Das geht an alle Muttis

Und für die Kinder auch noch einen Clip. Schaut euch den an und das sage ich jetzt zum aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-letzten Mal!

Pictoplasma 2016

Seit 2009 kenne ich das Pictoplasma-Festival. An Qualität hat die Ausstellung seitdem nicht verloren – lediglich am Punkt Besucherfreundlichkeit könnte gearbeitet werden.

Seit 2009 besuche ich regelmäßig das Pictoplasma Festival – genauer gesagt – den Ausstellungsteil des Festival. Neben den Ausstellungen gibt es zahlreiche Vorträge, Workshops, Partys und Screenings, die mir bislang leider entgangen sind.

Das Festival findet immer irgendwann im Mai statt und dieses Jahr parallel zur re-publica und blogfamilia, so dass ich nur das Wochenende Zeit hatte, mir die Orte anzuschauen, die ausstellen. („Orte“ übrigens, weil es manchmal nur Mauern sind, die man anschauen kann)

Die Selbstbeschreibung des Festivals lautet wie folgt:

The festival showcases latest trends in figurative character design, from fine to urban arts, illustration, animation and graphic design. Creators, producers and fans meet for an unconventional conference with cutting-edge artist presentations, curated screening programmes bring the latest animation eye-candy to the big screen, and a series of exhibitions and group-shows invite visitors to experience original works and outstanding character craftsmanship.

Die erste Ausstellung war noch im Haus der Kulturen der Welt, dann gab es ein Konzept, das sich Character Walk nannte und in der Praxis so aussah, dass es mehrere Routen nah zusammenliegender Galerien gab, die unterschiedliche KünstlerInnen ausstellten.

pictoplasma: Aafke Mertens, In Search for Metstli
Aafke Mertens, In Search for Metstli
2016 ist nicht besucherfreundlicher als 2009

In der Zwischenzeit ist der Character Walk allerdings so weit verstreut, dass es eher sowas wie Caracter Hiking – die drei Tages Tour geworden ist. Die meisten Werke sind derzeit in der Urban Spree Galerie zu sehen. Für alle anderen Sachen muss man laufen. Manchmal 10 min von einem Ort zum anderen, um dann drei Ausstellungsstücke zu sehen. Kann man machen und bei schönem Wetter kein Problem – so richtig besucherfreundlich ist es nicht (zumal man auch zwischen den Stadtbezirken wechseln muss – einige Galerien sind in Mitte, andere in Friedrichshain und ein Teil in Neukölln).

Irgendwie finde ich das schade.

Ich habe schon 2013 über die mangelnde Zugänglichkeit der Pictoplasma geschrieben:

Die Organisatoren solcher Festivals scheinen so – nennen wir es – betriebsblind zu sein, dass sie nicht mehr die Perspektive des (Kunst)Konsumenten einnehmen können und mit Worthülsen und so verwirrend die einzelnen Projekte beschreiben, dass man (zumindest ich) absolut nichts mehr versteht. Ich klicke mich durch die Webseiten und bin froh, wenn ich rausfinde, zu welcher Zeit die Ausstellung überhaupt stattfindet. Der Rest – böhmische Dörfer.

Ohne die entsprechenden Bilder, die Werke der Künstler zeigen, käme ich nie auf die Idee mir das Ganze anzuschauen.

pictoplasma: Jan de Coster, Robots on the Brink of Consciousness
Jan de Coster, Robots on the Brink of Consciousness

Vielleicht will das Festival aber gar nicht zugänglicher sein. Vielleicht geht dann auch der Zauber verloren? Ich weiß es nicht…

Um alles zu sehen, muss man einmal quer durch die Stadt

Ich habe mir für jeden Stadtteilwalk eine Google Karte angelegt (unten eingeblendet der Mitte-Walk).  Aufwändig und leider fällt mir wie jedes Jahr zu spät ein, rechtzeitig darüber zu bloggen und die Karte öffentlich zu machen, so dass andere sich die Arbeit nicht machen müssen. Für 2017 stelle ich mir einen Reminder.

Warum die Organisiatoren nicht die selbe Idee haben, ist mir rätselhaft. Das Festival ist sehr mediennah und eine App würde perfekt in das Format passen. (Vermutlich verpassen sie das Jahr für Jahr wie ich).

pictoplasma: Astrid Sattler, Stoned Olives
Astrid Sattler, Stoned Olives
Los geht’s! Heute ist die letzte Gelegenheit…

Dieses Jahr stellen die KünstlerInnen an insgesamt 14 Orten aus. Heute ist leider schon der letzte Tag, um die Arbeiten der insgesamt 23 KünstlerInnen zu sehen. Gute Startpunkte sind die Villa Elisabeth
in der Invalidenstr. 3, 10115 Berlin oder das Urban Spree, Revaler Str. 99
10245 Berlin. Dort (und an allen anderen Orten auch) liegen Flyer aus, die Auskunft über alle Orte und KünstlerInnen geben. Die Flyer enthalten auch kleine Karten, mit denen man sich orientieren kann.

Der Besuch der Pictoplasma ist übrigens kostenlos.

pictoplasma: Wilfried Wood, Queen
Wilfried Wood, Queen

SEO für BloggerInnen

Am Wochenende habe ich mal wieder einen Vortrag zu SEO für BloggerInnen gehört und irgendwie habe ich eine natürliche Abneigung gegen das Thema SEO in Blogs. Warum, das versuche ich im Folgenden zu beschreiben.

Dreh- und Angelpunkt aller Vorträge, die ich bislang gehört habe, sind Bemühungen aller Art das Blog für Google zugänglicher zu machen. Dabei ist die Idee, dass man den Google-Algorithmus irgendwie erschließt und dann die einzelnen Faktoren zu seinen Gunsten beeinflusst. Ziel ist mehr Traffic auf der Seite.

Für mich ist da ein Denkfehler drin. Denn statt sich nach der (Such)Maschine zu richten, sollte man sich nach den Menschen richten. Eigentlich ist es sogar tautologisch. Denn die Google-Macher versuchen ja mit Google Menschen und ihr Suchverhalten nachzuahmen.

Für Google zu optimieren heisst dann irgendwie für eine Maschine zu optimieren, die versucht Menschen (oder besser ihr Suchverhalten) nachzuahmen. Da kann man sich als Mensch doch gleich versuchen in die Menschen reinzudenken, oder?

Meine Beobachtungen während der Vorträge ähneln sich sehr. Vorne steht jemand, der zunächst ein bisschen über die Mächtigkeit von Google referiert (beunruhigte Gesichter) und dann eine Auswahl an technischen Fakten präsentiert (verunsicherte Gesichter), um dann schließlich zu berichten, was man alles tun kann, um Google entgegenzukommen bzw. zu seinen Gunsten zu beeinflussen (hektisches Mitschreiben, flankiert von leichtem Panikgesicht).

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Die Tipps sind unterschiedlich gut. Ich habe am Wochenende z.B. gehört, man solle Blogeinträge, die kaum Besucher haben löschen und dann ein Plugin benutzen, das die Leute, die über die bereits indizierten Links sonst auf eine 404 Seite kommen, umleitet. Diesen Tipp halte ich für ausgemachten Blödsinn.

Dann gibt es Tipps wie: benutzt Bilder, schreibt übersichtliche Artikel, verwendet dafür Absätze und Zwischenüberschriften.

Solche Tipps halte ich für sinnvoll. Warum? Weil sie gut für Menschen sind (und damit zufällig auch für die Maschine Google, die ja die suchenden Menschen nachahmen soll).

Binsenweisheit mag man jetzt sagen – aber auch wenn man weiß, dass Absätze Texte leserlicher und Bilder Texte anschaulicher machen – nicht jede/r setzt dieses Wissen um (ich z.B. weil ich zu faul bin, die passenden Bilder zu suchen).

Ganz banal heisst Texte optimieren also Texte gut lesbar machen. Mehr nicht. Man braucht meiner Auffassung nach keine Keyword-Generator, die einem zum Text noch schöne andere Worte anbieten, die man dann fleißig einbaut. So etwas verunstaltet Blogtexte. Was anderes mag es sein, wenn man einen Shop hat. Dann bietet man aber konkrete Produkte an, auf die man konkret optimieren kann. Wer Buntstifte sucht, sucht bestimmt auch rot, grün, blau oder Spitzer etc.

Texte macht man durch ekeliges Keyword-Stuffing kaputt.

Die andere Frage ist: wenn man es wirklich schafft, durch SEO Menschen auf die Seite zu locken: was sind das für Menschen und was passiert mit denen?

Ich habe da sofort das Bild von diesen Restaurants in touristischen Gegenden im Kopf, vor denen „Anlocker“ stehen, die weil sie JEDEN Passanten ansprechen, am Ende wirklich erreichen, dass das Restaurant gefüllt ist.

Die eigentliche Frage aber ist: Ist das Essen gut? Fühlen sich die Menschen dort wohl und würden sie wiederkommen?

Und ich behaupte, die Antworten lauteten nein, nein und nein.

Was man als Restaurantbesitzerin doch eigentlich möchte, sind nicht irgendwelche Touris, die man dann nie wieder sieht, sondern eine glückliche Stammkundschaft, oder? Menschen, die gerne wieder kommen. Die vielleicht sogar andere mitbringen und die ihren FreundInnen von meinem Restaurant erzählen.

Deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass man die ganzen tollen SEO Tipps einfach vergessen kann.

Mein erster Tipp wäre: „Dance Write like nobody’s watching

(Ich glaube, der Tipp ist ursprünglich von Anke Gröner [sie hat es im Header stehen). Felix Schwenzel schreibt in dem Zusammenhang sehr schön über Randall Munroe, der sich offenbar auch keinerlei Gedanken um Optimierung macht und trotzdem höchst amüsant ist und zahlreiche Fans hat.)

Einfach schreiben, was man schreiben will. Fertig. Aus Selbstzweck. Um Erinnerungen festzuhalten, um Erfahrungen zu teilen, um Spaß zu haben. Ich habe vor 12 Jahren exakt so angefangen.

Mein zweiter Tipp: „Qualität vor Quantität

Meistens hat man ja ein (Anfangs)Thema. Man schreibt übers Kochen, übers Reisen, über Kinder, über Politik, über Autos. Und dafür gibt es bestimmt Interessenten. Andere Menschen, die sich fürs Kochen, fürs Reisen, für Kinder, für Politik oder für Autos interessieren.

Das sind dann die Leute, die man im Blog haben möchte und nicht die, die sich für Astronomie, für Lettering oder für Hasen interessieren. Es geht also nicht um viele LeserInnen sondern um die richtigen LeserInnen.

Wie man an die kommt, ist beim Bloggen viel einfacher als bei Shopbesuchern. Man liest dann nämlich einfach artverwandte Blogs, teilt gute Beiträge zum Thema, kommentiert und baut sich in den Sozialen Medien kleine Themeninseln. Ganz vereinfacht gesagt, geht es ums Vernetzen.

Und wenn man doch unbedingt viele LeserInnen und nicht nur bestimmte LeserInnen haben möchte, dann wäre mein dritter Tipp: „Meinung haben

Beiträge, in denen klar Stellung bezogen wird, ziehen Menschen an und zwar von beiden Seiten. Diejenigen, die diese Meinung teilen und diejenigen, die eine völlig andere Meinung haben.

(Das muss man aber auch aushalten können. Ich konnte das am Anfang meiner Blogzeit gar nicht und ich habe mich deswegen jahrelang bemüht so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Erst als ich meine feste Community hatte, habe ich angefangen mich klar zu Themen positionieren.)

Wenn man erstmal soweit ist, dass man sich traut Meinung zu haben, kann man über Wege der eigenen Sichtbarkeit nachdenken. Jess von Alabaster Maedchen nannte das im Zusammenhang mit dem Thema Monetarisierung von Blogs „Indirekte Erlösquellen“.

Zu diesen Maßnahmen gehört es, für andere Magazine zu schreiben, Vorträge zu halten oder z.B. an Diskussionspanels teilzunehmen. (Ich ergänze die Punkte, wenn die Folien online sind, ich hab nicht alles mitgeschrieben). Vielleicht wird man zu Beginn nicht gefragt – man kann sich aber auch einfach anbieten. Der Tipp lautet deswegen „Sichtbarkeit erhöhen

Mein letzter Tipp ist eine weitere Binsenweisheit: „Geduld haben

Ihr wollt kein Touristenrestaurant, das nach 3 Monaten wieder schließt, oder? Ihr wollt ein schönes, lauschiges Restaurant mit Stammkundschaft, gutem Service, zufriedenen MitarbeiterInnen und 1A Essen.

Sowas startet man nicht einfach so. Dafür braucht es Geduld. Man fängt mit einer Idee an und lernt dazu. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr und irgendwann klappt es.

Zusammenfassend also:

  • Technische Barrieren aus dem Weg räumen (da steht schon ein Häkchen, bei allen, die ein gängiges Content-Management-System wie WordPress mit einem Standard Template verwenden)
  • Texte so schreiben, dass sie gut lesbar sind (Selbsterklärende Überschriften, Bilder, Absätze, Zwischenüberschriften, Zusammenfassungen)
  • Write like nobody’s watching
  • Qualität vor Quantität
  • Meinung haben
  • Sichtbar sein
  • Geduld haben

und

  • alle SEO Tipps ignorieren

Deine Mudda

Mutti-Blogs
Hab lange überlegt, was der passende ironische Titel für mich ist

Als Vorbereitung zum Panel „Netz-PublizistInnen im Gespräch“ (Dienstag, Stage 2, 18.45 Uhr), habe ich mich nochmal mit dem Thema Mutti-Blogs auseinander gesetzt.

Der Bogen ist folgender. Letzten August ist mein Buch „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“ auf den Markt gekommen und das Buch ist ein Best-of-Auszug meines Blogs. Ich hab nicht genau nachgezählt, aber ich schätze, dass ungefähr 60 Geschichten aus meinem Blog ihren Weg in das Buch gefunden haben.

Mein Blog gibt es allerdings seit 12 Jahren und in dieser Zeit habe ich insgesamt weit über 2.200 Blogartikel verfasst.

Ich weiß nicht genau seit wann das so ist – aber seit ein bis zwei Jahren werde ich gerne in die Kategorie der Eltern-Blogs gepackt. Korrekter wäre zu sagen: In die Kategorie der Mama-Blogs. Am Anfang war ich darüber etwas empört.  Ich selbst sehe mein Blog nicht als Mama-Blog. Am passendsten finde ich nach wie vor Felix Schwenzels  geflügelte Formulierung: „Mein Blog ist mein Verdauungsorgan.“

Weniger unappetitlich, kann ich vielleicht sagen: mein Blog begleitet mich als Denk- und Erinnerungshilfe. Was mich beschäftigt, was ich erlebe, verblogge ich. Sehr oft versuche ich meine Erlebnisse und Empfindungen so zu abstrahieren, dass ich daraus eine Geschichte spinnen kann, die auch für andere Menschen Identifikationspotenzial hat. Ich möchte dabei unterhalten und meine Erlebnisse so teilen, dass andere mir sagen können: „Das ist bei uns ganz genauso“ oder „Ich kenne die Situation, aber wir lösen das so und so.“

Ich möchte gerade im Eltern-Kind-Thema die Lücke zwischen polierter Werbewelt, Hochglanzratgabermagazin („So erhalten sie in nur 4 Wochen ihren Prä-Baby-Body zurück!“) und unrealistischen eitel Sonnenschein-Kinofamilienwelt mit echtem Eltern-Kind-Alltag schließen.

Elternsein ist nicht immer leicht. Wir werden Eltern ohne dafür ausgebildet zu werden. Wir werden einfach ins kalte Wasser geworfen und dann soll es bitte funktionieren. Dabei stehen wir unter gesellschaftlicher Beobachtung und offenbar ist jede/r andere Experte in diesem Thema und es wird gerne bewertet.

Über meinen Alltag zu schreiben und über den Alltag anderer Eltern zu lesen, hilft mir sehr. Es erdet mich, versöhnt mich und zeigt mir Alternativen. Außerdem gibt es mir die Möglichkeit in alle Lebensrealitäten zu schauen. Ich lebe mit meinen beiden Kindern alleine in einem Haushalt. Wie ist es, wenn man eine typische Vater-Mutter-Kind(er) Familie ist. Wie ist es wenn man Alleinerziehende ist (im Sinne von da kümmert sich kein weiterer Elternteil)? Wie ist es in Einzelkind-Familien? In kinderreichen Familien? In Regenbogen-Familien? In Familien, wo die Kinder halb beim Vater, halb bei der Mutter leben? In Familien, in denen die Kinder im Schwerpunkt beim Vater leben? In Familien mit behinderten Kindern oder Eltern?

Eltern-Blogs bereichern mein Leben ungemein.

Und ich schätze tatsächlich den Austausch, den mein Blog mir mit anderen Eltern ermöglicht, sehr.

Wegen dieses Interaktionsfaktors, war es für mich gar nicht so einfach ein Buch zu schreiben. Ich habe zum Beispiel mehr als zehn Geschichten extra für das Buch geschrieben, dabei aber jedes Gefühl verloren, ob die Geschichten unterhaltsam und lustig sind oder nicht. Ob sie einen Nerv treffen oder ob sie überhaupt für andere relevant sind. Am Ende habe ich die Geschichten dann doch einfach veröffentlicht (Mama Leaks z.B. gehört dazu) und konnte so über Kommentare, Seitenzugriffe und Likes sehen, ob die Geschichten Unterhaltsungswert haben und bei anderen ebenfalls Thema sind oder nicht.

Im Blog schreibe ich natürlich auch über Mama-Themen, denn mein Mamasein und meine Kinder nehmen einen nicht unwesentlichen Teil meines Lebens ein – aber ich schreibe eben nicht nur darüber.

Wenn also Gespräche anfangen mit „Du als Mama-Blog…“ habe ich erstmal widersprochen.

Irgendwann ist mir aber aufgegangen, dass es gar nicht um das Thema mangelnde Themenvielfalt geht, sondern dass ich mich durch die Bezeichnung Mama-Blog degradiert fühle.

„Nur ein Mama-Blog“ wollte ich nicht sein. Mamas sind ja die Bastel-, Näh- und Dekoblogs!?

U.a. durch die Bemühungen von Berlinmittemom und Alu von Großeköpfe war es mir möglich diesen Knoten in meinem Kopf zu lösen – denn was soll das? Ich bin Mutter, ich schreibe über Mutterthemen und dann fühle ich mich fast schon beleidigt, wenn andere sagen, ich sei ein Mutter-Blog?

Was läuft da falsch im Kopf?

Dazu fiel mir dann wiederum der Artikel von Antje SChrupp zu den rosa Ü-Eiern ein, den ich sehr erhellend fand.

Es ist für Mädchen kein Problem, auch mal blaue Trekkingsandalen anzuziehen oder mit Feuerwehrautos zu spielen, […] ohne ihre Weiblichkeit dadurch aufs Spiel zu setzen.

Jungen hingegen können das nicht. Und zwar deshalb nicht, weil es unter Männern noch keine Kultur dafür gibt, wie sie ihre Männlichkeit behalten können, ohne sich von allem als „weiblich“ Identifizierten abgrenzen zu müssen.

Demzugrunde liegt ja die Vorstellung, dass das Gute – Wertige männlich ist und das Minderwertige – Zweitklassige weiblich ist.

Wenn ich selbst mein Blog also als wertig und vielfältig sehe und jemand zu mir sagt: Du bist ein Mama-Blog, dann fühle ich mich reduziert auf all die Vorurteile, die mir im Thema „Mama-Sachen“ begegnen können.

Gesellschaftlich erfahren viele Themen rund ums Hausfrauensein, um die Mutterschaft, um die Care-Arbeit tendenziell wenig Wertschätzung.

Und damit mache ich mich selbst klein, weil ich auf diesen (Vorurteils)-Zug aufspringe und ihm durch meine Widerrede sogar dazu verhelfe Fahrt aufzunehmen.

Das ist ganz schön dumm, denn ich möchte nämlich, dass das Muttersein, dass das Frauensein und alles was daran hängt, aufgewertet wird und gesellschaftliche Anerkennung findet.

Also habe ich aufgehört zu widersprechen und mich eingereiht in die gute Gesellschaft der Frauen, die sogar gleich ein „Mama“ im Blognamen haben.

Zum Beispiel:

Denn wir sind alle im selben Team. Wir versuchen durch das Teilen unserer Alltagserfahrungen Themen Aufmerksamkeit zu verhelfen, die natürlich eine gesellschaftliche Relevanz haben.

Wenn ich über (m)eine Schwangerschaft und die Geburt meiner Kinder blogge, dann komme ich nicht am Thema Hebammen vorbei. Wenn ich über Hebammen blogge, dann wird schnell klar, dass es hier dringend Handlungsbedarf gibt, weil die utopischen Versicherungsprämien das Hebammentum aussterben lassen und mir am Ende nur noch eine Fließbandgeburt im Krankenhaus bleibt.

Wenn ich über (m)ein Kind im Kindergartenalter schreibe, dann berühre ich automatisch das Thema Erziehungspersonal. Mir fällt auf, dass es einen Mangel an männlichen Rollenvorbildern im Care-Bereich gibt und dass der Job generell viel zu schlecht bezahlt ist.

Wenn ich über (m)ein Kind im Schulalter schreibe, dann stolpere ich zwangsläufig über die Steine des Bildungssystems (sog. nullte Stunde, Hausaufgaben, Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal etc).

Die Liste lässt sich unendlich erweitern: Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Altersarmutsrisiko von Teilzeitarbeitenden und Alleinerziehende, die Zwänge von Rollenklischees, in die Kinder gezwängt werden, Medienkompetenz, Gleichberechtigung von Mann und Frau…

All das sind gesellschaftlich und politisch höchst relevante Themen und deswegen sollte das Label „Mama“ wirklich kein Problem sein. Also reiße ich mich jetzt zusammen und lächle wenn ein Interview beginnt mit „Du als Mama-Blog…“ und beantworte einfach die Fragen.


Nachträgliche Ergänzung – mein Gespräch zum Thema Eltern-Blogs mit Philip Banse auf der #rpTEN

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Verbote sofort verbieten

Er lungert schon lange in meinem Kopf: der Artikel zum Thema warum mir Kinderverbote nicht gefallen.

Stichwort Kleinkindabteile der Bahn

Meiner schlampigen Recherche zufolge (4 Minuten) hat ein ICE durchschnittlich 750 Sitzplätze. Diese sind aufgeteilt in 1/3 Ruhezonen, 1/3 Handyzonen und 1/3 nicht weiter bezeichnete Bereiche.

Es gibt außerdem Kleinkindabteile. Ich meine, ich habe noch nie mehr als zwei Stück pro Zug gesehen. Liege ich falsch? Werte Leserschaft, korrigieren sie mich. Pro Kleinkindabteil dann 6 (?) Plätze. Macht 12 Plätze (auf 750 ingesamt), die extra kleinkindfreundlich sind.

Gar keine Zahlen habe ich über den Anteil der Familien, die Zug fahren in Relation zu Menschen, die ohne Kinder Zug fahren.

Aber weil ich hier ohnehin nur behaupte: behaupte ich, es sind mehr als 12.

Müsste ich jetzt nicht 2/3 von 750 rechnen? Immerhin können die Familien doch in allen Zonen ausser den Ruhezonen Platz nehmen, oder?

Theoretisch ja. Praktisch habe ich die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit Kindern ganz generell immer unerwünschter werden. Kinder bewegen sich nämlich, sie reden, sie lachen und manchmal weinen sie oder quengeln.

Mit Kindern in (irgendein) Zugabteil kommen, bedeutet oft auch genervte Blicke empfangen: „Oh no! Es war doch so schön (ruhig) hier. Jetzt kommt diese Frau mit ihren Kindern. Orrrr!“ und „Es gibt doch diese Kinderabteile! Wieso gehen die denn nicht ins Kinderabteil!?“

Die Antwort lautet: a) es gibt keine Kinderabteile und b) es gibt nur Kleinkindabteile und da sind die Plätze so rar, dass man sie als Paar an zwei Händen abzählen kann.

Ich glaube, die bloße Existenz dieser Abteile macht es Familien schwer. Wenn es schon extra Kinderbereiche gibt, dann soll man doch bitte auch dahin. Und bloß nicht sowas seltsames tun wie ein Baby stillen! Das macht man nun wirklich in diesem Extraabteil! Für was gibts die denn sonst!

Im Kopf höre ich schon die Stimmen, der begeisterten Kleinkindabteil-NutzerInnen. Nur positive Erfahrungen haben die gemacht! Also WIR nutzen diese Abteile sehr gerne. TOTAL entspannend ist das. Was kann man denn gegen diese Abteile haben?

Was ich gegen diese Abteile habe

Ich habe gegen diese Abteile, dass ihre bloße Existenz kinderunfreundlichen Menschen das Gefühl gibt, dass man (ich mit den Kindern) nicht normaler Teil der Gesellschaft ist. Wir gehören ins Séparée. Wir sind eine Zumutung, eine Belästigung für die anderen Reisenden.

Ich glaube nicht daran, dass separierte Bereiche Kinder- und Familienfreundlichkeit steigern. Im Gegenteil.

Da kann die Bahn gerne auch (seit Dezember 2015) Familienbereiche einführen. Pro ICE bis zu (!!1!) 24 Plätze für Familien, die durch Trennwände vom Restabteil abgetrennt sind.

Der Sitzbereich für Familien unterscheidet sich nicht von einem regulären Großraumwagen oder 6er-Abteil. Es handelt sich lediglich um gekennzeichnete Teilbereiche, in denen Reisende mit Kindern bevorzugt sitzen dürfen und ganz entspannt in Gesellschaft anderer Familien reisen können.

 

Das hilft rein gar nicht. Das ist eine Ausrede. Wenn es irgendwie hilfreich sein sollte und man wirklich an reisende Familien denken würde, dann wären 2/3 aller Plätze Familienbereiche und man bemühte sich um echte Maßnahmen, die die kinderfreundlichkeit verbesserten.

Was aber wäre denn familienfreundlich?

Mehr Hörspiele (die gabs mal – wo sind sie hin?), mehr Tische (damit die Kinder malen und spielen können), kleine Spielstationen (wie in diesen gelbblauen Möbelhäusern), Wickeltische in den großen Toiletten, die es viel zahlreicher geben sollte, fröhliche ZugbegleiterInnen, die wieder Kinderfahrkarten dabei haben (die letzten 6 Bahnfahrten immer gehört „die sind gerade aus“), von mir aus auch wieder Screens, die Filme zeigen an den Rückseiten der Sitze (gabs auch mal – warum wurden die abgeschafft). Also das nur so als schnelle Ideen.

Was würde das bewirken?

Integrierte Familien auf Bahnfahrten. Menschen, die ohne Kinder reisen, könnten sich wieder an die selbstverständliche Anwesenheit von Kindern gewöhnen. Sie könnten aushalten lernen, dass Kinder auch Teil unserer Gesellschaft sind und trotz aller Erziehungsbemühungen mal geräuschvoll sein können.

Ich glaube wirklich: Trennung verstärkt Intoleranz, begünstigt Empfindlichkeit und befeuert die Befremdlichkeit, die manche gegenüber Kindern empfinden.

Den selben Artikel könnte ich jetzt in grün über Eltern-Kind-Cafés schreiben. Die halte ich nämlich auch für falsch. Sie geben den anderen Cafés eine schöne Ausrede gar nichts für Familien und Kinder zu tun. Dafür gibts ja diese Eltern-Kind-Cafés. Warum Stifte und Malvorlagen bereit stellen? Warum das Kinderessen schnell und unkompliziert zuerst servieren? Warum überhaupt irgendwas für Kinder tun? Wenn man keinen Platz in normalen Cafés für Kinderwagen schafft und stattdessen lieber Poller in den Eingangsbereich stellt, hat man vielleicht noch Platz für drei weitere Tische und zwölf Stühle und kann mehr Geld verdienen.

Umgekehrt halte ich auch nichts von kinderfreien Flügen und kinderfreien Hotels. Ich halte nichts von Verboten. Verbote gehören verboten!

Ja, soll es denn nirgendwo Ruheplätze geben?

Doch, doch. Ich finde Ruheplätze super. Ich finde nur nicht dass dafür Kinder verboten werden müssen. Ich glaube an gegenseitige Rücksichtnahme.


P.S. Die Bahn weist explizit darauf hin, dass man nicht zwangsweise diese Plätze buchen muss. Sie legt es nur nahe, dass man sich dort sicherlich sehr wohl fühlt, denn

Umfrageergebnisse zeigen, dass jeder Fahrgast am liebsten neben sich selbst sitzt, also neben jemandem mit den gleichen Ansprüchen an die Reisezeitgestaltung

Familien fühlen sich nämlich neben Familien am wohlsten, so die Umfrage.

Also ich persönlich habe rein gar nichts gegen Nicht-Familien. Ich könnte auch mit Menschen reisen, die keine Kinder (dabei) haben. Da bin ich sehr tolerant. Ich habe nichts gegen telefonierende, sprechende, essende, musikhörende, serienschauende Menschen. Ehrlich.

rpTEN

Felix und Sven, die alten Streber, haben es getan: Das Programm der re-pubica 2016 schon vor Beginn angeschaut und sich interessante Sessions rausgesucht. Wenn ich das nicht auch mache, verliere ich in „Der Weisheit“ natürlich meine Street Credibility…

Die re-publica wird von Jahr zu Jahr größer (gefühlt) und dabei unübersichtlicher (für mich) und deswegen schätze ich es tatsächlich sehr, wenn andere sich vorher schon das Programm anschauen und Schwerpunkte setzen. Ich hatte das die letzten Jahre schon aufgegeben. Ich glaube, letztes Jahr, war es sogar so weit, dass ich den Großteil der Vorträge die folgenden zwei Wochen auf YouTube nachgeschaut hatte und ansonsten hauptsächlich im Hof und im Kinderbereich rumlungerte, um mit Menschen zu reden.

Ich bin dieses Jahr auch mit den Kindern unterwegs. Letztes Jahr gab es das erste Mal sowas wie einen Kinderbereich und für den Vortrag von Alexander Gerst hat die Patentante extra Kind 2.0 von der Schule abgeholt. Es hat sich gelohnt. Für mich war der Vortrag von Gerst ein Highlight, ich folge seitdem sämtlichen AstronautInnen auf der ISS und habe dadurch sehr viel gelernt. Kind 2.0 hatte zusammen mit anderen Kindern im Nachgang die Gelegenheit mit Alexander Gerst zu sprechen. Die Konversation werde ich nie vergessen.
Gerst: Was denkt ihr denn, was man gut können muss, wenn man Astronautin werden möchte?
Kind 2.0: Also auf jeden Fall muss man nicht ständig Zimmer aufräumen
Gerst: Oh, doch! Aufräumen ist sehr wichtig in der Schwerelosigkeit. Man hat von vielen Sachen nur ein Ding in der Raumstation dabei und wenn man diese Sache verlegt, dann hat man ein Problem, weil man sie nicht mehr nutzen kann. Außerdem stell‘ dir mal vor, wie die Sachen alle rumfliegen in der Schwerelosigkeit. Das kann sogar gefährlich sein.
Kind 2.0: …
Gerst: Außerdem ist es auch hilfreich in Mathematik gut zu sein.
Kind 2.0: Jo. Mathe ist ja leicht. Da bin ich schon sehr gut. Muss ich nur noch aufräumen lernen…
Gerst: Wirst du denn Astronautin?
Kind 2.0: Mal sehen, da bin ich mir noch nicht sicher. Erstmal was ordentliches lernen.

Kind 2.0 hat Recht behalten. Mathe absolut kein Problem – Aufräumen üben wie derzeit noch.

Ich hoffe jedenfalls, es gibt wieder einen Kinderbereich und den ein oder anderen Programmpunkt, zu dem man die Kinder mitnehmen kann.

Hier meine eigene Programmauswahl mit der Bitte mir eure Geheimtipps mitzuteilen. Ich orientiere mich hauptsächlich an Menschen, die ich schon kenne und höre mir deren Vorträge an. Dass Felix Schwenzel dieses Jahr keinen Vortrag hält, finde ich zum Beispiel hochbedauerlich.

Montag

12.15 – 12.45 Uhr Marcus Richter: What’s in a game, media convention
Eine Einführung in die Welt des Computerspiels für Nichtspieler.
Ich glaube, das könnte für viele Eltern ein interessanter Vortrag sein. Die Vorurteile gegen diese Art Freizeitbeschäftigung sind groß und die meisten wissen überhaupt gar nicht, was Computerspiele so reizvoll macht. Spoiler: Es ist alles viel vielfältiger als man glaubt.

Marcus macht übrigens zwei (im weitesten Sinne) Gamepodcasts: Angespielt und Casually Cast. Hört da mal rein.

14.00 – 14.30 Uhr Christiane Weihe: Mehr Frauen auf die Bühnen!, Stage 1
Keine Frau gefunden? Diese Ausrede zählt nicht mehr! Speakerinnen.org erhöht die Auffindbarkeit von Expertinnen zu vielfältigen Themen.
(Eigentlich eher ein Track für die armen VeranstaltungsorganisatorInnen, die zu diversen Themen immer wieder keine Frauen finden… Spannend finde ich die Projektvorstellung dennoch)

Parallel auf Stage 2 der Vortrag „Fliegende Computer und ihre tollkühnen Piloten“ von Moritz Metz, der mir vor 2 Jahren sehr positiv durch den Vortrag „Wo das Internet lebt“ aufgefallen ist.

19.45 – 20.45 Uhr Sascha Lobo: The Age of Trotzdem, Stage 1
Schaue ich mir von Zuhause an, um 20 Uhr bringe ich die Kinder ins Bett. Sie müssen am nächsten Tag ja leider um 8 in der Schule sein.

Dienstag

10.00 – 11.00 Uhr Thomas Schwenke & Ramak Molawi: Schleichwerbung – alles ist erlaubt, oder?, Stage T
Thomas Schwenke und Marcus Richter machen zusammen den sehr hörenswerten Podcast „Rechtsbelehrung„. Schwenke hält das Mikrofon wie ein MC, ist sehr unterhaltsam und sieht gut aus sehr kompetent.

Mich regen BloggerInnen, die ihre Kooperationen und die Werbung nicht ordentlich kennzeichnen ja auf. Sie verkacken nämlich die Glaubwürdigkeit und Seriosität der MitbloggerInnen. Also – heißer Tipp: Hört euch doch mal die Rechtslage zum Thema Werbung in Blogs an.

12.30 – 13.00 Uhr Friedemann Karig: Die pubertäre Gesellschaft und das Netz, Stage 2
Kurzthese des Vortrags: Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft so grundlegend wie die Pubertät einen Menschen. Wachstumsschmerzen sind völlig normal. Aber was kommt danach?

13.00 – 13.30 Uhr Anne Wizorek & Kübra Gümüsay: Organisierte Liebe, Stage 2
Der Vortrag soll Anstoß geben das Positive im Netz zu zelebrieren. Kommentarspalten fluten und: Danke sagen! Wir müssen Liebe organisieren. <3

13.45 – 14.45 Uhr Caspar Clemens Mierau: Cyber-Stalking. Was ist das? Was kann man dagegen tun?, Stage J

15.00 – 16.00 Uhr Kixka Nebraska: Endlich Snapchat kapieren, media convention

18.45 – 19.45 Uhr Philip Banse: Netz-PublizistInnen im Gespräch, Stage 2
Philip Banse spricht mit 4 Netz-Publizisten (m/w), die im zurückliegenden Jahr Bemerkenswertes veröffentlicht haben. Ich glaube, das ist u.a. Schleichwerbung für mich und mein Buch. Nikolas Semak wird ebenfalls auf der Bühne sein und eine weitere Frau, soviel ich weiß.

20.00 – 21.00 Uhr Randall Munroe: What if you had a thing explainer, Stage 1
Randall Munroe! (Mehr muss ich nicht sagen).

Mittwoch

10.00 – 11.00 Uhr Laurie Penny: Change the story, change the world, Stage 1
Narrative sind wichtig. Sie können die Wahrnehmung komplett verändern. Wie können wir durch die Schaffung der „richtigen“ Narrative die Welt zum Besseren ändern?

16.15 – 17.15 Uhr Journelle: Das Internet hat mich dick gemacht, Stage 5
Mich hat das Internet auch dick(er) gemacht, dafür bin ich aber glücklich. Ein Vortrag, der auch was mit Selbstliebe zu tun hat und eigentlich auf Stage 2 sollte. Aber gut…
Über weitere Tipps freue ich mich! V.a. wenn es um Feminismus geht.

Jesus möchte, dass du dich liebst (und die anderen auch!)

Am Wochenende hatte ich im Zug die Gelegenheit endlich mal wieder einige Scobel-Sendungen anzuschauen. Ich bin, seit ich denken kann, großer Scobel-Fan. Meine ganze Uni-Zeit, habe ich damit verbracht Kulturzeit zu schauen und jedes Buch zu kaufen und zu lesen, das Scobel irgendwo im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorgestellt und gelobt hat. Ich war immer ein wenig empört, dass er mit Susanne Fröhlich (damals) und nicht mit mir zusammen war.

Na gut, ich hab auch die erste Staffel Big Brother und alle Talkshows, die damals so liefen, geschaut – aber Scobel, den hab ich wirklich sehr verehrt.

Bei Bärbel Schäfer fiel mal der für mich unvergessene Satz zum Thema Partnerwahl: „Der Mann, der wo mich lieben tut, müsste sauber sein und klug.“ Das trifft auch meinen Männergeschmack sehr. Kluge Männer finde ich überaus sexy. Kluge Männer, die gleichzeitig lustig sind – sexier geht’s quasi kaum.

Jedenfalls, durch die Kinder bin ich kaum noch zum Fernsehen gekommen und wenn ich schaue, dann ganz bestimmt nicht „live“, wenn etwas ausgestrahlt wird und so bin ich dann zu den Streaming-Diensten gekommen – denn aus irgendwelchen Gründen, steuere ich die Mediathek nicht so selbstverständlich an, wie einen Streaming-Dienst.

Zumal die Mediatheken mit ihrem Depublikationszwang und anderen Marotten echt nerven. Die 3. Staffel der Brücke beispielsweise kann man nur nach 22 Uhr anschauen.

Seit ich aber die MediathekView benutze und den Scobel-Newsletter abonniert habe, lade ich mir interessant klingende Sendungen runter und schaue sie tatsächlich an. Sehr zum Wohle meines Gehirns, wie mir scheint.

Die Scobel-Sendungen gehören dazu und da speziell neulich „Die Lust der Frau„. Ich hatte erst versucht die Sendung im Zug zu schauen, aber da es um Sex geht, brauchte es anscheinend softporneske Einspieler und meine Sitznachbarin schaute immer ganz pikiert. Also habe ich das Bild in den Hintergrund verschwinden lassen und die Sendung als Podcast gehört, was man wirklich sehr gut machen kann.

Geladen waren Ann-Marlene Henning (Paar- und Sexualtherapeutin), Susanne Schröter (Ethnologin) und Ulrich Clement (Paar- und Sexualtherapeut), denen ich gerne viel länger als die 60 Sendungsminuten gelauscht hätte.

Jedenfalls beim Hören fiel mir wieder ein seltsamer Umstand auf. Es fiel immer wieder die Bemerkung, dass der beste Lustgarant sei, dass man sich selbst akzeptiert und kennt. Das klingt ziemlich banal, aber es scheint da ein riesiges Problem zu geben – v.a. bei Mädchen und Frauen. Irgendwie ist es sehr unschick sich selbst zu lieben und sich toll zu finden.
Es gibt immerhin eine ganze Industrie, die sich darauf spezialisiert hat, mir zu sagen, was ich kaufen und auf mich schmieren könnte, um schöner zu sein und die mich kontinuierlich darauf hinweist, welche Fehler ich habe, von denen ich womöglich noch nicht mal wusste (FRIZZ! zum Beispiel).

Ein geflügeltes Wort bei mir zuhause war z.B. auch immer „Machst du dich schön, damit wir mal ein Foto machen können?“
Ich habe nie verstanden, warum ich nicht ausreichend schön für ein spontanes Foto bin und warum ich mich für alle möglichen Anlässe erst schön machen musste – was ab einem gewissen Alter tatsächlich hieß: etwas „besonderes“ anziehen, Haare irgendwie stylen, schminken.

(Tatsächlich schminke ich mich gerne und ich mag auch Nagellack und Kleider – es widerstrebt mir nur, dass ich ohne diesen Schmuck nicht ausreichend [schön] bin)

Besonders exzessiv bin ich in meiner Pubertät nie Modetrends hinterher gehechelt. Ich hatte aber wechselnde Komplexe. Kinn zu spitz, Nase zu groß, Haut doof und natürlich war ich immer zu dick. Immer nur ein bisschen. Es war auch ganz normal, dass meine Mutter Diät gemacht hat. Bis ich 28 war, wog ich sehr konstant um die 57 kg. Ich habe dann irgendwann mal gelesen, mein Idealgewicht läge bei meiner Größe bei 61 kg und mich gegruselt, wie ich dann wohl aussehen würde. 61 kg! Unvorstellbar.
Darüber muss ich jetzt sehr lachen. Denn würde ich 61 kg wiegen, wäre ich wirklich sehr dünn.
Egal, es war jedenfalls total normal nicht mit mir zufrieden zu sein, es war normal Sport zu machen, um meinen Körper zu optimieren und es war normal wochenweise wenig zu essen, um wieder auf ein bestimmtes Gewicht zu kommen. Ich hab nie an mir herunter geschaut und gedacht: Wow, tolle Brüste sondern immer nur nach den Fehlern gesucht.

Dann wurde ich selbst Mutter und irgendwie gab es dann wichtigeres als meinen Körper doof zu finden und als ich mich dann mit diesem Thema mehr befasst habe (Quelle: Internet!) und eine eigene Tochter bekam, wurde mir klar: ich will das so nicht vorleben.

Ich möchte nicht, dass meine Kinder Kalorientagebücher führen, so wie ich es getan habe und sich einen Großteil ihres Lebens damit beschäftigen, ob sie irgendwelchen gerade modernen Schönheitsidealen entsprechen. Was für eine verschwendete Lebenszeit!
Was hätte aus mir werden können, wenn ich mich in der selben Zeit mit Quantenphysik, Programmiersprachen oder Alternativen zu Verbrennungsmotoren beschäftigt hätte?

Jetzt bin ich 40 und ich merke, dass mein Körper wirklich kontinuierlich altert und zwar ganz anders als noch mit 30. Die Haare werden grau, Falten sehe ich auch ohne Brille, wenn ich nach 24 Uhr ins Bett gehe, sehe ich aus als hätte ich 2 Wochen durchgefeiert. Mein Gewicht steigt kontinuierlich und es passiert nicht selten, dass andere Frauen glücklich Fotos von ihrem Bauch posten und darunter schreiben: „SSW 24!“ und ich denke: „Jo, so sieht mein Bauch auch aus – nur ohne Baby.“

Das Erstaunliche: Das alles wird mir zunehmend egaler. Ich schminke mich nicht mehr jeden Tag, ich ziehe keine Schuhe mehr an, die unbequem sind (egal wie schön sie sind), ich ziehe an, was mir gefällt – auch wenn die Sachen nicht „altersgemäß“ (Rock zu kurz?) oder schmeichelnd (man sieht eben den Bauch…) sind.
Was noch erstaunlicher ist: Ich mag mich so wie ich bin. Jedenfalls die allermeiste Zeit. Ich stehe morgens ungekämmt vorm Spiegel und denke: „Ach, du siehst doch eigentlich ganz schön aus.“ und dann freue ich mich, dass ich gesund bin, dass mir in der Regel nichts weh tut und ich mit meinem Körper machen kann, was ich will.

Das klingt vielleicht komisch, aber gerade letzteres habe ich zu schätzen gelernt. 2014 wurde ich bescheiden, da habe ich gelernt, dass es schön sein kann, Treppen steigen zu können oder dass es sich toll anfühlt, kräftig genug zu sein, einen Tisch zu verschieben.

Ich frage mich, ob das vielleicht auch alles kommt, weil ich mit 40 ohnehin an kein Schönheitsideal mehr ranreichen werde – egal wie ich mich bemühe. Hopfen und Malz ist verloren, das Kind ist in den Brunnen gefallen! Wie 20 werde ich nie mehr aussehen. Bestenfalls von hinten, wenn man ohne Brille auf mich schaut, wenn ich 15 kg abnehme und 4 mal die Woche Sport mache.

Ich meine auch, dass tatsächlich die Freundinnen in meinem Freundeskreis, die schon sehr nah an den gängigen Schönheitsidealen dran waren, immer viel mehr mit ihrem Äußeren gerungen haben, als diejenigen, die davon weiter entfernt waren. Die haben irgendwann einen Cut gemacht und sich gesagt: „So bin ich eben und damit werde ich jetzt leben.“ Und ich meine, diese Freundinnen sind tatsächlich dauerhaft zufriedener mit sich und ihrem Leben.

Um auf die ganz oben genannte Scobel-Sendung zurück zu kommen. Scobel fragt irgendwann, was frau denn tun kann, um guten Sex zu haben und die Sexualtherapeutin lacht und sagt sinngemäß: Sie muss sich kennen und mögen und leider, leider ist das bei den meisten Frauen nicht so.

Und das ist doch sehr traurig, oder?
Ich mag mich, ich lobe mich sogar gelegentlich und ich bin nicht sauer, wenn die Kinder Witze über meinen Bauch machen. Sie sollen lernen, dass man sagen kann: Du hast einen dicken Bauch ohne dass das wertend ist. Es ist ja die Wertung dahinter, die macht, dass sich manche von so einer Aussage angegriffen fühlen. Es ist ja so – v.a. im Vergleich mit dem Bauch der Kinder habe ich einen dicken Bauch. Aber dick ist kein Schimpfwort sondern einfach eine Beschreibung. Ich hoffe, sie lernen das und fühlen das dann auch so.

(Deswegen habe ich auch meinen Humor in Sachen Tweets verloren, die nach dem Prinzip funktionieren: Mama, du hast einen dicken Po/Falten/du bist alt – Schade, jetzt muss das Kind schon so früh ausziehen…
Solche Tweets bzw. Sprüche reproduzieren ja nur diese mangelnde Selbstliebe)

Es gibt also mehrere Dinge zu tun. Zum Beispiel kann man damit anfangen, sich selbst gut zu finden. Den Fokus von den vermeintlichen Makeln wegnehmen und sich einfach erlauben, sich gut zu finden und gut zu fühlen.
Und dann kann man das auch anderen erlauben: Menschen, die sagen, dass sie sich mögen oder Dinge gut können, einfach nicht mehr unbescheiden, arrogant oder eingebildet finden – sondern sich freuen, dass es jemanden trotz aller gesellschaftlichen Widrigkeiten gelungen ist, sich zu mögen. Und zu allerletzt: Die Mitmenschen einfach mögen und akzeptieren wie sie sind. Egal, ob groß, klein, dick, dünn, mit Beinhaaren, Bärten, Brillen, langen Haare, ohne Haare, mit grauen Haaren, engen Hosen, ohne Hosen oder in Kleidern. Das habe ich auch erst lernen müssen.

Mindestens Jesus würde sich freuen!

P.S. Mein Geheimtipp für mehr Selbstliebe: Keine Frauenzeitschriften lesen (on- und offline), kein Privatfernsehen anschauen, sich von Drogerien und Werbung fernhalten – andere für sich einkaufen lassen. Dann bekommt man ein Shampoo für 1,29 Euro, das die Haare reinigt und steht nicht vor einem Regal, das einen fragt: Sind deine Haare dünn? Glanzlos? Fallen sie aus? Haben sie zu wenig Volumen? Sind sie zu dick? Die Locken zu stark? Zu platt? Geschädigt? Hast du Frizz???

Ach ja und sich unbedingt zeitintensive Hobbys oder Kinder zulegen.

Hauptsache die Kinder schlafen

Offenbar ist es gerade schwer angesagt* Produkte feilzubieten, die Kinder zum Schlafen bringen. Zum Beispiel Musikstücke, die man während des Autofahrens hören kann. Die Kinder werden erst animiert und dann stufenweise immer weiter runtergefahren, so dass sie ganz am Ende einschlafen. (Angeblich!)

Nissan hat das gerade für den japanischen Markt entwickelt.

Ob das für den europäischen Markt funktioniert?

Für mich persönlich reicht es ja schon überhaupt länger als 10 min Auto zu fahren. Ich brauche gar keine Einschlafmusik. Sobald wir irgendwohin fahren, werde ich durch das gleichklingende Motorengeräusch sehr, sehr müde.

Selbst wenn ich Fahrerin bin. (Deswegen fahre ich so gerne Zug)

Nach dem selben Prinzip soll das schwedische Vorlesebuch: „Das Kaninchen, das so gerne einschlafen will“ funktionieren. In stetigen Wiederholungen, sehr handlungsarm, sollen Kinder zum Einschlafen gebracht werden.

Neurolinguistisches Programmieren soll hier die Basis sein. Unmoralisch finden einige Kinderpsychologen Bücher dieser Art, da die Kinder manipuliert werden. (Ein wenig amüsant ist, dass die KritikerInnen sich nicht einig sind, ob es ohnehin Unsinn ist, weil NLP nicht funktioniert oder ob NLP funktioniert und es deswegen nicht OK ist.)

Ich bin noch nicht dazu gekommen, das mal auszuprobieren. (Muss gerade lachen, weil ich mir vorstelle, wie ich versuche das mich bereits in der Länge überragende Kind 1.0 damit zum Einschlafen zu bringen.)

Tatsächlich funktioniert doch jedes Abendritual so, oder? Man versucht irgendwie zur Ruhe zu kommen. Wir essen (40 min), dann werden die Schlafanzüge angezogen (30 min), dann die Zähne geputzt (20 min), dann hüpfen wir alle ins große Bett und lesen vor (30 min), um dann zu kuscheln und ein paar Fragen zu beantworten (gefühlte 70 min) und dann singen wir:

(Ich bin so ein Martina Hill Fan!)


*Wenn man zwei ähnliche Dinge im Netz findet, darf man freimütig von Trend sprechen, oder?