Wenn der Mann in weiß das sagt

Platzwunden und ihre Vorteile

Kind 1.0 mit Platzwunde am Kinn. Arzt im Krankenhaus: „So lange das heilt, nicht waschen.
Kind 1.0, in heller Begeisterung: „Das dauert doch mindestens 2 Wochen???“
Vater: „Am Kinn, der Arzt meint nicht am Kinn waschen…“
Kind 1.0, hoffnungsvoll Richtung Arzt blickend: „?“

Dieses Vorkommnis als Fortsetzung zu „Groß werden„.

Lieblingstweets 09/11

Da ich die Lieblingstweets bei anderen so gerne lese, hatte ich die grandiose Idee, selbst auch mal meine zu präsentieren. Als Ersatz für den #ff, den ich regelmäßig verschlafe.

Dinge, die man sich 2009 vorgenommen hat umsetzen. Teil 1: Twitter benutzen und Tweets faven. Edition: Augen wie ein Luchs.

[blackbirdpie id=“111196999767965696″]

[blackbirdpie id=“117317444481187840″]

[blackbirdpie id=“110059694852280320″]

[blackbirdpie id=“116560444856074240″]

[blackbirdpie id=“118926705837604864″]

[blackbirdpie id=“116086467834556416″]

[blackbirdpie id=“119709411798290432″]

Internetabhängig. Ich so – aus Gründen

560.000 sind internetsüchtig. Ich gehöre dazu. Und Du so?

560.000 Süchtige, weitere 2,5 Mio suchtgefährdet. So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Studie, bei der 15.000 Personen im Alter zwischen 14 und 64 Jahren per Telefon befragt wurden.

Noch vor 15 Jahren wäre das gar nicht möglich gewesen. Denn dann wäre bei den Betroffenen die Leitung permanent belegt gewesen. Jedenfalls nach 22 Uhr.

Mir wird ganz warm ums Herz, wenn ich an diese Zeit denke. Damals mit dem Analogmodem. Das Geräusch beim Einwählen. Diese wunderbaren Emailadressen an der Uni dasn.ufstud-psych@rar-pool.uni-bamberg-rchz.de.

Ich habe die Kriterien für Sucht wirklich gegoogelt. Genannt werden beispielsweise:

    • Für den Konsum sinnvolle Grenzen setzen und sie dann nicht einhalten können („Ich setze jetzt das Nudelwasser auf und gehe nur kurz ins Internet….“)
    • Das soziales Umfeld ist drogenorientiert („Oh cool, meine Freunde sind auch gerade online!“)
    • Der Konsum wird ständig rationalisiert („Ich schau nur mal schnell nach was Neutrinos eigentlich sind…“)
    • Die Droge wird als Motivator eingesetzt („Ich hänge jetzt schnell die Wäsche ab und dann kann ich noch eine Stunde online sein bis …“)

Hups. Überall einen Haken hintergesetzt? Schön reden kann man das jetzt nur noch wenn man Internetsucht von Internetabhängigkeit  abgrenzt. Die WHO macht das nicht, aber ich finde, dass man Sucht als Vertiefungsstufe von Abhängigkeit ansehen kann. Sucht würde im Vergleich zur Abhängigkeit zusätzlich so etwas wie Dosissteigerung beim Konsum und Beschaffungskriminalität umfassen.

Da ich noch  nie länger als 24 Stunden an einem Tag online war und auch noch nie einem meiner Freunde das Internet geklaut habe (oder Geld geklaut habe, um an Internet ran zu kommen), bin ich beruhigt.

Denn somit bin ich nicht süchtig, sondern lediglich internetabhängig.

Laut ICD/DSM gibt es Internetabhängigkeit übrigens gar nicht. Ginge ich zum Therapeuten oder Psychiater, diagnostizierte der nur eine „nicht näher bezeichnete Störung der Impulskontrolle“.

Wer gefährdet ist, sollte mal die  Broschüre Online sein mit Maß und Spaß der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung lesen. Die bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kennen sich mit Internet nämlich ebenso gut aus wie Metchild Ross-Luttmann mit Vorratsdatenspeicherung.

Auf Seite 11 wird zum Beispiel von den Gefahren des Internet gewarnt: „In sozialen Netzwerken besteht die Gefahr, dass die virtuellen Beziehungen wichtiger als die echten Kontakte werden.“

Wundervoll. Die Grenze zwischen virtuell und echt kann mir gerne mal jemand genau erläutern.

Als Psychologin ist für mich ohnehin interessanter zu sehen, was an diesem Internet so verführerisch ist. Meiner Theorie zufolge ist das nämlich so:  Eines der Grundbedürfnisse des Menschen ist das Affiliationsbedürfnis (s. Boulding, 1978, S. 196 ff). Mittels sogenannter Legitimitätssignale wird das Bedürfnis nach Anerkennung gestillt. Sich in sozialen Netzwerken aufhalten ist eine Form Legitimitätssignale zu sammeln bzw. auszutauschen. Man bekommt z.B. auf Twitter durch die Anzahl der Follower, Favs, Retweets und Replys (FFRR) signalisiert „Du bist ok, du gehörst in unsere Gemeinschaft“. Je mehr FFRR, desto mehr Legitimitätssignale.

Man kann den Like-Button auf Facebook als Legitimitätsspender in Reinform ansehen. Genauso sieht es aus bei Verlinkungen, Erwähnungen bei Google+oder bei Flattr. Seiten wie Favstar machen nichts anderes als die Anzahl der Legitimitätssignale optisch darzustellen.

Zusätzliche Anerkennungssymbole sind denkbar. Wer im Internet sehr aktiv ist und deswegen zu Lesungen eingeladen wird, Preise erhält, in den Lieblingstweets des Monats bei anderen erscheint, die Möglichkeit bekommt Artikel in Zeitungen und Magazinen zu veröffentlichen … dessen Legitimitätsspeicher ist randvoll und sein Affiliationsbedürfnis befriedet.

Das macht das Internet so verführerisch.

Und jetzt FFRRt mich. Ich gehöre zu den 560.000. Ich will das.

——-
Die vollständige Studie zum Thema Internetsucht kann man sich selbst durchlesen. Allerdings ist die nicht so wirklich spannend. Es sei denn man steht auf Statistik und SPSS.

Sonntazfrage: Sind die Piraten links?

Einer zu den Piraten geht noch. Mein Beitrag zu der Sonntazfrage „Sind die Piraten links?“

Falls es jemand noch nicht gemerkt hat. Ich habe das Genre gewechselt und bin jetzt Politbloggerin (Fragen zum Thema Lifestyle und aktuellen Trends beantwortet zukünftig Felix Schwenzel). Deswegen wurde ich von der TAZ gefragt, ob ich nicht Lust hätte einen Beitrag zu der Frage „Sind die Piraten links“ zu schreiben. Habe ich gerne gemacht. Allerdings fand ich meinen ursprünglichen Entwurf ein bisschen fetziger (wie Mama sagen würde).

Patricia Cammarata (36) bloggt seit über sieben Jahren auf dasnuf.de und ist beinahe doppelt so alt wie der die durchschnittliche Abgeordnete der Piratenpartei

Links ist, wo der Daumen rechts ist. Das wäre das ideale politische Motto für die Piratenpartei. In ihrer Krippenzeit distanzierten sie sich nicht ausreichend von politisch rechts gefärbten Ideen. Googeln hätte geholfen. Sowohl Popp als auch Baum. Letzterer hätte rausfinden können, dass man für Tausend Millionen eigentlich Milliarden sagt (und „63 Milliarden“ sind wahrlich leichter auszusprechen als „3.014.237„).

Glaubt man den Wahlplakaten, machen sich die Piraten klar zum ändern. Tradierte Staats- und Gesellschaftsformen auflösen wollen, das entspräche eher einer politisch links gerichteten Haltung.

Doch was sie genau ändern wollen und v.a. wie, bleibt bis heute zum größten Teil ein Geheimnis. Sie politisch einzuordnen, ist schwierig weil sie  kaum ein Wahlprogramm haben. Die wenigsten Themen sind differenziert ausgearbeitet. Da reicht es nicht aus, willig zu sein seine Defizite aufzuholen.

„Bist Du immer so streng mit Fünfjährigen?“, wurde ich neulich von Felix Schwenzel (wirres.net) gefragt. Tatsächlich vertrete ich die Haltung, dass Vorschüler schon wissen sollten, dass Politik eine ernste Sache ist.

Deswegen liebe Piraten: Kl4rm4ch3n zum Sch31t3rn

————-

Alle Beiträge zur Sonntaz-Frage gibt es offline am Kiosk – liken kann man die Sonntaz auf Facebook. Ob die Piraten links sind, haben die Piraten übrigens auch schon beantwortet. In der TAZ beziehen dazu Stellung: Oliver Höfinghoff (Piraten Berlin), Gesine Lötzsch (Die Linke), Helga Hansen (Mädchenmanschaft.net), Bert Blank (Leser aus Bamberg), Sebastian Nerz (Piraten) und Hans-Christian Ströbele (Bündnis90/Die Grünen). Ich gehe mir jetzt jedenfalls erstmal die Sonntaz kaufen.

————–

Ab morgen schreibe ich nur noch über Mascara, Stöckelschuhe und ggf. Kinderkotze -nicht dass da ein falscher Eindruck entsteht. Wer möchte, folgt mir trotzdem auf Twitter, Formspring, Google+ oder Facebook.

 

Authentizität schön und gut…

Authentisch zu sein, mag sympathisch machen – aber ob das alleine reicht um ein Land (mit)zuregieren?

Sascha Lobo, der sonst natürlich immer recht hat, schreibt in seinem Artikel über den Wahlerfolg der Piraten „Eingestandenes Unwissen wirkt kompetenter als entlarvtes Unwissen . Das mag für die Alltagskommunikation zutreffen und Frau Koch-Mehrin hätte mit einem ehrlichen „Oh, da habe ich leider rein gar keine Ahnung von“ sicherlich das ein oder andere Mal die klügere Antwort gegeben – aber in der Politik geht es nicht um Sympathien. Halt – geht es leider doch oft, sollte es aber nicht gehen.

Persönlich möchte ich, dass mein Volksvertreter sich besser auskennt als ich. Schön – der Identifikationswert ist vielleicht höher, wenn man feststellt: Hey, der Andreas Baum, der hat ja ebenso wenig Ahnung von Wirtschaft und Politik wie ich. Aber meine Interessen als Politiker sollte er deswegen noch lange nicht vertreten.

Die Gesellschaft mag die inszenierten Persönlichkeiten schon lange satt haben – das Gegenteil – der authentische Mensch von der Straße – das kann (zumindest für die Politik) auch nicht die Lösung sein wenn das Ganze mit Unwissenheit verbunden ist.

Ich will jemanden, der sich nicht inszeniert aber trotzdem Ahnung hat.

In einem ganz anderen Kontext habe ich folgende Zeilen verfasst: Nehmen wir an, ich baute ein Haus. Das Haus sollte Wände, Decken, Fenster und Treppen haben – jedoch beauftragte ich einzig einen Schreiner. Der hatte einen schicken Flyer, ist Fensterexperte und Holzdielen kann er auch verlegen. Mit dem Rest, so bedauert er, kenne er sich derzeit noch nicht so aus, er sei jedoch willens, seine Defizite aufzuholen. Das Geld zum Hausbau überweise ich ihm vorab.
Irrational? Seltsam. Immerhin haben vergangenes Wochenende 129.795 BerlinerInnen genau das getan. Eine Partei gewählt, die in einigen wenigen Themen inhaltlich gut aufgestellt ist und in allen anderen Themen versichert „sehr schnell zu sein, was das Lernen angeht“.
Die Piraten sehen sich selbst als „weiche Themenpartei“ und nicht als Allrounddienstleister. Eine ernstzunehmende Partei sollte aber Sachverstand in allen nötigen Bereichen aufweisen, wenn sie ein Land (mit-)regieren möchte.

Das Bedürfnis nach Unverstelltheit mag den Erfolg der Piraten erklären, es rechtfertigt ihn jedoch noch lange nicht. Dieter Bohlen ist übrigens auch total authentisch und hat keine Ahnung von Politik. Soll er deswegen Abgeordneter im Berliner Abgeordenetenhaus werden?

Sterntaler wider Willen

Annette hatte vermutlich die allerbesten Eltern in der Schule – vermutlich der ganzen Stadt. Annette hatte nämlich Marmeladenbrote in ihrer Brotbüchse auf der Sara Key Mädchen abgebildet waren. Meine Eltern hatten mich nicht so lieb. Meine Brote waren in Brotpapier eingeschlagen und ich hatte Thunfischcreme drauf.
Heute in ca. 30 Jahren wird Kind 1.0 vermutlich etwas ähnliches in irgendeinem ultramodernen Infranet posten. Denn wir schlagen dessen Brote auch nur in Butterbrotpapier ein. Was anderes können wir uns nicht mehr leisten. Im ersten Schuljahr hat Kind 1.0 sieben Brotdosen verloren. Die Anzahl der Brotdosen mit unbekannten Verbleib verdoppelten sich im zweiten Schuljahr. Bis zum fünften Schuljahr ist die Zahl jedoch logarithmisch exponentiell gestiegen. Selbst wenn wir die Brotdosen bei Billigdiscountern gekauft haben, hatten wir ein Defizit von 56.765 Euro zu verbuchen. Plus 75.976 Euro für die verschwundenen Trinkflaschen.
Deswegen schlagen wir die „Brote“ in Butterbrotpapier ein und es bekommt Pfandflaschen mit, die wir in regelmäßigen Abständen austauschen.
Ich schreibe Brote in Anführungszeichen, weil Kind 1.0 schon lange keine echten Brote mehr mit bekommt. Denn wir packen ihm Pressspanplatten ein. Die mühevoll geschmierten Brote, hat es nämlich immer weggeworfen – egal was drauf war. Ihm nichts mitzugeben erschien uns lieblos. Also haben wir uns entschieden Holzstücke in Brotpapier zu verpacken.

Wenn man mal von den vergessenen Jacken, Helmen, Schlüsseln, Handys und Turnsachen absieht, spart das eine Menge Ärger.

(Wie man Informationen aus Schulkindern rauspresst, verrate ich übrigens hier.)

Groß werden

Die frühe Kindheit ist ein Klacks gegen das was einen nervlich erwartet wenn die Kinder im Übergang zum Erwachsenwerden sind. Eine Versuchsreihe soll herausfinden, welche Erziehungsmethode die besten Ergebnisse bringt.

Kaum ward das erste Kind geboren, häuften sich die aufmunternden Worte in der Umgebung: „Das erste halbe Jahr, das ist der Horror.“ Das erste halbe Jahr kam und ging und nichts passierte. „Warte nur, bis die Zähne kommen! Ein Albtraum!“ Die Zähne kamen und nichts passierte. „Wenn die mobil werden! Stress ohne Ende“. Nichts passierte. „Die Trotzphase!“ Nichts! “

So zogen die Jahre ins Land und plötzlich ebbte das Warnen ab.

Völlig zu unrecht! Denn heute frage ich mich: Warum warnt eigentlich niemand vor den großen Kindern? Sie können laufen, sprechen, sich selbst essen machen, Handys bedienen, selbständig an Dinge denken, … jedenfalls theoretisch. Theoretisch erreichen Kinder relativ schnell ein Alter in dem sie relativ eigenständig existieren könnten und es war durchaus mein Wunsch eigenständige Kinder zu haben. Doch vom Eifer des Vorschülers ist bald nichts mehr übrig.

So steht Kind 1.0 z.B. heute morgen in der Küche und trägt einen Pullover, den es schon am Sonntag, Samstag, Freitag, Donnerstag und Mittwoch an hatte. Weiter erinnere ich mich nicht zurück. Ich vermute also, dass es das Kleidungsstück auch schon am Dienstag und Montag trug.

Am Montag Morgen möchte man nicht gleich schlechte Stimmung sähen, also frage ich [scheinheilig]: „Ach, hattest Du den Pullover nicht schon gestern an?“ „Nein, da irrst Du Dich, gestern hatte ich einen Pullover an, der sieht so ähnlich aus. Er hat keinen Aufdruck und dafür eine Kapuze, er ist rot und nicht blau, aber nein DIESEN hatte ich nicht an.“ „Weißt Du,“ informiere ich das Kind „Ich bin weder blöd noch farbenblind und deswegen denke ich, Du solltest jetzt zurück ins Zimmer gehen und Dich umziehen…“

Das Kind, außer sich vor Wut, trampelt ins Zimmer zurück. Wir würden es auch immer wieder zum Duschen zwingen! Wir seien sowas von streng! Auch das Wechseln der Socken forderten wir regelmäßig ein! Wie es dadurch unter Druck gesetzt würde, darüber machten wir uns wahrscheinlich nie Gedanken! Vom Händewaschen und anderen abstrusen Forderungen gar nicht zu sprechen! Zähne putzen sogar mehrmals täglich! Die Kinderhotline würde es anrufen, wenn es so weiter ginge mit uns Despoten!!!

Da bin ich noch mal in mich gegangen und habe die Männer in meiner Umgebung geprüft. Tatsächlich wechseln gut 80% relativ regelmäßig ihre Kleidung und nur wenige müffeln. Ein Großteil hat mit 35 noch alle Zähne und recht viele haben einen stattlichen Beruf.  Ich entschließe mich eine Versuchsreihe unter meinen Kindern zu starten. Das erste werde ich jetzt einfach nicht mehr ermahnen – zumal ich bereits die Erfahrung gemacht habe, dass alles meckern völlig ohne Effekt bleibt. Das zweite ständig. Das dritte intermittierend. Wollen wir doch mal sehen, welches dann das beste und klügste wird!