Offizielle Aufforderung

Der BLOGine-Award im Klöppelnetzwerk Bondea war unglaublich spannend. Rücktritt um Rücktritt rutschte ich in der Rangliste nach vorne. Doch was passierte dann?

Die Gewinnerin (die im übrigen auch ohne Rücktritte seit Anfang in der Top 5 positioniert war) ist nicht zurückgetreten und verwährte mir somit den Gewinn.

Irgendwie fühlt sich das an, als hätte ich mich durch die ganze Firma geschlafen und wäre nun am Vorstandsvorsitzenden gescheitert. Deswegen wollte ich höflich anfragen, ob die charmante Gewinnerin Bettina von Pappalatur nicht evtl. in Erwägung ziehen würde ebenfalls zurückzutreten?

Information overflow

Newsletter sind an und für sich ja was schönes. So ergreift man in der Schwangerschaft zu Beginn zu jeder sich bietenden Möglichkeit einen zu abonnieren – möchte man doch möglichst alles über diese wundersame Zeit wissen.
Spätestens im 7. Monat gehen einen die Tipps und Tricks mächtig auf den Zeiger. Irgendwie hat man ja schon selbst gemerkt, dass Schlafen ob der Gebärmuttergröße und des Gewichts des Kindes am Besten im Stehen geht, wäre Stehen eben nur nicht so anstrengend.
Da liest man also mit blutunterlaufenen Augen um 5.10 Uhr im Newsletter: Vielleicht haben sie es schon gemerkt, aber das Schlafen geht jetzt immer schlechter. Unsere Tipps: Keine koffeinhaltigen Getränke vor dem Einschlafen * Versuchen Sie es doch mal mit einer Position in der Sie möglichst aufrecht sitzen * Schlafen Sie tagsüber so wenig wie möglich, dann sind Sie abends müder.
Aha. Was da noch an Weisheiten fehlt, möchte ich kurz ergänzen: Machen Sie das Licht aus * Lassen Sie Ihre sieben vorangegangen Kinder lieber im eigenen Bett schlafen * Legen Sie sich keine Küchengroßgeräte auf den Bauch * Lesen Sie keine Einschlafliteratur zum Thema Damm- und Scheidenriss.

Attraktivitätlevel NULL

Ich weiß nicht, ob Männer das auch können, aber als Frau kann man sich leicht unsichtbar machen. Auch etappenweise. Am Besten ist man zu sehen, wenn man offene Haare trägt, ein bisschen Dekolletee präsentiert und vielleicht etwas Bein im überkniekurzen Rock zum Besten gibt.
Mithilfe verschiedener Tricks kann man sich dann der sichtbaren Welt entziehen. Man trägt Zopf, greift zur Hose und wenn man wirklich ganz verschwinden will, getraut man sich eine Brille zu tragen. Zack – ist man quasi unsichtbar. Nur die ganz schrägen Typen nehmen einen dann noch wahr – glauben die ja noch an so was wie Interessantheit des Charakters oder gemeinsame Interessen als Paarungsgrundlage. (Wobei es natürlich auch sein könnte, dass mehrere Jahre Verzicht auf Geschlechtsverkehr wenig wählerisch machen.)
Haben einen die eben beschriebenen Accessoires noch unsichtbar wie Wasserdampf werden lassen, dann gibt es noch eine deutliche Steigerung: Schwanger sein. Schwanger sein führt zur selektiven Erblindung beim Gegenüber. Mit Babykugel kann man sich vier Zentimeter vor das Gesicht eines Mannes stellen und ihm Grimassen schneiden ohne wahrgenommen zu werden.
Ich vermute, das Ganze funktioniert hormonell. Hat das Wahrnehmen von gegengeschlechtlichen Menschen im Grunde nur die Mehrung der eigenen Gene zum Ziel so signalisiert eine schwangere Frau: ätsch, da war jemand schneller.
Demzufolge kann man Erfahrungen sammeln, wie es ist, mit Tarnmäntelchen durch die Gegend zu laufen. Endlich kann man Dinge tun, von denen man vorher nur geträumt hat.
Dabei fühlt man leise ein Gefühl in sich aufsteigen, das wohl Jean-Baptiste Grenouille ob seiner Eigengeruchslosigkeit verspürt haben muss.
Man kann ekelhaften Diskussionen über den Cellulitepo der Banknachbarin lauschen, bekommt verdrängenswerte Details des medizinischen Lebenslaufes mit und wird Zuschauer verschiedener – sagen wir – Rituale der Körperpflege.
Wer das erst mal erkannt hat, dem ist es auch egal, dass es keine erschwingliche und attraktive Schwangerschaftsmode gibt. Mann kann somit viel Geld sparen, denn Sandsäcke und andere Verpackungsmaterialien gibt es schon ab einem Kilopreis von fünf Euro.

Hä?

Weiß jemand der verehrten Leser mit Kind, deren es offensichtlich zahlreiche gibt, ob Elterngeld 12 Monate nach Mutterschutz gezahlt wird oder ob die 8 Wochen Mutterschutz angerechnet werden und man damit ’nur‘ 10 Monate Elterngeld bekommt?

Diese Mutterschutz-, Kindergeld-, Elterngeld-, Rentenversicherungs-, Krankenversicherungs, Kitaplatzbeantragungsformulare und Gesetzestexte machen mich noch ganz verrückt!

Gute Vorsätze

Gute Vorsätze hat jeder, der Elter wird. Leider sind diese so nachhaltig wie Silvestervorsätze. Zwar wollte man, was man im eigenen Elternhaus hörte, niemals nicht sagen – doch ehe man es sich versieht, verlassen den Mund Sätze wie: Ich will jetzt keine Diskussion mehr, Du machst das weil ICH das sage!
Viel schlimmer als diese Killerphrasen, ist das, was man immer und immer und immer und immer wieder sagen muss.
Seit Monaten versuche ich Kind 1.0 klar zu machen, dass das Aussprechen dieser Sätze für Erwachsene ebenso nervtötend ist, wie das Anhören. In der Beliebtheitsskala ganz oben rangieren:

– Du sollst Händewaschen, nicht planschen!
– Nicht mit dem Stuhl wackeln, setz‘ Dich bitte richtig hin.
– Wäre es möglich, erst runter zu schlucken und dann zu sprechen?
– Ich habe gesagt, Du sollst Dich bitte anziehen!
– Kann man die Tür auch leiser zumachen?
– Bitte leiser sprechen, leiser bitte, verdammt noch mal LEISER! ICH BIN NICHT TAUB … ICH VERSTEHE DICH AUCH SO!!!

Wenn Kind 2.0 groß genug ist, um angeschrien zu werden, werde ich zu alt und schwach sein, um diese Sätze weiterhin live zu performen. Ich habe deswegen eine CD aufgenommen. Sie deckt die Sektionen ‚Berufstätig: Kind morgens in die KiTa bringen und trotzdem pünktlich zur Arbeit kommen‘, ‚Zu Tisch: Ohne kippelbedingten Kieferbruch speisen‘, ‚Nachtruhe: Mit geputzten Zähnen schläft es sich besser‘ und ‚Alltag: Auch ohne Süßigkeiten und Zeitschriftengimmicks kann man einkaufen‘.
Die CD gibt es ab März 2008 in jedem gut sortierten Musikfachgeschäft (auch als Hörzedee für Jehörjeschädichte).

Mamamathematik

Germanys Next Topmodel wird natürlich nicht gesehen, weil man sich mitfreuen möchte, wenn eine hübsche Frau zum Topmodel wird – nicht umsonst heißt es in Fachkreisen Hyänen-TV.
In Wahrheit sitzen Myriaden von Frauen chips- und sahneeisessend vor dem Fernsehgerät und versuchen an den Grazien Zeichen der Inperfektion zu erkennen.
Man freut sich hämisch über Mandys Zahleiste oder zählt die Pickel unter dem Make-Up von Anni.
Ungefähr die selbe Motivlage stellt sich beim täglichen Besuch des Kinderarztes im Wartezimmer ein.
Zuerst werden die Babys gemustert. Schnell ist man der festen Überzeugung, dass der eigene Nachwuchs der schönste ist und dass es sich bei den anderen nur um sabbernde Plattköppe handelt.
Der zweite Blick geht zu den Müttern. Zunächst versucht man das ungefähre Datum der Entbindung zu schätzen. Als nächstes stellt der semifachmännische Blick fest, ob die Frau stillt. In Stufe drei rechnet man das Ausgangsgewicht anhand der Größe des Durchmessers des kleinen Fingers rück. Nicht zuletzt sollte man bei Interesse an einem ehrlichen Vergleich mitberücksichtigen, ob die Mutter lediglich mit einem Säugling wartet oder eine ganze selbstgeborene Fußballmannschaft mitgebracht hat.
Mit Hilfe dieser vier Parameter wird im Anschluss der Stand der allgemeinen Figurrückbildung mit besonderem Augenmerk auf die Bauchrückbildung begutachtet und verglichen. Treten Unsicherheiten auf, können durch scheinheiligen Smalltalk (Ach wie alt ist denn ihr ’süßes‘ Baby?) die Messwerte veri- bzw. falsifiziert werden. Besonderheiten der nicht vollständigen Bauchausdehnung (z.B. Entbindung vor der 40. SW) können ebenfalls mitberücksichtigt werden.
Hängt der Konkurrenzbauch am Ende deutlich mehr über die Hose als der eigene, kann man sich genüsslich zurücklehnen und die energiespendenden Schokoriegel verdrücken.

Fionas wahres Ich

Nichts als die Wahrheit

Ab einem gewissen Schwangerschaftsmonat kann man nicht glauben, dass es möglich ist, noch mehr an Umfang zuzulegen, ohne letztendlich zu platzen und so auszusehen.
Die Schwangerschaftsliteratur unterscheidet drei Phasen der Schwangerschaft. Erstens die Phase der Anpassung. Bei mir die Phase, in der ich täglich zwischen fünf und zehn Mal erbrechen musste. Zweitens die Phase des Wohlbefindens. Die Phase, in der ich regelmäßig im Krankenhaus aufhielt, weil ich mich im 20 Minuten Takt übergeben habe.
Als letztes dann die Phase der Anstrengung. Das ist die Phase in der man nicht mehr auf dem Rücken liegen kann, weil die Hauptschlagader abgedrückt wird. Man sich nicht mal mehr erinnern kann, wie es war auf dem Bauch zu liegen und auch das auf der Seite liegen irgendwie nicht bequem ist (Das ist übrigens kurz bevor man sowieso nie mehr schlafen kann, weil das Kind andauernd weint).
Zudem weiß man nicht mehr, wie der Körper unter dem Bauch aussah und Schnürsenkel sind eine Erfindung des Teufels.
Der Rücken schmerzt und Treppensteigen wird zu einer außergewöhnlichen Tortour, bei der man genau spürt wie das Herz die zusätzlichen Liter Flüssigkeit durch den Körper jagt.
Liebe verträumte und romantisch veranlagte Frauen. Was sonst vor Euch geheim gehalten wird bis ihr schwanger seid. Schwangerschaft macht keinen Spaß, aber wenn ihr sie durchsteht, könnt ihr über Leute wie Reinhold Messner lachen, der im Gegensatz zu den 40 Wochen, die ihr durchsteht, nur ein Paar Tage braucht, um einen Achttausender zu besteigen.
Mal angesehen davon, dass er nach überstanden Wegstrapazen nicht ein Kind am Gipfel des Mount Everest gebären muss.

Chick in Sackleinen

Während einer Schwangerschaft erfährt man Dinge, von denen man gleich nach dem Erfahren wünscht, sie nie gehört zu haben. Auch ein sofortiges Auswaschen der Augen und Ohren mit Kernseife bewahrt einen nicht vor so mancherlei Alptraum.
Dem entgegen gibt es einige Rätsel, die ohne fremde Hilfe nicht zu entschlüsseln sind. Man stößt als Schwangere nichtsahnend auf die letzten ungeklärten Fragen der Menschheit.

Heute: Schwangerschaftsmode.
Nehmen wir an, man ist in guter Hoffnung. Mit fortschreitendem Stadium preist man die sonst so verachtete Hüfthose. Denn diese bleibt auch bei wachsendem Bauchumfang tragbar. Da wo andere Hosen schon lange vom Körper platzen, spenden sie der neuen Auswuchtung reichlich Platz. Eines Tages jedoch kommt die Zeit in der auch die gemeine Hüfthose an ihre Grenzen stößt und man das erste Mal über Schwangerschafsmode nachdenkt.
H&M Mama, mag da der geneigte Leser schreien und so wechseln wir den Standort und betrachten die Auswahl dieser wunderbaren H&M-Modelinie.
Im Vorbeigehen hat man früher sorglos das Thema Mode und Schwangerschaft als erledigt betrachtet. Doch kaum nimmt man sich die Details vor, steht man vor unlösbaren Mysterien.
Wie umfangreich werde ich werden? Was bedeutet S, M und L in der Schwangerschaftsmode? Geben die Buchstaben Bauchgrößen an oder geben sie Konfektionsgrößen an und man nimmt einen archetypischen Maximalbauch an? Warum sehen alle (erschwinglichen) Kleidungsstücke aus, als seien sie der Kelly-Family vom Leib gerissen? Was ist mit dem Stofflappen an Hose und Rock zu unternehmen?
Ist hier vorgesehen, dass man ihn über den Bauch nach oben schlägt und somit ein Look-alike von Steve Urkel wird?
Oder schlägt man den Stoffschlauch nach unten und hofft auf lange Unterhemden?
Außerdem: Statt die realitätstestgeneigten Konsumentin des Diebstahls zu bezichtigen, empfehle ich die Einführung von Bauchkissenattrappen in den Größen bs bißchenschwanger), ms (mittelschwanger), ss (sehr schwanger).
So erspart man der Käuferin peinliche Situationen der folgenden Art: Der Winter naht, ein Wintermantel muss für die letzten Monate her, doch wie entscheiden, ob man L oder XL tragen muss? Ganz einfach: Man stopft die gerade nicht benutze Jacke unter den Pulli und formt einen Bauch, der dem maximal vorstellbaren Körperumfang entspricht. Danach prüft man, ob sich der Reißverschluss ohne Probleme schließen lässt.
Verkäuferin: Kann es sein, dass sie da gerade was unter ihren Pulli gesteckt haben?
Käuferin: Ja einen Mantel.
Verkäuferin: Dürfte ich den bitte haben und möchten sie mir bitte mal folgen?
Käuferin: Äh, da liegt ein Missverständnis …
Verkäuferin, eisig lächelnd: Sie möchten doch nicht dass wir den Sicherheitsdienst hinzuziehen müssen?
[…]
Morgen: Schuhe kaufen mit Wasseranlagerungen in den Beinen und Füßen.
Wochenende: Atombusen bequem und kostengünstig verstauen.