Archiv der Kategorie: Kinder Kinder

Das Miniaturwunderland

Ne, der Artikel ist nicht gesponsert (schade, ich würde da gerne einziehen oder zumindest ein paar Tage verbringen, um all das zu sehen und zu erfahren, was man verpasst hat, weil man nur vier Stunden dort war), aber mein tldr zum Miniaturwunderland in Hamburg lautet: Geht da hin! Warum seid ihr da noch nicht gewesen? Husch!

Es ist großartig im Miniaturwunderland. G R O S S A R T I G!

Es ist ausdrücklich erwünscht dort Fotos zu machen. Es gibt Handyaufladestationen. Alle sind freundlich. Man kann sich Speicherkarten kaufen, wenn man die eigene Karte aus Versehen voll geknipst hat. Man kann alles sehen, auch wenn es proppenvoll ist und das gilt auch für Kinder in allen Größen.

Was wirklich bemerkenswert ist: es ist liebevoll gemacht und es geht den Betreibern nicht um Gewinnmaximierung – das merkt man in jedem Detail.

Z.B. kann man sehr gut dort eine Pause im hauseigenen Café machen ohne arm zu werden. Die Plätze sind so gestaltet, dass man sich von den Eindrücken und der drohenden Reizüberflutung etwas erholen kann. Ginge es um maximalen Umsatz, hätte man gut und gerne die doppelte Menge Sitzplätze in die Räume pferchen können. So hat man das Gefühl abgeschieden in kleinen Zugabteilen zu sitzen und darf mit (im Zweifel) angeschmodderten Händen das Buch zur Ausstellung lesen.

Es war toll! Man kann sich in acht Abschnitten auf 1.300 qm 13 km (!) verlegte Schienen anschauen. Der längste Zug ist über 14 Meter lang!
Die Zahlen sind einfach irre. Im Abschnitt der Schweiz z.B. wurden 4 Tonnen Gips und 15 Tonnen Stahl verbaut. Der Abschnitt Skandinavien hat eine 33.000 Liter fassende Nordsee, die Ebbe und Flut simuliert.

Ich könnte ja noch stundenlang diese Zahlen zitieren. Allein schon wie die Schifffahrt umgesetzt wurde! Es ist gar fantastisch. Und diese Detailliebe. Die Autos blinken beim Abbiegen. Die Flugzeuge heben ab. Es gibt Heißluftballons mit kleinen Flammen. Es gibt Männer, Frauen, Kinder, Aliens, Große, Kleine, Dicke, Dünne.

Kinder kann man im Grunde da abstellen. Die können auf die Ballustraden klettern (es gibt extra Stellflächen) oder über den Boden kriechen und sich dort die eingelassenen Zugstrecken in den Treppen und Wänden anschauen. Sie können unter die Wasseroberfläche schauen und unterirdische Tropfsteinhöhlen oder die geheime Area 51 bestaunen.
Es gibt zahlreiche Knöpfchen, die Dinge fahren oder leuchten lassen.
Es gibt sogar einen Wechsel zwischen Tag und Nachtbeleuchtung. Es gibt „Suchbildchen“ ach und überhaupt! Bringt mich zum Miniaturwunderland zurück.

Kühe

mondlandung

bepackt

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Ich will hier nie wieder weg. #miniaturwunderland #hamburg #b Adern #miwula

Ein von @monoxyd gepostetes Video am

#planespotter #miwula

Ein von @monoxyd gepostetes Video am

Die Videos sind alle vom Monoxyd

Ach P.S. Wenn man keine Lust auf Warten hat, einfach online ein Zeitfenster reservieren, dann kommt man gleich rein.

P.P.S. Die Toiletten übrigens – ein Elterntraum! Wir mussten 7x hin, weils da so schön ist. Normalerweise hasse ich es gefühlte Stunden gelangweilt darauf zu warten, dass die Kinder fröhlich rufen „FEEEERTICH!“. Weil die Toiletten aber so hübsch mit kleinen Kästchen mit winzigen Figürchen dekoriert waren, hätte ich stundenlang dableiben können. SOOO schön!

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Muddi sagt was zum Muddi-Interview

So, ihr lieben Hasis! Ich sach jetzt mal als Muddi was zum LeFloid Interview mit der Kanzlerin.

Tatsächlich regen mich die herablassenden Kommentare, die ich auf Twitter dazu lese auf. Zuallererst: Ohne die re:publica 2013 wäre das Phänomen LeFloid völlig an mir vorbei gegangen. Ich bin 40. Ich bin zu alt für YouTube. Diese Bussibussi Haul Videos, die Beauty Channels, die Lets Plays… ich kann sie nicht ertragen. Genauso wenig LeFloid mit seinen LeNews. Die zack-zack Schnitte, das Gefuchtel und diese Sprache – das ist nicht auszuhalten für mich (ich rufe das aus meinem gepolsterten Schaukelstuhl und fuchtele mit einem Stock dazu)! Aber das ist egal. ICH bin nicht die Zielgruppe, ich bin zu alt, ich muss das nicht verstehen und nicht gut finden. Allerdings muss ich das kennen. So. Weil es interessiert nämlich meine Kinder und zwar brennend.

So wie mich als Kind und Teenager bestimmte Dinge interessiert haben, die meine Eltern nicht beschäftigt haben. Ich überlege mal kurz, was mich interessiert hat: türkisfarbene Bomberjacken mit übergroßem Fellkragen und schlabbrige Diesel Tyler Jeans, Bonnie Bianco, das Musikmagazin Formel Eins, der Atari meines Schulfreundes, den ich nur anschauen, nicht anfassen durfte, die Bücher von Wolfgang und Heike Hohlbein, Zungenküsse muss das sein? Ist doch ziemlich ekelig, oder?

Warum ich das aufzähle:

a) Meine Eltern hat das (in meiner Wahrnehmung) nicht besonders interessiert
b) Das waren nicht gerade die hochgeistigen Themen der 80er Ära

Zurück zu LeFloid: die Kinder interessieren sich für diesen Typen, sind regelrecht Fan, schauen regelmäßig was er macht und denken nach über das was er erzählt. Ohne LeFloid würden sie ziemlich sicher nicht über aktuelle (politische) Themen Bescheid wissen und eine Meinung dazu haben, die man auch mit ihnen diskutieren kann.

Wieder zurück zu mir: Ich bin politikverdrossen. Die Haltung der großen Parteien zu Themen, die mir wichtig sind (z.B. Netzpolitik, Familienpolitik, Europapolitik, Asylpolitik), sind für mich unerträglich.
Ich bin ein Kind der Kohlära und wie es mir scheint, steuern wir mit Frau Merkel auf eine ziemlich ähnlich unbewegliche und konservative Ära zu. Wenn sich jetzt meine Kinder für Politik interessieren – was soll ich dagegen haben?

Ich rechne es LeFloid hoch an, dass er schafft nicht unwesentlich viele Kinder und Jugendliche für Politik und Tagesgeschehen zu interessieren. Punkt.

Zum Interview selbst. Da sitzt ein 27jähriger YouTuber, der mit der Bundeskanzlerin spricht. Ich halte mich für klug und kritisch aber ich habe zuletzt in meinem Gespräch mit Murkudis gemerkt wie wahnsinnig schwierig es ist, kritisch zu bleiben, wenn jemand einem sympathisch ist, seine Sache gut verkauft und ein Kommunikationsprofi ist. ICH möchte kein kritisches Interview mit Frau Merkel führen. Ich habe sie einmal live gesehen und war geschockt, wie sympatisch sie rüberkam, obwohl sie über die Aufhebung der Netzneutralität in Deutschland sprach. Hinterher hätte ich mir gerne das Hirn mit Kernseife ausgewaschen und mich drei Mal geohrfeigt, aber die Frau ist ein Medienprofi.

Ich glaube, es ist extrem schwierig ein kritisches Interview zu führen. Die Grenze es dann überhaupt führen zu dürfen stelle ich mir eng vor. Man hat also vermutlich die Wahl zwischen einem gefälligen Mittelweg oder gar keinem Interview und in diesem Licht hat LeFloid das gut gemacht.
Zumal, er wirkte auf mich wirklich sehr gut vorbereitet. Es gibt andere Formate von „Journalisten“, welche versuchen die Medienglätte von Politikerinnen und Politikern zu knacken, indem sie sich doof stellen und sich wie ein Kasper benehmen. Ich konnte mir dieses Format nicht anschauen. Zu viel Gekasper für zu wenig überraschenden Output.

Für mich ist dieses Interview nicht der Untergang des Journalismus, es ist der Anfang eines Dialogs.

Und wenn ich LeFloid einen Verbesserungstipp geben müsste, das hat Leitmedium bereits sehr gut formuliert: „Ein paar Interview-Kniffe hätten das Gespräch bei gleichem Inhalt wahrscheinlich weniger zustimmend wirken lassen. LeFloid sagt oft “absolut!” an Stellen, die eigentlich nicht passen. Ich kenne das aus meinen Podcasts: Man möchte dem Gegenüber mitteilen, dass man zuhört und verstanden hat. Für ZuhörerInnen wirkt es aber wie eine inhaltliche Zustimmung. Es ist besser, hier auf ein leises Nicken zu setzen: Das hört man nicht, aber GesprächspartnerInnen sehen, dass man ihnen weiterhin folgt.

Das habe ich auch so empfunden. Das „absolut“ war in vielen Fällen gar keine Zustimmung sondern eine Worthülse. Jede weitere Kritik an der Sprache ist albern. Ob jemand sagt „Ja, cool“ oder „Frau Bundeskanzlerin, ich verstehe ihren Punkt“, das ist doch egal.

Deswegen: Ich fands gut. „LeNews“ war bislang nicht bekannt ein kritisches Medienformat zu sein (ich glaube, es läuft unter Boulevard-Magazin), den Anspruch, dass das Interview nun aber kritisch investigativ sein sollte, kann ich nicht nachvollziehen. LeFloid war gut vorbereitet, er hat eine Diskussion angestoßen und er hat sogar die Eltern der Kinder und Jugendlichen erreicht.

 

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ElterngeldPlus unterstützt die Vereinbarkeit von Job und Familie

Vieles war mir, bevor die Kinder dann da waren, nicht bekannt. Banale Dinge wie z.B. dass man ein Kind in der Regel erst zum August in den Kindergarten geben kann. Ich dachte, man sei da an kein Datum gebunden. Mein erstes Kind wurde im Frühling geboren. Ich habe 12 Monate Elternzeit eingereicht und hatte dann keinen Betreuungsplatz und musste alles neu aushandeln. Das war organisatorisch und finanziell eine Herausforderung.

Tatsächlich werden die Kindergartenplätze mit der Einschulung eines anderen Kindes erst frei. D.h. ein Kind kommt in die Schule, ein anderes Kind bekommt den frei gewordenen Kindergartenplatz. Gut für alle Eltern, deren Kinder zwischen August und maximal Oktober geboren worden sind, „doof“ für alle anderen.
Zumindest, wenn man, wie in Berlin relativ üblich, nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten gehen möchte.

Ich schätze mich in der glücklichen Lage, den familienfreundlichsten Arbeitgeber der Welt zu haben und mit einigen Absprachen haben wir ein gutes Wiedereinstiegsmodell gefunden. Beim ersten Kind habe ich Teilzeit von Zuhause aus gearbeitet und beim zweiten Kind konnte ich meine Elternzeit verlängern bis ich schließlich Teilzeit wieder eingestiegen bin. In beiden Fällen habe ich meinen alten Job wieder bekommen und zu keinem Zeitpunkt irgendeine Art von Druck erfahren. Ganz anders bei gefühlt 70% meines Freundeskreises. Da erfahren die Mütter, man kann es wirklich nicht anders sagen, die absurdesten Formen von Diskriminierung wenn es darum geht in den alten Job zurück zu kehren.

Teilzeit zu arbeiten, stellt für mich einen der Hebel zur Vereinbarkeit dar. Bestenfalls arbeiten beide Partner zeitversetzt Teilzeit und teilen sich die Erziehungsarbeit 50/50*.

Theoretisch jedenfalls. Praktisch sieht es so aus, dass ein Großteil der Kinderversorgungsarbeit sowie Haushaltstätigkeiten weiterhin an den Frauen hängen bleibt. Selbst wenn man auf die Führungsetagen schaut, „kümmern sich [die Frauen] fast doppelt so lange um den Nachwuchs wie Männer in einer vergleichbaren Position.

Ich habe ein bisschen Hoffnung, dass sie Einführung des ElterngeldPlus diese Verteilung langfristig ändert. ElterngeldPlus gilt für alle, die nach dem 1.7.2015 ein Kind bekommen haben oder bekommen werden.

Sehr einfach gesagt, bietet das ElterngeldPlus die Möglichkeit aus einem Monat Elterngeld (in dem man gar nicht erwerbstätig ist) zwei Monate ElterngeldPlus zu machen, wenn man nach der Geburt des Kindes bis zu 30 Wochenstunden arbeiten geht.
Bislang war es so, dass das Teilzeiteinkommen auf das Elterngeld angerechnet wurde, mit der ElterngeldPlus-Reform kann jetzt das halbe Elterngeld parallel bezogen werden. Das bringt tatsächlich mehr Geld, wie man mit dem Elterngeldrechner prüfen kann.

Was ich im Sinne von Gleichberechtigung super finde: „Entscheiden Mütter und Väter sich, zeitgleich mit ihrem Partner in Teilzeit zu gehen – für vier Monate lang parallel und zwischen 25 bis 30 Wochenstunden – erhalten sie mit dem Partnerschaftsbonus vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate.

Es werden also deutliche Anreize gesetzt, die Erziehungsarbeit gleichwertig zwischen beiden Partnern aufzuteilen.

Neben den finanziellen Aspekten, kann durch die Einführung des ElterngeldPlus die Elternzeit flexibler gestaltet werden. Zum Beispiel ist es möglich, maximal 24 der 36 Monate Elternzeit bis zum vollendeten achten Lebensjahr des Kindes in Anspruch zu nehmen. Eltern können diese Elternzeit in bis zu drei Abschnitte aufteilen. Arbeitgeber können erst vor dem dritten Abschnitt dringende betriebliche Gründe anführen, wenn sie einen Antrag ablehnen wollen, was der BDA kritisiert**.

Schön für Elternpaare! Was ist denn mit den Alleinerziehenden?

Alleinerziehende können das ElterngeldPlus inklusive Partnerschaftsbonus natürlich auch nutzen. Alles andere würde ja nicht wirklich Sinn ergeben!

Wie gut das ElterngeldPlus letztendlich den Familien in Sachen Vereinbarkeit hilft, wird sich zeigen. Auf jeden Fall macht es flexibler und bringt mehr Geld in die Familienkasse wenn (beide) Partner Teilzeit arbeiten gehen. Wenn ich mit FreundInnen über Vereinbarkeit spreche, dann geht es immer wieder um mangelnde Flexibilität. Da sollte das ElterngeldPlus einen größeren Handlungsspielrahmen eröffnen. Persönlich finde ich sehr gut, das Paare so von Anfang an überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, wenn beide Elternteile Teilzeit arbeiten. Vielleicht mindert diese Option das ganze Thema Frauen Wiedereinstieg in den Job, Altersarmut etc.***

Dennoch – es bleibt kompliziert. Meine persönliche Empfehlung ist deswegen – ausführlich mit dem Partner besprechen, wie man sich das die nächsten Jahre vorstellt, ein Modell entwerfen und dann bei der Beantragung des Elterngelds einen Termin im Amt ausmachen. Wenn nicht beide vor der Geburt Vollzeit als Angestellte arbeiten, ist der Antrag – sagen wir komplex. Die Damen und Herren beim Amt haben viel Erfahrung und führen einen gemeinsam durch den Formulardschungel. Man erspart sich ein Antragspostpingpong.

Zusammenfassend

Mit dem ElterngeldPlus wird es ab 1.7.2015 für Eltern einfacher, Elterngeldbezug und Teilzeitarbeit miteinander zu kombinieren. Paare können nun wählen, ob sie nach der Geburt gar nicht erwerbstätig sein wollen (und weiterhin das bereits bekannte Elterngeld beziehen) oder aber, ob sie bis zu 30 Wochenstunden arbeiten gehen wollen (und dann ElterngeldPlus beziehen). Sollten sich Mutter und Vater entscheiden gleichzeitig Teilzeit arbeiten zu gehen, erhalten sie mit dem Partnerschaftsbonus vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate.

Im nächsten Schritt wird dann hoffentlich etwas in Sachen Kinderbetreuung und v.a. Krippenplätze getan.

Weiterführende Links

FAQ zum Elterngeld PLUS

ElterngeldPlus in Leichter Sprache

Mehr Geld für teilzeitarbeitende Eltern, Zeit Online (inkl. Rechenbeispiel)

 

32 Stunden sind genug, Süddeutsche Zeitung

„Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern zutrauen, auch in weniger Stunden ihren Job hinzukriegen, ja sogar führen zu können. Weg von ewigen Abendschichten, hin zu Doppelspitzen und Jobsharing-Modellen; und keine Konferenzen mehr nach 16 Uhr. Die effizientesten Mitarbeiter sind schon jetzt Mütter in Teilzeit, weil sie sich schlicht aus Zeitmangel die Hälfte der Flurgespräche sparen.“


 

*Allen Paaren, die ein 50/50 Modell in Sachen Kindererziehung und Arbeit anstreben, empfehle ich übrigens das Buch „Papa kann auch stillen

** Die Kritik lautet dass das Aufsplitten der Elternzeit in drei Teile die die betriebliche Personalplanung erheblich belaste, weil bei jeder Elternzeit bis zu drei Mal Ersatz gesucht werden müsse. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen sei dies schwer umzusetzen.
Ich kann dazu nur sagen: Sollte Elternzeit wirklich in drei Teile gesplittet werden, wird sie dadurch aber deutlich kürzer und somit leichter zu überbrücken sein. Unternehmen werden sich umstellen müssen. Know-how nicht auf einzelne Personen zu konzentrieren ist immer sinnvoll – auch im Sinne einer allgemeinen Vertreterregelung. Es gibt durchaus Möglichkeiten Wissen ordentlich zu dokumentieren und an mindestens eine weitere Person zu übertragen. Das ist auch im Sinne des Unternehmens.

Die Elternzeit muss im Übrigen nun mit 13 statt mit 7 Wochen Vorlauf angekündigt werden. Ich finde das ist ein Planungshorizont mit dem man gut arbeiten kann.

***Das wäre ein ganzer Artikel, deswegen nur die Stichworte


 

Dieser Text ist mit freundlicher Unterstützung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entstanden.

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Scoyo Elternabend Thema Vereinbarkeit am 19. Mai um 21 Uhr

Im Rahmen der Vorbereitungen für das Gespräch am Scoyo Elternabend, habe ich mir einige Gedanken gemacht.

Vereinbarkeit, was genau bedeutet das eigentlich?

Ich sehe Vereinbarkeit in einem größeren Rahmen also nicht nur bezogen auf Familie vs. Job. Für mich hat Vereinbarkeit etwas mit einem Miteinander zu tun und Miteinander bedeutet immer, dass nicht alle gleichermaßen und zu jeder Zeit ihre persönlichen Interessen und Bedürfnisse durchsetzen können. Für mich konkret als Mutter bedeutet das schlicht, der erste Schritt zum Thema Vereinbarkeit ist tatsächlich, dass ich lerne meine eigenen Bedürfnisse, da wo nötig, zurück zu stellen. Je nach Selbständigkeitsgrad der Kinder beispielsweise gehört es für mich zum Muttersein* meine persönlichen Bedürfnisse zurückzustellen und in erster Linie die der Kinder zu erfüllen.

Die Kunst ist es nur, dass man dran bleibt und sich die Freiräume, die dann irgendwann wieder entstehen zurück holt und dass man versucht die Verantwortung zu verteilen. (Nicht alle haben die Möglichkeit dazu – das ist mir klar. Manchmal fehlt der Partner, manchmal die Familie, manchmal gibt es keine oder nur mangelnde Kinderbetreuung.).

Eng mit dem Thema Vereinbarkeit sehe ich das Thema Perfektionismus verbunden. Ich schrieb bereits darüber. Mein Plädoyer lautet: Nicht darüber nachdenken was man so macht, sondern darüber, was einem persönlich gut tut. Konkret: es muss nicht immer frisch gekocht werden, es ist OK wenn die Kinder mal eine halbe Stunde fernsehen, eine Packung Würstchen fürs Kindergartenbuffet statt der selbst gemachten Quiche ist auch ausreichend. Das alles spart Zeit, schafft Freiräume, entlastet und gibt Platz. Ich glaube, meine Kinder wollen lieber eine entspannte Mutter als eine selbst gebackene dreistöckige Geburtstagstorte.

Weitere Tipps (und ich weiß auch hier, das ist aufgrund der finanziellen Situation nicht möglich für alle Familien… aber da wo es möglich ist, einfach mal darüber nachdenken wohin das Geld fließt): Lieferdienst statt selbst einkaufen (irre Zeit- und Stressersparnis), vielleicht eine Putzfrau einstellen, outsourcen wo es nur geht.

Was den Job angeht (auch hier lebe ich im Paradies…), wenn irgendwie möglich, einen Arbeitgeber suchen, der:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Home Office
  • Teilzeitmodelle
  • Überstundenausgleich

bietet. Dessen Unternehmenskultur ergebnisorientiert ist und der die Leistung nicht über eine Präsenzkultur definiert.

Auch beim Job ist es oft so, dass man nicht alles gleichzeitig haben kann. Für mich war es im Familienkontext immer wieder eine Frage wie viel uns z.B. Geld vs. Flexibilität wert ist. Kleinere Arbeitgeber sind oft nicht die Topbezahler der Branche, machen aber vieles durch die Arbeitsbedingungen wieder wett.

Als Mitarbeiterin bin ich selbst Teil der Unternehmenskultur und kann bestimmte Dinge unterstützen, die Familienfreundlichkeit fördern. Wenn ich z.B. selbst Meetings organisiere, biete ich keine Termine vor 10 und nach 15 Uhr an.

Ich versuche auf meine Kommunikation zu achten. Ich höre z.B. oft beim Thema Home Office sowas wie „Ach, da bist du ja nicht da“, das nervt mich kolossal, denn ja, ich bin physisch nicht da, aber ich arbeite. Ich bin per Mail, per Telefon und über den Chat erreichbar. Wenn also Kolleginnen im Home Office sind, bemühe ich mich umgekehrt so mit ihnen zu arbeiten, wie ich es tun würde, wenn sie ein Büro weiter sitzen und vermeide solche Bemerkungen.

Ich dokumentiere meine Arbeit so gut es geht. (Im Grunde versuche ich Arbeitsprozesse so zu gestalten, dass der Prozess an sich eine ordentliche und nachvollziehbare Dokumentation hervorbringt. Sowas stützen Systeme wie Wikis oder Ticketsysteme, aber das ist ein großes, eigenes Thema). Ich poche auf verteilte Verantwortung im Sinne einer Vertreterregelung.

Wichtig ist es für mich auch, Kinder in allen Lebenssituationen willkommen zu heißen. Egal, ob ich in einem Vortrag sitze und ein Baby weint, ein/e KollegIn ein Kind mal mit ins Büro oder jemand sein brabbelndes Kleinkind mit in eine Kunstausstellung nimmt. Wenn ich bemerkte, dass sich jemand wegen vermeintlich störender Kinder zurück ziehen will, versuche ich die Person zum Bleiben zu motivieren. Zumindest versuche ich klar zu signalisieren: Geräusche, Getrappel etc. das alles ist OK für mich. (Ein schönes Beispiel für dieses Verhalten habe ich neulich im Netz gefunden).

Es gibt ziemlich viel was man selbst tun kann, um eine familienfreundliche Atmosphäre zu schaffen und alles hat schlicht und ergreifend mit gegenseitiger Rücksichtnahme und dem Zurückstellen eigener Bedürfnisse zu tun.

Darüber hinaus sind für mich klare Absprachen mit dem Partner wichtig. Das hat bei uns – so traurig es klingen mag – bis zur Trennung nicht so gut geklappt. Es gab zwar Eckpfeiler über die wir uns in Sachen Job und Familie verständigt haben, aber vieles war implizit. To keep a long story short: Am Ende hatte ich das starke Gefühl von ungerechter Verteilung und mein Partner das Gefühl überzogener Ansprüche an ihn.

Mit der Trennung hat sich das interessanterweise verändert und wir sind beide zufriedener. Wir haben glasklare Absprachen, die Befüllung des gemeinsamen Kalenders klappt und die Informationen fließen zuverlässiger.

Deswegen meine Empfehlung: Schon vor dem Kinderbekommen klar absprechen und zwar auch die Details. Es ist einfach sich über Hol- und Bringsituation abzusprechen. Die tatsächliche Belastung habe ich immer in den Alltagsthemen empfunden. Das mag lächerlich klingen, aber ich bin an der Verantwortung für die kleinen Dinge in die Knie gegangen, weil wir nie darüber geredet haben: Fingernägel schneiden, neue Sportschuhe kaufen, wer besorgt das Geschenk für die Einladung des Kindes zu einem Kindergeburtstag, wer denkt an den Rucksack für den Ausflug, wer an die Wechselwäsche, was ist mit dem Schlafsack, der für die Kitaübernachtung benötigt wird, wer geht mal wieder mit dem Kind zum Haare schneiden, was bringen wir zum Schulsommerfest mit, wer besorgt es., wer macht den Vorsorgetermin für die nächste U-Untersuchung aus, wer geht mit dem Kind dahin… Tausend kleine Dinge eben.

Deswegen lohnt es sich wirklich mal eine Liste zu machen was es alles zu erledigen gibt und sich dann fest abzusprechen welches Thema wem gehört (man kann es Themen auch rotierend belegen, Hauptsache es ist gibt klare Verantwortlichkeiten).

Ich könnte ganze Romane schreiben über das Thema. Wenn man mich aber bitten würde mich auf die wesentlichen Tipps zu beschränken, würde ich folgendes sagen:

  • Perfektionismus fahren lassen.
  • Aufgaben verteilen (auf alle verfügbaren Menschen. Den Partner, andere Familienmitglieder, Freundinnen und Freunde, Erzieherinnen und Erzieher und am Ende – je nach Alter der Kinder: auf die Kinder)
  • Selbständigkeit der Kinder fördern (dazu gehört z.B. Rahmenbedingungen schaffen, damit das geht z.B. räumliche Nähe der Schule und damit des Freundeskreises, keine Aktivitäten, die verlangen, dass man die Kinder durch die Gegend fahren muss etc.)
  • Nicht zu vergessen: Sich für Politik zu interessieren, wählen gehen, an Demos teilnehmen und so versuchen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – Kinderbetreuung etc. – zu verbessern.

Und wenn das jemand liest und denkt: Ich hab ja keine Kinder, mich geht das nichts an… Am Ende geht es nämlich nicht um Kinder- oder Familienfreundlichkeit. Es geht immer um Menschenfreundlichkeit. Das sollte man sich vor Augen führen. Es geht bei Vereinbarkeit nicht um Eltern und Kinder. Sondern um seelische Gesundheit und dem Anrecht eines jeden auf ein gutes Leben. Egal, ob man sich um die eigenen Kinder kümmert, ob man sich um Pflegebedürftige kümmert oder ob man einfach Zeit für sich braucht.


 

*Ich schreibe vom Muttersein, weil ich eine Mutter bin, ich denke aber, das selbe gilt natürlich fürs Vatersein (sofern man diese Rolle ernst nimmt zumindest).

Weitere Lesetipps:

Die geschätzte Béa Beste schreibt über Vereinbarkeit:

Vielleicht geht es nicht um Vereinbarkeit von Kinder und Karriere – sondern um Vereinbarungen unter Menschen

Annelu in Kind und Karriere – geht das? scheibt: „Es ist sicherlich möglich, Kinder und Karriere miteinander zu vereinbaren, dabei ist aber das Tempo entscheidend. Es kann nicht parallel alles im gleichen Tempo stattfinden. Mal geht eines besser, mal das andere.“

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Die tägliche Übung

Ich weiß nicht genau, wann „man“ (=ich) sich dieses seltsame Verhalten aneignet, aber ich glaube, es war irgendwann zu Schulzeiten. Da hängt man mit Freundinnen ab und erzählt sich gegenseitig was alles doof ist. Ich erinnere mich schon in der 5. Klasse meine Haare doof gefunden zu haben. Und dann habe ich mir einen schönen Blumenstrauß an stetig wechselnden Komplexen zugelegt. Nase zu groß, Kinn zu hervorstehend, Füße häßlich, Arme zu dick. Eigentlich völlig egal. Es gab lediglich eine Stelle, die ich immer super fand. Leider war die nur 4 Quadratzentimeter groß (Ein winziges Stück Haut rechts und links an den Hüften – warum ich ausgerechnet diese Stelle immer toll fand, das weiß der Fuchs).

Nachdem meine Freundin und ich uns ständig gegenseitig erzählt haben, was wir an uns doof und hässlich fanden, sind wir in der Pubertät dazu übergegangen Sachen an anderen doof und häßlich zu finden. Wir verbrachten fortan unsere Freizeit damit uns mit anderen zu vergleichen und das herauszustellen, das nicht perfekt war. Perfekt im Sinne von den Abbildungen der Zeitschriften, die wir lasen oder der Fernsehsendungen und Musikvideos, die wir anschauten (geschmackvolle Dinge wie Cinderella 80 mit Bonnie Bianco!).

Irgendwann hat das aufgehört. Ich glaube, weil ich nicht mehr so viel Freizeit, keinen Fernseher und v.a. Zugang zum Internet hatte. Genau weiß ich es aber nicht.

Viel hat sich auch mit dem Mutterwerden und Vorbildseinwollen geändert. Ich habe das gewohnheitsmäßige Gejammere über meinen unperfekten Körper einfach eingestellt. Ich habe aufgehört mich ständig zu vergleichen und ich versuche meinen Kindern ein positives Körpergefühl zu vermitteln. In der Geo Wissen „Mütter“, S. 21 ist ein schönes Bild zu sehen, das Mutter und Tochter im Handtuch bzw. nackt zeigt. Darunter steht „Ein positives Körpergefühl der Mutter beeinflusst auch die Eigenwahrnehmung der Tochter […] in Israel war es üblich, in Unterwäsche in der Wohnung herumzulaufen oder miteinander im Bad zu sein.“ Es wird auch erwähnt, dass viele (in den USA) ihre eigene Mutter noch nie nackt gesehen haben. Das ist nicht nur in den USA so. Ich kenne viele FreundInnen, die ihre Eltern noch nie nackt gesehen haben. Diese Vorstellung fand ich schon als Kind total verrückt.

Jedenfalls was ich eigentlich sagen wollte. Man kann sich diese negative Brille wirklich abgewöhnen. Am Anfang erscheint es wie eine alberne, gedankliche Turnübung. Man sagt sich einfach immer das Gegenteil von dem was man als Automatismus im Kopf hat. Dann sucht man mal bewusst nach Dingen, die man toll an sich und auch an anderen findet.

Jetzt bin ich bald 40 und mir ist das alles ziemlich egal. Ich schaue auch kaum noch in den Spiegel. Ich fühle mich gut und bin manchmal so absurd zufrieden mit mir, dass ich mich frage, warum konnte ich das nicht vorher haben? Ab und an wundere ich mich noch über Fotos, die ich von mir sehe, weil ich da gar nicht aussehe, wie ich mir mich eigentlich vorstelle.

Lediglich mein Kind 2.0 hat plötzlich Fragen zu meiner Imperfektion:
„Diese Falten an der Nase zum Mund, hat die jeder erwachsene Mensch?“
„Stört dich dein dicker Bauch nicht?“
„Dein Po ist ganz schön fett! Das haben aber nicht alle Erwachsenen, oder?“

Kind 2.0 ist offenbar in die Phase gewachsen, in der Körper keine Werkzeuge mehr sind, sondern irgendwie bewertet werden müssen.
Ich finde das erschütternd.
Mein Kind ist die Sportskanone der Familie. Total drahtig und besteht quasi nur aus Muskeln. Isst wie ein Vögelchen und klettert den ganzen Tag auf Bäume und plötzlich fragt es mich beim Abendessen: „Findest du mich dick?“
Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte diesen Gedanken energisch aus dem Kind rausgeschüttelt.
Stattdessen frage ich: „Wieso fragst du das?“
„Ich weiß nicht. Ich finde mich auch nicht dick. Aber die Mädchen in der Schule sagen sowas.“

Es ist so ekelhaft, warum kommt das offenbar automatisch? Ich würde das alles so gerne von meinen Kindern fernhalten, aber ich fürchte, das geht einfach nicht. Mir fällt auch nicht so richtig ein, was ich dagegen tun kann, ausser ein gutes Vorbild zu sein und immer wieder darüber zu sprechen.

In dem Zusammenhang bin ich in dieser Woche auf zwei schöne Beiträge im Netz gestoßen:

Lisa Rank schreibt in ihrem Blogbeitrag „What you see is what you see“ über ihr erstes graues Haar und man möchte sie küssen.

Und Katrin Rönicke beantwortet bei Freisprecher die Frage „Bin ich schön?“

Ich wünschte wirklich die Welt wäre voll mit solchen Menschen, dann müsste sich mein Kind nicht solche Fragen stellen.

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Kinderkarneval

Ich hätte schwören können, dass ich schon mal darüber geschrieben habe: Fasching mit Kindern. Auch so ein Ding von dem man eine verstrahlt romantische Vorstellung hat – bis man eben Kinder hat. Dabei gibt es so viel Leid!

Das erste Leid, das ich kennen lernen musste, heißt: Kindergarten-Motto-Partys.

Im ersten Jahr lautete es bei uns „Berufe“. Berufe, wie schön. Als Erwachsene hat man ja eine weit gefächerte Vorstellung von Berufsbildern. Aber begeistere mal ein Kind dafür als Controllerin oder Fleischereifachverkäuferin zu gehen. NATÜRLICH wollten alle Kinder eigentlich als Feuerwehrmann oder Polizist gehen. In der Regel ist das auch OK. Also dass mehrere Kinder, das selbe Kostüm tragen. Das ist schließlich nicht so als ob man als Hollywoodstar zur Oscar Verleihung einer anderen prominenten Schauspielerin gegenüber steht und feststellt, dass man unglücklicherweise das selbe Designer-Kleid trägt. Nein, die Kinder sehen ihre Kindergartenkumpels und freuen sich, dass die auch Feuerwehrmann sind und gut ist. Jedenfalls bei den Kindern der anderen ist das so. Meine Kinder wollen natürlich auf keinen Fall so verkleidet sein wie irgendein anderes Kind auf dieser Welt. Also musste ich im Vorfeld wochenlang Berufe aufzählen, beschreiben und bei Gefallen stichprobenartig Kostümkonzepte präsentieren.

Am Ende wurde das Kind Eisverkäufer und ich hatte lediglich ein wenig Mühe den tragbaren Eiswagen aus Pappe zu bauen.

Jedenfalls – eigentlich fängt der Stress ja schon vorher an – nämlich bei der Festlegung des Mottos. Eine Freundin berichtete mir von einem Elternabend, an dem die Erzieherinnen sorglos verkündeten, das Kinderkarnevalsmotto lautete dieses Jahr „Die Ritter“.

„Moment Mal, Ritter? Als was gehen denn die Mädchen?“

Ja, ja, das sei weiter gefasst. Man könne auch „Ritter und Ritterinnen“ machen.

„Hm ja. Aber Ritter, das sind eigentlich Soldaten und ich möchte nicht, dass meine Tochter als Soldat geht. Wir sind Pazifisten und uns gefällt das gar nicht.“

Ja, ja, das stimmt. Vielleicht könne man das ja erweitern, also „Ritter, Ritterinnen und Burgfräulein“.

„Wie bitte? Aber was ist denn mit den Jungs, die keine Soldaten sein wollen?“

Ja, hm, dann mache man vielleicht „Ritter, Ritterinnen, Burgfräulein und Burgherren.“

„Is klar, Fräuleins, aber dann HERREN. Herren von Herrscher. Und die Frauen sollen nur hübsch aussehen…“

Ich bin ein bisschen froh, dass ich bei diesem Elternabend nicht persönlich anwesend war. Am Ende bleibt ohnehin nur eine Frage offen: Warum überhaupt ein Motto? Warum können die Kinder sich nicht einfach verkleiden als was sie wollen?

Nach fünf Jahren Diskussion, wurden deswegen die themengebundenen Faschingsfeiern bei uns im Kindergarten abgeschafft.

Vor einer Diskussion als was sich ein Kind verkleiden möchte, bewahrt das natürlich dennoch nicht. Bei uns läuft das Jahr für Jahr gleich ab. Das Kind sucht sich irgendein aufwändiges Kostüm aus, eines, das man garantiert nicht fertig kaufen kann oder zumindest nicht ohne ein halbes Monatsnettoeinkommen dafür zu investieren. Also muss man es selbst machen. Bei meinen Näh- und Bastelkünsten eigentlich ein Grund meine Wochenarbeitszeit für einen begrenzten Zeitraum zu kürzen.

Kind 2.0 wollte beispielsweise als Nixe gehen. Also habe ich aus unserem Vorhang ein Nixenkostüm genäht. Ich hatte dafür zwei Stunden eingeplant. Tatsächlich habe ich zehn benötigt. Am Morgen des Kinderfaschings steht Kind 2.0 auf und verkündet: „Ich möchte doch als Prinzessin gehen!“

Jaaahhaaaa! Nenenenene! DU. GEHST. JETZT. ALS. NIXE!

Ich war kurz vorm Nervenzusammenbruch. Mit einigen wenigen Bestechungen (zwei Schokoriegel, eine Packung Kaugummi und ein Kino-Besuch samt Limo und Popkorn) war das Kind überredet und ging als Nixe.

Aus dieser Erfahrung schlau geworden, habe ich mir auf Flohmärkten ein Sammelsurium an unterschiedlichen, untereinander kombinierbaren Verkleidungsutensilien in vielen unterschiedlichen Größen zusammengekauft.

Deswegen war ich heute Morgen fast tiefenentspannt, als Kind 3.0 an den Frühstückstisch trat:
https://twitter.com/dasnuf/status/567234982989791232

(Den Reaktionen entnehme ich: ich bin nicht allein. Das tut so gut!)

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Mama Leaks

WikiLeaks ist eine Internetplattform auf der geheime Dokumente veröffentlicht werden können, die von öffentlichem Interesse sind. Das ist für diejenigen, welche die Dokumente geheim halten wollten natürlich ärgerlich. Über das Thema Geheimnisse liest man in letzter Zeit viel. Die amerikanische National Security Agency überwacht u.a. Telefone und die komplette Internetkommunikation. Während die einen auf die Straße gehen, um für ihre Freiheit zu demonstrieren, zucken andere nur mit den Schultern und sagen: „Na und? Sollen sie doch. Ich habe nichts zu verbergen…“

Wie falsch dieser Satz ist, das wird einem erst klar, wenn man ein flüssig sprechendes Kind im Kindergartenalter hat. Denn dann hat man zumindest vor den Erzieherinnen im Kindergarten und gegebenenfalls auch vor den anderen Eltern im Kindergarten wirklich keine Geheimnisse mehr.

Jedes noch so kleine, unangenehme, vielleicht peinliche Detail, das sonst gut in den eigenen vier Wänden aufgehoben ist, verlässt mit dem Kind die Wohnung. Ganz zu Beginn, das muss ich zugeben, war ich sehr unvorsichtig. Ich dachte, ein dreijähriges Kind, das versteht noch nicht viel und ich habe mich mit meinem Mann bedenkenlos über alles unterhalten, das mir in den Sinn kam. Unachtsam lästerte ich über mir nicht zusagende Kleidungsstücke anderer Leute, um dann wenige Tage später genau vor diesen zu stehen und mein Kind sagen höre: „Ist das die häßlische Kleid von das du gesprecht hast, Mami?“ Kind 3.0 deutet begeistert auf das grellorangene Sommerkleid einer anderen Mutter. Ich hielt mich für besonders schlau und dachte, ach, wenn ich so tue als ob ich nichts gehört habe, dann muss ich die Frage nicht beantworten. Das führte aber nur dazu, dass Kind 3.0 lauter nachhakte: „IS DAS DIE HÄSSLISCHE KLEID? MAMAAAAA?“ Ich errötete und antwortete: „Was? Nein! Was meinst du denn? Hm?“ Dabei fiel mir auf, dass meine Stimme schon etwas überbetont fragend, schon leicht ins hysterische abgleitend klang. Ich packte Kind 3.0 also ohne Schuhe und verließ fluchtartig die Garderobe. Den ganzen Weg nach Hause hoffte ich, dass die Mutter uns nicht gehört hatte.

Die nächste Lektion in Sachen Geheimnisse war dann: Verberge alles, was Hinweise auf Geheimnisse geben könnte. Das können ganz banale Dinge sein. Das Läuseshampoo vom Geschwisterkind, das Warzenmittel im Medizinschrank, selbst Produkte zur Monatshygiene möchten nicht öffentlich diskutiert werden. Einmal unachtsam liegen gelassen, werden sie vom Kind gefunden und bieten Diskussionsmaterial für allerlei heikle Themen. Vielleicht bin ich da auch nur hypersensibel, aber wenn mein Kind am Spielplatz beim Schaukeln zum Nachbarskind schreit: „MEINE MAMA BLUTET AUS DER SCHEIDE! DEINE AUCH?“, dann fühle ich mich doch kompromittiert.

Selbst Dinge, die eigentlich nie geschehen noch jemals ausgesprochen wurden, haben ausreichend Potenzial zum Rechtfertigungsalbtraum zu werden. Einfach weil das Kind etwas beobachtet und sich selbst einen Reim auf die Geschehnisse macht, die nicht unbedingt dem tatsächlichen Tathergang wiedergeben müssen.

Als mein Mann beispielsweise das Kind vom Kindergarten abholte, berichtete dies arglos von dem netten Mann, der die Mami morgens öfter besucht und zwar „Wenn du in die Arbeit gegangen bist, Papi“. „Die Mami macht immer halbnakisch auf und isch muss dann ganz leise sein wenn der Mann da ist.“ Zartes Nachfragen meines Mannes konnte die Situation auflösen. Schlussendlich handelte es sich um einen Nachbarn, der ein ungewöhnliches Talent hatte, immer genau dann zu klingeln wenn ich morgens unter die Dusche möchte. Ich denke, er ist shoppingsüchtig. Jedenfalls erhält er durchschnittlich ein Paket pro Woche, das der Postbote gerne bei uns hinterlegt. Er weiß in der Zwischenzeit an welchen Wochentagen wir morgens früh noch zuhause sind und holt dann seine Pakete ab. Vermutlich lauert er im Treppenhaus bis er hört, dass ich das Duschwasser aufdrehe und klingelt dann. Jeder hat halt so seine Hobbys. Wenn ich die Tür öffne und wir ein paar freundliche Worte austauschen, jubelt und grölt Kind 3.0 im Hintergrund. Da die Tür zum Hausflur geöffnet ist, bitte ich um Ruhe. Insgesamt eine eher harmlose Angelegenheit, die jedoch eine ganz besondere Note bekommt, wenn Kind 3.0 sie nacherzählt.

Und da wird es deutlich. Es geht bei Überwachung gar nicht um die tatsächlichen Geheimnisse, die man zu verbergen sucht sondern darum was andere durch Einzelbeobachtungen und deren Misinterpretation über das eigene Leben und Verhalten schließen.

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Parental SEO

Um Suchmaschinenoptimierung zu betreiben, ist es hilfreich die Google-Algorithmen zu verstehen. Wobei, verstehen ist ein bisschen hoch gegriffen. Man kann sich annähern. Und man muss sich immer wieder annähern, denn die Algorithmen ändern sich kontinulierlich.

Um die Algorithmen zu verstehen, gibt es mehrere Wege. Man nutzt mal einen dieser AdWords-Gutscheine, die man alle paar Monate bekommt und schaut sich an wie andere Menschen suchen. Erfindet Suchbegriffe, permutiert sie, erweitert einzelne Begriffe um ganze Strings. Dann schaut man sich an wie sich das Ranking verändert und passt das Ganze wieder an. Streng genommen ist das ja SEM – aber es hilft eben die Suchalgorithmen zu verstehen.

Den umgekehrten Weg kann man natürlich auch gehen. Man googelt selbst, schaut sich Suchergebnisse an. Prüft die Positionierung der Suchergebnisse. Googelt wieder ein bisschen, schaut an welcher Stelle die gesuchten Begriffe auf der Webseite stehen, wie oft auf die Seite verlinkt wird etc. und zack ist man SEO Expertin. Man versteht das System zumindest grob in alle Richtungen. Das kann man sich von Google zertifizieren lassen – zumindest bezogen auf AdWords. Gilt zwei Jahre und ist lediglich ein Multiple Choice Test. Besteht man leicht und dann kann man sich das Zertifikat ausdrucken und an die Wand hängen und ist irgendwie stolz.

Dass man ein Google-Ass ist, das können einem dann die Kinder zertifizieren. Alle Eltern kennen sich nämlich mit Google aus. Ihnen ist das nur nicht so klar. Aber es ist so. Implizit sind Eltern ExpertInnen in Sachen SEO. Das werden sie zwangsläufig, denn irgendwann kommt das Thema „Ausmalbilder“ auf. In jeder Familie. Plötzlich – man weiß nicht wie die Kinder auf die Idee kommen, aber sie haben diese Idee – plötzlich stehen sie im Raum und sagen: „Ich möchte ein Ausmalbild. Kannst du mir eins ausdrucken?“

Wenn es das erste Kind ist, das diesen Wunsch äußert, ist man noch ganz entspannt und denkt: „Ja klar, Ausmalbild. Haha. Tolle Idee.“

Fragt jedoch das zweite Kind, blickt man in der Regel auf mehrere Jahre Ausmalbilderausdrucken zurück und bekommt deswegen ein nervöses Zucken im Auge. Das Problem ist nämlich nicht das Ausdrucken (wie Profis wissen). Das Problem ist das Ausmalbilder aussuchen. Wobei – nein eben noch eine Stufe vorher. Das Ausmalbild suchen. Am Anfang sucht man „Feuerwehrauto“, „Pferd“, „Kran“ oder „Rehkitz“. Aber sehr schnell reicht das nicht mehr. Die Kinder schauen einem über die Schulter und entdecken in den Suchergebnissen irgendein inspirierendes Bild und schon beim nächsten Mal verlangen sie nach Ausmalbildern, die „Faultiere“, „Tapire“ oder einen „Rotlippen-Fledermausfisch“ zeigen. Das wird schon schwieriger, aber man schafft es. Doch dann kommt der Tag, an dem auch das nicht mehr genügt und die Kinder wollen ein „Seepferdchen mit Zuckertüte“, eine „Alienprinzessin“ oder „Hatifnatten in Hochzeitskleidern“. Und dann stehen sie da und schauen erwartungsvoll und man muss sie jetzt finden, diese Ausmalbilder. Man bearbeitet die Filter mittelgroß genügt, schwarz-weiß (dann kann man vielleicht ein Foto von einem Rotlippen-Fledermausfisch hinterher so nachbearbeite, dass das Kind das als Ausmalbild akzeptiert…) und kämpft und kämpft.

Der Schweiß steht einem auf der Stirn und endlich hat man eine Seite mit Suchergebnissen und dann kommt die nächste Prüfung. Für mich das allerschlimmste. Wie Google funktioniert und wie man gute Suchergebnisse für die allerbizarrsten Ausmalbilderwünsche bekommt, das habe ich nämlich schnell verstanden. Ich bin mittlerweile SEO SEM Profi für alle Fragen in Sachen Suchmachinen. Setze für jeden eine AdWords-Kampagne auf, hole Tausende von Seitenbesuchern – egal um welchen Geschäftszweig es geht! Mit links mache ich das.

Aber was ich nicht aushalten kann, ist dieses Warten. Warten, dass das Kind ENDLICH ein Bild auswählt und man per Strg + P drucken kann. Da hat man stolz diese Suchergebnisseite und dann steht das Kind da und begutachtet jedes einzelne Ergebnis. „Mach mal größer“
„Hm“
„Ne, doch nicht“
„Das nächste“
„Ne“
„Das nächste“ … und dann
„Doch noch mal das zweite“ …
„Oder kann ich doch lieber ein Bild von einem Fangschreckenkrebs?“

DAS. MACHT. MICH. IRRE.

„Kann ich ein Ausmalbild“ dauert im Schnitt 70 Minuten. SIEBZIG Minuten, die man prokrastinieren könnte. Es ist manchmal ein Elend mit diesen Kindern.

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