefühle II
Foto: Rike Drust, Stickerei auch
Das neue Buch Muttergefühle. Zwei von Rike Drust habe ich auch gelesen – besser gesagt: durchgekichert.
Im ersten Teil, Muttergefühle. Gesamtausgabe, geht es um den lustigen Gap zwischen dem Leben ohne Kinder und dem mit Kindern und all den Absurditäten, die einem vorher keiner sagt.
Muttergefühle. Zwei beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Frage, warum man – nachdem man nach dem ersten Kind weiß was auf einen zukommt – dennoch ein weiteres Kind möchte.
Rike schreibt wirklich wahnsinnig lustig, schon am Anfang habe ich mich über folgende Passage schlapp gelacht:
[Die Entscheidung zum ersten Kind] fühlte sich nach Freiheit à la Hollywood an: Als wenn man mit einem Cabriolet bei perfektem Wetter einen amerikanischen Highway runterfährt, aufsteht und voller Glück und Abenteuerlust die Arme hochreißt. Beim zweiten Kind würde man lieber sitzen bleiben, weil man inzwischen weiß, dass einem sonst nur Insekten in den Mund fliegen, dass die Wangen vom Fahrtweg unvorteilhaft flattern und es nichts mit sexy zu tun hat, wenn man krampfhaft versucht, sein Gleichgewicht zu halten, wenn das Cabriolet zu schnell um die Kurve braust.
Es ist aber nicht nur der Humor, der das Buch so lesenswert macht. Viel wichtiger sind die dahinter liegenden Fragen. Denn Muttergefühle. Zwei beleuchtet all das, was man geistig zu bewältigen hat:
Bin ich jetzt nur noch Mutter? Darf ich eigene Bedürfnisse und Ambitionen haben?
Wie ändert sich die Partnerschaft, welche Rolle spielt der Partner, wie findet man sich als (Eltern)paar (neu)?
Wie bewahre ich die Nerven, die Geduld, die Liebe? Wie schaffe ich es zu lachen statt durchzudrehen?
Wie wirkt eigentlich Politik, wie Werbung auf das Familiensystem, wieso ist Familie nicht Privatsache?
Warum soll Feminismus uns kümmern?
Das wunderbare – sie schreibt es im Buch selbst:
Ich lese eigentlich gern in anderen Blogs, aber viele Texte nicht bis zum Schluss. Ich bin nämlich sofort raus, wenn es zu belehrend oder unterschwellig anklagend wird.
– das Ganze funktioniert ohne Zeigefinger und schaut-wie-toll-wir-hier-das-geregelt-bekommen und ist deswegen so lesenswert.
Deswegen: Bitte kauft dieses Buch, verschenkt es damit es verfilmt werden kann. Aber ihr müsst sehr, sehr viele Bücher kaufen, sonst reicht das Verfilmungsbudget nur für Veronica Ferres und Til Schweiger und dessen Kinder und nicht für Elisabeth Moss und Josh Thomas in den Hauptrollen.
Serie: Stranger Things II
Seit 27.10. ist auf Netflix Stranger Things II zu sehen. Ich bin noch nicht ganz durch, aber im Grunde ist Stranger Things II wie Stranger Things I. Ein gigantisches Where’s Waldo der 80er.
Die Story ist ein bißchen egal, zentral ist die Kulisse, die Optik und die musikalische Begleitung und die ist wirklich phänomenal.
Aus jeder Folge könnte man einzelne Standbilder aufarbeiten und dann daraus eines dieser statischen Computerspiele machen, wo man Zeug suchen muss: Finde die David Bowie Schallplatte, finde die Goonies-Referenz, finde das River Phoenix Double, klick, klick, klick, bing, bing bing, Highscore.
Nach drei Folgen will ich mir blonde Strähnchen machen, Lockenwickler ins Haar drehen, die Haare toupieren, zwei Kilo Haarspray reinsprühen, meine alte Zahnspange in den Mund legen, gleichzeitig Kaugummi dabei kauen und noch einmal die Liebe spüren, die ich zu Morten Harket gespürt habe, als ich mit leichter Erregung darauf wartete, ob bei Formel 1 das Take on me Video gespielt wird*.
Das reicht mir für diese Serie schon.
Wobei ich auch die Mädchen-Charaktere der Serie mag
Serie: The Fall, 3. Staffel
Die ersten beiden Staffeln von The Fall (imdb 8,2) gibts auf Netflix und ich habe mich unter beinahe körperlichen Schmerzen durchgeschaut.
Der Plot ist im Grunde einfach: Es gibt einen Serienmörder, Peter Spector (gespielt von Jamie Dornan**), der von einer Polizistin, Stella Gibson, (gespielt von Gillian Anderson) zu Fall gebracht werden soll.
Das Faszinierende – im Grunde weiß man ab Szene 1 wer der Mörder ist. Ähnliche Serien basieren ja auf der Enthüllung, dem Ungewissen, dem Hin- und Her.
The Fall bezieht seine ganze Spannung aus der Gewissheit und dem Charakterspiel der beiden Hauptprotagonisten.
Und dafür nimmt sich die Serie viel, viel Zeit. Das Erzähltempo ist so langsam, so detailreich, so realistisch, dass es stellenweise nur schwer zu ertragen ist.
Wo andere Serien Spannung durch 543 Schnitte, Verfolgungsjagden und Explosionen erzeugen, nimmt sich The Fall die Zeit das Zucken einer Augenbraue oder das Atmen durch die Nase zu filmen.
Was vielleicht langweilig klingt, erzeugt wirklich unfassbare Spannung, drei Staffeln hindurch, bis in die letzte Einstellung.
Der Demogorgon ist im Vergleich zu Peter Spector ein liebenswerter Zeitgeselle
*Zugegebenermaßen will ich auch eine Zigarette nach der anderen rauchen und grummelig wie Chief Jim Hopper Donuts essen und ein bisschen mit meinem Revolver rumballern.
**Wenn man zuerst The Fall schaut und dann Fifty Shades of Grey, ist Fifty Shades of Grey beunruhigend beängstigend.
Ich laufe durch das Treppenhaus und mir kommt eine Nachbarin mit ihrem Kind entgegen. Das Kind berichtet „…und dann Mama, dann hab ich das Pokemon gefangen, Mama. Also so hab ich gemacht *führt Bewegung nach oben mit ausgestrecktem Zeigefinger aus*, mit dem Finger, Mama, den Pokeball geschossen, Mama und dann ist das Pokemon aber weggewesen, Mama. Das ist doch gemein, oder, Mama?“
Die Mutter macht ein zustimmendes Geräusch.
„…aber dann war an der nächsten Ecke, schon wieder ein Neues, Mama, das hab ich dann mit einer Himmihbeere, weißt Du was das ist, Mama? Mit einer Himmihbeere angelockt und dann, Mama…“
Apathisch nickt die andere Mutter und ich muss ein bißchen lachen, denn meine Kinder machen das auch. Zweihundert Mal Mama pro Stunde. Wie gut verstehe ich jetzt meine Mutter, die stets sagte: „Jedes Mama ne Mark und ich wär‘ reich.“
„Warum Mama? Warum sagst Du das Mama? Was meinst Du damit Mama?“
Jetzt da ich selbst eine Mamamamama bin, frage ich mich, warum machen Kinder das? Es erinnert schon sehr an diese Vertreter am Telefon, die sagenhafte Angebote haben, denen Sie, Frau Cammarata, heute wirklich nicht widerstehen können werden. Denn ja, Frau Cammarata, ich habe hier etwas, das ist genau auf Sie zugeschnitten, Frau Cammarata!
Mere-Exposure-Effekt nennt man das. Dabei handelt es sich um die Tatsache, dass allein die wiederholte Wahrnehmung einer anfangs neutral beurteilten Sache ihre positivere Bewertung zur Folge hat. Im Marketing führt dieser Effekt zu der Erkenntnis, dass beispielsweise kurze, mehrmalige Wiederholungen einer Produktwerbung mittelfristig dazu führen, dass ein beworbenes Produkt oder eine Dienstleistung positiver vom Konsumenten wahrgenommen wird.
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Wahrscheinlich funktioniert das auch über die wiederholte Ansprache. Versicherungsvertreter schaffen durch das ständige Wiederholen des Namens ja auch Nähe und bauen eine Beziehung auf. Das wußte schon Rumpelstilzchen übrigens. Nicht umsonst hat es seinen Namen nicht verraten wollen!
Wahrscheinlich finde ich meine Kinder deswegen so süß. Sie sagen wirklich oft „Mama“ zu mir. Wahrscheinlich haben wir deswegen so eine gute Bindung. Alles nur, weil ich so oft gemamat werde.
Wie geht es Ihnen damit, liebe Leserinnen und Leser? Was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser, warum Kinder so oft „Mama“ sagen? Macht Ihnen das ein gutes Gefühl, liebe Leserinnen und Leser?
An manchen Tagen bin ich wirklich wahnsinnig genervt. Zum Beispiel weil ich das zehnte Mal diese Woche höre, dass bestimmte Jungs in der Klasse meines Kindes meinem Kind wieder einmal die Trinkflasche abgenommen haben, sie über irgendeinen Zaun geworfen haben, weil sie das Hausaufgabenheft zerfleddert haben oder weil sie eine Stelle, wo die Freundinnen und Freunde meines Kindes gerne zusammen sitzen, vollgerotzt haben.
Vom anderen Kind höre ich, dass sich die Jungs der Klasse auf dem Schulhof treffen, um sich zu verprügeln. Sie geben sich Kopfnüsse, treten sich in die Hoden, schubsen sich. Als Spiel.
Wenn ich mich beschwere, höre ich in der Regel in Abwandlungen: „Hahahaha. So sind sie eben, diese Jungs. So wild und ungestüm. Das gehört zum Großwerden dazu.“
Nein, liebe Welt, so sind Jungs nicht. So sind Menschen, die kein Benehmen haben, die unerzogen sind, die grenzüberschreitend sind, die gemein sind, die einfach scheiße erzogen sind.
Was soll der Quark?
Als die Tochter das erste Mal erzählt hat, dass sie drangsaliert wird, haben wir im Spaß gesagt: „Sag dem Jungen doch bitte, dass er seine fehlgeleitete Zuneigung auch konstruktiver zum Ausdruck bringen kann. Zum Beispiel indem er dich fragt, was dir gefällt und ihr so Gemeinsamkeiten findet.“
Natürlich hat die Tochter mit den Augen gerollt.
(Natürlich haben wir dann besprochen, dass sie klar die Grenzen ziehen soll, dass so eine Trinkflasche total egal ist und sie sich keine Sorgen machen soll, dass sie sich immer Hilfe holen kann, dass sie berechtigt ist, sich zu wehren, dass Himmelherrgott das andere Kind das Problem ist, dass wir auch gerne Gespräche mit LehrerInnen, ErzieherInnen und Eltern zu dem Thema führen.)
Warum denken Menschen, dass es etwas mit Männlichkeit zu tun hat, andere zu verletzen?
„Du Schlampe“ Höhöhö. „Ich hab nur Duschlampe gesagt“.
Warum zur Hölle denken Menschen, dass es etwas mit Weiblichkeit zu tun hat, das zu erdulden?
Ich bin wirklich total wütend und weiß auch gar nicht wie ich mit sowas umgehen soll. Anderer Leute Kinder mag ich sowieso nicht erziehen. Das ist auch gar nicht meine Aufgabe.
Aber wie gehe ich mit meinen Kindern um, die sowas ausgesetzt sind. Mädchen wie Junge.
Denn ja, es gibt auch Jungs, die finden das total doof und denen bleibt es in einem gewissen Alter verwehrt Freundschaften zu Mädchen aufzubauen, weil wähääähä Mädchen ja doof sind und man nicht mit ihnen spielen kann, weil man ihnen die Schulranzen wegnehmen und ausschütten muss.
So witzig! Nicht.
Wie viel Kraft es ein Kind kosten muss, auf Freundschaften zu verzichten, weil es so einen Dreck nicht mitmachen will. Wie einsam manche Kinder sind, weil sie lieber alleine sind, als Mitläufer in solchen Gruppen zu werden.
Kinder sollen ja nicht so viel fernsehen, weil äh… das macht man als Erwachsene ausreichend – oder wie war das Argument?
Ich schaue sehr gerne Serien. Einen Teil der Serien schlafe ich auch. Zu Serien einschlafen, ja, ich glaube, das ist mein Hobby. Gibt gar nicht so viele Serien, bei denen ich nicht einschlafe.
Bald kommt Star Trek Discovery – aber was mache ich bis dahin? Habt ihr weitere Empfehlungen? Ich hab mal versucht aufzuschreiben, welche Serien ich mag und welche nicht.
Höchstens 10 min pro Folge verschlafen:
The Handmaid’s Tale, The OA, The Honourable Woman, Ozark, Jessica Jones, Dr. Foster, Happy Valley, Glow, Please Like Me, River, I love Dick, Game of Thrones, The Fall, The Affair, Black Mirror, Stranger Things, Die Brücke, Rectify, The Good Wife, Deep Space Nine (3 mal geschaut), The Killing, The Americans, Hit & Miss, Broadchurch, Good Girls‘ Revolt, Bletchley Circle, Pushing Daisies (soooo romantisch!), Bored to Death, Top of the Lake, Braunschlag, Chef’s Table, IT Crowd, Modern Family, Tatortreiniger, Les Revenants, Homeland, Breaking Bad, Westworld, The Leftovers, Misfits, Battlestar Galactica, Mr. Robot, Boston Legal, Firefly, This is us, Orange is the new black, Limitless, Lucifer
So ungefähr die Hälfte der Folge verschlafen:
True Detective, American Gods, alle anderen Star Trek Serien, Halt and Catch Fire, Lilyhammer, Orphan Black, Heroes (bis Staffel irgendwas), Suits, Designated Survivor (ätzend, ich weiß auch nicht, warum ich das schaue), Paranoid, Prison Break, Daredevil, Master of None, Rita, The Mentalist, Sherlock, Six Feed Under, True Blood, The Crown, Sons of Anarchy, Shameless, Lovesick, White Collar, Better Call Saul, Narcos, Travelers, You are wanted, Awake, Lie to me
Meist drei Folgen ausgehalten und dann als sehr gute Einschlafhilfe benutzt (es sei denn, ich habe mich geekelt. Sowas wie Hannibal ist gar nicht mein Fall):
Fargo, The Wire, Gotham, Penny Dreadful, Hannibal, Dexter, Sneaky Pete, The Night Manager, The Expanse, Peaky Blinders, Blacklist, Marcella, Sense 8, Tote Mädchen lügen nicht, Mad Men, War Machine, Iron Fist, Luke Cage, Dirk Gently, Taboo, House of Cards, Call the Midwife, Under the Dome
Werde ich nie schauen: Dr. Who, Nurse Jackie (für einen Dauergag – ich bin mir sicher, die Serie gefällt mir sehr, aber man muss manchmal Opfer bringen)
Wahrscheinlich habe ich einige Serien vergessen. Aber vielleicht habe ich auch einfach nur _die_ eine Serie, die man un-be-dingt sehen muss, verpennt. Die sagt ihr mir jetzt aber, oder?
Prinzipiell mag ich Sci-Fi und Fantasy. Gemetzel und viel Blut liegt mir nicht so. Glattgebügelte Charaktere auch nicht so. Ich finds toll, wenn die Hauptfiguren leiden, Falten haben, auf Klo gehen und beim Sex den BH ausziehen. Absurde Szenarien mag ich auch und bunt. Serien, die so düster sind, dass ich selbst im Dunkeln kaum was sehe und eigentlich Licht in der Serie anmachen will, nerven.
Man beachte die äußerst geschmackvollen Servietten mit Photoshopdesign!
Es gibt wenig, das einen so schnell in die Vergangenheit zurückbringt, wie Gerüche und Geschmäcker, finde ich.
Vor einigen Wochen war ich in meiner Geburtsstadt Köln und habe mich auf die Suche nach Spuren meiner Vergangenheit gemacht. Danach hatte ich das große Bedürfnis nicht nur die Orte sondern auch das Essen meiner Kindheit zu finden.
Dafür will ich ein bisschen ausholen. Ich bin die Enkelin eines italienischen Gastarbeiters.
Mein Großvater ist nach dem Krieg nach Köln gekommen, um dort zu arbeiten und somit seine Familie zu versorgen. Erst als ein wenig Geld angespart war, ist der Rest der Familie nachgekommen.
Bis Mitte der 80er waren meine Großeltern in Köln und wir waren dort oft zu Besuch. Als sie zurück nach Sizilien gegangen sind, waren wir immer in den Sommerferien dort und obwohl meine Mutter Deutsche ist, haben wir fast nur italienisch gegessen.
Sehr selten gab es mal rheinischen Sauerbraten, aber sehr viele deutsche Gerichte habe ich tatsächlich erst mit Mitte 20 als ich nach Berlin gezogen bin, kennengelernt.
Bestimmte andere Gerichte, die ich mit Ost-Deutschland verbinde, kannte ich nicht mal. Senfeier zum Beispiel oder so abgefahrene Sachen wie Würzfleisch.
Bei uns gab es – ganz dem Vorurteil über Italiener entsprechend – v.a. Nudeln, die Penne, Rigatoni, Tagliatelle, Linguine, Bucatini, Farfalle, Fusili lunghi (wie ich die liebe!), Lumache, Maccheroni oder Orecchitte hießen und nicht Spaghetti (ich hab erst ganz spät verstanden, dass für viele Deutsche „Spaghetti“ der Sammelbegriff für Nudeln ist).
Es gab viel Zucchini und Auberginen, Brokkoli und Oliven.
Sardellen habe ich für mein Leben gern gegessen. Pizza konnte ich mir ohne Sardellen, Oliven und Kapern gar nicht vorstellen. Wer isst denn sowas?
Als ich mal bei einer deutschen Nachbarin war und die keine Sardellen auf die Pizza machte, verstand ich die Welt nicht mehr. (Die Nachbarin umgekehrt fragte sich was Sardellen sind und warum dieses Kind unbedingt welche haben wollte).
Nach meinem Trip nach Köln, wo ich auf den Spuren meiner Großeltern feststellte, dass es dort noch heute eine große italienische – sogar eher süditalienische – Community gibt, hatte ich große Lust auf einen italienischen Abend im Kreise meiner Freundinnen und Freunde.
Ich wollte da all das essen und trinken, was ich als Kind so liebte und es sollte alles so sein wie in meiner Erinnerung (auch wenn das unter Umständen gar nicht der tatsächlichen Vergangenheit entsprach).
Ich habe Italien v.a. als laut in Erinnerung. In jedem Wohnzimmer, in jeder Küche, manchmal sogar am Balkon oder im Garten, läuft ein Fernsehgerät und zwar den ganzen Tag.
Auf den mir bekannten Kanälen laufen Quizshows mit halbnackten Frauen, dramatische Soaps, Nachrichten und Formate wie hier in Deutschland Explosiv und ähnliches.
Wir haben also RAI gestreamt und die Lautstärke so eingestellt, dass es durchaus etwas nervte.
Für Familienfeste wurde der Tisch nicht etwa schick gedeckt, sondern es wurde eine Papiertischdecke verwendet und alles andere war aus Plastik. Unmengen an Plastik. Plastikflaschen, Plastikbecher, Plastikteller. Nur das Besteck – v.a. die Messer waren aus Metall.
Aufgeräumt war am Ende des Abends in Sekunden. Einfach die Tischdecke an den vier Zipfeln nehmen und ALLES in einen großen Plastiksack. Fertig!
Haben wir auch gemacht. Großartig – wäre es nicht so eine große Umweltsauerei, ich würde es jeden Tag machen.
Ich habe als Kind natürlich keinen Wein getrunken. Deswegen hab ich ein vier Gänge Menü mit Limobegleitung zusammengestellt.
Als Aperitif gab es Sanbitter. Als Kind habe ich Sanbitter eigentlich gehasst (viel zu bitter) – aber weil ich die Farbe so toll fand, hab ich ihn trotzdem getrunken.
Mich erinnert Sanbitter heute an diese Präparate, die man nach dem Zähneputzen im Mund hin- und herspühlen kann und dann hinterher sieht, wo man nicht gut geputzt hat.
Zum nächsten Gang gab es Chinotto. Ein ebenfalls eher bitteres Getränk, das gleichzeitig sehr süß ist – zumindest so lange es sehr kalt ist. Es sieht aus wie Cola und ich glaube, als Kind dachte ich auch, dass es Cola ist und kam mir sehr groß vor, wenn ich Chinotto trinken durfte.
Chinotto ist aus der (haha) Chinotto-Frucht gewonnen. Eine Art Bitterorange, die eigentlich aussieht wie eine rundliche Zitrone. Wird Chinotto warm, schmeckt es ein bisschen nach Hustensaft.
Als nächstes gab es Birnensaft – Succo di Pera. Süß und sehr dickflüssig – verkauft in winzigen Fläschchen.
Wer länger schon im Blog mitliest, weiß vielleicht, dass ich quasi seit immer kein Obst und irgendwelche Dinge mit Obst esse oder trinke. Tatsächlich hab ich als Kind ganz lange Birnensaft getrunken, bis ich eines Tages herausfand, dass Succo die Pera B I R N E N S A F T heisst und vermutlich aus Birnen (ihhhh!) gemacht wird.
Danach gab es einfach Aranciata (Orangenlimo) und Lemonsoda (Zitronenlimo) – beides in der Zwischenzeit auch in italienischen Restaurants fester Teil der Getränkekarte.
Als Antipasti habe ich Grillgemüse gemacht. Peperonata, gegrillte Auberginen und gegrillte Zucchini.
Die Auberginen habe ich vor dem „grillen“ im Ofen in Scheiben geschnitten und dann mit Salz bestreut. Das Ganze gut eine Stunde ziehen lassen und sie dann unter fließendem Wasser abgespült, trocken getupft und dann 40 min mit Ober/Unterhitze bei 200 Grad im Ofen auf Backpapier auf einem Blech schmoren lassen. Dazu nur Olivenöl, Knoblauchscheiben und frischen Rosmarin.
Für 6 Personen
3 große Auberginen
6 Zehen Knoblauch
1 Bund Rosmarin (den mit den langen weichen Blättern äh oder sagt man da Nadeln?)
Kurz vor dem Servieren habe ich die Auberginen mit Salz und Pfeffer gewürzt und mit etwas Zitrone beträufelt.
Die Zucchini waren noch einfacher: in Scheiben schneiden, mit Öl und Knoblauch ebenfalls 20-30 min im Ofen grillen.
Für 6 Personen
6 kleine Zucchini
6 Zehen Knoblauch
Die Paprika (ingesamt 5 rote und gelbe) habe ich geviertelt und dann mit 3 geviertelten Zwiebeln in der Pfanne auf der Hautseite in Olivenöl angebraten. Als sie etwas braun wurden, habe ich sie mit einem Schuss Balsamico abgelöscht und ein halbes Glas Wasser dazugeschüttet. Deckel auf die Pfanne und bei kleinster Flamme fast eine Stunde schmoren lassen. Vor dem Servieren ein bisschen Thymian dazu – fertig.
Für 6 Personen
3 rote, 2 gelbe Paprika
4 mittelgroße Zwiebeln
Schuss Balsamico
Thymian
Das Gemüse gab es dann mit Kauf-Balsamicozwiebeln (war zu faul die zu machen), getrocknete Tomaten mit gerösteten Pinienkernen und Weißbrot.
Ach und ganz wichtig! Es gab Simmenthal! Das ist Rindfleisch in Globsch. Mit Zitrone und Petersilie. Riecht wie Katzenfutter.
Als Primo piatto gab es Spaghetti Aglio Olio und Pasta alla Norma.
Die Nudelgerichte habe ich leider vergessen zu fotografieren. Es war einfach zu lecker!
Die Spaghetti meiner Kindheit waren viermal so lang wie sie heute üblicherweise sind. Tatsächlich habe ich solche Spaghetti im italienischen Supermarkt gefunden.
Wenn man sie kocht, muss man sie nach und nach in den Topf ins sprudelnde Wasser drücken. Eine schöne Erinnerung aus meiner Kindheit.
Aglio Olio ist dann nichts anderes als sehr viel Knoblauch sehr klein schneiden und zusammen mit Chili in Olivenöl braten. Die fertig gekochten Spaghetti mit etwas Nudelwasser dann in die Pfanne werfen und ordentlich Parmesan und Pfeffer dazu.
Für 6 Personen (es gab ja 2 Nudelgerichte)
300 Gramm lange Spaghetti
2 rote Chili
10 Zehen Knoblauch
Parmesan
Da fehlen noch die Auberginen, die ich separat angebraten habe.
Für Pasta alle Norma habe ich Maccheroni (oder wie man hier schreibt: Makkaroni) genommen.
Die Soße besteht aus kleinen, geschmorten Pflaumentomaten, Basilkum und in Würfel geschnittenen Auberginen.
Für die Auberginengerichte ist es wirklich wichtig, dass sie entwässert sind, dass ihnen dabei die Bitterstoffe entzogen wurden (passiert beim Ausschwitzen der Flüssigkeit mit dem Salz) und dass sie schön weich gekocht bzw. geschmort werden.
Manchmal gibt es hellere Auberginen (pinkfarbene oder sogar weiße), die sind noch milder und süßlicher. Wenn ihr die seht, lieber die nehmen.
Zu den Auberginen und Tomaten wirft man ein bisschen Knoblauch, würzt mit Salz und Pfeffer und mischt das Ganze mit den Maccheroni. Ganz am Ende gibt man im Idealfall Ricotta salata drauf – wenn man den nicht bekommt, tut es zerbröselter Feta auch.
Für 6 Personen
300 Gramm Maccheroni
2 mittelgroße Auberginen
20 Pflaumentomaten
Handvoll Basilikum
1/2 Feta
Die große Wurst ist die mit Fenchel und die kleinen sind Salsiccia ohne Fenchel – es soll ja so komische Menschen geben, die keinen Fenchel essen.
Als Hauptgang gab es Salsiccia fresca al finocchio – Fenchelbratwurst. Frisch aus dem italienischen Supermarkt und absolut großartig.
Zweiter Teil des Hauptgangs war etwas, das ich als „Pizzaiola“ in Erinnerung hatte.
Rouladenfleisch vom Rind, belegt wie Pizza. Also statt des Hefeteigs Fleisch (so war das in den 80ern! Fleisch mit Fleisch!).
Die Rouladen werden ordentlich geklopft, sehr heiß und sehr kurz angebraten und dann auf ein Blech gelegt. Auf die Rouladen kommen gehackte Tomaten (abgetropfte), Büffelmozzarella, sehr dünne Zwiebeln und Kapern sowie Oregano.
Ich hab das Ganze in der obersten Schiene im Backofen so 10 min gebraten. Der Ofen war auf 200 Grad vorgeheizt und dann habe ich auf Ober/Unterhitze und Grill gestellt und gewartet bis der Mozzarella schön braun war.
Tatsächlich habe ich kein Rezept gefunden, das irgendwie in diese Richtung geht. Vielleicht habe ich das auch völlig falsch erinnert oder es ist irgendein Familienrezept. Falls irgendwer irgendwann mal was ähnliches gegessen hat oder ein Rezept kennt oder den korrekten Namen weiß – freue ich mich über Hinweise.
Als Nachtisch gab es Mandelgebäck. Madorle heißen die Plätzchen in Sizilien obwohl sie oft auch aus Pistazien sind. Die Plätzchen sind sehr mächtig und schmecken eigentlich wie Marzipanklumpen mit verschiedenen Gewürzen wie Anisstreußeln z.B.
Man kann sie fertig kaufen, was ich gemacht habe.
Ebenso fertig gibt es Cannolihüllen. Die befüllt man mit Ricotta, den man mit Puderzucker süßt und in den man Bitterschokolade in Tropfenform mischt. Oft wirft man auch Zitronat und Orangeat rein, was ich aber nicht mag.
Da ich keine Küchenwaage hatte, hab ich einfach alles nach Gefühl zusammengemischt. 500g Ricotta, so 70g Puderzucker, eine kleine Handvoll Schokotropfen. Die Paste lässt man mindestens eine Stunde ziehen und füllt sie dann in die Cannolihüllen.
Die Enden der Cannoli dekoriert man mit gehackten Pistazien und halbierten, kandierten Kirschen. Ganz oben drauf kommt dann ein Hauch Puderzucker.
Spätestens jetzt waren alle Gäste sehr satt und man nahm dankbar den Espresso an.
Doch! Ha! Wenn man sich entspannt hat und denkt: Das wars! kommt ja erst der Höhepunkt des Abends! Die Eisbombe!
Arbeitet jemand in der Eventgastronomie und weiß wie man 10 Wunderkerzen gleichzeitig anzündet?
Eisbomben sind Eistorten, die aussehen wie ein halber Ball. In meiner Erinnerung wurden sie mit Wunderkerzen serviert und zwar wirklich dann wenn alle der Auffassung waren, dass man jetzt eine Woche nichts mehr essen kann.
In Berlin kann man Eisbomben wirklich bestellen. Wir haben einfach ein Vineta-Eis genommen, weil das so schön 80er ist und das noch ein bisschen dekoriert.
Als Abschluss – diesmal wirklich – gab es noch Averna auf Eis.
Der Abend war wirklich toll und ich sehr, sehr happy. Es geht doch nichts über schöne Kindheitserinnerungen.
Leider hat niemand temperamentvoll den Plastikteller beim Essen durchgesäbelt (auch das kam früher vor) – aber immerhin wurde entdeckt, dass die Spaghetti wirklich sehr, sehr lang waren.
Das Einkaufen und Kochen war zwar nicht kompliziert, aber doch relativ aufwändig und hat sehr, sehr lange gedauert.
Wie zum Ferragosto habe ich tagelang gekocht und alle Phasen durchlebt. Erst war ich interessiert und motiviert, habe hier und da nebenher gelesen, wo kommt was her, wie macht man es in Sizilien? Dann war ich so begeistert, dass ich dachte: „Mensch! Ich könnte doch auch ein Restaurant aufmachen!“ Am Ende war ich bei: „Nie wieder werde ich kochen! Zum Essen ins Restaurant einladen tut’s doch auch!
Wen es interessiert: Die meisten Zutaten habe ich im Centro Italia in der Greifswalder Straße gekauft. Sehr nett da – v.a. die Frischetheke ist spitze.
Dieses Jahr fahren wir nicht ans Meer. Dieses Jahr fahren wir Richtung Osten. So weit in den Osten, dass der östlichste Punkt Deutschlands ganz in unserer Nähe ist.
Kind 3.0 ist seit Wochen aufgeregt. Sein bester Freund hat polnische Wurzeln und so will es unbedingt „auf“ Polen gehen. Mit dem Boot fahren wir die Neiße entlang und jeder Grenzpfahl muss fotografiert werden.
Weil wir nicht so recht wissen, wie wir das Boot festmachen sollen, können wir auf der polnischen Seite nicht halten und Kind 3.0 muss noch einige Tage warten bis wir abends in Görlitz sind.
Über eine Brücke laufen wir nach Zgorzelec und Kind 3.0 wird ganz beschwingt: „Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich ganz, ganz glücklich auf Polen zu sein. Ich muss das Bartosz unbedingt sagen.“
Während Kind 3.0 so glücklich ist, bin ich auch glücklich. Es ist ein lauer Sommerabend, die Neiße schlängelt sich durch die Altstadt, die Straßenlaternen sind mit Petunien geschmückt, die prächtig blühen, wir gehen in ein italienisches Restaurant gleich hinter der Grenze und ich freue mich, dass es Europa gibt.
Die Kinder waren noch nie außerhalb der Eurozone. Dass hier auf der Karte Preise in einer anderen Währung stehen, können sie nur schwer verstehen.
Wir haben eine Reihe alter Münzen zuhause. Die Kinder benutzen sie für ihren Kaufladen. Peseten, Lire, Franc… Bislang war ihnen gar nicht klar, aus welcher Zeit diese Münzen stammen und warum es sie nicht mehr gibt.
Es gibt viel zu erklären. Warum ist es gleich hinter der Grenze so viel billiger als nur wenige Meter in die andere Richtung? Ist das, was uns hier auf der Speisekarte günstig erscheint, wirklich günstig? Können hier auch polnische Familien essen gehen?
Warum gibt es Grenzen? Wieso wird an manchen kontrolliert und an anderen nicht?
Wie kommt es, dass in den Grenzregionen so viele Polen perfekt deutsch sprechen, die allermeisten Deutschen aber kaum polnisch?
Wir warten lange auf unser Essen, doch unsere Geduld wird belohnt. So gut italienisch wie in Zgorzelec habe ich lange schon nicht mehr gegessen. Ich komme mir vor wie die kleine Raupe Nimmersatt: Am Montag essen wir Vitello tonnato, am Dienstag Bruscetta, am Mittwoch Antipasti, am Donnerstag Pizza, am Freitag Saltimbocca alla romana, am Samstag Spaghetti aglio olio und am Sonntag Profiteroles und Tartufo.
Nur dass sich keiner in einen Schmetterling verwandelt. Wir werden einfach nur runder.
Die Kinder sind begeistert. Die beste Pizza ihres Lebens. Polen ist toll!
Wir sitzen draußen auf der Veranda und mit der Dämmerung kommen die Mücken und ein bisschen später ein paar große, schwarze Spinnen. Guten Appetit auch sie bekommen jetzt Abendbrot.
Auf der Rückfahrt fahren wir durch Dörfer, die zum größten Teil mit NPD Plakaten gepflastert sind. Ganz selten sieht man mal ein Plakat der SPD.
Ich frage mich, haben die anderen Parteien diese Landstriche schon aufgegeben oder warum hängen sie nicht auch ihre Wahlwerbung auf?
Die Kinder fragen: Was ist die NPD und was will sie?
Ich erkläre so gut ich kann. Und die SPD, was will die? Und Frau Merkel? Das ist doch die von der SPD? Nein, das ist die von der CDU. Und was will die CDU. Ich kann die Unterschiede nicht gut rausarbeiten.
Wie findest Du Frau Merkel? Willst Du, dass sie wieder Bundeskanzlerin wird.
„Männer können auch Bundeskanzlerin sein!“, weiß Kind 3.0. Gibt es überhaupt andere Kandidaten? Martin Schulz? Nie gehört.
Die Grünen? Gibt es die hier? In Berlin gibt es die doch, oder? Und die Linke? Wenn es eine Linke gibt, wieso gibt es dann keine Rechte? Was ist links, was ist rechts?
Was ist die Partei? Gibt es die hier auch?
Wir fahren durch ein Land ohne Internetverbindung. Alles, was ich erzähle, muss ich aus meinem Kopf erzählen. Nichts kann ich googeln. Wie anstrengend das ist. Wie wenig ich weiß.
Wieso gibt es noch ganze Landstriche ohne Internet?
Ich bin erschöpft. Ich weiß nur eines: ich wünsche meinen Kindern, dass sie auch in ihrer Zukunft einfach so über Grenzen laufen können und dass es Europa dann noch gibt. Als Länderverbund, als Währungsunion, als Nationalität.