Ironie versteht der Leser nicht

Von Journalisten hört man es oft: Ironie versteht der Leser nicht. Auch mir fällt es bisweilen schwer. Doch scharfsinnig wie ich bin, ist es mir heute mal wieder gelungen.

In der Regel warte ich bis ich ins Kino gehe oder mir eine DVD ausleihe, bis Anke Gröner was darüber geschrieben hat. Sie trifft den Nagel grundsätzlich auf den Kopf. Alle 4 Jahre schreibt sie eine 1. April-Filmkritik – gemeinerweise nicht am 1. April, so dass die meisten gar nicht merken, dass sie in den April geschickt werden.
So passiert am 30. Mai 2005 und heute mit Wanted.

Revolver-DVD

Dass ich einen klitzekleinen Faible für Jason Statham habe, ließ ich bereits durchscheinen. Um ehrlich zu sein ging es dabei nie um seine schauspielerischen Fähigkeiten. Toll finde ich, dass sich Jason jetzt auch als echter Schauspieler versucht. Am Wochenende sahen wir „Revolver“ ein Film von Guy Ritchie, der mit den 60 Millionen seiner zukünftigen Ex-Frau vermutlich wieder mehr als der Ehemann von Madonna sein kann.
In Revolver glänzt Statham als Akteur mit Haarwuchs. Er blickt z.B. mehrere Male nach rechts oder links, schiebt seine Augenbrauen zusammen und/oder schüttelt sein volles Haar.
Ray Liotta hingegen weint und wird von Szene zu Szene sonnengebräunter. Vom Plot habe ich leider wenig verstanden. Sonnenklar, denn der Film basiert auf psychoanalytischen Seelenmodellen, den ich leider noch nie zustimmen konnte.
Für Statham empfehle ich als nächstes einen Raubritterfilm. Guy Ritchie kann man nach „Stürmische Liebe“ nur zum Comeback gratulieren.

Survival of the Fittest

Das ganze Jahr über erzieht man die Kinder. Macht Vorgaben, gibt Richtlinien, korrigiert und ermahnt. Natürlich alles nur in bester Absicht. Doch der sprichwörtlich Bewanderte weiß, der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
Deswegen sind Ausnahmen wichtig. Alle fünf Jahre z.B. darf Kind 1.0 einen Film mit uns ansehen. Um die Seltenheit dieses Ereignisses wissend, verbringt es ein gutes Quartal mit der Filmauswahl und entscheidet sich dann spontan für eine aktuelle DVD und schafft damit eine nicht unbanale Herausforderung für die Eltern.
Denn aktuelle Filme sind eigentlich immer ausgeliehen und lassen sich leider nicht reservieren.
So klemme ich mir im Morgengrauen meinen Schlafsack unter den Arm, befülle die Thermoskanne mit Espresso und mache mich auf zur Videothek. Dort lege ich mich vor den Eingang und drücke mir die Nase an der Scheibe platt. Ein einziges Ausleihkärtchen für Ratatoille kann ich erspähen.
Es ist fünf Uhr und die letzten Jugendlichen finden ihren Weg von einem anstrengenden Ausgehabend nach Hause. Mitleidig schauen sie mich an und gelegentlich wirft einer eine Münze in den leeren Becher vor mir.
Noch sechs Stunden bis die Videothek öffnet. Doch ich werde den Film mit nach Hause bringen, das Kind wird glücklich sein, es wird dankbar sein, es wird ab da tun, was wir verlangen, es wird nie mehr widersprechen, es wird uns lieben, unsere Opfer zu schätzen wissen … doch halt! Dankbarkeit bei einem Kind? Ich muss eingeschlafen sein. Benommen reibe ich meine Augen und stelle fest, die Tür vor mir ist geöffnet. Gerade übersteigt mich ein ca. zwei Meter großer Kerl und peilt das Regal an, in wechem die von mir begehrte Ausleihkarte steckt.
Ich robbe im Schlafsack so schnell ich kann in den Laden. Indem ich mich um die eigene Achse rolle, erhöhe ich die Geschwindigkeit. 5 km/h, 10 km/h, 15 km/h. Endlich schnell genug, um dem Mann die Füße unter den Beinen wegzukegeln. Während er wie ein gefällter Baum zur Seite kippt, streife ich den Schlafsack ab und hechte an seine Hand. Noch hält er die Karte fest umschlossen, doch als ich ihm reinbeiße, kann er nicht standhalten. Die Karte segelt zu Boden, ich fange sie und eile zur Ausleihe.
Der Typ ist mit dem Kopf an den überdimensionierten Spiderman gefallen, der an der Ecke des Raumes den Film bewirbt.
Besser so für uns beide, denke ich und eile mit der DVD nach Hause, wo Kind 1.0 gespannt wartet.
Während der Film läuft, hole ich uns Erfrischungsgetränke aus der Küche als mein Blick zum Fenster des Hinterhofs schweift. Dort sehe ich gegenüber, eine Etage unter uns just den Koloss von eben, wie er mit hängenden Schultern zwischen vier weinenden Kindern steht.
Fast überkommt mich Mitleid, doch dann lasse ich das Rollo runter. Wäre er eben früher aufgestanden. Das Leben ist kein Ponyhof.

The Beach Boys‘ „God Only Knows“ will never sound the same

Das Wetter ist zur Zeit so schlecht, dass man eigentlich nicht viel machen kann außer DVDs zu schauen. Gibt sonst ja auch nichts spannendes im Moment. Deswegen unbedingt schauen: Enduring love.

So spannend wie das Buch. Mindestens! Auch lesen: The Cement Garden.

Daniel Craig glänzt in der Hauptrolle übrigens so, dass ich mir theoretisch vorstellen könnte, meinen ersten James Bond Film wach zu überstehen.

Filmsucht

Am Wochenende mal wieder ein Dutzend Filme und zehn Folgen DS9 konsumiert. Daraus folgende Vorsätze generiert:

1. Wenn ein Film langweilig ist, ausmachen.

2. Wenn ein Film keine eigene Inhaltsbeschreibung hat sondern nur mit einem anderen Film verglichen wird, der gut war, Finger weg von dem Film.

Resumee: Memories of a Geisha ist ein grauenhaft langweiliger Film. Man erfährt nichts über Japan, nichts über Traditionen, nichts über Geishas. Im Grunde ist die Geisha ein einschläfernder Abklatsch von Cinderella – nur ohne die lustigen Mäuse. Wer Jim Carrey liebt, sollte unbedingt, ich widerhole u n b e d i n g t Fun with Dick and Jane anschauen. Wunderbar. Ich mußte mehrere Male wiederbeatmet werden, weil ich keine Luft vor Lachen bekommen habe. Klamauk vom Feinsten.

Nu und die anderen Filme: Alle veregessen.