
Durch die Blogosphäre schleicht wieder das „Früher war alles besser“-Tierchen. In diversen Blogs, zuletzt im jawl-Blog lese ich wie beklagenswert es im Grunde doch sei, dass es einigen Bloggerinnen und Bloggern gelungen ist mit ihrer Bloggerei Geld zu verdienen.
Zugegebenermaßen fühle ich mich da angesprochen.
2004 habe ich angefangen zu bloggen. Ganz ohne Hintergedanken, einfach an der Lust zu schreiben und wahrscheinlich auch, weil ich ein Mitteilungsbedürfnis hatte und mein Freundeskreis schon alle Storys kannte.
Ich habe nie auf die Zugriffszahlen geschaut und war der festen Überzeugung, dass ich ungefähr fünf Leserinnen und Leser hätte.
2005 war ich dann sehr überrascht bei Zeit Online einen Preis gewonnen zu haben. Wer außer Mutti liest denn noch mit?
So entwickelte sich die Bloggerei. Ich war ein paar Mal im Radio, hab einige Vorträge gehalten, an einem Buch mitgewirkt, ein eigenes Buch geschrieben und irgendwann auch Geld mit Werbung verdient.
Buuuuhhhh!
Ich überspringe den „bloggen kostet auch Zeit und Mühe, wäre es da nicht schön, wenn man dafür entlohnt würde-Vortrag“ und weise nur auf eine Buchrezension, die mich doch sehr zum Lachen gebracht hat:
Ich liebe den Familienblog der Autorin (dasnuf.de), weswegen ich mir sofort nach Erscheinen das Buch der Autorin gekauft habe, in der Hoffnung auf neue, unbekannte und längere Episoden aus dem Leben von Frau Cammarata zu stoßen. Ich liebe ihre unkomplizierte Art zu schreiben und ihren Humor.
Leider kannte ich ca. 90% der Kurzgeschichten aus Ihrem Blog, den ich regelmäßig verfolge. Daher war das Buch in meinen Augen das Geld einfach nicht wert.
Da ist also jemand, der vielleicht seit 2004 mitliest. Über 2.500 Artikel kostenlos gelesen hat, sich daran mal mehr mal weniger erfreut hat, die ein oder andere Anregung mitbekommen hat und sich dann ärgert (damals) 8,99 Euro ausgegeben zu haben. Dafür dass es neue Geschichten, großartige Zeichnungen und ein Lektorat gab. OK.
(Das treibt mir umso mehr die Tränen der Rührung in die Augen, wenn ich daran denke, dass viele meiner Bloggerfreundinnen sich das Buch gekauft haben, obwohl sie ein kostenloses Rezensionsexemplar hätten haben können – aber so sind die Bloggerinnen eben – geldgierig!)
Ups, jetzt hab ich den Vortrag doch gehalten.
Apropos Zugriffszahlen. Ich habe irgendwann den Provider gewechselt und deswegen nicht alles lückenlos mitgebucht, aber seit 2009 hatte ich 4,5 Mio Seitenbesucher. Wenn ich da seit 2004 für jeden Klick 20 Cent bekommen hätte, nun, Sie dürfen mir glauben, ich hätte nie übers Werbungmachen nachgedacht.
Mal abgesehen davon kommt es vielen auch nicht in den Sinn, dass es in Sachen Vereinbarkeit kaum was besseres geben kann als mit dem Bloggen Geld zu verdienen.
Das kann man nämlich immer und überall, mit Baby und Teenagern, mit eins, zwei, drei und vier Kindern machen, mit gesunden Kindern und mit kranken.
(Hihi, ihr Influenza. Hahaha.)
Schön alle Bloggerinnen und Blogger über einen Kamm scheren. So ist fein.
Ich gebe mir zum Beispiel sehr große Mühe, sehr klar zu kennzeichnen. Auf Twitter verwende ich sogar ein Hashtag, so dass man die Werbebeiträge rausfiltern kann. Im Feedreader ist das Wort Werbung so deutlich in der URL, dass man einfach den Beitrag nicht klicken muss.
Dass dieses stetige – ih, die werben jetzt, wo geht sie hin, die Authentizität auch dazu beiträgt, dass manche davon absehen ordentlich zu kennzeichnen, das könnte ja auch mal einen Gedanken wert sein.
Dass es außerdem ein Privileg ist, es sich leisten zu können (zeit- und geldmäßig) kostenlos zu bloggen, wird ebenfalls nie erwähnt.
Denn entweder man ist die nicht ernstzunehmende Back- und Bastelmutti, die so dämlich ist kostenlos zu bloggen oder man ist das geldgierige, unauthentische Ekelwesen. Dazwischen gibt es nichts.
Ich verstehe diese Haltung nicht.
Auf der einen Seite soll ich bitte kein Geld verdienen, auf der anderen Seite wird gemeckert, weil mein Indie-Plugin nervt oder die Seite nicht für mobile Endgeräte optimiert ist. Das soll ich doch bitteschön mal fixen.
Tatsächlich gibt es Blogs von früher, die ich heute nicht mehr lese, weil dort nur Werbung zu lesen ist. So what? Muss ich mich deswegen theatralisch beschweren? (Mache ich nur, wenn es Schleichwerbung ist)
Es gibt außerdem ganz viele tolle neue Blogs, die es früher™ nicht gab.
Und es gibt etablierte Blogs, die Werbung machen, die ich total gerne lese. Weil ich nämlich sehe, dass sie nur dann eine Kooperation eingehen, wenn es passt.
Glänzendes Beispiel Susanne Mierau von geborgen-wachsen. Ich habe auch schon Dinge gekauft, die sie empfohlen hat. Hui! Werbung funktioniert.
Sie soll bitte ordentlich Geld verdienen, damit sie sich leisten kann auf immer und ewig weiterzuschreiben.
Das wünsche ich allen Blogs und Podcasts, die ich regelmäßig konsumiere.
Aber weil sich viele so anstellen, dass man teilweise Geld mit Blogs und Podcasts verdienen kann, wird in Zukunft eines passieren: Angebote werden hinter Paywalls verschwinden.
Da kann dann höchst authentisch weitergebloggt werden. Das haben sich die „Früher war alles besser“-Menschen dann redlich verdient.
(Ja, sorry, ich hatte ein Gefühl und bin jetzt maulig)
Jetzt muss ich aber in meinem Geldspeicher schwimmen gehen bzw.














