Archiv der Kategorie: Objekt der Begierde

Urlaubsphantasien

Anfang der 2000er, als ich noch keine Kinder hatte, bin ich mit meinem Freund nach Kroatien gefahren. Drei Wochen lang. Wir haben jeder zehn Bücher eingepackt. Wir hatten uns auf zehn beschränkt, weil wir mit dem Rucksack unterwegs waren. Als wir ungefähr in der Hälfte des Urlaubs in Dubrovnik ankamen, waren alle Bücher gelesen und wir tauschten sie in einem Antiquariat gegen neue.
Daran musste ich denken, als ich heute ca. sieben Kubikmeter Krempel zusammenpackte, weil wir über das Wochenende an die Ostsee verreisen. Zu dritt. Kind 3.0, Kind 2.0 und ich.
Nachdem ich alles zusammengepackt hatte, stand ich vor dem Bücherregal und streckte meine Hand nach einem der ungelesenen Bücher aus, die sich dort stapeln. Eine ganze Reihe hat sich in der Zwischenzeit gefüllt.

Mich überkam eine unendliche Sehnsucht nach einem kinderlosen Urlaub. Einen Urlaub in dem nichts vorgeplant ist, in dem man nicht kochen muss, schon nachmittags Wein trinken kann, sich von Museum zu Museum schleppt, im Schatten so lange liest, bis die Augen schwer werden und man sie einfach schließen kann.
Abends lange wach bleiben ohne in dem Bewusstsein zu leben, dass man am nächsten Morgen um 6 Uhr einen Preis dafür zu zahlen hat.
Man könnte sein gesamtes Geld in kleinen Restaurants verprassen und essen auf was man Lust hat, man könnte sich womöglich unterhalten ohne dass jemand schreit “ICH MUSS KACKEN!”. Eine durchgängige Konversation führen. Ein unvorstellbarer Gedanke. Oder einfach nichts sagen und aufs Meer schauen.

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Ein Geschenk, ein Geschenk

“Ich erinnere mich noch gut, wie dein Kind sich nicht gefreut hat weil ich gekauft habe, was du mir empfohlen hast.”
Ich habe ein unsägliches Händchen für Kindergeschenke. Ich denke oft, ich habe eine grandiose Idee und betreibe dann einen riesigen Aufwand, aber alles was meine Kinder mit den Geschenken lernen ist “wie verhalte ich mich sozial erwünscht.”
Es ist immer das selbe. Mit glänzenden Augen reißen sie das Geschenkpapier auf und entdecken dann das in Kinderaugen lahmste Geschenk der Welt. Sie schlucken, atmen einmal tief durch und dann schauen sie mich an und sagen artig “Danke, Mami.” bevor sie das nächste Geschenk auspacken.
So ist das Jahr für Jahr. Kind für Kind. In manchen Albträumen sehe ich ihre enttäuschten Gesichter vor mir und im Kanon höre ich sie wie kleine Roboter sagen: “D a n k e M a m i, d a s i s t w u n d e r w u n d e r s c h ö n.” Dabei sind sie seltsam farblos und manchmal rinnt ihnen leise eine Träne über das kleine Kindergesicht.

Im Laufe ihres Lebens hat jedes Kind eine ganz eigene Taktik herausgearbeitet, wie es mit meinen enttäuschenden Geschenken umgeht. Kind 1.0 ist dazu übergegangen mir Wochen vor den entsprechenden Schenkanlässen seine Wünsche in Konversationen geschickt nebensächlich einzubauen. “So ein Google Play Store Gutschein, das ist schon eine Sache über die sich eigentlich alle Jugendlichen freuen. Man bekommt die Gutscheine dafür heutzutage sogar im Supermarkt. Wusstest du das? Unglaublich oder?”
Ich nehme mir dann immer vor ganz brav in einen Laden zu gehen, einen entsprechenden Gutschein zu kaufen, aber dann geht es irgendwie mit mir durch und ich sehe ein TOTAL witziges T-shirt und naja, dann ist das Kind wieder nur so semibegeistert.
Kind 2.0 packt mein Geschenk immer als letztes aus. Dann sagt es sowas wie: “Oh! Ich habe SO viele Geschenke bekommen. Ich möchte, dass andere Kinder auch Geschenke haben. Deswegen möchte ich eines meiner Geschenke spenden. Ich wähle dieses hier (deutet auf meins).”
Ich meine, was soll ich da sagen? Rumschreien “JA GEHTS NOCH? DAS IST DOCH MEIN GESCHENK?! DAS KANNST DU DOCH NICHT SPENDEN!!!”
Kind 3.0 hat die Angelegenheit sehr pragmatisch geregelt. Entweder es fällt schon beim Auspacken auf mein Geschenk und zerstört es dabei oder es fährt zu einem späteren Zeitpunkt einmal beherzt mit dem Bobbycar drüber, hält an und entsorgt die Einzelteile pflichtbewusst im Müll.

Ich weiß einfach nicht warum das mit mir und den Geschenken so ist. Ich bin sonst ein ganz kreativer Mensch mit viel Feingefühl für die psychologische Charakterstruktur anderer.

Ich habe eine Freundin, die macht unglaubliche Geschenke. Wenn diese Geschenke ausgepackt werden, dann raunen alle “Ahhh!” und “Ohhhh” und “Wo hast du das denn nun wieder ergattert?”. Alle, die nicht Geburtstag haben, sind ein wenig neidisch und das nächste Mal ist meine Freundin garantiert zur Geburtstagsfeier eingeladen. ALLE wollen ihre Geschenke. Wenn sie sagt, wo sie das gekauft hat oder wie sie das gebastelt hat, dann zücken alle ihre Handys, tippen die wichtigsten Informationen in die Notizen oder machen gleich Videoaufnahmen.

Ich habe mich immer gefragt wie dieses Gefühl ist, wenn man etwas schenkt, was jemand anderen eine Freude macht und was soll ich sagen? Heute ist es mir gelungen. Ich habe Kind 3.0 ein Geschenk gemacht, das ihm gefallen hat. Zusammengerechnet mussten Patenkind und Geschwisterkinder beinahe drei Jahrzehnte dafür leiden. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es nochmal schaffen kann! Ich bin übersprühend vor Motivation! Zuversichtlich! Geschenkenthusiastisch gar.

Ach und wen es interessiert was ich geschenkt habe: Ich habe ein grünes T-Shirt mit einem aufgebügelten Fuchs geschenkt. Kind 3.0 ist nämlich der größte Füchse Berlin Handball Fan dieser Erde. Dieses Fantum überschattet all seine Urteilsfähigkeit. Alles was grün ist oder was einen Fuchs aufgedruckt hat, ist gut! Ich vermute, es hätte sich über einen mit Gras verzierten, in den Sand gemalten Fuchs gefreut.
Aber egal. Ich war sowas von glücklich, als das Kind das Geschenk aufriss. Erst sah es aus wie immer. Die Augen weiteten sich, die Unterlippe zitterte, das Kind entfaltete das T-Shirt. “Was ist das?”
“Ein T-Shirt mit einem Fuchs.”, sagte Kind 2.0 mitfühlend und Kind 1.0 stand bereit ein weinendes Geschwisterkind in die Arme zu nehmen.
“Ein Fuchs? EIN FUCHS? E I N F U C H S????”
Kind 3.0 juchzte und jubelte. Es rannte über die Wiese und kam wie einer dieser Fußballer auf den Knien rutschend wieder zum Stehen! “EIN FUCHS! JAAAA! JAAAHAAAAA!”
Es war außer sich vor Glück. Die Geschwister sprachlos. Und ich schwebe seitdem im Himmel der Menschen, die Geschenke machen können über die andere sich freuen.

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Photography Playground

Schon letztes Jahr bin ich auf den Photography Playground aufmerksam geworden. Da wir dort einen grandiosen Tag verbracht und wirklich viele tolle Bilder gemacht haben, habe ich mich sehr gefreut, dass Olympus diese Aktion 2014 wiederholt.

Ich habe auch Plakate rumhängen sehen und die Website besucht, aber ganz ehrlich, es gibt diese Websites auf denen nichts steht. Jedenfalls genügt mein  Intellekt offenbar nicht, um im Vorfeld zu verstehen, um WAS es sich dabei genau handelt (ähnlich wie bei der transmediale). Die Texte erinnern mich immer an meine Hackfleischbesprechungen.

Also:

Öffnungzeiten Täglich ab 11 bis 19 Uhr

Wann Bis zum 25. Mai 2014

Wo Opernwerkstätten, Zinnowitzer Straße 9, 10115 Berlin (nahe Nordbahnhof)

Eintritt frei

Was ist das eigentlich? Eine charmante Werbeveranstaltung für das neue Kameramodell OLYMPUS OM-D
D.h. konkret: Ihr geht dahin und könnt euch kostenlos diese Kamera ausleihen. Dazu bekommt ihr einen 4 GB große Speicherkarte, die ihr hinterher mit euren Aufnahmen nach Hause nehmen könnt. Auf insgesamt drei Etagen haben neun Künstlerinnen und Künstler* Kulissen geschaffen, die ihr fotografieren könnt. Vieles ist interaktiv und der Reiz ist tatsächlich sich gegenseitig in den Räumen zu fotografieren.

Was noch? Kann man sehr gut mit Kindern machen. Und pscht ganz leise: Man kann auch mit eigener Kamera fotografieren, wenn die Schlange für die Olympusausleihe zu lang ist.

Wir hatten auch dieses Jahr Riesenspaß.

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Weitere Eindrücke auf instagram unter den Hashtags #photographyplayground und #opernwerkstätten

P.S. Liebe VeranstalterInnen – für 2015 – denkt euch doch mal ein leicht verständliches Hashtag aus und macht das irgendwie publik.



*AlexandLiane, 3Destruct [ANTIVJ], Clemens Behr, Dean Chamberlain, Leandro Erlich, Philip Beesley, ANNA BURNS and THOMAS BROWN, Transforma und Maser

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Smartphoneverbot bis 28 – ach was – bis 42

Louis C.K. erzählt in einer Latenightshow warum seine Kinder kein Handy haben. “I think it’s toxic, it’s just bad” Er nennt jedoch im Gegensatz zu den Menschen, die ich sonst als klassische Handyverbieter kennengelernt habe, zwei Argumente, die ich wirklich gut verstehen kann.
Erstens, er sagt sinngemäß, Kinder seien erst gerade dabei soziale Interaktionen zu lernen. Sie probieren sich dabei aus. Um Empathie zu entwickeln, sind sie jedoch auf mehrere Rückkanäle angewiesen. Wenn sie sich z.B. über jemanden lustig machen und gleich im Anschluss sehen, dass dieser jemand verletzt reagiert, überlegen sie, ob es wirklich angemessen war und ob sie das Verhalten beibehalten wollen. Kinder und Jugendliche seien erst dabei ihre Identität zu entwickeln. Würde diese Persönlichkeitsentwicklung ausschließlich oder zu großen Teilen über das Internet, über die hauptsächlich schriftliche Kommunikation stattfinden, käme es zu Problemen.
Ich finde diese Beobachtung nachvollziehbar. Selbst Erwachsene haben beispielsweise Probleme (schriftliche) Ironie zu erfassen und offensichtlich ist es im Internet im Schutze der vermeintlichen Anonymität deutlich leichter rumzupöbeln oder zu trollen. Ich glaube tatsächlich, dass mindestens die Hälfte aller ätzenden Kommentare nicht geschrieben würden, wenn die Kommentatoren einen emotionalen Rückkanal über mehrere Sinne hätten.

Louis C.K. differenziert dann weiter aus, dass das Internet einem die Möglichkeit gibt, immer jemanden bei sich zu haben. Es sei nicht möglich zu lernen, alleine zu sein. Solche Momente auch mal auszukosten sei die Bedingung, dass man Gesellschaft und Freu(n)de überhaupt erst richtig schätzen lernt.

Er erzählt das gewohnt witzig. Ich glaube aber, da gibt es einen wahren, ernsten Kern und dass er einen Entwicklungsschritt beschreibt, der für Jugendliche wichtig ist. Ruhe und Alleinsein aushalten lernen. Sich Zeit nehmen um Selbstreflexion zu betreiben. Ohne Selbstreflexion und Ruhephasen keine persönliche Weiterentwicklung. Das gilt natürlich nicht nur für Jugendliche. Selbst Lösungen für Probleme zu erarbeiten und umzusetzen, hat darüberhinaus übrigens positive Effekte auf das Selbstbewusstsein (und die Self-efficacy).

Das Smartphone bietet die perfekte Ablenkung und Zerstreuung. 24 Stunden am Tag. Jede Lücke lässt sich füllen. Kein Platz für Langeweile und Alleinsein.

Im Artikel “Louis C.K. Is Wrong About Smartphones” kritisiert Daniel Engber Louis C.K. Sichtweise als altmodisch. Er schreibt “Books and songs enrich us; smartphones make us dumber. “Jungleland” is art; Facebook is a waste of time. But is that really true?
Das stimmt so pauschal natürlich nicht. Denn Smartphonebenutzung ist nicht gleich Smartphonebenutzung. Wenn ich auf facebook lese und Links folge, die meine Freund/innen mir empfehlen, ist das im Grunde nichts anderes als irgendein Buch oder einen Zeitungsartikel zu lesen. Mit einem Smartphone kann man auch Musik oder Podcasts hören. Aber den ganzen Tag Statusmeldungen lesen, posten und liken, das ist doch ein Unterschied. Zumal das ein ganz anderes Suchtpotenzial hat. Der ständige Zuspruch durch die eigene Filterbubble hat einen anderen Effekt als das Lesen eines Buches (und das Beschäftigen mit dem Inhalt) auf die menschliche Seele hat.

Tatsächlich ist der springende Punkt für mich wann und in welchem Ausmaß und auf welche Art Internetkonsum stattfindet und es ist ein Unterschied, ob sich die Persönlichkeit bereits ausdifferenziert hat oder ob Persönlichkeitsentwicklung und exzessiver Internetkonsum parallel stattfinden. Das mag banal klingen, war mir bislang aber nicht so präsent in meiner Argumentation – denn unsere Familienalltag hat mehr als einmal gezeigt, dass ungebremster und unregulierter Internetkonsum über das Handy ziemlich viele Probleme mit sich bringt.

Das Internet ist erst 1997 in mein Leben getreten. Da war ich schon 22. Mich würde wirklich mal interessieren, wie die Einschätzung der Digital Natives zu diesem Thema ist.

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Wer joggt, liebt Podcaster

Weil ich vollmundig versprochen habe, beim nächsten Firmenlauf mitzumachen, gehe ich jetzt alle drei bis vier Tage laufen. Wer in meinem Blogarchiv die Worte “Joggen” oder “Sport” eingibt, wird feststellen, dass ich bislang nur Hohn für diese Art Freizeitgestaltung übrig hatte.
In der Zwischenzeit schaffe ich 5 km – aber entgegen aller Voraussagen, stellt sich nichts ein, das unter Spaß zu subsumieren wäre. Vom sagenumwobenen Runners-High gar nicht erst zu sprechen.  Im Großen und Ganzen bleibt es ätzende Quälerei.
Was mir am Laufen gefällt, ist die Flexibilität. Ich kann laufen wann ich will, ich kann die Kinder mitnehmen, ich kann laufen wo ich will. Und dass ich Podcasts hören kann, finde ich großartig. Im Alltag komme ich fast nie dazu oder die Kinder sind so laut, dass ich die Hälfte nicht verstehe.
Also lade ich mir vor dem Laufen einen Podcast runter und dann laufe ich los.
Während ich also so laufe, fiel mir meine Diplomarbeit ein. Ich habe über Liebe geschrieben.
Ein ganz interessanter Aspekt war für mich, dass völlig unspektakuläre Dinge beim Prozess des Verliebens eine Rolle spielen. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die räumliche Nähe. Ist ja auch einleuchtend. Die Wahrscheinlichkeit sich in den Nachbarn im Studentenwohnheim zu verlieben, ist ungleich höher als sich in den Freund vom Freund zu verlieben, der in Stockholm wohnt.

Auch gibt es Untersuchungsreihen die nahe liegen, dass Verlieben eigentlich etwas ist wie eine Fehlinterpretation von physiologischer Erregung.
Der Mensch versucht offensichtlich körperliche Zustände auf seelische Zustände zu attribuieren. Wenn man also merkt, dass das Herz stärker klopft oder das Blut in Wallung ist, dann sucht man unbewusst nach dem nächsten naheliegenden Grund. Hat man also gerade Kaffee getrunken, “weiß” man: Ah, das Herzklopfen kommt vom Kaffee.
Leider irren sich solche Mechanismen gelegentlich oder sie funktionieren unsauber.
So sind Experimentalpsychologen auf die Idee gekommen, Männer über eine schwindelerregend hohe, klapprige Hängebrücke laufen zu lassen. Auf der Hälfte der Brücke stand eine attraktive Mitarbeiterin, die vorgab den Ablauf des Experiments zu prüfen. Sie bot den Männern ihre Telefonnummer an, falls es nachher noch Fragen gebe.

Das selbe hat man mit einer soliden Brücke gemacht. Siehe da. Die erste Gruppe rief signifikant öfter bei der Mitarbeiterin an und versuchte sich mit ihr zu verabreden. Sie hatten ihre körperliche Erregung misinterpretiert. Quasi derart “ah mein Herz klopft, dann muss ich diese Person sehr attraktiv finden”.

Daran musste ich neulich beim Laufen denken. Physiologisch bin ich nämlich höchst enerviert beim Laufen. Das Blut wallt, die Lunge bläht und transportiert Sauerstoff wie irre, mein Kopf ist auch nach dem Joggen zwei Stunden puterrot.

Ich frage mich also, ob das Langzeitauswirkungen hat. Also ob ich irgendwann zarte Verliebtheitszustände erleide, wenn ich die Stimmen der Podcaster höre, während ich fröhlich vor mich hinjogge.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich kluge und gebildete Männer wirklich wahnsinnig toll finde. Der Podcaster als solches bietet außerdem ein verzerrtes Bild seiner selbst. Logischerweise referiert er über seine Spezial- und Interessensgebiete. Oft hat er ungeheures Fachwissen in einer beneidenswerten Tiefe zu seinen Themen vorzuweisen. Wenn er also in einem Podcast spricht, erscheint er viel klüger und viel gebildeter als er vermutlich in seiner Gesamtheit ist. Und ich denke mir dann: Ach so ein gebildeter Mensch! Wenn der zum Thema Kuhreiher schon so viel weiß! Meine Güte! Was weiß er dann zu generellen Themen alles! Und bestimmt viel mehr als ich! SO KLUG! Ahhh! <3! <3! <3!

Ähm ja und wenn ich es mir so überlege,  joggen ist doch ziemlich toll.

 

Update:

Podcast-Sammlung (Was nicht im Blog ist, ist nie mehr auffindbar)

SozioPod
Einschlafen-Podcast
Opa Harald erzählt
This American Life
Radiolab
Cocktailpodcast
Filmcast
Filmspotting
Kontroversum
Fireberg & Iceberg
Penaddict
Roderick On The Line
Geek Friday
One Bad Mother
Wer redet ist nicht tot

Über weitere Empfehlungen freue ich mich.

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Mama Sheldon

In der Schule war ich, was man klassisch eine Streberin bezeichnen würde. Neben meinen Klausuren der Oberstunde stand: “Sehr schön, allerdings haben wir ca. 20% der Themen noch gar nicht dran genommen. Gäbe es mehr als 15 Punkte, ich würde sie dir geben.”

Die guten Noten waren die eine Seite der Medaille. Die andere war meine Unbeliebtheit. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Ich konnte nie rausfinden, ob ich erst unbeliebt war und dann gute Noten bekam, weil ich z.B. las und lernte, statt mich mit den nicht vorhandenen Freundinnen zu treffen oder aber, ob ich erst gut in der Schule war und dann keine Freundinnen mehr hatte.

Sei es drum. Irgendwann zählte nur der Perfektionismus. Wenn ich schlechter als 14 Punkte war, musste ich die Tränen unterdrücken und wenn es MitschülerInnen gab, die besser waren als ich, hätte ich ihnen gerne die Augen ausgekratzt.

Die Krönung waren Lehrersätze wie: “Patricia hat das doch auch gewusst. Ihr könnt mir nicht erzählen, dass wir das nicht durchgenommen haben.” Da klatschte ich mir innerlich Applaus. Schon lange war es mir völlig egal wie unsympathisch ich wirken mochte. Ich war Sheldon bevor Sheldon erfunden war. Es zählte einfach das fehlerfreie Ergebnis.

Einmal im Fluss des Perfektionismus mitgeschwommen, gibt es kein Zurück mehr. Im Diplom-Zeugnis habe ich eine zwei. Leider gab es keinen Weg die Prüfung zu wiederholen. Auch keinen einklagbaren. So muss ich mit diesem Hohn (eine zwei!!!) leben. Wie ein Makel verunstaltet die zwei meine Bewerbungsunterlagen. Zitternd warte ich im Bewerbungsgespräch auf die Frage, was da eigentlich mit mir los gewesen sei. Eine echte Erklärung habe ich nicht. Ich habe einfach versagt.

So war mein Leben viele Jahre. Perfekt. Alles. Meine Arbeitsergebnisse, meine Wohnung, meine Einsamkeit, mein Singleleben – selbst ich war perfekt. Jeden Morgen frisch geduscht, gestylt, die Ohrringe passend zum Oberteil, die Bluse gebügelt, die Schuhe auf die Handtasche abgestimmt ALLES WAR WUNDERBAR.

Dann passierte etwas.

Vermutlich entführten mich Aliens.

Heute bin ich von Perfektionismus so weit weg wie ein Pinguin vom Nordpol. Ich selbst würde das vermutlich gar nicht merken. Ich merke es ausschließlich an den kleinen, traurigen Gesichtern meiner Kinder. Wenn ich sie z.B. vom Kindergarten abhole und mit ihnen zum Spielplatz gehe und sie dann ohne Schippchen, Trinken und Essen rumstehen. Manchmal auch frierend, weil ich vergessen habe, ihnen Mützen anzuziehen.

Sie blicken dann sehnsüchtig zu den anderen Müttern. Denen, die perfekt geschminkt, in gewaschenen Kleidern, mit Blumen im Haar ihren Kindern die frisch zusammengestellte Bento-Box kredenzen. Ihnen eine kleine Getränkeauswahl anbieten und den Korb mit den Sandsachen auspacken. Sie gehen dann mit ihren Kindern schaukeln. Dreißig – vierzig Minuten schubsen sie ihre Kinder unermüdlich an bevor sie zur Seilbahn wechseln und die Kinder eine weitere halbe Stunde anschieben.

Im Sommer haben sie Sonnencreme und Hüte dabei, sie haben immer Wechselsachen parat, Feuchttücher ohnehin, Handtücher wenn nötig. Im Winter Handschuhe und kleine Thermositzkissen. Sie haben immer Bargeld einstecken, um ein Eis zu kaufen, geschnittenes Obst für Zwischendurch und wenn ein Kind herzhaft niest, ein duftendes Taschentuch, um die Nase zu putzen.

Das schlimmste daran: Sie sind auch noch gutherzig. Wenn meine Kinder sehnsüchtig mit leicht tränengefüllten Augen in ihre Richtung schauen, bekommen sie immer etwas ab. Das ist im Grunde das allerallerschlimmste. Wenn dann am Abend noch eines meiner Kinder sagt: “Mama, Du hast noch viel Zeit zu leben und deswegen wirst du es bestimmt mal schaffen uns etwas zu trinken mitzubringen, da bin ich zuversichtlich” und mir auf die hängenden Schultern klopft, da wünschte ich, ich hätte meine Lebensration Perfektionismus nicht bereits komplett verschleudert.

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Kleine Männer mit behaarten Füßen

Mitte der 90er habe ich mal einen sehr lustigen Artikel über die Ausstrahlung von Pretty Woman im arabischen Raum gelesen. Im Grunde ging durch die Zensur die komplette Handlung verloren und der Film schrumpfte zu einem Kurzfilm über einen reichen Mann, der mit seinem geliehenen Lotus Esprit Turbo nicht umgehen kann. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen übernimmt dieser Mann am Ende ein Familienunternehmen namens Morse und saniert es.

Ich schaue mir natürlich keine zensierten Filme an – jedoch erlebe ich oft einen ähnlichen Effekt, weil ich meistens im Kino einschlafe. Skyfall beispielsweise fand ich nicht sooo spannend, weil sich James Bond nach einer spektakulären Motorradjagd über die Dächer eines Basars in einem Büro einfindet, um sich kurz mit einer Frau zu unterhalten, die sich nach wagemutigen Autoverfolgungsszenen zu Beginn des Filmes entschlossen hat, Sekretärin zu werden.

Es könnte sein, dass Der Hobbit für mich aus den selben Gründen so enttäuschend war. Oft ist es natürlich auch die Differenz aus unbändiger Vorfreude, wahnwitzigen Erwartungen und tatsächlichem Erlebnis. Ich weiß noch genau als ich damals den ersten Teil von Herr der Ringe sah und am Ende des Films wie hypnotisiert aus meiner Begeisterung aufwachte und dachte: “Oh nein, was ist wenn ich sterbe bevor ich den 2. Teil gesehen habe???”

Tatsächlich meine ich aber mindestens zwei der drei Stunden wach gewesen zu sein. Vor allem am Anfang als die Zwerge in Disney-Manier sangen. Wobei, ich glaube, da bin ich doch kurz eingenickt, denn als ich aufwachte und sie immer noch sangen, dachte ich: “Oh, sie singen schon wieder ihr Heiho!”

Die Witzchen im gesamten Film waren ungefähr auf dem Niveau, das man humortechnisch haben muss, um über Langnesewerbung lachen zu können.

Klar ist Der kleine Hobbit ein Kinderbuch. Aber wenn die Verfilmung das wiedergeben soll, dann sollten vielleicht ein Paar weniger Orks enthauptet und aufgeschlitzt werden, dann könnten das zehnjährige Kinder sehen und sich daran erfreuen.

Ich glaube, was dem Hobbit passiert ist, ist das was alle kennen, die mal einen sehr langen Text verfasst haben und ihn wieder kürzen mussten. Eine Diplomarbeit z.B..

Da schreibt man hups 370 Seiten und hat so viel Arbeit und Energie rein gesteckt, dass man jede Seite für unverzichtbar hält. Man ist fast ein bißchen verliebt in den furtchtbar erkenntnisreichen und schlauen Text und genau mit dieser Erwartung überreicht man ihn einer guten Freundin zum letzten Abnicken. Die meldet sich alsbald und fragt: “Möchtest Du den Text freundschaftlich oder ehrlich kritisiert wissen?”

Man antwortet blauäugig “Natürlich ehrlich!” und weint nach Erhalt des Textes zwei Tage am Stück, reicht dann eine Verlängerung im Studienamt ein, verreist zehn Tage, um Abstand zu gewinnen und überarbeitet die 370 Seiten zwei volle Wochen. Am Ende hat man nur noch 180 Seiten und erhält eine eins.

Das hätte Peter Jackson auch machen sollen, nehme ich an.

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Ich bin nicht sehr freizügig. Schon gar nicht wenn es um Geld geht. Mit Neuanschaffungen tue ich mich sehr schwer. Meistens recherchiere ich so lange, bis sich die Neuanschaffung erledigt hat. Wer zehn Monate ohne Mikrowelle auskommt – der braucht keine.

Für mich ist es deswegen sehr schwer Geschenke abzulehnen. Wenn mich Unternehmen also fragen, ob ich für lächerliche Beträge ihre Dienstleistungen testen möchte, gelingt es mir nur unter großer Selbstbeherrschung “nein” zu sagen. Ich bedauere es geradezu, dass bestimmte Unternehmen mich nicht fragen, ob ich Werbepartnerin werden möchte. Bei Nespresso z.B., da könnte ich nicht widerstehen. Nespresso-Kundin sein, hat ohnehin mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun. Ich habe die Kapseln mal gewogen. Sie enthalten 5 Gramm Kaffee, der abzüglich Herstellung und Alu zu ca. 25 Cent verkauft wird. Auf das Kilo hochgerechnet zahlt man also 50 Euro.

Ein Pfund herkommlicher Espresso kostet 4,50 Euro.

Vom finanziellen Aspekt gesehen, natürlich TOTAL indiskutabel. Um nicht zu sagen: lachhaft.

Erstaunlicherweise haben wir so ein Gerät trotzdem. Ich habe versehentlich mal einen Nespresso-Kaffee getrunken und dann noch einen und dann wurde ich sehr konservativ und intolerant was andere Geschmäcker anging. Als Freundin von Prozessoptimierungen und Exceltabellen Krebs Aszendent Jungfrau fasziniert und erfreut mich der genormte Geschmack. Wenn ich immer den selben Kaffee mit der selben Menge Milch, welche exakt die selbe Temperatur hat (was im markeneigenen Aufschäumer hervorragend funktioniert) trinke, dann schmeckt er immer exakt gleich und zwar sensationell gut. Immer IMMER und I M M E R.

Außerdem ist die Maschine so einfach zu bedienen, dass die Kinder morgens weinen, wenn wir vor ihnen wach sind, weil SIE den Kaffee machen wollten. Sobald unser Wecker klingelt, springen sie aus dem Bett und rennen um die Wette in die Küche. Manchmal verpassen sie sich auch Kinnhaken und das Ganze eskaliert – aber meistens einigen sie sich friedlich wer wem einen Kaffee macht oder wir trinken ein, zwei Kaffee mehr, so dass am Ende alle zufrieden (und wir Erwachsenen ein bißchen zittrig) sind. Wenn ich von der Arbeit komme, dann steht das mittlere Kind ebenfalls bereit und serviert mir 45 Sekunden später einen Kaffee. (Wir haben das gestoppt und ich habe dem Kind den zeitoptimierten Ablauf kurz erläutert.)

Deswegen habe ich mir das mit dem Kapselkaffee schön geredet. Immerhin rauche ich seit sieben Jahren nicht mehr. Irgendwo muss das Geld ja hin. Außerdem spare ich wie verrückt, weil es mir da wie Journelle geht:

Ich werde geradezu aggressiv, wenn mir schlechter Kaffee serviert wird. Während ich bei privater Verköstigung wohlwollende Abstriche mache, würde ich in Restaurant am liebsten in die Tasse kotzen, wenn ich diese zwei WMF-Kaffee-Automaten-Punkte in der Bauschaummilch sehe.

Deswegen gehe ich nicht mehr in Cafés. Das kommt meiner Menschenphobie sehr entgegen und am Ende spare ich wieder.

Bleibt nur noch das schlechte Gewissen wegen der Alu-Kapseln im Hausmüll. Wie ich erfahren habe, kann man sogar die Alu-Kapseln recyclen und ich brauche deswegen kein schlechtes Gewissen haben. Ich fahre sie einfach im SUV in die Friedrichstraße, wo ich ca. 23 KM verfahre, um einen Parkplatz zu finden, und bringe sie zur Kapselrücknahmeanstelle.

Also Nespresso. Ich hoffe, Euer Social Media Monitoring funktioniert und deswegen kann ich euch ja sagen: wäre das ein gesponserter Artikel, er hätte mindestens 50 Stangen Arpeggio gekostet. Adresse findet ihr im Impressum.

Nachtrag 22.12.2012: Ich bedanke mich sehr herzlich bei der PR Agentur Häberlein & Maurer, die Nespresso betreuen und mich mit einem kleinen Geschenk überrascht haben. Ich freue mich, dass Sie Humor haben.

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