Ich liebe Flohmärkte. Gestern für einen Euro Nachziehfeuerwehr Fischerprice original 1968 ergattert. Reicht für eine Woche Freude.

Ich liebe Flohmärkte. Gestern für einen Euro Nachziehfeuerwehr Fischerprice original 1968 ergattert. Reicht für eine Woche Freude.

Es ist nicht so, dass man sich langweilt wenn man in Elternzeit ist. Ich weiß Dinge eben nur gerne genau. Deswegen habe ich eine Woche lang unseren Papiermüll gewogen. Tatsächlich häufen sich wöchentlich 2,73 kg Pappe und ganze 1,71 kg Papier in unserem Haushalt an.
Da der Mann nicht sooo gerne Müll runter bringt und Elterngeld zwar toll – aber wie jedes Gehalt nicht unbedingt ausreichend ist – hatte ich gestern eine tolle Idee.
Ich loche unseren Papiermüll und verarbeite ihn zu Füllmaterial für Konfettikanonen. Diese enthalten 100 Gramm Schnipsel und kosten im Schnitt 2,50 Euro. Das bedeutet, dass man alleine mit dem reinen Papiermüll gut 45 Euro Umsatz machen kann. Aus dem Pappmüll formt man die schönen Abfeuerröllchen und die Kinder bemalen nach Schule und Kindergarten die Hüllen. Macht rund 30 Euro Reingewinn pro Woche – nur mit Eigenmüll! Gar nicht daran zu denken, wenn ich auch noch die Restmülltonne in unserem Hof nach Papier durchwühle. Unsere Nachbarn halten zum größten Teil nämlich nichts von Mülltrennung!
Kurzum: Bald bin ich reich!

Eltern kennen das. Das Baby strahlt doch kurze Zeit später stinkt es. Ab zur Wickelkommode also. Wenn man dort zum Windeln wechseln den Po anhebt, läuft das Baby oben aus. Manchmal fontänenartig. Die Windel ist schon geöffnet und während man das Mündlein trocken tupft, tunkt das Baby fröhlich die Füßlein in die flüssige Babykacke und stempelt die Wickelkommode. Hektisch greift man zum Tuch und poliert das gute Möbelstück, da pinkelt das Baby im hohen Bogen aufs elterliche Shirt.
Des Zen mächtig, putzt man das Baby, zieht einen neuen Body an als es gleich wieder reihert als gäb’ es kein morgen. Während man erneut den Body wechselt, kommt wieder dieses freundliche Drückgesicht und schon ist die Windel voll.
So kann man Stunden verbringen. Putzen, umziehen, wischen, anziehen, ausziehen, reinigen, anziehen, tupfen, ausziehen,… immerzu und immerfort.
Viel zu aufwändig. Ich habe jetzt den Einmalklamott erfunden. Am Montag kommt das Baby rein. Am Sonntag wird er gewechselt – dazwischen ritsch-ratsch wird nur Schicht für Schicht abgezogen.
Der Einmalklamott ist erhältlich in Supersuck (28 Lagen) oder Everydaypuke (7 Lagen). Kotzt, nässt oder verunreinigt sich das Kind, reißt man einfach eine Lage ab und fertig.
So startet das Baby jeden Montag prall wie ein frischer Döner in die Woche und endet am Sonntag quasi badefertig und nackt zum wöchentlichen Waschritual.Spart täglich vier Stunden Arbeit (umziehen, saubermachen, Wäsche waschen, aufhängen und in den Schrank räumen).
Also eigentlich tut Berlin so einiges nicht. Allen voran im Moment Schnee schippen und Eis pickeln. Die Hausverwaltungen nicht und die BSR nur gelegentlich und wenn es unbedingt sein muss.
Berlinbesucher verkennen die Hintergründe völlig. V.a. die aus Süddeutschland, die es gewohnt sind um 5.30 Uhr aufzustehen, um vor dem Eigenheim Schnee zu räumen, weil die Gemeinde sonst ihre Lakeien schickt, die sie persönlich auspeitschen wenn sie dieser Pflicht nicht nachkommen.
Berlin verzichtet auf das Schneeschippen nicht grundlos.
Glatteis wirkt der Überalterung entgegen. Rentner brechen sich auf den spiegelglatten Wegen die Hälse oder aber sie verhungern in ihren Wohnungen weil sie sich gar nicht erst raus trauen.
Die jüngeren Einwohner setzen ihren Fuß nur nach draußen wenn es unbedingt sein muss. Zum Beispiel zum Geld verdienen oder Geld ausgeben. Ansonsten machen sie es sich kuschelig warm und beginnen vor lauter Langeweile mit der Fortpflanzung. Ganz so wie 1965 in New York als der Strom für sieben Stunden ausfiel.
In neun Monaten wird der WM-Babyboom im Gegensatz zum Glatteis-Babyboom nur noch eine jämmerliche statistische Unregelmäßigkeit sein und dann werden die undankbaren, verständnislosen, immer über das Glatteis jammernden Berliner verschämt zu Boden schauen.

Wenn mich eine kinderlose Freundin das 200. Mal hintereinander anruft, obwohl ich hoch und heilig versprochen habe, mich mal zu melden „wenn es ruhiger ist“, verspüre ich tiefe Dankbarkeit. Meistens meine ich die Dinge, die ich schreibe, ironisch. An dieser Stelle muss deutlich gesagt sein: Diesmal nicht. Ich bin meinen lieben, kinderlosen Freundinnen wirklich, wirklich dankbar, dass sie mich nicht vergessen und sich regelmäßig melden, mich zuhause besuchen kommen oder mit mir ins Kino gehen, obwohl ich sieben Mal kurzfristig absage und meistens während des Films einschlafe.
Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Einer seltsam mutierenden Freundin Freundin bleiben.
Ich stelle mir das so vor: Eines Tages verkündet Freundin R., mit der ich regelmäßig shoppen und Käffchen trinken gehe, freudestrahlend, dass sie sich eine Nacktmullzucht zulegen wird. Ich glaube nicht so recht an die Ernsthaftigkeit ihres Vorhabens und bin verwundert, als sie sich einige Wochen später meldet: Der erste Nacktmull ist da. Kommst Du mich besuchen? Wir freuen uns so sehr.
Aus Höflichkeit gehe ich in ein Fachgeschäft für Nacktmulle und kaufe ihr einen Nacktmullkauring mit Wurzelgemüsengeschmack. Bereits als R. die Tür öffnet, schwant mir seltsames. R., die sonst ganz passabel aussieht, erscheint ungekämmt in Jogginghose. Im Hintergrund höre ich seltsame Geräusche. „Unser Nacktmull Otto“, strahlt R. und hält ihn mir unter die Nase. Ich lächele.
Wir gehen ins Wohnzimmer und sie berichtet über die Schwierigkeiten und Besonderheiten der Nacktmullpflege. „Wußtest Du, dass Nacktmulle nie trinken? Sie haben wahnsinnig effiziente Nieren und nehmen die ganze Flüssigkeit über die Nahrung auf“, während sie mir das erzält, pürriert sie stinkende Pflanzenknollen „Ziemlich teuer, wachsen nur in den Halbwüsten Ostafrikas“. Otto hat noch keine Zähne.
Meine Freundin R. sieht erschöpft aus. Nacktmulle sind nachtaktiv. „Wenn man was von ihnen haben will, muss man nachts aufbleiben.“
So geht das zwei Jahre und eines Tages ruft R. wieder an und sagt, dass Otto jetzt groß genug ist und sie einen zweiten Nacktmull kaufen werden. Als ich sie wieder besuche, hält sie mir ein weiteres dieser seltsamen Wesen unter die Nase. „Sieht er nicht süß aus?!“ Für mich sieht ein Nacktmull aus wie der andere, aber ich nicke.
So ist das mit R. jahrelang. Ab und zu kommt ein neuer Nacktnull hinzu oder die alten entwickeln neue Macken.
Trotzdem sind wir weiter Freundinnen – R. und ich.

Wenn man mich als gebürtigen Wessi fragen würde, was typisch Ossi ist, dann würde ich ohne Zögern antworten: Hände schütteln.
Zu jedem Anlass werden Hände geschüttelt. Man kommt in ein fremdes Büro: Hände schütteln. Man trifft flüchtige Bekannte auf der Straße: Hände schütteln. Man geht zum Arzt: Hände schütteln. Man kauft sieben Schrippen: Hände schütteln.
Wenig verwunderlich ist es deswegen, dass Kinder dies ab dem sechsten Lebensmonat in der Krippe eingetrichtert bekommen. „Schön Händeschütteln tutsi tutsi!“
Gestern musste ich jedoch schreckliches beobachten. Kind 1.0, total auf Hände schütteln getrimmt, reicht der Horterzieherin zur Verabschiedung die Hand und diese ermahnt lächelnd: „Naaaa? Was wollten wir nicht mehr machen? Hände schütteln! Nich? Ja, ja!“
Was war passiert? Kind 1.0 klärte mich auf: „In der Schule wird wegen der Schweinegrippe nicht mehr die Hand geschüttelt.“
DER UNTERGANG DES ABENDLANDES FAND HIER SEINEN BEGINN.
Da wo wir wohnen ist es eigentlich ganz schön. Nur zwei Jahre nach der Geburt unseres ersten Kindes war schon der Aufzug einer Linie fertig, die irgendwann in der Nachkriegszeit gebaut wurde. Die komplette U-Bahnlinie mit 13 Stationen hat genau drei Stationen, die über einen Aufzug verfügen.
Jedenfalls habe ich die ersten zwei Jahre viel Spaß mit Kinderwagen samt Kind Treppen rauf und runter tragen gehabt. Hilfe bekommt man in einem von zehn Fällen und meistens auch nur bis zur Zwischenetage „Für die nächsten Stufen finden sie bestimmt jemanden“ heißt es da fröhlich und der Helfer zieht von dannen.
Vereinzelt gibt es statt der Aufzüge wenigstens Rolltreppen. Diese dürfen seit Anfang des Jahres nicht mehr benutzt werden. Da hat sich die BVG sehr zügig an die Anbringung von entsprechenden Verbotspiktogrammen gemacht.
Super Sache. Die neue EU-Norm ist zwar nicht bindend – aber wieso Eltern mit Kleinkindern nicht einfach mal ein Paar Steine in den Weg legen. Ich schlage deswegen folgende Verbesserungen vor:
Die BVG stellt an allen Stationen, die über keine Aufzüge verfügen, freundliche Kinderwagenträger zur Verfügung. Die postieren sich an den Ein- und Ausgängen, empfangen mich mit Blumen, überreichen mir Dankesschreiben, dass wenigstens ich mit meinen Kindern die Zukunft der Rentenkasse sichere und tragen erst den Kinderwagen, dann die Kleinkinder und als letztes mich nach oben.
Für Stationen wie den Alexanderplatz, der zwar Aufzüge hat, man bis zur S-Bahn vier bis fünf Mal umsteigen muss, verlange ich Kaltgetränke, schmackhafte Stullen und Fußmassage.
Noch wichtiger: Brutal durchgreifende Ordnungskräfte, die alle gehfähigen Menschen, die aus Faulheit die kleinen Aufzüge verstopfen, verhauen. Ein blaues Auge schafft schnell Verständnis und zukünftige Rücksichtsnahme.
Für alle anderen, die auf Aufzüge angewiesen sind, stellt die BVG Lehrvideos bereit. Diese zeigen in nur drei Schritten wie man Aufzüge benutzt und stellen dabei die Funktion „Pfeil nach oben“ und „Pfeil nach unten“ in den Mittelpunkt. So werden ca. Oktober 2012 selbst die letzten begriffen haben, dass man beim Rufen des Aufzugs a) nicht beide Pfeiltasten drückt und b) eine erlöschende Pfeilaufwärtstaste bedeutet -> Aufzug fährt nach oben.
Bis die BVG soweit ist, ziehe ich nach Kreuzberg, denn da warten die ganzen freundlichen Männer auf mich, die mir Kinderwagen schleppen helfen. In Kreuzberg musste ich Kind und Kegel wirklich noch nie alleine hoch buckeln. Gelobt sei die kulturelle Durchmischung Berliner Bezirke.

Säuglinge des Bösen