Archiv der Kategorie: Leseempfehlung

Eltern werden, locker bleiben

Nido-Abonnentin seit äh immerAn dieser Stelle hätte ich eigentlich gerne ein Foto des Nido-Buchs gezeigt. Leider kann ich das nicht, weil mir das Buch abhanden gekommen ist. Meine letzte Erinnerung an das Buch ist, dass ich es in der U-Bahn gelesen und dann zurück in meine Tasche gepackt habe. Vermutlich wurde es mir dann geklaut. Das sollte als Kurzrezension eigentlich genügen.

 

Ausführlicher kann ich nur aus meinen Gedanken beschreiben. Wer ein Paar Zitate lesen möchte, schaut bei Mama arbeitet vorbei, die hat auch etwas zu dem Buch geschrieben.

Mich hat die Bebilderung des Buchs nachdrücklich begeistert. Ich mag die Bildsprache des Nido Magazins generell sehr gerne. Nicht diese sauberen Kinder, die nichts kaputt machen, nie schreien und immer adrett in die Kamera lächeln. Wenn die Kinder verstrubbelt sind und chaotisch aussehen, habe ich als Mutter viel eher den Eindruck, die AutorInnen des Magazins bzw. des Buchs haben tatsächlich eine Vorstellung davon, was es heißt, Eltern zu sein und das begrüße ich. Denn was anderes möchte ich nicht lesen. Das Buch ist zu verschiedenen Themenkomplexen wie Erziehung, Paarleben, Erziehungsumfeld und Auszeit ein Best Of der bereits erschienenen Nido Magazine. Es gibt viele AutorInnen, die ich auch im Magazin (oder Internet) sehr gerne  lese. Dazu gehören Paul-Philipp Hanske, Michalis Pantelouris und Georg Cadeggianini.

Neben den Themenartikeln gibt es auch Doppelseiten mit Kurzinfos. Sowas finde ich auch sehr familienalltagsfreundlich. Manchmal hat man genau drei Minuten Zeit bis das nächste Kind z.B. schreit “Maaaaammmaaa, ich bin feeeertich.” Dann hat man wenigstens etwas gelesen.

Ich mag die Nido einfach. Das ist kein Geheimnis. Das Buch mag ich auch und ich finde, es ist ein sehr schönes Geschenk für (Neu)Eltern, damit die gar nicht erst in die Tiefen von unsäglichen Elternforen oder in die Reihen der Hochglanzratgeberliteratur abrutschen. Es gibt nämlich keinen idealen Weg zum Elternsein, der für alle Menschen und Konstellationen passt. So einen Quatsch würde das Nido Magazin auch nie behaupten. Glücklicherweise.

Deswegen mein #ff auch für die Online-Version und den Twitter-Account.

Ach und weil man ja differenziert rezensieren soll: Ich hab auch noch Kritik im Kopf. Was hinten auf dem Buch steht, ist für mich die Nido alles nicht. Hätte ich den Text im Laden gelesen, ich hätte das Buch liegen gelassen. Hehe. Da steht was von beste Tipps und Tricks. Ich dachte immer, dafür ist die langweilige Konkurrenz, die ich nach drei Ausgaben schon nicht mehr ertragen habe, zuständig.
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Mütter

Freundlicherweise habe ich von Gruner + Jahr die GEO Wissen “Mütter” zur Verfügung gestellt bekommen, um eine Rezension darüber schreiben zu können.

Grob untergliedert das Magazin sich in zwei Perspektiven. Zum einen beleuchtet es die Perspektive Mutter sein und zum anderen die Perspektive Mutter haben.

In der Mitte des Heftes gibt es außerdem zwei Tests: “Wie war die Beziehung zu Ihrer Mutter?” und “Bin ich eine gute Mutter?”. Das hat mich etwas an die Zeiten erinnert, in denen ich noch gerne BRAVO Girl! gelesen habe.

Die GEO Wissen hat eine wunderbare Bildsprache. Ich empfand viele Bilder wirklich berührend und hab sie so gerne angeschaut wie ich Themen-Tumblr-Bildblogs anschaue. U.a. sind Werke von Christopher Anderson zu sehen, dessen gesamte Bildserie “Son” auch als Buch veröffentlicht wurde. Inszeniert aber surreal schön sind die Bilder von Julia Fullerton-Batten “Mothers and Daughters“. Von Andreas Mader gibt es eine Fotoserie zu sehen, die “Die Tage Das Leben” heißt und unter anderem Mütter und ihre Töchter über Jahre hinweg begleitet.

Die Artikel decken ein sehr großes Spektrum an Themen ab. Richtig gut hat mir gefallen, dass dabei unterschiedliche Wahrheiten beleuchtet werden, indem beispielsweise Erziehungsstile (und -wahrheiten) unterschiedlicher Kulturen beschrieben werden oder aufgezeigt wird, wie sich bestimmte Haltungen im Laufe der letzten Jahrzehnte (und Jahrhunderte) stark gewandelt haben. Und dass es eben keine allgemein gültigen Wahrheiten gibt, sondern diese stark vom gesellschaftlichen Kontext abhängen.

Dabei geht es nicht immer “nur” um die Mutter-Vater-2-Kinder-Familie, sondern es gibt genauso Platz für andere Konstellationen (mehrere Mütter, Großfamilien, Eltern über 50, Frauen- und Männerpaare…)

Alles in allem also wirklich lesenswert und ich werde mir auch das Special “Väter” bestellen.

Inhaltsverzeichnis und Leseproben gibt’s übrigens online.

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Alexander Görsdorf, Taube Nuss

Bildschirmfoto 2013-11-16 um 15.38.192012 war ich Jury-Mitglied bei den Bobs und bin in diesem Rahmen auf das Blog Not quite like Beethoven von Alexander Görsdorf gestoßen. Ich hatte eine Liste von mehreren hundert Vorschlägen abzuarbeiten. Damit ich das überhaupt in der Kürze der Zeit schaffen konnte, hatte ich eine Art Querlesesystem, um eine erste Vorauswahl treffen zu können. In Alexanders Blog gab es allerdings ein anderes Problem. Ich musste mich zwingen nicht immer weiter zu lesen.

Ich habe Alexanders Blog später in meinen privaten Feed-Reader geworfen und immer mal wieder mit großer Begeisterung seine Einträge gelesen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich hörte, dass aus dem Blog ein Buch würde. Das Buch heißt “Taube Nuss: Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen” und ist schon im September 2013 erschienen.

Wie nicht anders zu erwarten, ist das Buch genauso gut zu lesen wie das Blog. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Informationen, Anekdoten und stellenweise wirklich lustig. Viele Details aus dem Leben als Schwerhöriger waren mir völlig unklar. Zum Beispiel: Wie lässt man sich morgens wecken, wenn man nicht (oder sehr schlecht) hören kann? oder auch warum kann eine tiefe Stimme ein Attraktivitätskriterium sein? Das sind alles kleine Sachen aus dem Alltag, die mir u.a. viel darüber beigebracht haben, was ich als “Flotthörende” dafür tun kann, dass sich Schwerhörige nicht ausgeschlossen oder zurückgesetzt fühlen.

Abgesehen davon fasziniert mich wirklich die Technologie des CI und ich finde es wahnsinnig spannend zu lesen, wie das Gehirn lernt mit dem CI zu hören. (In diesem Zusammenhang kann ich übrigens auch die Lektüre “Das elektrische Ohr” von Enno Park empfehlen.)

Und, um Pia Ziefle zu zitieren: “Der einzige Vorwurf den ich habe: [das Buch] ist zu rasch zu Ende.” Gleiches Problem wie beim Blog also. Man kann nicht aufhören zu lesen.

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Keine Lösungen, aber viele Fragen

An #aufschrei kann niemand, der auf Twitter aktiv ist, vorbei lesen. Es ist viel geschrieben worden und ich möchte an dieser Stelle auf zwei Artikel verweisen, die das Thema sehr differenziert von unterschiedlichen Perspektiven beleuchten:

#Aufschrei – es geht nicht um mich und Derailing und die Lämmerfrage

Ich kann nur jeden ans Herz legen, auch die in den jeweiligen Artikeln verlinkten Beiträge anderer BloggerInnen zu lesen und sich ein bisschen tiefer mit dem Thema zu beschäftigen.

Natürlich spielt das Thema für mich eine Rolle, weil ich Frau bin und auf einer anderen Ebene, weil ich Mutter bin. Ich hoffe, dass ich meine Kinder so stark machen kann, wie es z.B. Journelles Mutter gelungen ist: “Meine Mutter hatte immer allergrößten Wert darauf gelegt, dass ich schon früh begriff, dass mein Körper ausschließlich mir gehört. Außerdem war klar, dass sie mir im Zweifel immer glauben und für mich kämpfen würde, wenn ich das Gefühl hätte, dass jemand etwas mit mir tut, das ich nicht möchte oder mir unangenehm ist.

Für mich fängt diese Art von “Erziehung” schon bei der Bezeichnung der Geschlechtsteile an. Ich habe mal gemeinsam mit einer Freundin einen Vortrag an der Uni zu den sprachlichen Rahmen bei der Bezeichnung der Geschlechtsteile gehalten (Stichwort “die Scham” und “das Gemächt”). Es ist erschreckend, wie normal es alle finden “Penis” zu sagen und gleichzeitig Probleme haben “Scheide” oder “Vagina” auszusprechen. Ich höre auch immer wieder, dass Jungs da unten ”einen Penis” haben und Mädchen da unten ”keinen Penis” haben. Das weibliche Geschlecht also als Abwesenheit des Penis. Ich könnte einen eigenen Artikel über die Bezeichnungsproblematik schreiben und was ich glaube, was das alles nach sich zieht.

Das ist aber nur einer von Hunderten Mini-Aspekten, die eine Rolle in der Erziehung spielen. Natürlich ist es elementar zu den Kindern eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, ihnen ein gutes Vorbild zu sein, sie nicht mit “Das macht doch ein Mädchen nicht…”, “Das ist nur für Jungs…”-Sprüchen zuzuballern. Ihnen ihre eigenen Grenzen zu zeigen, diese dann auch zu akzeptieren und und und.

BerlinMitteMom greift das Thema auch unter diesem Aspekt auf: “wie erziehe ich meine Mädchen so, dass sie sich frei und ohne Angst bewegen können wie und wo sie wollen und gebe ihnen doch alles mit, damit sie sich wehren können? Und wie erziehe ich meinen Sohn dazu, Frauen zu respektieren und sich weder im Kleinen noch (Gott bewahre!) im Großen sexistisch zu verhalten?

Es gibt so viel zu tun und niemand kennt den richtigen Weg. Wie bei allen Erziehungsthemen. Es gibt so viele, viele Fragen und keine eindeutigen oder richtigen Antworten. Was bleibt ist der Dialog und dass man seine eigenen Haltungen reflektiert, dass erlaubt ist nachzufragen – gerade wenn man sich unsicher fühlt oder keine feste, bis in alle Details durchdachte Haltung hat und dass auch gestattet wird, dass Positionen verändert werden dürfen (als Ergebnis dieses Prozesses).

Deswegen, warum ich das überhaupt schreibe: Es lohnt über #aufschrei nachzudenken.

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Nachtrag, weil Offtopic und irgendwie auch nicht. Ich habe neulich den Film “Paradies: Liebe” gesehen und festgestellt, dass das einer der schlimmsten Filme war, die ich je gesehen habe. Ähnlich wie mancher Lars von Trier Film hat er mir körperliche Schmerzen bereitet. Es geht in dem Film um Sextouristinnen in Kenia.

Was mich an dem Film nachhaltig schockiert hat, war meine emotionale Reaktion auf die sexuelle Ausbeutung der Männer. Ich war so tief betroffen, dass ich kaum hinsehen konnte und dann plötzlich fiel mir auf wie viele hundert Male ich Frauen in ähnlichen Situationen im Film gesehen hatte. Nackt tanzend, angegrabscht, missbraucht, erniedrigt – und in den allermeisten Fällen hat dieser Anblick gar nichts in mir bewegt. Er war Teil der Handlung. Der Anblick war gewohnt und normal. In “Paradies: Liebe” Männer in der selben Lage zu sehen, hat mich umgehauen und das wiederum (der Unterschied in meiner Reaktion) hat mich regelrecht verstört. Er hat mir lange vor #aufschrei klar gemacht, wie normal sexuelle Bedrängung und Sexismus für mich im alltäglichen (Fernseh/Film) Leben geworden sind. Bei “Paradies: Liebe” habe ich mich so furchtbar und auf so vielen Ebenen für die Handlungen der weiblichen Darstellerinnen geschämt.

Ich habe abends mit meinem Mann darüber geredet und eine weitere erschreckende Einsicht bekommen: Meinem Mann geht es beim Anblick genau solcher Darstellungen bezogen auf Frauen genauso. Und zwar ständig. Er schämt sich manchmal per Geschlecht zu dieser Gruppe dargestellter Männer zu gehören. Das war mir ganz und gar nicht klar. Auch diese Einsicht hat mir #aufschrei vertieft. Nicht alle Männer sind mehr oder weniger so. Deswegen ist diese Differenzierung wichtig:

[blackbirdpie url="https://twitter.com/Weltenkreuzer/status/294708051162836994"]
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Suna

Bis Ende des Studiums habe ich mindestens ein Buch pro Woche gelesen. Pflichtliteratur des Studiums ausgeschlossen. Ich hatte keinen Fernseher und eigenes Internet hatte ich auch erst ab 2000. Ich habe mich hauptsächlich durch Bücher wie “Gödel, Escher, Bach” oder “Der Baum der Erkenntnis” aber auch äh Gassenschlager wie “Anleitung zum Unglücklichsein” gewälzt. (Sehr zu empfehlen übrigens auch die beiden Bücher meines damaligen Profs “Bauplan für eine Seele” und “Die Logik des Mißlingens“). Aufgeheitert habe ich mich mit Herbert Rosendorfer oder Robert Gernhardt. Science Fiction und Fantasy Bücher habe ich auch schon immer gerne gelesen. Nur Krimis, die haben mich nie interessiert.

Natürlich fand ich Männer, die noch mehr und wohlmöglich schwierigeres als ich gelesen haben, wahnsinnig toll. Ich war mal furchtbar verliebt in einen, weil er Luhmann verstand. Unsere Beziehung zerbrach aber aus verständlichen Gründen: Schließlich war er Soziologe und ich Psychologin und wie sollte sowas gut gehen?

Jedenfalls habe ich das Lesen immer geliebt. Leider hat es in den letzten Jahren immer weniger Platz in meinem Leben gefunden. Ein Phänomen, das andere wohl auch erlebt haben. Maximilian Buddenbohm schildert in Christoph Kochs “Mein Medienmenü” einen Weg bei den Büchern zu bleiben:

“[...] Um neun gehe ich ins Bett und lese. Bücher. Wenn ich das nicht so mache, dann komme ich nicht mehr zur Literatur, das fühlt sich dann irgendwann nicht gut an, da regt sich das schlechte Gewissen des Möchtegern-Bildungsbürgers und natürlich habe ich auch einfach Freude an Literatur. [...]”

Bei mir hat der Alltag die Bücher gefressen. Arbeiten und die Familie machen mich so müde, dass ich wirklich oft gegen 20.30 Uhr einschlafe oder ich schaue geistig anspruchslose Fernsehsendungen und schlafe trotzdem um neun ein. Zum Lesen komme ich nur am Weg in die Arbeit, während Zugfahrten oder im Urlaub. Und dann will ich unbedingt was Schönes lesen. Nichts regt mich mehr auf, als wenn ich ein Buch dabei habe, das mich langweilt. Vor zwei Jahren hatte ich beispielsweise ”Der Schatten des Windes” eingepackt und mich beim Lesen fast zu Tode gelangweilt. Der Urlaub war aber sonst ganz schön (und ich hatte zum Glück noch “Die Eleganz des Igels” im Koffer).

Dieses Jahr war mein Urlaub ja eher doof, aber gütig wie das Schicksal ist, hatte ich nur gute Bücher dabei. Eines davon war “Suna” von Pia Ziefle.

Wahrscheinlich bin ich die letzte, die auf diesem Planeten darüber schreibt (dafür möchte ich mich entschuldigen, denn ich habe das Buch geschenkt bekommen), aber ich will es trotzdem tun. Die Beschreibung des Inhalts, klaue ich von der Autorinnenseite:

Wo gehen wir hin, wenn wir nicht wissen, wo wir herkommen – das ist die zentrale Frage in meiner Geschichte um Luisa, die Nacht für Nacht mit ihrem wachen und aufmerksamen kleinen Kind im Arm durch das schlafstille Haus geht. Da sind deutsche Adoptiveltern und eine serbische Mutter, eine Schwester, und irgendwo auch ein unbekannter türkischer Vater. Da ist ihre eigene kleine Familie mit Tom und einem kleinen Sohn – und diesem Kind, das niemals schläft.
„Sie kann keine Wurzeln hier schlagen“ sagt der alte Dorfarzt und macht deutlich, dass Luisa sich um ihre kümmern muss, damit das Kind zur Ruhe kommen kann. Luisa macht sich auf den Weg, und erzählt uns und ihrem Kind in sieben Nächten, was sie gefunden hat. Sogar ein kleines Wunder kommt darin vor.

Das Buch hat mich unglaublich gefesselt. Wir waren zelten und es war nicht gerade unanstrengend und obwohl ich wußte, dass zumindest unser jüngstes Kind pünktlich mit Sonnenaufgang gegen 6 Uhr erwachen würde, konnte ich nicht aufhören zu lesen und hatte das Buch in drei Tagen durch. Die Geschichte fand ich sehr berührend – auch in dem Sinne, in dem ich immer wieder kleine Anker in mein eigenes Leben finden konnte. Ich bin Gastarbeiterkind in der zweiten Generation und manchmal fühle ich mich so ganz und gar nicht deutsch – aber eben auch nicht italienisch – wie sollte ich, denn ich bin in Deutschland aufgewachsen und spreche nicht mal fließend italienisch. Für mich ist es nach wie vor unfassbar, wie mutig die Großelterngeneration war, nach dem Krieg nach Deutschland zu kommen. Mit einem Koffer – ohne ihre Lieben – kein Wort deutsch sprechend. Sie haben sich trotz der ganzen Anfeindungen eine Existenz aufgebaut.

Was mich neben dem Inhalt so mitgenommen hat, war die Schreibweise. In der Schule habe ich mich gefragt, woran man gute von schlechter Literatur unterscheiden könnte. Die objektiven Kriterien dafür kenne ich immer noch nicht, aber als ich “Suna” las, ging mir auf, was gemeint ist. Gute Literatur ist einfach so geschrieben, dass die Sprache einen mitnimmt, dass sie nicht ein Hindernis ist, während sich die Geschichte entfaltet, sondern dass sie etwas wie ein Floß im Lesefluss ist. Sie begleitet und fühlt sich natürlich an, sie formt Gedankenbilder und ist Begleiterin. Genau das gelingt Pia Ziefle.

Deswegen: selbst wenn ihr wenig Zeit habt – Suna wird Euch nicht enttäuschen. Ich hoffe, Pia schreibt noch viele Bücher. Danke für das erste schon mal!

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Zeigt her Eure Quellen

Ich weiß nicht, wer damit angefangen hat, aber ich lese die Linkzusammenstellungen sehr gerne. Z.B. bei diplix, Don Dahlmann, Patsch Bella oder auch Maximilian Buddenbohm.

Hochmotiviert das auch zu machen, habe ich mir sogar einen Pinboard-Account zugelegt und in den letzten neun Monaten auch schon 92 Links abgespeichert. Die Links zusätzlich zu kommentieren und so für andere einen Anreiz zu bieten, sie zu klicken – das habe ich nie geschafft. Meistens klappt nicht mal das Abspeichern der Links, die ich gelesen habe und gut finde, weil ich meinen RSS Reader hauptsächlich morgens in der U-Bahn lese und der in Ermangelung einer Internetverbindung keine Informationen in andere Systeme speichern möchte. Es ist bei mir also eher ein Trauerspiel.

Schade ist das trotzdem. Ich habe nämlich schon viele tolle Blogs und Seiten durch die Linklisten der anderen entdeckt und so gelegentlich einen Schritt aus meiner kleinen Welt der Blogs, die ich ohnehin seit Jahren gerne lese, getan.

Deswegen dachte ich, ich stelle mal in unregelmäßigen Abständen Seiten aus meinem Feed-Reader vor und vielleicht mag sich jemand anschließen – so wie damals in den Zweitausendern als wir uns noch Stöckchen zugeworfen haben.

Ach und falls ihr Seiten ohne RSS (es soll sie ja geben!) habt, dann ist für das regelmäßige Verfolgen vielleicht Page2RSS hilfreich.

 

Schöner Denken

Wir können nicht anders. Wir haben etwas zu sagen. Wir müssen darüber reden. Wir müssen darüber schreiben. Nach dem Kino stillvergnügt nach Hause gehen und schweigend genießen? Keine Chance. Wir haben eine Meinung und die muss raus. Wir wollen aber nicht nur über alles reden – wir interessieren uns auch noch für alles. Also finden Sie hier lange Essays über große Literaten ebenso wie Kurzkritiken über Popcorn-Kino, Comic-Besprechungen, Filmtheorien, Fernsehtipps und eine imaginäre Science-Fiction-Anthologie – sehr Populäres und fast Vergessenes, Albernes, Tiefgründiges [...]”

Für meinen Geschmack besonders herausragend die Kategorie “14 Jahre ohne Kino“, in der die Filmhighlights von 2001 vorgestellt werden.

 

Kinderzimmerkunst

Auf Carolettas Kinderzimmerkunst-Blog bin ich gestoßen, weil sie bei der Nido “Blog der Woche” war. Ich habe mir einige Seiten angeschaut und konnte nicht mehr aufhören. Unfassbar schöne Dinge gibt es zu entdecken. Das erste was ich mir dort angeschaut habe, war die Anleitung zum Bau eines 3 m großen Familienbetts.  Fern ab des Kinderrosaprinzessinnenkitsches, den man sonst zu sehen bekommt.

 

Anders anziehen

Anders anziehen hatte ich schon für die BOBs 2012 nominiert, weil mich die sensiblen Beschreibungen und das Hinter-die-Fassade-schauen der Autorin Smilla immer wieder berühren. Ich liebe ihre Bilder und eben die Geschichten dazu. Ein großartiges (Mode-) Projekt.

 

Ein Fremdwörterbuch

kübra gümüsay ist bloggerin, journalistin und taz- kolumnistin. in ihrem blog schreibt sie über medien, politik, gesellschaft, feminis- -mus und islam. außerdem über filme, kunst, musik und kultur.“ Ich kann mich nicht genau erinnern, wie ich auf das Blog gestoßen bin, aber ich entdecke in ihrem Blog immer wieder wunderbare Texte. Einer, der mich sehr bewegt hat, war “40 Kilo Fremdschämen” in der sie die jährlichen Reisen ihrer Familie in die Türkei und ihr Leiden als pubertierendes Mädchen beschreibt.

 

<3 – Instagram

Ach und einen instagram-Account habe ich auch noch zu empfehlen: Frau Julie. Ihre Bilder sind so wunderbar (wie nennt sich das Gegenteil von unbeschwert und fröhlich?)

 

Und jetzt würde ich gerne Eure Quellen sehen.

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Das Internet grüßt die Welt da draußen

Alle, die über den schönen Artikel von Astrid Herbold der Juniausgabe im “Das Magazin” hier her gefunden haben, ein herzliches Willkommen. Ich freue mich über jeden neuen Leser und habe hier eine kleine Stichprobe von Blogartikeln zusammen gestellt, die ich für einigermaßen repräsentativ für dasnuf halte. Das erleichtert vielleicht den Zugang:

Levelboss Baby LeChuck
Schmutz, Gliedertiere und Schürfwunden
Als ich fast Brad Pitt geheiratet hätte
PEKIP from hell
Werde zum Schmink-Nörti
Wiederholung automatisch oder das eChild
Tatookid
Erklärungsnot
Mein erstes Kindergartenfest
Däumelinchen, looped
Wo reiben schwitzende Frauen ihre Becken aneinander?

Viel gelesen, man weiß nicht ganz genau warum:

Hmm, Ratlosigkeit
Noch mehr dämliche Wahlplakatsprüche
Internetabhängig. Ich so – aus Gründen
Dass ich erkenne, was das Internet im Innersten zusammen hält
Ich habe nichts gegen Kinder, nur bitte nicht hier
Die Hackfleischbesprechungen
Foursquare, wie konnte ich nur ohne Dich leben?

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Tägliches Instant-Karma

Die Karmatheorie geht davon aus, dass jedes Verhalten eine Folge hat. Jede Übeltat wird umgehend abgestraft. Ich glaube daran und ich bemühe mich wirklich, wirklich ein guter Mensch zu sein.

Leider schaffe ich es nie den ganzen Tag Gutes zu tun und nicht zu lügen. Man kennt das ja. Die Kollegin im neuen Kleid, das aussieht wie Omis eilig übergeworfene Häkeltischdecke. Kaum hat man nach dem Schock des Anblicks wieder Luft, verlassen die Worte: “Oh, wo hast Du das denn her? Das sieht aber … interessant aus” den eigenen Mund und zack hat man gelogen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der ausgleichende Weltengeist am Abend Rache nimmt und Eltern dazu zwingt immer und immer wieder die grauenhaftesten, unrhythmischsten und langweiligsten Bücher vorzulesen. Dem Kinderlosen sei versichert, egal wie sehr man sich um das geistig anspruchsvolle Kinderbuchregal bemüht, am Ende finden doch Conni, traumhafte Prinzessinnengeschichten, Bob der Baumeister und Disneys schönste Märchensammlung den Weg in die eigenen vier Wände. Zum Entzücken der Kinder und zum Leid der Eltern.

Da steht man hoffnungsvoll vor der Leseecke und die kleine Kinderhand greift Abend für Abend nach dem schlimmsten aller Bücher. Gnädige Kinder varieren wenigstens, doch in im Alter zwischen 3 und 5 sind Kinder entwicklungspsychologisch bedingt zwanghaft und wollen bar jeder Rücksicht die immerselbe Geschichte hören. Abend für Abend für Abend für Abend.

Kind 3.0 ist zur Zeit in Aräll (Arielle) verliebt und so habe ich bereits mehrere Duzend Mal Arielle gelesen. Dabei ist Kind 3.0 sehr ungnädig. Es merkt sofort wenn ich eine der 42 Seiten “aus Versehen” überblättere oder wenn ich einen Satz anders lese, um einen Verleser auszugleichen und mich selbst vom Einschlafen abzuhalten. Sekunden zuvor schläfrig, die Augen auf Halbmast, schreckt es hellwach hoch und ist erst wieder zu beruhigen, wenn ich ordnungsgemäß ablese.

Montag: “Was wollen wir heute lesen?” “ARRRÄÄÄÄLL!”

Dienstag: “Hey, schau mal wäre es nicht schön, wenn wir …” “Aräll”

Mittwoch: “Wollen wir heute nicht mal…” “Arrr-äll!”

Donnerstag: “Lust ein Hörspiel zu hören?” “Ärähähäll lesen.”

Freitag: “Soll ich Dir mein iPhone zum Spielen geben? Kopfschütteln, wortloses Deuten auf das Arielle-Buch.

Samstag: Mutter mit Tränen in den Augen. Kind, emotionslos: “Aräll”

Sonntag: “…” “Aräll, Mama, Du weißt das!”

Wenn die Kinder schlafen, kann man endlich Franziska (1, 2, 3), Ritter BodobertWilli Wiberg-Bücher und Ein Nilpferd kommt selten allein lesen.

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