Ich komme aus Köln. Es war eine Frage der Zeit bis alle Feste, die irgendwie mit Verkleiden und Fröhlichkeit zu tun haben, meine Lieblingsfeste würden. Kein Wunder also, dass ich in der Zwischenzeit Halloween sehr gerne mag.
Tatsächlich aber ist mir dieses Türgeklingel zuwider. Es ist so aufdringlich. So intimsphärisch. Also selbige aufbrechend.
Ich habe mich also verweigert und den Kindern alternativ angeboten, dass wir uns der kiezseitig organisierten Gruppe süßigkeitensammelnder Kinder anschließen.
Punkt 18 Uhr sollte es los gehen. (Wobei ich gestehen muss: ich dachte ACHTZEHN UHR, das ist das autonome Friedrichshain, auf die Uhrzeit achtet hier niemand. Bestimmt gehen die nie pünktlich los. Also holte ich die Kinder erst nach dem Sport ab, schminkte sie gemächlich und wir nähten uns noch in aller Ruhe ein paar Kostüme bevor wie dann losschlenderten.)
Die Gruppe kam uns jedenfalls um 17.57 Uhr bereits entgegen. Gut hundert Kinder obwohl es regnete. Alles straff organisiert. Vorneweg die Polizei – der Gruselumzug durfte mitten auf der Straße laufen. Für die Gruppe wurden sechs Repräsentant:innen ausgewählt, welche drei Tonnen mit Tragegriffen transportieren durften.
Diese durften eine vorher festgelegte Strecke ablaufen und einige Geschäfte abklappern, die sich im Vorfeld spendenbereit gemeldet hatten.
Zwischendrin Trommelmusik und Dudelsackgetröte und laute „BONBONREGEN! BONBONREGEN! BONBONREGEN!“ Rufe.
Der Umzug der Schaudergestalten kam immer wieder zum Halt und wenn ausreichend laut die Parole geschrieen wurde, traten Menschen auf die umliegenden Balkone und warfen mehr oder weniger engagiert Süßigkeiten von den Balustraden.
Manche schlapp, andere ganze Packungen entleerend, wieder andere schoben ihren Nachwuchs vor, der gewissenhaft Bonbon für Bonbon hinunterwarf.
BONBONREGEN!
Die Kinder sammelten eifrig die bunten Süßigkeiten aus den Regenpfützen und Hundehaufen und warfen sie solidarisch in die Gruppentonnen.
Nach 1,5 Stunden kehrte man ein, verteilte alle Kamellen gerecht auf die 100 Kinder und verbrannte geschwind als Höhepunkt des Abends noch ein Holzpferd.
So entstehen neue Traditionen. Ich glaube nämlich, dass die meisten Anwohner:innen gar nicht wussten, dass sie heute Bonbons von ihren Balkonen werfen sollen. Ich wette daher, dass sie nächstes Jahr gewappnet sein werden und dass wir dann die Regenschirme umdrehen werden und Tonnen an Bonbons sammeln werden.
So wie am Rosenmontag in Köln. Das ist wunderbar! und gefällt mir viel besser als dieses Türgeklingel.
Es spielen überproportional viele Frauen die Hauptrollen und – was man sonst auch nicht so oft sieht – es spielen auch auffällig viele People of Colour mit. Genau genommen spielt das Geschlecht für den Seriencharakter tatsächlich keine Rolle und die toughe Soldatin von Folge Men against Fire ist eben das: eine Killerin und Jägerin. Sie hat eine blutverschmierte Nase wenn sie geschlagen wird, eine kampftaugliche Frisur unter ihrem Schutzhelm und trägt keine überflüssige Schminke. Sie schleppt kein Weiblichkeitsklischee mit in die Rolle und verliert dadurch nichts von ihrem Frausein. Das finde ich wirklich erstaunlich gut inszeniert und hab das (bewusst) so auch noch nicht gesehen.
Mich ermüden mittlerweile Filme und Serien, die sich hauptsächlich aus einem männlichen Cast zusammensetzen, in denen Frauen kaum sprechen dürfen und meistens schönes Beiwerk sind.
Aus diesem Einheitsbrei tritt Black Mirror angenehm durch eine gute Verteilung der Geschlechter hervor. (Frauen dürfen sogar Falten und Tränensäcke haben!)
Es scheint mir so, als ob sich die dritte Staffel übergreifend v.a. mit Fragen der Unterscheidbarkeit von Virtueller Realität und „echter Welt“ beschäftigt.
Jede Folge gab mir einen unangenehmen Gedanken mit auf den Weg. Besonders unangenehm deswegen, weil ich doch so gerne fortschrittsgläubig sein möchte. Mich langweilen die Zukunftsdarstellungen a la Terminator oder Battle Star Galactica in der die KI am Ende immer böse wird und die Menschheit mit allen Mitteln auslöschen will.
Ich möchte lieber die Zukunft in der mich freundliche Androiden im Alter begleiten. Die Zukunft in der die flauschige Roboterkatze mir auf meinem Schoß Gesellschaft leistet und Wärme spendet. Die Zukunft in der uns Implantate verbessern, klüger und gesünder machen.
Black Mirror berichtet von einzelnen Themen in denen die jeweiligen Aspekte entgleiten. Und zwar alle. Jede Folge.
Bemerkenswert finde ich deswegen, dass ich auf diversen Seiten gelesen habe (z.B. Serienfuchs), die Folge „San Junipero“ hebe sich von den ansonsten düsteren Teilen von Black Mirror ab.
SPOILER!
Für mich war das eine der schlimmsten Gedankenexperimente. Im Wesentlichen geht es ja darum, dass man seine Seele (wie auch immer) digitalisieren und dann in eine Art Virtual Reality – San Junipero eben – hochladen lassen kann. Dort sind alle Menschen jung, gesund, das Wetter ist schön, man kann für immer Party machen.
Jeder Mensch der Welt kann frei entscheiden, ob er sich kurz vor seinem Ableben (in einem gewissen Alter eben oder bei schwerer Krankheit) hochladen und dann den eigentlichen Körper sterben lässt.
Es sei denn man stirbt unvorhergesehen. In einem Unfall beispielsweise. Dann ist man leider einfach tot.
Eine der beiden Hauptpersonen erlebt nun dieses Dilemma. Der eigene Mann hat sich nach 47 Jahren Ehe gegen San Junipero entschieden und ist einfach so gestorben. Das Ehepaar hatte nämlich eine Tochter, die mit 39 bei einem Autounfall starb. Der Vater entscheidet sich deswegen gegen das ewige Leben in der San Junipero Cloud.
Am Ende ihres eigenen Lebens angekommen, muss sich nun die Mutter Kelly entscheiden: Ab ins ewige Leben oder normal sterben in der Hoffnung Mann und Tochter in einem wie auch immer gearteten Leben nach dem Tod zu begegnen.
Das ist nur ein winziger Aspekt der Folge, der mich aber durch und durch erschaudern lässt. Tatsächlich ist das was jede Folge Black Mirror mit mir macht: Mir einen grauenhaften Gedanken mit auf den Weg geben.
Manche Folgen haben mir mit ihren Ideen richtig körperliche Schmerzen gemacht. Ungefähr so wie wenn einem jemand von einer Augen-OP erzählt, die er ohne Betäubung erlebt hat (Danke Malik für diese unvergesslichen Erinnerungen, ich spüre das Unbehagen noch im Steiß).
Am schwächsten fand ich Shut Up and Dance. Der Serienhauptcharakter Kenny ist ein Außenseiter und von unbekannten Hackern erpresst, weil diese ihn beim Masturbieren mit seiner Webcam filmen. Er wird gezwungen seine Handynummer rauszugeben, andernfalls würde das Filmmaterial geleakt. Von da an erhält er Aufträge, die immer heftiger werden. Er quält sich, doch am Ende tut er alles, was man von ihm will.
Ganz am Ende gibt es einen Hint warum er so handelt. Für mich war sein Handeln im Laufe der gesamten Folge ab einem gewissen Punkt überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.
Alles was ich von dieser Folge mitnehme ist: Klebt immer schön die Webcam ab, benutzt VPN Verbindungen und verschlüsselt eure Kommunikation.
Der Rest der Folgen: wwwäähhhh üüüääähhhhh bäh. Vielleicht lege ich mein Telefon doch mal öfter aus der Hand.
Papa hat eine Windel gewechselt und jetzt spricht die ganze Welt darüber?
Heute Morgen habe ich im Halbesachen-Blog einen Artikel gelesen, der sich mit der Frage beschäftigt, ob es so etwas wie eine geschlechtsspezifische Verteilung von Aufmerksamkeit gibt.
Die tldr Zusammenfassung lautet: Ja – und das sogar bei klassischen „Mütterthemen“ wie Erziehung und Familie.
(Was ich mit den Anführungszeichen sagen will: Selbst da, wo v.a. Frauen – rein statistisch ausgezählt – einen Großteil der Arbeit übernehmen und dort auch die entsprechende Erfahrung haben, werden Männer besser gehört.)
Auf den Artikel von Petra gibt es derzeit 9 Reaktionen. Auf den von Papa Pelz 414.
Ich schreibe jetzt mal bewusst Reaktionen statt Kommentare auch wenn das im Template dort anders steht. Denn es handelt sich eben nicht um Kommentare sondern um Reaktionen, die meiner Auffassung nach von einem Indieweb-Plugin zusammengetragen werden.
D.h. es werden hier alle Reaktionen referenziert und nicht nur die Kommentare, die jemand im Blog verfasst. In die 414 zählen rein: Twitter Shares, Twitter-Quotes, Retweets, facebook-Shares, facebook-Kommentare und facebook-Likes.
Ich habe dieses Plugin auch, weswegen man unter jedem Artikel in der Regel einige Duzend Reaktionen sieht. Allein meine Reichweite von über 10.000 Followern auf Twitter bewirkt, dass meine Artikel eine gewisse (durchschnittliche) Aufmerksamkeit bekommen.
Zudem, so meine magische Hypothese: Gibt es erstmal sichtbare Reaktionen, so ist es viel wahrscheinlicher, dass andere auch kommentieren. Wenn kein Kommentar zu sehen ist, scheint es sowas wie eine blank page panic zu geben.
Technische Hürden aus dem Weg schaffen
Jedenfalls was ich sagen will: Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass das Sichvernetzen und das Gehörtwerden im Internet auch etwas mit dem Senken technischer Hürden zu tun hat.
In weniger als einer Minute fallen mir eine Menge Dinge ein, die sich in meiner Beobachtung in der Filterbubble Elternblogs rein technisch bei Vätern und Müttern unterscheiden:
Kommentierbarkeit von Artikeln
Oft muss man sich in irgendeinem System extra anmelden, um zu kommentieren. Man hat bei Mütterblogs oft nicht die Wahl verschiedene Logins oder gar ohne festen Login zu kommentieren.
Persönlich habe ich oft keinen Bock mich anzumelden oder ein Passwort zu suchen (selbst im Schlüsselbund nicht, das sind zwei weitere Klicks).
Effekt: Weniger Kommentare, weniger Interaktion, weniger Wiederkehrer etc.
RSS Feeds
Viele Mütterblogs kümmern sich nicht um ihre RSS Feeds. Die sind dann nicht einfach mit einem Klick abonnierbar oder aber gekürzt.
Gekürzte RSS Feeds lesen macht keinen Spaß. Wenn ich mir die Artikel in einen Reader ziehe und z.B. offline lesen möchte – dann bedeutet das: Ich lese nicht, RSS Feed fliegt raus, ich lese das Blog nicht mehr.
(Die Beschreibung wie man das in WordPress ändert und wie man ein volles RSS Feed erzwingen kann, findet sich im oben genannten Artikel)
Seitensuche
Wirklich viele Mütterblogs haben keine Seitensuche.
Es passiert mir immer noch, dass ich Dinge lese, toll finde, später verlinken will und dann nicht mehr finde. Auch hier: Faulheit siegt
In Google kann man „site:http://www.blogname.de suchbegriff“ eingeben, um eine Seitensuche zu „erzeugen“ – aber pfffft.
Bestimmt gibt es noch weitere Hürden – das sind die, die mir seit Jahren begegnen und die mir sofort einfallen.
Per se bedeutet das eine schlechtere Verteilbarkeit und damit eine schlechtere Sichtbarkeit.
(Ich selbst lasse mir auch helfen und kann das alles nicht alleine. Ich glaube, einige andere weiblichen Blogs mit großer Reichweite holen sich auch Hilfe. Es gibt sehr viel, das man zusätzlich tun kann, um besser gehört zu werden. Zum Beispiel kann man sich überlegen, wo die Menschen sind, die einen hören sollen und dann dort was anbieten. Sei es nun bei WhatsApp oder Snapchat oder facebook etc.
Es ist zB relativ einfach Infos von einer Plattform zur nächsten durchzureichen. Ich schreibe zB auf Twitter und das wird auf facebook durchgereicht… egal. Was man tun kann, um besser gehört zu werden, also rein technisch, das wäre ein eigener Artikel. SEO übrigens gehört im Sinne von Zugänglichkeit auch dazu. Auch eine bestimmte Schreibweise hilft die Leute bei der Stange zu halten [Zusammenfassungen, Zwischenüberschriften, Bulletpoints])
Jedenfalls was ich sagen will: Ich stimme Jette von Halbesachen grundsätzlich zu. Männer (Väter) bekommen mehr Aufmerksamkeit – und wollte nur ergänzen – evtl. hat das neben den gewachsenen gesellschaftlichen Gründen auch rein technische (die dann auch wieder gesellschaftlich gewachsen sind, aber das wird tautologisch). Zumindest im Netz.
(Zwischeneinschub: Ich glaube übrigens, dass ich von Anfang an meiner „Blogkarriere“ mehr Aufmerksamkeit als andere bloggende Mütter hatte, weil dasnuf als männlich wahrgenommen wurde – in den Kommentaren der ersten Blogjahre, werde ich immer wieder als Mann angesprochen.)
Leuchtturm-Väter pushen oder ignorieren?
Ganz abgesehen davon, geht es aber in dem Artikel um Jette um eine zweite Frage, die mich wirklich auch sehr beschäftigt.
Sie nennt das Phänomen „Leuchtturm-Väter“. Gemeint sind die paar Väter, die öffentlich über das Vatersein schreiben oder die etwas selbstverständliches tun und dann in den Himmel gelobt werden (über Superpapa Gabriel habe ich mich schon ausgiebig echauffiert).
Mich frustriert das auch. Ein Politiker (Gabriel) kümmert sich um sein krankes Kind: SUPERPAPA KÜMMERT SICH UM KIND. ER IST UNSER ALLER VORBILD! Eine Politikerin (Schwesig) tut das selbe: FRAU IST ÜBERFORDERT UND KANN NICHT DELEGIEREN. SOLLTE SIE IHR AMT ABGEBEN?
Das findet so nicht nur in den Medien statt, sondern auch im ganz normalen Leben.
Die Helden-Väter eben. Die neuen Väter. Die, die pro Tag eine Windel wechseln und am Wochenende nachmittags ohne Frau (!) auf den Spielplatz gehen.
ABER. War klar, dass ein aber kommt, oder?
Ich sehe auch zunehmend Männer, die ich in ihrem Vatersein ernst nehmen kann, weil sie genau das tun, was Frauen als Mütter auch tun: Sie kümmern sich um kotzende Kinder, sie schneiden Fingernägel, sie gehen zu U-Untersuchen, schauen in den Sack mit den Wechselsachen, kaufen Geschenke für Kindergeburtstage, trösten, lesen vor, gehen auf Elternabende, sie nehmen mehr als zwei Monate Elternzeit und erleben auch den Spagat der Vereinbarkeit…
Das sind meine Verbündeten. Denen möchte ich auch Aufmerksamkeit geben (können). Da möchte ich nicht zögern im Sinne von – hat eine Frau auch schon darüber geschrieben? Muss ich die verlinken? (Wenn ich es ohnehin weiß, mache ich es natürlich)
Kenne Deine Verbündeten
Was ich sagen will: Es wäre falsch, sich nicht mit Menschen, die das selbe Ziel verfolgen wie ich (Gleichberechtigung, Abschaffung systemimmanenter Benachteiligung von Menschen, die Kinder haben etc.) zu verbinden, sie zu verlinken und ihre Texte zu teilen nur weil sie eben Männer sind.
Das geht für mich in die falsche Richtung.
Jette schreibt abschließend:
Ich wünsche mir ein miteinander Einstehen für Themen. Daher werde ich auch zukünftig Artikel männlicher Autoren liken, kommentieren und teilen, wenn ich sie wichtig finde. Für das richtige Thema bin ich gern einer dieser weiten Kreise.
Sollte sich allerdings irgendein Papa öffentlich dafür feiern, dass er das Baby in aller Herrgottsfrühe zwei Stunden durch den Park geschoben hat, damit die Mama noch schlafen kann – dann klicke ich einfach stumm weiter. Und hoffe, dass es immer mehr (Frauen) mir gleich tun.
Also: Differenzierung ist wichtig. Im Zweifelsfall die Welle nutzen, die ein Verbündeter im selben Thema macht und einfach darauf surfen.
Berlin ist ein Dorf. In meinem Dorf sind alle tätowiert, tragen zerschlissene Jeans und schwarze Jacken.
Heute war ich im Mitte-Dorf und habe wieder gestaunt. Hochgewachsen sind alle und sehr, sehr dünn.
Es gibt dort einen Laden, da gehe ich sehr gerne einkaufen. Es gibt farbenprächtige Kleider und in meiner Größe – der L – ist selbst im Sale die komplette Kollektion erhältlich. Ich belade mich also mit so vielen Kleidern, wie ich tragen kann und schlappe in die Kabine. Ob sie sehen können, dass ich aus dem anderen Dorf bin?
Ich ziehe mir das erste Kleid über. Es sitzt ein bisschen straff. In der Kabine neben mir, ruft eine Frau mit glockenheller Stimme: „Die S ist viel zu groß! Ich brauche XS!“. Ich höre die Verkäuferin davon rauschen.
Vor dem Laden stauen sich die Menschen. Durch die meisten Straßen in Mitte kann man nur sehr langsam gehen. Einen halben Schritt langsamer als Schlendern.
Immer wieder gibt es große Menschenansammlungen. Bis auf die Straße stehen die Menschen manchmal. Zum Beispiel bei einem Vietnamesen, der tatsächlich sehr gutes Essen anbietet. Früher war ich öfter dort. Zwei Hauptgerichte gibt es zur Auswahl. Alles frisch, kein Schnickschnack. Jetzt ist es dort unfassbar voll. Zu jeder Tageszeit. Die Bedienungen sind organisiert wie Roboter. Man kommt, 10 Sekunden bis die Getränkebestellung aufgegeben werden kann, welches Essen? Keine zwei Minuten später steht das Hauptgericht samt Getränk auf dem Tisch. Kaum hat man den letzten Bissen runtergeschluckt, wird abgeräumt: „Sie wollen die Rechnung?“ (Nein, eigentlich nicht, aber die anderen warten…)
Ein Stückchen weiter die Straße Richtung Norden, wieder eine gut zwanzig Menschen lange Schlange. Ich laufe neugierig an ihr Kopfende. Er mündet in einen … Bäcker. Ich schaue um die Ecke in den Laden. Tatsächlich – es gibt hier v.a. Brot. Das Brot sieht gewöhnlich aus, große, runde Laiber, nur die Preise sind astronomisch hoch. Fränkische Sauerteigbrotbäcker würden es nicht glauben können.
Überall sind Menschen in sehr engen Hosen. So enge Hosen! Wie kommen diese Menschen in diese Hosen? Slim Fit Jeggins! Einmal angezogen kann man bestimmt eine Woche darin bleiben und dann kann man sie abwerfen wie Schlangen ihre Haut abwerfen wenn sie sich häuten.
Hier tragen die jungen Männer keine Bärte. Die Frauen aber Dutts. Sie haben alle einen. Bestimmt gibt es irgendwo Dutt-to-go-Läden von denen ich nichts weiß.
Tatsächlich gibt es hier auch Kinder. Die meisten werden gefahren. Aufs Alter kommt es gar nicht so an. Die ältesten wirken auf mich so als ob sie kurz vor der Einschulung stehen. Aber selbst laufen, das scheint hier nicht zu den üblichen Praktiken zu gehören. Die Kinderwagen werden von Vätern geschoben. Aha, da sind sie, die modernen Väter von heute! Am Wochenende schieben sie die neusten Bugaboo und Teutonia-Modelle durch die überfüllten Straßen.
Ich google die Kinderwagenmodelle und frage mich, ob man sich werbetechnisch schon auf die Väter eingestellt hat und jetzt statt mit Dessins mit technischen Details lockt. Die Werbetexte jedenfalls sind pompös:
Sein einfaches Handling und leichtgängiges Fahrwerk macht jede Citytour zu einem Spaziergang. [… ]Der geräumige Innenraum mit seiner bequemen Polsterung machen den******* zu einem komfortablem Nest für die Kleinen. Für einen hochwertigen Look sorgt der neue Schiebergriff in schwarzer Lederoptik und schwarzer Ziernaht für eine optimale Haptik während des Schiebens.
Optimale Schiebehaptik! Was für ein Wort!
Tief beeindruckt bin ich, weil ich rund eine Viertelstunde herumstehen kann und keine einzige Frau sehe, die nicht durch und durch perfekt gestylt ist. Sie haben alle gerade Lidstriche, einen Hauch Rouge und tragen dezenten Lippenstift (der Nude Look!). An den Fingern trägt man heute einen leichten Apricotton.
Ich schaue in die Schaufenster. Die einzelnen Kleidungsstücke so teuer wie – ach lassen wir das… faszinierend ist es jedenfalls, dass die Läden voll sind und es ganz offensichtlich Menschen – ausreichend Menschen – gibt, die sich das leisten können.
Ich frage mich, sind das Menschen, die hier wohnen? Wohnen sie schon immer hier oder sind sie dazugezogen? Wenn zweiteres, wo verstecken sich die Einheimischen?
Vor mir und hinter mir tragen die Menschen große Papiertüten. In jeder Hand mehrere. Ob sie nur einmal im Jahr dazu kommen, „shoppen“ zu gehen?
Ich jedenfalls, komme sogar zweimal im Jahr hierher. Zum Staunen und auch, um mich wieder glücklich zu schätzen, dass ich in diesem anderen Dorf lebe, wo ich ungekämmt auf die Straße kann, wo die Kinder selbst laufen, das Brot schlecht aber billig ist und man in den Restaurants noch kurz sitzen darf – selbst wenn man schon aufgegessen hat.
Es stapeln sich die Dinge, die ich endlich mal verbloggen wollte. So z.B. alles, was irgendwie auch im weiteren Sinne unter Eigenwerbung fällt.
Zum Beispiel ein Artikel in der Wirtschaftswoche online, der mich und einige andere Autor:innen befragt hat, wie man eigentlich vom Blog zum Buch kommt: „Bücher aus Blogs: Aus dem Internet aufs Papier„.
Der Podcast gehört thematisch zum Buch: Überraschung – 150 Eltern packen aus: Die grössten Herausforderungen und besten Strategien, damit Elternschaft gelingt und ist geschrieben von Sara und Peter Michalik (Familientherapeutin und Paarberater aus der Schweiz), die im Alltag immer wieder festgestellt haben, dass sich die Elternnöte hinter der heilen Welt Fassade doch immer wieder sehr ähnlich sind. Allein diese Erkenntnis („Ich bin nicht alleine“) hilft vielen Eltern. Das Buch zeigt 150 konkrete Auswege. Denn meistens gibt es nicht die eine richtige Lösung.
Der Podcast ist eine Erweiterung des Buchs und gibt Eltern einen Einblick in das Familienleben anderer Eltern – ganz ähnlich wie es Elternblogs tun.
Apropos Podcast: Ich bin ich ja auch noch Teil des erratisch erscheinenden Gemeinschaftspodcasts „Der Weisheit“. Da gibt es wieder eine neue Folge: Diebstahl, Steuer und anderer Terror.
Ganz zum Abschluss möchte ich noch eine DVD empfehlen. Sie heisst „Mit Bilderbuch und Touchscreen“ und kostet 15 Euro. Ich durfte bei diesem Projekt mitmachen, was mich sehr gefreut hat, denn es beschäftigt sich (endlich mal) undogmatisch mit der Frage wie das digitale Leben das Familienleben beeinflusst und wie Eltern damit umgehen.
Die Beschreibung hierzu lautet:
Der Film orientiert sich an der Lebenswelt der Kinder und begleitet Familien auf ihren individuellen Wegen durch die Vielfalt analoger und digitaler Medien. In dokumentarischen Beobachtungen, Interviews und Trickfilmsequenzen werden praktische Anregungen gegeben, wie ein gesundes, am Wohl des Kindes orientiertes Aufwachsen mit Medien gelingen kann.
Der Film richtet sich in erster Linie an Eltern. Weitere Zielgruppen sind pädagogische Fachkräfte sowie Auszubildende und Studierende. Es werden Antworten unter anderem auf folgende Fragen gegeben: Welche Medien sind in welchem Alter angemessen und wieviel Medienzeit ist sinnvoll? Wo können Medien die Entwicklung unterstützen und auf welche Weise können Kinder vor Gefahren durch Medien geschützt werden? Was heißt es, Kindern Medienkompetenz zu vermitteln? Wie nutze ich selbst digitale Medien und was lebe ich damit vor?
Tatsächlich ist der Film aber eher beschreibend als belehrend. Mir hat das sehr gut gefallen, weil er auch viele Facetten darstellt.
Es gibt davon auch in Form von sieben Kurzfilmen für Fachkräfte eine Variante mit dem Titel „Aufwachsen in der Medienwelt“ – diese DVD ist in limitierter Auflage für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegepersonal kostenfrei über die Geschäftsstelle der Deutschen Liga für das Kind erhältlich.
Ach, eine Sache fällt mir noch ein: Im nächsten Monat erscheint ein Text von mir in der emotion slow, die ich bislang noch nicht kannte. Ich habe mir zwei Magazine mal durchgelesen und fand sie sehr angenehm. Mir wurde auf keiner Seite gesagt, was ich alles machen muss um schöner, erfolgreicher und schlanker zu sein.
OMG. Ich habe das wirklich sehr lange nicht mehr gemacht. Danke für das Erinnern liebe Leser:innen. Im Job gibt es ja nichts deprimierenderes als wenn man regelmäßig Reports zusammenstellt, das ein paar Mal vergisst und dann nie jemand danach fragt.
Deswegen hier ein paar Lieblingstweets der letzten Zeit:
(je länger das Bild auf mich wirkt, desto unfuckingfassbarer finde ich es)
"You unsubscribed from our email list. Our unsubscribe donkey, Pepe, will begin his journey; your request should be processed in 4-6 weeks." pic.twitter.com/XabHfavbuN
Irgendwann habe ich Podcasts für mich entdeckt. Das Bücherlesen ist mit den Kindern leider fast aus meinem Leben verschwunden. Sicherlich eine Frage der Prioritäten – an der Zeit liegt es nicht. Ich glaube, ich habe drölzigtausend Stunden mit Serien verbracht.
Aber irgendwie beanspruchen Bücher eine andere Art von Aufmerksamkeit. Wenn die Kinder abends pennen, dann bin ich völlig matschig und wenn ich nicht gleich einschlafe, schaffe ich es gerade noch eine Serie zu starten.
Ich bin deswegen auch nicht böse, wenn mir Leser:innen meines Buchs freudig mitteilen, dass es bei ihnen im Bad neben dem Klo liegt. Das heisst für mich nur, dass mein Buch elternkompatibel ist. Ein, zwei Geschichten bekommt man im Alltag hin und dann gehts weiter. Ohne dass man sich fragt: „Hm? Wer war das nochmal? Und wie hängt der mit der zusammen? Und äh wessen Kinder ähhh?“
Was auch gut geht sind Podcasts. Tatsächlich aber nicht nebenher sondern direkt auf die Ohren beim Staubsaugen zum Beispiel oder wenn ich Wäsche aufhänge. Das liebe ich echt. Staubsaugen mit Kopfhörern. Ein Traum. Innerlich fühle ich mich ganz harmonisch, irgendwie abgeschnitten von allem und dann blicke ich hoch und sehe (seelisch in Zeitlupe) wie die Kinder sich Stofftiere um die Ohren hauen.
Ich höre selbst gerne den Lila-Podcast, dort werden aktuelle Themen oder Phänomene der Twittertimeline und aus den Nachrichten aus feministischer Perspektive besprochen. Unaufgeregt, sachlich und ich erhalte viele, neue (Denk-, Lese-, Hör-) Anregungen.
Gleichgerne höre ich den Leitmotiv Podcast, der sich in den einzelnen Episoden intensiv mit einer Gästin beschäftigt. Die letzte Folge ist ganz schön lange her… fällt mir da auf.
Ich habe mal in meine Timeline gefragt, was es an elterntauglichen Podcasts so gibt und folgende Antworten erhalten, die ich jetzt mal teile, bevor ich sie selbst alle durchgehört habe:
Da gibt es den „Daddies in Distress Podcast„. Angeblich ein Podcast für Väter. Hab’s aber schon ausprobiert: Als Mutter fallen einem beim Zuhören nicht die Ohren ab.
Das Schlaulicht ist ein Podcast für Kinder von 7 bis 99, in dem einzelne Phänomene unter die Lupe genommen werden. Es geht z.B. um Superhelden, Kohle, Star Wars, Gruseln, Haustiere und Werkzeuge.
Der Radiorebell Podcast: Hier spricht ein Vater mit seinem Sohn Jay-Jay und beschreibt den gemeinsamen Podcast so: „Der Blickwinkel meines Sohnes ist oftmals ein anderer. Nicht schlechter. Nicht besser. Anders.
Das ist für mich manchmal sehr lehrreich, frustrierend, euphorisierend und niederschmetternd, für Ihn aber durchgehend amüsant, hilfreich und spaßig. […]“
Sehr oft empfohlen wurde mir: The Longest Shortest Time – beschrieben als „The parenting show for everyone. Hosted by This American Life contributor and author Hillary Frank.“
Der Kidz-Podcast: „Alles rings um Kinder. Ob Pflegekinder, Menschen, die mit Kindern arbeiten, pädagogische Konzepte und Ideen rund um das Leben mit Kindern.“
Und genauer vorstellen werde ich demnächst den Eltern ABC Podcast aus der Schweiz, bei dem ich neulich mitgemacht habe.
Völlig unbekannt war mir bislang die Podcast Suchmaschine fyyd.
Wenn ihr weitere Tipps und Empfehlungen habt, freue ich mich über eure Kommentare. Vor allem dann wenn es um die Mütterperspektive geht. Die scheinen beim Podcasten noch nicht ganz so stark vertreten zu sein, scheint mir.
Die letzten beiden Jahre habe ich viel über den Tod und die Liebe nachgedacht. Beides hat mich sehr unerwartet getroffen und vieles verändert.
Oft hoffe ich, dass ich meinen Kindern bestimmte Erfahrungen vermitteln kann, ohne dass sie die Erfahrung selbst erleben müssen. Wie oft ich mich wundere, wie früh bestimmte Schemata erlernt werden und wie selbstverständlich viele sie finden.
In der Grundschule z.B. höre ich oft „Was sich liebt, das neckt sich.“ oder „Der ist nur gemein, weil er in <beliebiger Name> verknallt ist.“
Wie (einige) andere Erwachsene bei solchen Sätzen lächeln. Als wäre das was Schönes.
Wie romantisch. <beliebiger Name> reißt <beliebiger Name> an den Haaren. So, so. Weil er ist verknallt? <beliebiger Name> schubst <beliebiger Name>. Weil … er mag das Mädchen eben?
(Umgekehrt habe ich es übrigens noch nie gehört. Die Mädchen drücken ihre Zuneigung offenbar nicht mit Kinnhaken aus?)
Als Kind hab ich den Satz auch oft gehört und nie verstanden. Warum ist jemand, der mich mag, gemein zu mir? Warum soll ich das als Zuneigung interpretieren? Kann denn niemand diesem anderen Kind beibringen, dass es schönere Wege gibt seine Zuneigung auszudrücken?
„Was sich liebt, das neckt sich.“
Was sich liebt, das achtet aufeinander. Was sich liebt, das geht respektvoll miteinander um. Was sich liebt, das erfreut sich gegenseitig.
Wäre das nicht viel schöner? Angemessener?
Ich jedenfalls habe nicht vor meinen Kindern beizubringen, dass ein gestelltes Bein, eine Brennnessel am Arm, ein Haareziehen irgendwas mit Zuneigung zu tun hat.
Von mir werden sie hören: „Wenn dich jemand so behandelt, dann halte dich fern.“
Vielleicht brauchen sie dann nicht ein paar Lebensjahrzehnte um das im Herzen zu erfahren und zu verstehen.