The Good Wife

The Good Wife ist die beste Serie aller Zeiten. Völlig unberechtigt fristet sie ein Underdogdasein. Am 8. Mai lief die letzte Folge.

The Good Wife ist die beste Serie mit dem unansprechendsten Namen aller Zeiten. Sieben Staffeln umfasst sie. Jetzt ist sie vorbei – am 8. Mai 2016 lief die letzte Folge.

Ich habe The Good Wife etliche Male empfohlen bekommen, aber irgendwie haben die Empfehlungen nie mein Interesse geweckt. Die Serie läuft seit 2009, ich schaue sie erst seit 2014.

Macht das nicht wie ich, hört auf mich. Schaut diese Serie. Sie ist so grandios wie selten eine Serie, die ich gesehen habe. Und sie hört gut auf. Sie hört an dem Punkt auf, an dem die Hauptprotagonistin Alicia Florrick sarkastisch wird und das möchte ich nicht. Ich möchte keine Alicia Florrick, die sarkastisch ist. Außerdem hört die Serie mit Better auf. Better ist eines von vielen Regina Spektor Liedern, die ich sehr, sehr liebe. Meine Liebe zu Alicia und Regina ist glühend.

Ich weiß wirklich nicht, wie man sieben Staffeln inhaltlich gut zusammenfasst. Die Hauptstory ist einfach zusammenzufassen. Alicia, selbst mit akademischer Ausbildung, hat sich ihrem Mann Peter Florrick zuliebe entschlossen treu sorgende Ehefrau zu sein. Dieser ruiniert seine Karriere und ihr gemeinsames Leben durch diverse Skandale mit Prostituierten und Veruntreuung öffentlicher Gelder und muss ins Gefängnis. Die beiden haben zwei Teenager-Kinder, leben im Luxus und plötzlich muss Alicia ihr Leben alleine regeln und auch selbst Geld ranschaffen.

Über einen Bekannten, Will Gardner, kehrt Alicia in ihren Beruf als Anwältin zurück.

Der Rest der Serie beschäftigt sich mit der Entwicklung, dem Aufblühen, dem Zusammenbruch und dem Wiederaufrappeln von Alicia Florrick.

Diese Entwicklung ist so großartig, so einfühlsam, so nachvollziehbar und glaubhaft beschrieben – ich habe sowas noch nie gesehen.

Als Zuschauerin hafte ich an Alicia, ich leide mit ihr, ich triumphiere, ich feiere und ich falle in mich zusammen. Das Identifikationspotenzial ist trotz des „unnatürlichen“ Settings enorm (mit unnatürlich meine ich die zwei Millionen Dollar Wohnung und das amerikanische Rechtssystem z.B.).

Das Setting ist aber egal, denn man ist an den Menschen der Serie dran. Es klingt schlimm pathetisch, aber ich fühlte mich Seele an Seele.

Dabei ist die Serie so wunderbar feministisch. Bechdel-Test hundert Mal bestanden. Die Serie ist gespickt mit großartigen Frauen, die Namen haben und miteinander reden ohne dass es um Männer geht. Kalinda SharmaDiane Lockhart, Elsbeth Tascioni

Ich habe so oft wie ein Seelöwe im Zirkus vor meinem Bildschirm gesessen und begeistert in die Hände gepatscht wegen dieser Frauen. Sie sind so, so großartig. Ich kann das gar nicht in Worte fassen. Versuchte ich es, der Blogartikel würde 200 Seiten lang.

Aber auch die männlichen Protagonisten sind allesamt großartig. Allen voran Louis Canning und Lemond Bishop.

Lemond Bishop z.B. spielt einen sehr, sehr bösartigen Drogenbaron. Er ist so glatt und angsteinflössend, dass mir der Anblick des Schauspielers in anderen Serien nachhaltig ein Frösteln beschert.

Im Vordergrund der Serie steht die Charakterentwicklung der Protagonisten, Nebenhandlung sind natürlich auch die juristischen Fälle (es ist quasi eine Anwaltsserie), die politischen Geplänkel auf dem Weg zum (Peter) Senator bzw. zur Präsidentschaftswahl bzw. (Alicia) zur Staatsanwältin.

Die Serie ist vielschichtig, spannend, lustig und aktuell wie keine andere.

Ich hatte beim Schauen immer wieder ein WTF-Gefühl. Da schauen sich Menschen in der Serie Videos an, die gerade doch noch in meiner Timeline waren. Es geht u.a. um die NSA, selbstfahrende Autos, um die Macht von Suchmaschinenmonopolen und Drohnen.

Standing Ovations für die DrehbuchschreiberInnen! Echt!

Ich habe gelacht, geweint, die Augen verdreht und vor Spannung kaum atmen können.

Hab ich’s schon gesagt? Wenn ihr die Serie nicht kennt, schaut sie an. Die Serie fristet ihr Dasein als Underdog völlig zu unrecht. Wirklich. Auch wenn der Name doof ist und auch wenn ich jetzt vielleicht nicht gut beschreiben konnte, was so genial an der Serie ist.


Nachtrag: Good News! (Nur wie kommt man an CBS All Access ran?)

Christine Baranski will reprise the beloved Diane Lockhart, a role which earned her six Emmy Award nominations. She will be joined by fan-favorite Cush Jumbo as Lucca Quinn.

The series will be available exclusively on CBS All Access, the Network’s digital subscription video on demand and live streaming service

Nimms doch mit Humor!

Mir persönlich bleibt ab einem gewissen Hassgrad bei Kommentaren der Humor im Hals stecken.

Direkt nach der re:publica fand die blogfamilia statt. Mir hat die blogfamilia sehr gut gefallen. Zum einen, weil sie perfekt organisiert war und zum anderen weil es keine parallelen Vorträge gab. Das überfordert mich während der re:publica regelmäßig.

Ich fand es sehr angenehm zu entscheiden – höre ich mir das an – oder gehe ich zu den anderen Müttern bzw. sehr raren Vätern und trinke mit denen einen Kaffee.

Die Vorträge, zu denen ich versucht habe ein bisschen mitzuschreibmalen, waren alle sehr informativ und kurzweilig.

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Am Ende des Abends gab es noch eine Podiumsdiskussion zum Thema Hatespeech, die mir dann doch ein wenig Blutdruck gemacht hat.

Ich kenne die genaue Definition von Hatespeech nicht. Ich stelle mir eher so eine Art Kontinuum in Sachen Kommentare vor. Von freundlich über pöbelnd, Tendenz zum trollen bis man schließlich bei Hatespeech ankommt.

Müsste ich raten, würde ich denken, dass Hatespeech auch an bestimmte typische Themen gebunden ist: Feminismus, Rassismus, Inklusion…

Über das Ausmaß der Grausamkeit der Kommentare hatte ich mir nie so richtig Gedanken gemacht – bis Anne Wizorek  2013 auf der re:publica einige Hasskommentare vorgelesen hat. Die Kommentare haben mir das Blut in den Adern gefrieren lassen und irgendwann die Tränen in die Augen getrieben (und ich möchte behaupten, ich bin wirklich nicht zimperlich).

Mareice Kaiser, die auf der blogfamilia u.a. mit Nicole von Horst zu dem Thema auf der Bühne saß, hat ebenfalls einige Kommentare vorgelesen.

Diese Kommentare gehen mir sehr nah. Sie gehen mir nah auch wenn ich nichts mit dem Thema zu tun hab, weil sie die Abscheulichkeit einiger Menschen zeigt. Unerträglich wird es, wenn es dann ums eigene Kind geht, was in Mareices Beispielen der Fall war.

Man möchte schreien und bleibt gleichzeitig fassungslos.

Die Podiumsdiskussion wurde schnell zu einer Publikumsdiskussion, als es darum ging, was man denn gegen diese Art Kommentare tun könnte.

Es wurde mehrere Male auf das Social Media Team der Welt verwiesen, die wohl beispielhaft seien, für eine bestimmte Art humorvoll auf pöbelnde Kommentare zu antworten (Ich lese die Welt nicht).

Es ging also immer um den Punkt: Wenn sowas kommt, dann nimm dem doch mit Humor den Wind aus den Segeln.

Ich möchte niemanden persönlich angreifen. Dennoch haben mir diese Art Ratschläge wirklich Bauchschmerzen gemacht. Mein erster Gedanke war: Natürlich, wenn man über neutrale, unpolarisierende Themen schreibt, dann bekommt man schlimmstenfalls Pöbelei ab. Ich blogge ein Kuchenrezept. Irgendwer kommentiert völlig unqualifiziert, dass das ein Kackkuchen ist. Das kann auch verletzen, schließlich hat man sich Mühe gemacht, man wollte mit dem Kuchen jemanden eine Freude bereiten, statt Wertschätzung ernte ich doofe Kommentare von Menschen, die womöglich neidisch sind, vielleicht sind sie auch einfach nur schlecht gelaunt oder frustriert.

Ich denke aber, es geht bei Hasskommentaren um etwas ganz anderes. Es handelt sich um eine völlig andere Qualität. Das ist wie Brötchenmesser und Axt.

Mir fehlt jedes Verständnis und auch jeder Humor, wenn ich (sinngemäß) sowas höre wie „Warum hast du dieses Kind geboren? Wann stirbt es endlich? Das liegt doch dem Steuerzahler auf der Tasche.“

Deswegen glaube ich auch, dass auch andere irgendwann keinen Humor mehr haben, dass es Grenzen gibt, dass es so persönlich wird, dass man auf Dauer verhärtet.

Ich habe mir bereits Gedanken zu dem Thema gemacht und versucht eine Liste zu erstellen, was man gegen diese Anfeindungen tun kann (auch oder gerade wenn man nicht selbst betroffen ist).

Ein Punkt, in dem es um eine bestimmte Art von Solidarität ging, wurde stark diskutiert

Wenn ihr mal nicht der Meinung bestimmter Menschen, die permanent Angriffen ausgesetzt sind, seid: sagt einfach nichts. Keine zusätzliche Kohlen ins Feuer werfen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dieser Punkt mag einige empören, aber ganz ehrlich: manchmal lohnt es sich Nutzen und Kosten abzuwägen und darüber nachzudenken auf wessen Kosten etwas geht und jemanden, der ohnehin schon ständigen Angriffen ausgesetzt ist, nicht noch zusätzlich zu schwächen. Ich finde es verständlich, dass Menschen, die ständigen Attacken ausgesetzt sind nicht immer die differenziertesten Dinge von sich geben. Deswegen seis drum. Einfach mal nichts sagen.

Dieser Punkt ist mir wieder eingefallen und ich finde ihn aktuell und nach wie vor richtig.

Ich glaube, dass bestimmte Menschen bestimmten Hasstiraden so dauerhaft ausgesetzt sind, dass sie irgendwann ihre Differenzierungsfähigkeit und ihren Glauben an das Gute verlieren. Sie hören dann irgendwann schlimmstenfalls Angriffe, wo vereinzelt vielleicht keine sind. Kübra Gümüsay berichtet im Ansatz von diesen Effekten, die sie und andere erleiden, weil sie im permanenten Kreuzfeuer stehen.

Nochmal auf die Kommentare zurück zu kommen. Immer wenn ich über bestimmte Themen blogge und da Personen erwähne, die sich im Internet für dieses Thema stark machen, habe ich sofort eine völlig andere Qualität von Kommentaren im Blog. Es ist als zögen diese Menschen einen Schwanz von Hassorks hinter sich her. In dem Fall steht dann auch außer Zweifel um welche Art Kommentare es sich handelt. Es geht dann nicht mehr um falsch verstandene Kritik oder ähnliches. Es geht da zweifelsfrei um bösartige Angriffe.

Ich habe mich entschieden diese Kommentare gar nicht erst frei zu geben, denn sie reproduzieren nur das worüber die Menschen berichten, die Hasskommentare aushalten müssen.

Man könnte einfach immer q.e.d. drunter schreiben. Ich schwöre, ich muss nach Veröffentlichung eines solchen Blogbeitrags keine fünf Minuten warten und schon habe ich was in der Moderationsschleife.

Es ist einfach nur ekelhaft und meine Solidarität gilt den Menschen, die solchen Anfeindungen ausgesetzt sind und deswegen schnellt mein Blutdruck auch in die Höhe, wenn ich Ratschläge höre, dass man doch bitte gelassen bleibt und sich eine witzige Erwiderung ausdenkt.

Im Idealfall mag das helfen. Aber woher sollen diese Menschen die Kraft dafür nehmen? Es geht ja nicht um Einzelfälle, um einen Kommentar alle drei Monate. Es geht um deren Alltag. Und diese Kommentare haben sehr oft einen sehr persönlichen Bezug.

Meinen Ohren tun diese gut gemeinten Ratschläge leider weh. Ich glaube, es reicht nicht zu sagen: Nimms mit Humor. Wir müssen diesen Menschen beistehen, wir müssen uns solidarisieren, klar Position beziehen und gegenreden und ermutigen*.


*An dieser Stelle nochmal öffentlich vielen Dank an Anna Berlinmittemom, die für mich in Sachen Ermutigung und Beistand wirklich Vorbildcharakter hat. Es war so gut, dass du in der Diskussion was gesagt hast als niemand mehr was sagen konnte!



Nachträgliche Ergänzungen, mit Dank an Katrin Rönicke

Carolin Emcke: „Den Hass schüren die, die sich von ihm einen Gewinn versprechen“ von Lisa Hegemann

Carolin Emcke verdeutlicht in ihrem Vortrag aber auch, dass Hass nicht nur von denen gesät wird, die laut schreien […]. Sie redet auch über die Nicht-Einschreitenden, die Mitläufer. […]

Aber sie nimmt auch diejenigen in die Pflicht, die nicht auf der Straße stehen und schreien oder einfach nur beobachten. „Den Hass schüren die, die sich von ihm Gewinn versprechen“, sagt sie. Sie redet von Bestseller-Autoren, von TV-Shows und Einschaltquoten, von Grundsatzprogrammen einiger Parteien. „Sie alle mögen sich distanzieren, aber sie wissen den Hass für sich ökonomisch zu nutzen“, so Emcke. Und dann sagt sie: „Sie hassen nicht selbst, sie lassen hassen.“

Ruhe im Karton! von Katrin Rönike

Beide Hater-Strategien sind zigfach im Netz dokumentiert, und es gibt nur eine richtige Art, damit umzugehen: löschen, blockieren, muten(ausblenden), und wenn all diese Funktionen nicht zur Verfügung stehen – ignorieren.

Weil das Schweigen im Angesicht des Hasses ein Zustimmen ist

Kübra Gümüsay fordert uns auf Liebe zu organisieren. Sie sagt: Das Schweigen ist im Angesicht des Hasses ein Zustimmen. Und ich glaube auch, dass wir mehr tun können und müssen als schweigen und dulden.

Kübra Gümü?ay - Liebe organisieren, um dem Hass etwas entgegen zu setzen
Kübra Gümüsay – Liebe organisieren, um dem Hass etwas entgegen zu setzen

Mittwoch morgens habe ich immer ein bisschen Zeit für mich. Deswegen habe ich angefangen mir die Vorträge anzuschauen, die ich mir auf der re:publica nicht live anschauen konnte. Jetzt sitze ich hier mit Tränen und zugeschnürtem Hals und dachte mir, das teile ich mal.

Ich spreche von dem Vortrag „Organisierte Liebe“ von Kübra Gümüsay und kann nur sehr empfehlen, sich die halbe Stunde Zeit zu nehmen, die es dauert, diesen Vortrag anzuhören.

Gegen Ende möchte man jedes Wort, das sie sagt, abtippen und unterschreiben.

„Wenn Menschen sich für ihre rassistischen Äußerungen nicht mehr schämen, sind wir mit unserer Empörung zu spät dran.

[…]

Der Hass macht uns träge […], dabei sind wir viel, viel mehr. Wir könnten viel, viel lauter sein, denn organisierte Liebe ist ein politisches Werkzeug!

[…]

1. Verbreitet Informationen gegen Populismus! Verbreitet Texte, Bilder, Berichte, die das repräsentieren für was ihr steht!
2. Aufklärung! Betreibt Aufklärung!

Die Verantwortung gegen Vorurteile und Ressentiments zu arbeiten, liegt nicht bei den Betroffenen, sondern bei der gesamten Gesellschaft

3. Empathie! Zeigt Empathie!

Warum tun wir uns so schwer? Warum tun wir uns so schwer darin Liebe zu zeigen?

Wir leben in einer Zeit, die durchtränkt ist von Kritik. Wir sind noch besser in unserer Kritik, weil wir es schaffen, nicht ein, nicht zwei, nicht drei sondern viermal um die Ecke zu denken. Die Meta-Meta-Metakritik! Wir stehen am Gipfel der Reflektiertheit. Wir haben den größten und längsten erhobenen Zeigefinger. Unsere Moral ist die höchste, die beste. Ich sage nicht wir sollen unkritisch sein. Im Gegenteil. Aber wir sollten ehrlich sein, ehrlich miteinander.

Wenn du etwas gut findest, dann sag das doch! Dann feiere das doch. Die Person, die Ideen, die Werte, die Texte! Wir müssen einander feiern. Ich finde dich toll! Ich bin ein Fan von dir! Und zwar von lebenden Menschen und nicht nur von Toten.

[…]

Gebt positives Feedback, stürmt Kommentarspalten! Seid präsent. Seid solidarisch. Seid da. Zeigt Zivilcourage.

Warum müssen wir Liebe organisieren?

Weil das Schweigen im Angesicht des Hasses ein Zustimmen ist.“

Danke, Kübra Gümüsay!

Das beantwortet einige meiner Fragen zu „Warum habt ihr nichts getan?

Meine rpTEN

Seit ich die letzten Jahre zwischen Weihnachten und Neujahr am Chaos Communication Congress war, hatte ich ein bisschen die Lust auf die re:publica verloren.

Woran das jetzt genau lag, kann ich nicht sagen. Was mir auf jeden Fall besser dort gefällt, ist die kuschelige Stimmung. Obwohl da 10.000 Menschen sind, hatte ich auch nach vier Tagen nicht das Gefühl erstmal für zwei Wochen in das kanadische Hinterland ziehen zu wollen. Das ging mir nach anderthalb Tagen re:publica aber so.

Was mir am Chaos Communication Congress auch besser gefallen hat, ist die Möglichkeit und Vielfalt der Kinderbeschäftigung. Das ist aber letztendlich Äpfel mit Birnen vergleichen. Der Chaos Communication Congress findet ja in den Winterferien statt und da gibt es offensichtlich einen total anderen Kinderintegrationsbedarf. Daraus ist in den vergangenen Jahren sicherlich auch das irre vielfältige „Programm“ entstanden, das zumindest meinen Kindern das Gefühl gegeben hat, dass es sich um die großartigste Konferenz aller Zeiten handelt.

Ich habe meine Kinder dieses Jahr bewusst mit zur re:publica mitgenommen. Persönlich fand ich den re.play ein wenig, naja sagen wir, klein und unspannend – Kind 3.0 war aber zufrieden. Abends hat es eine gut gemeinte 2+ vergeben.

rpTEN Das Bällebad

Für Kind 2.0 (deutliches Schulalter), das ich am Nachmittag dazu geholt habe, gabs viel mehr Spannendes zu erleben. U.a. eine Fragesession mit Randall Munroe. Da es „Kids only“ hieß, waren da auch wirklich nur Kinder (und ihre Eltern), was unterm Strich hieß, dass sich ca. sieben Kinder mit Randall Munroe unterhalten haben.

[Ich hab insgesamt überhaupt sehr, sehr wenig Kinder auf der re:publica gesehen. Gefühlt zwanzig am Tag. Witzigerweise wurden die aber ständig fotografiert. Das Alter der Besucherinnen und Besucher schien mir überhaupt sehr homogen, so zwischen Ende Zwanzig bis Ende Vierzig. Jüngere und ältere waren eher wenig zu sehen.]

Kind 2.0 fand die Möglichkeit Randall Munroe Fragen stellen zu können so klasse, dass es sich gleich drei Mal angestellt hat. Es wollte wissen:

  • Was passiert wenn die Wüsten zur Antarktis werden?
  • Was passiert wenn Insekten riesengroß und Menschen winzig klein werden?
  • Sofern der Mond auf die Erde stürzt und alles Leben auslöscht – würde sich die Erdgeschichte und die Evolution dann wiederholen?

Die Antworten waren sehr unterhaltsam. Ich bewundere Randall Munroe für seinen Spaß und die Ernsthaftigkeit, sich den Kinderfragen zu widmen. Ich hab’s nicht recherchiert, ich denke aber, Randall hat keine eigenen Kinder. Wie sonst könnte man noch freiwillig Fragen beantworten können?

Wobei ich auch sagen muss, diese Kinder, die sind schon krass. Ein anderes Kind fragte: Wird Elon Musk die Welt retten?

Ich meine WTF? Woher kennen neunjährige Elon Musk?

Es gab jedenfalls für größere Kinder durchaus gutes re:publica Programm.

Im übrigen bin ich ab einem gewissen Alter dafür, die Kinder einfach mitzuschleppen – auch in Vorträge. Es ist ganz erstaunlich, wie informativ und unterhaltend Vorträge für Kinder sein können und was sie den Kindern mit auf den Weg geben.

Musterbeispiel dafür der Vortrag von Moritz Metz „Fliegende Computer und ihre tollkühnen Piloten“. Mehr dazu übrigens bei Deutschlandradio Kultur.

Kind 3.0 wollte im Saal sitzen bleiben und die anderen Teile von Moritz Metz Vortrag auch noch hören. Seit dem Vortrag werden bei uns Drohnen gemalt.

rpTEN Drohnen

Wir haben uns außerdem den Vortrag „Kinderbücher: inklusiv. queer. interkulturell. Aber wie?“ angeschaut:

Und dann festgestellt, dass wir an unserem Buchbestand dringend noch arbeiten müssen.

Aus Gründen haben wir uns auch den Vortrag von Marcus Richter „What’s in a game?“ angeschaut. Ich musste Kind 3.0 nur kurz bei The Walking Dead die Augen zuhalten.

Marcus Richter gibt da einen sehr guten Einblick in die Spielarten, die es neben den bekannten Formaten wie Ego-Shootern und MOBA noch gibt. Er stellte die These auf, dass es um das Wissen um die Vielfältigkeit von Computerspielen noch bescheiden bestellt ist (und hat recht).

Ich fand den Überblick sehr vielfältig und anschaulich und war sehr davon fasziniert, dass man Keynote mit einer Wii-Fernbedienung steuern kann.

Rae Grimm schreibt zu dem Vortrag:

Marcus Richter wirft nicht (nur) mit knallharten Fakten um sich, sondern spricht allem voran aus einem Bauchgefühl heraus und nennt ein paar Spiele wie Firewatch, Life is Strange oder The Walking Dead, mit denen ihr versuchen könnt, die Nicht-Spieler in eurem Leben für euer Lieblingshobby zu begeistern und sie ebenfalls sagen zu lassen: „Ich wusste gar nicht, dass Computerspiele so etwas können.“

Beim Thema Spielen geht es mir ein bisschen wie mit Snapchat. Ich denke immer, ich müsste mich da mal mit beschäftigen, um den Anschluss an meine Kinder nicht zu verlieren.

Nach dem Vortrag hätte ich jedenfalls gerne alle vorgestellten Spiele ausprobiert. Ging wohl nicht nur mir so.

Um nochmal den Bogen zum Anfang zu schlagen: Die re:publica dieses Jahr hat mir wieder sehr gut gefallen. Ich werde die nächsten Wochen damit verbringen Vorträge anzuschauen, die ich verpasst habe. Zum Beispiel den von Journelle „Das Internet hat mich dick gemacht“ oder den von Kübra Gümüsay „Organisierte Liebe„.

Die selbstsüchtige Mutter

Darf man als Mutter irgendwas von seinen Kindern erwarten. Irgendeine Form von Wertschätzung oder ist das selbstsüchtig?

Muttertag politisch

Meine Timeline war voll mit „Ich brauche keine selbstgemalten Bilder, ich brauche…“ und „Ich brauche keine Schokolade, ich brauche…“.

Die Wünsche sind alle wichtig (und zu finden unter #muttertagswunsch auf Twitter). Sehr schön fasst das Problem @froumeier zusammen:

Als Mutter kann man eigentlich nur alles falsch machen. Egal wie.

Muttertag privat

Einen Kaffee für die Mutter zum Muttertag

Einen weiteren Tweet, den ich in meiner Timeline fand, hatte sinngemäß folgende Aussage: Zum Muttertag wünsche ich mir, dass Eltern aufhören von ihren Kindern Dankbarkeit zu erwarten.

Als ich das las, hab ich mich sehr, sehr schlecht gefühlt.

Ich habe mir nämlich heute früh gewünscht mit Getuschel und Gekicher geweckt zu werden und dann an einen gedeckten Frühstückstisch zu kommen und einen Kaffee in die Hand gedrückt zu bekommen.

Oder ein selbstgemaltes Bild.

Anstatt dessen Gemecker, Geschwisterstreit, wannistdasEssenfertig.

Das hat mich wirklich traurig gemacht. Es gibt immer wieder Phasen, in denen ich mich fühle wie ein DienstleistungsROBOTER. Ich soll bitte funktionieren und zwar dallidalli und wenn nicht alles so ist, wie es erwartet wird, dann Genöle, Vorwürfe, schlechte Laune.

In der Regel ist das auch OK. Aufstehen um 6.10 Uhr, Frühstück vorbereiten, Schulbrote schmieren, daran erinnern, dass man sich irgendwann anziehen muss, Zähne nachputzen. Kinder in Kita bringen, arbeiten gehen, einkaufen gehen, Kinder abholen, Abendessen machen, vorlesen, singen. Dazwischen putzen, Wäsche waschen, aufhängen, abhängen falten usw.

Tagein tagaus.

Und da habe ich mir heute Wertschätzung gewünscht. Das Ideal der selbstlosen Mutter verbietet das natürlich. Was man tut, muss man freiwillig tun und man muss die Motivation aus der Nützlichkeit ziehen.

Das weiß ich. Dennoch war ich enttäuscht.

Ich habe versucht mich zu fragen, ob ich eigentlich was vergleichbares am Kindertag tue? Wann war dieser Tag eigentlich? Am ersten Juni? Zwanzigster September? In Westdeutschland groß geworden, hat dieser Tag tatsächlich keine Tradition bei mir. Weder als Kind noch als Mutter. Irgendwann nach Berlin gezogen, hörte ich davon, dass viele diesen Tag richtig gefeiert haben. Ich hab nie damit angefangen. Meine Erklärung dafür war immer: bei uns ist Eis essen gehen, Kuchen backen und essen, auf den Spielplatz gehen, in den Zoo gehen, ja selbst in den Freizeitpark gehen im Grunde keine Besonderheit. Fast meine ganze Freizeit richte ich nach meinen Kindern aus. Ich mache das gerne und ich sage meinen Kindern oft, wie sehr sie mein Leben bereichern. Wenn ich sage: „Ich hab dich lieb“, höre ich oft: „Boah, das weiß ich doch. Das musst du nicht immer sagen!“

Von daher weiß ich nicht, ob man sich wünschen darf einen Kaffee gemacht zu bekommen oder ob man sich einfach zusammen reißen soll und weiter macht wie an jedem anderen Tag auch.

(Am Ende war ich versöhnt. Ein langjähriger Freund hat mir eine SMS geschrieben: Du bist eine gute Mutter, deswegen auch von mir alles Gute zum Muttertag)

Das geht an alle Muttis

Und für die Kinder auch noch einen Clip. Schaut euch den an und das sage ich jetzt zum aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-aller-letzten Mal!

Pictoplasma 2016

Seit 2009 kenne ich das Pictoplasma-Festival. An Qualität hat die Ausstellung seitdem nicht verloren – lediglich am Punkt Besucherfreundlichkeit könnte gearbeitet werden.

Seit 2009 besuche ich regelmäßig das Pictoplasma Festival – genauer gesagt – den Ausstellungsteil des Festival. Neben den Ausstellungen gibt es zahlreiche Vorträge, Workshops, Partys und Screenings, die mir bislang leider entgangen sind.

Das Festival findet immer irgendwann im Mai statt und dieses Jahr parallel zur re-publica und blogfamilia, so dass ich nur das Wochenende Zeit hatte, mir die Orte anzuschauen, die ausstellen. („Orte“ übrigens, weil es manchmal nur Mauern sind, die man anschauen kann)

Die Selbstbeschreibung des Festivals lautet wie folgt:

The festival showcases latest trends in figurative character design, from fine to urban arts, illustration, animation and graphic design. Creators, producers and fans meet for an unconventional conference with cutting-edge artist presentations, curated screening programmes bring the latest animation eye-candy to the big screen, and a series of exhibitions and group-shows invite visitors to experience original works and outstanding character craftsmanship.

Die erste Ausstellung war noch im Haus der Kulturen der Welt, dann gab es ein Konzept, das sich Character Walk nannte und in der Praxis so aussah, dass es mehrere Routen nah zusammenliegender Galerien gab, die unterschiedliche KünstlerInnen ausstellten.

pictoplasma: Aafke Mertens, In Search for Metstli
Aafke Mertens, In Search for Metstli
2016 ist nicht besucherfreundlicher als 2009

In der Zwischenzeit ist der Character Walk allerdings so weit verstreut, dass es eher sowas wie Caracter Hiking – die drei Tages Tour geworden ist. Die meisten Werke sind derzeit in der Urban Spree Galerie zu sehen. Für alle anderen Sachen muss man laufen. Manchmal 10 min von einem Ort zum anderen, um dann drei Ausstellungsstücke zu sehen. Kann man machen und bei schönem Wetter kein Problem – so richtig besucherfreundlich ist es nicht (zumal man auch zwischen den Stadtbezirken wechseln muss – einige Galerien sind in Mitte, andere in Friedrichshain und ein Teil in Neukölln).

Irgendwie finde ich das schade.

Ich habe schon 2013 über die mangelnde Zugänglichkeit der Pictoplasma geschrieben:

Die Organisatoren solcher Festivals scheinen so – nennen wir es – betriebsblind zu sein, dass sie nicht mehr die Perspektive des (Kunst)Konsumenten einnehmen können und mit Worthülsen und so verwirrend die einzelnen Projekte beschreiben, dass man (zumindest ich) absolut nichts mehr versteht. Ich klicke mich durch die Webseiten und bin froh, wenn ich rausfinde, zu welcher Zeit die Ausstellung überhaupt stattfindet. Der Rest – böhmische Dörfer.

Ohne die entsprechenden Bilder, die Werke der Künstler zeigen, käme ich nie auf die Idee mir das Ganze anzuschauen.

pictoplasma: Jan de Coster, Robots on the Brink of Consciousness
Jan de Coster, Robots on the Brink of Consciousness

Vielleicht will das Festival aber gar nicht zugänglicher sein. Vielleicht geht dann auch der Zauber verloren? Ich weiß es nicht…

Um alles zu sehen, muss man einmal quer durch die Stadt

Ich habe mir für jeden Stadtteilwalk eine Google Karte angelegt (unten eingeblendet der Mitte-Walk).  Aufwändig und leider fällt mir wie jedes Jahr zu spät ein, rechtzeitig darüber zu bloggen und die Karte öffentlich zu machen, so dass andere sich die Arbeit nicht machen müssen. Für 2017 stelle ich mir einen Reminder.

Warum die Organisiatoren nicht die selbe Idee haben, ist mir rätselhaft. Das Festival ist sehr mediennah und eine App würde perfekt in das Format passen. (Vermutlich verpassen sie das Jahr für Jahr wie ich).

pictoplasma: Astrid Sattler, Stoned Olives
Astrid Sattler, Stoned Olives
Los geht’s! Heute ist die letzte Gelegenheit…

Dieses Jahr stellen die KünstlerInnen an insgesamt 14 Orten aus. Heute ist leider schon der letzte Tag, um die Arbeiten der insgesamt 23 KünstlerInnen zu sehen. Gute Startpunkte sind die Villa Elisabeth
in der Invalidenstr. 3, 10115 Berlin oder das Urban Spree, Revaler Str. 99
10245 Berlin. Dort (und an allen anderen Orten auch) liegen Flyer aus, die Auskunft über alle Orte und KünstlerInnen geben. Die Flyer enthalten auch kleine Karten, mit denen man sich orientieren kann.

Der Besuch der Pictoplasma ist übrigens kostenlos.

pictoplasma: Wilfried Wood, Queen
Wilfried Wood, Queen

SEO für BloggerInnen

Am Wochenende habe ich mal wieder einen Vortrag zu SEO für BloggerInnen gehört und irgendwie habe ich eine natürliche Abneigung gegen das Thema SEO in Blogs. Warum, das versuche ich im Folgenden zu beschreiben.

Dreh- und Angelpunkt aller Vorträge, die ich bislang gehört habe, sind Bemühungen aller Art das Blog für Google zugänglicher zu machen. Dabei ist die Idee, dass man den Google-Algorithmus irgendwie erschließt und dann die einzelnen Faktoren zu seinen Gunsten beeinflusst. Ziel ist mehr Traffic auf der Seite.

Für mich ist da ein Denkfehler drin. Denn statt sich nach der (Such)Maschine zu richten, sollte man sich nach den Menschen richten. Eigentlich ist es sogar tautologisch. Denn die Google-Macher versuchen ja mit Google Menschen und ihr Suchverhalten nachzuahmen.

Für Google zu optimieren heisst dann irgendwie für eine Maschine zu optimieren, die versucht Menschen (oder besser ihr Suchverhalten) nachzuahmen. Da kann man sich als Mensch doch gleich versuchen in die Menschen reinzudenken, oder?

Meine Beobachtungen während der Vorträge ähneln sich sehr. Vorne steht jemand, der zunächst ein bisschen über die Mächtigkeit von Google referiert (beunruhigte Gesichter) und dann eine Auswahl an technischen Fakten präsentiert (verunsicherte Gesichter), um dann schließlich zu berichten, was man alles tun kann, um Google entgegenzukommen bzw. zu seinen Gunsten zu beeinflussen (hektisches Mitschreiben, flankiert von leichtem Panikgesicht).

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Die Tipps sind unterschiedlich gut. Ich habe am Wochenende z.B. gehört, man solle Blogeinträge, die kaum Besucher haben löschen und dann ein Plugin benutzen, das die Leute, die über die bereits indizierten Links sonst auf eine 404 Seite kommen, umleitet. Diesen Tipp halte ich für ausgemachten Blödsinn.

Dann gibt es Tipps wie: benutzt Bilder, schreibt übersichtliche Artikel, verwendet dafür Absätze und Zwischenüberschriften.

Solche Tipps halte ich für sinnvoll. Warum? Weil sie gut für Menschen sind (und damit zufällig auch für die Maschine Google, die ja die suchenden Menschen nachahmen soll).

Binsenweisheit mag man jetzt sagen – aber auch wenn man weiß, dass Absätze Texte leserlicher und Bilder Texte anschaulicher machen – nicht jede/r setzt dieses Wissen um (ich z.B. weil ich zu faul bin, die passenden Bilder zu suchen).

Ganz banal heisst Texte optimieren also Texte gut lesbar machen. Mehr nicht. Man braucht meiner Auffassung nach keine Keyword-Generator, die einem zum Text noch schöne andere Worte anbieten, die man dann fleißig einbaut. So etwas verunstaltet Blogtexte. Was anderes mag es sein, wenn man einen Shop hat. Dann bietet man aber konkrete Produkte an, auf die man konkret optimieren kann. Wer Buntstifte sucht, sucht bestimmt auch rot, grün, blau oder Spitzer etc.

Texte macht man durch ekeliges Keyword-Stuffing kaputt.

Die andere Frage ist: wenn man es wirklich schafft, durch SEO Menschen auf die Seite zu locken: was sind das für Menschen und was passiert mit denen?

Ich habe da sofort das Bild von diesen Restaurants in touristischen Gegenden im Kopf, vor denen „Anlocker“ stehen, die weil sie JEDEN Passanten ansprechen, am Ende wirklich erreichen, dass das Restaurant gefüllt ist.

Die eigentliche Frage aber ist: Ist das Essen gut? Fühlen sich die Menschen dort wohl und würden sie wiederkommen?

Und ich behaupte, die Antworten lauteten nein, nein und nein.

Was man als Restaurantbesitzerin doch eigentlich möchte, sind nicht irgendwelche Touris, die man dann nie wieder sieht, sondern eine glückliche Stammkundschaft, oder? Menschen, die gerne wieder kommen. Die vielleicht sogar andere mitbringen und die ihren FreundInnen von meinem Restaurant erzählen.

Deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass man die ganzen tollen SEO Tipps einfach vergessen kann.

Mein erster Tipp wäre: „Dance Write like nobody’s watching

(Ich glaube, der Tipp ist ursprünglich von Anke Gröner [sie hat es im Header stehen). Felix Schwenzel schreibt in dem Zusammenhang sehr schön über Randall Munroe, der sich offenbar auch keinerlei Gedanken um Optimierung macht und trotzdem höchst amüsant ist und zahlreiche Fans hat.)

Einfach schreiben, was man schreiben will. Fertig. Aus Selbstzweck. Um Erinnerungen festzuhalten, um Erfahrungen zu teilen, um Spaß zu haben. Ich habe vor 12 Jahren exakt so angefangen.

Mein zweiter Tipp: „Qualität vor Quantität

Meistens hat man ja ein (Anfangs)Thema. Man schreibt übers Kochen, übers Reisen, über Kinder, über Politik, über Autos. Und dafür gibt es bestimmt Interessenten. Andere Menschen, die sich fürs Kochen, fürs Reisen, für Kinder, für Politik oder für Autos interessieren.

Das sind dann die Leute, die man im Blog haben möchte und nicht die, die sich für Astronomie, für Lettering oder für Hasen interessieren. Es geht also nicht um viele LeserInnen sondern um die richtigen LeserInnen.

Wie man an die kommt, ist beim Bloggen viel einfacher als bei Shopbesuchern. Man liest dann nämlich einfach artverwandte Blogs, teilt gute Beiträge zum Thema, kommentiert und baut sich in den Sozialen Medien kleine Themeninseln. Ganz vereinfacht gesagt, geht es ums Vernetzen.

Und wenn man doch unbedingt viele LeserInnen und nicht nur bestimmte LeserInnen haben möchte, dann wäre mein dritter Tipp: „Meinung haben

Beiträge, in denen klar Stellung bezogen wird, ziehen Menschen an und zwar von beiden Seiten. Diejenigen, die diese Meinung teilen und diejenigen, die eine völlig andere Meinung haben.

(Das muss man aber auch aushalten können. Ich konnte das am Anfang meiner Blogzeit gar nicht und ich habe mich deswegen jahrelang bemüht so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Erst als ich meine feste Community hatte, habe ich angefangen mich klar zu Themen positionieren.)

Wenn man erstmal soweit ist, dass man sich traut Meinung zu haben, kann man über Wege der eigenen Sichtbarkeit nachdenken. Jess von Alabaster Maedchen nannte das im Zusammenhang mit dem Thema Monetarisierung von Blogs „Indirekte Erlösquellen“.

Zu diesen Maßnahmen gehört es, für andere Magazine zu schreiben, Vorträge zu halten oder z.B. an Diskussionspanels teilzunehmen. (Ich ergänze die Punkte, wenn die Folien online sind, ich hab nicht alles mitgeschrieben). Vielleicht wird man zu Beginn nicht gefragt – man kann sich aber auch einfach anbieten. Der Tipp lautet deswegen „Sichtbarkeit erhöhen

Mein letzter Tipp ist eine weitere Binsenweisheit: „Geduld haben

Ihr wollt kein Touristenrestaurant, das nach 3 Monaten wieder schließt, oder? Ihr wollt ein schönes, lauschiges Restaurant mit Stammkundschaft, gutem Service, zufriedenen MitarbeiterInnen und 1A Essen.

Sowas startet man nicht einfach so. Dafür braucht es Geduld. Man fängt mit einer Idee an und lernt dazu. Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr und irgendwann klappt es.

Zusammenfassend also:

  • Technische Barrieren aus dem Weg räumen (da steht schon ein Häkchen, bei allen, die ein gängiges Content-Management-System wie WordPress mit einem Standard Template verwenden)
  • Texte so schreiben, dass sie gut lesbar sind (Selbsterklärende Überschriften, Bilder, Absätze, Zwischenüberschriften, Zusammenfassungen)
  • Write like nobody’s watching
  • Qualität vor Quantität
  • Meinung haben
  • Sichtbar sein
  • Geduld haben

und

  • alle SEO Tipps ignorieren