Entspannt oder leichtsinnig

Überwachung
Für jedes Kind eine Überwachungskamera!

Letzte Woche beschäftigte sich die sehr hörenswerte Sendung Breitband u.a. mit dem Thema „Das überwachte Kind„. Einige Tage später las ich aufgrund des Blogbeitrags von Heiko Bielinski von der Schutzranzen-App. Ab und an werde ich auch von irgendwelchen Kinderüberwachungs-GPS-Tracking-Anbietern gefragt, ob ich nicht mal einen Produkttest machen möchte. Die Varianten sind vielfältig. Von der einfachen Ortung, über die Festlegung erlaubter Aufenthaltsbereiche inkl. eines Alarms sofern diese verlassen werden bishin zur Möglichkeit das Mikrofon des Kinderhandys anzuzapfen.

Ich muss ja öfter in mich gehen, ob ich einen Test machen will oder nicht. Bei Anfragen dieser Art ist meine Haltung jedoch eindeutig: Nein, ich möchte einen solchen Test nicht machen, denn ich bin gegen die Überwachung von Kindern.

Natürlich habe ich mit meinen Kindern schon Situationen erlebt, in denen ich gerne auf einen Knopf hätte drücken wollen, der mir sagt: Da ist das Kind, alles in Ordnung.

Erst neulich war eines der Kinder sage und schreibe drei Stunden später Zuhause als verabredet. Nach 30 Minuten wurde ich nervös. Nach einer Stunde habe ich andere Eltern angerufen, dann die Schule und dann den letzten Aufenthaltsort (die Kinder hatten eine Exkursion gemacht). Ich war kurz davor die Polizei zu alarmieren, als das Kind sorglos mit drei Freundinnen durch die Tür schritt: „Achso. Ich wusste nicht, dass Du wartest. Wir waren noch unterwegs.“

Ich hab mich bemüht mit ruhiger Stimme zu sagen, dass ich in großer Sorge war, worauf die Freundinnen ihre Handys zückten (natürlich hatten alle Kinder Handys, natürlich hatte ich diverse Nummern angerufen, natürlich war keines der Kinder rangegangen, ja, ja diese Jugend. Von wegen schaut immer aufs Telefon!) und sagten: „Apropos. Wir rufen mal kurz zu Hause an.“

Wie gesagt, ähnliche Situationen gab es vorher in Varianten aller Art. Dennoch würde ich mein Kind nie mit einem GPS-Tracker ausstatten.

Natürlich wäre so ein Ding im absoluten Worst Case [1] eine Hilfe – aber die Wahrscheinlichkeit, dass selbiger eintritt ist, so hoffe ich, so verschwindend gering, dass ich diese nicht gegen das Recht auf Privatsphäre [2], die das Kind eben auch hat, eintauschen würde.

Ich bin ja selten gegen Technik, aber an dieser Stelle kommt der Kulturpessimist in mir hervor.

Nicht nur in Bezug darauf welche tatsächlichen Auswirkungen eine entsprechende Überwachung haben könnte (die aktuelle Staffel Black Mirror – Arkangel illustriert das ganz gut), sondern auch, weil ich glaube, dass die Kinder eine Reihe von Kompetenzen nicht erwerben, wenn sie sich auf GPS-Ortung verlassen.

Wir üben z.B. Orientierung. Bewusst wahrnehmen, wo man aussteigt, sich umschauen, welche Orientierungspunkte es gibt und sich Marker aussuchen. Hier geradeaus, da kommt man an einem Hochhaus vorbei, hier bei der S-Bahn-Brücke links abbiegen etc.. Auch mal umdrehen und die Gegend vom Rückweg her anschauen. Sich merken, welche U-Bahn-Stationen in der Nähe sind. Auf Schilder achten.

Telefonnummern auswendig lernen. Uhrzeit lesen lernen und Zeit im Blick behalten. Besprechen, wie man im Notfall welche Leute anspricht. Besprechen, wie man reagiert, wenn andere einen ansprechen. Immer einen Notgroschen dabei haben.

Ganz am Ende geht es für mich außerdem um die Vertrauensbeziehung. Ich möchte gerne, dass meine Kinder sich frei bewegen können, dass sie mir aber offen und ehrlich sagen, wo sie hingehen wollen. Für mich ist es gar nicht schlimm, wenn man mal was falsch macht, eine fragwürdige Entscheidung trifft oder sich ausprobiert. Mir ist es aber sehr, sehr wichtig, dass man ehrlich ist.

Das spielt für mich alles in das Thema Kinderüberwachung rein.

Es sind also diese beiden wesentlichen Aspekte für mich: Das Kind aufklären, es kompetent machen, ihm möglichst viel Situationen und deren Lösung schildern oder Konsequenzen bestimmter Verhaltensweisen erläutern und auf der anderen Seite schnöde: Vertrauen schenken und hoffen, dass dieses nicht missbraucht wird.

(Und am Ende hoffe ich v.a. dass ich entspannt bin und nicht leichtsinnig.)

P.S. Kleiner Exkurs: Das gilt übrigens auch in Bezug auf die Online-Welt. Ich bin immer völlig entgeistert, wenn ich höre mit welcher Selbstverständlichkeit z.B. Browserverläufe bei Kindern kontrolliert werden. Auch hier setze ich auf eine Mischung aus Aufklärung und Vertrauen.

P.P.S. Die Schutzranzen-App finde ich nicht nur doof, sondern sogar gefährlich, weil sie die Verantwortung verschiebt. Es gibt schließlich Ampeln und Autofahrer haben Augen. Das ist völlig ausreichend. Lieber die Ampeln mit einer Art CAR-B-Gone (analog zum TV-B-Gone) ausstatten, die sicherstellt, dass Autos nicht fahren können, solange die Fußgängerampel grün ist. Dann müssen sie eben geduldig sein.

[1] Der Breitband-Beitrag spricht von in den letzten 10 Jahren konstant gebliebenen 2.000 Kindesentziehungen pro Jahr in Deutschland, wovon aber ein Großteil durch das eigene Umfeld erfolgt.

[2] 16% aller Teenager werden in den USA per GPS überwacht


Ergänzung zum Schutzranzen: „Ich warne mit Nachdruck davor, sich trügerischen Sicherheiten im Tausch von Daten hinzugeben. Wenn Kinder allein im Straßenverkehr unterwegs sind, bleibt immer ein Restrisiko. Aufgabe der Eltern ist aber nicht, stets zu wissen, wo ihr Kind ist, sondern es fit für den Straßenverkehr zu machen. Dazu gehört, den Schulweg gemeinsam abzugehen, kritische Punkte zu erörtern und Regeln zu vermitteln. Auch in der Schule werden solche Basisregeln vermittelt.“

Zitat Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE)

[Anzeige] Let’s talk – Nutzung digitaler Medien nach Alter

Digitale Medien
Pixelkult @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im zehnten Teil geht es um: Altersgerechte Mediennutzung

Theorie und Praxis

Wenn man ein bisschen googelt, stößt man schnell auf unterschiedlichste Studien, die v.a. im Kleinkindalter vom Gebrauch sämtlicher digitaler Medien abraten.

Beim ersten Kind mag völlige Enthaltsamkeit theoretisch noch umsetzbar sein. Das gilt zumindest sofern man die eigenen Geräte in Anwesenheit des Kindes nicht benutzt. Schaut man selbst ständig ins Telefon oder Tablet und tippelt rum, hält das Kleinkind das besagte schwarze Dings für eine höchst interessante Sache und möchte natürlich mitmachen.

Dem selben Phänomen steht man gegenüber, wenn es ältere Geschwisterkinder im Haushalt gibt.

Sobald die fernsehen dürfen oder mit irgendwelchen Apps spielen, ist es völlig utopisch das jüngere Geschwisterkind von den entsprechenden Geräten fernzuhalten.

Wenn man nachmittags alleine mit den Kindern ist, geht eben nicht beides: das eine Kind beim Medienkonsum begleiten und gleichzeitig das andere vom Medienkonsum fernhalten.

0 bis 2 Jahre

Tatsächlich denke sogar ich, dass man die ersten beiden Lebensjahre im Grunde gar nichts mit digitalen Medien machen muss. Dem Kind fehlt nichts und es verpasst auch nichts. Der Rest der Welt ist so interessant, dass es sich erstmal daran probieren darf. Das wortwörtliche Begreifen hat Vorrang.

Ausnahme, wie weiter oben beschrieben – ältere Geschwisterkinder – dann machen die Kleinsten in der Regel, was die größeren machen: begleitet die Medienwelt erleben.

3 bis 6 Jahre

Die U9 Studie des „Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ fasst es ganz gut zusammen: „Die Frage nach dem Ob ist in der Praxis abgehakt und realitätsfremd. Kinder bewegen sich bereits autark in der digitalen Welt. Rund 1,2 Millionen 3- bis 8-Jährige sind regelmäßig online. Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können, erkennen entsprechende Symbole, die ihnen den Aufruf von Webangeboten ermöglichen.“

In konkreten Zahlen: Von den 6-Jährigen geht fast ein Drittel ins Internet, und bei den 3-Jährigen ist es schon jedes zehnte Kind.

Ein erfreuliches Ergebnis der oben zitierten Studie: Ob Kinder Zugang zu digitalen Medien haben oder nicht, ist […] weitgehend unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Das halte ich deswegen für wichtig, weil der Zugang zu digitalen Medien eine zentrale Rolle beim Kompetenzaufbau spielt.

Mein Tipp für die Altersgruppe 3 bis 6 würde dennoch lauten: gelegentlich und wohldosiert sowie nach Möglichkeit begleitet.

Meiner Erfahrung nach brauchen die Kinder in dieser Altersstufe auch noch gar nicht so viel Abwechslung. Hundert mal das selbe Conni-Hörspiel hintereinander, dutzende Male die selbe Folge Biene Maja oder nur die eine lustige App – das reicht in der Regel völlig. Wir sind (zu meinem persönlichen Leid) mit drei DVDs durch diese Jahre gekommen.

Kinder in diesem Alter leiten aus dem Aufbau eines stabilen Erwartungshorizontes Kompetenzempfinden ab. Wenn sie genau vorhersagen können, was als nächstes passiert, hat das einen positiven Effekt auf ihr Selbstbewußtsein.

Nicht umsonst sind so furchtbar eintönige Kinderheldinnen wie Conni so weit verbreitet. Egal welche Folge, Conni erlebt irgendwas und wird dann Erste, Beste und Beliebteste. Das weiß ein vierjähriges Kind schon am Anfang der Geschichte und freut sich auf genau diesen Ausgang.

Altersangaben für Apps sowie für Computerspiele und Filme bieten auf jeden Fall eine gute Orientierung. In einigen Plattformen (z.B. Netflix und Deezer) kann man die Inhalte ab 16 aus der Suche des Kinderaccounts ausschließen. Ähnliche Filtermechanismen gibt es auf allen möglichen Betriebssystemen bzw. App-Stores. Davon machen wir zum Teil Gebrauch, so stoßen die Kinder in dem Alter nicht arglos auf völlig unangemessene Inhalte.

Was man dem Kind am Ende zumuten kann und möchte, sollte man als Erwachsene dennoch durch Selbsttest prüfen. Meine Kinder sind z.B. was Filme mit echten Menschen angeht, sehr sensibel. Abgesehen von etalblierten Formaten wie z.B. „Sendung mit der Maus“ schauen sie tatsächlich kaum etwas ohne einen Erwachsenen.

digitale Medien
SchoolPRPro @Pixabay

7 bis 10 Jahre

Mit steigender Lese- und Schreibkompetenz sinkt der elterliche Einfluss – so jedenfalls meine Erfahrung. V.a. dann wenn Kinder bereits eigene Endgeräte nutzen.

In der Übergangsphase finde ich es gut, wenn Kinder ihre Endgeräte nicht alleine in ihrem Zimmer, sondern in meiner Anwesenheit nutzen. So muss ich nicht die ganze Zeit parallel auf den Bildschirm schauen, bekomme aber die Emotionen der Kinder mit und sie haben mich als Ansprechpartnerin parat.

Die Spiele, die die Kinder regelmäßig spielen wollen, lasse ich mir ausführlich zeigen. Die Kinder berichten mit großem Enthusiasmus davon. Sie haben auch Spaß daran, den Eltern etwas zu zeigen. Meiner Wahrnehmung nach nutzen sehr wenige Eltern diese Kommunikationsmöglichkeit.

Mein Kind 2.0 spielt gerne Spiele, die ich aufgrund der In-App-Käufe und diverser anderer Spielmechanismen (es muss nach Zeit xy geerntet werden) nicht gerade toll finde. Dennoch kann es mir seine Begeisterung ausreichend darlegen und auch dem Drang widerstehen sich bestimmte Dinge dazuzukaufen. Also höre ich lieber zu, erkläre auch meine Bedenken, werte aber das Spiel nicht grundsätzlich als doof, hohl oder Schwachsinn ab. Entsprechende Bewertungen höre ich wirklich oft auf Elternabenden zum Thema Mediennutzung. Wenn man mal nachfragt, ob die Eltern entsprechende Spiele selbst auch nur 10 Minuten mal gespielt haben oder ob sie mit ihren Kindern über deren Beweggründe geredet haben, kommt oft nur ein Abwinken, es sei allgemein bekannt, dass die App/das Spiel XY doof sei. Die Kinder spielen diese Sachen dann heimlich. Bei anderen Freunden oder nach Unterrichtsschluss oder sie gehen irgendwohin, wo sie WLAN haben können und es kuschelig ist – z.B. in die nächste Bibliothek – und spielen da weiter. Das einzige was man durch solche Abwertungen und Verbote erreicht, ist meiner Meinung nach eine schrittweise Entfremdung vom Kind. Ich hoffe, ich kann noch lange der Versuchung widerstehen, meine eigenen Empfindungen und Einschätzungen als die einzig gültigen zuzulassen.

11 bis 13 Jahre

Spätestens jetzt zeigt sich, ob man zu den Kindern eine vertrauensvolle Beziehung bezogen auf den Medienkonsum aufgebaut hat oder ob sich die Kinder langsam entziehen und man sowieso nicht mehr mitbekommt was die Kinder eigentlich im Netz machen.

Wie in vergangenen Artikeln beschrieben halte ich nichts von Verboten und unbeweglichen Regeln was den Medienkonsum angeht. Wir setzen uns lieber zusammen und besprechen, wann der richtige Zeitpunkt ist z.B. Computerspiele zu spielen, Serien zu streamen oder sich im Klassenchat Sprachnachrichten hin und herzuschicken. Ob es dann dreißig Minuten oder vier Stunden am Tag sind, ergibt sich aus dem Kontext.

Was die Plattformen angeht: Oft verlangen die AGB ein Mindestalter von 13, um überhaupt einen eigenen Account einzurichten.

Es sollten bis zu diesem Alter schon wesentliche Themen diskutiert sein: Wie schütze ich meine Privatsphäre? Was ist Cyber-Mobbing? Wo findet man ggf. Hilfe? Wie gehe ich mit Fotomaterial um? Was sind sichere Passwörter?

Gut ist es auch, wenn man mit den Kindern einen Weg gefunden hat, das Interesse an digitalen Medien vom ausschließlichen Konsum Richtung kreative Nutzung im Sinne von selbst Inhalte produzieren lenken konnte.

Älter als 13 Jahre

digitale Medien
natureaddict @Pixabay

Auch hier lohnt es sich mal Studienergebnisse anzuschauen. Die U25 Studie des „Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ z.B. liefert ganz interessante Einsichten:

  • 98 Prozent der 14- bis 24-Jährigen nutzen das Internet.
  • Es wird kaum noch zwischen On- und Offline-Zeiten getrennt. Das Smartphone ist der Begleiter für alle Lebenslagen.
  • Internet-Nutzung wird mit zunehmendem Alter zum integralen Bestandteil des Alltags. Für Kinder heißt das vor allem Spielen. Der Fokus verschiebt sich allmählich hin zur Dauerkommunikation über Online-Communitys und Messaging-Dienste. Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Kommunikation mit Freunden die wichtigste Facette der Internet-Nutzung geworden.
  • Die Bedeutung von Facebook-Freunden wird offensichtlich meist falsch dargestellt. Laut unserer Studie unterscheiden die Befragten sehr deutlich zwischen Online-Freunden, persönlichen Bekannten und echten engen Freunden.

Auch gibt die Studie meinen Eindruck in Sachen Medienkompetenz der Eltern in Bezug auf Glaubwürdigkeit wieder:

„Eltern scheinen in einer, zum Teil dauerhaften, Alarmbereitschaft mit Blick auf die Internet-Nutzung ihrer Kinder zu sein – häufig jedoch ohne zu wissen, was genau zu tun wäre. Diese Unsicherheit nehmen letztlich auch die oft schon größeren Kinder wahr: Eltern können oft nur schwer vermitteln, warum sie beständig zur Vorsicht im Umgang mit dem Internet mahnen. Solange die Kinder noch klein sind, akzeptieren sie bis zu einem gewissen Alter die gesetzten Regeln, auch wenn sie nicht nachvollziehen können, warum bestimmte Dinge verboten und andere erlaubt sind. Spätestens ab 14 Jahren betonen die Jugendlichen jedoch, dass ihnen die pauschalen Warnungen der Eltern nicht viel bedeuten und sie sich als deutlich überlegen hinsichtlich ihrer Internet-Kompetenz fühlen.“

Umso wichtiger finde ich, dass man über alle Altersstufen hinweg gemeinsam mit den Kindern die digitalen Welten erkundet. Das hilft am Ende auch den Erwachsenen entsprechende Medienkompetenz aufzubauen und dann auch im zunehmenden Alter der Kinder weiterhin als kompetenter Ansprechpartner wahrgenommen zu werden.


Wie alt sind eure Kinder und was nutzt ihr? Habt ihr bestimmte Tipps bezogen auf das Alter der Kinder? Wie geht ihr mit dem Thema Geschwisterkinder um?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Weitere Themen der Serie

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmierbares Spielzeug zu Weihnachten?
Teil 9 von Let’s talk: Mitbestimmung beim Medienkonsum

Europas größter Tretroller-Kongress*: 34c3

34c3Hallo, mein Name ist Patricia und ich bin „Lichterguckerin“.

So nennen bestimmte Hardcoreoberchecker Menschen wie mich, die nix hacken können, aber auf den Chaos Communication Congress gehen und sich daran erfreuen.

Ich bin technisch interessiert, aber wenn es zu sehr in die Details geht, dann verstehe ich kein Wort. Macht mir aber nichts aus, denn im Grunde ist das wie am Anfang meiner Physiologie-Lesungen. Im ersten Semester habe ich so gut wie nichts verstanden: Telencephalon, Diencephalon, Metencephalon  und Myelencephalon. Hä? Mitte des Semesters geht es dann und drei Semester später gehören diese Worte in den aktiven Wortschatz.

Tatsächlich muss man für den 34c3 nicht mal technisch interessiert sein, gesellschaftlich oder politisch interessiert sein, genügt völlig. Wie Marietta Slomka richtig festgestellt hat: die digitale Revolution hat bereits stattgefunden und die Digitalisierung/das Internet hat unser aller Leben grundlegend verändert.

Viele machen diese Entwicklungen mit, ohne sich allzu große Gedanken über die Auswirkungen zu machen. Ein bißchen mehr Überwachung hier, ein bisschen mehr Überwachung da, man hat ja nichts zu verbergen etc. pp.

So holt man sich fröhlich Alexa (Amazon Echo) und Google Home in die eigenen vier Wände – denn – es ist ja bequem.

Ist es auch. Ich kann mich da schön an die eigene Nase fassen. Benutze ich immer noch alle möglichen Google-Produkte, Facebook und Co.

Jedenfalls hilft es dann doch einmal im Jahr einen Kongress zu besuchen, der sich mit all diesen Themen rund um das Internet auseinandersetzt. Das Themenspektrum des Kongresses ist, wie an den einzelnen Tracks zu sehen, sehr breit gefächert:

  • Art & Culture
  • CCC
  • Entertainment
  • Ethics, Society & Politics
  • Hardware & Making
  • Resilience
  • Science
  • Security

Am Ende kann man sogar zu einer Marc-Uwe Kling „Qualityland“-Lesung gehen und so halb über diese Zukunftsdystopie lachen, weil man tagsüber leider mitbekommen hat, dass ca. 3/4 der Dinge, die er dort beschreibt, schon Realität sind. (Black-Mirror lässt ebenfalls grüßen).

Im Übrigen kann man auch zum Kongress gehen und sich gar keine Vorträge anschauen sondern sich an der Atmosphäre und der Kunst erfreuen – eben ein paar Lichter gucken gehen.

Foto: 34c3 von Yves Sorge unter CC BY-SA 2.0 auf flickr.com.

Ich werde auch oft gefragt, ob man mit Kindern auf den Kongress kann. Meine kurze Antwort lautet: ja.

Wir haben es schon einige Male getan. Wie schon in den Vorjahren lief das so ab: Um 11 Uhr tauchten wir dort auf, um 22 Uhr jammerten die Kinder, dass wir schon nach Hause wollen.

Was genau machen die Kinder auf dem Kongress?

Zum einen gibt es den Kidsspace, der dieses Jahr in der neuen Location gefühlt dreimal so groß war, wie die Vorjahre. Dort haben die Kinder drei Tage damit verbracht  die drei Tonnen Lego Duplo und die noch größeren Bausteine zu verbauen – und zwar alle. Für Vorträge waren sie dieses Jahr nicht zu motivieren. (Ich glaube, eines der Kinder haben wir im Bällebad vergessen).

34c3
Erwachsenen macht das Lego Duplo bauen offensichtlich auch Spaß.

In der 15.000 Quadratmeter großen Assembly-Halle gibt es außerdem unfassbar viel zu bestaunen (für Eltern z.B. wichtig: Furby-Hacking) und v.a. sehr erklärbereite Menschen. Bei vielen Dingen darf man auch mitmachen (Klassiker sind Lockpicking und einfache Lötarbeiten – dieses Jahr waren Wäscheklammern mit LEDs sehr beliebt).

Ich habe aus den Vorjahren allerdings einige Dinge dazu gelernt:

  1. Bringt DECT Telefone mit und meldet sie vor Ort an. Dann sind die Kinder erreichbar ohne dass man sich Gedanken machen muss, dass ein technisches Endgerät gehackt wird (von WLAN ohne VPN rate ich dringend ab). Dafür muss man sich auf eventphone.de einmalig registrieren, sich eine freie Telefonnummer suchen und sich ein Wartezettelchen in der DECT-Schlange sichern.
  2. Nehmt Essen und Trinken für die Kinder mit. Es gibt vor Ort zwar (stark überteuerte) Möglichkeiten (Crepes, Pommes, Chinanudeln etc.) – aber das hat man nach einem Tag satt.
  3. Meldet euch rechtzeitig zum Junghackertag an, dann können die Kinder sogar selbst löten und andere tolle Sachen machen. Ich habs dieses Jahr erst zwei Tage vorher gemacht und da waren leider alle Plätze in den geschlossenen Veranstaltungen vergeben.
  4. Schaut auf die Zettelchen, die im Laufe der vier Tage überall erscheinen. So verpasst man nicht, wenn es T-Shirt-Druck, Fidget Spinner Workshops oder Laser Cutter Kurse gibt.
  5. Bringt Tretroller, Bobbycars und Bollerwagen mit, um die großen Distanzen zu überwinden. Und Wanderschuhe.

Foto: 34c3-082 von Ingo Kleiber unter CC BY 2.0 auf flickr.com.

Das Angebot des Junghackertags war dieses Jahr großartig. Von Cryptoparty, über Alienbotschaften entschlüsseln bis Wissenschaftsschnitzeljagd war neben Programmieren und Löten alles dabei.

Ich kann wirklich sehr empfehlen sich ein Kind zu schnappen und am Junghackertag teilzunehmen. Wenn man selbst interessiert, aber ein bisschen ängstlich ist, nicht genug zu wissen und dann doof dazustehen, kann man immer noch das Kind als Alibi nehmen und so wirklich sehr viel lernen.

Die Kinder selbst haben in der Regel keinerlei Berührungsängste.

Ein Großteil der Vorträge wird außerdem übersetzt und gestreamt. Man muss also nicht (permanent) physisch anwesend sein. Man kann sich so auch Pausen in der Ferienwohnung oder im Hotel gönnen und trotzdem Input aufnehmen.

Für mich ist der Chaos Communication Congress der kinderfreundlichste Kongress, den ich bislang kennengelernt habe.

Ein großes Danke an die Organisatoren und die 3.500 freiwilligen Helferinnen und Helfer (Engel werden sie genannt).


*Quelle:

[Anzeige] Let’s talk – Hörwelten

Hörspiele
StockSnap @pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im sechsten Teil geht es um: Hörspiele und Podcasts

Mit Hörspielen sind wir aufgewachsen

In Sachen Hörspiele und Co. habe ich tatsächlich noch nie Eltern gehört, die sich bei ihren Kindern um irgendwas Sorgen machen. Erstaunlich, oder?

Meine Hypothese lautet, dass die Elterngeneration mit Hörspielen aufgewachsen ist. Kassetten und Schallplatten hatten vermutlich fast alle – und das was man kennt, kann man beurteilen und dann bleiben auch die Ängste und Zeigefinger weg.

Ich habe noch lebhafte Erinnerungen an all die spannenden Jan Tenner Folgen, die ich rauf und runter gehört habe. Damals schon hochmodern auf Kassette. Ebenso nostalgisch erinnere ich mich an die Schallplatten, die wir hatten, wie ich sie vorsichtig aus der Hülle nehme, auf den Schallplattenspieler lege und langsam die Nadel sinken lasse. Wie manche Platten sich auf und ab bewegen, wie manche hängen bleiben und wie sie auch irgendwann anfingen zu leiern. Am liebsten habe ich meine Märchensammlung gehört, auf der auch das Lied „Der König in Thule“ war, das ich immer und immer und immer wieder gehört habe – einfach weil es so wunderbar traurig war.

Die Möglichkeiten sind heute nahezu unüberschaubar

Früher war es schon viel, wenn man zehn Kassetten und Schallplatten hatte. Über so eine Beschränkung kann man heute nur lachen. Es gibt zahlreiche Plattformen, deren Angebot so groß ist, dass man niemals alles hören kann.

Gemeint sind Sportify, Audible, Deezer, Amazon Prime Music, um nur einige Anbieter zu nennen.

Wir sind auch dankbare Konsumenten von Ohrka (wieder online ab 1.11.) und Vorleser und besuchen regelmäßig die Bibliothek, um uns dort Hörspiele auszuleihen.

Dass die Vielfalt zugenommen hat und dass es nicht mehr nötig ist, Kassetten, CDs und Platten zu besitzen, hat Eltern große Erleichterung gebracht.

Ende der 80er konnte mich meine jüngere Schwester noch foltern, indem sie ihre Bibi Blocksberg Sammlung immer und immer wieder gehört hat. Selbst das erste Kind unserer Familie, hat tagein, tagaus die selben Hörspiele gehört, bis wir Eltern letztendlich wimmernd um Gnade bitten mussten.

Das hat, wie gesagt, endlich ein Ende. Natürlich lieben Kinder immer noch Wiederholungen – dennoch kann man als Eltern viel einfacher die ein oder andere Alternative anbieten.

Hörspiele
kaboompics @pixabay

Worauf achten, wenn man Kinder eigenständig Hörprogramm auswählen lässt

Ich mag ja selbständige Kinder und von daher finde ich das Thema Audio-Plattformen gar nicht so untrivial. Für Kinder, die nicht sicher lesen können, ist es letztendlich ziemlich schwierig sich etwas auszusuchen.

Sie müssen ggf. die Browseradresse kennen und eingeben können und dann aus dem Angebot wählen.

Meines Wissens nach haben die meisten der genannten Plattformen keinen Altersfilter. Ohne Begleitung rutschen die Kinder da leicht in Formate, die ihnen vielleicht Angst machen oder sie beunruhigen.

Ich weiß nur von Deezer, dass man dort ein Altersprofil einstellen kann und die Inhalte entsprechend gefiltert werden. Korrigiert mich, wenn die anderen Plattformen das in der Zwischenzeit auch haben.

Ein bisschen einfacher wird es für die Kinder, wenn sie (eigene) Endgeräte haben, auf denen sie Apps benutzen können, da dort die grafische Darstellung und die Bedienart die Auswahl des gewünschten Programms erleichtern.

Eine weiteres Universum: Podcasts

Ich höre mit meinen Kindern tatsächlich oft Podcasts. Sie wollen lieber bestimmte Informationen anhören als komplette Hörspiel(serien) verfolgen. Wenn sie was über Raubkatzen oder Orkane wissen wollen, werden wir bei den Podcasts viel schneller fündig.

Dafür gibt es Suchmaschinen wie fyyd und Podfilter oder man steuert seiten wie Kidspods an, die extra für und von Kindern gemacht sind.

In Deutschland ist es noch sehr, sehr unüblich Werbung in Podcasts einzubauen. Das schätze ich im Moment noch sehr. Insbesondere das Privatradio macht mich in dieser Hinsicht irre. Was die Kinder dort für einen Quatsch hören müssen, ist wirklich zum Kopf auf den Tisch hauen. Leider betrifft das oft nicht nur die Werbung sondern auch die Sequenzen dazwischen (die ich kaum „Programm“ nennen mag).

Wenn Radio für Kinder, dann bitte so etwas wie Kakadu.

Hörspiele
snsforyou @pixabay

Altersgemäß bereitstellen

Für mich ist hier, je nach Alter, das Begleiten und Mitauswählen zentral. Kindern bis in die ca. 2. oder 3. Klasse würde ich eher ein eingeschränktes Angebot überlassen.

Am besten sind da noch die CDs. Die können die Kleinen anhand des Covers auswählen und dann selbst in den CD-Player legen und anhören.

Wie gesagt, Kinder lieben Wiederholungen und am Ende reicht da ein überschaubares Kontingent an Olchis, Conni, Bobo Siebenschläfer und Co.

Erst wenn die Kinder älter sind und tatsächlich gut lesen können, würde ich sie auf das größere Angebot loslassen. Wie gesagt, auch da finde ich Altersfilter gut.

Erst ab 12 bis 13 Jahre würde ich mir dann keine Sorgen mehr machen, dass ein Kind nicht auch für sich selbst beurteilen kann, was ihm gut tut und was nicht.

Fazit: auch hier begleiten

Ich finde es wichtig, die Kinder auch in Sachen Hörwelten zu begleiten. Es ist schon ein bisschen bizarr, dass hier wenig Diskussion unter Eltern stattfindet. Während man 30 min Computerspielen teilweise für bedenklich hält, sind 8 Stunden Radio oder Hörspiele als Dauerbeschallung im Hintergrund als anderes Extrem anscheinend kein Thema.

Wie ist das bei Euch? Was hören Eure Kinder? Was sind Eure Empfehlungen? Begrenzt ihr Hörzeiten? Welche Formate findet ihr gut und warum?

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Weiterführende Links

Weitere Themen der Serie

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmieren lernen

[Werbung] Wir haben jetzt Haustiere nach meinem Geschmack: Dash und Dot Roboter

Dash und Dot
Das sind die neuen Haustiere Dash und Dot. Seltsamerweise haben sie die Stimmen meiner Kinder.

An unterschiedlichen Stellen habe ich bereits darüber geschrieben, dass ich von strenger Regulierung der Medienzeit nicht viel halte. Alternativ versuche ich anzuregen, dass meine Kinder ein ausgewogenes Verhältnis von reinem Medienkonsum (egal ob nun Internet oder z.B. „Fernsehen“[1]) und kreativen Erschaffen von Inhalten haben.

Dabei ist schnell klar geworden, dass meine Kinder nicht immer toll finden, was ich toll finde.

Zum Girls‘ Day bei meinem alten Arbeitgeber, haben wir mit den Mädchen beispielsweise mit Scratch gearbeitet – was großen Anklang fand. Es schien mir daher naheliegend, dass Scratch auch meine Kinder begeistern könnte.

Das war aber ganz und gar nicht so. Erstens muss man für Scratch sicher lesen können und zweitens fehlte zumindest dem mittleren Kind irgendwie die Haptik. Es lernt tatsächlich sehr über das wörtliche begreifen.

Als ich bei Béa Beste den Dash Roboter sah, war mein Interesse deswegen sofort geweckt und ich habe mich sehr gefreut, dass wir den Dash Roboter ebenfalls zur Verfügung gestellt bekommen haben.

Ich hab den Kindern die beiden Roboter (Dash und Dot) gemeinsam mit einem Tablet und den entsprechenden Apps überlassen und mir mal angeschaut, was sie damit machen.

Mit Blockly kann man die Roboter einfach steuern

Das große Kind hat sich über die App Wonder erstmal an das Programmiersystem rangetastet.

Blockly für Dash
Blockly ist ziemlich leicht zu verstehen – v.a. wenn man die Entsprechung der Befehle direkt beim Roboter sehen kann

Kind 2.0 war eigentlich den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar, da es völlig versunken alle Funktionen und Einzelschritte ausprobierte und dann nach sechs (!) Stunden völlig erschöpft zu mir kam. Ich fragte: „Na, wie isses?“

Kind 2.0 trocken: „Langweilig“

Gut – etwas, das sechs Stunden problemlos beschäftigt, kann soooo langweilig nicht sein.

Tatsächlich saß das Kind am nächsten Tag sofort wieder mit den Robotern und probierte neue Dinge aus.

Die Art und Weise wie die Programmierung von Dash und Dot funktioniert (Blockly), ist übrigens Scratch sehr ähnlich. Allerdings sind die Zusammenhänge für Kind 2.0 offenbar viel klarer, wenn sich nicht ein Kreis über den Bildschirm sondern ein Roboter über den Boden bewegt.

Alles in allem ist es wirklich erstaunlich wie schnell ein Kind hier die Grundelemente von Programmierung lernen kann. Ohne Eltern übrigens. Ich liebe ja Spielzeuge, die ohne die Unterstützung von Erwachsenen funktionieren.

Die Puzzle-Programmierung funktioniert sogar ohne stabile Lesekenntnisse

Kind 3.0 (das noch keine große Ausdauer im Lesen hat), hatte auch Spaß an den Robotern und experimentierte mit den Programmierelementen, die visuell orientiert sind.

Es hatte ebenfalls große Freude mit den Robotern selbst, hatte dann aber schnell keine Lust mehr feste Bewergungsabläufe zu planen und in der Programmierung zu hinterlegen.

Als ich eine halbe Stunde später in den Raum kam, hatte es die Programmiersprache zu einem Raumschifferzeugungsformat umfunktioniert. Es bastelte aus den Steuerelementen und Verbindungen visuell Raumschiffe.

Dash mit Puzzle-App
Seht ihr das Raumschiff? Kind 3.0 hält sich nicht so oft an Regeln und dann entstehen tolle Sachen

Alles in allem waren die Kinder einige Wochenenden mit den Robotern beschäftigt. Ich bin allerdings gespannt, wie der Langzeittest ausfallen wird und ob sich die Begeisterung dauerhaft hält. Die Roboter stehen jedenfalls frei verfügbar im Kinderzimmer und ich habe kein Limit für die Benutzung gesetzt.

Am meisten Spaß hatten die Kinder übrigens mit der Aufnahmefunktion der Roboter. Ein Roboter, der reden kann, übt wohl einen besonderen Reiz aus.

An die Privatsphäre ist jedoch gedacht. Die Aufzeichnungen landen nämlich nicht auf den Servern des Herstellers sondern verbleiben auf dem Tablet.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite sind die Deutschen Übersetzungen, die an einigen Stellen für Kinder nicht hundertprozentig zu verstehen sind.

Und ich sorge mich manchmal ein wenig über die Robustheit der beiden Roboter bzw. Kind 3.0 geht doch noch oft sehr ruppig mit den beiden um und ich bin überrascht, dass noch nichts abgebrochen ist – wobei mir Dash zugesichert hat, dass man in der Bauweise auch extra an die temperamentvollen Kinder gedacht hat.

Weitere Einschätzungen zu Dash könnt ihr gerne bei Susanne von geborgen wachsen und Sarah von Mamas Kind nachlesen.

Unser Fazit: Wenn man spielerisch erste Ansätze des Programmierens lernen möchte, sind Dash und Dot ein toller Einstieg. Funktioniert ab Grundschulalter und ohne Elterneinsatz.

Schafft Dash eine neue Generation Software-EntwicklerInnen?

Apropos Programmieren – unter einen meiner Artikel zum Thema spielerisch Programmieren lernen, wurde mal kommentiert:

Ich hab‘ beruflich sehr viel mit Software anderer Leute zu tun: Projekte wie die geschilderten tragen dazu bei, das noch mehr Leute denken sie könnten Software schreiben. Während sie in Wirklichkeit nur anderer Leute Vorlagen nachvollziehen und vielleicht mal links und rechts ein paar Daten umtauschen. Ich bin sehr für einen kreativen und unbelasteten Umgang mit Technik, um den Talenten einen Einstieg zu ermöglichen. Eine Generation Profi-Programmierer werden wir damit nicht erschaffen.

Das möchte ich thematisch nochmal aufgreifen, denn die Zielstellung solcher Spielzeuge ist meiner Auffassung ganz und gar nicht ein Heer an Programmiererinnen und Programmierer zu erschaffen.

Mir geht es v.a. darum, dass Medienzeit nicht leicht apathisch und passiv vor dem Rechner verbracht wird, sondern dass die Kreativität und der Phantasie angeregt werden und das nebenher eine Technikaffinität entsteht, die im späteren Leben hilft up-to-date zu bleiben und von all den Vorteilen, die die Digitalisierung birgt, zu profitieren und v.a. auch so viel Einsicht und Verständnis zu haben, sich kritisch mit Neuerungen auseinanderzusetzen und diese nicht aus Unwissenheit und Unsicherheit zu verteufeln.

Viele reagieren so ängstlich und ablehnend weil bestimmte Geräte oder Plattformen für sie undurchschaubar sind. Spielzeug wie Dash helfen, die wichtige Grenze zwischen „Da steht eine Blackbox, die magisch Dinge tut“ und „Das ist eine Maschine, die Befehle befolgt“ aufzulösen und ein Grundverständnis für das Konzept Algorithmus zu vermitteln.

Schulen können diese Kompetenzen meiner Erfahrung nach nicht im Ansatz vermitteln. Alles, was ich bislang unter dem Deckmantel „Computerunterricht“ gesehen habe, sind im Grunde Windows Produkt Schulungen.

Die Kinder lernen Shortcuts von Windows, zeichnen in Paint und lernen Word-Funktionen kennen und das soll dann für die Zukunft wappnen und Medienkompetenz vermitteln.

Das lässt mich wirklich immer wieder ratlos zurück.

Ich finde deswegen Spielzeuge wie Dash und Co. gehören in die Kinderzimmer, denn die machen so viel Spaß, dass sie das leidige Thema Computerunterricht in der Schule wirklich gut kompensieren.

Apropos Kinderzimmer – in euer Kinderzimmer kann Dash auch einziehen. Ich freue mich einen Dash verlosen zu können!

Die Sommerferien haben begonnen und vielleicht hilft Dash die endlosen und (für mich als Kind waren sie endlos) zu überbrücken.

Verlosung! Was ihr tun müsst, um zu gewinnen:

  • verlost wird ein Dash Roboter von Wonder Workshop [Amazon Werbelink]
  • das Roboter-Set wird verlost unter allen Kommentaren im Blog – beantwortet mir folgende Frage: Wie vermittelt ihr euren Kindern Medienkompetenz und technisches Grundverständnis?
  • mitmachen können alle volljährigen natürlichen Personen
  • die Verlosung läuft bis zum 04. August 2017 um 23 Uhr
  • die GewinnerInnen werden ausgelost und per Mail benachrichtigt
  • der Rechtsweg ist ausgeschlossen
  • eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen
  • erhalte ich innerhalb einer Woche keine Rückmeldung auf die Gewinnbenachrichtigung, verfällt der Gewinn

[1] Einen Fernseher besitzen wir seit mehreren Jahren nicht und seit DVB-T auf DVB-T2 HD umgestellt worden ist, konsumieren wir auch nichts mehr aus dem laufenden TV Programm.

[Anzeige] Let’s talk – about Messenger

Ist WhatsApp wirklich alternativlos? Foto Webster2703 @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich Ende Juni eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet. 

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen. 

Ich versuche mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im zweiten Teil geht es um: Messenger-Apps

Segen Messenger-Apps

Ich liebe es zu chatten. Nie war es einfacher in Verbindung zu bleiben. Sei es mit dem Partner, den Kindern, lieben Freundinnen oder Kolleginnen. Beim Stillen, während langweiliger Pflichtveranstaltungen (Tante Friedel wird 77) oder mitten in der Nacht wenn der Geburtstagskuchen, in den man bereits Stunden investiert hat, leider gerade eingefallen ist.

Mir haben Chats immer sehr geholfen mich nicht alleine zu fühlen. Egal wo ich bin und was ich mache. Gerade neu umgezogen, alleine im Urlaub, verzweifelt seit Stunden wartend beim Kinderarzt – egal – in meinem Handy wartet Trost und Zuversicht.

Genauso freue ich mich für meine Kinder, dass auch sie unkompliziert Kontakt zu ihren Freundinnen und Freunden Kontakt halten können.

Für mich waren die Sommerferien ein Graus früher. Sieben Wochen ohne Freundinnen, weil alle irgendwo waren. Oder Umzüge! Zog die geliebte Freundin ein Dorf weiter, war sie quasi für immer verloren. Oder das unendliche Auslandsjahr!

Das ist heutzutage total anders. Selbst wenn die Freundin in Vietnam ist, kann man weiterhin in Kontakt bleiben.

Kindern das Chatten zu verbieten, wäre für mich deswegen bizarr. Nur die Wahl der richtigen App ist leider ziemlich kompliziert.

Welche ist die richtige Messenger-App?

Elternabend in der Schule: Kurz vor Ende kündigt die Lehrerin an: „Zum nächsten Termin können wir darüber sprechen, ob wir einen WhatsApp-Chat machen oder nicht.“

In mir steigt sofort die Empörung hoch und ich melde mich – wohlwissend wie es andere Eltern empfinden, wenn sich eine Mutter am Ende des Elternabends nochmal schnell mit hochrotem Kopf meldet: „Ich hätte gerne, dass wir eine Stufe vorher mit der Diskussion anfangen und dann darüber sprechen, ob es ein WhatsApp-Chat sein muss oder ob vielleicht eine andere App nicht geeigneter wäre.“

Der Blick der Lehrerin sagt Whatever und der Mund sagt: „Ja, natürlich.“ Die Blicke der Eltern sagen: „Bitte, bitte, wir wollen nach Hause, nerv‘ doch nicht.“

Ich atme leise durch die Ohren aus. WhatsApp wird leider meistens als völlig alternativlos als gesetzt gesehen.


Ein kleiner Exkurs.

Im Mai habe ich über Sprachnachrichten geschrieben und einen nachgebildeten (!) Screenshot aus dem WhatsApp Messenger benutzt.

Der Tweet dazu wurde oft geteilt und der Artikel fast zehntausend Mal aufgerufen. Das habe ich sehr bereut – eben wegen der Verbreitung des besagten WhatsApp-Screenshots.

Tatsächlich benutze ich WhatsApp – aber nur bei Freundinnen und Freunden, die wirklich nur dort zu erreichen sind.

Ich habe durchgezählt: das sind lediglich fünf von ca. fünfzig Menschen mit denen ich mehr oder minder regelmäßig chatte. Alle anderen sind bei mir entweder auf Threema oder auf iMessage.

Werbung für die Verwendung von WhatsApp wollte ich nie machen. Im Gegenteil.

WhatsApp – na und? Benutzen doch alle!

Warum glaube ich, dass es ein Unterschied macht, welchen Messenger man verwendet?

Messenger sind unterschiedlich sicher und sie gehen unterschiedlich mit unseren Daten um.

Viele wissen vermutlich, dass WhatsApp seit April 2016 die Daten Ende-zu-Ende verschlüsselt. Diese Verschlüsselung schützt jedoch nicht vor der Weitergabe und Auswertung von Metadaten.

Metadaten sind alle Daten, die neben den eigentlichen Nachrichten anfallen. Dazu gehören z.B. Informationen wann man wie oft von wo mit wem chattet.

Aus diesen Daten kann eine Menge (fehl)geschlossen werden. (Ich habe an anderer Stelle mal versucht mehr oder weniger lustig darzustellen, wie ein Ausschnitt bestimmter Informationen einige ziemlich unpassende Fehlschlüsse zulässt.)

WhatsApp sammelt die Metadaten und gibt sie an den Mutterkonzern Facebook weiter. Dort werden sie verwendet um von den einzelnen Nutzerinnen und Nutzern Profile zu erstellen, damit auf Facebook passgenaue Werbung angezeigt werden kann.

Wer seine Privatsphäre liebt, kann das nicht gutheißen.

Ausführlicher kann man die Argumente, die gegen die Verwendung von WhatsApp sprechen, hier und hier nachlesen. Die Details würden den Rahmen meines Artikels sprengen.

Wichtig auf jeden Fall noch: In den Systemeinstellungen eures Endgeräts selbst, könnt ihr WhatsApp ziemlich viele Rechte entziehen:

Ich möchte im Zusammenhang mit WhatsApp und Kindern zwei andere Argumente beleuchten:

WhatsApp hat weltweit über eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Wenn ich mit anderen über WhatsApp spreche, höre ich v.a. zwei Argumente.

1.) Oma, Karl, Silke und Thorsten sind halt schon bei WhatsApp…

und

2.) WhatsApp ist kostenlos!

An Punkt 2.) möchte ich gleich anknüpfen. WhatsApp bezahlt man tatsächlich nicht in Euro sondern eben – wie oben geschildert – mit Daten.

Das Unangenehme: Ihr zahlt nicht nur mit euren Daten, sondern gebt auch alle Daten aus eurem Telefonbuch (also die Daten anderer) weiter.

Es ist übrigens möglich bei Installation der App dieser Verknüpfung zu widersprechen – die Chats sehen dann aber wie in dem Screenshot unten aus und sind, wenn es beispielsweise um Gruppenchats geht, unübersichtlich, weil man nicht einfach zuordnen kann, wer was schreibt:

Wenn man das Telefonbuch nicht verknüpft, sieht man keine Namen – nur das Profilbild und die Nummer.

Geschäftsmodelle hinterfragen ist Teil von Medienkompetenz

Gerade das Geld-Argument ist übrigens ein sehr starkes für die Wahl von WhatsApp bei Kindern.

Als Eltern könnt ihr dem relativ leicht entgegenwirken

  1. gebt den Kindern einfach das Geld um sich eine datensensible App zu kaufen
  2. und sprecht mit euren Kindern über Geschäftsmodelle. Selbst Kindern leuchtet das relativ einfach ein: Stellt die Frage, wie eine Firma Geld verdient. Auch Kinder können sich vorstellen, dass Menschen, die für ein Unternehmen arbeiten, irgendwie Geld bekommen müssen und dass es unterschiedliche Wege für Unternehmen gibt, Geld zu generieren.

Wer diese Frage kennt und sie auf neue Dienste anwendet, hat schon viel über Medienkompetenz gelernt.

Dem ersten der oben genannten Argumente könnt ihr schlecht entgegenwirken – bestenfalls wenn man das Thema schon sehr früh diskutiert und auch bei anderen Eltern in die Diskussion einbringt. Wenn eure Kinder die ersten mit alternativen Messenger sind, ist es vielleicht leichter, andere zu überzeugen, ebenfalls von der Nutzung von WhatsApp abzusehen.

Gleiches gilt übrigens für Aufklärungsarbeit am Elternabend. Ich möchte behaupten, dass 80% der Eltern sich noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Meine Empfehlung: Threema

Meine Empfehlung für eine sichere App, die ordentlich mit euren Daten umgeht, ist Threema.  Threema kostet 3,49 Euro im iTunes Store und 2,99 Euro im Google Play-Store). Test.de schätzt das ähnlich ein.

Alle anderen Alternativen (beispielsweise Telegram und Signal) möchten ebenfalls Daten aus dem Telefonbuch laden. Man kann das so wie bei WhatsApp unterbinden – Chats sind dann so unübersichtlich wie in der Abbildung oben.

Auf dem Desktop sieht man schön meine Inkonsequenz *seufz*

Mehr Argumentationshilfe gegen WhatsApp gibt es übrigens bei Netzpolitik unter z.B. Abschied von WhatsApp: Fünf gute Gründe, den Messenger zu wechseln (Wer die Nerven hat, sollte sich auch mit dem Thema Open Source Software auseinandersetzen – auch eine Sache, die als Bewertungskriterium bei allen Arten von Software gilt).

Am Ende muss man sich entscheiden:

  • WhatsApp gar nicht verwenden und damit auf unkomplizierte Kontaktmöglichkeiten zu bestimmten Menschen komplett verzichten
  • WhatsApp für einen Teil der Kontakte benutzen – aber die Verknüpfung zum Telefonbuch sperren und mehr oder minder kryptische Chats und die Weitergabe der Metadaten akzeptieren
  • oder WhatsApp „normal“ benutzen, die Daten aus dem Telefonbuch hochladen und Metadaten dem Facebook-Konzern überlassen.

Eine weitere WhatsApp-Plage sind „Ketten-Briefe“

Übrigens ein weiteres Argument gegen WhatsApp ist für mich als Mutter das Thema Ketten-Briefe (eigentlich Ketten-Nachrichten). Da gibt es wirklich unsägliche Dinge. Ich habe noch nie gehört, dass über Threema ähnlicher Mist an die Kinder gelangte.

oder

Je nach Alter setzen solche Nachrichten Kinder wahnsinnig unter Druck.

Fragt eure Kinder mal, ob sie bereits ähnliche Nachrichten erhalten haben. Viele Kinder erzählen aus Angst gar nicht erst darüber. Sprecht mit euren Kindern über diese Ängste und kontaktiert ggf. das versendende Kind und deren Eltern, um dort auch ins Gespräch zu kommen.

Erst kürzlich ging eine noch drastischere Audionachricht herum, die seit 2013 auf WhatsApp kursiert. Sie droht den Kindern mit dem eigenen Tod und dem der Mutter, sofern die Nachricht nicht in kürzester Zeit an zwanzig weitere Empfänger verschickt wird.

Weitere Tipps zum Umgang mit diesen Ketten-Briefen z.B. unter „Wenn Kinder Morddrohungen per WhatsApp bekommen.

Am Ende muss man sich für oder gegen WhatsApp entscheiden

Zurück zum Thema Wahl des Messengers – meine persönliche, zähneknirschende Entscheidung: Beides erlauben, schauen, ob man mit WhatsApp klar kommt, wenn man die App nicht mit dem Telefonbuch verknüpft ist und immer wieder Diskussionen anzetteln.

Ich halte es da wie mit allen Nachhaltigkeitsthemen: Ich weiß, dass ich nicht alles restlos perfekt machen kann, also erlaube ich mir Ausnahmen.

Jetzt da ich mich wieder ausführlich mit dem Thema auseindergesetzt habe, habe ich erneut ein sehr schlechtes Gefühl mit meiner Inkonsequenz…

Einmal hochgeladene und freigegebene Daten des Telefonbuchs sind eben nicht mehr löschbar.

Dass das Thema Datenweitergabe durchaus relevant ist, zeigt übrigens das (juristisch umstrittene) „WhatsApp Urteil von Bad Hersfeld„: In dem Urteil hat der zuständige Richter einer Mutter auferlegt, schriftliche Einverständniserklärungen aller WhatsApp-Kontakte ihres Sohnes einzuholen und diese dem Gericht vorzulegen – andernfalls dürfe das Kind die App nicht weiter nutzen.

Von der Nachricht wie der Staatstrojaner Daten (u.a.) aus WhatsApp abziehen möchte, fange ich gar nicht erst an…

Es ist und bleibt sehr kompliziert mit diesem Thema.


Wie geht ihr damit um? Was sind eure Empfehlungen und wie wichtig ist euch Datenschutz und Privatsphäre?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt darüber auf Facebook. Wenn ihr euren Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.


Wen auch die rechtlichen Rahmenbedingungen interessieren, dem empfehle ich die aktuelle Rechtsbelehrung zum Thema „WhatsApp, Messenger und Abmahnungen“ reinzuhören.

Weiterführende Links

 

Weitere Themen der Serie

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmieren lernen

25 Frauen – 25 Vorbilder

Gestern Abend war die Preisverleihung des Edition F 25-Frauen-Awards im Kino International.

Ich bin jetzt mal sehr ehrlich: Ich bin hingegangen weil es eben an diesem Ort war. Ich liebe das Kino International sehr. Es gibt kein schöneres Kino in Berlin (wohlmöglich in der Welt) und im Gegensatz zu den großen Multiplex Kinos, kann man vor dem Film dort zu vernünftigen Preisen ein Getränk zu sich nehmen. Das nur vorweg. Sprich: Ich hatte an den Abend keine Erwartungen. Ich wollte einfach mit meiner lieben Freundin an einem schönen Ort ein bis zwei Getränke zu mir nehmen.

(Hier! Clickbait!) Doch dann kam alles ganz anders!

Am Ende des Abends kam ich nämlich total glücklich und inspiriert nach Hause. Die Verleihung des 25 Frauen Preises war eine großartige Gala mit außergewöhnlichen Frauen in bester Stimmung.

Aber vielleicht doch noch einen Schritt zurück. 25 Frauen: Was ist das eigentlich?

Der 25-Frauen-Award wurde ins Leben gerufen, um Frauen sichtbarer zu machen. Er wurde dieses Jahr bereits das 4. Mal vergeben und stand 2017 unter dem Motto „25 Frauen, deren Erfindungen unser Leben verändern.“

Aus 500 Nominierungen wurde eine Vorauswahl von 50 Frauen getroffen und eine Jury kürte am Ende 25 Frauen, die außergewöhnliches erfunden haben.

(Lest unbedingt die Details zu den Gewinnerinnen und ihren Erfindungen).

Wobei ehrlich gesagt, haben mich gar nicht so sehr die konkreten Erfindungen beeindruckt (wobei, dass man aus Milcheiweiß Textilfasern machen kann, finde ich doch sehr faszinierend oder dass man Plattenbaubeton recyceln kann… na gut und dass es ein System gibt, das Schall eines Lautsprechers um Hindernisse so umlenken kann, dass man direkt dahinter was hören kann, ist vielleicht auch ziemlich beeindruckend…so wie die Waschstraße für Menschen, die schnell und energiesparend dekontaminiert…), sondern die Frauen in ihrer Gesamtheit.

Ich war schon auf vielen, meist sehr, sehr männlich geprägten Veranstaltungen, wo irgendwelche Anzugträger auf der Bühne standen und sich beim Reden selbst gefallen haben, während sie von einem männlichen Moderator interviewt wurden, der sich selbst auch sehr toll fand.

Ich beschreibe hier ein Klischee, das ist wahr – aber eben eins, das oft zutrifft.

Der Abend im International war völlig anders. Die Moderatorinnen selbstbewusst, aber tiefenentspannt und selbst der obligatorischen Danksagung an die zahlreichen Sponsoren der Veranstaltung konnte man gut zuhören.

Die Gewinnerinnen hatten einen beeindruckenden Altersrange (v.a. die jungen Frauen hätte ich mir gerne gepackt und auf die Schulen verteilt, damit die Mädchen gerade für die MINT Themen so großartige Vorbilder haben) und hatten alle was zu sagen. Nicht nur blablablanlub und schaut mal wie toll ich bin.

Die Stimmung war hervorragend. Als z.B. Alice Merton auftrat, dachte ich noch: Mann, die armen Musikerinnen, die vor Sitzpublikum auftreten müssen und sich die Seele aus dem Leib singen und dann bewegt sich niemand. Aber neeee! Irgendwo kreischte und jubelte es und plötzlich tanzte und klatschte (liebes Mitpublikum, ich verzeihe euch das Mitklatschen auf 1 und 3) der ganze Saal.

Man kam total leicht mit anderen Frauen ins Gespräch (ich bin sonst die totale Smaltalkversagerin) und alle Gespräche waren von Wertschätzung und Offenheit geprägt.

Ich wurde einige Male für mein Blog angesprochen und war kurz davor in Tränen auszubrechen, weil ich das Gefühl hatte, ich Wurm zwischen all den unglaublich tollen Frauen und dann flattert mir eine Art Wertschätzung entgegen, die mir wirklich das Herz aufgehen ließ.

Es war einfach ein wunderbarer Abend für den ich mich wirklich bedanken möchte. Es fühlt sich so gut an zwischen all den phantastischen Frauen zu sein und zu denken: Ja! Das sind die Menschen, die ich sehen will, das sind die Menschen, die ich meinen Kindern zeigen will, ich will, dass sie sich inspiriert und ermutigt fühlen, dass sie auch denken: Meine Idee ist super, da setze ich mich jetzt einfach mal ein paar Nächte hin und bastle was und selbst wenn es nicht funktioniert, dann bin ich nicht gescheitert sondern dann habe ich eine Erfahrung gesammelt und neues Wissen aufgebaut, das mir später weiterhilft.

Ich habe körperlich gespürt, dass es etwas total anderes ist physisch zwischen so einer großer Menge Frauen zu sein als im Internet mal den ein oder anderen Artikel über inspirierende Frauen zu lesen.

Es braucht die Sichtbarkeit, es braucht die Vorbilder für die kommenden Generationen und auch für mich und meine Generation.

Es hilft nicht zu wissen, ah eine einzelne Frau im Vorstand, ah eine weibliche Ausnahmeerscheinung in der Techszene, ah eine Physikerin, die bahnbrechendes erfunden hat.

Man muss diese Frauen SEHEN! Im Alltag. In den Medien! Auf Podien. Man muss sie hören.

Wie gesagt: v.a. die jungen Frauen waren so toll in ihrer „einfach machen, wenn man da Bock drauf hat“-Attitüde. Mein Gott, habe ich da gemerkt wie alt ich bin. Was ich für eine elendige Bedenkenträgerin bin und wie ich mich manchmal auch selbst blockiere. All die ja-abers.

Es gab übrigens auch ziemlich fette Goodie-Bags. Und ich weiß natürlich geschenktes Gaul und so, aber damit ich ganz am Ende einen Verbesserungsvorschlag in all der Lobhudelei gemacht habe: Wie cool wäre denn zum Forscherinnen und Makerinnenthema, wenn da ein Sponsor dabei gewesen wäre, der sowas anbietet wie ein Hardwarehacking-Einstiegsset oder einen kleinen Chemieexperimentierbaukasten. Ich freue mich wirklich über schöne Lippenstifte (wirklich), aber kann es sein, dass es schon öfter Thema war, dass zu einem Tech/Mathe/Physik Event bestimmte Giveaways nicht noch besser passen würden?

Insgesamt großen Dank an das Team von Edition F und meinen Glückwunsch an die Gewinnerinnen:

Patricia Asemann,u.a. Jugend forscht Gewinnerin
Katrin Bermbach, Nora Blum, Farina Schurzfeld, Gründerinnen Selfapy
Melanie Blokesch, Grundlagenforscherin zu Cholera
Anke Domaske, Gründerin QMilk
Maria Driesel, Gründerin Inveox
Monika Fleischmann, Medienkünstlerin
Pia Frey, Mitgründerin Opinery
Susanne Friebel, Gründerin Phoneon
Marcella Hansch, Erfinderin von Pacific Garbage Screening
Sonja Jost, Mitgründerin DexLeChem
Seira Kerber, Erfinderin X-Wash
Sabine Kroh, Gründerin Call a Midwife
Linda Kruse, Co-Founder The Good Evil
Johanna Ludwig, Co-Founder Akvola
Konstanze Marx, Cybermobbingexpertin
Marion Merklein, Fertigungstechnologin
Angelika Mettke, Erfinderin des Plattenbaubetonrecyclings
Cordula Nussbaum, Coach
Mai Goth Olesen, Erfinderin Meal-Saver
Katrin Reuter, Erfinderin von Trackle
Heike Riel, IBM Fellow
Julia Schröder und Theresia Uhrlau, Entwicklerinnen von Yuma
Julia Shaw, Kriminalpsychologin
Judith Springer, Gründerin Fine-Deodorant
Lia Magdalena Weiler, Co-Founder Glow

Fidget Spinner – des Kindes Rosenkranz

Fidget Spinner
Early Adopter Kind 3.0 brachte den Fidget Spinner in unseren Haushalt

Wißt ihr noch? Damals die Loom Gummis? Einen nicht unbeträchtlichen Teil meiner Altersvorsorge habe ich in ca. 200.000 Loom Gummis angelegt    [1].

Nach den Loom Gummis zog über uns ein Star Wars Hype hinweg, dann bedeckte uns die Pokémon Karten Welle und nun sind es die Fidget Spinner.

(Fidget heißt übrigens „Zappelphilip“)

Vor ca. zwei Wochen kam Kind 3.0 zu mir und wollte einen Fidschuht Spinna. Ähnlich wie damals bei den Bauer Räinschan, habe ich einige Zeit gebraucht um herauszubekommen, was das sein könnte.

Der Weg wie diese Dinge in die Welt und dann zu Kind 3.0 finden, ist gleichermaßen mysteriös wie bemerkenswert.

Noch lange bevor das erste Kind einen Fidget Spinner hatte, erzählten sich die Kinder Legenden. Es gäbe welche, mit denen könne man Gemüse schneiden!

Ein sehr gutes Argument, um das Ding den Eltern schmackhaft zu machen: „Wenn Du mir eins kaufst, kann ich Dir helfen Zucchini zu schneiden. Auch Äpfel und Möhren sind kein Problem!“ versicherte mir Kind 3.0.

Wenig später kam das Kind von der Schule und berichtete von unglaublichen Kunststücken, die man mit den Fidget Spinnern machen könne. In A-M-E-R-I-K-A (!) gäbe es Kinder, die den Spinner drehend von einem Finger auf den anderen springen lassen könnten.

Zum Weltkindertag hatten dann plötzlich gefühlte 3/4 aller Kinder einen Fidget Spinner.

Da die Kinder bei uns zum Kindertag nichts bekommen, musste das arme Kind 3.0 sein gesamtes Taschengeld ausgeben, um sich einen eigenen Spinner zu kaufen: „Mama, Du weißt doch. Ich mag gerne die neuen Sachen ganz am Anfang mitmachen!“.

Early Adopter nennt man sowas wohl.

Wie es dann an Schulen mit allen Neuerungen und Dingen ist, die Kinder über die Maßen begeistern – schon am nächsten Tag waren die Spinner verboten [2].

Aber noch mal einen Schritt zurück.

Was ist ein Fidget Spinner?

Ein Fidget Spinner ist eine Art Kreisel, den man auf einem Finger balancieren kann. In der Mitte befindet sich ein Kugellager und außen – je nach Bauart – Flügel mit kleinen Gewichten. Der Spinner wird angedreht und dreht dann einige Sekunden (oder Minuten).

Wo kommt der Fidget Spinner her?

Die Urform wurde in den 90ern von Catherine Hettinger erfunden. Die Kosten für das Patent konnte sie aber nur acht Jahre tragen. Sie trat mit ihrer Idee an verschiedene Spielzeugfirmen und tatsächlich hat Hasbro das Spielzeug Anfang der 2000er mit einigen Kunden verprobt, da die Idee die Probekunden nicht überzeugte, nahm man jedoch Abstand von ihr.

Aufgrund der enormen Popularität versucht Catherine Hettinger nun auf Kickstarter ihre ursprüngliche Idee zu finanzieren.

Wieder aufgekommen ist die Idee vielleicht im Zusammenhang mit der Crowdfunding Kampagne um einen Fidget Cube. Dort wurden in kürzester Zeit 6,4 Millionen Dollar (Ziel waren 15.000 Dollar) für ein ähnliches Fingerbeschäftigungsspielzueg gesammelt.

Das Crowdfunding ging auf der Plattform als die 9. erfolgreichste Kampagne seit Gründung ein.

Wie dann der Kreisel in die amerikanischen Klassenzimmer gefunden hat, konnte ich nicht nachvollziehen. Forbes berichtet schon Dezember 2016 von dem Hype.

In den USA wurden die Fidget Spinner übrigens genauso schnell verurteilt wie in Deutschland (Kulturpessimismus folgt den selben Regeln). Ein Kind läuft auf den Finger Spinner fokussiert fast vor ein Auto. Klarer Fall von: Das Spielzeug ist vom Teufel. Die armen Kinder sind besessen! An nichts anderes können sie mehr denken. Sie spielen den ganzen Tag damit. Verbieten!

(Ich frage mich wirklich, wann irgendwer mal drauf kommt, dass es vielleicht ein völlig normaler Teil der Kindheit und Jugend ist, sich exzessiv mit DIngen zu beschäftigen und über die Maßen begeisterungsfähig zu sein… und sich dann im nächsten Schritt zu fragen, wie man das vielleicht nutzen könnte… )

Ich finde es jedenfalls faszinierend, was man alles damit machen kann.

Man kann sich auch welche selbst bauen:

(Bestimmt kommt da bald noch was besseres von Bea Beste)

Irre ist auch die Varianz der Fidget Spinners. Sie leuchten, glitzern, klingeln:

Deswegen to keep a long story short: Vielleicht mal mit den Kindern begeistern, statt zu rufen: Wasn Scheiß! Wie nutzlos! Gefährlich! Untergang des Abendlandes!


[1] Das sei den Skeptikern meines letzten Blogbeitrags zur Beruhigung gesagt. Ich habe eine Mischstrategie, was meine Altersvorsorge angeht: Riester Rente, Aktien, Häuser, Goldbarren, Loom Gummis und zwei Tonnen Schleichtiere.

[2] Wie ich diese Kultur hasse! Statt Dinge aufzunehmen, die Kinder begeistern: VERBOT!