P’takh wer’s nicht zu schätzen weiß

Der Wolf, das Lamm auf der grünen Wiese
HURZ!
Und das Lamm schrie HURZ!

Der Wolf, das Lamm, ein Lurch lugt hervor

1991 (!) schrieb Hape Kerkeling als Tenor Pjotr Stianek Fernsehgeschichte. Er präsentierte vor interessiertem Publikum sein Musikstück „Hurz!“. Ich fühlte mich gestern als ich der klingonischen Oper u lauschte, auch ein bißchen hurz.

Nichtsdestotrotz kann ich reinen Gewissens sagen, dass u die beste Oper war, die ich in meinem Leben bislang gehört habe (was zu einem nicht unwesentlichen Teil daran liegt, dass u die erste Oper war, die ich in meinem Leben gehört habe).

Inszeniert wurde u vom niederländischen Klingon Terran Research Ensemble.
Beeindruckend waren für mich v.a. die Musiker, die original klingonische Instrumente spielten. Darunter z.B. der Dov’agh (Anne La Berge), die Supghew (James Hewitt) und nicht zu vergessen, die ´In (Juan Martinez), welche mit Hilfe der mupwI’Hom gespielt wurde.

Da ich weiß, dass man die klingonische Seele nur verstehen kann, wenn man auch ihre Lieder und Mythen zu schätzen weiß, war der Opernbesuch für mich ein Muss. Zumal ich so endlich die komplette Geschichte von Kahless kennenlernen konnte und somit auch endlich den Ursprung des Bat’leths kenne.

Bleibenden Eindruck hat Michael Mason, der Master of Scream, bei mir hinterlassen. Sein Klingonisch war wirklich hervorragend und beinahe akzentfrei. Der Master of Scream führte durch die Handlung und wies das Publikum an den entscheidenten Stellen an mitzuschreien. Ein sehr befreiendes und großartiges Erlebnis.


(Das Publikum stimmt ein in Lukanas Schrei)

Am Ende jedenfalls stehende Ovationen und das nicht nur durch die Klingonen im Publikum. Fast wäre ich auch auf die Bühne gesprungen als die Initiatoren des Stücks am Ende immer wieder wohlwollend in meine Richtung deuteten. Glücklicherweise drehte ich mich dann aber doch noch mal um und konnte so feststellen, dass ich genau vor Marc Okrand, dem Erfinder der klingonischen Sprache, saß.


(Marc Okrand und ein Paar Föderationswesen)

—-

Bechdel Test bestanden?
Leider nein. Was übrigens sehr bedauerlich ist. Denn sonst sind Frauen im Klingonischen Reich vergleichsweise gleichberechtigt.

—-

Fürs nächste Mal zum Mitsingen:

Qoy qeylIs puqloD [Kroi keylisch puklod]
Qoy puqbe’pu‘ [kroi pukbäpu-hu]
yoHbogh matlhbogh je SuvwI‘ [jochboch matlboch dschä schufwi]
SeymoHchu‘ mayu‘ [scheymochtschu maju]
maSuv manong ‚ej maHoHchu‘ [maschuf manong edsch machochtschu]
nI’be‘ yInmaj ‚ach wovqu‘ [nibä jinmatsch atsch wof-ku]
batlh maHeghbej ‚ej yo‘ qIjDaq [batl machechbedsch ädsch jo kidschdak]
vavpu’ma‘ DImuvpa‘ reH maSuvtaH [wafpuma dimuvpa rech maschuftach]
Qu‘ mamevQo‘ maSuvtaH ma’ov [kru mamefkro maschuftach maow]

Quelle: Internet

Berlin, Hejo!

Die Berliner machen einiges anders als die anderen. Zum Beispiel feiern sie bereits eine Woche vor Restdeutschland Karneval. Aus Rücksichtnahme. Denn dann können alle Karnevalsjecken mit den Berlinern gemeinsam feiern und müssen sich nicht entscheiden, ob sie in Köln, Düsseldorf oder Berlin feiern. Dementsprechend gab es auch dieses Jahr 2.456 Karnevalsbegeisterte, die den Karnevalsumzug begleiteten. Rücksicht ist für die Berliner ohnehin das Hauptthema beim Karneval. Der Umwelt zuliebe wird kein Konfetti geworfen, den Vögeln und Anwohnern zuliebe sind Freudesrufe und Musik maximal 75 dB laut und den missmutigen Karnevalshassern zuliebe verzichtet man sogar auf eine Übertragung ins TV.

Weil wir keine Schwaben sondern Hessen und Bayern Rheinländerinnen sind, integrieren wir uns in solche langjährigen Traditionen und rufen gemeinsam „Berlin Hejo!“. Hejo ist übrigens der karnevalistische Gruß in Berlin und setzt sich aus „Heiterkeit“ und „Jokus“ zusammen.

Der Preis für das beste Kostüm ging dieses Jahr an den Bodybuilder, der sich als Hulk verkleidete und wütend auf die vorausfahrenden Polizeiautos sprang und versuchte sie umzuschmeißen. Da ich eine feine Beobachtungsgabe besitze, entging mir nicht, dass andere Familien thematisch einheitlich verkleidet waren. Wir sahen eine Familie Feuerstein, eine Familie Gefangene und Polizisten, eine Familie Glücksbärchi und eine Familie, die als Wald (also Bäume in unterschiedlichen Größen) verkleidet war. Wir gehen nächstes Jahr als Elvis.

Seit 2006 sind wir nun dabei. Mein Mann, der größte Karnevalist in der Familie, ist dabei unübertroffen in seiner Kreativität der Kostümwahl. Auch dieses Jahr verneige ich mich ehrfürchtig:

(Super Bunny Verkleidung)

Kind 1.0 war dieser Aufzug sehr peinlich. Besonders schön war dabei zu beobachten, wie fließend Normalität ist. Wir starteten in Friedrichshain und waren natürlich die einzigen Verkleideten und wurden angestarrt, als seien wir frisch gelandete Aliens. Je näher wir dem Kudamm und damit dem Karnevalsumzug kamen, desto mehr Verkleidete begegneten uns in den öffentlichen Verkehrsmittel. Als wir schließlich in der Uhlandstraße ankamen, waren nur noch wenige Unverkleidete in der U-Bahn. Wir kicherten laut und fotografierten sie heimlich.

Transmediale 2013

2001 war ich das erste Mal auf der transmediale. Bis 2011 bin ich jedes Jahr hingegangen. Jedes Jahr versuchte ich vorher auf der Website zu lesen, was es in der Ausstellung zu sehen gibt. Nach gut einer Stunde gab ich auf. Jedes Jahr. Die transmediale Website ist die unverständlichste Website (zumindest in deutsch/englisch – selbstverständlich gibt es chinesische Seiten, die ich weniger verstehe, man soll ja nicht verallgemeinern), die ich kenne.

Wenn man erstmal vor Ort ist, erkennt man schnell, dass die Website nicht das einzige Unverständliche an der transmediale ist. Die Ausstellungsobjekte sind zum größten Teil ebenfalls völlig unverständlich, die begleitenden Texte kryptisch und voller pseudointellektueller Worthülsen.

2012 bin ich deswegen nicht hingegangen und dann habe ich im Boschblog einen Beitrag zu einem Ausstellungsobjekt gesehen. Die Installation bestand aus großen Stangen, die von der Decke hingen und unter Strom standen. Man konnte sie anfassen um einen Stromschlag zu bekommen.

Ich beobachte das Spektakel eine Weile, traue mich aber zunächst nicht, mir einen Stromstoß versetzen zu lassen. […] Obowohl man weiß, dass etwas passieren wird, ist der Schreck enorm. Die meisten lachen, nachdem sie sich davon erholt haben. Eine junge Frau fällt zu Boden, was aber eher dem Schreck als der Stärke des Stromstoßes geschuldet ist.

Was der Künstler uns damit sagen will? Man weiß es nicht, niemand erklärt es. Der Reiz, es ausprobieren zu wollen, wird dennoch stärker. Ein paar Biere später werde ich mutig: ich unterschreibe, dass ich zur Mitwirkung an diesem Kunstwerk bereit bin, meinen Tod in Kauf zu nehmen, und erhalte im Gegenzug einen Stempel auf das Handgelenk, der mich für den Zutritt zum Elektrozaun berechtigt. Die Bekannte zieht mit (eigentlich hat sie mich überredet) und wir entscheiden uns für die Romantikvariante. Wir halten einander an den Händen, sie berührt den Minuspol, ich den Pluspol. (Vermutlich aber umgekehrt.) Dann passiert es: es funkt zwischen uns beiden.

Das fand ich wahnsinnig romantisch und war traurig, dass ich 2012 nicht da war. Also rufe ich heute wieder die Website auf und bin traditionell genervt. Aber dann denke ich, hey, im Berliner Westen warst Du schon lange nicht und das Haus der Kulturen der Welt, das macht was her, da gehst Du jetzt einfach trotzdem hin.

Tatsächlich finde ich von zwanzig Objekten jedes Jahr mindestens drei, die es am Ende wert waren, die Ausstellung zu besuchen. Das Motto dieses Jahr „back where pluto was a planet“. Meine Recherchen haben ergeben, dass das Akronym BWPWAP in Netzkreisen verwendet wird „wenn man auf die jüngste Vergangenheit verweisen will, einen Zeitpunkt, der nur einen Wimpernschlag zurückliegt, in Bezug auf die technologischen Standards aber schon Lichtjahre entfernt zu sein scheint.

In irgendeinem anderen Artikel habe ich gelesen, man solle sich locker machen und nicht immer versuchen zu verstehen, was die transmediale eigentlich wolle. Also mache ich mich jetzt locker wie sonstwas.

Zwei Dinge finde ich im Vorfeld schon nett. Erstens die Sprachausgaben der Website („back where pluto was a planet I’ve would have been a flash animation“) und die mobile Website ist hübsch.

Mehr heute Nachmittag, wenn wir wiederkommen und ich mich ordentlich in dieses luftleere Wording reingesteigert habe. So lange lesen Sie bitte meine Hackfleischbesprechungen. Kunst und  aufgeblasene Worthülsen kann ich nämlich auch.

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Tja. Das wars wohl mit mir und der transmediale. Eine lange Beziehung zerbricht. Wir haben uns auseinandergelebt. Ich denke, es ist besser, wenn jeder seiner Wege zieht.

Das Rohrpostsystem, (das einzige Ausstellungsstück, das man spontan verstehen kann) wird erst um 16.30 Uhr angeworfen.

Alles andere muss man sich erlesen. Wenn man das fleißig tut, entdeckt man nach einer Stunde einen Metawitz.

Der Rest – ein Rätsel. Auch mit Beschreibung. Um mal Kind 2.0 zu zitieren: „Mama, da hätten die sich aber auch ein bisschen mehr Mühe geben können.“

Manche Dinge, musste man anfassen und irgendwie mit Ihnen interagieren, damit etwas passiert. Leider sieht man das den Exponaten nicht an. Mir wäre z.B. völlig entgangen, dass es doch ein Paar knuffige Sachen gab.

(„Desktop – Gravity Edition„, 2007 von Jacob Nielsen)

Ohne freies WLAN, instagram und vine, hätte ich mich sehr wahrscheinlich zu Tode gelangweilt.

Ich vine gleich los

Die Aufmerksamkeitsspanne wird kleiner, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung erhöht sich. Höher! Schneller! Weiter! Vine!
Ich habe Vine probiert. Vine ist noch so klein, da kann man an einem Abend ganz Deutschland fertig gucken. Ein Volk legospielender Menschen mit Katzen, die Bananen schneiden.
Hier! Guck! Da! Ah!
Vine erzählt in sechs Sekunden eine Geschichte mit drei bis vier möglichen Anfängen. Aber ohne Ende. Immer und immer wieder.
Das ist so als würde ich … man könnte auch sagen … ganz ehrlich, ich finde…
Vine hat eine seltsame Anziehung. Wenn man zwei bis drei Videos gesehen hat, dann fängt man an, das eigene Handeln in kleine Unterhandlungsstränge zu trennen. Wie könnte man das filmen? Schritt 1, Schritt 2, Schritt 3.
Es macht mich hektisch und ruhelos.
Die Kinder! Los! Aus dem Bild! (Ich will sie nicht filmen). Pscht! Leise! Mutti vint wieder! Verdammt! Warum habe ich keine Katzen? Haben die Nachbarn welche? Ob ich die…? Ach ne! Die Spülmaschi … ach ne. Wir haben doch so viel Lego. Lego. Hm, das machen schon die anderen, ob ich vielleicht…

Ich werde hibbelig.

Das einzige Buch, das sich mit Vine verfilmen ließe, wäre Ulysses („Schauder jetzt. Fühlen Mitleid. Müssen sich eine Träne abwischen, weil Märtyrer. Denn alles, was verreckt, will, ums Verrecken, verrecken.“, S. 386) oder vielleicht noch die Gelehrtenrepublik von Arno Schmidt.

Diese Bücher haben mich auch mitgerissen. Wie ein Fluß. Aber eben mit diesen abgehackten Passagen. Immer wieder Stop und dann auch wieder weiter. Angetrieben, mitgenommen, weitergespült.

Dogma 95 in 6 Sekundenhappen. Keine Filter, keine begleitende Musik, keine Zusatzfunktionen.

  1. Als Drehorte kommen ausschließlich Originalschauplätze in Frage, Requisiten dürfen nicht herbeigeschafft werden.
  2. Musik kann im Film vorkommen (zum Beispiel als Spiel einer Band), darf aber nicht nachträglich eingespielt werden.
  3. Zur Aufnahme dürfen ausschließlich Handkameras verwendet werden.
  4. Die Aufnahme erfolgt in Farbe, künstliche Beleuchtung ist nicht akzeptabel.
  5. Spezialeffekte und Filter sind verboten.

Quelle: Internet

    
(Das Video ist von Felix Schwenzel)

Ich glaube, ich werde zu alt für diesen Scheiß.

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Lieblingstweets 01/13

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(den lassen wir noch als Januar durchgehen)

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Keine Lösungen, aber viele Fragen

An #aufschrei kann niemand, der auf Twitter aktiv ist, vorbei lesen. Es ist viel geschrieben worden und ich möchte an dieser Stelle auf zwei Artikel verweisen, die das Thema sehr differenziert von unterschiedlichen Perspektiven beleuchten:

#Aufschrei – es geht nicht um mich und Derailing und die Lämmerfrage

Ich kann nur jeden ans Herz legen, auch die in den jeweiligen Artikeln verlinkten Beiträge anderer BloggerInnen zu lesen und sich ein bisschen tiefer mit dem Thema zu beschäftigen.

Natürlich spielt das Thema für mich eine Rolle, weil ich Frau bin und auf einer anderen Ebene, weil ich Mutter bin. Ich hoffe, dass ich meine Kinder so stark machen kann, wie es z.B. Journelles Mutter gelungen ist: „Meine Mutter hatte immer allergrößten Wert darauf gelegt, dass ich schon früh begriff, dass mein Körper ausschließlich mir gehört. Außerdem war klar, dass sie mir im Zweifel immer glauben und für mich kämpfen würde, wenn ich das Gefühl hätte, dass jemand etwas mit mir tut, das ich nicht möchte oder mir unangenehm ist.

Für mich fängt diese Art von „Erziehung“ schon bei der Bezeichnung der Geschlechtsteile an. Ich habe mal gemeinsam mit einer Freundin einen Vortrag an der Uni zu den sprachlichen Rahmen bei der Bezeichnung der Geschlechtsteile gehalten (Stichwort „die Scham“ und „das Gemächt“). Es ist erschreckend, wie normal es alle finden „Penis“ zu sagen und gleichzeitig Probleme haben „Scheide“ oder „Vagina“ auszusprechen. Ich höre auch immer wieder, dass Jungs da unten „einen Penis“ haben und Mädchen da unten „keinen Penis“ haben. Das weibliche Geschlecht also als Abwesenheit des Penis. Ich könnte einen eigenen Artikel über die Bezeichnungsproblematik schreiben und was ich glaube, was das alles nach sich zieht.

Das ist aber nur einer von Hunderten Mini-Aspekten, die eine Rolle in der Erziehung spielen. Natürlich ist es elementar zu den Kindern eine Vertrauensbeziehung aufzubauen, ihnen ein gutes Vorbild zu sein, sie nicht mit „Das macht doch ein Mädchen nicht…“, „Das ist nur für Jungs…“-Sprüchen zuzuballern. Ihnen ihre eigenen Grenzen zu zeigen, diese dann auch zu akzeptieren und und und.

BerlinMitteMom greift das Thema auch unter diesem Aspekt auf: „wie erziehe ich meine Mädchen so, dass sie sich frei und ohne Angst bewegen können wie und wo sie wollen und gebe ihnen doch alles mit, damit sie sich wehren können? Und wie erziehe ich meinen Sohn dazu, Frauen zu respektieren und sich weder im Kleinen noch (Gott bewahre!) im Großen sexistisch zu verhalten?

Es gibt so viel zu tun und niemand kennt den richtigen Weg. Wie bei allen Erziehungsthemen. Es gibt so viele, viele Fragen und keine eindeutigen oder richtigen Antworten. Was bleibt ist der Dialog und dass man seine eigenen Haltungen reflektiert, dass erlaubt ist nachzufragen – gerade wenn man sich unsicher fühlt oder keine feste, bis in alle Details durchdachte Haltung hat und dass auch gestattet wird, dass Positionen verändert werden dürfen (als Ergebnis dieses Prozesses).

Deswegen, warum ich das überhaupt schreibe: Es lohnt über #aufschrei nachzudenken.

—-

Nachtrag, weil Offtopic und irgendwie auch nicht. Ich habe neulich den Film „Paradies: Liebe“ gesehen und festgestellt, dass das einer der schlimmsten Filme war, die ich je gesehen habe. Ähnlich wie mancher Lars von Trier Film hat er mir körperliche Schmerzen bereitet. Es geht in dem Film um Sextouristinnen in Kenia.

Was mich an dem Film nachhaltig schockiert hat, war meine emotionale Reaktion auf die sexuelle Ausbeutung der Männer. Ich war so tief betroffen, dass ich kaum hinsehen konnte und dann plötzlich fiel mir auf wie viele hundert Male ich Frauen in ähnlichen Situationen im Film gesehen hatte. Nackt tanzend, angegrabscht, missbraucht, erniedrigt – und in den allermeisten Fällen hat dieser Anblick gar nichts in mir bewegt. Er war Teil der Handlung. Der Anblick war gewohnt und normal. In „Paradies: Liebe“ Männer in der selben Lage zu sehen, hat mich umgehauen und das wiederum (der Unterschied in meiner Reaktion) hat mich regelrecht verstört. Er hat mir lange vor #aufschrei klar gemacht, wie normal sexuelle Bedrängung und Sexismus für mich im alltäglichen (Fernseh/Film) Leben geworden sind. Bei „Paradies: Liebe“ habe ich mich so furchtbar und auf so vielen Ebenen für die Handlungen der weiblichen Darstellerinnen geschämt.

Ich habe abends mit meinem Mann darüber geredet und eine weitere erschreckende Einsicht bekommen: Meinem Mann geht es beim Anblick genau solcher Darstellungen bezogen auf Frauen genauso. Und zwar ständig. Er schämt sich manchmal per Geschlecht zu dieser Gruppe dargestellter Männer zu gehören. Das war mir ganz und gar nicht klar. Auch diese Einsicht hat mir #aufschrei vertieft. Nicht alle Männer sind mehr oder weniger so. Deswegen ist diese Differenzierung wichtig:

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Warum ich gerne auf die katholische Kirche verzichten möchte

Vor einigen Tagen twitterte ich

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Als Tochter eines Sizilianers bin ich natürlich katholisch getauft. Aus der Kirche ausgetreten bin ich erst mit 27 Jahren. Die Kirche hat mich meine komplette Dorfjugend begleitet und war sehr wichtig für mich. Auch als Teenager bin ich regelmäßig in den Gottesdienst gegangen. Was mir an der katholischen Kirche nie gefallen hat, war der Sündengedanke. Ich kann mich sehr lebhaft erinnern, wie die einzelnen Pflichtbeichten nach der Kommunion waren. Ich war ein neunjähriges Mädchen und musste mir Monat für Monat überlegen, was ich Böses getan hatte, um es dann zu beichten. Manchmal fiel mir nichts ein und ich erfand Sachen, einfach damit ich was zu beichten hatte. Je älter ich wurde, desto belastender fand ich das. Denn die Lüge über die Sünden potenzierten die Sünden schließlich.

Was mir außerdem nicht gefiel war der Umstand, dass man als Mädchen nicht gleichwertiges Mitglied in der katholischen Gemeinde war. Ministrantinnen gab es damals nicht und Pfarrerinnen gibt es ja bis heute nicht ( – aber das ist nochmal ein Thema für sich).

Trotz aller Zweifel – und ich könnte Dutzende von Beispielen herauskramen – blieb ich in der Kirche. Erstens weil ich sah, dass sich das was Kirche in der Praxis bedeutete, von Gemeinde zu Gemeinde deutlich unterschied und ich durchaus all das Gute sah, was manche Pfarrer taten – v.a. für diejenigen, für die es in der Gesellschaft sonst keinen Platz gab. Das war für mich zutiefst christlich und zwar ganz banal im Sinne von dem, was ich denke, was Jesus Christus getan oder gewollt hätte.

Ein zweiter Grund war meine eigene Einsamkeit und Traurigkeit. Teil einer Gemeinschaft zu sein, tat mir gut und gab mir Kraft. Ich habe also selbst die positiven Aspekte erlebt und habe deswegen meine Kirchensteuer gerne gezahlt, einfach weil ich das Gefühl hatte, ich unterstütze damit diese positiven Aspekte.

Je mehr ich mich allerdings in einem größeren Rahmen mit dem Thema auseinandergesetzt habe, umso schwerer wurde es für mich Mitglied der Kirche zu bleiben. Irgendwann war es schlichtweg nicht mehr mit meinem Gewissen zu vereinbaren. Es ist natürlich bequem: Man kommt so selten dazu „Gutes“ zu tun und wenn man jeden Monat zwangsweise und ohne sich jemals drum gekümmert haben zu müssen, ein bißchen von seinem Wohlstand abgibt* – warum nicht.

PatschBella schreibt diesen Aspekt wie folgt:

Wenn wir über die Kirche schimpfen, verurteilen wir ein biss­chen auch alle, die im Namen dieser Organ­i­sa­tion arbeiten. Die Asyl gewähren und Sup­penküchen leiten. Die aus­bildende Schulen für viele soziale Berufe finanzieren. Und diese Sozialar­beiter später beschäfti­gen.

Das ist richtig. Jetzt kommt aber das große aber und dazu empfehle ich wärmstens den Artikel „Ein Staubkorn Namens Mensch“ zu lesen.

Jens Best schreibt: „Ich kritisiere Machtverhältnisse. Religionen dienen gesellschaftlich der subtilen bis gewalttätigen Kontrolle von Massen. Die Legitimation hierfür ist humanistisch nicht zu begründen und damit für den aufgeklärten Menschen nicht akzeptabel. Der Sonderstatus der Religion muss peu a peu abgeschafft werden. Die Themen sind bekannt: Finanzierung durch den Staat, Sonderrechte in der Behandlung von Arbeitnehmern, […]

und

„[…] Ergänzend ist es bemerkenswert, dass wir die Arbeit der Kirchengemeinden als wichtig anerkennen, gleichzeitig aber viele hier die Augenbrauen zusammenziehen, wenn sie hören, wie Muslimische Bruderschaften bei sozialer Hilfe den Menschen den Glauben gleich mitvermitteln. Ich denke, dass die Schaffung Sozialen Kapitals jenseits einer Gottesmaschinerie eine der wichtigsten Leistungen ist, denen der Humanismus sich in diesem Jahrhundert stellen muss.

Diese letzte Passage halte ich für essentiell und möchte sie hundert Mal unterstreichen. Diese Nische – die Gemeinschaftsarbeit – darf nicht der Kirche (und auch keinen anderen Glaubensgemeinschaften) überlassen werden. Es müssen Alternativen geschaffen werden. Daran muss gearbeitet werden.

Deswegen nochmal zurück zu PatschBellas Text:

Wir kön­nten die katholis­che Kirche als das vielschichtige Unternehmen begreifen, das sie ist. Stattdessen hat “das Inter­net” (I KNOW) beschlossen, dass es effizien­ter ist, eine Organ­i­sa­tion ohne die große Teile unserer sozialen Auf­fangnet­zes zusam­men­brechen wür­den, grob zu beschimpfen. Ja, das hilft immer.
Mal ganz abge­se­hen von der damit ein­herge­hen­den Intol­er­anz gegenüber gläu­bi­gen Men­schen. Deren Heimat, deren Gemein­schaft wird gle­ich mal by proxy schlecht gemacht.

Das sehe ich nämlich völlig anders. Ich finde die Kirche soll ersetzt werden und solange wir uns ausruhen auf dem Argument – aber sie ist doch eine wesentliche Stütze unserer Gesellschaft – was ist dann mit den Kindern, den Armen, den Alten und den Schwachen? – wird sich das nicht ändern. Ich persönlich möchte das aber ändern. Ich möchte ein soziales System ohne Pflichtwertesystem und habe gar kein Problem jeden gleichzeitig an das glauben zu lassen an das er gerne glauben möchte.

Drastischer gesagt: ich kann wirklich nicht verstehen, wieso man weiterhin Mitglied der katholischen Kirche ist, wenn man weiß, was im Namen der katholischen Kirche getan oder nicht getan wird. Gerade dann wenn einem die christlichen Grundwerte wie beispielsweise Barmherzigkeit wichtig sind, sollte man aus der Kirche austreten. Und was den „meine Kirchensteuer tut doch Gutes“ Aspekt angeht, es ist verhältnismäßig einfach einen Dauerauftrag für eine andere wohltätige Einrichtung einzurichten.

Nachtrag: Ich dachte nicht, dass man das explizit erwähnen muss – aber mir ist klar, dass a) das Geld hauptsächlich in die Verwaltung/Personal etc. fließt und b) die sozialen Einrichtungen nicht hauptsächlich durch Kirchengelder (sondern hauptsächlich staatlich) finanziert werden.