Damit man sich mit Baby nicht langweilt und auch um die Wirtschaft anzukurbeln, macht man heutzutage mindestens drei Babyförderungskurse pro Woche. An den verbleibenden freien Tagen geht man, um die frühkindliche Motorik zu fördern, mindestens einmal schwimmen.
Babyschwimmen ist super. Man gleitet samt Nachwuchs durch ein pipiwarmes Becken und plätschert gut 30 Minuten durchs Wasser. Dabei macht man oioioi oder auch jaoioioi, fein!
So läuft das theoretisch. Praktisch ist man leider ununterbrochen auf der Flucht. Auf der Flucht von anderen Muttis mit Baby.
Mal kurz den üblichen Smalltalk austauschen ist ja OK, aber die meisten wollen gar nicht mehr aufhören zu reden.
– Wie alt ist ihr Baby denn?
– 4 Monate.
– Meins ist xx-Monate. Was ist es denn?
– Ein Baby.
– Meins ist ein xx. Waren sie schon öfter hier.
– Nein.
– Ich schon, wir gehen jede Woche. Macht es ihrem Baby auch so Spaß?
– Weiß nich, es redet noch nicht.
Spätestens da winke ich einem imaginärem Menschen zu „Ah, da hallo, der Onkel/Tante/Opa/Oma. Ich muss leider los…“ und paddele von dannen.
Die fremde Mutti nimmt die Verfolgung auf.
– Ach, sie sind gar nicht alleine hier?
Ich erhöhe die Geschwindigkeit, biege unerwartet ab und schiebe mein Baby an der aufdringlichen Mama vorbei.
– Sie sind aber schnell. Hi, hi.
Die Mutti bindet sich ihr Baby auf den Rücken und krault mir hinterher. Ich schaue in die Luft und gebärde mich seltsam. Dabei sage ich laut: „Hoffentlich sieht der Bademeister nicht, dass Du diese extrem ansteckende und gefährliche Krankheit hast, mein süßes Baby!“.
Die kommunikationssüchtige Frau hat Wasser in den Ohren und kommt immer näher.
Ich schnalle meinem Baby und mir Atemgeräte um. Dann eben Babytauchen. Wir gleiten leise blubbernd an den Celluliteoberschenkeln der anderen Frau vorbei. Endlich Ruhe!
Dringende Kaufempfehlung
Frisch arriviert. Wunderschön und das Geschenk für Männer und Familien mit Babys, die alles essen wollen.
Vettelpower – nein danke!
Die Zeit der hormoninduzierten Harmonie neigt sich dem Ende zu. Ich kann wieder intensive negative Gefühle meinen Mitmenschen gegenüber empfinden. Allen voran den Guteratschlägegebern in Sachen Kindererziehung.
Was ist das ohnehin für eine Unart, ungebeten fremde Menschen anzusprechen und sie dann auch noch an völlig verzichtbarem Wissen teilhaben zu lassen?
Allen voran die (sehr wahrscheinlich kinderlosen) Damen Ü60, deren theoretisch fundierten Erziehungsmethoden seit den 50er Jahren kein Update erfahren haben.
So sprach mich gestern eine Frau an, warum ich das arme, arme Baby den herumtrage und nicht im Wagen transportiere? Außerdem müsse ich UNBEDINGT das Köpfchen festhalten.
Mein Hinweis, dass das Kind bald laufen könne und sich deswegen ein Kopfhalten seit schätzungsweise zwei Tagen nach der Geburt erübrige, brachte sie in Rage und ließ sie zeternd mit den Worten „Die jungen Mütter von heute, die lassen sich aber auch rein gar keine nützlichen Tipps geben. Das arme, arme Kind!“
Aus Rache an solchen Menschen sollte ich ebenfalls tolle Tipps verteilen. Warum denn in den Senior-Club? Kaufen Sie sich doch einen iPod!
Hätten Sie weniger Kartoffel gegessen, wären sie faltenfrei. Wer in die hohle Hand hustet und sich dabei um die eigene Achse dreht, lebt ewig!
Trauma
Ich denke, es gibt Kooperationsverträge zwischen der Pharmaindustrie und Videotheken. Jedenfalls finde ich die Plazierung der Barbie-DVD (Barbie als Prinzessin der Tierinsel) höchst interessant.
„Mama, ich geh mal DVD-Cover anschauen…“

Es schläft, wehe Du atmest
Wenn Säuglinge schlafen, schlafen sie. Sie fallen von einer Minute zur anderen in den Tiefschlaf. Da könnte Godzilla nebenan die Nachbarschaft zertrampeln; sie würden nicht wach werden.
Das ist eine wunderbare Zeit.
Gegen Ende des ersten Lebensjahres ändert sich das leider. Die Kleinstkinder schlafen schlecht ein und wenn sie endlich schlafen, werden sie bei jedem Mucks wach.
In der alltäglichen Kommunikation bin ich großer Freund einer differenzierten Ausdrucksweise, doch es gibt Situationen da kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass die Stärke des Ausdrucks durchaus angemessen ist.
Denn was in mir aufkeimt ist nichts anderes als Hass, wenn man es endlich geschafft hat, dass das Baby schläft und irgendwer beispielsweise hustet und somit das sofortige Wecken und Dauerschreien bewirkt.
Hass, Hass, Hass.
Auch den knarrenden Diele, der Klospülung, dem Wind und Blähungen wünsche ich die Pest an den Hals.
Ich will nach Norwegen, im 60km Umkreis keine Menschenseele und morgens nach dem Frühstück knalle ich alle Vögel ab. Dann ist endlich Ruhe. RUUUHHHHEEEEÄÄÄHHH!
Tagesrätsel
Hungriger Truthahn
Wer nicht klickt, ist selbst schuld. Ich hab mich totgelacht. Hey, ich sage nicht, ich wäre besser mit z.B. asiatischen Ländern, nur … ich gehe nicht ins Fernsehen …
Heute beim lik™ entdeckt (ja, ja bin etwas hinterher…)
Pipieinfach!
Bislang habe ich mein Leben mehr oder minder sportfrei verbracht. Sport ist albern und ich hasse es, fremde Menschen schwitzen zu sehen. Geschweige denn mir ihre vor Schweiß triefenden Achselhaare anzuschauen, wenn sie die Arme in die Luft recken.
Doch jetzt habe ich ein Kind bekommen und sehe aus wie eine Quaddel. Zum Quaddelsein bin ich noch zu unverheiratet und so muss ich mich Wohl oder Übel ein wenig in Form bringen.
Das Kursangebot mit Baby ist in Berlin reichhaltig. Und so habe ich mich in meiner Unerfahrenheit in Aerobic plus Baby eingeschrieben und leider auch schon im Voraus die Kursgebühren bezahlt.
Aerobic ist an sich ganz lustig. Ich mag 80er-Jahre Musik und zapple fröhlich gegen den Takt der Musik und spreche mir vor „Ich bin Jane Fonda, ich bin Jane Fonda und eines Tages, da bin ich Alex Owens aus Flash Dance. Ich tanze dann in einer leeren Halle und kippe mir einen Eimer Wasser über den Körper und dann lieben mich alle Männer!“.
Leider habe ich ein Problem. Mangels Kleinhirn (es muss eine organische Ursache haben), bin ich nicht in der Lage Rhythmus zu halten und/oder Arme und Beine getrennt voneinander zu koordinieren.
Das war eigentlich kein Problem. Erwachsene zeigen schließlich sozial erwünschtes Verhalten und deswegen hat noch nie jemand über mich gelacht. Bis – ja bis eines Tages der 3 jährige Sohn der Aerobiclehrerin dabei war.
Am Anfang spielt er artig mit Autos, dann beobachtet er die Szenerie, um schließlich aufzuspringen und zu schreien: „Ähhhhhhh das ist ja voll pipieinfach, das kann ja jedes Kind!“
Da ihm langweilig ist, macht er mit. Leider ist er besser als ich. Während er die Hände im Takt der Musik durch die Luft wirbelt, ruft er: „Pipieinfach, pipieinfach, pipieinfaaaaach!“
Doch dann erstarrt er mitten in der Bewegung. Er hat mich entdeckt. Er beobachtet mich. Ich fange an zu schwitzen. Er kneift seine Augen zusammen.
„Eigentlich kann das jedes Kind“, sagt er und schaut dabei in meine Richtung. Langsam hebt er den Zeigefinger. „Jedes Kind … “ Ich schließe meine Augen und denke angestrengt neinneinneinnein sags nicht, sags bitte nicht! “ …außer DIE DA!“
Der Boden öffnet sich, fumb. Ich verschwinde.

