Zeit für eine Stöckchenmitmachaktion. Fotografiert Eure Baby/Kleinkinder/Familienbettsituation und raubt allen Nochnichteltern sämtliche Illusionen. Hier als Nachtrag dazu mein Beitrag:

Zeit für eine Stöckchenmitmachaktion. Fotografiert Eure Baby/Kleinkinder/Familienbettsituation und raubt allen Nochnichteltern sämtliche Illusionen. Hier als Nachtrag dazu mein Beitrag:

Ich erinnere mich, dass ich mich vor Vollendung meines 28. Lebensjahres des öfteren gelangweilt habe. Das fällt mir vor allem ein, wenn unser Kind 1.0 sich aus den Spielzeugbergen gräbt und ein langes, leidendes Gesicht macht und seine Lippen lautlos das Wort LANGEWEILE! formen.
Seit wir Kinder haben, habe ich mich nicht mehr gelangweilt. Hätte ich gewusst, wie sehr ich es vermissen werde, dann hätte ich mich bei meinem letzten Mal nicht einfach achtlos gelangweilt. Nein, ich hätte es ausgekostet. Ich hätte mich auf dem Boden hin und her gewälzt, wäre vielleicht bäuchlings auf die Straße gerobbt und hätte Passanten wie ein Verdurstender in der Wüste den Arm entgegen gestreckt und dabei: Langweilig, langweiiiiiliiiig! gekrächzt.
Jetzt, wenn ich zum Beispiel das Baby auf dem Rücken trage, mit der einen Hand staubsauge, mit der anderen Hand Babynahrung dünste und pürriere, während ich mit den Füßen Wollsöckchen stricke und dabei telefoniere, denke ich oft noch an diese schönen Zeiten.
Es wäre so schön: einmal alleine langweilen.
Wenn ich dann das Baby versuche in den Laufstall zu stellen, weil ich zum Beispiel eine giftige Pflanze umtopfe und es schreit und weint, als hätte ich es an einer Autobahnraststelle ausgesetzt, dann wünschte ich, wir könnten Plätze tauschen.
Ich hebe es dann raus, setze mich in den Laufstall, lege mich auf den Rücken, die Beine lasse ich rausbaumeln und starre an die Decke. Vielleicht lege ich mir auch ein Schnüffeltuch auf die Augen und dann schlummere ich langsam ein und träume, ich sei ein Kind mit vielen, vielen, vielen Spielsachen und ginge meinen beschäftigten Eltern auf die Nerven.
Spätestens mit Kind macht man sich die ein oder anderen Gedanken zum Thema Umwelt & Ökologie. Als ordentlicher Bürger trennt man den Müll, bezieht Ökostrom, kauft beim lokalen Bio-Bauern am Markt ein und hat ein sehr schlechtes Gewissen, wenn das Baby ausschließlich Süßkartoffelbrei zu sich nimmt, denn Süßkartoffeln haben Ökoeffizienzklasse D, da sie nur in Timbuktu kultiviert werden und dann mit dem Flugzeug vor unsere Haustür gebracht werden.
Außerdem trägt das Baby ausschließlich selbstgestrickte Säcke aus der Wolle des Schafs, das wir am Balkon halten. Die CO2-Atemluft des Schafs fangen wir selbstverständlich auf und binden sie mit Hilfe verschiedener Bakterien um dann wieder Sauerstoff und Wasser abzuspalten. Das Wasser trinke ich, woraus Milch entsteht, die das Baby zu sich nimmt. Wenn das Baby kackt, sammeln wir die Exkremente und düngen damit die Wiese, die das Balkonschaf isst. (Mit dem Methan, welches das Schaf auspupst, beheizen wir unsere Wohnung.)
Bei diesem Umweltbewusstsein war natürlich klar, dass wir am 08.12.2007 bei der Aktion „Licht aus!“ mitgemacht haben.
Um unseren Kindern zu zeigen, dass aktive Teilnahme am Klimaschutz auch unglaublich viel Spaß machen kann, haben wir einen Ausflug gemacht. Wir wanderten, bepackt mit Schafsmilchkäse, zur Warschauer Brücke und blickten gegen Nordwesten, um zu sehen, wie Berlin erlischt.
Es war absolut phantastisch. War Sekunden zuvor noch der ganze Hochhausblock, der uns die Sicht auf das Rote Rathaus und den Fernsehturm versperrte, erleuchtet, so gingen um 20 Uhr während eines Wimpernschlags nahezu alle Lichter aus.
Auf der Brücke hatten sich kleine Grüppchen von Schaulustigen versammelt. Ein Raunen ging durch die Reihen. Berlin, stockdunkel.
So schnell konnten die Zapfen und Stäbchen in der Netzhaut gar nicht adaptieren! Erstaunensstille! Ein großartiger Moment! Unvergesslich! Einmalig! Grandios!
Doch dann schüttelte mich das Kind 1.0. „Ey, Stiefmutter, ist jetzt schon acht oder was?“ Verwirrt schaute ich auf die Uhr. 20.03 Uhr, alle Glühbirnen unverändert erleuchtet. Nichts passiert. Ich war einfach nur über dem Geländer der Brücke eingeschlafen.
Alle drei Monate beschließt das Kind 2.0 gegen 3.00 Uhr nicht mehr zu schlafen. Es spuckt dann den Schnuller aus, um sich wenige Sekunden danach wie ein Staubsauger zu gebärden und den Matratzenboden abzusuchen. Wenn es den Schnuller nach drei Millisekunden nicht gefunden hat, weint es.
Hilft man bei der Suche, so lässt sich das Baby flink lange Fingernägel wachsen um dann jede mütterliche Körperstelle, die nicht stoffbedeckt ist, zu zerkratzen.
Es trommelt freudeerfüllt auf dem Bauch, zieht die Spieluhr auf und macht Kunststückchen.
Dabei macht es ein Gesicht wie ein dressierter Seehund und klatscht jaulend in die Hände.
Ab da geht der Houseshow-Wrestlingkampf los.
Entrance der Teilnehmer: Die schlaftrunkene Mutter (Sleepy big Mummy) steigt in den Ring und klatscht vorher die Hände des ebenfalls schlafbedürftigen Vaters ab, der im weiteren Verlauf jedoch keine aktive Rolle übernehmen wird. Ihr Gegenüber, der Heel Baby the Nappypooping Poo schenkt dem Publikum keinerlei Beachtung und steht locker, fast gleichgültig an die Gitterstäbe des Babybettchens gelehnt.
Die Mutter greift sofort an und versucht das Match mit einem Pinnfall zu beenden.
Das Baby, eingeölt von oben bis unten, entkommt dem Cover und windet sich wie ein Aal in Freiheit, erklimmt das über dem Bett befindliche Musikmobile und attackiert die überraschte Mutter mit einem High-Flyer.
In der Zwischenzeit geht bereits die Sonne auf. Die Augenringe der Mutter haben furchterregende Ausmaße angenommen. Die letzten Kräfte werden mobilisiert, die finale Aktion fällt, Sleepy big Mummy zwingt Nappy Poo erst mit Hilfe eines Neck Holds, dann mittels Hip Lock und schließlich durch den Flying Fall in die Knie.
Das Kind lässt sich hinlegen. Es schläft. Der Wecker klingelt.

Da Kinder erst so spät anfangen sich verbal zu äußern, haben wir uns entschlossen, unserem Nachwuchs Babyhandzeichen beizubringen. Schließlich ist es ziemlich mühsam aus dem natürlichen Verhaltensrepertoire eindeutig herauszulesen, was Baby gerne möchte.
Man kennt das ja. Kurz vor dem elterlichen Zubettgehen, hält man ein rosabackiges Baby im Arm, dem die Äuglein fast zufallen. Man wickelt noch mal, das Baby gurrt, man stillt ein letztes Mal und legt das Kindchen in die Wiege. Kaum hat der eigene Kopf das Kissen berührt, krakeelt es plötzlich aus dem Babybett.
Jetzt beginnt die Suche. Hunger? Kann eigentlich nicht. Windel voll? Beherzt schnüffelt man am Popo, kann nichts ausmachen, weckt zur Sicherheit den Partner, damit dieser ebenfalls schlaftrunken eine Briese Windelduft inhalieren kann. Nein, die Windeln ist es nicht. Zu kalt, zu warm? Ein Griff in den Nacken widerlegt auch diese These.
Schnuller rausgefallen? Ne, der sitzt bombenfest. Bauchweh? Man reibt prüfend ein wenig die Babyplauze, kein Wind entweicht.
Man starrt den Säugling an, der starrt zurück. Auf die höfliche Frage, was denn nun fehle zum Glück, antwortet dieser nur mit einem gleichgültigen „Örks“.
Wie praktisch wären hier die Babyhandzeichen!
Gesagt getan. Nach nur wenigen Monaten beherrscht das Baby die Grundzeichen und die eben geschilderte Situation stellt sich wie folgt dar.
Eltern: Hast Du noch Hunger? (Zeichen für Milch)
Baby: Zeichen für Milch.
Aha! Baby wird gestillt, schläft an der Brust selig lächelnd ein, wird in die Wiege gelegt.
Baby: Rähhhbääääh
Eltern: Ist die Windel voll? (Zeichen für Kacka)
Baby: Zeichen für Kacka, Kacka, Kacka
Eltern denken: Ohje viel Kacka.
Baby wird gewindelt. Man findet die sauberste Windel seit Öffnung der Windelpackung vor. Man wird skeptisch.
Baby in der Wiege: WäääähhHHHHHhhhh!
Eltern starren ratlos in die Wiege.
Baby: Zeichen für Milch, Zeichen für Kacka.
Eltern: Grrrrr.
Baby: Milch, Milch, Milch!
Eltern stellen sich schlafend.
Baby: Mama Kacka! (Wirft Gebärdenzeichen per Schatten des Nachtlichts an die Wand).
Bitte beachten Sie Kokos Wunschliste.
Als wir Kind 2.0 vom Krankenhaus nach Hause trugen, fand ich mitten auf der Straße ein Tamagotchi. Wir entschieden uns, es mitzunehmen und es Kind 1.0 zu überreichen. Total pädagogisch sinnvoll. Da würde es bestimmt gleich viel besser verstehen, wieso dem neuen Geschwister so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.
Hat super geklappt. Kind 1.0 kümmert sich rührend um sein kleines piepsendes Tamagotchi. Jedenfalls ungefähr 15 Minuten über den Tag verteilt. Zum Beispiel wenn es sich anziehen soll.
Kann nicht, muss mich um mein Tamagotchi kümmern!
Oder wenn es den Tisch decken soll.
Kann grad nicht, muss mich um mein Tamagotchi kümmern!
Oder wenn es mit der Zahnbürste die Badfließen reinigen soll.
Würde gerne, kann aber nicht … […]
Den Rest der Zeit trage ich die Verantwortung. D.h. wenn das Stiefkind bei seiner Mutter ist, wenn es zur Schule geht, wenn es spielt, wenn es sich mit anderen Kinder trifft, wenn es schläft, isst, badet, wasauchimmer.
Ich weiß nicht, was ich falsch mache, aber das Tamagotchi ist total verzogen. Es will andauernd Aufmerksamkeit und wenn ich nicht mit ihm spiele oder ihm Geschichten vorlese, dann kackt es das ganze Display voll und ich kann Ihnen sagen, es ist eine Heidenarbeit das alles wegzuputzen und das Tamagotchi wieder neu anzuziehen.
Jetzt wissen Sie auch den Grund, warum es mit dem Bloggen nicht immer so klappt.

…mein liebender Partner seine Star Trek Fanschaft beendete: Pictures of Star Trek Cast
Nachtrag: Toll, dass ich so alt bin, dass ich mich wundere, dass da nur Kinder mitspielen.
P.S. Gibts eigentlich noch andere männliche Heros Zuschauer, die jedes Mal wenn sie Zachary Quinto sehen, hell kreischen vor Entsetzen?
Quelle: Irgendwo hier, nur wo?

Mein Beitrag zum oben genannten Thema. Ich wünschte, das Balg bezaubernde Baby würde irgendwas anderes als Süßkartoffelbrei essen.