Archiv der Kategorie: Objekt der Begierde

Photography Playground

Schon letztes Jahr bin ich auf den Photography Playground aufmerksam geworden. Da wir dort einen grandiosen Tag verbracht und wirklich viele tolle Bilder gemacht haben, habe ich mich sehr gefreut, dass Olympus diese Aktion 2014 wiederholt.

Ich habe auch Plakate rumhängen sehen und die Website besucht, aber ganz ehrlich, es gibt diese Websites auf denen nichts steht. Jedenfalls genügt mein  Intellekt offenbar nicht, um im Vorfeld zu verstehen, um WAS es sich dabei genau handelt (ähnlich wie bei der transmediale). Die Texte erinnern mich immer an meine Hackfleischbesprechungen.

Also:

Öffnungzeiten Täglich ab 11 bis 19 Uhr

Wann Bis zum 25. Mai 2014

Wo Opernwerkstätten, Zinnowitzer Straße 9, 10115 Berlin (nahe Nordbahnhof)

Eintritt frei

Was ist das eigentlich? Eine charmante Werbeveranstaltung für das neue Kameramodell OLYMPUS OM-D
D.h. konkret: Ihr geht dahin und könnt euch kostenlos diese Kamera ausleihen. Dazu bekommt ihr einen 4 GB große Speicherkarte, die ihr hinterher mit euren Aufnahmen nach Hause nehmen könnt. Auf insgesamt drei Etagen haben neun Künstlerinnen und Künstler* Kulissen geschaffen, die ihr fotografieren könnt. Vieles ist interaktiv und der Reiz ist tatsächlich sich gegenseitig in den Räumen zu fotografieren.

Was noch? Kann man sehr gut mit Kindern machen. Und pscht ganz leise: Man kann auch mit eigener Kamera fotografieren, wenn die Schlange für die Olympusausleihe zu lang ist.

Wir hatten auch dieses Jahr Riesenspaß.

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Weitere Eindrücke auf instagram unter den Hashtags #photographyplayground und #opernwerkstätten

P.S. Liebe VeranstalterInnen – für 2015 – denkt euch doch mal ein leicht verständliches Hashtag aus und macht das irgendwie publik.



*AlexandLiane, 3Destruct [ANTIVJ], Clemens Behr, Dean Chamberlain, Leandro Erlich, Philip Beesley, ANNA BURNS and THOMAS BROWN, Transforma und Maser

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Smartphoneverbot bis 28 – ach was – bis 42

Louis C.K. erzählt in einer Latenightshow warum seine Kinder kein Handy haben. “I think it’s toxic, it’s just bad” Er nennt jedoch im Gegensatz zu den Menschen, die ich sonst als klassische Handyverbieter kennengelernt habe, zwei Argumente, die ich wirklich gut verstehen kann.
Erstens, er sagt sinngemäß, Kinder seien erst gerade dabei soziale Interaktionen zu lernen. Sie probieren sich dabei aus. Um Empathie zu entwickeln, sind sie jedoch auf mehrere Rückkanäle angewiesen. Wenn sie sich z.B. über jemanden lustig machen und gleich im Anschluss sehen, dass dieser jemand verletzt reagiert, überlegen sie, ob es wirklich angemessen war und ob sie das Verhalten beibehalten wollen. Kinder und Jugendliche seien erst dabei ihre Identität zu entwickeln. Würde diese Persönlichkeitsentwicklung ausschließlich oder zu großen Teilen über das Internet, über die hauptsächlich schriftliche Kommunikation stattfinden, käme es zu Problemen.
Ich finde diese Beobachtung nachvollziehbar. Selbst Erwachsene haben beispielsweise Probleme (schriftliche) Ironie zu erfassen und offensichtlich ist es im Internet im Schutze der vermeintlichen Anonymität deutlich leichter rumzupöbeln oder zu trollen. Ich glaube tatsächlich, dass mindestens die Hälfte aller ätzenden Kommentare nicht geschrieben würden, wenn die Kommentatoren einen emotionalen Rückkanal über mehrere Sinne hätten.

Louis C.K. differenziert dann weiter aus, dass das Internet einem die Möglichkeit gibt, immer jemanden bei sich zu haben. Es sei nicht möglich zu lernen, alleine zu sein. Solche Momente auch mal auszukosten sei die Bedingung, dass man Gesellschaft und Freu(n)de überhaupt erst richtig schätzen lernt.

Er erzählt das gewohnt witzig. Ich glaube aber, da gibt es einen wahren, ernsten Kern und dass er einen Entwicklungsschritt beschreibt, der für Jugendliche wichtig ist. Ruhe und Alleinsein aushalten lernen. Sich Zeit nehmen um Selbstreflexion zu betreiben. Ohne Selbstreflexion und Ruhephasen keine persönliche Weiterentwicklung. Das gilt natürlich nicht nur für Jugendliche. Selbst Lösungen für Probleme zu erarbeiten und umzusetzen, hat darüberhinaus übrigens positive Effekte auf das Selbstbewusstsein (und die Self-efficacy).

Das Smartphone bietet die perfekte Ablenkung und Zerstreuung. 24 Stunden am Tag. Jede Lücke lässt sich füllen. Kein Platz für Langeweile und Alleinsein.

Im Artikel “Louis C.K. Is Wrong About Smartphones” kritisiert Daniel Engber Louis C.K. Sichtweise als altmodisch. Er schreibt “Books and songs enrich us; smartphones make us dumber. “Jungleland” is art; Facebook is a waste of time. But is that really true?
Das stimmt so pauschal natürlich nicht. Denn Smartphonebenutzung ist nicht gleich Smartphonebenutzung. Wenn ich auf facebook lese und Links folge, die meine Freund/innen mir empfehlen, ist das im Grunde nichts anderes als irgendein Buch oder einen Zeitungsartikel zu lesen. Mit einem Smartphone kann man auch Musik oder Podcasts hören. Aber den ganzen Tag Statusmeldungen lesen, posten und liken, das ist doch ein Unterschied. Zumal das ein ganz anderes Suchtpotenzial hat. Der ständige Zuspruch durch die eigene Filterbubble hat einen anderen Effekt als das Lesen eines Buches (und das Beschäftigen mit dem Inhalt) auf die menschliche Seele hat.

Tatsächlich ist der springende Punkt für mich wann und in welchem Ausmaß und auf welche Art Internetkonsum stattfindet und es ist ein Unterschied, ob sich die Persönlichkeit bereits ausdifferenziert hat oder ob Persönlichkeitsentwicklung und exzessiver Internetkonsum parallel stattfinden. Das mag banal klingen, war mir bislang aber nicht so präsent in meiner Argumentation – denn unsere Familienalltag hat mehr als einmal gezeigt, dass ungebremster und unregulierter Internetkonsum über das Handy ziemlich viele Probleme mit sich bringt.

Das Internet ist erst 1997 in mein Leben getreten. Da war ich schon 22. Mich würde wirklich mal interessieren, wie die Einschätzung der Digital Natives zu diesem Thema ist.

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Wer joggt, liebt Podcaster

Weil ich vollmundig versprochen habe, beim nächsten Firmenlauf mitzumachen, gehe ich jetzt alle drei bis vier Tage laufen. Wer in meinem Blogarchiv die Worte “Joggen” oder “Sport” eingibt, wird feststellen, dass ich bislang nur Hohn für diese Art Freizeitgestaltung übrig hatte.
In der Zwischenzeit schaffe ich 5 km – aber entgegen aller Voraussagen, stellt sich nichts ein, das unter Spaß zu subsumieren wäre. Vom sagenumwobenen Runners-High gar nicht erst zu sprechen.  Im Großen und Ganzen bleibt es ätzende Quälerei.
Was mir am Laufen gefällt, ist die Flexibilität. Ich kann laufen wann ich will, ich kann die Kinder mitnehmen, ich kann laufen wo ich will. Und dass ich Podcasts hören kann, finde ich großartig. Im Alltag komme ich fast nie dazu oder die Kinder sind so laut, dass ich die Hälfte nicht verstehe.
Also lade ich mir vor dem Laufen einen Podcast runter und dann laufe ich los.
Während ich also so laufe, fiel mir meine Diplomarbeit ein. Ich habe über Liebe geschrieben.
Ein ganz interessanter Aspekt war für mich, dass völlig unspektakuläre Dinge beim Prozess des Verliebens eine Rolle spielen. Ein wichtiger Faktor ist zum Beispiel die räumliche Nähe. Ist ja auch einleuchtend. Die Wahrscheinlichkeit sich in den Nachbarn im Studentenwohnheim zu verlieben, ist ungleich höher als sich in den Freund vom Freund zu verlieben, der in Stockholm wohnt.

Auch gibt es Untersuchungsreihen die nahe liegen, dass Verlieben eigentlich etwas ist wie eine Fehlinterpretation von physiologischer Erregung.
Der Mensch versucht offensichtlich körperliche Zustände auf seelische Zustände zu attribuieren. Wenn man also merkt, dass das Herz stärker klopft oder das Blut in Wallung ist, dann sucht man unbewusst nach dem nächsten naheliegenden Grund. Hat man also gerade Kaffee getrunken, “weiß” man: Ah, das Herzklopfen kommt vom Kaffee.
Leider irren sich solche Mechanismen gelegentlich oder sie funktionieren unsauber.
So sind Experimentalpsychologen auf die Idee gekommen, Männer über eine schwindelerregend hohe, klapprige Hängebrücke laufen zu lassen. Auf der Hälfte der Brücke stand eine attraktive Mitarbeiterin, die vorgab den Ablauf des Experiments zu prüfen. Sie bot den Männern ihre Telefonnummer an, falls es nachher noch Fragen gebe.

Das selbe hat man mit einer soliden Brücke gemacht. Siehe da. Die erste Gruppe rief signifikant öfter bei der Mitarbeiterin an und versuchte sich mit ihr zu verabreden. Sie hatten ihre körperliche Erregung misinterpretiert. Quasi derart “ah mein Herz klopft, dann muss ich diese Person sehr attraktiv finden”.

Daran musste ich neulich beim Laufen denken. Physiologisch bin ich nämlich höchst enerviert beim Laufen. Das Blut wallt, die Lunge bläht und transportiert Sauerstoff wie irre, mein Kopf ist auch nach dem Joggen zwei Stunden puterrot.

Ich frage mich also, ob das Langzeitauswirkungen hat. Also ob ich irgendwann zarte Verliebtheitszustände erleide, wenn ich die Stimmen der Podcaster höre, während ich fröhlich vor mich hinjogge.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich kluge und gebildete Männer wirklich wahnsinnig toll finde. Der Podcaster als solches bietet außerdem ein verzerrtes Bild seiner selbst. Logischerweise referiert er über seine Spezial- und Interessensgebiete. Oft hat er ungeheures Fachwissen in einer beneidenswerten Tiefe zu seinen Themen vorzuweisen. Wenn er also in einem Podcast spricht, erscheint er viel klüger und viel gebildeter als er vermutlich in seiner Gesamtheit ist. Und ich denke mir dann: Ach so ein gebildeter Mensch! Wenn der zum Thema Kuhreiher schon so viel weiß! Meine Güte! Was weiß er dann zu generellen Themen alles! Und bestimmt viel mehr als ich! SO KLUG! Ahhh! <3! <3! <3!

Ähm ja und wenn ich es mir so überlege,  joggen ist doch ziemlich toll.

 

Update:

Podcast-Sammlung (Was nicht im Blog ist, ist nie mehr auffindbar)

SozioPod
Einschlafen-Podcast
Opa Harald erzählt
This American Life
Radiolab
Cocktailpodcast
Filmcast
Filmspotting
Kontroversum
Fireberg & Iceberg
Penaddict
Roderick On The Line
Geek Friday
One Bad Mother
Wer redet ist nicht tot

Über weitere Empfehlungen freue ich mich.

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Mama Sheldon

In der Schule war ich, was man klassisch eine Streberin bezeichnen würde. Neben meinen Klausuren der Oberstunde stand: “Sehr schön, allerdings haben wir ca. 20% der Themen noch gar nicht dran genommen. Gäbe es mehr als 15 Punkte, ich würde sie dir geben.”

Die guten Noten waren die eine Seite der Medaille. Die andere war meine Unbeliebtheit. Ein klassisches Henne-Ei-Problem. Ich konnte nie rausfinden, ob ich erst unbeliebt war und dann gute Noten bekam, weil ich z.B. las und lernte, statt mich mit den nicht vorhandenen Freundinnen zu treffen oder aber, ob ich erst gut in der Schule war und dann keine Freundinnen mehr hatte.

Sei es drum. Irgendwann zählte nur der Perfektionismus. Wenn ich schlechter als 14 Punkte war, musste ich die Tränen unterdrücken und wenn es MitschülerInnen gab, die besser waren als ich, hätte ich ihnen gerne die Augen ausgekratzt.

Die Krönung waren Lehrersätze wie: “Patricia hat das doch auch gewusst. Ihr könnt mir nicht erzählen, dass wir das nicht durchgenommen haben.” Da klatschte ich mir innerlich Applaus. Schon lange war es mir völlig egal wie unsympathisch ich wirken mochte. Ich war Sheldon bevor Sheldon erfunden war. Es zählte einfach das fehlerfreie Ergebnis.

Einmal im Fluss des Perfektionismus mitgeschwommen, gibt es kein Zurück mehr. Im Diplom-Zeugnis habe ich eine zwei. Leider gab es keinen Weg die Prüfung zu wiederholen. Auch keinen einklagbaren. So muss ich mit diesem Hohn (eine zwei!!!) leben. Wie ein Makel verunstaltet die zwei meine Bewerbungsunterlagen. Zitternd warte ich im Bewerbungsgespräch auf die Frage, was da eigentlich mit mir los gewesen sei. Eine echte Erklärung habe ich nicht. Ich habe einfach versagt.

So war mein Leben viele Jahre. Perfekt. Alles. Meine Arbeitsergebnisse, meine Wohnung, meine Einsamkeit, mein Singleleben – selbst ich war perfekt. Jeden Morgen frisch geduscht, gestylt, die Ohrringe passend zum Oberteil, die Bluse gebügelt, die Schuhe auf die Handtasche abgestimmt ALLES WAR WUNDERBAR.

Dann passierte etwas.

Vermutlich entführten mich Aliens.

Heute bin ich von Perfektionismus so weit weg wie ein Pinguin vom Nordpol. Ich selbst würde das vermutlich gar nicht merken. Ich merke es ausschließlich an den kleinen, traurigen Gesichtern meiner Kinder. Wenn ich sie z.B. vom Kindergarten abhole und mit ihnen zum Spielplatz gehe und sie dann ohne Schippchen, Trinken und Essen rumstehen. Manchmal auch frierend, weil ich vergessen habe, ihnen Mützen anzuziehen.

Sie blicken dann sehnsüchtig zu den anderen Müttern. Denen, die perfekt geschminkt, in gewaschenen Kleidern, mit Blumen im Haar ihren Kindern die frisch zusammengestellte Bento-Box kredenzen. Ihnen eine kleine Getränkeauswahl anbieten und den Korb mit den Sandsachen auspacken. Sie gehen dann mit ihren Kindern schaukeln. Dreißig – vierzig Minuten schubsen sie ihre Kinder unermüdlich an bevor sie zur Seilbahn wechseln und die Kinder eine weitere halbe Stunde anschieben.

Im Sommer haben sie Sonnencreme und Hüte dabei, sie haben immer Wechselsachen parat, Feuchttücher ohnehin, Handtücher wenn nötig. Im Winter Handschuhe und kleine Thermositzkissen. Sie haben immer Bargeld einstecken, um ein Eis zu kaufen, geschnittenes Obst für Zwischendurch und wenn ein Kind herzhaft niest, ein duftendes Taschentuch, um die Nase zu putzen.

Das schlimmste daran: Sie sind auch noch gutherzig. Wenn meine Kinder sehnsüchtig mit leicht tränengefüllten Augen in ihre Richtung schauen, bekommen sie immer etwas ab. Das ist im Grunde das allerallerschlimmste. Wenn dann am Abend noch eines meiner Kinder sagt: “Mama, Du hast noch viel Zeit zu leben und deswegen wirst du es bestimmt mal schaffen uns etwas zu trinken mitzubringen, da bin ich zuversichtlich” und mir auf die hängenden Schultern klopft, da wünschte ich, ich hätte meine Lebensration Perfektionismus nicht bereits komplett verschleudert.

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Kleine Männer mit behaarten Füßen

Mitte der 90er habe ich mal einen sehr lustigen Artikel über die Ausstrahlung von Pretty Woman im arabischen Raum gelesen. Im Grunde ging durch die Zensur die komplette Handlung verloren und der Film schrumpfte zu einem Kurzfilm über einen reichen Mann, der mit seinem geliehenen Lotus Esprit Turbo nicht umgehen kann. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen übernimmt dieser Mann am Ende ein Familienunternehmen namens Morse und saniert es.

Ich schaue mir natürlich keine zensierten Filme an – jedoch erlebe ich oft einen ähnlichen Effekt, weil ich meistens im Kino einschlafe. Skyfall beispielsweise fand ich nicht sooo spannend, weil sich James Bond nach einer spektakulären Motorradjagd über die Dächer eines Basars in einem Büro einfindet, um sich kurz mit einer Frau zu unterhalten, die sich nach wagemutigen Autoverfolgungsszenen zu Beginn des Filmes entschlossen hat, Sekretärin zu werden.

Es könnte sein, dass Der Hobbit für mich aus den selben Gründen so enttäuschend war. Oft ist es natürlich auch die Differenz aus unbändiger Vorfreude, wahnwitzigen Erwartungen und tatsächlichem Erlebnis. Ich weiß noch genau als ich damals den ersten Teil von Herr der Ringe sah und am Ende des Films wie hypnotisiert aus meiner Begeisterung aufwachte und dachte: “Oh nein, was ist wenn ich sterbe bevor ich den 2. Teil gesehen habe???”

Tatsächlich meine ich aber mindestens zwei der drei Stunden wach gewesen zu sein. Vor allem am Anfang als die Zwerge in Disney-Manier sangen. Wobei, ich glaube, da bin ich doch kurz eingenickt, denn als ich aufwachte und sie immer noch sangen, dachte ich: “Oh, sie singen schon wieder ihr Heiho!”

Die Witzchen im gesamten Film waren ungefähr auf dem Niveau, das man humortechnisch haben muss, um über Langnesewerbung lachen zu können.

Klar ist Der kleine Hobbit ein Kinderbuch. Aber wenn die Verfilmung das wiedergeben soll, dann sollten vielleicht ein Paar weniger Orks enthauptet und aufgeschlitzt werden, dann könnten das zehnjährige Kinder sehen und sich daran erfreuen.

Ich glaube, was dem Hobbit passiert ist, ist das was alle kennen, die mal einen sehr langen Text verfasst haben und ihn wieder kürzen mussten. Eine Diplomarbeit z.B..

Da schreibt man hups 370 Seiten und hat so viel Arbeit und Energie rein gesteckt, dass man jede Seite für unverzichtbar hält. Man ist fast ein bißchen verliebt in den furtchtbar erkenntnisreichen und schlauen Text und genau mit dieser Erwartung überreicht man ihn einer guten Freundin zum letzten Abnicken. Die meldet sich alsbald und fragt: “Möchtest Du den Text freundschaftlich oder ehrlich kritisiert wissen?”

Man antwortet blauäugig “Natürlich ehrlich!” und weint nach Erhalt des Textes zwei Tage am Stück, reicht dann eine Verlängerung im Studienamt ein, verreist zehn Tage, um Abstand zu gewinnen und überarbeitet die 370 Seiten zwei volle Wochen. Am Ende hat man nur noch 180 Seiten und erhält eine eins.

Das hätte Peter Jackson auch machen sollen, nehme ich an.

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Ich bin nicht sehr freizügig. Schon gar nicht wenn es um Geld geht. Mit Neuanschaffungen tue ich mich sehr schwer. Meistens recherchiere ich so lange, bis sich die Neuanschaffung erledigt hat. Wer zehn Monate ohne Mikrowelle auskommt – der braucht keine.

Für mich ist es deswegen sehr schwer Geschenke abzulehnen. Wenn mich Unternehmen also fragen, ob ich für lächerliche Beträge ihre Dienstleistungen testen möchte, gelingt es mir nur unter großer Selbstbeherrschung “nein” zu sagen. Ich bedauere es geradezu, dass bestimmte Unternehmen mich nicht fragen, ob ich Werbepartnerin werden möchte. Bei Nespresso z.B., da könnte ich nicht widerstehen. Nespresso-Kundin sein, hat ohnehin mit gesundem Menschenverstand nichts zu tun. Ich habe die Kapseln mal gewogen. Sie enthalten 5 Gramm Kaffee, der abzüglich Herstellung und Alu zu ca. 25 Cent verkauft wird. Auf das Kilo hochgerechnet zahlt man also 50 Euro.

Ein Pfund herkommlicher Espresso kostet 4,50 Euro.

Vom finanziellen Aspekt gesehen, natürlich TOTAL indiskutabel. Um nicht zu sagen: lachhaft.

Erstaunlicherweise haben wir so ein Gerät trotzdem. Ich habe versehentlich mal einen Nespresso-Kaffee getrunken und dann noch einen und dann wurde ich sehr konservativ und intolerant was andere Geschmäcker anging. Als Freundin von Prozessoptimierungen und Exceltabellen Krebs Aszendent Jungfrau fasziniert und erfreut mich der genormte Geschmack. Wenn ich immer den selben Kaffee mit der selben Menge Milch, welche exakt die selbe Temperatur hat (was im markeneigenen Aufschäumer hervorragend funktioniert) trinke, dann schmeckt er immer exakt gleich und zwar sensationell gut. Immer IMMER und I M M E R.

Außerdem ist die Maschine so einfach zu bedienen, dass die Kinder morgens weinen, wenn wir vor ihnen wach sind, weil SIE den Kaffee machen wollten. Sobald unser Wecker klingelt, springen sie aus dem Bett und rennen um die Wette in die Küche. Manchmal verpassen sie sich auch Kinnhaken und das Ganze eskaliert – aber meistens einigen sie sich friedlich wer wem einen Kaffee macht oder wir trinken ein, zwei Kaffee mehr, so dass am Ende alle zufrieden (und wir Erwachsenen ein bißchen zittrig) sind. Wenn ich von der Arbeit komme, dann steht das mittlere Kind ebenfalls bereit und serviert mir 45 Sekunden später einen Kaffee. (Wir haben das gestoppt und ich habe dem Kind den zeitoptimierten Ablauf kurz erläutert.)

Deswegen habe ich mir das mit dem Kapselkaffee schön geredet. Immerhin rauche ich seit sieben Jahren nicht mehr. Irgendwo muss das Geld ja hin. Außerdem spare ich wie verrückt, weil es mir da wie Journelle geht:

Ich werde geradezu aggressiv, wenn mir schlechter Kaffee serviert wird. Während ich bei privater Verköstigung wohlwollende Abstriche mache, würde ich in Restaurant am liebsten in die Tasse kotzen, wenn ich diese zwei WMF-Kaffee-Automaten-Punkte in der Bauschaummilch sehe.

Deswegen gehe ich nicht mehr in Cafés. Das kommt meiner Menschenphobie sehr entgegen und am Ende spare ich wieder.

Bleibt nur noch das schlechte Gewissen wegen der Alu-Kapseln im Hausmüll. Wie ich erfahren habe, kann man sogar die Alu-Kapseln recyclen und ich brauche deswegen kein schlechtes Gewissen haben. Ich fahre sie einfach im SUV in die Friedrichstraße, wo ich ca. 23 KM verfahre, um einen Parkplatz zu finden, und bringe sie zur Kapselrücknahmeanstelle.

Also Nespresso. Ich hoffe, Euer Social Media Monitoring funktioniert und deswegen kann ich euch ja sagen: wäre das ein gesponserter Artikel, er hätte mindestens 50 Stangen Arpeggio gekostet. Adresse findet ihr im Impressum.

Nachtrag 22.12.2012: Ich bedanke mich sehr herzlich bei der PR Agentur Häberlein & Maurer, die Nespresso betreuen und mich mit einem kleinen Geschenk überrascht haben. Ich freue mich, dass Sie Humor haben.

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Freundliche Stalker

Als ich mein Smartphone bekam, interessierte mich instagram nicht die Bohne. Was soll das? Wen interessiert das? Warum?

In der Zwischenzeit ist instagram eigentlich fast meine allerliebste Social Media Plattform. Mir war lange schleierhaft warum. Allerdings hab’ ich Kraft meiner Reflexionsfähigkeit eine Hypothese zusammengebastelt, weil mir neulich wieder das Buch “Wie Franz Beckenbauer mir einmal viel zu nahe kam” in die Hand fiel. Es basiert auf dem Forum Höfliche Paparazzi und berichtet

“von zufälligen, kleinen Begegnungen mit Berühmtheiten [...], also von keinen irgendwie mutwillig herbeigeführten oder groupieesken Treffen (mit Sexabsicht) oder Interviewsituationen. Je dezenter, desto besser.”

Als ich das Buch damals las, amüsierte es mich sehr und gestern ging mir auf, dass instagram etwas ähnliches in mir anspricht. Zwar folge ich da keinen Promis, sondern nur “normalen Menschen”, aber instagram ermöglicht simuliert mir Nähe zu diesen Menschen, die in der unvirtuellen Welt gar nicht wirklich besteht. Ich schaue durch die Bilder, welche diese Menschen posten auf deren Teller, sehe wo sie abends hingehen, was sie trinken, wie ihre Katzen und Hunde aussehen, ich sehe ihre Füße, ihre Gärten und Wohnungen und erhalte so Einblick in ihr Privatleben. Das gefällt mir, warum auch immer. Vielleicht weil ich auch so normal bin und mich damit noch normaler fühlen kann. Weil ich sehe, ich bin wie sie, ich bin kein Außenseiter, ich bin Norm, Teil der Gesellschaft.

Und andererseits sehe ich Dinge, die ich nicht kenne, Getränke, die ich noch nie getrunken habe, Restaurants in denen ich nie war … aber weil die UrhereberInnen dieser Fotos “normale Menschen” sind, weiß ich, ich könnte da potentiell hingehen, ich kann deren Gerichte nachkochen, an diese Orte gehen. Es ist für mich erreichbar.

Damit ist instagram für mich viel toller als Gala oder Neue Post. Zeitungen, die eigentlich genau das machen, nur bei Promis. Sie stillen die Neugierde. “Die Angelina Jolie, guck mal, die sieht ungeschminkt auch gar nicht so toll aus!” Nur werden diese Promis eben nicht gefragt, ob sie wollen, dass ICH sehe, wie sie gestresst, ungeschminkt und traurig aussehen. Und was sie essen, die Orte an die sie gehen, die Kleidung, die sie tragen – das alles kann ich mir nicht leisten. Niemals. Es ist in unendlicher Ferne.

Bei instragram hingegen ist alles erreichbar und die UserInnen posten das freiwillig. Freundliches Stalking ist da moralisch einwandfrei. Darum mag ich instagram so gern. Das ist quasi DIE Fair Trade Bio Delfinfrei Social Media Plattform.

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Einhornmoden

Es ist so: Hat man keine Kinder, gehen bestimmte Themen an einem völlig vorbei. Mit ziemlicher Sicherheit werden im Leben eines Ü30-Jährigen nur in den aller seltensten Fällen Einhörner eine wesentliche Rolle spielen. Anders wenn man Kinder hat. Dann gehören Einhörner in allen Varianten als fester Bestandteil zum Alltag.
Warum bestimmte Dinge Kinder so begeistern, lässt sich nur teilweise nachvollziehen. Sucht man nach einer Gemeinsamkeit z.B. zwischen Müllmännern, Piraten und Einhörnern, merkt man schnell, dass man sich in einer erklärungstechnischen Einbahnstraße befindet.

Selbst eine intensive Recherche zum Thema Einhorn liefert nur mäßig erleuchtende Einsichten.
Das Einhorn, das erst in der neueren Vergangenheit einem Pferd mit Horn auf der Stirn ähnelt, war ursprünglich ziegenhafter.  Denn kaum war das Hanfband erfunden, setzte sich die Ansicht durch, dass Ziegen besonders hübsch seien und Glück brächten, wenn sie nur ein einziges Horn besäßen. Kurzerhand band man den noch jungen Zicklein die vergleichsweise zarten Hörner zusammen und wartete darauf, dass sie in der Adoleszenzphase der Ziege zu einem einzigen Horn zusammen wuchsen. Das war noch deutlich vor dem Mittelalter. Wer sich mittelalterliche Kunst zu Gemüte geführt hat, dem wird gewahr sein, dass mangels perspektivischer Expertise die meisten Zeichnungen aus heutiger Sicht in Sachen Genauigkeit und Schönheit doch eher zu wünschen übrig lassen. Die zunehmende Verpferdung der Glückszickleindarstellungen sind demzufolge auf ein zeichnerisches Unvermögen zurückzuführen.

Ähnliche Entwicklungen gab es außerhalb des europäischen Raums durch fehlsichtige Entdecker wie Marco Polo, die das erste Mal auf Sumatra ein Nashorn sahen und ihre Erinnerungen zeichnerisch fehlerhaft festhielten und ihre Darstellung eher an ihnen bekannte Tiere wie dem Pferd anlehnten. Folglich ging dem Unicornus das ziegen- bzw. nashornhafte im Laufe der Zeit verloren und es wurde immer pferdeartiger.

Praktisch, denn dem Pferd sagte man ohnehin viele edle Eigenschaften nach – was sich außerordentlich gut mit dem Glauben vereinigen ließ, dass die Hörner der Einhörner über magische Fähigkeiten verfügten, Krankheiten heilen und sogar Tote zum Leben wiedererwecken könnten.

Durch den Fund vereinzelten Narwalhörner (, die eigentlich Zähne sind), die gerne von diversen Herrschern als Herrscherinsignien verwendet wurden, festigte sich der Glauben an Einhörner und deren magischen Fähigkeiten sich zunehmends.

Einhörner wurden mehr und mehr Symbol für das genuin Gute und kraftvoll Magische. Diese Symbolkraft scheint Einhörner für Kinder so anziehend zu machen.

Die Spielzeugindustrie hat das schnell erkannt und wirft Einhörner in pastellfarbenen Variationen auf den Markt. Wem Fillys oder die Schleich Elfenwelt ein Begriff sind, der weiß wovon ich spreche.

Natürlich wollte ich sowas nie kaufen. Aber wenn der Nachwuchs einen mit diesen großen, wässrigen Augen ansieht und mit fiepsiger Stimme nach Einhörnern verlangt, da vergißt man leicht seine Vorsätze.

Kaum bröckelt der innerliche Widerstand, mehren sich die Einhörner in den eigenen vier Wänden. Einhörnern in Kinderzimmern neigen jedoch dazu sich schnell zu erkälten, so jedenfalls die Informationen, die mir Kind 2.0 zukommen ließ. Sie brauchen UNBEDINGT Kleidung. Die wochenlange Google Recherche zu dem Thema “Kleidung für Einhörner” führte jedoch zu keinen Resultaten und so stand das Kind Tag für Tag da und forderte, ich solle was stricken.
Mein handarbeitliches Können ist dermaßen limitiert, dass ich sehr froh war, während eines Besuchs in einem schwedischen Einrichtungshaus zu entdecken, dass dort standardmäßig Einhornkleidung angeboten wird.

Beide Modelle kosten je 99 Cent und verfügen über ein Schweifloch sowie individuell an die Einhorngröße anpassbare Klettverschlüsse.

 

 

 

Und wem es tröstlich ist, schon große Lyriker wie Rainer Maria Rilke haben sich mit Einhörnern beschäftigt und in diesem Fall wird klar, dass der Unterschied zwischen fillyartigem Kitsch und hoher Dichterkunst nur maginal ist:

Das Einhorn

Der Heilige hob das Haupt, und das Gebet
fiel wie ein Helm zurück von seinem Haupte:
denn lautlos nahte sich das niegeglaubte,
das weiße Tier, das wie eine geraubte
‚hülflose Hindin‘ mit den Augen fleht.
Der Beine elfenbeinernes Gestell
bewegte sich in leichten Gleichgewichten,
ein weißer Glanz glitt selig durch das Fell,
und auf der Tierstirn, auf der stillen, lichten,
stand wie ein Turm im Mond,das Horn so hell,
und jeder Schritt geschah, es aufzurichten.
Das Maul mit seinem rosagrauen Flaum
war leicht gerafft, so daß ein wenig Weiß
(weißer als alles) von den Zähnen glänzte;
die Nüstern nahmen auf und lechzten leis.
Doch seine Blicke, die kein Ding begrenzte,
warfen sich Bilder in den Raum
und schlossen einen blauen Sagenkreis.

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