Zeigt her Eure Quellen

Sie schlummern heimlich in den RSS Readern: Seiten, die ich gerne lese.

Ich weiß nicht, wer damit angefangen hat, aber ich lese die Linkzusammenstellungen sehr gerne. Z.B. bei diplix, Don Dahlmann, Patsch Bella oder auch Maximilian Buddenbohm.

Hochmotiviert das auch zu machen, habe ich mir sogar einen Pinboard-Account zugelegt und in den letzten neun Monaten auch schon 92 Links abgespeichert. Die Links zusätzlich zu kommentieren und so für andere einen Anreiz zu bieten, sie zu klicken – das habe ich nie geschafft. Meistens klappt nicht mal das Abspeichern der Links, die ich gelesen habe und gut finde, weil ich meinen RSS Reader hauptsächlich morgens in der U-Bahn lese und der in Ermangelung einer Internetverbindung keine Informationen in andere Systeme speichern möchte. Es ist bei mir also eher ein Trauerspiel.

Schade ist das trotzdem. Ich habe nämlich schon viele tolle Blogs und Seiten durch die Linklisten der anderen entdeckt und so gelegentlich einen Schritt aus meiner kleinen Welt der Blogs, die ich ohnehin seit Jahren gerne lese, getan.

Deswegen dachte ich, ich stelle mal in unregelmäßigen Abständen Seiten aus meinem Feed-Reader vor und vielleicht mag sich jemand anschließen – so wie damals in den Zweitausendern als wir uns noch Stöckchen zugeworfen haben.

Ach und falls ihr Seiten ohne RSS (es soll sie ja geben!) habt, dann ist für das regelmäßige Verfolgen vielleicht Page2RSS hilfreich.

 

Schöner Denken

Wir können nicht anders. Wir haben etwas zu sagen. Wir müssen darüber reden. Wir müssen darüber schreiben. Nach dem Kino stillvergnügt nach Hause gehen und schweigend genießen? Keine Chance. Wir haben eine Meinung und die muss raus. Wir wollen aber nicht nur über alles reden – wir interessieren uns auch noch für alles. Also finden Sie hier lange Essays über große Literaten ebenso wie Kurzkritiken über Popcorn-Kino, Comic-Besprechungen, Filmtheorien, Fernsehtipps und eine imaginäre Science-Fiction-Anthologie – sehr Populäres und fast Vergessenes, Albernes, Tiefgründiges […]“

Für meinen Geschmack besonders herausragend die Kategorie „14 Jahre ohne Kino„, in der die Filmhighlights von 2001 vorgestellt werden.

 

Kinderzimmerkunst

Auf Carolettas Kinderzimmerkunst-Blog bin ich gestoßen, weil sie bei der Nido „Blog der Woche“ war. Ich habe mir einige Seiten angeschaut und konnte nicht mehr aufhören. Unfassbar schöne Dinge gibt es zu entdecken. Das erste was ich mir dort angeschaut habe, war die Anleitung zum Bau eines 3 m großen Familienbetts.  Fern ab des Kinderrosaprinzessinnenkitsches, den man sonst zu sehen bekommt.

 

Anders anziehen

Anders anziehen hatte ich schon für die BOBs 2012 nominiert, weil mich die sensiblen Beschreibungen und das Hinter-die-Fassade-schauen der Autorin Smilla immer wieder berühren. Ich liebe ihre Bilder und eben die Geschichten dazu. Ein großartiges (Mode-) Projekt.

 

Ein Fremdwörterbuch

kübra gümüsay ist bloggerin, journalistin und taz- kolumnistin. in ihrem blog schreibt sie über medien, politik, gesellschaft, feminis- -mus und islam. außerdem über filme, kunst, musik und kultur.“ Ich kann mich nicht genau erinnern, wie ich auf das Blog gestoßen bin, aber ich entdecke in ihrem Blog immer wieder wunderbare Texte. Einer, der mich sehr bewegt hat, war „40 Kilo Fremdschämen“ in der sie die jährlichen Reisen ihrer Familie in die Türkei und ihr Leiden als pubertierendes Mädchen beschreibt.

 

<3 – Instagram

Ach und einen instagram-Account habe ich auch noch zu empfehlen: Frau Julie. Ihre Bilder sind so wunderbar (wie nennt sich das Gegenteil von unbeschwert und fröhlich?)

 

Und jetzt würde ich gerne Eure Quellen sehen.

Das Internet grüßt die Welt da draußen

Artikelempfehlungen für Neuleser.

Alle, die über den schönen Artikel von Astrid Herbold der Juniausgabe im „Das Magazin“ hier her gefunden haben, ein herzliches Willkommen. Ich freue mich über jeden neuen Leser und habe hier eine kleine Stichprobe von Blogartikeln zusammen gestellt, die ich für einigermaßen repräsentativ für dasnuf halte. Das erleichtert vielleicht den Zugang:

Levelboss Baby LeChuck
Schmutz, Gliedertiere und Schürfwunden
Als ich fast Brad Pitt geheiratet hätte
PEKIP from hell
Werde zum Schmink-Nörti
Wiederholung automatisch oder das eChild
Tatookid
Erklärungsnot
Mein erstes Kindergartenfest
Däumelinchen, looped
Wo reiben schwitzende Frauen ihre Becken aneinander?

Viel gelesen, man weiß nicht ganz genau warum:

Hmm, Ratlosigkeit
Noch mehr dämliche Wahlplakatsprüche
Internetabhängig. Ich so – aus Gründen
Dass ich erkenne, was das Internet im Innersten zusammen hält
Ich habe nichts gegen Kinder, nur bitte nicht hier
Die Hackfleischbesprechungen
Foursquare, wie konnte ich nur ohne Dich leben?

Tägliches Instant-Karma

Es wäre so schön, wenn ich eines Tages vorlesen dürfte was mir gefällt.

Die Karmatheorie geht davon aus, dass jedes Verhalten eine Folge hat. Jede Übeltat wird umgehend abgestraft. Ich glaube daran und ich bemühe mich wirklich, wirklich ein guter Mensch zu sein.

Leider schaffe ich es nie den ganzen Tag Gutes zu tun und nicht zu lügen. Man kennt das ja. Die Kollegin im neuen Kleid, das aussieht wie Omis eilig übergeworfene Häkeltischdecke. Kaum hat man nach dem Schock des Anblicks wieder Luft, verlassen die Worte: „Oh, wo hast Du das denn her? Das sieht aber … interessant aus“ den eigenen Mund und zack hat man gelogen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der ausgleichende Weltengeist am Abend Rache nimmt und Eltern dazu zwingt immer und immer wieder die grauenhaftesten, unrhythmischsten und langweiligsten Bücher vorzulesen. Dem Kinderlosen sei versichert, egal wie sehr man sich um das geistig anspruchsvolle Kinderbuchregal bemüht, am Ende finden doch Conni, traumhafte Prinzessinnengeschichten, Bob der Baumeister und Disneys schönste Märchensammlung den Weg in die eigenen vier Wände. Zum Entzücken der Kinder und zum Leid der Eltern.

Da steht man hoffnungsvoll vor der Leseecke und die kleine Kinderhand greift Abend für Abend nach dem schlimmsten aller Bücher. Gnädige Kinder varieren wenigstens, doch in im Alter zwischen 3 und 5 sind Kinder entwicklungspsychologisch bedingt zwanghaft und wollen bar jeder Rücksicht die immerselbe Geschichte hören. Abend für Abend für Abend für Abend.

Kind 3.0 ist zur Zeit in Aräll (Arielle) verliebt und so habe ich bereits mehrere Duzend Mal Arielle gelesen. Dabei ist Kind 3.0 sehr ungnädig. Es merkt sofort wenn ich eine der 42 Seiten „aus Versehen“ überblättere oder wenn ich einen Satz anders lese, um einen Verleser auszugleichen und mich selbst vom Einschlafen abzuhalten. Sekunden zuvor schläfrig, die Augen auf Halbmast, schreckt es hellwach hoch und ist erst wieder zu beruhigen, wenn ich ordnungsgemäß ablese.

Montag: „Was wollen wir heute lesen?“ „ARRRÄÄÄÄLL!“

Dienstag: „Hey, schau mal wäre es nicht schön, wenn wir …“ „Aräll“

Mittwoch: „Wollen wir heute nicht mal…“ „Arrr-äll!“

Donnerstag: „Lust ein Hörspiel zu hören?“ „Ärähähäll lesen.“

Freitag: „Soll ich Dir mein iPhone zum Spielen geben? Kopfschütteln, wortloses Deuten auf das Arielle-Buch.

Samstag: Mutter mit Tränen in den Augen. Kind, emotionslos: „Aräll“

Sonntag: „…“ „Aräll, Mama, Du weißt das!“

Wenn die Kinder schlafen, kann man endlich Franziska (1, 2, 3), Ritter BodobertWilli Wiberg-Bücher und Ein Nilpferd kommt selten allein lesen.

Relevanz und Firlefanz

Relevanz, Zugriffszahlen und die Vielfalt der deutschen Blogosphäre

Ich begebe mich auf heikles Terrain. Denn erstens soll man nicht auf jedes Brett springen, das einem hingehalten wird und andererseits war ich gar nicht persönlich anwesend als Sascha Pallenberg was zum Thema „Rockstars und Mimosen – Wie die deutsche Blogosphäre veramerikansiert wird“ erzählt hat. Ich beziehe mich also auf Hörensagen. Es entzieht sich auch meiner Kenntnis welche Blogs auf der Folie zum Thema relevante Blogs in Deutschland standen – es waren aber nur Blogs, die von Männern betrieben geschrieben werden. Allerdings meine ich, die Sache richtig erzählt zu bekommen haben, wenn ich folgenden Tweet lese:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/#!/sascha_p/status/198884611445628928″]

Die breite Öffentlichkeit also. Ich sage jetzt mal, die breite Öffentlichkeit, das ist zum Beispiel mein Vater. Den habe ich gefragt: „Papa, wer ist Sascha Pallenberg?“ Wie zu erwarten war, mein Vater kennt ihn nicht. War auch unfair gefragt. Es ging ja um die Relevanz von Blogs. Also recherchiere ich kurz welchen Blog Sascha Pallenberg betreibt und frage wieder: „Und Netbooknews.de?“ Mein Vater, technisch wirklich sehr interessiert, zuckt erneut mit den Schultern „Aber Netbooknews.com? Neben Walt Mossberg und David Pogue erhielt er den Top 20 Smart Mobile Device Pundits von Freescale und wurde in die Liste der 20 einflussreichsten Mobile Computing-Experten weltweit gewählt!!!111!!ELF!“ Als Reaktion trotzdem nur ein Schulterzucken.

Klar, mein Papa ist nicht die gesamte breite Öffentlichkeit – aber ich spare mir trotzdem eine repräsentative Stichprobe per Befragung x-beliebiger Passanten zu machen und erfinde das Ergebnis einfach. Es lautet nämlich niemand auf der Straße kennt netbooknews.de, niemand kennt dasnuf.de und niemand kennt ankegroener.de. Die Annahme Blogs mit hohen Zugriffszahlen und Blogs, die tatsächlich nennenswerten Umsatz mit Werbung generieren, sei gleichzusetzen mit Bekanntheit in der breiten Öffentlichkeit ist natürlich Unsinn.

Techblogger unter sich mögen natürlich alle SOFORT wissen was netbooknews.de ist und wer dieses Blog betreibt. Oder auch nerdcore oder auch Fefe. Aber sind diese Blogs deswegen relevanter als andere? Im Rahmen meiner phantasierten Studie zum Thema Blogs und Relevanz würde übrigens herauskommen, dass wenn überhaupt jemand bekannt ist, dann Sascha Lobo. Der allerdings nicht als Blogger sondern als Internet-Kenner. Das liegt aber eben nicht an den Zugriffszahlen sondern daran, dass er sich außerhalb des Netzes positioniert und nicht gerade öffentlichkeitsscheu ist und auch eine sehr genau durchdachte Inszenierungsstrategie verfolgt – schließlich ist dieses Ich bin ein Internet People sein Beruf.

Antje Schrupp hat sich einige sehr lesenswerte Gedanken zum Thema Relevanz gemacht:

„Denn Reichweite an Zahlen zu bemessen, das ist irgendwie 20. Jahrhundert. (…) Relevanz ist ja eine relative Angelegenheit. Sie ist keine objektive Eigenschaft einer Information, sondern ergibt sich erst aus der Wechselbeziehung zwischen einer Information und den Interessen und Wünschen anderer: Was für mich relevant ist, muss für jemand anderen nicht auch relevant sein.

Wahre Relevanz bemisst sich also nicht an Zahlen, sondern an der Passgenauigkeit dieses Scharniers: Ein Blogpost, der zwei Leute zum Umdenken anregt, ist objektiv „relevanter“ als einer, der zwanzigtausend in ihrer Meinung bestätigt. (…)

Ich schreibe meinen Blog deshalb nicht für euch. Aber auch nicht nur für mich. Sondern ich schreibe meinen Blog, weil ich der Meinung bin, dass das, was ich hier schreibe, geschrieben werden muss, weil ich glaube, dass die Welt das braucht. Ob das auch noch andere so sehen, ist für mich kein Kriterium.“

Ich stimme allerdings nicht in allen Punkten zu. Denn ich finde, es schwingt diese bescheidene Einstellung mit, die ich oft bei Frauen höre: Ich mache das nicht für Aufmerksamkeit oder Geld sondern weil ich eine Botschaft habe oder weil ich Spaß am schreiben habe und deswegen zählen für mich Zugriffszahlen und Reichweite nicht. Leider bin ich nicht so ein bescheidener Mensch. Mir ist natürlich auch das Schreiben wichtig und mein Herz geht auf, wenn mir Menschen erzählen, dass sie hier gerne lesen und dass ich sie oft zum lachen bringe. Aber Kraft meines schlechten Charakters hätte ich statt 1.000 Kernleser gerne 10.000 Leser oder auch 100.000.

Wenn es meine Zeit zulässt, schaue ich gerne in meine Statistik, ich freue mich einen Keks wenn ich vom Bildblog „6 vor 9“ verlinkt werde und von jeder Rivva-Erwähnung würde ich gern ein Screenshot für mein Ego-Bilderbuch machen. Ich fahre total auf die Bestätigung ab, die ich durch +1, facebook-Shares und Tweets bekomme. Ich habe eine ungefähre Ahnung welche Blogs und Blogger eine größere Reichweite als ich haben und somit als Multiplikatoren wirken und wenn sie mich verlinken, freue ich mich auch. Das zu meinem Ego, das offensichtlich sehr durch Bestätigung durch andere gestreichelt wird.

Es gibt aber noch einen anderen Grund warum ich es schön finde, wenn ich viele Leser habe. Ich mag Vielfalt. Ich mag eine bunte Blogosphäre und dazu gehört, dass Frauen wie Männer wahrgenommen werden. Dass sowohl Technikthemen als auch Gesellschaftsthemen Platz finden, dass es nicht nur um die neusten Gadgets, Urheberrecht und Netzpolitik im Web geht, sondern dass auch z.B. Kinder, Katzen, Kunst und Essen.

Und das hängt leider an der Thematik Zugriffszahlen und die Wahrnehmung anderer Themen (und Frauen in der Blogosphäre) wiederrum spiegelt sich in der Art und Weise wieder, wie dann auch z.B. das Fernsehen über Events wie die re:publica berichtet, wie z.B. N24, die in 40 Minuten Beitrag eine einzige Frau befragen und diese im Gegensatz zu den befragten Männern nicht mal mit Namen nennen.

In der Vorbereitunsgmail der Organsisatoren der re:publica war erfreulicherweise zu lesen: „Bitte beachte: Wenn du eine Session mit mehreren Leuten eingereicht hast, dürfen dies inklusive Moderation nicht mehr als 5 Teilnehmende sein und mindestens 2 davon müssen weibliche Speaker sein.“ das gefiel mir sehr. Wenn ich allerdings die instagram-Bilder durchschaue, fallen mir solche auf und ich frage mich: Was ist da mit dieser Regel passiert, z.B. hier:

Foto von labuero auf instagram

Was ich sagen will: Wahrnehmung von Frauen in der breiten Öffentlichkeit wenn es um solche Themen geht, ist von vielen Dingen abhängig und ich wünsche mir tatsächlich ein Gegengewicht. Alleine schon der Abwechslung wegen. Man kann doch nicht immer und immer wieder den  gleichen Sud aufkochen und sich dann wundern, dass es die breite Öffentlichkeit niemanden interessiert.

Deswegen hätte ich gerne, dass auch Frauen selbstbewußt nach vorne treten und sich selbst für relevant halten und auch gerne mal, so wie Mama Miez das gemacht hat, nebenher erwähnen, dass sie locker 68.000 Besucher im Monat haben. Jahhaaaa kann man da jetzt auch wieder schreien, 68.000 gääähn ich hab eine Schrillionen! Allerdings muss man da die Motivation hinter dem Bloggen und Schreiben sehen. Es mag Menschen geben, die ihren Lebensunterhalt damit beschreiten und das tun sie wahrscheinlich hauptsächlich über Werbeeinnahmen und dann sind 68.000 eine müde Zahl. Aber erstaunlicherweise gibt es auch die Blogs, die es auf ansehliche Zugriffszahlen kommen und denen das im Grunde völlig egal ist, weil sie das Bloggen als Hobby ansehen und einfach eine Plattform haben möchten, um ihre Gedanken zu teilen und dann ist die Zahl doch recht ansehlich.

Dennoch. Ich bin immer interessiert an neuen Blogs und an Themen, zu denen ich im Alltag wenig Schnittmengen habe, einfach weil ich persönlich das Gefühl habe mich nur weiter entwickeln zu können, wenn ich immer wieder Neues aufnehme und deswegen mag ich die einseitige Darstellung der Blogosphäre oder des Internets nicht. Das Internet ist eben nicht nur iPhone, ACTA und Urheberrecht.

Wir sollten uns wohl öfter gegenseitig erwähnen und Blogrolls wieder auferstehen lassen und so andere daran teilhaben lassen, was sie gerne lesen (deswegen ein Hoch auf Quote.fm!). Und damit bin ich sogar einer Meinung mit Herrn Pallenberg, der zur Beschreibung seiner re:publica Session geschrieben hat: „Anstatt sich staerker zu vernetzen und miteinander zu kooperieren, ist sie (die deutsche Blogosphäre) staerker denn je fragmentiert, kreist aber immer noch wunderbar um sich selbst.

Deswegen -> Ich z.B. lese für mein Leben gerne:

Journelle
Antje Schrupp
Anke Gröner
Kaltmamsell
Pia Ziefle
ruhepuls
Julia Probst
Anders Anziehen
Anne Schüssler
Franziskript
Katia Kelm
Frau Julie
Modeste

Und ihr so?


!!! Nachtrag: Nochmal, da ganz wichtig: Ich beziehe mich nicht auf den gesamten Vortrag. Da ging es um etwas völlig anderes. Ich beziehe mich nur auf eine einzige Aufzählung (relevante Blogs) und die Publikumsnachfrage „Warum ist kein Blog aufgeführt, der von einer Frau geschrieben wird?“ und die sinngemäße Antwort, es gäbe eben keine (Siehe Kommentar). !!!

Es lebe das Internet

Für mich besteht die deutsche Blogosphäre nicht aus Techblogs und Netzpolitik. Sie besteht aus Menschen und ihren Geschichten.

Man kann also getrost damit aufhören, Blogs einmal im Jahr für tot zu erklären. […] Blogs sind kontinuierlich arbeitende Dampfmaschinen, die über ihren langen Atem Erfolg haben. Jedes Jahr, jeden Monat und jeden Tag.

Über die „6 vor 9„-Kategorie im Bildblog bin ich auf den Artikel „Und was machten die Blogs im Jahre 2011?“ bei Maingold.com gestoßen.  Der Artikel gibt einen Teil meiner persönlichen Wahrnehmung der deutschen Blogosphäre sehr gut wieder. Allerdings fehlt etwas sehr wesentliches: Die Öffne-mir-eine-andere-Welt-Blogs.

Das sind genau die Blogs, für die ich das Internet so sehr liebe und auch überhaupt nicht verstehen kann, dass es Menschen gibt, die das Internet nicht lieben können oder wollen.  Denn es gibt Blogs, die mir Welten eröffnen, deren Tür sich für mich ohne das Internet wahrscheinlich nie geöffnet hätten.

Deswegen stimme nicht zu wenn es heißt „Die so genannten großen Blogs, die fast jeder Blogger vor einigen Jahren erst mal pauschal in seine Blogroll aufnahm, gibt es so nicht mehr. “ Das erste Blog, das mir genau zum Thema Unbekannte-Welt und großes Blog einfällt, ist das Blog von Anke Gröner.

Ich habe angefangen sie zu lesen, als sie in meiner Wahrnehmung am meisten über Kinofilme bloggte. Das tat sie immer so treffend, dass ich eigentlich gar keine Filme mehr anschaute, bevor sie nicht darüber geschrieben hatte. Dann kam eine exzessive Phase des Golfens und jetzt lese ich sehr gerne über Essen und Opern. Sowohl Golf als auch Opern sind nicht mein Interessensgebiet – aber sie schreibt so gut und einnehmend darüber, dass ich jeden Eintrag gerne lese. Lediglich gegen das Fußballthema bin ich völlig resistent. Gerade dieses Blog zeigt wie die BloggerInnen selbst wachsen und sich entwickeln und mit ihnen ihr Blog. Und ich glaube auch nicht, dass man sie nicht zu den großen Bloggern zählen kann, denn wer kennt Anke Gröner im Internet nicht?

Ein anderes Beispiel für ein  Öffne-mir-eine-andere-Welt-Blog, das gerade 2011 groß geworden ist, ist das Blog von Julia Probst. Sie schreibt im Blog und auf Twitter und Google+ über ihr Leben und ihre Erfahrungen als gehörloser Mensch und sensibilisiert somit andere für dieses Thema.

Ebenfalls schon lange aktiv: Christiane Link, die in ihrem Blog Behindertenparkplatz über ihr Leben schreibt und somit auch Einsichten gibt, an welchen oft wahnwitzigen Barrieren man im Alltag oder in den Köpfen der Leute zu scheitern droht, wenn man sich im Rollstuhl fortbewegt.  (OMG! Beinahe hätte ich „an den Rollstuhl gefesselt“ geschrieben, aber davon hat mich Raul Krauthausen völlig geheilt – aber genau das erreichen diese Blogs, dass man mal darüber nachdenkt, was man da eigentlich sagt. Fehler machen alle Menschen, wenn man aber darauf gestoßen wird, kann man es im Anschluss besser machen.)

Genauso geht es mir mit dem Blog von Antje Schrupp, die sich hauptsächlich mit feministischen Themen auseinandersetzt. Mir wird das meiste allerdings nicht an den Artikeln klar, sondern an den Reaktionen auf diese Artikel. Auch wenn ich nicht immer die im Blog wiedergegebene Meinung teile, so zeigen genau die Reaktionen wie wichtig Feminismus nach wie vor ist.

Es gibt so viele Beispiele für Öffne-mir-eine-andere-Welt-Blogs. Das Blog von Frau Freitag über den Schulalltag, das Bestatterblog, das Apothekenblog, das Polzeinotrufblog, das Nachtschwesterblog und natürlich das Lawblog von Udo Vetter (auch ein weiteres Gegenbeispiel zum Thema die großen Blogs gibt es nicht mehr).

Die Liste könnte man wahrscheinlich unendlich erweitern. Für mich ist das Internet eben nicht Techblogs und Shitstorms sondern Menschen mit interessanten Geschichten, die mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Das ist das Phantastische am Internet seit über 15 Jahren. Seit dem Tag an dem ich in der Uni mit Herzklopfen andere Seiten anklickte, als ich ICQ entdeckte und durch Zufall Freundschaften schloss, mit Menschen in der ganzen Welt, Menschen, die ich gar nicht kannte, Menschen die einfach auch neugierig waren und die mich dann an ihrem Leben teilhaben ließen.

Tatsächlich sind es die von Maingold.com genannanten Themen, die sich auch in meiner Wahrnehmung über Twitter und Facebook aufschaukeln und sich somit in den Vordergrund drängen: Techblogs, Netzpolitik, Protest und all die Beiträge, die irgendwelche Säue durchs Dorf treiben. Aber das liegt einfach auch an den Personen und deren Beziehungen untereinander. Ich habe oft das Gefühl, dass es (bis auf einige Ausnahmen) wenige Platzhirsche sind, die sich gegenseitig ihre großen Geweihe zeigen und um sich herum kleine Herden scharen, die dann eine zeitlang das Gesagte im Ping Pong zitieren und kommentieren, um sich auch ein bisschen wichtig zu fühlen.

Tatsächlich machen gerade diese Blogs für mich nur einen klitzekleinen Teil des Internets aus. Sie sind nur lauter als der Rest. Das Internet ist für mich voller Menschen, die etwas zu sagen haben und zwar zu ihrer Lebensrealität und zu dem was sie machen oder sich wünschen. Und weil ich selbst mein kleines, eingeschränktes, alltagsdominiertes Leben habe, freue ich mich immer wieder wenn mir diese Menschen Einblicke in ihre Welt geben.

Brigitte MOM

Brigitte MOM hat zwar einen dämlichen Untertitel – dementgegen kann man es aber aushalten darin zu lesen. Jedenfalls wenn man einfach ein bisschen Unterhaltung erwartet (und nicht mehr).

Die Brigitte MOM hat 154 Seiten und kostet 3,80 Euro. Das macht knapp 2,5 Cent pro Seite, zieht man die 24 Seiten Werbung ab, bleiben 130 Seiten. Davon sind ungefähr 20 Seiten keine direkte Werbung, enthalten aber Kaufempfehlungen und weitere 20 Seiten bilden alberne Mode ab, die man als durchschnittliche Mutter weder tragen noch kaufen würde. Bleiben 90 reine Inhaltsseiten, für die man 4,2 Cent zahlt. Geizig Sparsam wie ich bin, muss es einen guten Grund geben so viel Geld auszugeben.

Die Verlagsgruppe beschreibt das Magazin wie folgt: „Der neue Titel richtet sich an Frauen zwischen 20 und 40 Jahren, die Mütter sind oder sich Kinder wünschen. BRIGITTE MOM beschreibt das Lebensgefühl dieser Frauen mit Liebe, Gelassenheit und Witz, ohne problemorientierte Ratgeber.

Seit Tagen denke ich über den Untertitel nach. „Das Magazin mit starken Nerven“. (Abweichend vom Bild oben steht ein ganz anderer Untertitel auf der Printausgabe). Was mir das sagen will, erschließt sich mir einfach nicht. Hat ein Magazin Nerven? Welchen Vorteil bringt es mir, wenn ein Magazin starke Nerven hat? Haben MOMs starke Nerven? Bin ich eine MOM? Habe ich starke Nerven? Bin ich ein Magazin? Ist das Wort Magazin ein Teekesselchen? Aber auf was bezieht es sich dann? Sind Mamas Vorratsvorrichtungen für Munition?  Eine kroatische Musikgruppe? Ein Hamburger Programmkino? Oder ist doch das facheinschlägige Periodikum gemeint?

Gut. Ich muss nicht alles verstehen…

Der Inhalt gliedert sich in die Rubriken: schön sein, schlau werden, haben wollen, weg wünschen und anders machen. Die Kategorien könnte man vermutlich super als Tags verwenden, um den Alltag als Frau/Mutter/Mensch angemessen zu verschlagworten.

Als ich das Magazin das erste Mal durchgeblättert habe, fand ich es ziemlich blöd. Vermutlich weil ich an der Stelle „Lust jemanden zu beleidigen“ hängen blieb. Da werden 5,5 Seiten für zehn läppische Beleidigungen verschwendet. Wahrscheinlich hat man sich so in den 60ern beleidigt: „Wenn ich Ihre Mutter wäre, würde ich mich schämen.“ (S. 134, Brigitte MOM 01 2011) Allein schon das Siezen! Wenn mir jemand total auf den Geist geht, dann sieze ich doch nicht. Mein Tipp an die Redaktion, wenn man zeitgemäß beleidigen möchte, einfach mal bei Twitter nach „Deine Mudda“ suchen. Da finde ich innerhalb von fünf Sekunden hundert Mal witzigere Beleidigungen.

Die Mode, die vorgestellt wird, finde ich genauso nichtssagend und überblätterungswert wie in jedem anderen Magazin. Welche (teilzeitarbeitende) Mutter leistet sich schon einen Schrank voll Blusen (wer bügelt die eigentlich?), die das Stück um die 200 Euro kosten? 200 Euro, das sind im Schnitt 1.300 Windeln – damit kann man ein Kind ungefähr ein halbes Jahr mit Windeln versorgen.

Wenn man die Zeitung also nicht gekauft hat, um was darüber zu schreiben, hätte ich sie an dieser Stelle schon aus der Hand gelegt.

Wäre aber schade darum gewesen, denn so doof ist sie auf den zweiten Blick gar nicht. Jedenfalls nicht, wenn man anfängt zu lesen und das sonstige Spektrum an Elternzeitschriften  kennt.

Positiv fiel mir beispielsweise die Bilderserie „iron MOM“ in Auge, die beschreibt wie viel Kalorien man verbraucht, wenn man tägliche Mama-Aufgaben bewältigt. Das Ganze ist mit witzigen Fotos (klobige Medizinbälle im Ergo-Carrier) und ernst gemeinten Haltungsempfehlungen einer Fitnessexpertin (Rücken gerade) versehen.

Auch die Seiten unter dem Titel „Das Leben ist ein langer ruhiger Fluss- von wegen“, die Mütter früher und heute portraittieren, hat mir sehr gut gefallen. Denn sie greift auf, was sich Frauen mit der angehenden Schwangerschaft vorgestellt haben, wie ihr Leben werden würde und vergleicht mit der tatsächlichen Lebensrealität.

Es gefällt mir zudem außerordentlich, dass auch Männer zu Wort kommen dürfen, denn ich mag es gerne ausgeglichen und dieses künstliche männerfrei halten einiger anderer Frauenzeitschriften, ist in meinen Augen unnötig und auch wenn meine Kinder nie fernsehen dürfen, musste ich über den Beitrag von Till Raether schmunzeln, denn er schreibt: „Meiner Meinung nach darf man Kinder vor den Fernseher setzen, sobald sie, wie die Formulierung sagt: sitzen können. Nie wäre ich auf die Idee gekommen zu sagen: Lass uns die Kinder vor den Fernseher legen […]“ (S. 86, Brigitte MOM 01 2011).

Was wirklich sehr auffällt (und allein deswegen sollte man diese Zeitung mindestens einmal kaufen) sind die Menschen, die abgebildet werden. Klar sind die alle schöner als ich – aber sie sind ja auch geschminkt. Nein, im Ernst. Keine hageren, ausgehungerten Frauen und keine ausschließlich 20jährigen, die für Antiaging-Produkte werben. Das gefällt mir wirklich.

Die erste Ausgabe von Brigitte MOM ist bis Ende des Jahres im Zeitschriftenhandel erhältlich. Je nachdem wie die ersten 180.000 Stück sich verkaufen, wird entschieden, ob es eine weitere Ausgabe geben wird.

Mein Fazit lautet: Ich würde gerne noch eine zweite lesen und dann final für mich entscheiden, ob ich das Magazin mit den starken Nerven (???) in Zukunft regelmäßig konsumiere. Tatsächlich habe ich hier nichts gelesen, was mich irgendwie tief bewegt oder mich an irgendeiner Stelle zusätzlich informiert hat. Aber das muss gar nicht sein. Manchmal genügt es eine Zeitschrift zu haben, die man immer mal wieder in die Hand nimmt und kurz dem Alltag entflieht. Ich schaue schließlich auch nicht nur ARTE und 3SAT-Dokumentationen.

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Andere über Brigitte MOM

TAZ „Was Frauen wollen“
Sparbaby
Menschenskind Blog
Unsichtbares Blog

Vorschläge erbeten

Mithilfe erbeten. Habt ihr einen Text in Erinnerung, den ich öffentlich lesen könnte?

Nehmen wir an, ich hätte vor, mal wieder einen meiner Texte bei einer Lesung zu präsentieren. Welchen sollte ich da wohl wählen? Mir fällt es so schwer diese Entscheidung zu treffen.

Lieblingstweets 09/11

Da ich die Lieblingstweets bei anderen so gerne lese, hatte ich die grandiose Idee, selbst auch mal meine zu präsentieren. Als Ersatz für den #ff, den ich regelmäßig verschlafe.

Dinge, die man sich 2009 vorgenommen hat umsetzen. Teil 1: Twitter benutzen und Tweets faven. Edition: Augen wie ein Luchs.

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