Unser Baby hat 432 Strampler. Es sind sehr schöne Strampler – außergewöhnlich schöne Strampler. Ich habe sie alle bei e*b*a*y ersteigert und weil sie so hübsch sind, kann ich sie leider nicht wieder verkaufen. Ich muss sie aufheben. Für unsere anderen sieben Kinder und natürlich für deren Kinder.
Es waren alles Schnäppchen. Kaum einer hat mehr als zwei Euro gekostet. Trotzdem macht mein Freund ein langes Gesicht. Er spricht von „Steigersucht“.
Das ist totaler Blödsinn! Sie waren doch alle so günstig! Günstiger bekommt man sie nirgendwo. Außerdem sind sie alle neu, noch nie getragen, Geschenke und ehe der ursprüngliche Besitzer sich versieht, ist dessen Baby rausgewachsen. Also alles Neuware! Steht jedenfalls in den Artikelbezeichnungen.
Außerdem fördert e*b*a*y die sozialen Kontakte. Das darf man auch nicht übersehen. Z.B. sehe ich den Hermes-Boten täglich rund drei Mal. Ich frage ihn dann wie die Morgenrunde war und ob er mit Mittagessen mag.
Mein Baby macht schon Winke-Winke wenn es Autos mit Hermes-Logo sieht. Außerdem sagt es „MAMA“, wenn es Computer entdeckt.
Ich verstehe nicht, wieso sich mein Freund da so aufregt. Immerhin kann es sprechen.
Er hat doch tatsächlich eines dieser Programme gekauft, das den Zutritt zu bestimmten Internetseiten verweigert. Nicht mal in Word kann ich das Wort e*b*a*y jetzt mehr schreiben!
Ich werde Männer nie verstehen. War doch alles so billig!
Das Ende der Niedlichkeit
Wenn man ein Neugeborenes hat und es öffentlich herumträgt, strömen von allen Ecken und Enden Menschen herbei, um in die Hände zu klatschen und zu rufen „Ach, das ist aber noch ganz frisch. Wie niedlich!“. Dann betatschen sie es.
Mit dem jakobsonschen Organ eines Aals und den 30.000 Augen einer Libelle scanne ich die Fremden. Zigarettenrauch, altes Fett, Schweiß, schmutzige Finger, eiternde Blasen und Nagelmykose überall!
Ich drücke meinen Säugling an mich, zücke eine Fliegenklatsche und wedele die verkeimten Greifer weg.
Mit der Zeit jedoch härtet man ab, denkt an das kindliche Immunsystem und hält das Baby selbst den interessierten Punkerhunden unter die Nase.
Immerhin erntet man dafür Komplimente und Ausdrücke des Wohlgefallens.
In dieser Phase der Glückseligkeit verharrt man einen weiteren Monat. Doch dann kommt eines Tages der Tag des Erwachens.
Das Baby ist schon vier (!) Monate als sich eine ältere Frau dem Kind, das im Tragetuch an meinem Dekolletee gedrückt befindet, nähert.
„Ach, was haben Sie denn da?“ Ihre Augen strahlen. „Was ganz Kleines noch?“ Sie streckt mir ihre knochigen Finger entgegen. Ich lächle (… die Hormone!).
Sie schaut aufs Kind und ihre Mundwinkel fallen nach unten.
„Bah! Ist ja schon groß!“ und wendet sich ab.
P.S. Schaaahaaatz, wir brauchen Nachschub!
Anblick des Tages
Kurz vorm Herzinfarkt stehender Manager in teuerem Anzug, der inmitten einer Horde seifenblasenblasender Kinder steht und wie verrückt nach den Seifenblasen schlägt, damit keine seinen Anzug erreicht und versaut.
Why me?
Nehmen wir an Sie haben Nachwuchs. Nehmen wir an, ihr Nachwuchs liebt Spinnen. Nehmen wir weiterhin an, ihr Nachwuchs verweigert jegliche Nahrung, es sei denn, es sind in ausreichender Menge Spinnen enthalten. Haarige, versteht sich. Haarige, die innen mit grünem Schleim gefüllt sind und stinken.
Sie stehen also in der Küche, schauen ein Nudelholz haltend auf die Spinne (sie lebt noch), schauen auf Ihren Zögling, der lächelt sie erwartungsfroh an und schmatzt mit geröteten Wangen.
Was bleibt Ihnen da übrig? Sie holen aus, braten der Spinne eins über, sie platzt, sie rupfen ihr die zappelnden Beinchen ab, halbieren den Körper und werfen alles zusammen in einen Mixer.
Den fertigen Brei machen Sie heiß und wenn sie ihn füttern (er stinkt immer noch wie eine Furzbombe), halten sie den dampfenden, mit Spinnenbrei behäuften Löffel an Ihre Lippen. Schließlich wollen Sie nicht, dass Ihr Baby sich verbrennt.
So ist mein Leben. Das stehe ich jeden Tag durch. So ist das Leben einer Obstphobikerin, deren Kind nichts anderes als Obst essen möchte.
ZZZzzzzz zzzzzz zzzzzz!
Das Baby ist nun nicht mehr mustergültig. Es schläft zwar brav und ohne Protest ein, jedoch mag es nicht im eigenen Bett schlafen, sobald die Eltern ins Bett schleichen. Jede Stunde krakeelt es und tut so, als habe es die letzte Nahrung vergangene Woche erhalten.
Damit meine Entbehrungen nicht völlig umsonst sind, halte ich meine Beobachtungen hinsichtlich Schlafentzug und ihren Folgen in einem kleinen Heftchen für die Somnologie fest.
Notiz 1 (10 Tage maximal 40 Minuten Dauerschlaf, gesamte Schlafmenge auf 24 Stunden: 240 Minuten):
24 h: Kind liebevoll aus der Wiege nehmen, stillen.
01 h: Kind liebevoll aus der Wiege nehmen, stillen.
02 h: Kind aus der Wiege nehmen, stillen.
03 h: Kind streicheln, sieben Strophen „Der Mond ist aufgegangen“ singen, Kind aus Wiege nehmen, stillen.
04 h: Kind streicheln, leise gut zureden, fünf Strophen „Die Blümelein, sie schlafen“ singen, Kind aus der Wiege nehmen, Kind schläft sofort ein, Kind in Wiege zurück legen, Kind aus der Wiege nehmen, stillen.
05 h: Leise weinen und Kind gut zusprechen, Kind von Augenringen und dem unbändigen Bedürfnis nach Schlaf berichten, sinnloses Zeug singen, Kind aus der Wiege nehmen, Kind schläft sofort ein, Kind in Wiege zurück legen, Kind aus der Wiege nehmen, stillen.
06 h: Der Wecker klingelt. Kind schläft.
Tagsüber schreckliche Müdigkeit verspüren. Wenn Menschen mit mir sprechen, werden ihre Stimmen leiser, ihre Gesichter verwischen, ich sehe Farben.
Notiz 2 (14 Tage maximal 40 Minuten Dauerschlaf, gesamte Schlafmenge auf 24 Stunden: 240 Minuten):
24 h: Kind liebevoll aus der Wiege nehmen, stillen.
01 h: Kind aus der Wiege nehmen, stillen.
02 h: Aus Bett kriechen, an Wiege robben, an Gitterstäben hochziehen, Kind aus der Wiege nehmen, auf Boden zurück sinken, stillen.
03 h: Mit Kind am Bauch auf Boden aufwachen, versuchen irgendwas zu sagen, stillen.
04 h: Über Gitterstäbe des Kindbettchens gebeugt aufwachen, Kind streicheln, versuchen Kind aus Bettchen zu nehmen, in Bettchen fallen, stillen.
05 h: Wirres Zeug faseln, Baby mit Kissen verwechseln, durch gezielten Griff ins Auge geweckt werden, stillen.
06 h: Der Wecker klingelt. Kind schnarcht.
Tagsüber nur Einwort – bis maximal Zweiwortsätze, um mit anderen zu kommunizieren. Microschläfchen über Kinderwagen gebeugt halten.
Notiz 3 (21 Tage maximal 40 Minuten Dauerschlaf, gesamte Schlafmenge auf 24 Stunden: 240 Minuten):
Halluzinationen. Totaler Gedächtnisverlust. Morgens unter Babybett mit Kind an Brust aufwachen, sich an nichts erinnern.
06 h: Der Wecker klingelt. Kind schläft selig, es sieht so niedlich aus. Hach!
Schahaaatz, die Gelben haben wieder Junge!
Ich bin wirklich nicht eine von diesen Frauen, die leere Fruchtzwergebecher aufhebt, um Soßenreste vom Vorabend für später einzufrieren. Deshalb verstehe ich überhaupt nicht wieso mein Freund sich darüber lustig macht, dass ich Kartons und Umschläge für den ebay-Versand sammele.
Er sagt, ich solle sie wenigstens getrennt legen, so dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren.

Postgravidäre Tipps
Vergesst Sport und Diät, kauft Stretchhosen.
Unwissend
Wie bei der Babykacke kenne ich mich mit dem Reifegrad bestimmter Gemüse- und Obstsorten auch nicht aus. Dennoch klopfe und drücke ich darauf rum bevor ich mir z.B. Melonen oder Avokados kaufe. Zuhause stelle ich dann fest, dass ich erneut zielsicher zum total unreifen Produkt gegriffen habe*. Wahrscheinlich habe ich darüber so häufig und laut geweint, dass ein Nachbar unten abgebildetes Produkt „erfand“.
Sowas macht mich glücklich. Lediglich in Anbetracht der Sorte (s.u.) mache ich mir Sorgen.

* Unreife Avokados (wieso eigentlich nicht Avokadi) werden übrigens nicht genießbarer wenn man sie für kurze Zeit in die Mikrowelle legt.