Dinge, die bei uns keine Tradition haben, sollen auch keine Tradition werden. Dafür sorge ich. Schon letztes Jahr klingelte es am 31.Oktober an unserer Tür und eine Horde dilettantisch geschminkter Kinder verlangte Süßes.
Damit ich nicht Jahr für Jahr meine kostbaren Süßigkeitsvorräte an das Pubertätsprekariat abgeben muss, habe ich mir dieses Jahr was ganz Besonderes ausgedacht.
Ich drehe mir die Haare auf Lockenwickler, trage eine Schlammmaske auf, reibe mir Zwiebeln unter die Achseln, verteile Hackfleischstückchen zwischen meinen Zähnen und wische mit meiner ältesten Jogginghose schnell noch die Breireste der letzten Tage auf, bevor ich sie anziehe. Dann warte ich.
Tatsächlich! Kurz vor 20 Uhr höre ich das ersehnte Türläuten. Ich stecke noch schnell die letzte Pupu-Windel in die Hosentasche und öffne mit grimmiger Miene.
Vor mir stehen Freddy Krüger, Jason Hockey und der Scream-Mörder. Ich kann ihre Gesichter nicht sehen, aber aufgrund ihrer Größe schätze ich sie auf maximal zwölf.
Stille im Hausflur. Der Mutigste sagt mit zögernder Stimme „Süßes sonst gibt’s Saueres“.
Darauf habe ich natürlich gewartet und kontere mit: „Ik hab nüscht Süßes, dann nehm ik wohl dit Saure wa?“.
Was können sie schon Saueres für mich haben? Junior-Jason wird wohl kaum mit seiner Baby-Kettensäge die Tür in Stücke sägen, lache ich in mich hinein.
Doch wie so oft habe ich die Jugend unterschätzt.
Einer zückt eine Stimmgabel, die er gegen den Türrahmen schlägt. Die anderen ahmen den Ton nach.
„Ahhhhhhhhhh“ singen sie gemeinsam und dann krakeelen sie mit den grauenerregenden Stimmen des Stimmbruchs Es ist ein Ros’ entsprungen.
Heute
Der Tag an dem ich fast eine Diät begonnen hätte.
Dann war aber das Frühstück so lecker, dass ich drei Portionen essen musste.
Man kann eben nie genug fernsehen
Mist, schon wieder eine lustige Sendung verpasst! Das schlimmste, man kann es nicht mal auf Youtube nachsehen… (Aber das sollte man auch mal gesehen).
Sieg des guten Geschmacks
Wenn es zu einer Kommunikation der folgenden Art zwischen Kind 1.0 und mir kommt, weiß ich: Geschmackstechnisch haben wir was erreicht!
Kind 1.0 im Ringcenter vor dem „Modeladen“ x-it: Oh cool, ein ganzer Laden mit Halloweenklamotten!
Ich breche in schallendes Lachen aus.
Kind 1.0 verunsichert: Äh, oder ist das nur Fasching?
Nie mehr Langeweile
Mein fortgeschrittener Säugling kann jetzt laufen und selbst kochen. Stubenrein ist er schon lange. Die Langweile in der Elternzeit kannte kaum noch Grenzen. Kannte, Sie lesen richtig. Zum Glück machte mich mein Freund auf eine bezaubernde Beschäftigungsmöglichkeit aufmerksam.
Unter Bernd das Brot -> Fun -> Im Bild nach rechts -> unten neben dem Sessel das Puzzle klicken
Ausgekuschelt
Um ehrlich zu sein, eine schmerzmittelfreie Geburt ist kein Picknick. Doch muss ich zugeben, dass ich von der körpereigenen Opiatausschüttung beeindruckt war. Rückblickend ist diese Erfahrung gegen das was man während der Stillperiode durchlebt ein laffer Scherz.
Ich war noch nie für meinen Sanftmut und meine Menschenfreundlichkeit bekannt, doch in den ersten sechs Lebensmonaten unseres Babys hätte ich selbst Mutter Theresa alt aussehen lassen können.
Ich quoll vor Verständnis und Nächstenliebe über. Ich war ein lebendes Wattebausch.
Das hat jetzt ein Ende.
Endlich kann ich wieder unfähige Verkäufer anschreien.
Dummen, durchaus voll gehfähigen Menschen hässliche Fäkalwörter zurufen, wenn sie unnötig Aufzüge verstopfen und ich kann andere Kinder ätzend finden.
Damit ich meine eigenen Kinder weiterhin knuffig finden kann, verhaue ich ihnen vorsorglich jeden Abend den Po. Sonst kommt es am Ende noch zu solchen Szenen:
Kind betritt mit Mama heulend den Bus.
– Mama, Luftpallo weg wähehhhääähhh
– Armes, Kind, ja der eine Luftballon ist weg, aber Du hast ja noch den anderen, den gelben!
– Wähhääähääää will abba Luftpallo habe!
– Ja, aber der ist weg!
– Luftpallooooooohooo wähhhäää!
– Da bist Du jetzt sehr traurig was?
– Willä Luftpalloohooo habeeeeäääähhhhwäähh!
– Ja, das verstehe ich, aber der ist weggeflogen.
– Mama rennt ganz schnell, aber Luftpallo weg. WÄÄÄHÄÄÄHÄÄÄÄ!
[Der Dialog zieht sich weitere 17 Stationen hin]
Warum flippt die Mutter nicht aus? Stillt sie noch? Das Kind ist deutlich über zwei. Sie muss das Kind ja nicht schlagen, es wäre doch schon ausreichend den verbliebenen, gelben Luftballon zu zerstechen und das Kind mit einem Schal zu knebeln.
Aber verstehe einer die Erziehungsmethoden der anderen Leute…
Schlaflos forever
Man kennt das. Kaum ist ein neuer Artikel erworben und man hat ihn nach Hause geschleppt, schon verspürt man den Handlungsdruck das besagte Ding auszuprobieren.
Max Goldt hat das sehr anschaulich nach dem Erwerb eines Superklebers beschrieben. Der Kopf sagt nein, doch es dauert nicht lange und schon hat man die Kühlschrankdichtung zugeklebt.
Ich bin auch nur ein Mensch, mir geht’s nicht anders. Allerdings habe ich keinen Klebstoff sondern einen Kaffeevollautomaten erworben. Gesundheitlich nicht weniger bedenklich.
Hatte ich es in der Schwangerschaft noch geschafft völlig auf Kaffee zu verzichten, bin ich jetzt bei 27 Tassen Latte Macchiato am Tag.
Das Baby schläft brav durch, doch ich bin immer noch schlaflos.
Da liege ich mit pochendem Herzen und schweißigen Fingern und denke nur an das eine: Der Vollautomat, köstliche Crema auf dem Espresso und fluffig zart geschäumte Milch.
Ich stehe auf und tue es erneut.
So verbringe ich die Nacht mit weit aufgerissenen Augen, betrachte die Schattenspiele an der Decke und höre dem Rest der Familie beim Schlafen zu.
Wenn sie um 6.30 Uhr aufwachen, ist alles erledigt. Das Kind 1.0 hat frische Schulbrote (LINK), das Baby das Morgenfläschchen und der Mann muss einen zehnfachen Espresso trinken.
Es ist so wunderbar einen Vollautomaten sein eigen zu nennen.
