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Mama Leaks

WikiLeaks ist eine Internetplattform auf der geheime Dokumente veröffentlicht werden können, die von öffentlichem Interesse sind. Das ist für diejenigen, welche die Dokumente geheim halten wollten natürlich ärgerlich. Über das Thema Geheimnisse liest man in letzter Zeit viel. Die amerikanische National Security Agency überwacht u.a. Telefone und die komplette Internetkommunikation. Während die einen auf die Straße gehen, um für ihre Freiheit zu demonstrieren, zucken andere nur mit den Schultern und sagen: “Na und? Sollen sie doch. Ich habe nichts zu verbergen…”

Wie falsch dieser Satz ist, das wird einem erst klar, wenn man ein flüssig sprechendes Kind im Kindergartenalter hat. Denn dann hat man zumindest vor den Erzieherinnen im Kindergarten und gegebenenfalls auch vor den anderen Eltern im Kindergarten wirklich keine Geheimnisse mehr.

Jedes noch so kleine, unangenehme, vielleicht peinliche Detail, das sonst gut in den eigenen vier Wänden aufgehoben ist, verlässt mit dem Kind die Wohnung. Ganz zu Beginn, das muss ich zugeben, war ich sehr unvorsichtig. Ich dachte, ein dreijähriges Kind, das versteht noch nicht viel und ich habe mich mit meinem Mann bedenkenlos über alles unterhalten, das mir in den Sinn kam. Unachtsam lästerte ich über mir nicht zusagende Kleidungsstücke anderer Leute, um dann wenige Tage später genau vor diesen zu stehen und mein Kind sagen höre: “Ist das die häßlische Kleid von das du gesprecht hast, Mami?” Kind 3.0 deutet begeistert auf das grellorangene Sommerkleid einer anderen Mutter. Ich hielt mich für besonders schlau und dachte, ach, wenn ich so tue als ob ich nichts gehört habe, dann muss ich die Frage nicht beantworten. Das führte aber nur dazu, dass Kind 3.0 lauter nachhakte: “IS DAS DIE HÄSSLISCHE KLEID? MAMAAAAA?” Ich errötete und antwortete: “Was? Nein! Was meinst du denn? Hm?” Dabei fiel mir auf, dass meine Stimme schon etwas überbetont fragend, schon leicht ins hysterische abgleitend klang. Ich packte Kind 3.0 also ohne Schuhe und verließ fluchtartig die Garderobe. Den ganzen Weg nach Hause hoffte ich, dass die Mutter uns nicht gehört hatte.

Die nächste Lektion in Sachen Geheimnisse war dann: Verberge alles, was Hinweise auf Geheimnisse geben könnte. Das können ganz banale Dinge sein. Das Läuseshampoo vom Geschwisterkind, das Warzenmittel im Medizinschrank, selbst Produkte zur Monatshygiene möchten nicht öffentlich diskutiert werden. Einmal unachtsam liegen gelassen, werden sie vom Kind gefunden und bieten Diskussionsmaterial für allerlei heikle Themen. Vielleicht bin ich da auch nur hypersensibel, aber wenn mein Kind am Spielplatz beim Schaukeln zum Nachbarskind schreit: “MEINE MAMA BLUTET AUS DER SCHEIDE! DEINE AUCH?”, dann fühle ich mich doch kompromittiert.

Selbst Dinge, die eigentlich nie geschehen noch jemals ausgesprochen wurden, haben ausreichend Potenzial zum Rechtfertigungsalbtraum zu werden. Einfach weil das Kind etwas beobachtet und sich selbst einen Reim auf die Geschehnisse macht, die nicht unbedingt dem tatsächlichen Tathergang wiedergeben müssen.

Als mein Mann beispielsweise das Kind vom Kindergarten abholte, berichtete dies arglos von dem netten Mann, der die Mami morgens öfter besucht und zwar “Wenn du in die Arbeit gegangen bist, Papi”. “Die Mami macht immer halbnakisch auf und isch muss dann ganz leise sein wenn der Mann da ist.” Zartes Nachfragen meines Mannes konnte die Situation auflösen. Schlussendlich handelte es sich um einen Nachbarn, der ein ungewöhnliches Talent hatte, immer genau dann zu klingeln wenn ich morgens unter die Dusche möchte. Ich denke, er ist shoppingsüchtig. Jedenfalls erhält er durchschnittlich ein Paket pro Woche, das der Postbote gerne bei uns hinterlegt. Er weiß in der Zwischenzeit an welchen Wochentagen wir morgens früh noch zuhause sind und holt dann seine Pakete ab. Vermutlich lauert er im Treppenhaus bis er hört, dass ich das Duschwasser aufdrehe und klingelt dann. Jeder hat halt so seine Hobbys. Wenn ich die Tür öffne und wir ein paar freundliche Worte austauschen, jubelt und grölt Kind 3.0 im Hintergrund. Da die Tür zum Hausflur geöffnet ist, bitte ich um Ruhe. Insgesamt eine eher harmlose Angelegenheit, die jedoch eine ganz besondere Note bekommt, wenn Kind 3.0 sie nacherzählt.

Und da wird es deutlich. Es geht bei Überwachung gar nicht um die tatsächlichen Geheimnisse, die man zu verbergen sucht sondern darum was andere durch Einzelbeobachtungen und deren Misinterpretation über das eigene Leben und Verhalten schließen.

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Parental SEO

Um Suchmaschinenoptimierung zu betreiben, ist es hilfreich die Google-Algorithmen zu verstehen. Wobei, verstehen ist ein bisschen hoch gegriffen. Man kann sich annähern. Und man muss sich immer wieder annähern, denn die Algorithmen ändern sich kontinulierlich.

Um die Algorithmen zu verstehen, gibt es mehrere Wege. Man nutzt mal einen dieser AdWords-Gutscheine, die man alle paar Monate bekommt und schaut sich an wie andere Menschen suchen. Erfindet Suchbegriffe, permutiert sie, erweitert einzelne Begriffe um ganze Strings. Dann schaut man sich an wie sich das Ranking verändert und passt das Ganze wieder an. Streng genommen ist das ja SEM – aber es hilft eben die Suchalgorithmen zu verstehen.

Den umgekehrten Weg kann man natürlich auch gehen. Man googelt selbst, schaut sich Suchergebnisse an. Prüft die Positionierung der Suchergebnisse. Googelt wieder ein bisschen, schaut an welcher Stelle die gesuchten Begriffe auf der Webseite stehen, wie oft auf die Seite verlinkt wird etc. und zack ist man SEO Expertin. Man versteht das System zumindest grob in alle Richtungen. Das kann man sich von Google zertifizieren lassen – zumindest bezogen auf AdWords. Gilt zwei Jahre und ist lediglich ein Multiple Choice Test. Besteht man leicht und dann kann man sich das Zertifikat ausdrucken und an die Wand hängen und ist irgendwie stolz.

Dass man ein Google-Ass ist, das können einem dann die Kinder zertifizieren. Alle Eltern kennen sich nämlich mit Google aus. Ihnen ist das nur nicht so klar. Aber es ist so. Implizit sind Eltern ExpertInnen in Sachen SEO. Das werden sie zwangsläufig, denn irgendwann kommt das Thema “Ausmalbilder” auf. In jeder Familie. Plötzlich – man weiß nicht wie die Kinder auf die Idee kommen, aber sie haben diese Idee – plötzlich stehen sie im Raum und sagen: “Ich möchte ein Ausmalbild. Kannst du mir eins ausdrucken?”

Wenn es das erste Kind ist, das diesen Wunsch äußert, ist man noch ganz entspannt und denkt: “Ja klar, Ausmalbild. Haha. Tolle Idee.”

Fragt jedoch das zweite Kind, blickt man in der Regel auf mehrere Jahre Ausmalbilderausdrucken zurück und bekommt deswegen ein nervöses Zucken im Auge. Das Problem ist nämlich nicht das Ausdrucken (wie Profis wissen). Das Problem ist das Ausmalbilder aussuchen. Wobei – nein eben noch eine Stufe vorher. Das Ausmalbild suchen. Am Anfang sucht man “Feuerwehrauto”, “Pferd”, “Kran” oder “Rehkitz”. Aber sehr schnell reicht das nicht mehr. Die Kinder schauen einem über die Schulter und entdecken in den Suchergebnissen irgendein inspirierendes Bild und schon beim nächsten Mal verlangen sie nach Ausmalbildern, die “Faultiere”, “Tapire” oder einen “Rotlippen-Fledermausfisch” zeigen. Das wird schon schwieriger, aber man schafft es. Doch dann kommt der Tag, an dem auch das nicht mehr genügt und die Kinder wollen ein “Seepferdchen mit Zuckertüte”, eine “Alienprinzessin” oder “Hatifnatten in Hochzeitskleidern”. Und dann stehen sie da und schauen erwartungsvoll und man muss sie jetzt finden, diese Ausmalbilder. Man bearbeitet die Filter mittelgroß genügt, schwarz-weiß (dann kann man vielleicht ein Foto von einem Rotlippen-Fledermausfisch hinterher so nachbearbeite, dass das Kind das als Ausmalbild akzeptiert…) und kämpft und kämpft.

Der Schweiß steht einem auf der Stirn und endlich hat man eine Seite mit Suchergebnissen und dann kommt die nächste Prüfung. Für mich das allerschlimmste. Wie Google funktioniert und wie man gute Suchergebnisse für die allerbizarrsten Ausmalbilderwünsche bekommt, das habe ich nämlich schnell verstanden. Ich bin mittlerweile SEO SEM Profi für alle Fragen in Sachen Suchmachinen. Setze für jeden eine AdWords-Kampagne auf, hole Tausende von Seitenbesuchern – egal um welchen Geschäftszweig es geht! Mit links mache ich das.

Aber was ich nicht aushalten kann, ist dieses Warten. Warten, dass das Kind ENDLICH ein Bild auswählt und man per Strg + P drucken kann. Da hat man stolz diese Suchergebnisseite und dann steht das Kind da und begutachtet jedes einzelne Ergebnis. “Mach mal größer”
“Hm”
“Ne, doch nicht”
“Das nächste”
“Ne”
“Das nächste” … und dann
“Doch noch mal das zweite” …
“Oder kann ich doch lieber ein Bild von einem Fangschreckenkrebs?”

DAS. MACHT. MICH. IRRE.

“Kann ich ein Ausmalbild” dauert im Schnitt 70 Minuten. SIEBZIG Minuten, die man prokrastinieren könnte. Es ist manchmal ein Elend mit diesen Kindern.

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Wolfgang und ich

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Kaum sind die Kinder fremdbetreut, kann sich keine Familie mehr von bestimmten Trends abschotten. Waren es früher die Bauer Räinscha, so haben uns nun die Loom Bänder erreicht. Immerhin erst nach dem Papst.

Nachdem Kind 2.0 mit einigen selbstgemachten Gummibändern von der Schule kam, leistete ich zunächst eine Woche symbolischen Widerstand und kaufte dann 1.000 bunte Gummis für die Kinder, um dann eine weitere Woche später selbst unzählige Armbänder zu besitzen. Wenn wir uns morgens fertig machen, lege ich die Armbänder an. Wenn ich die Kinder abgegeben habe, nehme ich sie wieder ab und verstaue sie in der Handtasche, um sie pünktlich um 16.00 Uhr beim Abholen wieder zu tragen. Mein Herz ist so weich. Ich kann den Kindern einfach nicht sagen, dass ich die Bänder hässlich finde. Ich bin einfach nicht “Wolle” Wolfgang Petry. Dafür fehlt es mir offenbar an Mut.

Foto (6) Foto (7)

Was ich weiß ist – ich bin nicht alleine. In meiner Twitter-Timeline gibt es viele Betroffene. Eigentlich genug, um eine Selbsthilfegruppe loomgeschädigter Erwachsener zu gründen. Dachte ich erst. Aber dann machte ich eine sensationelle Entdeckung.
Dazu eine kurze Vorgeschichte. In unserem Sack mit den 1.000 Gummis war eine Beschreibung für einfache Bänder, doppelte Bänder, Blütenbänder und doppelte Blütenbänder. Ein Blick auf die Arme anderer Eltern zeigte jedoch, dass es eine bestimmte Technik geben musste, wie man die Gummis enger aneinander reiht und als Björn Grau ein entsprechendes Foto postete, gerieten wir in die YouTube-Loom-Tutorial-Hölle.

Wir schauten wie man von Hand die Fischgrättechnik umsetzt, wie man Blümchen knüddelt, wie man Leiterarmbänder und wie man Raupenarmbänder loomt. Zu guter Letzt bestand Kind 3.0 darauf ein Tutorial anzuschauen, das demonstriert, wie man einen Minion loomt:

Ich bin fast an Langeweile gestorben, aber die Kinder haben ohne einen Mucks von sich zu geben ZWANZIG Minuten lang dieses Video angeschaut. Im Anschluss passierte etwas sehr, sehr seltsames.
Kind 2.0 und 3.0 nahmen die Gummis zur Hand und begannen alles, was sie vorher gesehen hatten aus dem Kopf in einem irrwitzigen Eifer umzusetzen. Es war unfassbar. Ich war fasziniert. Einem Kindergartenkind hätte ich nicht zugetraut so viel feinmotorisches Geschick aufzubringen. Auch die Gedächtnisleistung war phänomenal. In der Regel fokussiert Kind 3.0 ca. 40 Sekunden die Aufmerksamkeit bis es etwas anderes, interessanteres bemerkt.

Wir schauten ein weiteres Tutorial und auch das wurde sofort umgesetzt.
Noch eins und noch eins und noch eins und zehn Bänder später als es schon dämmerte, kam ich auf die Idee, den Kindern andere Tutorials zu zeigen.
Wie man Bücher einbindet, wie man Schuhe putzt, wie man Spannbetttücher ordentlich zusammenlegt. Es war in der Zwischenzeit fast Mitternacht, aber die Kinder konnten nicht genug bekommen.
Ich schrieb mir derweil die Themen auf und notierte die Länge der Videos, sowie andere Parameter wie etwa ob ein Erwachsener oder ein Kind das Tutorial erstellt hatte, ob es von einer Frau oder einem Mann oder ob es mit Musik untermalt war oder nicht.
Danach vermerkte ich auf einem weiteren Zettel wie spontan und dann wie zügig die Kinder das Gesehene umsetzten. Im Morgengrauen fielen die Kinder erschöpft auf die eingebundenen Bücher, den Berg der glänzenden Schuhe und den gefalteten Bettücher und ich konnte meine Daten geschwind in einer multivariaten Varianzanalyse auswerten.

Dabei erhielt sich folgendes Ergebnis: Am schnellsten und effizientesten werden Anleitungen umgesetzt, die:

  • in der Muttersprache
  • von einem etwa gleichaltrigen Kind
  • in unter fünf Minuten
  • ohne Musikuntermalung

erstellt wurden.
Und zwar UNABHÄNGIG VOM THEMA!

Das eröffnet wirklich ganz neue Perspektiven. Ich habe anschließend in einer akribischen Recherche herausgefunden, dass es in Sachen Tutorials einige thematische Lücken gibt. Nichts gefunden habe ich zu:

  • wie ich das Kinderzimmer hübsch aufräume
  • wie ich Wäsche wasche und ordentlich aufhänge
  • wie ich meinen Eltern den Frühstückstisch decke
  • wie ich Mami die Füße massiere

Sofern ihr also Kinder habt, wie wäre es, wenn ihr sie entsprechende Videoanleitungen erstellen lasst? Das ist im Übrigen auch eine hervorragende Altersvorsorge. Es gibt nicht wenig Loom-Tutorials, die mehrere Millionen (!) Male abgerufen wurden. Malt euch die Werbeeinnahmen aus, wenn ihr wirklich nützliche Videos ins Netz stellt. Videos, von denen ALLE Eltern unabhängig von ihrer Medienaffinität wollen, dass die Kinder sie sehen und nachahmen. Ich selbst kann sie leider nicht erstellen, ich möchte ja, dass meine Kinder sie anschauen und umsetzen.

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Ein Geschenk, ein Geschenk

“Ich erinnere mich noch gut, wie dein Kind sich nicht gefreut hat weil ich gekauft habe, was du mir empfohlen hast.”
Ich habe ein unsägliches Händchen für Kindergeschenke. Ich denke oft, ich habe eine grandiose Idee und betreibe dann einen riesigen Aufwand, aber alles was meine Kinder mit den Geschenken lernen ist “wie verhalte ich mich sozial erwünscht.”
Es ist immer das selbe. Mit glänzenden Augen reißen sie das Geschenkpapier auf und entdecken dann das in Kinderaugen lahmste Geschenk der Welt. Sie schlucken, atmen einmal tief durch und dann schauen sie mich an und sagen artig “Danke, Mami.” bevor sie das nächste Geschenk auspacken.
So ist das Jahr für Jahr. Kind für Kind. In manchen Albträumen sehe ich ihre enttäuschten Gesichter vor mir und im Kanon höre ich sie wie kleine Roboter sagen: “D a n k e M a m i, d a s i s t w u n d e r w u n d e r s c h ö n.” Dabei sind sie seltsam farblos und manchmal rinnt ihnen leise eine Träne über das kleine Kindergesicht.

Im Laufe ihres Lebens hat jedes Kind eine ganz eigene Taktik herausgearbeitet, wie es mit meinen enttäuschenden Geschenken umgeht. Kind 1.0 ist dazu übergegangen mir Wochen vor den entsprechenden Schenkanlässen seine Wünsche in Konversationen geschickt nebensächlich einzubauen. “So ein Google Play Store Gutschein, das ist schon eine Sache über die sich eigentlich alle Jugendlichen freuen. Man bekommt die Gutscheine dafür heutzutage sogar im Supermarkt. Wusstest du das? Unglaublich oder?”
Ich nehme mir dann immer vor ganz brav in einen Laden zu gehen, einen entsprechenden Gutschein zu kaufen, aber dann geht es irgendwie mit mir durch und ich sehe ein TOTAL witziges T-shirt und naja, dann ist das Kind wieder nur so semibegeistert.
Kind 2.0 packt mein Geschenk immer als letztes aus. Dann sagt es sowas wie: “Oh! Ich habe SO viele Geschenke bekommen. Ich möchte, dass andere Kinder auch Geschenke haben. Deswegen möchte ich eines meiner Geschenke spenden. Ich wähle dieses hier (deutet auf meins).”
Ich meine, was soll ich da sagen? Rumschreien “JA GEHTS NOCH? DAS IST DOCH MEIN GESCHENK?! DAS KANNST DU DOCH NICHT SPENDEN!!!”
Kind 3.0 hat die Angelegenheit sehr pragmatisch geregelt. Entweder es fällt schon beim Auspacken auf mein Geschenk und zerstört es dabei oder es fährt zu einem späteren Zeitpunkt einmal beherzt mit dem Bobbycar drüber, hält an und entsorgt die Einzelteile pflichtbewusst im Müll.

Ich weiß einfach nicht warum das mit mir und den Geschenken so ist. Ich bin sonst ein ganz kreativer Mensch mit viel Feingefühl für die psychologische Charakterstruktur anderer.

Ich habe eine Freundin, die macht unglaubliche Geschenke. Wenn diese Geschenke ausgepackt werden, dann raunen alle “Ahhh!” und “Ohhhh” und “Wo hast du das denn nun wieder ergattert?”. Alle, die nicht Geburtstag haben, sind ein wenig neidisch und das nächste Mal ist meine Freundin garantiert zur Geburtstagsfeier eingeladen. ALLE wollen ihre Geschenke. Wenn sie sagt, wo sie das gekauft hat oder wie sie das gebastelt hat, dann zücken alle ihre Handys, tippen die wichtigsten Informationen in die Notizen oder machen gleich Videoaufnahmen.

Ich habe mich immer gefragt wie dieses Gefühl ist, wenn man etwas schenkt, was jemand anderen eine Freude macht und was soll ich sagen? Heute ist es mir gelungen. Ich habe Kind 3.0 ein Geschenk gemacht, das ihm gefallen hat. Zusammengerechnet mussten Patenkind und Geschwisterkinder beinahe drei Jahrzehnte dafür leiden. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich es nochmal schaffen kann! Ich bin übersprühend vor Motivation! Zuversichtlich! Geschenkenthusiastisch gar.

Ach und wen es interessiert was ich geschenkt habe: Ich habe ein grünes T-Shirt mit einem aufgebügelten Fuchs geschenkt. Kind 3.0 ist nämlich der größte Füchse Berlin Handball Fan dieser Erde. Dieses Fantum überschattet all seine Urteilsfähigkeit. Alles was grün ist oder was einen Fuchs aufgedruckt hat, ist gut! Ich vermute, es hätte sich über einen mit Gras verzierten, in den Sand gemalten Fuchs gefreut.
Aber egal. Ich war sowas von glücklich, als das Kind das Geschenk aufriss. Erst sah es aus wie immer. Die Augen weiteten sich, die Unterlippe zitterte, das Kind entfaltete das T-Shirt. “Was ist das?”
“Ein T-Shirt mit einem Fuchs.”, sagte Kind 2.0 mitfühlend und Kind 1.0 stand bereit ein weinendes Geschwisterkind in die Arme zu nehmen.
“Ein Fuchs? EIN FUCHS? E I N F U C H S????”
Kind 3.0 juchzte und jubelte. Es rannte über die Wiese und kam wie einer dieser Fußballer auf den Knien rutschend wieder zum Stehen! “EIN FUCHS! JAAAA! JAAAHAAAAA!”
Es war außer sich vor Glück. Die Geschwister sprachlos. Und ich schwebe seitdem im Himmel der Menschen, die Geschenke machen können über die andere sich freuen.

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Ein Rant zum Begriff “Maternal Gatekeeping”

https://twitter.com/katjaberlin/status/434323239632785408

Tweet nachträglich ergänzt. Weil er so wunderbar ist.

Neulich habe ich einen tollen, für mich neuen Ausdruck gelesen: Maternal Gatekeeping

Wer den Begriff nicht kennt: Es geht hierbei um die Unterstellung, dass viele Mütter das Thema Kinder und Erziehung so sehr an sich reißen, dass für die Väter gar kein Platz mehr ist, um ihren Part zu erfüllen (z.B. “Väter helfen zu Hause oft auch deshalb zu wenig mit, weil die Mütter ihren Kompetenzvorsprung ausspielen. „Maternal Gatekeeping“ nennen Soziologen dieses Phänomen, und unsere Autorin gibt zu: Da ist durchaus was dran.“.

Ich hab im Anschluss noch die Kommentare auf facebook dazu gelesen und schätze, danach war mein Blutdruck irgendwo in dem Bereich, in dem Comicfiguren Dampf aus den Ohren kommt.

Wenn ich mich so aufrege, ist das meist ein sicheres Indiz dass das vielleicht irgendwas mit mir und meinem Leben zu tun haben könnte. Also habe ich versucht mich zu fragen: Bin ich am Ende einer dieser Gatekeeping Mothers?

Ich gebe zu, als die Kinder jeweils frisch geboren waren, da dachte ich wirklich, ich sei für die Babys wichtiger als der Vater. Ich hatte große Probleme sie aus meinen Armen zu geben. Ich denke viel lag das auch daran, dass ich gestillt habe und zwar nach Bedarf und ich war in Elternzeit, einmal ein Jahr und ein anderes Mal etwas länger. Also einfach verfügbarer.

Sprich, ich habe nicht gearbeitet und habe es als meinen Job angesehen, mich um die Kinder, die Familie, den Haushalt zu kümmern. Irgendwann dachte ich vermutlich, dass ich einiges besser wüsste oder könnte. Meiner Meinung nach hat das aber tatsächlich was mit der Menge der Zeit zu tun, die man mit den Kindern verbringt und natürlich ist es auch einfach eine Sache der Übung. Das hat für mich nichts wertendes. Wenn ich nie Löcher in die Wand bohre und ein anderer das schon seit Jahren macht, ist es relativ wahrscheinlich, dass der andere die Löcher präziser bohrt, dass er weiß wie groß sie sein müssen und welchen Dübel man mit welcher Schraube verwendet. So ist das bei den Kinderthemen auch. Zweihundert Mal Windeln gewechselt und Kind an und ausgezogen, das ist was anderes als wenn man das zehn Mal gemacht hat.

Die Kinder kamen in den Kindergarten und ich ging wieder arbeiten. Teilzeit. Teilzeit deswegen, weil es meiner Meinung nach nicht möglich ist, all die Termine und ToDos zu erledigen, die man mit Kindern so auf der Agenda hat. Elternabende, Vorsorgetermine, normale Arzttermine – ja selbst schnöde Spielplatzverabredungen sind nicht möglich, wenn ich von 8 bis 17 Uhr arbeite (8 Std plus Mittagspause) und je 40 Minuten Arbeitsweg habe.

Mit dem Wiedereintritt in den Beruf hätte ich mir die Familienarbeit gerne geteilt. Meine Idealvorstellung (sofern man sich das finanziell leisten kann) wäre: Vater und Mutter arbeiten Teilzeit und zwar zeitversetzt. Jeder macht alles. Man wechselt sich beim Holen und Bringen ab. Man teilt sich die Kranken und Schließtage. Geht abwechselnd zum Elternabend, abwechselnd zu den Entwicklungsgesprächen, zu den Vorsorgeterminen. Einmal kauft der eine Partner mit den Kindern Schuhe oder Regenhosen – mal der andere.

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue finde ich dieses Modell genau zwei Mal. Zwei Mal von gefühlten fünfzig.

Sind das – bin ich – sind wir alle Gatekeeping Mothers?

Nein? Ja?

In der facebook Diskussion schrieb eine Dame: “Man muss die Männer eben rechtzeitig einbinden! Man kan nicht hinterher jammern, wenn sie sich nicht interessieren und nicht mitmachen.”

Leider bekomme ich da schon ein leichtes Würgegefühl. Die Mutter muss den Vater einbinden? Warum? Ist das auch ein Kind? Sind Männer/Väter nicht zufällig auch Erwachsene? Könnte es nicht so sein, dass die sich gemeinsam mit der Mutter für Kinder entschieden haben? Düfte man da nicht ein natürliches Interesse am eigenen Kind voraussetzen?

Ich habe noch kopfschüttelnd weitere Kommentare und Artikel in der Richtung gelesen. Ich werde das nie verstehen. Ich pauschalisiere jetzt einfach mal ganz platt: Warum fühlen sich so viele Männer nicht berufen die gleiche Verantwortung für ihre Familie, für ihre Kinder zu übernehmen? Warum gehen sie auf ihre Gatekeeping Wifes nicht zu und sagen: Moment mal, liebe Frau! Ich will jetzt auch mal Windeln wechseln? Ich möchte heute auch mal füttern! Ich WILL aber Wäsche waschen! Sorry, aber ICH habe mich schon auf der Liste im Kindergarten zum Frühjahrsputz eingetragen!

Immer sind die Frauen schuld. Immer. Selbst wenn es um mangelnde Beteiligung der Männer geht. Da sind es nicht die Männer oder Väter, nein! Da sind es die Gatekeeping Mothers. Wenn die nämlich nicht so gierig nach vollgekackten Windeln, stundenlangem Warten beim Notarzt und nach Küche putzen wären, ja dann, dann würden die Papas sich auch beteiligen. So ist das nämlich!

Übrigens, Studien zeigen, dass Gatekeeping Mothers Männer auch wieder miteinbeziehen können. Wenn sie das sensibel tun und ausreichend motivieren und loben, dann gibt es da noch eine Chance: [...] encouragement had a more powerful effect on fathers than criticism. “Mothers can close the gate, but they can also open the gate,”

Erstaunlich wie viel Macht wir Frauen so haben. Jedenfalls in Sachen Familienarbeit.

Was Melanie von glücklich scheitern unter den oben verlinkten Nido-Artikel geschrieben hat, ist so wahr: ich wunder mich immer wieder, dass männer sich in familiendingen das ruder aus der hand nehmen lassen. und das, glaub ich auch, oft ganz gerne. schließlich sind sie sonst in sachen durchsetzungsvermögen ja nicht zu knapp ausgestattet…

Ich kann da nur den Kopf schütteln und wenn ich solche Urteile des Bundesgerichtshof lese, dann kann ich gar nicht mehr aufhören damit: Frauen können neben einer Vollzeittätigkeit noch Kinder betreuen, Männer nicht.

“Offenbar sind Frauen nach Ansicht des BGH einfach belastbarer. Noch wahrscheinlicher ist jedoch, dass der BGH bei seiner Entscheidung veraltete Leitbilder zur Berufstätigkeit von Männern und Frauen im Kopf hatte: Männer können sich neben ihrer Vollzeittätigkeit nicht noch um Kinder kümmern, weil sie verantwortungsvolle Jobs haben, in denen sie Überstunden, Dienstreisen und wichtige Besprechungen zu kinderbetreuungsunfreundlichen Zeiten wahrnehmen müssen, schon  weil sie als Familienernährer unter dem Druck stehen, Karriere machen zu müssen. Und Frauen haben Vollzeitstellen von acht bis sechzehn Uhr, weil sie in Jobs arbeiten, in denen sie zwar nicht viel verdienen, aber wo sie pünktlich Schluss machen können, weil sie putzen oder im Callcenter arbeiten.”

Der Artikel ist von 2011. Aber ich glaube das ist völlig egal. Er spiegelt nämlich lediglich das wieder, was in der Gesellschaft eine weit verbreitete Haltung ist.

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Nur lautloses Spielzeug ist gutes Spielzeug

Es gibt Spielzeug, das schenkt man den Kindern anderer Leute nur, wenn man sie im Grunde nicht leiden kann. Also die Eltern. Spielsachen, die einen zu Tode erschrecken zum Beispiel.
Ich persönlich erschrecke mich oft vor dem Tiptoistift. Den mögen die Kinder so gerne, dass sie ihn sogar morgens vor dem Kindergarten und der Schule benutzen. Nur stellen sie ihn nie aus.
Die Kinder gehen dann los und ich bin manchmal noch zuhause. Alleine. Genieße die Stille in der Wohnung und plötzlich sagt hinter mir eine Stimme: “ICH SCHALTE MICH JETZT AUTOMATISCH AB!”
Da rutscht mir das Herz in die Hose und ich falle fast vom Stuhl oder ich spucke vor Schreck meinen Kaffee auf den Küchentisch.
Solche Spielzeuge gibt es in vielen Varianten.
Kind 2.0 hat mal so eine Puppe bekommen, die geweint (besser gesagt: hysterisch geschrieen) hat, wenn man ihr den Schnuller rauszog. Schlimm war die. Endlos Batterie. Üäääh! UUUÄÄÄÄÄHHHHH! Wenn das eigene Kind aus dem Babyalter gerade erst raus ist, dann neigt man zu echtem Mitleid mit solchen Puppen. Im Reflex trägt man sie auch herum oder man schaukelt sie ein bisschen. Irgendwann ist man genervt und möchte dass die Puppe aufhört. Den Kindern scheint das Geschrei gar nichts zu bedeuten. Nicht mal als reiner Schalldruck. Sie spielen mit ihr. Ziehen den Schnuller raus und wenden sich einer anderen Sache zu. Da liegt die Puppe am Boden und schreit und schreit.
Ich habs irgendwann nicht mehr ausgehalten und die Puppe in den Keller getragen und sie ohne Schnuller in einen Karton geworfen.
Endlich Ruhe!
Ahhh.
Die Puppe nahm schreckliche Rache.
Als ich das nächste Mal durch den Keller lief und in den Kisten nach irgendwas suchte, hörte ich plötzlich ein leises Wimmern. Ich bin fast ohnmächtig geworden. In Panik suchte ich nach dem Baby, das eine herzlose Mutter in meinem Keller zurückgelassen hatte. Wääääh! Sehr schwach war das Weinen nur noch.
Zitternd wühlte ich in der Kiste und fand … natürlich die schreckliche Babypuppe.
IK HASSE SPRECHENDES UND WEINENDES SPIELZEUG!

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U8

Unsere Kinderärztin ist aus den Zeiten in denen in unserem Land noch Zucht und Ordnung herrschte. Wir bleiben trotzdem bei ihr. Wenigstens versteht sie was von ihrem Fach – also zumindest rein medizinisch. Das Personal ist freundlich, man muss sich nur ein halbes Jahr vorher einen U-Termin sichern und es gibt ein großes Wartezimmer mit vielen Spielsachen.
Leider stimmt die Chemie zwischen der Ärztin und Kind 3.0 nicht so und weil Kind 3.0 nunmal sehr lebhaft und phantasiebegabt ist, gab es die ein oder andere Meinungsverschiedenheit. Die Ärztin schaute dann immer freundlich zu mir und fragte Dinge wie: “Regeln? Gibt es bei ihnen zuhause so etwas?” oder “Ihnen gefällt seine lebhafte Art, ja?”
Ich lächle dann milde und denke mir, ich bin schließlich nicht gekommen, um mich über Erziehung und die Parameter von Wohlgeratensein auszutauschen und sage “Jaja.” oder “Hmdochdoch.” Persönlich hat mich die U-Untersuchung gut unterhalten.

Helferin: “Jetzt wollen wir doch mal sehen, ob Du schon einen Mensch malen kannst!”, reicht Kind 3.0 ein Blatt und einen Stift.
Kind 3.0 malt:

Foto 1 (3)

Helferin: “Da fehlt aber was!”
Kind 3.0: “Stimmt! Die Augenbraue.”, korrigiert die Zeichnung
Helferin: “Da fehlt immer noch was. Schau Du hast Augen und einen Mund gemalt – aber das Gesicht braucht noch?”
Kind 3.0: “Hmmmm…”
Helferin: “Na, schau mal was Du im Gesicht hast. Augen, Mund und ….”
Kind 3.0: “Nase!”
Helferin: “AHA! Dann mal die mal noch.”
Kind 3.0: “Nein.”
Helferin: “Warum nicht?”
Kind 3.0: “Das ist ein Pobeißer. Wenn Du möschtest, mal isch noch einen Hund. Hunde können gut rieschen. Der riescht dann für den Pobeißer mit.”
Helferin macht sich Notizen.

Helferin zeigt Kind 3.0 ein Schaf: “Was ist das?”
Kind 3.0: “Eine Ziege.”
Helferin: “Naja fast, es ist viel flauschiger. Deswegen ist es ein …”
Kind 3.0: “Eine FLAUSCHZIEGE!”

Die Helferin hat eine bunte Mischung an Tieren ausgepackt. Darunter Schaf, Schwein, Esel, Kuh, Tiger, Elefant, Giraffe.
Helferin: “Zeig mir mal die Tiere, die auf einen Bauernhof gehören.”
Kind 3.0 zeigt auf Schwein, Esel, Elefant.
Helferin: “Nein, der Elefant nicht! Bauernhof! Das ist kein Bauernhoftier.”
Kind 3.0: “Wohl. Dschungelbauernhof. Der Elefant ist zogar ein Arbeitstier.”

Helferin: “Was ist das für eine Form?”
Kind 3.0: “Ein O”
Helferin: “Nicht Buchstabe! Form!”
Kind 3.0: “Rund?”
Helferin: “Form!”
Kind 3.0: “Das hat keine Ecken.”
Helferin: “Ein Kreis! Das ist ein Kreis.”
Kind 3.0: “Stimmt. Das hast Du rischtisch gesagt.”
Helferin zeigt Dreieck: “Male mir bitte ein Dreieck”
Kind 3.0 malt:

Dreieck

Das Kind hätte wohl arge Probleme Instruktionen zu befolgen. Ob es auch sonst alles infrage stelle? Es hätte ja immerhin einen ganz guten Wortschatz. Und Phantasie.

Immerhin!

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Endlose Spielenachmittage

Es ist so. Kind 2.0 war irgendwann doch etwas genervt weil ich immerzu in mein Telefon schaue. Es ginge dabei ja auch nicht nur um die ständige Ablenkung, es sei auch besorgt, weil ich wirkte beinahe süchtig und Sucht, das sei eine schlechte Sache, das wüsste schließlich jede/r. Als ich dennoch nicht hören wollte, erarbeitete Kind 2.0 einen Kompromiss. Ich darf alle Tage ins Handy schauen – nur Mittwoch Nachmittag nicht. Da sei ab jetzt ein echter Spielenachmittag. Echt heißt in dem Fall, dass die Kinder nicht nur jedes für sich oder miteinander spielen, sondern dass ich mit den Kindern spielen muss. Mit der Auslegung des Wortes spielen sei Kind 2.0 jedoch flexibel. Wir könnten auch am Computer spielen, fernsehen (diabolisches Grinsen während es diese beiden Aktivitäten vorschlug), basteln, kochen oder Gesellschaftsspiele spielen.

Was es nicht gesagt hat, wir müssen im Hintergrund immer Radio Teddy hören. Schlimme Sache und als Strafe für mein Handyverhalten wirklich ausreichend.

Die ersten Tage bastelten wir, dann kochten wir, dann buken wir, dann puzzelten wir, dann machten wir Knickbilder, dann spielten wir Karten und gestern spielten wir Monopoly.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich als Kind Monopoly sehr toll fand. Meine Eltern haben gefühlt zehn Mal in meiner gesamten Kindheit mit mir gespielt. Davon drei Mal Monopoly, vier Mal Spiel des Wissens und den Rest so ein Spiel mit kleinen Autos, in die man Stäbchen reinsteckte je nachdem wie viel EhepartnerInnen und Kinder man während des Spiels anhäufte.

Was das Monopolyspielen angeht, kann ich mich jedoch nicht erinnern, WAS mir daran so gefiel. Ich glaube, ich habe nicht einmal gewonnen.

Im Hinterkopf die Begeisterung meiner Kindheit, willigte ich ein und wir spielten los. Kind 3.0 wurde als hauptamtlicher Würfler für mich eingestellt. In Runde 5 musste das eifrige Kind ausgeschlossen werden, weil es mit großem Ehrgeiz und auch Treffsicherheit ständig alle Häuschen vom Feld würfelte. Das alleine wäre noch ok gewesen. Jedoch dauerte die Zielphase sehr, sehr lange. Kind 3.0 nahm dabei den Würfel in die Hand, kniff die Augen zusammen, suchte sich eine Ansammlung Häuser am Spielfeld und schüttelte dann den Würfel. Erst langsam und dann immer schneller. Währenddessen visierte es das Ziel an, schob die Zunge zwischen die Lippen und warf erst nach endlosen Minuten des Zielens die Würfel mit maximalem Schwung auf das Feld.

Hätte ich gewusst wie langweilig das Spiel ohne Kind 3.0 ist, ich hätte es nicht weg geschickt.

Wir spielten eine ereignislose Stunde und als ich dann wirklich nicht mehr konnte (Ich habe versucht das Spiel als Demutsübung zu sehen, so wie das geduldige Stehen an autolosen, roten Verkehrsampeln, WIRKLICH), bat ich um Beendung. Nein, das Spiel ist erst beendet, wenn ein/e Spieler/in kein Geld mehr hat.
Der Haufen Geld vor mir wollte aber einfach nicht weniger werden. Spätestens wenn ich über Los oder versehentlich auf das Feld Wundertüte (wir spielen Kindermonopoly) kam, war ich wieder solvent.

Nach 1,5 Stunden begann ich mein Guthaben heimlich in die Kasse zurück zu stecken. Erst die großen Scheine und dann nach und nach die kleinen Scheine. Ich musste zwischendurch auf Toilette und als ich wieder kam, waren meine Häuschen, die ich bislang noch nicht auf Felder stellen konnte, plötzlich verschwunden bzw. sie standen offensichtlich irgendwo auf dem Spielfeld. Meine Kassen klingelten endlos.

Dann neigte sich das Geld von Kind 1.0 dem Ende zu, was Kind 2.0 gleich bemerkte: Ich werde dein Unterstützer! Hier hast du ein Paar Scheine, gib mir einfach ein bisschen was zurück wenn Du wieder Einnahmen hast.

Ich war entsetzt. Das, das geht nicht! Das erlauben die Regeln nicht!, protestierte ich.

Man soll doch teilen? Beide Kinder schauten mich fragend an. Bei Geld hört das wohl auf? Was ist mit den Bedürftigen, hm? 

Aus Gründen der Erziehung zum moralisch Guten blieb mir nur, die Regelanpassungen zu akzeptieren. Das Spiel ging endlos. Es war durch nichts abzubrechen. Habt ihr jetzt nicht mächtig Hunger? (Es war 19 Uhr)

- Nö!
- Vielleicht ein bisschen fernsehen?
- Nein, gerade macht es doch so Spaß.
- Süßigkeiten?
- Ne, danke.
- Tropical Island?
- Ist doch zu spät jetzt, Mama.
- Disneyland Paris?
 Mama! Jetzt spiel, Du bist dran!

Und wenn sie nicht fertig geworden sind, dann spielen sie noch heute.

 

P.S. Wir spielen Kinder-Monopoly und zwar streng nach den vorher vorgelesenen Spielregeln. Die scheinen sich von den Erwachsenen-Monopoly Regeln zu unterscheiden und die scheinen nach Verstreichen der Kindheit nicht mehr gelesen zu werden. Anstatt dessen spielt man nach Gedächtnis. Die Erinnerungen scheinen den Kinder-Monopoly Regeln zu entsprechen und zu einem endlosen Spiel zu führen. Spielt man nach Anleitung, scheint Monopoly irgendwann aufzuhören und “Spass” zu machen.

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