Gedanken eines Kindergartenkindes zum Thema Kinderfreundlichkeit

Ich muss noch in die Apotheke und nehme die direkt neben dem Spielplatz. Kind 3.0 kommt mit. Innen ist ein winziges Karussell mit drei Plätzen, eine kleine Couch, daneben einige Bücher und zwei große Bagger. Vor mir ein Rollstuhlfahrer. Ich stelle mich mit Diskretionsabstand an.

Kind 3.0 derweil schaut völlig fasziniert auf das sich drehende Karussell. Ein kleiner Junge dreht sich auf ihm. Er streckt den Fuß als Bremse raus und lädt Kind 3.0 ein mitaufzusteigen. Kind 3.0 nimmt die Einladung gerne an.

Eine zweite Apothekerin kommt an den Tresen und winkt mich ran. Ich schildere mein Begehr. Der Heuschnupfen dieses Jahr macht mich irre. Wir diskutieren hin und her was helfen könnte. Unser Gespräch dauert rund fünfzehn Minuten. Die Apothekerin schaut Nebenwirkungen nach, vergleicht Preise. Wir sprechen darüber wie lange man ein abschwellendes Nasenspray tatsächlich benutzen darf. „Wenn alle Menschen so vorsichtig mit Drogen umgehen würden, wie mit Nasensprays gäbe es deutlich weniger Probleme in der Welt. Die meisten nehmen die Warnung so ein Nasenspray nicht länger als eine Woche zu benutzen, sehr, sehr ernst.“

Ich bezahle, rufe Kind 3.0 und wir gehen.

Draußen bleibt Kind 3.0 stehen und schaut zurück zu dem Laden: „Warum hatten die da ein Karussell?“

„Hat es dir denn gefallen?“, frage ich.

„Ja, sehr!“

„Das nennt sich kinderfreundlich.“

„Kinderfreundlich?“

„Ja, die haben sich etwas ausgedacht, was Kindern gefällt, damit die Erwachsenen in Ruhe mit den Apothekerinnen sprechen können. Machmal will man nicht nur was abholen, sondern benötigt Beratung…“

„Und die Kinder spielen dann!“

„Genau.“

„Das ist toll. Wollen wir da nächstes Mal wieder hin gehen?“

„Klar, können wir machen, wenn ich wieder was aus der Apotheke brauche.“

„Warum sind nicht alle Einkaufsläden kinderfreundlich?“ Kind 3.0 spricht kinderfreundlich aus, wie Kinder Worte aussprechen, die sie sich das erste Mal zusammen buchstabiert haben.

„Das frage ich mich auch. Es gibt sogar Orte an denen Kinder verboten sind.“

Kind 3.0 schaut mich empört an: „Was sind das denn für Orte?“

„Restaurants, Cafés, Hotels…“

„Und da gehen Menschen hin, die keine Kinder haben?“

„Nicht nur, da gehen sogar Eltern hin, die kinderfrei haben und dann auf keinen Fall Kinder sehen wollen.“

Kind 3.0 schaut ungläubig: „Aber das ist doch voll gemein?“

„ICH finde das auch. Machmal blogge ich auch darüber, dass ich das unmöglich finde.“

Kind 3.0 schaut nachdenklich: „Wenn die Erwachsenen ihre Ruhe haben wollen, warum gibt es dann nicht eher sowas wie in der Apotheke?“

„Wahrscheinlich weil sie wirklich nichts hören wollen. Vermutlich auch keine anderen Erwachsenen und schon gar keine Kinder auf Karussells.“

„Dann können die doch am besten zuhause bleiben?“

Ich muss lachen. Ja, das finde ich irgendwie auch.

Wir steigen auf mein Fahrrad. Während wir unsere Helme aufsetzen, sagt Kind 3.0: „Leute, die Kinder verbieten wollen, sollten nicht dein Blog lesen dürfen!“

„Nie mehr?“

„Na fünf Tage. Oder eine Woche. Eine ganze Woche. Oder fünf Tage. Jedenfalls… das was mehr ist!“

Ja, diese drakonische Strafe hätten sie sich eigentlich verdient.

Super-Papa nano auf 3 Sat

Am 18.5. lief auf 3Sat die Sendung „Super-Papa“ (30 min). Abgesehen vom Titel eine schöne Zusammenfassung zum Thema „moderne Väter“.

Aufgezeigt wird die Kluft zwischen wollen und tatsächlich umsetzen. Was 9 von 10 Männern wollen, tut am Ende nur einer: In Teilzeit arbeiten, um für die Familie da zu sein (und dann zum größten Teil mit einem 80%-Model).

(Ein bisschen süß sind die Passagen, in denen gesagt wird: Sie ist zwei Tage für die Kinder da, er einen (zwei Tage der Hort), sie macht den Haushalt … Wäsche waschen und so … er die Steuererklärung und ja, sie sind gleichberechtigt.)

16% der Väter gelten als überdurchschnittlich engagiert – viele davon haben ihr Arbeitspensum reduziert.

Interessant in diesem Zusammenhang das Projekt Teilzeitmann in der Schweiz, das Firmen und Einzelpersonen aufzeigen möchte, wie sich Teilzeit umsetzen lässt.

(Interessanterweise gehts nicht ohne Superheld-Metapher… im Clip dann aber sehr schön unspektakulär und ermutigend.)

Größtes Hindernis in Richtung Teilzeit ist laut Bericht nicht der Verzicht auf Geld oder Karriere (der mit Teilzeit leider verbunden ist) sondern dass die meisten Männer sich und ihre Männlichkeit noch über den Beruf definieren. Obwohl Frauen (mit)verdienen sehen sich viele Männer als Hauptversorger. Der Beitrag stellt heraus, dass Teilzeit

  • gut für die Gesundheit,
  • gut für die Bindung zu den Kindern und
  • gut für die Beziehung ist.

Der Rest der Sendung beschäftigt sich mit der Frage, ob es eine Korrelation zwischen hormoneller Ausstattung und Vatertyp gibt (angeblich ja) und in welcher Konstellation Männer besonders zufriedene Väter sind (in traditionellen Kernfamilien sind die am glücklichsten, als Alleinerziehende sind sie am gestresstesten).

Abschließendes Zitat „Wenn die Väter nicht erst präsent sind, wenn es ums Fußballspielen geht (sondern auch schon im 1. Lebensjahr), dann können sie eine absolut gleichwertige Bindung zu den Kindern aufbauen wie Mütter.“

Der Beitrag stellt auch heraus das Mütter mitverantwortlich sind und den gewillten Vätern auch den Säugling in den Arm drücken müssen (wobei mir in bestimmten Konstellationen immer noch schwer fällt mir vorzustellen, wie Mütter sich gegen Beteiligung wehren, z.B. mitten in der Nacht, wenn das Baby schreit: „NEIN! STEH NICHT AUF! ICH MACH DAS!“ oder morgens um 5 Uhr: „NEIN, LASS DAS! ICH will mit dem Kind aufstehen, immer!!!“ aber gut, anscheinend gibt es das).


Durch Hinweis in den Kommentaren auf eine weitere Sendung gestoßen: „Von Männern und Vätern„.

Hat mir sehr gut gefallen, weil eher deskriptiv und nicht so verallgemeinernd und ganz am Ende kam ein Gedanke, den ich auch schon oft hatte: Ein Vater bedauert, dass er die Kinder und die eventuell entstehenden Enkelkinder und deren Kinder nicht mehr begleiten können wird.

„Ich hab zu meinen Gefühlen gefunden, durch die Geburt und das Leben mit meinen Kindern, weil es eben jeden Tag, immer wieder ein Überprüfen von allem ist und man muss sich alles bewusst machen […] im Guten wie im Schlechten – es ist immer mit Arbeit verbunden und mit einer ständigen Arbeit an einem selber.

Wenn mein Leben aus ist, dann solls so sein, meine Angst ist ganz anders begründet, dass ich einfach irrsinnig gerne Zeuge wäre von dem ganzen Leben, das macht mir echt zu schaffen […] ich weiß, dass es seine Richtigkeit hat, aber ich würde gerne wissen, ob sie selbst Kinder kriegen, würde gerne wissen, wie sie ist mit 60 und wie ihre Kinder wieder sind, das ist dieser Kreislauf, der nie aufhört und was richtig dabei rauskommt, das kannst nicht mittkriegen…“

Nicht lustig

Durch die sozialen Netzwerke geistert ein Bild eines kleinen Jungens in einem Autositz. Der Junge sieht herzzerreißend elendig aus und auf seiner Brust ist alles voll mit seinem eigenen Erbrochenen.

Die „witzige“ Story dahinter: Der Junge hat sich vollgekotzt, der Vater war völlig überfordert und textet seiner Frau, dass er selbst jedes Mal brechen muss, wenn er versucht das Kind sauber zu machen. Eine Dame, die das beobachtet, alarmiert darauf hin die Polizei, weil sie glaubt, der Vater sei betrunken.

Witze-Seiten, Frauenzeitschriften, private Accounts teilen dieses Foto. Darunter lachende Smileys, lols, endlose Likes.

Mich macht das wirklich wütend.

Aus zwei Gründen:

Erstens: In der Debatte Kinderfotos im Netz ist scheinbar die allergrößte Mehrheit gegen das Zeigen von erkennbaren Kinderfotos. Der Ton in dieser Diskussion ist mitunter unter aller Kanone. Ich erinnere mich an einen Beitrag, in dem eine Fotografin bekennt, Fotos ihres Kindes zu veröffentlichen. Wenn man sich die Fotos anschaut – alle wunderschön. Die Kommentare darunter unfassbar. Es geht so weit, dass man ihr sagt, wenn das Kind nun von einem Pädophilen entdeckt würde, es wäre ihre Schuld. Gekeife, Hetze, Widerwärtigkeiten.

Kinderfotos im Netz? AUF KEINEN FALL. Alle Eltern, die sowas tun, direkt in die Hölle.

Genau diese Meute teilt nun lachend das Bild des vollgekotzten Jungen. lol lol lol.

Wenn es nämlich ums Teilen anderer Leute Kinderfotos geht, v.a. wenn sie entwürdigend sind (das ist ja nicht das erste Foto, das ein Kind vollgeschmiert mit Ausscheidungen irgendwelcher Art zeigt), dann kann man sie ruhig teilen. Ist ja lustig! So, so lustig. Nicht.

Für mich verletzt dieses Bild die Würde und die Privatsphäre des Kindes. Es zu liken oder zu teilen halte ich für falsch.

Die Bigotterie mit der die Kinderfotos im Netz Debatte an dieser Stelle geführt wird, macht mich wütend.

Kinder am Spielplatz? Auf dem Schulweg? Im Café? Im Garten? Alles verboten. Eltern, die sowas teilen, egomane Widerlinge, klickgeil.

Der vollgekotzte Junge in seinem Autositz? Haha, gleich mal teilen.

Zweitens: Der Vater (wahrscheinlich nehme ich ihn zu unrecht in Schutz, der Screenshot seines Messengers zeigt den Namen seiner Frau. Das legt nahe, dass er die Screenshots selbst gemacht und geteilt hat).

Also besser das Vaterbild über das hier alle lachen. Idiot Dad. Haha. Die Frau geht mal einen Abend weg und dann passiert sowas und weil der Vater wahrscheinlich noch kein einziges Mal Kotze aufgewischt hat in seinem Vaterleben, ist er total überfordert. Haha.

Das ist so kontraproduktiv. So wie die Blogartikel über Väter, die zu doof sind ihre Kinder ordentlich anzuziehen. Haha.

Ich musste das übrigens auch lernen. Erster Stein und so. Den kann ich nicht werfen. Dennoch: Wie schön wäre es, wenn solche Bilder einfach nicht geteilt würden? Wenn sie einfach ignoriert werden würden und wenn das Kind jetzt nicht aufwachsen müsste mit der Tatsache, dass „jede/r“ im Internet jetzt diese „lustige“ Familiengeschichte kennt.

(Im Übrigen weiß ich, dass es auf eine gewisse Weise paradox ist, diesen Artikel zu schreiben, aber da ich mich im Rahmen der Kinderbilder im Netz Debatte so intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe, passt sie einfach sehr gut in diese Doppelmoral derjenigen, die Eltern verteufeln, die alltägliche Kinderfotos ins Netz stellen und gleichzeitig solche entwürdigenden Fotos liken).

Rant Ende.

Linkempfehlungen

Diese Woche hatte ich einige Tage kinderfrei. Das hat mir die Möglichkeit gegeben brav meine ganze aufgeschobene Hausarbeit nachzuholen und dabei Podcasts zu hören und viele Artikel im Internet zu lesen. Einige davon möchte ich teilen:

Lila Podcast über Sex

Barbara und Katrin sprechen über Sex und was da in unserer Gesellschaft falsch läuft. Ich stimme bei vielen Sachen zu und wie beim Thema Selbstliebe (irgendwie hängt das ja zusammen), würde ich mir wünschen, dass bei meinen Kindern rund 15 Jahre früher der Groschen fällt.

Lila Podcast Teil 52: Die besten Pornos laufen in unserem Kopfkino

Krachbumm über schmerzende Muttertage

Diese Woche kam wieder der Krachbumm-Newsletter. Wer ihn noch nicht abonniert hat – nachholen. Es fällt schwer einen der vielen Links rauszufischen und hervorzuheben, denn ich finde in der Regel alles interessant.

Nahe ging mir der Beitrag zum Thema Muttertag, der hinter die heile Welt Fassade zu den (erwachsenen) Kindern schaut, die nicht mit einer Mutterfigur aufgewachsen sind, wie man sie sich vielleicht wünscht. Nichts für zarte Gemüter ist der darin verlinkte Beitrag von essentialunfairness „Freiwillig verwaist“ – aber auch das ist Realität und sollte nicht unausgesprochen bleiben.

Über Vaterschaft

Seit ich mich über offensive Väter und die Spitzenväter aufgeregt habe, bin ich auf der Suche nach „guten Vätern“. Nach Vätern, die nach meinen höchst subjektiven Bewertungskriterien vorbildhaft sind. Ich habe deswegen diverse Google Alerts laufen und durchforste Twitter immer wieder nach Stichworten wie „Vaterzeit“ oder „Elternzeit Mann“ und werde ab und an fündig.

In „Warum ich mit meinen Kindern lieber am Spielplatz bin“ z.B. schreibt ein Vater warum er sich für die Elternzeit und gegen seine Arbeit entscheidet. Der Text hat mich sehr berührt. Ich habe ja die These, dass die meisten Männer das nicht können, weil die 60-Stunden-Woche, der Büroanwesenheitskult und das Karriereideal so sehr zu ihrer Definition von Männlichkeit gehört, dass sie nicht davon ablassen können.

Entgegen all ihrer guten Vorsätze und Gedanken siegt am Ende eines jeden Tages doch immer wieder das Büro. Nicht so hier:

Bei jeder Wahl entscheide ich mich für etwas. Aber ich entscheide mich auch bewusst oder unbewusst gegen etwas

[…]

Wenn ich wählen würde, dass meine Kinder mich nur eine Stunde vor dem Einschlafen sehen, würde ich gleichzeitig – bewusst oder unbewusst – wählen, dass meine Kinder mich den Rest des Tages nicht sehen.

[…]

Du hast keine andere Wahl? Der Ratenkredit für das »Eigenheim« muss bedient werden? Das neue Auto will bezahlt sein. Wer aber hat das Auto gekauft? Wer hat sich den Darlehensvertrag unterschrieben? So schwer es fällt, sich das einzugestehen: Unser Leben besteht zum überwiegenden Teil auf Entscheidungen, die wir selbst irgendwann getroffen haben.

[…]

Ich selbst messe mich an »meinem« kategorischen Imperativ: Handle nur so, wie Du es selbst erleben wollen würdest. Ich für meinen Teil hätte es schön gefunden, wenn mein Vater immer da gewesen wäre – anstatt auf der Arbeit zu sein, um Karriere zu machen.

Und ja, ich habe gelesen, dass es hier um einen Selbständigen geht und nein, ich glaube nicht, dass die es einfacher haben und mal abgesehen davon, auch den Arbeitgeber sucht man sich selbst aus.

In der aktuellen Weisheit spreche ich übrigens über ein anderes Beispiel: Einen Beitrag in einer Väterzeitschrift, die in der ersten Ausgabe unerträglich war und jetzt zumindest insgesamt OK zu lesen war. Es gab dort sogar einen Beitrag, der mir sehr gut gefallen hat. Hier sprechen Männer einfach über ihre Teilzeitarbeitsmodelle und wie sie das für sich und ihre Familien nutzen.

Schön zum Thema Väter passt auch die Buchankündigung „Swedish Dads“

This photo essay is based on portraits of dads who belong to that small percentage who choose to stay at home with their child for at least six months.

With this project, I want to find out why these men have chosen to stay at home so much longer than the majority of Swedish dads. What has it done for them, how have their relationships with their partner and their child changed, and what expectations did they have before taking parental leave?

Was die Bilder zeigen: wunderbar, völlig unspektakuläre Alltagsszenen und genau das finde ich so schön. Elternsein ist nicht spektakulär – auch nicht für Männer. Es ist einfach Alltag – meistens ohne Applaus, Dank und Pressemeldung.

Auch in den USA, die strukturell sehr weit hinter den europäischen Möglichkeiten von Elternzeit stehen (wir reden hier über durchschnittlich 2 bis 6 Wochen!), zeigt sich langsam, dass es für alle einen Vorteil bringt, wenn Väter in Elternzeit gehen „Daddy Track: The Case for Paternity Leave„:

It makes men more involved at home, women more involved at work, and workplaces friendlier for all parents.

[…]

But here’s what men may not realize: While paid paternity leave may feel like an unexpected gift, the biggest beneficiaries aren’t men, or even babies. In the long run, the true beneficiaries of paternity leave are women, and the companies and nations that benefit when women advance. In October, the World Economic Forum released its latest global gender-gap report, showing that countries with the strongest economies are those that have found ways to further women’s careers, close the gender pay gap, and keep women—who in most nations are now better educated than men—tethered to the workforce after they become mothers. One strikingly effective strategy used by the highest-ranking countries is paternity leave, which, whatever else it may accomplish, is a brilliant and ambitious form of social engineering: a behavior-modification tool that has been shown to boost male participation in the household, enhance female participation in the labor force, and promote gender equity in both domains.

Ich bin auch auf ältere Beiträge zum Thema Vaterschaft gestoßen, die meiner Meinung nach immer noch aktuell sind. Es geht z.B. um den Beitrag „Land ohne Väter“ aus dem Demografie-Blog. Der Beitrag ist von 2012 (!), allerdings enthält er einige sehr wichtige Aspekte. Nachdem die Zahlen genannt sind, kommt natürlich der Hinweis, dass ja viele Männer gerne mehr beitragen wollten, durch die Rahmenbedingungen aber nicht können.

Die Zahlen belegen, dass die Umsetzung von Gleichberechtigung in unserem Land weiterhin eine Katastrophe ist. Mit Blick auf die Männer wird sehr gerne der Soziologe Ulrich Beck zitiert: Das starke Geschlecht zeige „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“. Klingt einleuchtend, so einfach ist es aber nicht.

Ich glaube nicht, dass Männer nicht mehr beitragen wollen. Es gibt nur sehr vieles, was sie daran hindert: Der Chef, die Angst, die Familie nicht ernähren zu können (und dies als Mann tun zu müssen), die Sorge, vor den Freunden als Weichei dazustehen,… Letztlich ist der Umbruch, den wir wollen, wenn wir mehr Geschlechtergleichheit fordern, ein tiefgreifender kultureller Umbruch.

Die Frage muss also sein, wie wir die Kultur weiter entwickeln.

Hinter den letzten Satz möchte ich hundert Ausrufezeichen setzen. Und dann möchte ich so wie ich es bei The Good Wife oft wollte, wie ein Seelöwe in die Hände klatschen:

Als Mann frage ich mich: Jungs, sollten wir nicht ein bisschen beherzter selbst definieren, was Männlichkeit für uns in diesem Zusammenhang bedeutet? Könnte dazu nicht auch der Mut gehören, den Chef vor vollendete Tatsachen zu stellen, und so viel Vaterzeit zu nehmen, wie wir wirklich wollen? Und wenn der Arbeitgeber uns wirklich rausschmeißen sollte, weil wir Papa werden: Das Selbstbewusstsein uns zuzutrauen, einen neuen, vielleicht noch besseren Job zu finden (weil wir nämlich wer sind und was können)?

Gerne gelesen habe ich auch den Lessons Learned Beitrag eines Vaters, der sechs Monate in Elternzeit war. Er resümiert:

Paternity leave has been an amazing experience, and I recommend it highly. Traditionally, fathers are expected to support their child by financial means: going to work and bringing home cash. The truth is, newborns are not expensive. Taking care of your baby is an experience worthy of a short-term cut in salary. For me it was inspiring, lonely, invigorating, frustrating, wonderful and stressful all at the same time.

Mir gefällt hier der Vergleich, der zwischen Elternschaft und Laufen gezogen wird. Der Autor schreibt, alles was Väter so nebenher machen, wenn sie abends von der Arbeit kommen, gleicht eher einem Sprint. Wenn man dann aber wirklich Vollzeit und alleine für das Kind verantwortlich ist, dann fühlt es sich eher an wie ein Marathon. Dabei betont er, dass einen Marathon laufen etwas anderes ist, als vom Sofa aus einen Marathon im Fernsehen zu beobachten. Ein großartiges Bild, denn ich glaube, viele Männer, die diese Erfahrung nie machen, summen leise im Kopf „Das bisschen Haushalt…“(aka „Das bisschen Marathon…“) und fragen sich, warum ihre Frauen abends eigentlich immer so erschöpft sind, wo sie doch nur mit den Kindern abhängen.

Drei Links

Drei Links, die nichts miteinander zu tun haben, die ich dennoch gerne teilen möchte.

iMom

Der Kurzfilm iMom hat keine überraschende Handlung, ist dennoch sehenswert.

The iMom from Ariel Martin on Vimeo.

Kinder auf Konzerten

Der Text „Ein Plädoyer dafür Kinder zu Konzerten mitzunehmen“ hat mir sehr gefallen.

Dabei suche ich nicht nach Ereignissen die inhaltlich auf Kinder ausgerichtet sind, sondern wähle vor Allem Veranstaltungen, die zu (relativ) kinderfreundlichen Zeiten stattfinden. So waren meine großen Kinder in den letzten Jahren auf einem schwedischen Chorkonzert, bei einer norwegischen Veteranen-Blaskapelle, isländischem Vokal-Jazz, diversen Konzerten mit klassischer Musik, bei norwegischen Volksmusikgruppen, schwedischer Balkanmusik und bei dem fulminanten Konzert einer isländischen post-rock Band (in einer Kirche).

Ich handhabe das ähnlich. Ich glaube, das hat dazu geführt, dass ich mich z.B. durch die Geburt meiner Kinder nie so richtig eingeschränkt gefühlt habe, weil ich sie immer gerne mit zu allen möglichen Veranstaltungen nehme, die mich interessieren. Im ersten Lebensjahr z.B. habe ich mir eine Jahreskarte für die Berliner Museen gekauft und bin mindestens einmal in der Woche ins Museum. Ich habe die Kinder auch mit in Ausstellungen aller Art genommen (z.B. die Pictoplasma, das Festival der singenden Balkone, die re.publica, den Chaos Communication Congress uvw.).

Wertschätzung statt Druck

Manchmal sind es sehr einfache, kleine Ideen, die einem das Herz erwärmen. Zum Beispiel eine Lehrerin, die ihre SchülerInnen ermutigt.

Die Hochzeits-Nonmention oder „das 0 Gramm Geschenk“

Hochzeit = Irgendwas mit Liebe = Irgendwas mit Käse überbacken
Möge eure Beziehung immer mit Käse überbacken sein! Quelle: pixabay @ashyda

Wenn man nach mehr als neunzehn Jahren Beziehung heiratet, ist einem vielleicht gar nicht mehr klar, was Liebe und Romantik sind. Ich habe deswegen trotz des deutlich ausgesprochenen Hochzeitsgeschenkverbots einige Tweets ausgesucht, die hier Klarheit bringen können.

(Zumindest auf die Frage was „echte Liebe“ ist, liefert Twitter eine sehr eindeutige Antwort: Irgendwas mit Hummels und dem BVB.)

Alle anderen Interpretationen halten sich im folgenden Range auf:

Hochzeit
Käsekuchen für immer <3 Quelle: pixabay @Ymon

In diesem Sinne: möge euch die Pizza nie ausgehen, versteckt das Cetirizin und Mau-Mau! <3

Nichts gegen Klee

Ich bekam einen mit Hornsauer-Klee verunreinigten Blumentopf geschenkt. Was dann geschah, ist unglaublich.

Horn Klee Unkraut
Quelle: Pixabay @Zauberin

Jemand hat mir einen Blumentopf geschenkt. In diesem Blumentopf war ausser der eigentlichen Pflanze, die das Geschenk darstellte, Klee.
Das klingt erstmal unspektakulär. Es war auch nur eine kleiner Büschel Klee, mit so drei bis vier Stängeln.

Ich habe den Blumentopf, so wie man das ja so macht, immer brav gegossen und der Klee vermehrte sich eifrig. Erst bedeckte er die gesamte Oberfläche des Blumentopfs. Dann wucherte er aus dem Topf. Dann erdrosselte er die Hauptpflanze. Spätestens da hätte ich skeptisch werden müssen.

Ich fand den Klee aber immer noch hübsch und dachte, ach, wenn schon die Hauptpflanze kaputt ist, dann hab ich doch wenigstens noch diesen schönen Klee im Topf.

Der Klee indes wuchs und wuchs. Er produzierte kleine, schwarze Samen, die er eifrig auf der Fensterbank verteilte. Am Anfang sammelte ich die Samen noch ein. Irgendwann wurde es zu viel und ich musste regelmäßig mit dem Staubsauger ran. Dem Klee gefiel das offenbar nicht. Er gab sich ja immerhin sehr viel Mühe bei der Samenproduktion. Ich stellte ihn mir vor wie ein wuscheliges Wesen, das seine kleinen Kleearme verschränkte und dann immer, wenn ich kurz wegschaute ein paar Duzend Kleesamen auf die Fensterbank nieste.

Richtig unheimlich wurde es nachts. Ich zog die Vorhänge zum Schlafen zu und hörte den Klee dann Geräusche machen. Popp popp popp popppopppopppopppopp popppopppopp popppopppopppopppopppopp popp popp.

Der Vorhang wackelte, der Klee poppte. Es war unfassbar wie viele Samen herumlagen. Wobei – sie lagen gar nicht mehr nur herum, sie hingen auch herum. An der verputzten Wand, an den Fasern des Vorhangs, am Fensterrahmen – ja selbst an der glatten Fensterscheibe hafteten Kleesamen.

Ich fegte mit einem Handfeger so viel Samen wie ich konnte zusammen und entsorgte sie im Mülleimer. Popppopppopppopppopppopp popp popp.

Je mehr ich wegfegte, desto wütender wurde der Klee.

Eines Abends, zog ich vorsichtig die Vorhänge zu und googelte „Aggressives Unkraut Klee“ und gelangte zum Eintrag Oxalis corniculata. Gehörnter Sauerklee. Das klang schon gefährlich. Wenn etwas Hörner hat, sollte man sich in acht nehmen. Das wissen schon Kleinkinder im Streichelzoo.

Das Internet fasste zusammen:

Meist holt man sich den Horn-Sauerklee als Mitbringsel beim Pflanzenkauf in Baumschule, Gärtnereien und Gartencentern ins Haus. Der ausläuferbildende Wuchs und der Schleudermechanismus in den Samenkapseln fördern seine Ausbreitung extrem.

und weiter

Leider erobert er auch gerne die Töpfe der Kübelpflanzen. Hier durchtrennt man die Pfahlwurzeln am besten mit einem scharfen Messer.

Quelle: Unkräuter

Ich ging also in die Küche und holte das scharfe Messer. Wie Norman Bates schlich ich mich langsam an den hinter den Vorhängen versteckten Blumentopf heran und hörte wieder diese seltsamen Geräusche.

Dann riss ich den Vorhang auf, war bereit mit dem Messer in die Erde zu stechen, doch da legte die Kleepflanze schlapp ihre Pflänzchen über den Rand des Blumentopfes und sah so traurig aus, dass ich es nicht übers Herz brachte in das Erdreich zu stechen.

Ich zog die Vorhänge wieder zu und lauschte den Rest der Nacht den gruseligen ploppplooplp-Geräuschen.

Am nächsten Morgen schließlich nahm ich eine Tüte, stülpte sie über die Pflanze und brachte sie auf den Spielplatz vorm Haus. Dort hob ich ihr ein kleines Loch aus und pflanzte sie ein.

Das war vor zwei Wochen.

Der Spielplatz ist in der Zwischenzeit völlig überwuchert, unbrauchbar. Ich glaube, es sind auch einige Nachbarskinder darin verschwunden und nicht mehr aufgetaucht.

Aber was solls. Ich hab die restlichen Samenreste zuhause weggefegt und in den Biomüll geworfen und damit ist das Probl

 

AHHHHhh hhhh ahhh

12von12 im Mai

Der 12. Mai ist so unaufregend wie jeder andere 12. eines Monats. Dafür ist die Aktion 12von12 schließlich da: Alltag zeigen.

Der Frühling ist da! Wenn morgens um 6 Uhr mein Wecker klingelt, ist das Zimmer schon hell.

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Leider bedeutet Frühling dieses Jahr unerwarteterweise wieder Heuschnupfen. Ich hatte das vor Jahren stärker, dann jahrelang nichts und dieses Jahr wieder richtig heftig. Die Haut juckt, die Schleimhäute angeschwollen, Nase läuft, Augen tränen, ich fühle mich wie einmal durch die Mangel gezogen. Ohne meine tägliche Dröhnung geht gar nichts. Könnt ihr da was empfehlen? Ganz weg bekomme ich meine Beschwerden nicht.

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Ich mache heute Homeoffice. Um 9.10 Uhr habe ich ein kurzes Interview mit dem rbb Inforadio im Rahmen des Themenkomplexes „Das vernetzte Ich“ – es geht um Eltern-Blogs. Mir gefällt das Interview. Die Fragen waren gut und nehmen Eltern-Blogs ernst.

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Dann gehts an die Arbeit. Da ich 6 Uhr aufstehe, habe ich gegen 10 Uhr meistens schon wieder Hunger. Zuhause mache ich mir deswegen, während die Kinder frühstücken Snacks. Das geht viel besser als im Büro. Da ist es dann irgendwann doch eher ein Brötchen oder was Süßes.

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16 Uhr bin ich fertig. Da Kind 3.0 nicht so gerne vor Schließung aus der Kita abgeholt wird (es ist wirklich so, ich werde oft beschimpft, warum ich denn jetzt schon wieder so früh komme und ob ich nicht noch einkaufen gehen könnte…), habe ich noch 30 min Zeit über The Good Wife zu schreiben. Die letzte Folge habe ich gestern Abend gesehen. Der Abschied fällt schwer, aber ich bin zufrieden mit dem Ende.

Ich wurde öfter gefragt, ob ich wirklich so schnell blogge. Ja, ich blogge so schnell. Nur sehr selten brauche ich länger als eine Stunde pro Beitrag.

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Ich hole Kind 3.0 im Kindergarten ab, wir gehen Eis essen und dann noch auf den Spielplatz. Kind 2.0 hängt mit den eigenen Freundinnen und Freunden ab. Ich bin total begeistert von seiner Selbständigkeit.

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Da ich keine großen Monstermonatseinkäufe mag, kaufe ich alle 2-3 Tage Gemüse, Obst und Kleinigkeiten frisch ein. So wie die anderen 200 an Kasse 1, 2 und 3 (nicht im Bild).

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Wir kommen nach Hause. Kind 2.0 ist schon da und hat den Tisch gedeckt: „Mir war so langweilig“. (Hab ich schon mal erwähnt, wie toll dieses Kind ist? Es hängt auch Wäsche ab aus Langweile oder staubsaugt…)

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Es gibt Knäckebrot mit Avokado und Salat. Naja und Schinkenbrot. Die Kinder essen Toast mit Salzbutter und essen Erdbeeren.

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Ab 19 Uhr fangen wir an die Kinder ins Bett zu bringen. Was eigentlich 10 Minuten in Summe dauern könnte, dauert meist 45 Minuten. Nach 12 Jahren mit Kindern, bin ich es so leid immer das selbe zu sagen. Ich wüsste gerne einen Ausweg aus der „Putzt die Zähne! Putzt endlich die Zähne! DIE ZÄHNE PUTZEN!“ (das selbe mit Schlafanzug anziehen)-Falle. Gebt mir pädagogische Ratschläge!

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Dann vorlesen und singen. Das könnte schön sein. Ich lese gerne vor. Aber auch hier: erst die lange Phase des Buchaussuchens, dann die lange Phase der Was-genau-lesen-wir jetzt.

Ich darf auch meistens keine Bücher lesen oder abgeschlossene Geschichten – sondern z.B. Lexikaeinträge, Suchbilder oder Einträge aus Klebealben. Oder Conni. Wobei alle Conni-Büchlein gerade im Urlaub sind. Wenn ich aber 10 Seiten über Abelisauren, kylosauren, Dilophosauren, Halticosauren, Ichthyosauren, Styracosauren und Titanosauren lesen muss, dann werde ich irgendwann verrückt. Manche Saurier muss ich mir zusammenbuchstabieten wie eine Erstklässlerin. Lest mal flüssig laut in einem durch: Micropachycephalosaurus

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Die Kinder schlafen. Wir schauen Game of Thrones. OMG!

(Schön ist, wenn man bei 12von12 lange genug mitmacht, kann man schauen, was man letztes Jahr am 12. Mai gemacht hat)