Das Nuf Advanced

Das Nuf 1.0 war gestern

Ihr feiert Karneval, ich werde reich

Es ist nicht so, dass man sich langweilt wenn man in Elternzeit ist. Ich weiß Dinge eben nur gerne genau. Deswegen habe ich eine Woche lang unseren Papiermüll gewogen. Tatsächlich häufen sich wöchentlich 2,73 kg Pappe und ganze 1,71 kg Papier in unserem Haushalt an.
Da der Mann nicht sooo gerne Müll runter bringt und Elterngeld zwar toll – aber wie jedes Gehalt nicht unbedingt ausreichend ist – hatte ich gestern eine tolle Idee.
Ich loche unseren Papiermüll und verarbeite ihn zu Füllmaterial für Konfettikanonen. Diese enthalten 100 Gramm Schnipsel und kosten im Schnitt 2,50 Euro. Das bedeutet, dass man alleine mit dem reinen Papiermüll gut 45 Euro Umsatz machen kann. Aus dem Pappmüll formt man die schönen Abfeuerröllchen und die Kinder bemalen nach Schule und Kindergarten die Hüllen. Macht rund 30 Euro Reingewinn pro Woche – nur mit Eigenmüll! Gar nicht daran zu denken, wenn ich auch noch die Restmülltonne in unserem Hof nach Papier durchwühle. Unsere Nachbarn halten zum größten Teil nämlich nichts von Mülltrennung!
Kurzum: Bald bin ich reich!

Level: Experimente, Kinder Kinder — dasnuf at 7:23 am on Sunday, February 14, 2010

Schweinegrippe bringt Ossikultur zu Fall

Wenn man mich als gebürtigen Wessi fragen würde, was typisch Ossi ist, dann würde ich ohne Zögern antworten: Hände schütteln.

Zu jedem Anlass werden Hände geschüttelt.  Man kommt in ein fremdes Büro: Hände schütteln. Man trifft flüchtige Bekannte auf der Straße: Hände schütteln. Man geht zum Arzt: Hände schütteln. Man kauft sieben Schrippen: Hände schütteln.

Wenig verwunderlich ist es deswegen, dass Kinder dies ab dem sechsten Lebensmonat in der Krippe eingetrichtert bekommen. “Schön Händeschütteln tutsi tutsi!”

Gestern musste ich jedoch schreckliches beobachten. Kind 1.0, total auf Hände schütteln getrimmt, reicht der Horterzieherin zur Verabschiedung die Hand und diese ermahnt lächelnd: “Naaaa? Was wollten wir nicht mehr machen? Hände schütteln! Nich? Ja, ja!”

Was war passiert? Kind 1.0 klärte mich auf: “In der Schule wird wegen der Schweinegrippe nicht mehr die Hand geschüttelt.”

DER UNTERGANG DES ABENDLANDES FAND HIER SEINEN BEGINN.

Level: Kinder Kinder, Seltsame Beobachtungen — dasnuf at 9:12 am on Wednesday, February 3, 2010

Schatz, wir ziehen nach Kreuzberg

Da wo wir wohnen ist es eigentlich ganz schön. Nur zwei Jahre nach der Geburt unseres ersten Kindes war schon der Aufzug einer Linie fertig, die irgendwann in der Nachkriegszeit gebaut wurde. Die komplette U-Bahnlinie mit 13 Stationen hat genau drei Stationen, die über einen Aufzug verfügen.
Jedenfalls habe ich die ersten zwei Jahre viel Spaß mit Kinderwagen samt Kind Treppen rauf und runter tragen gehabt. Hilfe bekommt man in einem von zehn Fällen und meistens auch nur bis zur Zwischenetage “Für die nächsten Stufen finden sie bestimmt jemanden” heißt es da fröhlich und der Helfer zieht von dannen.
Vereinzelt gibt es statt der Aufzüge wenigstens Rolltreppen. Diese dürfen seit Anfang des Jahres nicht mehr benutzt werden. Da hat sich die BVG sehr zügig an die Anbringung von entsprechenden Verbotspiktogrammen gemacht.
Super Sache. Die neue EU-Norm ist zwar nicht bindend – aber wieso Eltern mit Kleinkindern  nicht einfach mal ein Paar Steine in den Weg legen. Ich schlage deswegen folgende Verbesserungen vor:
Die BVG stellt an allen Stationen, die über keine Aufzüge verfügen, freundliche Kinderwagenträger zur Verfügung. Die postieren sich an den Ein- und Ausgängen, empfangen mich mit Blumen, überreichen mir Dankesschreiben, dass wenigstens ich mit meinen Kindern die Zukunft der Rentenkasse sichere und tragen erst den Kinderwagen, dann die Kleinkinder und als letztes mich nach oben.
Für Stationen wie den Alexanderplatz, der zwar Aufzüge hat, man bis zur S-Bahn vier bis fünf Mal umsteigen muss, verlange ich Kaltgetränke, schmackhafte Stullen und Fußmassage.
Noch wichtiger: Brutal durchgreifende Ordnungskräfte, die alle gehfähigen Menschen, die aus Faulheit die kleinen Aufzüge verstopfen, verhauen. Ein blaues Auge schafft schnell Verständnis und zukünftige Rücksichtsnahme.
Für alle anderen, die auf Aufzüge angewiesen sind, stellt die BVG Lehrvideos bereit. Diese zeigen in nur drei Schritten wie man Aufzüge benutzt und stellen dabei die Funktion “Pfeil nach oben” und “Pfeil nach unten” in den Mittelpunkt. So werden ca. Oktober 2012 selbst die letzten begriffen haben, dass man beim Rufen des Aufzugs a) nicht beide Pfeiltasten drückt und b) eine erlöschende Pfeilaufwärtstaste bedeutet -> Aufzug fährt nach oben.
Bis die BVG soweit ist, ziehe ich nach Kreuzberg, denn da warten die ganzen freundlichen Männer auf mich, die mir Kinderwagen schleppen helfen. In Kreuzberg musste ich Kind und Kegel wirklich noch nie alleine  hoch buckeln. Gelobt sei die kulturelle Durchmischung Berliner Bezirke.

Level: Babyleben, Großstadt, Kinder Kinder — dasnuf at 9:19 am on Tuesday, February 2, 2010

Die andere Hälfte des Lebens

Erziehung ist eine schwierige Sache. Irgendwann habe ich festgestellt, dass wir unseren Kindern die meisten Dinge nur beibringen, damit sie es generell können um die neu erlernte Fähigkeit wieder zu verwerfen oder um irgendwelchen absurden Gesellschaftsnormen zu entsprechen.
So z.B. die Fähigkeit Ordnung halten zu können. Da reicht es wirklich völlig, dass man es theoretisch könnte und gerne denke ich an die Studentenzeit zurück, in der mir böse Zungen schimmelndes Geschirr nachsagen.
Jedenfalls halten wir unseren Kindern selbstverständlich täglich den Ordnung-ist-wichtig-Vortrag. Als zu erwartende Reaktion schaltet unser Nachwuchs schon beim ersten Satz auf Durchzug und so verschwindet Spielzeug oft im Zimmernirvana und auch Kleidung reduziert sich auf wundersame Art und Weise relativ regelmäßig. (Ein weiterer Beitrag unserer Kinder für die stagnierende Wirtschaft in Deutschland übrigens).
Die Wahrheit jedoch lautet: Ordnung ist für die Katz und Chaos ist wunderbar. Persönlich räume ich zwischen 8 und 15 Uhr – wenn die Kinder außer Haus sind – gar nichts weg. Ich ahle mich in Unordnung, schaue zufrieden auf Geschirrberge, lasse Verpackungen rumliegen und öffne das Fenster, damit die Vögel die Brotkrumen vom Boden picken können.
Manchmal gehe ich sogar zum Kleiderschrank und zerwuschele meine Wäscheberge.
Pünktlich um 15.10 Uhr beginne ich aufzuräumen. Schließlich kommen die Kinder bald nach Hause. Wenn ich es mal nicht rechtzeitig schaffe, weil ich nach sechs Stunden fernsehen bei Pizza und Schokolade nicht zum Aufräumen gekommen bin, sammele ich einfach alles ein und räume es in unser fünftes Zimmer. Von diesem Zimmer haben wir unseren Kindern nichts gesagt. Die Gründe sind nahe liegend.
Manchmal verstecken wir uns auch einfach so im Geheimzimmer. Die Kinder irren dann rufend durch die Wohnung aber wenn man sich eine halbe Stunde ruhig verhält, fangen sie an sich selbst zu beschäftigen. Im Geheimzimmer haben wir zwei große Ohrensessel, W-LAN und einen Automaten mit Heiß- und Kaltgetränken. Fenster gibt es dort nicht. Wofür auch? Das Tageslicht würde nur den ganzen Schmutz und Unrat sichtbar machen und dann würden wir uns nicht mehr wohl fühlen.

Level: Experimente, Kinder Kinder — dasnuf at 9:41 am on Wednesday, January 27, 2010

Der Tag an dem die Welt zusammenbrach

Sommer 2007 waren wir Eis essen.
Am 17. September – also fast am Ende der Saison – geschah etwas wundervolles. Der Eishändler unserer Wahl nahm rosa Glitzereislöffel in seine Kollektion auf. Wie sich erfahrene Eltern denken können, war diese Kombination unwiderstehlich und sorgte für ein Umsatzplus von gut 27%.
Allerdings hatte der Plastiklöffelhersteller Lieferprobleme und so kam es, dass wir am 30. September den allerletzten rosafarbenen Glitzerlöffel ergatterten. (Freilich nicht ohne der ein oder anderen Mutti meine gespitzten Ellebogen in die Seite zu rammen…)
Der Löffel wanderte in die Küchenschublade und wurde jeden Morgen feierlich unter Fanfarenmusik zu Tisch getragen, um dort benutzt zu werden.
Zwei Jahre später, am 11. Oktober 2009 geschah das Unvermeidliche. Der Löffel zerbrach.
Das Kind bekam einen Nervenzusammenbruch und konnte nur unter stundenlangem Trösten und dem Versprechen recht bald ein Hauspferd anzuschaffen, beruhigt werden. Die Recherche zum Thema Hauspferd ergab, dass nicht unwesentliche Probleme mit der Anschaffung verbunden wären. Beispielsweise verstehen sich Hauspferde mit Kampfhunden nur mittelmäßig gut – was in Berlin schnell ein Problem werden kann.
Ich entschloss mich alternativ einen neuen Löffel zu kaufen. Sieben Wochen später gab ich auf. Kein Löffel war so wie der zerbrochene und das Kind weinte jeden Morgen bitterlich. Kompromissbereit war es dennoch. Wenn der Löffel farblich ganz genau dem Essen entsprach, trocknete das Kind die Tränen, nickte und begann mit den Worten “Passt farblisch” zu essen.
Ich kann hier nur berichten, dass es einfacher ist, das Essen auf die Löffel abzustimmen und nicht umgekehrt. Sehr schwierig zu besorgen war z.B. der Salami-Stullen-Löffel: unten am Griff braun, ein gelber Kringel und oben rot mit weißen Punkten. Besser ist es, einen pastellgelben Löffel mit einem Bananenquark zu reichen…
Wie dem auch sei.
Das Hauspferd fühlt sich bei uns eigentlich ganz wohl und den Ausritt machen wir jeden Morgen um 5.12 Uhr. Da schlafen die Kampfhunde noch und es gibt nur selten Ärger.

Level: Kinder Kinder, Objekt der Begierde — dasnuf at 7:34 am on Saturday, January 23, 2010

Liebe, unverwüstliche Liebe in mir

Jeder hat so seine Ängste was die Entwicklung der eigenen Kinder angeht. Mein Ex, leidenschaftlicher Extremsportler seines Zeichens, befürchtete stets sein Nachwuchs könne zum sensiblen Flötenspieler mutieren.
Ähnlich ging es mir bei dem Gedanken an Pferden. Ich kann sie nicht ausstehen. Sie stinken, haaren und sind häßlich. Schon als kleines Mädchen mochte ich sie nur als Bestandteil italienischer Salami.
Doch das weltliche Karma ist unerbittlich. Denn kaum erscheint ein Gaul am Horizont, schon kreischt Kind 2.0 vor Freude und fällt fast aus dem Kinderwagen vor Begeisterung.
Um des Seelenheil willens stelle ich mich deswegen wahnsinnig gerne in der prallen Sonne vierzig Minuten in eine Schlange, damit es reiten kann. Ich habe auch keine Probleme damit andere Mamis anzuschreien oder an den Haaren zu ziehen, um unsere gute Platzierung zu verteidigen.
In mir auch Ruhe und ZENartige Ausgeglichenheit wenn das Kind, sobald wir an der Reihe sind, schreit: Neeee MamamamMMMAAAAAAAAAAAA WILL NICH, habsch ANGST!
Wenn wir dann nach einigen erfolglosen Überredungsversuchen aus der Schlange ausscheren und das Kind es sich anders überlegt und brüllt: WILLSCH reeeiiIIIIIIten MAMAAAAAAA! liebe ich es trotzdem. Immer und immer und immer. Echt. Ich lüge nie.

Level: Kinder Kinder — dasnuf at 3:00 pm on Monday, April 13, 2009
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