Partnerschaftlich geteilt

Eine Freundin hat mir kürzlich ein älteres Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch, Professorin für Geschlechterverhältnisse an der TU Darmstadt, zugeschickt. Es heisst „Putzen oder lieben„.

Bemerkenswert und schön als kleiner Test, schon eine Frage ganz zu Beginn:

Sie sprechen von einem inneren Widerspruch [zwischen romantischen Liebe und gleichberechtigter Partnerschaft.]: Wie finden Sie den heraus?

Wir führen Interviews mit den Paaren. Wenn man sie zum Thema Hausarbeit befragt, kann man hören: Bei uns läuft das partnerschaftlich, wir teilen uns die Arbeit auf. Aber wir wollen das genauer wissen und fragen nach: Wer putzt denn bei Ihnen die Fenster? Wer näht die Knöpfe an? Wenn man insistiert, kommen andere Dinge ans Licht. Etwa dass immer dann, wenn der Mann für längere Zeit die Hausarbeit übernimmt, im Erziehungsurlaub beispielsweise, eine Putzfrau engagiert wird, die es nicht gegeben hat, als die Frau für die Hausarbeit zuständig war. Das sind interessante Details, die den inneren Widerspruch deutlich machen.

Wer putzt das Klo?
Wer putzt die Fenster?
Wer wäscht die Wäsche?
Wer hängt sie auf?
Wer faltet sie?
Wer räumt sie in den Schrank?
Wer bügelt?
Wer steht am Wochenende mit den Kindern auf?
Wer überzieht die Betten?
Wer macht die Einkaufsliste?
Wer plant was gegessen wird?
Wer gießt die Blumen?
Wer näht kaputte Kleidungsstücke?
Wer bringt den Müll runter?
Wer macht die neue Mülltüte in den Mülleimer?
Wer saugt?
Wer wischt den Staub?
Wer wischt den Boden?
Wer wischt die Schränke mal aus?
Wer kümmert sich rechtzeitig um die Geburtstags/Weihnachtsgeschenke?
Wer denkt an die Geburtstage der Verwandtschaft?
Wer achtet darauf dass die Schuhe der Kinder passen?
Wer besorgt neue Schuhe?
Wer macht den Großeinkauf?
Wer besorgt alle paar Tage frische Sachen wie Obst und Gemüse?
Wer kauft Windeln?
Wer geht zum Elternabend?
Wer sortiert die kaputte und nicht passende Kleidung der Kinder aus?
Wer schneidet den Kindern die Fingernägel?
Wer denkt an die U-Untersuchung?
Wer geht mit den Kindern zur U-Untersuchung?

Wer repariert ein kaputtes Fahrrad?
Wer schaut nach der Wechselwäsche im Kindergarten?
Wer entrümpelt das Kinderzimmer?
Wer macht den Ofen sauber?
Wer macht jeden Morgen die Schulbrote?
Wer räumt die Spülmaschine aus?
Wer räumt sie ein?
Wer macht die Spülmaschine regelmäßig sauber?
Wer erledigt die Behördengänge?
Wer denkt an ablaufende Fristen?
Wer kocht?
Wer deckt den Tisch?
Wer räumt den Tisch ab?
Wer macht die Schuhe sauber?
.
.
.
Und dann: Wie oft tut er/sie das?
Und: Tut er/sie das ohne Aufforderung?
Und: Erledigt er/sie die Aufgaben ohne Zuarbeit und Nacharbeit?


 

Und wenn nach Abarbeiten dieser Liste eine Person den Löwenanteil trägt, dann einfach die 10 Life-Changing Tips to Make Your Home So Much Cleaner lesen.

Mir gefallen am Besten Tipp 6 und 7:

6. Don’t clean. Let it get so bad that your family signs you up for a reality show where a professional comes in and cleans.

Kick back and enjoy the money.

7. The mess isn’t the problem, it’s the fact that you can see it.

Have your eyes surgically removed and never see again.

 

P.S. Ich hab das ja mal versucht, um das große Kind zum Mithelfen zu bewegen. Ich habs nicht ausgehalten.

Meine (etwas fruchtlose) Affäre mit Snapchat

Ich bin ja eigentlich sehr glücklich mit Twitter und auch schon total raus aus dem Alter, in dem ich mich immer fragen muss: „Gibts noch was besseres?“

Twitter und ich, das ist was für die Ewigkeit. Ob nun Sternchen oder Herzchen, ob mit oder ohne Gifs, ob ich Umfragen erstellen kann oder nicht. Is mir alles egal. Selbst die zunehmenden Werbetweets, ignoriere ich einfach standhaft. Ignorieren ist, manche Leserin mag das verwundern, eine meiner Kernkompetenzen.

Allerdings kommt man als Internetkranke (wie ich liebevoll von einigen Menschen genannt werde), kaum an Snapchat vorbei. Irgendwie ist das wahnsinnig groß und damit eben relevant und offenbar tummelt sich dort die Jugend (Wahrscheinlich genau die Jugend, die in Facebook vor der nervigen Elterngeneration geflohen ist).

Neben der Jugend ist Snapchat offenbar für den Journalismus als solches auch ein heißes Ding (Breitband Radiobeitrag).

Ach und ach, also musste ich mir dieses Snapchat doch mal anschauen, immerhin werden

„bei Snapchat […] pro Tag rund 700 Millionen Fotos gepostet und damit 10 mal mehr als bei Instagram. Ebenso generiert die App bereits jetzt schon ta?glich 6 Milliarden Videoaufrufe und damit fast so viele wie Facebook (8 Milliarden).“

und

„Snapchat ist mittlerweile 19 Milliarden US-Dollar wert und geho?rt zu den am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerken unserer Zeit.“

Quelle: Philipp Steuer „Snap Me If You Can„, S. 5 und S. 17

Kapiert habe ich erstmal nichts. Ich kenne Leute, die sagen: Die Usability ist so unter aller Kanone, dass ich das deswegen nicht benutze.

Ich halte solche Aussagen für das „Mama will mit dem neumodischen Videorekorder nichts zu tun haben“-Phänomen meiner Kindheit. Wir 40jährigen werden einfach alt und sind vielleicht eine bestimmte Logik gewohnt, die bei Snapchat nicht eingehalten wird und schimpfen dann krückstockwedelnd dass die Plattform nichts taugt, weil wir nicht verstehen wie sie funktioniert.

Und ungewohnt ist es ja wirklich bei diesem Snapchat. Ohne Gebrauchsanweisung hab ich wirklich nicht viel mehr geschafft als die App zu öffnen.

Nach drei Wochen mache ich im Grunde zwei Dinge:

  • Mich staunend gemeinsam mit den Kindern über die Videofilter (eigentlich „Lenses“) schlapp lachen

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Kurzer Einschub hierzu: Für mich sind diese Filter ebenso faszinierend wie für Kind 3.0. Ich kann stundenlang vor meinem Telefon sitzen und mein Gesicht verziehen, weil ich nicht verstehen kann, wie das so gut funktioniert. Das ist für mich wie Zauberei.

  • Die (wie sagt man dazu eigentlich?) Snapchats anderer Leute anschauen

Was mich extrem irritiert ist, dass man nicht liken kann. Ich schaue mir also etwas an, das mir sehr gut gefällt und dann denke ich: Hm und nu? Wie sage ich dem- oder derjenigen, die das produziert hat, dass es mir Freude bereitet hat? Mit einer Bildantwort? Einem „Danke“ oder „haha“ im Chat?

Snapchat fühlt sich außerdem seltsam intim an. Fremden schreibe ich gar nichts (sehr im Gegensatz zu Twitter übrigens) und Menschen, die ich persönlich mittelgut kenne, schicke ich auch nichts, weil es sich so wie äh kleine Liebesbotschaften anfühlt? Schwer zu beschreiben, jedenfalls höchst inadäquat. Lediglich Menschen, denen ich ohnehin nahe stehe, kann ich einfach Snaps schicken. Aber auch da irritiert mich in ein schwarzes Loch zu kommunizieren, da oft einfach nichts zurück kommt.

Snapchat ist außerdem jedes Mal wieder eine Entscheidung. Es gibt keine Timeline in dem Sinne sondern man klickt jeden Beitrag, den man sehen will, bewusst an. Die Bewegungsrichtung ist eine andere. Bei Twitter und Facebook rauscht meine Timeline an mir vorbei. Bei Snapchat wende ich mich aktiv den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern zu.

Wer sich wirklich einarbeiten möchte, dem empfehle ich „Snap Me If You Can“ von Philipp Steuer (den Tipp habe ich übrigens von @leitmedium). Dort ist das Thema wirklich sehr gut aufgearbeitet und man findet sogar „Snapchat Hacks“.

Meine Snapchatnutzung bleibt jetzt erstmal das Nutzen der Lenses, das Abspeichern der Fotos und das verschlüsselte Verschicken der Fotos an Freunde per iMessage oder Threema. Snapchat selbst bleibt mir suspekt.

Über Follower-Empfehlungen freue ich mich übrigens. Bislang blieb mir da der große AHA-Effekt aus.


 

Nachtrag: Wer wissen möchte, wie man an die viel zitierten Pimmelbildchen bei Snapchat kommt, liest bei dem Snapchat-Veteran (2013!!!1!) Heiko „Ich hab Snapatmung“ weiter.

Kindheitskuchen

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der eigentlich nie gebacken wurde. Wenn – dann gab es Fertigteigmischungen – was mich gar nicht gestört hat.

Einer meiner Lieblingskuchen war eine Backmischung namens „Tortina“, die es schon lange nicht mehr gibt. Im letzten Weisheits-Podcast haben wir über unsere Lieblingskuchen gesprochen und deswegen habe ich vorher nach dem Rezept gegoogelt und bin tatsächlich fündig geworden.

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Weil das auf so große Begeisterung gestoßen ist, verblogge ich das Rezept, ganz so wie man das von einem ordentlichen Mutti-Blog erwartet (wie z.B. im Blog von Felix Schwenzel, dessen verbloggte Rezepte ich sehr gerne lese).

Zutaten

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Kuchenschicht 1
100 g weiche Butter oder Margarine
140 g Zucker
1 Pck. Vanillin-Zucker
1 Pr. Salz
1 Ei (Größe M)
3 Eigelb (Größe M)
100 g Weizenmehl
3 gestr. TL Backpulver
50 g Feine Speisestärke
4 EL Milch
50 g Schokoflocken

Kuchenschicht 2
3 Eiweiß (Größe M)
120 g Puderzucker
100 g Gemahlene Haselnüsse

Kuchenschicht 3
Puderzucker

Zubereitung

Bis auf die Schokoflocken alle Zutaten von Kuchenschicht 1 nehmen, zusammenwerfen und rühren. Am Ende die Hälfte der Schokoflocken zärtlich in den Teig einrühren.

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Für Kuchenschicht 2 die Eiweiße steif schlagen. Puderzucker reinsieben (man kanns auch klumpig reinwerfen und zerdrücken), Haselnüsse dazu, rühren und sich dabei immer fragen, was „vorsichtig unterrühren“ in herkömmlichen Rezepten wohl meint.

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Springform ausfetten, Globsch von Kuchenschicht 1 reinwerfen, glatt streichen, Globsch von Kuchenschicht 2 reinwerfen, glatt streichen. Ganz oben drauf die übrig gebliebene Hälfte der Schokoflocken der Zutaten aus Kuchenschicht 1 auf dem Teig verstreuen. Häufchenbildung vermeiden.

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Das Ganze bei 180 Grad eine Stunde in den Ofen.

Kuchen auskühlen lassen, aus der Form nehmen und mit Puderzucker (diesmal aber wirklich sieben) bestreuen.

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Fertig!

Wer es komplizierter mag mit einer bestimmten Reihenfolge welche Zutat mit wem und so, der liest das Originalrezept.

Allen anderen: Guten Appetit.

12 von 12 im März

Ich bin seit 6.50 Uhr wach. Leider habe ich den Kindern gesagt, dass wir ausschlafen möchten und sie uns nicht vor 9.30 Uhr wecken sollen. Es ist verrückt, seit dem letzten Urlaub klappt das. Ich hab einfach eine Regel aufgestellt und sie halten sich (wenngleich immer unter Protest und mit Augen verdrehen) dran. Vor 9.30 Uhr aufzustehen, wäre jetzt natürlich fatal. Ich lese also ein wenig im Internet, dann kommentiere ich noch ein bisschen und endlich ist es 9.00 Uhr. Dann gebe ich auf und gehe in die Küche. Mein Freund versteht nicht, was so hart am Ausschlafen ist.

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Natürlich wären die Kinder schon lange verhungert. Zum Ausschlaf-Deal gehört, dass sie selbst bis mindestens 8.00 Uhr in ihrem Zimmer bleiben und dann Schoko-Müsli essen dürfen. Erziehung durch Bestechung heißt das, glaube ich.

Es gibt bei uns fast nie süßes Frühstück. Keine Marmelade und allerhöchstens am Wochenende sowas wie Nuss-Nougat-Creme. Ich rede mir ein, dass das deswegen OK ist.

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Dann stehe ich mit meinem Freund auf. Wir frühstücken erstmal. Meine Frühstückskultur hat sich durch das Internet total verändert. Früher gabs eine lieblose Stulle und fertig. Durch die ganzen Fotos von Frühstückstischen, habe ich jetzt andere Bedürfnisse. Vor allem nach Schnickschnack. Avocado! Frische Paprika! Körnerbrötchen! Würden wir nicht gleich zu einem Brunch gehen, wäre da noch viel mehr. Und diese Schüsselchen! Ich liebe sie.

Ich bin sogar so weit, dass ich oft eine Kerze anmache. Heute nicht. Man muss ja nicht übertreiben.

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Mein Freund geht arbeiten und ich gehe mit den Kindern zu Freunden, die ein Baby erwarten. Was dort aufgetischt ist, ist irre. Diese Torte. Oft sehen Torten ja geil aus und schmecken dann nach nichts, v.a. weil alles, was Deko ist, aus Fondant besteht. Das hier ist Marzipan, mit Schokolade, Buttercreme und Himbeeren. Das schmeckt so gut, dass ich meine Obstphobie ignoriere und ohne pulen alles aufesse.

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Teil des Party „Programms“ sind Henna-Tattoos, die sich alle machen lassen können. Ich überlege schon lange, ob ich doch ein Tattoo brauche. Ein Motiv hätte ich schon – das Problem ist nur, dass ich große Angst vor allem habe, das irgendwie „für immer“ gedacht ist.

Ich bin gespannt, wie lange das hält. Die Dame, die das gemacht hat, ist wirklich sehr handfertig. Ich bewundere solche Talente.

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Auf der Party war es total entspannt. Ich bin dort sehr gerne. Alles unhektisch, irgendwie kuschlig und es gibt hervorragenden Kaffee. Was kann man mehr wollen? Die Kinder sind ebenfalls sehr, sehr gerne dort. Auf dem Weg nach Hause schlagen sie mir vor, dass ich einfach alles in unserer Wohnung mache, wie es bei unseren Freunden ist. Ich könnte ja fragen, wie es geht. SO schwer ist das bestimmt nicht.

Ich würde den Tag gerne gemütlich ausklingen lassen – nur leider habe ich es die letzten beiden Wochen vor Arbeit und kranken Kindern nicht geschafft, den Lieferdienst rechtzeitig zu beauftragen.

Wir fahren mit der Tram zum Freund, der dann mit uns gemeinsam einkaufen geht.

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Im Einkaufsland ist alles wie Mordor. Ich bin schlecht gelaunt, meine Kinder sind schlecht gelaunt, die Regale verstecken die Artikel, die wir eigentlich kaufen wollen. Hass. Hass. Hass.

Der Lieferdienst ist wirklich jeden Cent wert. Ich weiß, das ist großer Luxus, aber es ist echt irre, was das an Stress spart. Abends am Rechner eine Einkaufsliste durchzuklicken, ist eben was anderes als mit zwei Kindern durch absurd riesige Supermärkte zu irren, genervt an Kassen zu stehen und den ganzen Mist dann nach Hause in den 4. Stock ohne Aufzug zu schleppen. Ich bin so sauer auf mich, dass ich es diesmal nicht auf die Reihe bekommen habe.

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Draußen dann wieder eine „Hunde-Situation“. Im Moment bin ich total abgenervt von rücksichtslosen HundebesitzerInnen. Ich verstehe es nicht. Dieses auf Straßen kacken lassen – in Parkanlagen frei rumlaufen lassen – zur Krönung auf Spielplätze scheißen lassen und wie hier – mit langer Leine in den Eingang stellen.

Ich habe da schlimme Fantasien, was ich gerne alles machen würde. Dann denke ich an den Film Muxmäuschenstill und atme tief durch.

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Mein Freund hat wohl gemerkt, dass ich GRROOAAARRRRR ein bisschen genervt bin. Statt selbst kochen, schlägt er Burger essen gehen vor. Nach einigem Abwägen, entscheide ich mich für YOLO.

Im Burgerladen dann: kein Platz.

Also Pizza! Im Pizzaladen: kein Platz!

GEHEN WIR HALT GOTTVERDAMMTE FLAMMKUCHEN ESSEN.

Und dann geschieht ein Wunder: Wir bekommen einen Platz und das Essen ist wirklich sehr, sehr gut. Die Kinder essen alles auf. Wir lassen der Köchin unsere Glückwünsche übermitteln. Mein Flammkuchen mit Ziegenkäse, Cocktailtomaten und Oliven, sowie einem Hauch von Rucola, ist ebenfalls hervorragend.

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Kind 3.0 ist sehr zappelig und steht unterm Essen immer wieder auf, um zu tanzen. Wie ermahnen abwechselnd wie ein Metronom (30 BPM): „Hinsetzen – leise – hinsetzen – leise“

Mein Freund bekommt dabei eine weitere Einsicht in die Elternschaft:

Wir entscheiden uns (natürlich) für Nachtisch.

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Die Kinder wünschen sich statt Geschichte vorlesen, Trailer für Kinderfilme anschauen. Über Zoomania und Pets müssen wir sehr lachen. Dann kuscheln wir noch und die Kinder schlafen ein.

Es ist für mich ein Ritual geworden, abends noch eine Tasse Tee zu trinken. Ich fürchte, ich besitze so 20 Sorten Tee und trinke dann doch fast immer den selben.

Interessant finde ich übrigens, dass viel über überteuerten Kaffee geschimpft wird und kaum über bekloppt teuren Tee. Der Tee aus dem Bio-Laden kostet pro Tasse rund 18 Cent.

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Den Rest des Abends schauen wir Serien. Aktuell Limitless und neu Lucifer, einer Neil Gaiman Verfilmung, deren Pilot ganz unterhaltend ist. It’s all very British.

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In guten Absichten

Da sind sie wieder, die guten Absichten, die die Straße zur Hölle plastern.*

Heute wurden zwei Superväter mit je 5.000 € für ihr Engagement in der eigenen Familie ausgezeichnet. Es ist die 11. Preisverleigung dieser Art. Geehrt werden Väter, die durch Flexibilität und Partnerschaftlichkeit glänzen. Schirmherrin der Aktion ist Familienmisterin Schwesig.

Die Details sind eigentlich nicht wichtig. Es wurde nichts außergewöhnliches vollbracht. Es wurden lediglich zwei Männer geehrt, die das tun, was Millionen von Frauen schon seit hunderten von Jahren tun. Sie haben sich um ihre Kinder, ihre Familie gekümmert und ihrer Partnerin ermöglicht arbeiten zu gehen.

*slow clap*

Der Preis verfolgt drei Ziele:

1. Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbskraft von Wirtschaft und Unternehmen

Der Spitzenvater des Jahres verständigt sich mit der Mutter und findet mit ihr gemeinsam eine Lösung, wie beide Beruf und Familie unter einen Hut bringen können. […] Unternehmen können mit Spitzenvätern sowohl strategisch als auch operativ sicherer planen.

2. Tendentielle Erhöhung des Anteils von Zweiversorgerehen

Dank der praktizierten Partnerschaft in Ehe und Familie kann jeder Elternteil wirtschaftliche Selbstständigkeit erlangen und zum Familienunterhalt beitragen. Mutter und Vater sind in der finanziellen Lage, die Altersvorsorge zu gestalten und der verbreiteten Altersarmut insbesondere bei vielen allein stehenden älteren Frauen, vorzubeugen […]

3. Ausdehnung des väterlichen Einflusses auf die Entwicklung des Kindes

Das Projekt […] strebt danach, die Wichtigkeit der Rolle des Vaters für die Entwicklung des Kleinst-, Klein- und Schulkindes ins öffentliche Bewusstsein zu rufen. Das Projekt bricht mit der traditionellen Vorstellung, dass für die ersten Monate und Lebensjahre allein die Mutter zuständig ist. […]

Gute, sehr sinnvolle Ziele, richtig?

Es geht also darum, so auch die Schirmherrin Bundesfamilienministerin Schwesig: „Vorbilder [zu ehren], die eine moderne Familienkultur leben, die sich immer mehr Paare wünschen. […] Es geht darum Familienarbeit partnerschaftlich zu teilen.“

Ihrem Grußwort ist zu entnehmen:

„Die Auszeichnung „Spitzenvater des Jahres“ zeigt jedes Jahr wieder, dass es sich lohnt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur als ein Thema für Frauen zu verstehen, sondern auch Männer zu ermutigen, sich mehr Zeit für die Familie zu nehmen. Familien gewinnen dadurch mehr Zeitsouveränität und Lebensqualität. Unternehmen wiederum können sich auf diese Weise als attraktive Arbeitgeber positionieren.“

Warum kann man sich nun trotzdem darüber aufregen (also außer weil man halt als Feministin sowieso immer was zu meckern hat und deswegen so laut und wütend ist)?

Der Preis ist ein Schlag ins Gesicht aller Frauen, die sich seit Jahren völlig preislos um Kinder und Familie kümmern (von den Alleinerziehenden gar nicht erst zu sprechen). Der Preis verhöhnt außerdem all die anderen Männer, die genau das  tun, was oben beschrieben wird und dafür keine 5.000 Euro bekommen.

Aber die Absichten dahinter sind doch gut!

Ja – nur die Umsetzung ist wirklich schlecht. Ein einfacher Weg gute Beispiele herauszustellen wäre z.B. Familien zu ehren und nicht nur die Männer.

-> Gedankensprung

Ich habe vor Kurzem einen Fragebogen zu Erziehern in Kindergärten zugeschickt bekommen.

Ob ich mir mehr männliche Erzieher wünsche?

Ja!

Wie man sie zu motivieren wären? Es folgt eine Multiple-Choice Liste, auf Platz 1: Mehr Geld.

Klar, mehr Geld wäre super. Dann würden Männer bestimmt auch so unattraktive und anstrengende Jobs übernehmen.

Innerlich verdrehe ich wieder die Augen.

Auch hier: Guter Vorsatz – mehr Männer in den Care-Bereich und wie: mit mehr Geld. Is klar, dass die Frauen vielleicht auch mehr Geld verdient hätten, dass es um eine allgemeine Aufwertung dieses Jobs gehen müsste etc. pp. dazu lese ich nichts.

-> Gedankenspung Ende

Schon seit der Gabriel Debatte um die offensive Väter treibt mich wirklich die Frage umher: Es muss doch einen Weg geben, der Männer motiviert ohne gleichzeitig die bereits geleistete Arbeit von Frauen zu entwerten?

(So sehr ich mir auch wirklich, wirklich wünschen würde, das Männer nicht erst motiviert werden müssten… aber gehen wir mal gutherzig davon aus, dass es ganz, ganz viele Männer/Väter gibt, die wirklich, wirklich wollen – aber nicht wissen wie und einfach nicht können…)

Deswegen würde ich gerne Ideen sammeln. Habt ihr welche?

 


 

*Auf Deutsch heisst das Sprichwort eigentlich „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“ – auf Englisch „The road to hell is paved with good intentions“.


 

Weitere Leseempfehlungen:

Superväter – ney!

Zitat aus dem Artikel:

„Und so wird der Preis zur Patriarchatsabwrackprämie: Bezahlen wir den Menschen doch Geld dafür, dass sie ein ohnehin völlig überholtes Familienmodell über Bord werfen. Eine Entschädigung für die armen Menschen, die sich an etwas Neues gewöhnen müssen. Das lässt sich nämlich auch spitzenmäßig vermarkten.“

Superväter? – yay!

Zitat aus dem Artikel:

„Seien wir ehrlich: Noch sind wir nicht so weit, dass siebeneinhalb Stunden Kinder- und Hausarbeit ein realistischer Durchschnittswert für den in Deutschland lebenden Mann sind.

Wenn wir so weit sind, können wir den Spitzenväter-Preis gerne abschaffen.“

Ein Interview mit einem der diesjährigen Preisträger:

SPIEGEL ONLINE: Herr Neumann, Sie dürfen sich jetzt offiziell „Spitzenvater“ nennen. Freuen Sie sich?

Neumann: Ja, aber ich tue mich etwas schwer damit, einen Preis für etwas Selbstverständliches entgegenzunehmen. Es gibt wahrscheinlich Väter, die diese Auszeichnung mehr verdient hätten.

Christine Finke: Allein, alleiner, alleinerziehend

Vor einigen Tagen habe ich ein Rezensionsexemplar von Christine Finke’s „Allein, alleiner, alleinerziehend: Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt“ (Amazon Werbelink) erhalten und ein Bild davon auf instagram gepostet. Innerhalb weniger Minuten hatte ich zwei Kommentare darunter, die inhaltlich so etwas sagten wie: „Orrr, jetzt hat die auch noch ein Buch geschrieben. Die nervt mit ihrem Gejammer doch schon auf Twitter.“

Das hat mich wütend gemacht und ich hab nach einigem Hin- und Herüberlegen die Kommentare einfach gelöscht, statt darauf zu antworten.

Am Abend darauf habe ich das Buch gelesen. Nach den ersten 80 Seiten habe ich (weil es schon spät war) das Buch beiseite gelegt. Es ist ein ehrliches, sehr persönliches und informatives Buch, das sich zudem gut liest, weil Christine einfach gut schreibt. Das weiß man eigentlich schon, wenn man ihren Blog Mama arbeitet regelmäßig liest.

Und ja, es ist teilweise schmerzhaft zu lesen, was Christine erlebt hat und noch erlebt.

Ich habe mich an vielen Stellen stark identifizieren können. Ich versuche mich zu dem Thema in der Öffentlichkeit zurück zu halten und würde auch nicht sagen, dass ich zu den Alleinerziehenden gehöre, aber zumindest betreffen mich einige Themen auch seit meiner Trennung vor zwei Jahren.

Ich kenne zumindest die Erschöpfung, die man erreichen kann, wenn man die Hauptverantwortung für mehrere Kinder hat und nebenher arbeiten geht.

Ich kenne auch die Kommentare, die man sich anhören darf, wenn man sich trennt. Von „Hast du nicht an die Kinder gedacht“ bis hin zu „Eigentlich hattest du es doch gut, was willst du denn noch?“.

Einige meiner Freundinnen sind wirklich alleinerziehend und zwar im Sinne von: Sie haben die Kinder zu 100%, die Väter melden sich nicht mal zum Geburtstag. Und sie bekommen keinen Unterhalt. Wie sie den Alltag meistern, was sie auf sich nehmen (müssen), es lässt mich oft sprachlos zurück. Ich habe mir schon oft beim Zuhören gedacht, ich würde einfach zusammenbrechen.

Zurück zum Buch: All das schildert Christine und sie geht auch auf andere Modelle ein. Sie geht auf persönliche Umstände ein, nimmt die Perspektive der Kinder ein, schildert die wirtschaftliche Situation, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und zeigt, was politisch alles noch getan werden muss.

Das Buch ist eine gute (und in meinen Augen sehr mutige) Mischung aus persönlichen Erfahrungen und Sachinformationen.

Und plötzlich verstehe ich die Ablehnung der Kommentatorinnen auf instagram. Sie haben Angst. Sie haben Angst sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Weil wenn sie es täten, dann würden sie verstehen, dass wir alle verantwortlich sind, wie es Alleinerziehenden in Deutschland geht. Dann kann man sich nicht einfach zurücklehnen und sagen: „Alles fein, mir gehts gut. Was habt ihr denn?“

Also stößt man weg, was einen darauf aufmerksam macht, dass es in diesem Bereich noch große Probleme gibt. Nur leider ist das Realität und es gehört zur gesellschaftlichen und persönlichen Verantwortung sich mit all diesen Themen auseinanderzusetzen: Mit den Alleinerziehenden, mit der Kinderbetreuungssituation im Allgemeinen, mit Armut, mit den gesellschaftlichen Normen, mit der Diskriminierung von Alleinerziehenden bei der Arbeitssuche, am Arbeitsplatz selbst, mit all dem! Das ist natürlich schmerzhaft.

Deswegen ist es auch viel einfacher zu sagen: „Geh mir weg damit. Ich will davon nichts hören!“

Ich hingegen lege allen ans Herz das Buch zu lesen und sich damit auseinanderzusetzen und sich die Frage zu stellen, an welcher Stelle man vielleicht helfen kann. Im Kleinen… vielleicht mal ein Kind mit von der Schule oder dem Kindergarten abholen, an Schließtagen ein Kind mitbetreuen, helfen die Sozialkontakte aufrecht zu erhalten, indem man fragt, ob man abends zu Besuch kommen kann (und was mitbringt), statt sich in Kneipen zu verabreden, doofe KollegInnensprüche („Typisch, jetzt ist da wieder das Kind krank!“ oder „Die macht doch auch ständig nur Homeoffice, oder?“) gegenkommentieren. Es gibt einiges, bei dem man helfen kann und v.a. einfach machen. Nicht fragen, ob man vielleicht helfen kann und die Alleinerziehenden in ständige Bittstellerposition bringen – sondern einfach machen.

Meerjungfrauen sind nichts für Jungs

Cloudette hat gestern einen ganz wunderbaren Comic zur Frage Typisch Mädchen – typisch Jungs gezeichnet.

Wann immer ich etwas darüber schreibe, kommt mindestens drei Mal der Kommentar: „Warum soll ich meinem Mädchen nicht rosa anziehen dürfen? Diese Gleichmacherei! Alles soll geschlechtsneutral sein. Das ist doch total übertrieben!“

Was diese Menschen nicht verstehen: Darum geht es nicht. Niemand verbietet Rosa. Zieht eure Mädchen Rosa an, gar kein Problem! Das Problem ist: macht euch nicht über Jungs lustig, die Rosa mögen: „Ähhhh, das ist ja mädchenhaft!“ In diesem Satz steckt nämlich das (gesellschaftliche Bewertungs-)Problem. Jungs werten sich ab, wenn sie Mädchendinge tun – Mädchen werten sich auf, wenn sie Jungsdinge tun… (das nur als Randnotiz. Wer sich mit dem Problem näher beschäftigen möchte, dem sei das Buch Die Rosa-Hellblau-Falle. Für eine Kindheit ohne Rollenklischees [Amazon Werbelink] ans Herz gelegt).

Kind 3.0 hat das gestern treffend dazu philosophiert:


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Meine Erziehungsnemesis

Ich erinnere mich an ein Entwicklungsgespräch im Kindergarten.

Erzieherin: „Hast du noch Fragen?“
Ich: „Ja, äh also, wie ist das bei euch mit dem Essen?“
Erzieherin: „Was meinst du?“
Ich: „Bleibt Kind 2.0 bei euch sitzen?“
*hysterisches Auflachen*

Dann erinnere ich mich an ein weiteres Entwicklungsgespräch im Kindergarten.

Erzieherin: „Hast du noch Fragen?“
Ich: „Ja, äh also, wie ist das bei euch mit dem Essen?“
Erzieherin: „Was meinst du?“
Ich: „Bleibt Kind 3.0 bei euch sitzen?“
*resigniertes Abwinken*

Diese beiden Dialoge fassen unsere gemeinsamen Mahlzeiten eigentlich ganz gut zusammen.

Egal ob Frühstück, Mittagessen oder Abendessen – es ist furchtbar. In meiner naiv romantischen Vorstellung dachte ich, gemeinsame Essen finden so statt: Wir setzen uns alle an den Tisch. Wir nehmen das Besteck in die Hand und essen. Während wir essen, erzählen wir uns vom Tag, wir lachen, gießen uns Saftschorle nach und am Ende lehnen wir uns zurück und plaudern noch ein bisschen mehr. Wir sind alle ganz entspannt.

Werbefernsehromantik, ja, ja. Ich bin wieder drauf reingefallen. Werbefernsehen hat mir eine unrealistische Vorstellung davon vermittelt, wie mein Leben mit Kindern sein könnte.

In Wirklichkeit sieht es so aus: Ich habe bis nachmittags gearbeitet, hole Kind 3.0 vom Kindergarten ab, wir gehen schnell einkaufen. Es ist 17.15 Uhr. Wir kommen zuhause an. Kind 2.0 ist schon da und mich überschwappt eine Welle heuteinderSchuldeunddieAnnahatdannnochaberdahatdannderTimblblblblblblbl schwaaahhhblablablabalbalbalblubblu.

Ich bin müde, total erschöpft, ich will eigentlich nur eines: meine Ruhe.

Ich packe die Einkäufe weg. Kind 3.0 hat jetzt auch was zu erzählen. Ohne Punkt und Komma. Es fällt mir schwer zuzuhören. Ich höre graues Rauschen wie Jen bei der IT Crowd wenn Moss etwas Technisches erklärt.

Ich fange an zu kochen. Die Kinder „spielen“ derweil im Kinderzimmer.

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Mit letzter Kraft schleppe ich mich an den Wohnzimmertisch und rufe „Essen ist fertig!“.

Die Kinder kommen. Kind 3.0 greift mit den Händen ins Essen.

Ich: „Kannst du bitte Besteck benutzen?“

Kind 3.0 verdreht die Augen. Kind 2.0: „Jetzt nimm das Messer, ey!“

Kind 3.0: „Du sollst nisch über misch bestimmen!“

Ich: „Richtig, aber bitte benutz doch das Besteck, Kind 3.0!“

Kind 3.0 wirft wütend die Hand voll Kartoffelpürree, die es gerade aufgenommen hat auf den Teller zurück. SCHLOZ. Soße spritzt auf den Tisch. Kind 3.0 steht auf und stempelt mit den vollgesabberten Händen folgende Gegenstände: Tisch, Stuhl, Türgriff Wohnzimmer, Türrahmen Wohnzimmer, Türgriff Küche, Türrahmen Küche, Ablage Küche, Spüle, unerklärlicherweise Wand, wieder Türgriff Küche, Türrahmen Küche, Türgriff Wohnzimmer, Türrahmen Wohnzimmer, Stuhl, Tisch.

Es „wischt“ die Soße auf.

In der Zwischenzeit hat Kind 2.0 das Essen aus dem Mund fallen lassen: „Ist ja ekelhaft. Ist das wieder so ein komisches vegetarisches Zeug?“

Ich: „Wollte ich mal ausprobieren.“

Kind 2.0: „Ich esse Jogurt!“

Kind 3.0: „Isch auch.“

Ich bin zu schwach Widerstand zu leisten. Jogurt wird geholt. Kind 3.0 ist derweil verloren gegangen.

Ich rufe: „Kind 3.0, bist du fertig mit dem Essen?“

Kind 3.0 aus der Ferne: „Neeee!“

Kind 2.0 fängt an zu singen.

Ich: „Nicht singen am Tisch!“

Kind 3.0 erscheint im Türrahmen und singt mit.

Ich nicke kurz ein. Als ich aufwache, hat Kind 3.0 die Füße auf dem Tisch abgelegt. Kind 2.0 übt Capoeira-Tritte. Eine Flasche Wasser segelt an mir vorbei.

Ich: „Bitte! Könnt ihr bitte leiser sein und normal essen?“

Ich atme durch. Ich zähle langsam im Geiste bis zehn. Ich reiße mich zusammen und frage in meiner lieblichsten Stimme: „Na, wie war es denn in der Schule?“

Kind 2.0: *murmelmurmel*

Kind 3.0: „Also im Kindergarten, da war der Robert und der Robert <insert 20 minütigen Monolog.>“

Kind 2.0: „ICH WILL AUCH MAL WAS SAGEN!“

Kind 3.0: „ABER ICH REDE!!!“

Kind 2.0: „ABER DU HÖRST JA NIE AUF.“

*Gerangel* *Stühle fallen um*

Die Kinder stehen auf.

Ich sitze alleine am Tisch. Einsam und alleine. Alles ist vollgeschmiert.

Ich: „Räumt ihr bitte ab?“

Kind 3.0: „DAS IST SKLAVEREI!“

Kind 2.0: „IMMER MUSS ICH ALLES ALLEINE MACHEN!!!1“

Tagein, tagaus, wochentags, wochenends. Immerzu. Immerzu.

Das gemeinsame Essen ist meine Erziehungsnemesis*. Völliges Versagen. Alles falsch gemacht. Täglich scheitere ich daran. Ich stehe auf, setze mich an meinen Rechner und schaue mir auf YouTube Clips glücklicher Familien beim Essen an.

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*Dafür schlafen meine Kinder immer um 20 Uhr. Immer. IMMER!