Bist du a Bärla?

Neulich wurde ich von einem Franken gefragt, ob ich ein Bärla bin. Weil ich in Franken aufgewachsen bin, wußte ich sofort, dass die Person gar nicht wissen wollte, ob ich ein kleiner Bär bin – nein, es ging eher um die Frage, ob ich einen Freund habe bzw. ob ich mit einer bestimmten Person zusammen bin – ein Pärchen eben. Und was soll ich sagen: JA ICH BIN EIN PÄRCHEN!
Ein sehr glückliches dazu, eines, das sich plötzlich Dinge vorstellen kann, die früher undenkbar gewesen werden. Zum Beispiel gemeinsam unter einer großen Decke schlafen, womöglich noch mit etwas Körperkontakt. Nicht zu viel, man muss es ja nicht gleich übertreiben, aber es ist völlig in Ordnung in der Zwischenzeit, wenn sich die Fingerspitzen berühren zum Beispiel. Ich mache auch so Pärchenzeug wie gemeinsam von einem Teller essen. Wir bestellen uns unterschiedliche Gerichte auf die wir beide Lust haben und dann teilen wir das. Obwohl der andere schon den Löffel in der Suppe hatte. Es ist einfach alles sehr, sehr krass. Wir haben auch als wir uns einmal eine Woche am Stück nicht gesehen haben – t e l e f o n i e r t.

Emotional ist das alles sehr verwirrend, aber andererseits auch sehr toll. Ich kann mir so vieles vorstellen für unsere gemeinsame Zukunft. Ich bin geneigt zu sagen – ich halte sogar Pärchenfunktionsjacken für möglich.
Ich stelle mir unsere gemeinsame Zukunft im Pärchenlook vor. Wir kaufen uns bei Lidl gleichfarbige Jacken, ein flottes beige habe ich da im Kopf, vielleicht sogar in der selben Größe, ein bisschen zu eng für ihn, ein bisschen zu weit für mich und dann gehen wir Hand in Hand an einem trüben Regentag spazieren. Wir gehen gemeinsam zum Frisör, sitzen am Sofa, blättern durch die Frisurmagazine, entscheiden uns für einen Look und deuten dann darauf, sagen im Kanon: „Diese da hätten wir gerne!“
Apropos wir. Wir sprechen überhaupt auch nur noch in Wir-Form, haben gemeinsame Lieblingsfarben und Hobbys und sind immer einer Meinung. Wenn jemand meinen Freund anspricht, dann antworte ich stellvertretend. Ich glaube, das wird ihm gefallen.
Wir synchronisieren unser Leben bis wir am Ende keine eigenen Seniorenteller bestellen müssen sondern immer nur von einem einzigen Teller essen. Unsere Gabeln stechen dann abwechselnd in das etwas zu weich gekochte Gemüse, wie kleine Maschinchen. Ganz selten geraten wir etwas aus dem Takt und pieksen gemeinsam ein Möhrchen auf, unsere Gabelzinken verhaken sich, wir lachen schrill auf, werfen unsere Haare in den Nacken, schauen uns in die Augen und wissen: DAS IST LIEBE! ECHTE LIEBE.

Dann steigen wir auf unser Tandem und fahren sehr langsam in den Sonnenuntergang.


 

(Schatz? Schaaahatz? Wo ist er denn hin???)

Ein Buch? Ja, ein Buch!

Die, die mir auf Twitter folgen, werden es ob meiner Begeisterung bereits mitbekommen haben*: ich habe ein Buch geschrieben, das am 13. August erschienen ist. Einen Tag nach dem Erscheinen war es auf Amazon** ausverkauft (wobei ich nicht weiß, ob die 5 oder 500 Exemplare vorrätig hatten). Aktueller Amazon Bestseller-Rang Platz 16. Ich kenne mich nicht so genau mit den Amazon Algorithmen aus, aber ich denke, das ist schon ganz gut und freut mich deswegen wahnsinnig.

Möglich ist das nur durch euch, werte Leserinnen und Leser und das meine ich sehr ernst: vielen, vielen Dank! Danke für die Unterstützung, Danke für das viele Lob, danke, dass ihr mir Bilder schickt, wo ihr das Buch lest, wo ihr es im Buchladen seht, wem ihr es vorlest und für die Rückmeldungen, an welchen Stellen ihr lacht. Es ist für mich wirklich, wirklich toll und überwältigend.

Es ist für mich bewegend zu hören, dass Kinder Eltern die Lektüre aus der Hand nehmen und im Buch lesen, dass Großeltern das Buch den erwachsenen Kindern entwenden und laut lachen beim Lesen und dass ihr euch Bücher teilt, weil ihr so gespannt seid und keins mehr ergattert habt.

<3 <3 <3 <3 <3

Für alle, die sich nicht sicher sind, ob ihnen das Buch gefallen könnte, hier die ersten Eindrücke:

Johnny von Weddingerberg schreibt:
„Also Väter, keine Scheu, greift ruhigen Gewissens zu. Oder schenkt es euren Freundinnen und Frauen oder noch besser: Lest es ihnen vor. Oder lest es euren Babys vor. Denn wenn Papa lacht, lacht das Baby ganz bestimmt mit und everybody wins. Nur eines kann man mit diesem Buch leider nicht machen. Ausgeschlossen. Man kann „Sehr gerne, Mama, Du Arschbombe“ nicht heimlich lesen. Das ist schlichtweg und komplett unmöglich, denn es wird diese eine Textstelle kommen, an der man lauthals loslachen möchte. Sage mir also niemand, er oder sie wäre nicht vorher eindringlich davor gewarnt worden.“

Mama arbeitet fasst zusammen:
„Patricia Cammarata spielt in ihren Texten, die jeweils nur einige Seiten lang sind und sich bestens für die Zwischendurchlektüre oder abends im Bett als „Ich lese noch eben, bis mir die Augen zufallen“-Buch eignen, sehr schön mit ihrer Qualifikation als Psychologin und ihrem Job als IT-Projektleiterin, und auch mit Realität und Fiktion. Denn natürlich, und das wird zur Sicherheit auch im Vorwort erklärt, hat sich nicht alles, was im Buch steht, genau so abgespielt. Aber Eltern wissen, wie die Fantasie Kapriolen schlägt, wenn mal wieder alles drunter und drüber geht. Und es sind so viele Dinge im Leben mit Kindern auf einmal möglich, die man sich vorher weder in seinen schönsten noch in den schlimmsten Träumen vorgestellt hat.“

Mama notes erklärt:
„Was mir noch so gut gefällt ist, dass sie niemals verschweigt, wie nerven- und energieaufreibend es ist, Kinder zu haben und mit ihnen zu leben. Dabei ist der Untertitel „Tiefenentspannt durch die Kinderjahre“ sowohl ironisch als auch ernst zu verstehen. Obwohl sie manchmal ins Schwitzen kommt, wirkt ihre Erzählstimme doch immer, wie eine eigentlich durch nichts zu erschüttende tiefenentspannte Mama. Was so schön ist: Patricia verschweigt ebensowenig, wie unfassbar aufregend, lustig und bereichernd das Leben mit Kindern ist, ohne das jemals so auszudrücken. Sie zeigt es einfach, durch ihre Geschichten, wie verrückt großartig es sich anfühlt. Das liebe ich an ihren Geschichten so sehr.“

Mamas Kind findet sich in den Geschichten oft wieder:
„Ich erkenne mich bzw. meine Kinder auch oft in den Geschichten wieder. Ob Spielenachmittage (die manchmal nicht enden weil das Spiel langweilig ist), Geheimnisse, die Kinder plötzlich und unerwartet aussprechen und vor allem das Kinderspielzeug des Grauens: Patricia hat das alles erlebt und überlebt. Wie macht sie das nur? Sicher mit einer stattlichen Portion Selbstironie, die mich auch beim Lesen ständig begleitete“

Auf Twitter höre ich zum Beispiel:

Reinlesen, wie man sich bei 120 dB entspannen kann, könnt ihr auf Myself.de.

Stern.de hat mit mir über Erziehung und das Blog geredet, raus gekommen ist ein schönes Interview.

Persönlich liebe ich übrigens die Illustrationen von Johannes Kretzschmar, dessen Blog ich seit Jahren leidenschaftlich gerne lese. Allein deswegen lohnt der Kauf!

Außerdem habe ich in der schönen Podcast-Reihe Die Wahrheit zum Thema „Leben mit Kindern“ mit Marcus Richter gesprochen. Den Podcast kann man sich gut anhören, z.B. um zu erfahren, dass sich andere Kinder auch nicht gerne anziehen und warum es voll gut ist mehrere Kinder zu haben.

 


 

*Verzeiht mir, das retweeten wird nachlassen. Im Moment freue ich mich einfach so sehr.

**die Lieferfrist ist deswegen je nach Laden/Portal sehr unterschiedlich. Das tut mir leid. Leider liegt es nicht in meiner Hand…

Weil danach gefragt wurde: Es wird ab September eine Möglichkeit geben, die Bücher auch über mich zu beziehen und sehr gerne signiere ich dann. Zwei Lesungen sind ebenfalls geplant.

Nachtrag zum Fahrradfahren in Berlin

Das größte Risiko geht ein/e Radfahrer/in beim Geradeausfahren ein, wenn es gleichzeitig ein rechtsabbiegendes Auto (oder LKW) gibt. Im 54 Seiten langen „Leitfaden zur Sicherung des Radverkehrs vor abbiegenden Kfz“ ist nachzulesen:

„Die Unfallstatistiken zeigen es deutlich: Abbiegefehler sind leider seit Jahren eine der häufigsten Ursachen bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung im Straßenverkehr, auch in Berlin. Gerade angesichts hoher Unfallzahlen besteht Handlungsbedarf, um Radfahren sicherer und damit auch attraktiver zu machen.“

Der Leitfaden stellt sehr viele Maßnahmen vor, die das Radfahren in Berlin (und in anderen Städten) sicherer machen könnten.

Der Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) lässt jedoch auf Nachfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Gelbhaar verlauten: Der Leitfaden solle kommunalen Akteuren ermöglichen, die Maßnahmen gemäß ihren lokalen Gegebenheiten umzusetzen. Er solle aber nicht vollständig umgesetzt werden.

„Der Abgeordnete Gelbhaar schließt daraus, dass auch dieses Konzept in der Schublade verschwinden wird – wie schon die Umsetzung der Anfang 2013 beschlossenen Radverkehrsstrategie kaum vorankommt und von den im Online-Dialog radsicherheit.berlin.de meistkritisierten Gefahrenstellen nach mehr als einem Jahr noch keine entschärft wurde.“

Quelle: Tagesspiegel, Sicher geradeaus in die Tonne

Also, das Einzige, was ich allen RadfahrerInnen mit auf den Weg geben kann: Wenn ich geradeaus fahrt und Vorfahrt habt, trotzdem immer über die Schulter schauen, ob von links ein Rechtsabbieger kommt.

Und den Autofahrern: Lieber sehr genau schauen, ob da beim Rechtsabbiegen noch ein/e RadfahrerIn aus dem toten Winkel schießt. Ich glaube, es lebt sich nicht so gut, wenn man jemanden verletzt oder sogar tot gefahren hat. Vielleicht sollte man sich das als stärkere/r VerkehrsteilnehmerIn immer im Kopf behalten und dann auch mal lieber nachgeben, wenn es nötig sein sollte und nicht so sehr auf das vermeidliche Recht pochen…

6. August 2015

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Ein Jahr ist es her und ich weine noch oft. Du fehlst mir. Ich weiß, wenn du könntest, würdest du deswegen mit mir schimpfen. Ich kann es auch nach 365 Tagen nicht fassen.

Der 6.8.2014 war einer der schlimmsten Tage meines Lebens. Meines Lebens. Immerhin kann ich das sagen, denn ich lebe und Du nicht. Wir sind fast gleich alt und haben gut ein Viertel unseres Lebens miteinander verbracht. Ich vermisse dich.

Als ich morgens zu der Unfallstelle fahre, verstehe ich nicht, wieso alles so aussieht wie immer. Warum die Autos einfach fahren. Warum die Fahrradfahrer einfach fahren. Die Fußgänger gehen – so als sei nichts gewesen. Eigentlich müssten sie alle stehen bleiben, wie eingefroren.

Ich laufe zu der Unfallstelle und stecke eine gelbe Rose an das Geisterfahrrad, das dort steht und an deinen tödlichen Unfall erinnert. Dann mache ich mich auf den Weg in die Arbeit. Hastig und auch ein wenig ängstlich, so als ob es heute besonders gefährlich wäre Fahrrad zu fahren.

Als ich im Büro ankomme, muss ich wieder weinen. Du bist am 6.8.2014 nicht angekommen. Aus dem Asphalt an der Stelle, wo man die Fahrräder im Hof anschließen kann, wächst eine gelbe Blume. Ich denke an dich. Vielleicht bist du diese Blume.

Neulich war ich an deiner Wohnung, hab zu deinem Balkon gesehen und eine fremde Frau gesehen, wie sie ihre Blumen goss. Dein Strandkorb war nicht mehr da. An unserem gemeinsamen Arbeitsplatz liegen noch zwei Kaffeekapseln, die von Dir sind. Zwei von vielleicht zwanzig, die es ursprünglich mal waren. Die Markierungen an der Unfallstelle sind vom Regen schon lange weggewaschen.  Die Kerzen und Blumen sind ebenfalls weg, es steht dort eines der weißen Geisterfahrräder, die der ADFC jedes Jahr für die tödlich verunglückten Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer aufstellt.

Ich tue mich schwer mit deinem Verschwinden, mit dem Loslassen. Noch bin ich abwechselnd unfassbar traurig und dann wieder sehr wütend über die himmelschreiende Ungerechtigkeit, über dieses unbegreiflich grausame Schicksal. Bis ich mich versöhnlich fühlen werde, wird noch viel Zeit vergehen.

In Gedanken und im Herzen trage ich dich weiter. So kitschig das klingt. Und ich kann Dir sagen, mein Leben hat Dein Tod sehr verändert. Meiner Verbissenheit in manchen Dingen ist Gelassenheit gefolgt. Ich kann das Unwichtige ziehen lassen und das Gute festhalten. Ich verschwende keine Zeit mehr, ich weiß, was und wer mir gut tut und es fällt mir viel leichter zu erkennen, was mein Leben bereichert und was nicht. Ich kann genießen, verschwenderisch sein, wenn es gerade richtig ist und ich glaube, das kommt auch meinem Umfeld zu gute.

Liebe Freundin, es ist ein Jahr her, ich vergesse dich nicht. Du hast mir so viel gegeben – selbst jetzt noch. Ich danke Dir dafür.

Das Miniaturwunderland

Ne, der Artikel ist nicht gesponsert (schade, ich würde da gerne einziehen oder zumindest ein paar Tage verbringen, um all das zu sehen und zu erfahren, was man verpasst hat, weil man nur vier Stunden dort war), aber mein tldr zum Miniaturwunderland in Hamburg lautet: Geht da hin! Warum seid ihr da noch nicht gewesen? Husch!

Es ist großartig im Miniaturwunderland. G R O S S A R T I G!

Es ist ausdrücklich erwünscht dort Fotos zu machen. Es gibt Handyaufladestationen. Alle sind freundlich. Man kann sich Speicherkarten kaufen, wenn man die eigene Karte aus Versehen voll geknipst hat. Man kann alles sehen, auch wenn es proppenvoll ist und das gilt auch für Kinder in allen Größen.

Was wirklich bemerkenswert ist: es ist liebevoll gemacht und es geht den Betreibern nicht um Gewinnmaximierung – das merkt man in jedem Detail.

Z.B. kann man sehr gut dort eine Pause im hauseigenen Café machen ohne arm zu werden. Die Plätze sind so gestaltet, dass man sich von den Eindrücken und der drohenden Reizüberflutung etwas erholen kann. Ginge es um maximalen Umsatz, hätte man gut und gerne die doppelte Menge Sitzplätze in die Räume pferchen können. So hat man das Gefühl abgeschieden in kleinen Zugabteilen zu sitzen und darf mit (im Zweifel) angeschmodderten Händen das Buch zur Ausstellung lesen.

Es war toll! Man kann sich in acht Abschnitten auf 1.300 qm 13 km (!) verlegte Schienen anschauen. Der längste Zug ist über 14 Meter lang!
Die Zahlen sind einfach irre. Im Abschnitt der Schweiz z.B. wurden 4 Tonnen Gips und 15 Tonnen Stahl verbaut. Der Abschnitt Skandinavien hat eine 33.000 Liter fassende Nordsee, die Ebbe und Flut simuliert.

Ich könnte ja noch stundenlang diese Zahlen zitieren. Allein schon wie die Schifffahrt umgesetzt wurde! Es ist gar fantastisch. Und diese Detailliebe. Die Autos blinken beim Abbiegen. Die Flugzeuge heben ab. Es gibt Heißluftballons mit kleinen Flammen. Es gibt Männer, Frauen, Kinder, Aliens, Große, Kleine, Dicke, Dünne.

Kinder kann man im Grunde da abstellen. Die können auf die Ballustraden klettern (es gibt extra Stellflächen) oder über den Boden kriechen und sich dort die eingelassenen Zugstrecken in den Treppen und Wänden anschauen. Sie können unter die Wasseroberfläche schauen und unterirdische Tropfsteinhöhlen oder die geheime Area 51 bestaunen.
Es gibt zahlreiche Knöpfchen, die Dinge fahren oder leuchten lassen.
Es gibt sogar einen Wechsel zwischen Tag und Nachtbeleuchtung. Es gibt „Suchbildchen“ ach und überhaupt! Bringt mich zum Miniaturwunderland zurück.

Kühe

mondlandung

bepackt

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Ich will hier nie wieder weg. #miniaturwunderland #hamburg #b Adern #miwula

Ein von @monoxyd gepostetes Video am

#planespotter #miwula

Ein von @monoxyd gepostetes Video am

Die Videos sind alle vom Monoxyd

Ach P.S. Wenn man keine Lust auf Warten hat, einfach online ein Zeitfenster reservieren, dann kommt man gleich rein.

P.P.S. Die Toiletten übrigens – ein Elterntraum! Wir mussten 7x hin, weils da so schön ist. Normalerweise hasse ich es gefühlte Stunden gelangweilt darauf zu warten, dass die Kinder fröhlich rufen „FEEEERTICH!“. Weil die Toiletten aber so hübsch mit kleinen Kästchen mit winzigen Figürchen dekoriert waren, hätte ich stundenlang dableiben können. SOOO schön!

Muddi sagt was zum Muddi-Interview

So, ihr lieben Hasis! Ich sach jetzt mal als Muddi was zum LeFloid Interview mit der Kanzlerin.

Tatsächlich regen mich die herablassenden Kommentare, die ich auf Twitter dazu lese auf. Zuallererst: Ohne die re:publica 2013 wäre das Phänomen LeFloid völlig an mir vorbei gegangen. Ich bin 40. Ich bin zu alt für YouTube. Diese Bussibussi Haul Videos, die Beauty Channels, die Lets Plays… ich kann sie nicht ertragen. Genauso wenig LeFloid mit seinen LeNews. Die zack-zack Schnitte, das Gefuchtel und diese Sprache – das ist nicht auszuhalten für mich (ich rufe das aus meinem gepolsterten Schaukelstuhl und fuchtele mit einem Stock dazu)! Aber das ist egal. ICH bin nicht die Zielgruppe, ich bin zu alt, ich muss das nicht verstehen und nicht gut finden. Allerdings muss ich das kennen. So. Weil es interessiert nämlich meine Kinder und zwar brennend.

So wie mich als Kind und Teenager bestimmte Dinge interessiert haben, die meine Eltern nicht beschäftigt haben. Ich überlege mal kurz, was mich interessiert hat: türkisfarbene Bomberjacken mit übergroßem Fellkragen und schlabbrige Diesel Tyler Jeans, Bonnie Bianco, das Musikmagazin Formel Eins, der Atari meines Schulfreundes, den ich nur anschauen, nicht anfassen durfte, die Bücher von Wolfgang und Heike Hohlbein, Zungenküsse muss das sein? Ist doch ziemlich ekelig, oder?

Warum ich das aufzähle:

a) Meine Eltern hat das (in meiner Wahrnehmung) nicht besonders interessiert
b) Das waren nicht gerade die hochgeistigen Themen der 80er Ära

Zurück zu LeFloid: die Kinder interessieren sich für diesen Typen, sind regelrecht Fan, schauen regelmäßig was er macht und denken nach über das was er erzählt. Ohne LeFloid würden sie ziemlich sicher nicht über aktuelle (politische) Themen Bescheid wissen und eine Meinung dazu haben, die man auch mit ihnen diskutieren kann.

Wieder zurück zu mir: Ich bin politikverdrossen. Die Haltung der großen Parteien zu Themen, die mir wichtig sind (z.B. Netzpolitik, Familienpolitik, Europapolitik, Asylpolitik), sind für mich unerträglich.
Ich bin ein Kind der Kohlära und wie es mir scheint, steuern wir mit Frau Merkel auf eine ziemlich ähnlich unbewegliche und konservative Ära zu. Wenn sich jetzt meine Kinder für Politik interessieren – was soll ich dagegen haben?

Ich rechne es LeFloid hoch an, dass er schafft nicht unwesentlich viele Kinder und Jugendliche für Politik und Tagesgeschehen zu interessieren. Punkt.

Zum Interview selbst. Da sitzt ein 27jähriger YouTuber, der mit der Bundeskanzlerin spricht. Ich halte mich für klug und kritisch aber ich habe zuletzt in meinem Gespräch mit Murkudis gemerkt wie wahnsinnig schwierig es ist, kritisch zu bleiben, wenn jemand einem sympathisch ist, seine Sache gut verkauft und ein Kommunikationsprofi ist. ICH möchte kein kritisches Interview mit Frau Merkel führen. Ich habe sie einmal live gesehen und war geschockt, wie sympatisch sie rüberkam, obwohl sie über die Aufhebung der Netzneutralität in Deutschland sprach. Hinterher hätte ich mir gerne das Hirn mit Kernseife ausgewaschen und mich drei Mal geohrfeigt, aber die Frau ist ein Medienprofi.

Ich glaube, es ist extrem schwierig ein kritisches Interview zu führen. Die Grenze es dann überhaupt führen zu dürfen stelle ich mir eng vor. Man hat also vermutlich die Wahl zwischen einem gefälligen Mittelweg oder gar keinem Interview und in diesem Licht hat LeFloid das gut gemacht.
Zumal, er wirkte auf mich wirklich sehr gut vorbereitet. Es gibt andere Formate von „Journalisten“, welche versuchen die Medienglätte von Politikerinnen und Politikern zu knacken, indem sie sich doof stellen und sich wie ein Kasper benehmen. Ich konnte mir dieses Format nicht anschauen. Zu viel Gekasper für zu wenig überraschenden Output.

Für mich ist dieses Interview nicht der Untergang des Journalismus, es ist der Anfang eines Dialogs.

Und wenn ich LeFloid einen Verbesserungstipp geben müsste, das hat Leitmedium bereits sehr gut formuliert: „Ein paar Interview-Kniffe hätten das Gespräch bei gleichem Inhalt wahrscheinlich weniger zustimmend wirken lassen. LeFloid sagt oft “absolut!” an Stellen, die eigentlich nicht passen. Ich kenne das aus meinen Podcasts: Man möchte dem Gegenüber mitteilen, dass man zuhört und verstanden hat. Für ZuhörerInnen wirkt es aber wie eine inhaltliche Zustimmung. Es ist besser, hier auf ein leises Nicken zu setzen: Das hört man nicht, aber GesprächspartnerInnen sehen, dass man ihnen weiterhin folgt.

Das habe ich auch so empfunden. Das „absolut“ war in vielen Fällen gar keine Zustimmung sondern eine Worthülse. Jede weitere Kritik an der Sprache ist albern. Ob jemand sagt „Ja, cool“ oder „Frau Bundeskanzlerin, ich verstehe ihren Punkt“, das ist doch egal.

Deswegen: Ich fands gut. „LeNews“ war bislang nicht bekannt ein kritisches Medienformat zu sein (ich glaube, es läuft unter Boulevard-Magazin), den Anspruch, dass das Interview nun aber kritisch investigativ sein sollte, kann ich nicht nachvollziehen. LeFloid war gut vorbereitet, er hat eine Diskussion angestoßen und er hat sogar die Eltern der Kinder und Jugendlichen erreicht.

 

12 von 12 im Juli

Der 12. Juli ist auf ein kinderfreies Wochenende gefallen. Kinderfreie Wochenenden dauern ca. 100 Stunden. Es ist erstaunlich, was ich an zwei Tagen alles schaffen kann. Ausschlafen bis 8 Uhr zum Beispiel. Aufstehen fällt allerdings  ziemlich schwer, wenn die Kinder nicht darauf bestehen, dass ich Frühstück mache. Ich lese also ein bisschen Internet und schreibe dann die erste Fassung meines ElterngeldPlus Artikels.

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Nachdem ich gefühlt zwanzig Artikel und ein duzend Broschüren gelesen habe, ist es plötzlich zehn Uhr. Ich äh muss mich noch anziehen, denn ich bin mit Frau Kirsche zum Frühstück verabredet. Ich hab sie über einen gemeinsamen Freund kennengelernt und wir haben neulich zusammen gepodcastet. Der Freund hat gesagt: Ihr werdet euch verstehen. Er soll Recht behalten.

Ich fahre mit dem Fahrrad nach Kreuzberg, wo ich am Tag zuvor schon frühstücken war. Es ist wirklich total leer. Das fällt mir erst auf, nachdem ich den Artikel über die Berlinreise bei Maximilian Buddenbohm gelesen habe.

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Ich habe Frau Kirsche noch nie in echt gesehen, aber ich erkenne sie sofort an ihrem phänomenalen Rock. Frau Kirsche ist Nähnerd. Die Kleider, die ich bislang auf instagram gesehen habe, sind großartig.

Wir gehen ins Bastard. Das Frühstück dort ist toll. Genau deswegen sind alle Plätze besetzt. Wir stehen enttäuscht auf der Straße und gucken so lange traurig, bis der Kellner uns einen Platz organisiert. Ich bestelle mein Essen ohne Obst. Der Kellner sagt: „So einen Quatsch machen wir hier nicht“. Ich jammere und sage ihm, dass ich lieber Vogelspinnen als Mandarinen essen würde. Er sagt mir, er wolle in die Natur, man könne halt nicht alles haben. Am Ende macht er mich doch glücklich. Mir wird ein Frühstück ohne Obstdeko serviert.

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Frau Kirsche und ich unterhalten uns lange und das obwohl ich Psychologin bin und sie Soziologin ist. Eigentlich gibt es sowas wie eine traditionelle Feindschaft zwischen diesen beiden Disziplinen (oder zumindest totales Unverständnis, weil die Blickrichtung entgegengesetzt ist). Mir fällt auf, dass der Kellner die ganze Zeit mit uns schäkert. Das ist mir ca. 100 Jahre nicht mehr passiert. Ich verstehe ihn, ich finde Frau Kirsche auch toll.

Am Nachmittag fahre ich wieder nach Hause und lege mich erstmal hin. Mittagsschlaf! So toll!

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Danach steht Hausarbeit an. Ich bin fasziniert wie viel Arbeit unter der Woche liegen bleibt, obwohl ich die ganze Zeit was mache. Alleine fünf Maschinen Wäsche. Ich träume von einer Haushälterin. Auch denke ich immer, dass es ja Menschen gibt, die auch noch bügeln oder die jeden Tag staubsaugen oder so. Wie machen die das?

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Ich brauche Folge 30, 31 und 32 des Lila Podcast bis ich zur Hälfte fertig bin mit dem ganzen ******. Besonders gut gefällt die Folge zu den Serien. „Hit and Miss“ und „Raised by Wolves“ muss ich unbedingt sehen.

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Betten neu beziehen ist auch mal wieder dran. Ich hatte ne zeitlang einen 70er Jahre Stoffsammelfetisch. Diese Kinderbettwäsche habe ich ein halbes Jahr gejagt. Jetzt sind die Kinder eigentlich raus aus dem Alter. Dann kommt der Bezug eben auf eine der zahlreichen Spieldecken, die die Kinder zum Bauen verwenden. Ich wünschte, ich könnte nähen… dann könnte man daraus vielleicht noch was schönes machen.

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Als letztes räume ich das Kinderzimmer auf. Ich hab mich neulich mit anderen Eltern unterhalten, dass ich Waffen hasse und meine Kinder deswegen keine haben. Ich glaube, ich habe mich geirrt.

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Jetzt habe ich erstmal keine Lust mehr. Zeit mal in den Comic zu schauen, den ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Außerdem ist es nach vier.

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Nebenher mache ich Backups. Dieses vorwurfsvolle Popup „Schon 10 Tage kein Backup“ ist ja nicht auszuhalten auf Dauer.

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Glücklicherweise besitze ich seit kurzem einen Hammer. Ich hänge ein neues Bild auf, das mir meine Freundin Katia geschenkt hat. Katia ist großartig. Nicht nur was ihre Kunst angeht, auch ihr Blog muss man sehr lieben.

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Dann vertrödele ich noch unfassbar viel Zeit. Ich schaue „Suits“* und lackiere meine Fuß- und Fingernägel. Weil die nicht schnell genug trocknen, komme ich äh 25 min zu spät zum Burgeressen und vergesse auch noch meinen Burger zu fotografieren! Dieses Tussileben ist nichts für Anfängerinnen. Vermutlich hätte ich ohnehin Salat bestellen müssen.

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*dafür komme ich in die Hölle. Die Serie ist nicht nur angereichert mit Klischees (die Typen mächtig und kompetente Anwälte, die Frauen Anwaltsgehilfinnen und Sekretärinnen oder Quotenfrau, alle gutaussehend, toll gekleidet, superdünn) sondern auch voll mit sexistischen Sprüchen und Gesten (über die die Frauen aber immer lachen, die haben halt Humor).

Anderswo, eine Sammlung der letzten Wochen

Bei Frau Mutter habe ich was zum Thema Schönheit erzählt. Ich mag die Serie „Eine schöne Mama: Das große Beauty Interview mit….!“ sehr gerne. Da dürfen sogar Väter mitmachen. In Sachen abendliches Pflegeritual bin ich da ganz nah an den Vätern, würde ich denken.

Bei Berlinmittemom habe ich etwas über das Muttersein erzählt. Auch hier ist die ganze Serie „Die gute Mutter“ sehr lesenswert. Ach was, das ganze Blog sollte man kennen und lesen…

Hatte ich schon „Ein Blick hinter…dasnuf“ bei M i MA verlinkt?

Als Nebenfigur trete ich in einem Comic über Eis und Bärte auf. Beetlebum ist übrigens toll. Ich bin größtes Fangirl auf der Welt. Deswegen freue ich mich so sehr, dass er mein bald erscheinendes Buch illustriert hat.

Und völlig ohne Kontext der Spot zum „Frauengold“. Ich will auch „über den Dingen stehen und objektiver urteilen“. Wer besorgt mir das? Einen Jahresvorrat bitte.