[Anzeige] Let’s talk – Sollen Kinder Medienkonsum mitbestimmen?

Sehen so Kinder aus, die ihren Medienkonsum selbst bestimmen? (Bild Kind 3.0)

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im neunten Teil geht es um: Mitbestimmung beim Medienkonsum

Kinder den Medienkonsum selbst bestimmen lassen. Geht das?

Ich hatte bereits darüber geschrieben, dass ich nicht so viel davon halte, wenn man Kindern feste Zeitvorgaben macht, was die Mediennutzung[1] angeht. Vor allem dann nicht, wenn Kinder erschaffend und nicht rein konsumierend unterwegs sind.

Auch generell bin ich eher sorglos was den Medienkonsum angeht.
Für mich ist wichtig, dass die Kinder ihre alltäglichen Pflichten erledigen. Das umfasst kleine Dinge wie Brotdose nach der Schule in die Spüle stellen bis hin zur Erledigung der Hausaufgaben.

Sind diese Themen abgehakt, findet Freizeit statt. Ähnlich wie beim Taschengeld, gilt für mich hier die Regel der Selbstbestimmung.
Beim Taschengeld bestimme ich nicht mit für was es ausgegeben wird. Wenn sich die Kinder vom Taschengeld ausschließlich zuckertriefenden Quatsch kaufen, halte ich meine Aber-die-gesunde-Ernährung-Monologe-Einself ausschließlich im Stillen.

Für die Freizeit gilt grob dasselbe.
Grob – weil es natürlich einen Rahmen gibt. Die Kinder sollten sich altersgerechte Beschäftigungen suchen zum Beispiel. Wenn aber der Rahmen stimmt, möchte ich eigentlich nicht reinreden und werten. Exzessives (Computer)spielen in den Ferien halte ich zum Beispiel nicht für bedenklich.
Ich bin ganz ehrlich, ich bin in der kommenden Weihnachtszeit ohne weitere Verpflichtungen (und auch ohne Kinder) – meine Freizeit stelle ich mir deswegen höchst unpädagogisch wie folgt vor: ich sitze in Jogginghose vor dem Fernseher und ziehe mir an einem einzigen Tag die neue Staffel Black Mirror rein. Wahrscheinlich bestelle ich mir Pizza und wenn es richtig krass kommt, trinke ich COLA!

Es ist für mich deswegen völlig verständlich, wenn (m)ein Kind eine ähnliche Vorstellung von Ferien hat.
Wenn es von früh bis spät das neue Zelda spielen wöllte – was sollte ich dagegen sagen?

Medienkonsum
Verbote werden meist sowieso nicht eingehalten, da kann man sie sich auch sparen/Foto debbienews @pixabay

Selbständige Kinder – Mama’s Traum

Generell schätze ich selbständige Kinder sehr.
Wenn ich meine Kinder frage: „Was mag die Mama am liebsten???“ (wenn man Mutter wird, dann wird man leicht verrückt und spricht von sich selbst in der 3. Person…) antworten sie mit rollenden Augen im Kanon: „Selbständige Kinder!“

Deswegen ist es mir wichtig, dass Kinder eigene Entscheidungen treffen und wir gemeinsam Rahmen und Regeln besprechen. Das gilt für den Medienkonsum genauso wie für andere Themen. Ich möchte deswegen nicht festlegen: Du darfst pro Tag 20 min Computerspielen/fernsehen/am Handy daddeln.

Vielmehr möchte ich, dass wir vereinbaren, wann die richtige Zeit ist diesen Tätigkeiten nachzugehen und wann nicht.
Starre Regeln finde ich unpassend. Das gilt im übrigen nicht nur für den Konsum digitaler Medien. Mein Bücherwurm-Kind muss den Umgang mit dem Lesedrang auch lernen. Es muss lernen, dass es unter der Woche im Lichte der Schulpflicht nicht OK ist, bis 22 Uhr zu lesen. Es soll aber auch wissen, dass es in den Ferien lesen kann bis die Augen zufallen. Es soll verstehen, dass es gefährlich ist während des Laufens auf dem Weg in die Schule zu lesen, dass die Risiken sich beim U-Bahn-Lesen jedoch in Grenzen halten.

Es wird also diskutiert und ausprobiert und ggf. wird der Rahmen nochmal angepasst. Zum Beispiel weil das Kind älter geworden ist, weil es eine begründete Ausnahme gibt oder weil ein lang erwartetes Spiel rausgekommen ist, das unbedingt ausprobiert werden muss.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder Entscheidungen, die sie selbst treffen können, viel besser tragen als Entscheidungen, die man ihnen einfach vorsetzt (was nicht sooo verwunderlich ist, denn Kinder sind Menschen und ich glaube, diese Aussage trifft generell auf Menschen zu – egal welches Alter sie haben).

Was wenn die Kinder sich nicht an die Vereinbarungen halten?

Medienkonsum
Was wenn es nicht klappt mit den Vereinbarungen?/Foto ErikaWittlieb @pixabay

Klingt alles super, oder?
Klappt das immer?




Leider nein.
Haben meine Kinder schonmal nach 21 Uhr gelesen obwohl Schlafenszeit ist? Ja!
Haben meine Kinder schonmal nicht altersgemäße Computerspiele gespielt, obwohl wir die Vereinbarung hatten, dass die USK Altersvorgaben gelten? Ja.
Haben meine Kinder schonmal Handyspiele gespielt bevor sie Hausaufgaben gemacht haben? Ja.
War ich schonmal genervt, weil ein Kind aufgrund hohen Spielkonsums Kacklaune hatte? Ja.

Folgt daraus, dass ich einschränke und verbiete?
In der Regel nicht.

Meistens bekommen die Kinder dann einen ermüdenden Vortrag über unsere Vereinbarungen. Dieser Vortrag enthält mindestens die Punkte
Pflichten und Rechte – das eine nicht ohne das andere – und wir versuchen wieder zu einer Auffrischung der Vereinbarung zu kommen.

Ich glaube, es ist für die Kinder elementar wichtig zu sehen, dass es Ausnahmesituationen gibt, in denen der Konsum hochgefahren werden kann, wenn es gerade Spaß macht, weil es ihnen dann leichter fällt, sich dann zu zügeln, wenn es eben nötig ist. Im übrigen gilt auch hier: An die eigene Nase packen. Fragt mal eure Kinder wie sie euren Medienkonsum finden.

Meine Handynutzungszeiten wurden auch schon reguliert und ich bin zu der Einsicht gekommen, dass die Kinder völlig recht haben. Genauso kritisch sehen die Kinder übrigens den Fernsehkonsum der Großeltern. Jede Generation scheint ein eigenes Suchtmedium zu haben und 20 Jahre später schüttelt der jeden Abend Fernseh schauende Großvater den Kopf über den ständig am Handy rumtippenden Enkel.
So scheint der Lauf der Dinge zu sein.

Warum sich manche nicht erinnern können, dass die eigenen Eltern und Großeltern vom Kultur- und Sittenverfall predigten, wenn sie in ihrer Kindheit bestimmte Dinge taten, die es in der Generation davor noch gar nicht gab, ist mir schleierhaft. Ich kann und mag deswegen an bestimmten Diskussionen mit anderen Eltern nicht mehr teilnehmen.

Ewiges Thema ist ab einem gewissen Alter der Handykonsum der Kinder.
Plakativ gesprochen, echauffieren sich Eltern, die ihren Kindern Handys komplett verbieten, gerne über den Handykonsum anderer Kinder. Um ihre Kinder weiterhin vom Handy fernzuhalten, sprechen sie sich für generelle Handyverbote aus. In meiner Wahrnehmung können sich Kinder, denen sehr lange Handykonsum generell verboten wird, sehr schlecht regulieren und sind dann, wenn sie mal ein Handy zur Verfügung haben, wirklich kaum ansprechbar und wie hypnotisiert.

Ähnliches Verhalten kenne ich von meinen Kindern wirklich kaum.
Natürlich spielen sie gerne mal extensiv irgendwelche Spiele oder schauen drei Folgen Dino-Dana am Stück – viel häufiger kommt jedoch vor, dass sie anfangen sich zu langweilen und dann lieber mit mir oder ihren Freundinnen und Freunden spielen wollen.

Eine Frage des Alters…

Tatsächlich hängt sehr viel im Umgang mit den Medien vom Alter der Kinder ab. Meine Kinder sind schon lange Schulkinder und da sieht es natürlich anders aus als bei Kindergartenkindern. Kindergartenkinder würde (und hab ich) immer im Medienkonsum begleiten. Grundschulkinder können gerne alleine bestimmte Dinge ausprobieren, aber da würde ich den Computer z.B. ins Wohnzimmer und nicht ins Kinderzimmer stellen. Wichtig ist für mich das Teilen hinterher. Wenn mein Kind z.B. zwei Stunden am Stück einen Film schaut oder Minecraft spielt, ist die mündliche Zusammenfassung am Ende ungefähr genauso lang. Kinder brauchen diesen Dialog jedoch, um das Gesehene zu verarbeiten und mir als Mutter hilft es, zu verstehen, was an der jeweiligen Beschäftigung so aufregend ist.

Älteren Kindern erlaube ich auf jeden Fall digitale Medien ohne meine Aufsicht zu benutzen. Bis es soweit ist, hat sich hoffentlich entsprechendes Verständnis und Vertrauen aufgebaut.

Toleranz und Offenheit schützt die Kinder

Medienkonsum
Wie sollen Kinder mit ihren Eltern reden, wenn sie etwas verbotenes getan haben und dabei in Schwierigkeiten gekommen sind?/Foto Riala @pixabay

Was ich außerdem über die Maßen schätze, ist die Offenheit meiner Kinder. Ich glaube, weil es in Mediensachen keine Verbote gibt, teilen sie mit mir alles. Sie erzählen mir, was sie spielen oder schauen – auch wenn es etwas ist, von dem sie wissen, dass sie es eigentlich nicht machen sollen.

Die Versuchung in einer Peergroup ist manchmal einfach zu groß.
Ich erinnere mich, dass ich als Kind z.B. mal die Gremlins geschaut habe, obwohl ich wusste, dass ich das nicht darf und obwohl ich auch wußte, dass ich  mich gruseln würde. Tatsächlich konnte ich volle zwei Wochen danach kaum schlafen, weil ich Angst hatte, dass in meinem Zimmer irgendwo Krümel rumliegen, die ein zufällig vorbei kommender Mogwei nach Mitternacht essen könnte.
Hätte ich zu meinen Eltern ein gutes Verhältnis gehabt, das nicht hauptsächlich durch Verbote geprägt war, hätte ich mich trösten und beschützen lassen können.

Das ist jedenfalls was ich meinen Kindern bieten möchte: Ich möchte immer Ansprechpartnerin sein – auch wenn sie mal was tun, was sie eigentlich nicht sollen. Wie soll ich sonst mit Ängsten umgehen oder wie soll ich eingreifen, wenn sie im Internet blöde Erfahrungen machen (oder per WhatsApp Mobbing erfahren)? Diese Offenheit kann ich meiner Meinung nach nur erreichen, wenn ich Medienkonsum gemeinsam mit meinen Kindern bespreche und wir uns gemeinsam zu dem wann und was einigen.

In Erziehungsratgebern wird ja gerne die Konsequenz hochgehalten. Persönlich glaube ich zu viel Konsequenz macht Kindern zu Prinzipienreitern und Zwangsneurotikern. Mir ist die Einzelfallbetrachtung wichtiger. Es ist oft anstrengend, aber ich lasse mich durch gute Argumente meiner Kinder gerne überzeugen – auch was Menge und Art des Medienkonsums angeht.

Wie seht ihr das?  Lasst ihr eure Kinder (mit)bestimmen? Macht ihr Ausnahmen? Was befürchtet ihr, wenn ihr eure Kinder in den Ferien 6 Stunden am Stück Computer spielen lasst? Besprecht ihr einen Rahmen oder trefft ihr konkrete Entscheidungen?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt auf Facebook. Wenn ihr eure Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality
Teil 8 von Let’s talk: Programmierbares Spielzeug zu Weihnachten?

 

[1] Mit Medienkonsum meine ich nicht nur Computerspiele und alles, was man mit dem Handy zu tun hat, sondern auch YouTube, Fernsehen und Streamingdienste und alle sozialen Plattformen. Die Computerspiele habe ich nur exemplarisch herangezogen, weil ich den Eindruck habe, dass die meisten Eltern hier besondere Ängste haben.

2017

Wisst ihr noch? Damals? Anfang der 2000er als wir BloggerInnen diese Jahresendzeitfragebogen ausgefüllt haben? Hatte ich gerade mal wieder Lust drauf.

Zugenommen oder abgenommen?
Interessiert das wirklich noch? Zugenommen, weil ich bin jetzt in diesem Alter, in dem Rosenkohl plötzlich geil schmeckt und überhaupt alles geil schmeckt und essen eine solide Freizeitbeschäftigung ist.

Ich schaue außerdem auf meine dünnen Omis, die Probleme mit ihren Zähnen haben oder irgendwie andere Gebrechen, die es schwer machen überhaupt noch was mit Genuss zu essen und dann kommt in mir ein seltsam bockiges Gefühl auf, dass ich niemals an den einen Burger /Braten/Pizza denken möchte, die ich damals nicht gegessen habe, weil ich Angst hatte, ich könnte zu dick werden.

Außerdem muss ich nicht mehr frieren. Wirklich. Mit den 10 bis 15 kg mehr, die ich im Vergleich zu den Vorjahren wiege, friere ich viel weniger.

Haare länger oder kürzer?
Wer hat sich diese Fragen ausgedacht? Ich glaube länger. Ich bin zu faul zum Frisör zu gehen. Ich hasse zum Frisör gehen ohnehin. Diese Gerüche und dann diese fremden Menschen, die einen am Kopf anfassen wollen und das allerschlimmste ist der Smalltalk.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleichbleibend seit 1999.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Fürs Essen und für Urlaube. Ich glaube, ich bin schwer genusssüchtig geworden.

Mehr bewegt oder weniger?
Weniger. Der Arbeitsweg hat sich geändert und ich kann jetzt von der Haustür ins Büro fahren ohne mich zu bewegen.

Die Kinder gehen alleine auf den Spielplatz. Ich muss nicht mehr rennen, klettern, schaukeln.

Für Bewegung über die Alltagsbewegung hinaus geht, keine Energie. Oft denke ich: „Mensch, du könntest mal wieder joggen gehen.“, aber dann fängt es an zu regnen. Wirklich immer und dann tun mir die anderen so leid, weil die doch keinen Regen mögen und dann denke ich auch nicht mehr so oft ans Joggen.

Der hirnrissigste Plan?
Einerseits habe ich keine hirnrissigen Pläne mehr – andererseits ist es natürlich wahnsinnig hirnrissig überhaupt Pläne zu machen, wenn man Kinder hat.

Die gefährlichste Unternehmung?
Mein Leben ist so gefährlich wie die Einnahme von Globuli.

Die teuerste Anschaffung?
Ich glaube, so richtig im Sinne von bezahlen und behalten, war das teuerste dieses Jahr die Reparatur des Klos. Sehr sinnvoll, wenn ihr mich fragt. Ansonsten stehe ich gar nicht so auf Konsumgüter anhäufen.

Das leckerste Essen?
DAS leckerste Essen. Wer kann denn DAS EINE leckerste Essen hier eintragen? Richtig lecker war es beim Italiener in Polen und sehr empfehlenswert ist immer wieder das Nudo und natürlich selbst kochen!

Das beeindruckenste Buch?
Ich hab es dieses Jahr wirklich wirklich versucht: das Bücher lesen. Aber so richtig beeindruckt hat mich kein Buch. Gerne gelesen habe ich „Das Problem mit den Frauen“ und laut gelacht habe ich bei „Der Ursprung der Welt“. Mit den Kindern zusammen habe ich sehr gerne „Ich so du so: Alles super normal“ und die „Good Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen“ gelesen.

Die Liste, der Bücher, die mich enttäuscht und gelangweilt haben, wäre ungleich länger.

Der ergreifendste Film?
Ich schaue so viele Filme, dass sich alle Storys miteinander vermischen. Sehr schöne Bilder habe ich noch von „Ewige Jugend“ im Kopf und sehr positiv überrascht hat mich tatsächlich „Wonder Woman“.

Warum gibt es keine Frage zu Serien?

Fleabag! Please like me! Ozark! This is us!

Die beste CD?
CD?

Das schönste Konzert?
Deine Freunde mit den Kindern – wobei nach wie vor unklar ist, wer in Wahrheit wen begleitet hat.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Job. Leider. Nicht dass ich ihn nicht mögen würde, aber wäre ich Millionärin, ich würde doch lieber andere Dinge tun.

Die schönste Zeit verbracht damit…?
Zu sehen, wie die Kinder selbständig und groß werden. Es ist wirklich ganz erstaunlich wie diese Dinger, die man doch kürzlich erst aus sich rausgepresst hat, einen plötzlich in Debatten in Grund und Boden reden.

Schön ist es auch, wenn ich den Kindern meinen infantilen Humor erläutere und sie mich dann peinlich finden.

Mit dem Partner hatte ich auch sehr schöne Zeiten. Z.B. wenn er Schuhe für die Kinder gekauft hat und ich nicht dabei war. Nein, ganz im Ernst. V.a. die Zeiten, die wir gemeinsam verbracht haben, waren sehr schön. Wir sind ein super Bärchen*, wie man in Franken sagen würde.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Zu wenig Zeit.

2017 zum ersten Mal getan?
Ein Getränk getrunken, in dem eine Scheibe Orange schwamm. Aufgrund meiner Obstphobie war mir das die letzten 42 Jahre leider nicht möglich. Aber ich befand mich in vornehmer Gesellschaft und da wäre hysterisches Geschrei und Geheule für die Anwesenden irritierend gewesen. Also habe ich mich zusammengerissen und das Getränk einfach getrunken. Dabei hatte ich die Orangenscheibe aber immer im Blick. Nicht dass sie meine Lippen berührt. Das hätte ich dann doch nicht verkraftet.

Ich fand mich sehr tapfer. Es hat aber mal wieder niemand applaudiert.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Job gewechselt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Bestimmte Dinge schreibe ich hier ja nicht. Mir fällt sofort etwas ein – war auch schon im Vorjahr und im Jahr davor und im Jahr davor verzichtbar – aber hey – manches ist eben Bestandteil des Lebens.

Ansonsten eindeutig: Kulturpessimismus in Form von spitzerisch angehauchter Mitelternmeinungen. „Früher haben wir noch mit Lehm gespielt und ganz dolle Spaß gehabt. Heutzutage sitzen die Kinder nur vor ihren Smartphones!11!“.

Nazis im Bundestag sind auch nicht so prall.

Die wichtigste Sache, von der Dich jemanden überzeugen wollte?
Ausschlafen kann auch schön sein. Wir verhandeln allerdings noch, ob ausschlafen gleichzeitig bedeuten sollte: länger als bis 7.45 Uhr schlafen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Freiwillig Teil meines Lebens zu sein und auch die Dinge mitzutragen, die Mühe machen.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
„Für die Liebe genügt mir eine solide Körperhygiene.“

Wem gilt noch ein bisschen Extra-Liebe?
Dem Weisheits-Team. Ich liebe das Podcasten und ich liebe meine Mit-PodcasterInnen, die Treppenwitze und den Austausch. Ich weiß zwar nicht, warum wir HörerInnen haben (WEN INTERESSIERT DAS?), aber ich freue mich auch darüber.

2017 war mit einem Wort…?
Warum denn nur ein Wort?

Und ihr so?

*Pärchen zu Hochdeutsch

[Anzeige] Let’s talk – Programmierbares Spielzeug zu Weihnachten

Programmieren lernen
Mit was fängt man eigentlich am Besten an? Bild: kropekk_pl @pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im achten Teil geht es um: Programmieren lernen

Der Einstieg ins Thema Programmieren lernen ist vielseitig

Weihnachten steht quasi vor der Tür und so stellen sich die ein oder anderen Eltern die Frage, was man schenken könnte, das den Kindern Spaß macht und irgendwie sinnvoll ist. Meine Empfehlung dazu würde lauten (sofern die Kinder schon lesen und schreiben können): ein programmierbares Spielzeug bzw. ein Spielzeug, das dem Kind das Programmieren beibringt.

In der Zwischenzeit gibt es davon sehr viele – mehr oder weniger kostspielige.

Zu den bekanntesten in Deutschland gehört zweifelsohne der Calliope. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert der etwas verspieltere Dash Roboter. Schon länger gibt es die programmierbaren Lego Mindstorms Roboter und auf der republica 2017 sind mir die Ozobots begegnet.

Programmieren lernen
Hier wurde nicht programmiert sondern ein Raumschiff gemalt, der Dash Roboter schaut nur zu

Sicherlich gibt es noch viele andere Hersteller und Varianten und ganz am Ende kann man Programmieren auch einfach mit einem Computer lernen. Ich hab mich z.B. irgendwann mit dem was mein C16 in den 1980ern an Spielen hergab gelangweilt und dann das dazu gelieferte BASIC Handbuch studiert und angefangen mir selbst kleine Spielchen zu programmieren. Später habe ich mich an Turbo Pascal ausprobiert und bin dann erst wieder mit Scratch* eingestiegen, weil wir das bei meinem ehemaligen Arbeitgeber gemeinsam mit den Mädchen am Girls‘ Day benutzt haben.

Was ich sagen will: Es gibt wirklich unzählige Einstiegsmöglichkeiten in das Thema Programmieren und (vielleicht noch wichtiger) nicht aus jedem Kind, das spielerisch ein paar Zeilen codet, wird ein/e Software-Entwicker/in.

Muss auch gar nicht.

Programmieren lernen bedeutet digitale Mündigkeit erlangen

Wenn man am Ende gar nicht Software entwickeln möchte, warum sollte man dann überhaupt programmieren lernen?

Ganz einfach: Weil man in der zunehmend digitalisierten Welt ein grundlegendes Wirk- und Weltverständnis erlangen kann und sich am Ende nicht ausgeliefert fühlen muss, sondern selbst mitgestalten kann und v.a. in der Lage sein wird, über Sinn und Unsinn bestimmter Anwendungen zu entscheiden.

Für mich ist nach wie vor nicht verständlich, dass Informatik nicht genau wie Deutsch, Mathe und Sachkunde schon im Grundschulalter vermittelt wird. Selbst an den Schulen, die Computer-Unterricht tatsächlich anbieten, handelt es sich zu 90% um eine Einweisung in gängige Windows-Produkte. Fragen Sie mal ein Grundschulkind welche alternativen Betriebssysteme es kennt. Ich würde wetten, die allermeisten wissen auf diese Frage keine Antwort, weil sie a) nicht wissen, was ein Betriebssystem ist und b) nicht wissen, dass es was anderes als Windows gibt.

Programmieren lernen mit dem Calliope mini
Calliope mini

Allein das ist schon ein Skandal. Sich aufregen, dass z.B. Calliope bestimmte Sponsoren hat, es dann aber völlig normal finden, dass Kinder über den Schulunterricht nur Windows-(Produkte) kennen. Aber das ist ein anderes Thema, das ich an dieser Stelle nicht weiter ausbaue. Ich empfehle hierzu den Blogbeitrag zum Thema digitale Bildungspolitik auf Spreeblick.

Um einen Schritt zurück zu gehen: Programmieren lernen ist in meinen Augen v.a. wichtig, weil Kinder dadurch zu digitaler Mündigkeit erzogen werden, oder wie es im Artikel von Netzpolitik zu Chaos macht Schule besser beschrieben ist:

[Chaos macht Schule wirbt in seinen Forderungen für eine zeitgemäße digitale Bildung an unseren Schulen] für ein umfassendes Verständnis von Digitalbildung: Nicht nur grundlegende Anwendungs- und Programmierkenntnisse, sondern Mündigkeit müsse das Ziel der Schulen in Hinblick auf Medien- und Digitalkompetenz sein. Kinder und Jugendliche müssten die Technik, die sie täglich nutzen, verstehen und hinterfragen können. Dazu zähle der reflektierte Umgang mit der wachsenden Informationsflut. Nur so könnten Phänomene wie das „Internet der Dinge“ oder selbstfahrende Autos tatsächlich von der ganzen Gesellschaft anstatt von kleinen Expertenzirkeln diskutiert werden.

Ziel einer entsprechenden Bildungsinitiative muss es sein, die Medienkompetenz und das Technikverständnis von Kindern und Jugendlichen so zu stärken, dass sie Spaß an den unterschiedlichen digitalen Geräten haben und gleichzeitig über Risiken, die solche Technologien mit sich bringen können, aufgeklärt werden.

Für alle Eltern, die in einer Sandwichposition sind, nicht selbst programmieren zu können und Kinder in diesem Bereich trotzdem fördern wollen, finde ich die oben im Text genannten „Spielzeuge“ sehr sinnvoll.

Sie sind eben so einfach, dass man sehr schnell gemeinsam mit den Kindern tolle Ergebnisse hinbekommt.

Das richtige Umfeld schaffen

Man muss schon etwas technikaffin sein, um nicht mit dem Anspruch Kindern das Programmieren beibringen zu müssen, obwohl man es selbst gar nicht kann, überfordert zu sein.

Ich habe erst letzte Woche auf die Musikschulaufgabe meines Kindes geschaut und nur Bahnhof verstanden. Neun Aufgaben und keine einzige hätte ich lösen können. Keine. Nicht mal im Ansatz. Ich kann keine Noten lesen und verfüge nicht mal über Grundkenntnisse, so dass ich mir irgendwas herleiten könnte.

Die Aufgaben der Arbeit zu lösen, hätte ich vermutlich mit aufwändigen Einarbeiten und Detailrecherche geschafft – allerdings steht da Aufwand zu Effekt in keinem sinnvollen Verhältnis.

So mag es Eltern geben, die sich eben für das ganze Thema Programmieren rein gar nicht interessieren.

Denen möchte ich allerdings zwei Sachen empfehlen:

  1. Schaut welche Initiativen es in eurem Umfeld gibt, die eure Kinder nutzen können.
  2. Schaut euch an, was Kinder erreichen, wenn sie den Einstieg in das Thema Programmieren erhalten

Initiativen, die euren Kindern helfen, Programmierlust zu entwickeln

Allen voran fällt mir da Jugend hackt ein:

Jugend hackt ist ein Programm zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum: Unter dem Motto “Mit Code die Welt verbessern” tüfteln die Teilnehmer/innen gemeinsam mithilfe von Open Data an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft.

Jugend hackt beantwortet auch die Frage „Wann kann ich da mitmachen?“ sehr detailliert. Mir gefällt an der Beschreibung besonders gut, dass auf der Seite Mut gemacht wird, dass es vielleicht heute noch nicht so weit ist, dass man sich an eine Teilnahme fürs nächste Jahr ranarbeiten kann. Hilfen auf dem Weg dorthin sind ebenfalls genannt.

Ein absolut toller Einstieg ist auch die Teilnahme an dem Junghackertag des Chaos Communication Congresses, der 2018 in Leipzig stattfindet. Zum Junghackertag könnt ihr mit euren Kindern kostenlos und dort bekommen eure Kinder Hilfe eines der angebotenen Projekte umzusetzen.

Wir waren vor zwei Jahren das erste Mal mit den Kindern dort und Kind 2.0 (Grundschüler) hat dort einen Pentabug gelötet. Seitdem ist das Eis gebrochen und wann immer es was zu löten oder programmieren gibt, Kind 2.0 ist dabei.

Ich hatte übrigens schon die Jahre davor versucht Kind 2.0 fürs Programmieren zu interessieren (per Scratch) – allerdings hat es da immer nur mit den Augen gerollt und sich sozial erwünscht 15 Minuten damit beschäftigt, bis es gefragt hat, ob es jetzt bitte endlich fertig ist.

Kind 2.0 ist eben eher „hands on“.

Wenn man rausgefunden hat, was dem Kind besonders liegt, muss man googeln. Berlin bietet da natürlich besonders viel (z.B. die Jugendtechnikschule am FEZ oder die CoderDojos oder das Fab Lab). Aber auch andere Städte haben einiges im Angebot. Schaut euch z.B. mal die Seiten von MINT Zukunft schaffen oder Start Coding an. t3n hat ebenfalls 13 deutschlandweite Initiativen zusammengestellt. In Berlin, Hamburg, München, Lippstadt und Frankfurt bietet die HABA Digitalwerkstatt spannende Kurse an.

Schickt eure Mädchen zum Girls‘ Day oder besucht gemeinsam mit euren Kindern das Computerspielemuseum, das Vintage Computing Festival, das Orbitall im FEZ, Technik Museen allgemein, die Technischen Sammlungen in Dresden. Nicht zuletzt kann ich den Chaos Communication Congress als ganze Veranstaltung wärmstens empfehlen.

Als wir das erste Mal unsere Kinder mit dorthin geschleppt haben, waren wir skeptisch – allein schon 4 Tage am Stück von morgens bis abends?

Ich zitiere an dieser Stelle mal Kind 3.0 (damals Kindergartenalter) nachdem wir um 11 Uhr gekommen waren und um 24 Uhr zum Aufbruch drängten: „Was? Warum denn jetzt schon???“

All diese Orte bringen euren Kindern nicht unbedingt das Programmieren bei, aber sie schaffen es zweifelsohne Technikbegeisterung und -interesse zu wecken. Das ist für mich der erste Schritt.

Wunder, die Kinder geschaffen haben, weil sie angefangen haben zu programmieren

Für mich ist jedes Mal aufs neue unbegreiflich, was Kinder erschaffen, wenn sie anfangen sich mit Technik auseinanderzusetzen und dann ihre eigenen Ideen umsetzen.

Dieses Jahr war ich z.B. bei der Preisverleihung des Deutschen Multimediapreises mb21. Dort werden Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis ins Alter von 25 Jahren für ihre Projekte ausgezeichnet. Klickt die Seite der diesjährigen Preisträger/innen. Es ist wirklich unfassbar toll, was Kinder und Jugendliche da erschaffen.

Meine Highlights waren:

und der Film „We are watching you„.

Ähnliche Wunder sind auf den Seiten von Jugend hackt zu sehen. Schaut euch die mit euren Kindern an. Für Kinder ist es sehr motivierend und inspirierend zu sehen, was andere Kinder (er)schaffen.

Fazit: Deswegen unbedingt Spielzeug verschenken, mit dem Kinder Programmieren lernen können

Nicht jedes Kind muss Software-Entwickler/in werden, aber Programmieren lernen hilft Kinder zu digital mündigen Bürgerinnen und Bürger zu machen (und vermittelt andere Kompetenzen u.a. wie Problemlösungs­kompetenz, Frustrationstoleranz und Resilienz, Kreativität und Experimentierfreude, Teamfähigkeit, Kompromissbereit und Medienkompetenz und digital Citizenship)

Wenn ihr euch also fragt, ob irgendein programmierbares Spielzeug ein sinnvolles Geschenk zu Weihnachten sein könnte, lautet meine Antwort: ja.

Was besonders gut passt, müsst ihr von den Interessen eures Kindes ableiten. Meine Kinder hat Scratch in der Browservariante nicht interessiert. Die Mädchen, die ich anlässlich des Girls‘ Days kennengelernt hatte, waren vom Bildschirm nicht wegzubekommen.

Kind 3.0 mochte den Dash-Roboter und die Ozobots sehr, es möchte Ergebnisse in der analogen Welt sehen. Ein Roboter, der per Bewegungssensor die Mutter beim Reinkommen in die Küche durch ein fröhliches „Hallo Mama“ zu Tode erschreckt, findet es viel besser als ein Pong-Spiel, das es auf dem Rechner programmiert.

Kind 2.0 hingegen will verstehen und erschaffen. Deswegen baut es gerne aussortierte Technik auseinander und versucht parallel mit Bausets neues zusammenzubauen.

Für mich landet man am Ende wieder bei meinem ersten Thema der Reihe Let’s talk: Nicht wie lange, sondern was. Wenn sich die Kinder nämlich erschaffend und nicht konsumierend mit digitalen Medien auseinandersetzen, habe ich keinerlei Bedenken und käme auch nie auf die Idee zu rufen: „Jetzt ist aber Schluss! Eine halbe Stunde programmieren am Tag muss reichen!“

Wie seht ihr das?  Wo liegen die Interessen eurer Kinder und gibt es passendes Programmierspielzeug? Welche Dinge könnt ihr empfehlen? Benutzt ihr Apps, programmierbare Roboter, wo geht ihr mit euren Kindern hin? Gibt es vielleicht schon Brett- oder Kartenspiele, die helfen, das Programmieren zu lernen? Habt ihr schon gemeinsam mit euren Kindern Projekte umgesetzt (vielleicht im Bereich Home Automation?)?

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Weiterführende Links

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 7 von Let’s talk: Augmented Reality und Virtual Reality

 

*Ich höre die Augen rollen. Natürlich ist das kein Mastermind-Programmieren, aber es geht eben genau nicht darum, dass jede/r Software-Entwickler/in werden muss.

Früher war alles besser™

Bloggen ist eine wahre Gelddruckmaschine

Durch die Blogosphäre schleicht wieder das „Früher war alles besser“-Tierchen. In diversen Blogs, zuletzt im jawl-Blog lese ich wie beklagenswert es im Grunde doch sei, dass es einigen Bloggerinnen und Bloggern gelungen ist mit ihrer Bloggerei Geld zu verdienen.

Zugegebenermaßen fühle ich mich da angesprochen.

2004 habe ich angefangen zu bloggen. Ganz ohne Hintergedanken, einfach an der Lust zu schreiben und wahrscheinlich auch, weil ich ein Mitteilungsbedürfnis hatte und mein Freundeskreis schon alle Storys kannte.

Ich habe nie auf die Zugriffszahlen geschaut und war der festen Überzeugung, dass ich ungefähr fünf Leserinnen und Leser hätte.

2005 war ich dann sehr überrascht bei Zeit Online einen Preis gewonnen zu haben. Wer außer Mutti liest denn noch mit?

So entwickelte sich die Bloggerei. Ich war ein paar Mal im Radio, hab einige Vorträge gehalten, an einem Buch mitgewirkt, ein eigenes Buch geschrieben und irgendwann auch Geld mit Werbung verdient.

Buuuuhhhh!

Ich überspringe den „bloggen kostet auch Zeit und Mühe, wäre es da nicht schön, wenn man dafür entlohnt würde-Vortrag“ und weise nur auf eine Buchrezension, die mich doch sehr zum Lachen gebracht hat:

Ich liebe den Familienblog der Autorin (dasnuf.de), weswegen ich mir sofort nach Erscheinen das Buch der Autorin gekauft habe, in der Hoffnung auf neue, unbekannte und längere Episoden aus dem Leben von Frau Cammarata zu stoßen. Ich liebe ihre unkomplizierte Art zu schreiben und ihren Humor.

Leider kannte ich ca. 90% der Kurzgeschichten aus Ihrem Blog, den ich regelmäßig verfolge. Daher war das Buch in meinen Augen das Geld einfach nicht wert.

Da ist also jemand, der vielleicht seit 2004 mitliest. Über 2.500 Artikel kostenlos gelesen hat, sich daran mal mehr mal weniger erfreut hat, die ein oder andere Anregung mitbekommen hat und sich dann ärgert (damals) 8,99 Euro ausgegeben zu haben. Dafür dass es neue Geschichten, großartige Zeichnungen und ein Lektorat gab. OK.

(Das treibt mir umso mehr die Tränen der Rührung in die Augen, wenn ich daran denke, dass viele meiner Bloggerfreundinnen sich das Buch gekauft haben, obwohl sie ein kostenloses Rezensionsexemplar hätten haben können – aber so sind die Bloggerinnen eben – geldgierig!)

Ups, jetzt hab ich den Vortrag doch gehalten.

Apropos Zugriffszahlen. Ich habe irgendwann den Provider gewechselt und deswegen nicht alles lückenlos mitgebucht, aber seit 2009 hatte ich 4,5 Mio Seitenbesucher. Wenn ich da seit 2004 für jeden Klick 20 Cent bekommen hätte, nun, Sie dürfen mir glauben, ich hätte nie übers Werbungmachen nachgedacht.

Mal abgesehen davon kommt es vielen auch nicht in den Sinn, dass es in Sachen Vereinbarkeit kaum was besseres geben kann als mit dem Bloggen Geld zu verdienen.

Das kann man nämlich immer und überall, mit Baby und Teenagern, mit eins, zwei, drei und vier Kindern machen, mit gesunden Kindern und mit kranken.

(Hihi, ihr Influenza. Hahaha.)

Schön alle Bloggerinnen und Blogger über einen Kamm scheren. So ist fein.

Ich gebe mir zum Beispiel sehr große Mühe, sehr klar zu kennzeichnen. Auf Twitter verwende ich sogar ein Hashtag, so dass man die Werbebeiträge rausfiltern kann. Im Feedreader ist das Wort Werbung so deutlich in der URL, dass man einfach den Beitrag nicht klicken muss.

Dass dieses stetige – ih, die werben jetzt, wo geht sie hin, die Authentizität auch dazu beiträgt, dass manche davon absehen ordentlich zu kennzeichnen, das könnte ja auch mal einen Gedanken wert sein.

Dass es außerdem ein Privileg ist, es sich leisten zu können (zeit- und geldmäßig) kostenlos zu bloggen, wird ebenfalls nie erwähnt.

Denn entweder man ist die nicht ernstzunehmende Back- und Bastelmutti, die so dämlich ist kostenlos zu bloggen oder man ist das geldgierige, unauthentische Ekelwesen. Dazwischen gibt es nichts.

Ich verstehe diese Haltung nicht.

Auf der einen Seite soll ich bitte kein Geld verdienen, auf der anderen Seite wird gemeckert, weil mein Indie-Plugin nervt oder die Seite nicht für mobile Endgeräte optimiert ist. Das soll ich doch bitteschön mal fixen.

Tatsächlich gibt es Blogs von früher, die ich heute nicht mehr lese, weil dort nur Werbung zu lesen ist. So what? Muss ich mich deswegen theatralisch beschweren? (Mache ich nur, wenn es Schleichwerbung ist)

Es gibt außerdem ganz viele tolle neue Blogs, die es früher™ nicht gab.

Und es gibt etablierte Blogs, die Werbung machen, die ich total gerne lese. Weil ich nämlich sehe, dass sie nur dann eine Kooperation eingehen, wenn es passt.

Glänzendes Beispiel Susanne Mierau von geborgen-wachsen. Ich habe auch schon Dinge gekauft, die sie empfohlen hat. Hui! Werbung funktioniert.

Sie soll bitte ordentlich Geld verdienen, damit sie sich leisten kann auf immer und ewig weiterzuschreiben.

Das wünsche ich allen Blogs und Podcasts, die ich regelmäßig konsumiere.

Aber weil sich viele so anstellen, dass man teilweise Geld mit Blogs und Podcasts verdienen kann, wird in Zukunft eines passieren: Angebote werden hinter Paywalls verschwinden.

Da kann dann höchst authentisch weitergebloggt werden. Das haben sich die „Früher war alles besser“-Menschen dann redlich verdient.

(Ja, sorry, ich hatte ein Gefühl und bin jetzt maulig)

Jetzt muss ich aber in meinem Geldspeicher schwimmen gehen bzw.

Dieser Adventskalender darf gerne 1.000 Euro kosten

Je älter ich werde, desto größer mein Wunsch, dass Weihnachten einfach so aussieht: Im Kamin* brennt ein Feuerchen, die ganze Familie sitzt im Kreis, wir trinken Tee und Kakao und spielen Brettspiele.

Anstatt dessen soll ich konsumieren, konsumieren, Konsum verschenken und noch mehr konsumieren. Es ist völlig irrsinnig, was man alles kaufen soll. Weihnachtsschmuck, extra Dekokrempel, Adventskalender, Adventskranz, Weihnachtsbaum, Geschenke, Nikolausgeschenke vorher nicht zu vergessen.

Wenn ich auch sonst nicht sehr auf Müll bzw. dessen Vermeidung achte, so fällt mir dennoch auf, dass Weihnachten besonders ein Fest des Mülls ist. Die Tonnen an Süßigkeiten müssen plötzlich nochmal extra eingepackt werden und deswegen zum doppelten Preis verkauft werden.

Ja, ich werde bin eine alte Frau, die mit einem Krückstock fuchtelt.

Ich weiß auch nicht, warum mir die Adventskalenderbasteleien anderer Menschen Gefühle machen. Also auch mehr als anderer Konsum. Werde ich meine Therapeutin mal fragen. Aber besonders Weihnachten macht es mich aggressiv wenn mir die Timeline tolle Ideen für Adventskalender in die Timeline spült, die am Ende nicht nur 10 Stunden Bastelarbeit kosten, sondern deren Inhalt einen Wert von ungefähr 100 Euro hat.

Irgendwo im Internet ist mir eine Idee begegnet, die mir im Gegensatz dazu sehr gut gefallen hat: Der umgekehrte Adventskalender

Die Idee ist ganz einfach. Ihr sucht euch ein Projekt aus, das (Sach)spenden annimmt. Ein Kinderhospiz, das Spielsachen sammelt. Ein Flüchtlingsprojekt, das Hygieneartikel sammelt. Lebensmittel für die Stadtmission. Von mir aus Euromünzen für Netzpolitik. – ihr findet da bestimmt was.

Wichtig ist nur, dass man vorher schaut, was überhaupt benötigt wird.

Dann nehmt ihr eine Kiste und legt bis zum 24. Dezember jeden Tag eine Sache da rein. Zu Heiligabend spendet ihr das Ganze. Fertig.

Wohlstand teilen.

Umgekehrter Adventskalender


*ich hab nicht mal einen. Den müsste ich erst kaufen, hahahaha.

 

Lieblingstweets 10/17

Und am Ende – die gute Nachricht des Tages:

[Anzeige] Let’s talk – Augmented und Virtual Reality

Virtual Reality Augmented Reality
HammerandTusk @Pixabay

Gemeinsam mit SCHAU HIN! habe ich eine kleine Serie zum Thema Kinder und digitale Medien gestartet.

Im Zentrum meiner Serie sollen die Chancen, die (neue) Medien mit sich bringen, stehen und ich will beschreiben, wie wir als Familie im Alltag damit umgehen und gerne auch von Euch hören, wie ihr den Alltag mit Kindern und digitalen Medien gestaltet.

Risiken und Gefahren werden durch Kulturpessimisten aller Ausrichtungen zu genüge beklagt. Viele Eltern reagieren mit Unsicherheit und statt sich mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen, wird schnell mal ein Verbot verhängt.

Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass Verbote in Sachen Medienkonsum nichts bringen. Deswegen versuche ich mit meinen Kindern im Gespräch zu bleiben und Lösungen zu erarbeiten, die für uns beide alle passen. Das ist auch der Grund warum ich die Serie Let’s talk nenne.

Im siebten Teil geht es um: Augmented und Virtual Reality

Was issn das schon wieder? Augmented und Virtual Reality

Während Messenger in der Zwischenzeit schon so mainstream sind, dass auch Großeltern sie auf ihren Smartphones benutzen – sind Augmented und Virtual Reality noch Technologien, die ein Randdasein fristen.

Vielleicht zum Einstieg eine kleine Definition:

Augmented Reality lässt sich als „erweiterte Realität“ übersetzen – was soviel bedeutet wie, dass die Realität durch zusätzliche, virtuelle Elemente angereichert wird.

Als Hardware benötigt man z.B. ein Smartphone mit Kamera und GPS, so dass Spielelemente direkt in die Umgebung projiziert werden können.

Bekannteste Software- bzw. App-Beispiel sind sicherlich Spiele wie Ingress und Pokémon GO. Ich würde aber auch die Filter bei Snapchat und auf Instagram zu Augmented Reality zählen. Immerhin nehmen sie etwas aus der Realität und verändern es.

Virtual Reality auf der anderen Seite, erschafft mithilfe einer Datenbrille ein 360-Grad-3D-Bild vor den Augen des Betrachters. Um mit dieser virtuell geschaffenen Realität interagieren zu können, braucht man zusätzlich Controller.

Im Gegensatz zur Augmented Reality braucht man für die Virual Reality also tatsächlich Extra-Ausstattung wie z.B. die Oculus Rift, Sony Playstation VR oder die HTC Vive.

VR Technologie gibt es schon Jahrzehnte und mit der neuen (für Privathaushalte theoretisch bezahlbaren) Hardwaregeneration wird die letzten beiden Jahre prophezeit, dass nun endlich die großen VR Zeiten über uns hereinbrechen.

Persönlich halte ich das v.a. für einen künstlichen Hype. Nach wie vor haben die allerwenigsten Menschen sowas zuhause rumstehen.

Die mangelnde Verfügbarkeit macht es einem ein bisschen schwer, einzuschätzen, ob die jeweilige VR Technologie bzw. das Spiel kindertauglich ist oder nicht.

Meine persönlichen Erfahrungen mit AR und VR

Virtual Reality und Augmented Reality
Dank AR sehe ich ziemlich große Ratten, die sonst niemand sieht.

Augmented Reality kenne ich v.a. von Wikitude und Pokémon GO (und den erfolglosen Versuchen Sternenbilder am wolkenverhangenen Stadthimmel mit Star Chart zu sehen). AR übt auf mich eine kindliche Faszination aus. Durch AR kann ich geheime Parallelwelten sehen. Dinge, die andere nicht sehen können. Dinge, die mich zum Teil eines Geheimbundes machen. AR versetzt mich in meine Kindheit zurück, in der ich mir vorgestellt habe, allwissende Detektivin und Vorsitzende eines Geheimclubs zu sein.

Wie lustig waren die Zeiten als Pokémon GO ganz neu war und sich plötzlich zahlreiche Menschen an öffentlichen Plätzen eingefunden haben, weil dort ein Lockmodul aktiv war. Und ICH wußte warum sich alle so seltsam verhalten.

Mir gefällt sowas und ich habe keinerlei Bedenken Kinder damit spielen zu lassen.

Wie mit allen Ablenkungen gilt hier die Regel: Sicherheit vor Spiel.

Meine Kinder müssen z.B. immer das Handy in die Tasche stecken bevor sie eine Straße überqueren und dürfen Pokémon GO auch nur an Orten spielen, an denen es ungefährlich ist auf ein für andere Menschen unsichtbares Pokémon fokussiert zu sein – auf großen Plätzen, im Park, auf dem Spielplatz.

Installiert euch selber mal eine AR App. Wikitude ist gut, wenn man Städtreisen macht und wers geheimnisvoller mag, der probiert es mal mit der WallaMe, mit der man an beliebigen Stellen Geheimbotschaften (z.B. an Wänden und Spiegeln) für andere hinterlassen kann.

Im Gegensatz zu AR, hat mich VR bislang noch nicht überzeugt.

Die VR Spiele, die ich kenne, sind mir entweder zu gruselig (Bsp. Resident Evil 7 – wobei ich eben auch sehr schreckhaft bin und dem Horror- und Gruselgenre absolut nichts abgewinnen kann und das Spiel ab 18 ist) oder zu langweilig (Bsp. Job Simulator)

Sehr viele VR Spiele sind so, dass man etwas machen muss, auf das man eigentlich schon im alltäglichen Leben keine Lust hat: Kochen zum Beispiel und das auch noch schnell und viele Gerichte gleichzeitig oder Auto reparieren (und das wiederum total schwachsinnig, weil man einfach irgendwelche Flüssigkeiten direkt in den Motor schüttet oder Reifen wechselt, indem man sie auf die Felgen wirft).

Meine Kinder teilen diese Meinung übrigens nicht. Die fanden kochen und Auto reparieren toll.

Toll finde ich VR dann, wenn das Körpergefühl (also das echte) miteinbezogen wird. VR Achterbahn fahren finde ich sensationell, selbst wenn es eine Kinderachterbahn ist, bei der man von einem fliegenden Einhorn durch einen Zauberwald gezogen wird.

Punktuell gibt es ganz schöne VR-Umsetzungen. Wir haben neulich das Spiel „Keep talking and nobody explodes“ gespielt, von dem es auch eine VR Variante gibt:

Auch sind VR Spiele, die man im Sitzen spielen kann (Autorennen, Raumschiffe fliegen) tendenziell glaubhafter für das Körpergefühl als Spiele, bei denen man eigentlich den ganzen Körper einsetzen muss, es aber ja nicht wirklich kann, weil man im Großen und Ganzen auf der Stelle stehen bleibt.

Insgesamt sind die VR-Anwendungen in meinen Augen noch zu unausgereift – v.a. wenn man bedenkt was sie kosten (die Hardware in jedem Fall mehrere hundert bis fast tausend Euro).

Ausprobieren kann man VR auf jeden Fall mal – am besten gemeinsam mit den interessierten Kindern. In größeren Städten gibt es dafür zahlreiche Möglichkeiten. In Berlin gibt es z.B. eine VR Lounge, diverse Exit-Game-Anbieter, die VR im Programm haben und  Lasertag-Anbieter, die das ebenfalls mit VR Erweiterungen machen[1].

Fazit

Virtual Reality
Schräg ist, dass man sich in der VR Achterbahn gar nicht sieht.

VR-Technologien sind bislang noch wenig verbreitet. Eine hervorragende Chance das mit euren Kindern gemeinsam von Anfang an zu erforschen. Dafür muss man sich aber nicht gleich das überteuerte Equipment zulegen. Statt Kino mal in einem VR Spielecenter Erfahrungen sammeln, reicht erstmal.

Es ist auch möglich sich VR Brillen monatsweise zu mieten (zumindest in Berlin). Eine tolle Beschäftigung für die Ferien. Einige Spielempfehlungen für Kinder findet man z.B. bei Coding Kids.

Was die Alterstauglichkeit angeht – da würde ich mich an dem orientieren, was Kinder beim fernsehen oder im Kino „verkraften“. Meine Kinder sind sehr sensibel. Deswegen richte ich mich ohnehin nach Altersempfehlungen und packe da eher noch ein, zwei Jahre drauf bzw. tatsächlich verschaffe ich mir selbst erst einen Eindruck, bevor ich die Kinder spielen lasse.

VR halte ich bei jüngeren Kindern auch für schwieriger als AR. VR bedeutet ja, dass man selbst als Person in einer anderen Realität aufgeht – was auch mal beängstigend sein kann.

AR bedeutet letztendlich immer, dass man selbst fest in seiner eigenen Realität steht und diese nur verändert wird.

Das finde ich immer spannend – aber nie beängstigend (jedenfalls so lange die Technologie nicht so weit entwickelt ist, wie z.B. in der 3. Staffel Black Mirror, 2. Folge „Erlebnishunger“).

Wie sind eure VR und AR-Erfahrungen? Kennt ihr Spiele, die besonders Spaß machen? Kennt ihr Anwendungen außerhalb der Spielewelt, die für Kinder relevant sind? Glaubt ihr, dass VR bald in den Alltag einziehen wird?

Kommentiert einfach hier, teilt eure Medienmomente auf Instagram, bloggt selbst darüber, twittert oder schreibt auf Facebook. Wenn ihr eure Beiträge mit dem Hashtag #medienmomente markiert, können sie später eingesammelt und geteilt werden.

Weiterführende Links

Weitere Themen der Serie

Teil 1 von Let’s talk: Nicht wie lange sondern was
Teil 2 von Let’s talk: Messenger
Teil 3 von Let’s talk: Computerspiele
Teil 4 von Let’s talk: YouTube
Teil 5 von Let’s talk: Fernsehen und Streaming-Dienste
Teil 6 von Let’s talk: Hörwelten
Teil 8 von Let’s talk: Programmieren lernen

[1] Ich habe keinen der Anbieter selbst ausprobiert. Das sind nur gegoogelte Vorschläge, wo man VR man selbst ausprobieren kann, um sich ein Bild davon zu machen.

**PRODUKTEMPFEHLUNG**

foxifixautomat @pixabay

Käme das Kind nach Hause und würde mir sagen: „Ich brauche einen Stift, den man wieder wegmachen kann.“ Ich würde einen kaufen. Vielleicht einen Füller mit einem Tintenkiller, vielleicht einen Bleistift und einen Radiergummi, vielleicht einen radierbaren Kugelschreiber. Beschwert hätte ich mich nicht.

Das Kind kommt aber nicht nach Hause und braucht irgendwas Allgemeines. Es braucht bestimmte Produkte. Weil der Lehrer Produkte empfiehlt. Einen Pilot Frixion Ball.

Dieser Stift kostet 2,50 Euro (günstigstenfalls) und ist gefühlt alle zwei Wochen leer.

Pelikan Wasserfarben, sollen es dann sein. Ein „Hausaufgabenheft für Faule“ bitteschön. Knete! Unbedingt brauchen Erstklässler von Habichvergessen Knete. Der ergonomische Tintenroller – STABILO EASYoriginal soll es für die Kleinen sein.

Ich finde das einfach nur ätzend. Trotzdem kaufe ich den ganzen Mist, weil es nämlich das Kind abbekommt, wenn ich es wage mich zu widersetzen.

„Warum hat die Mami denn nicht xy gekauft? Hast Du das der Mami nicht gesagt? Das ist aber nicht schön. Ich habe doch xy empfohlen.“

Es gab sogar Kritik weil das jüngste Kind das Lesebuch des Geschwisterkindes nochmal benutzt hat: „Das ist aber nicht so gut. Warum hast du denn kein eigenes bekommen?“

WEIL DAS FUCKING VERSCHWENDUNG IST??!!

„Wir benutzen Silbenstifte. Es ist nämlich nicht so schön für ihr Kind, wenn es beim Schreiben den Stift wechseln muss.“

Altes T-Shirt zum Malen? Faber-Castell hat doch Malschürzen! Wasserbecher? Einen aus Plastik, den man über hat? Nenenenene! Entschuldigung? Es gibt doch extrateure Pinselbecher.

Ich übertreibe jetzt ein wenig. Aber die Hälfte ist wahr und v.a. ist wahr, dass wann immer ich nicht mache, was der Lehrer sagt, das Kind subtil angemeckert wird.

Das Kind möchte es dem Lehrer aber perfekt recht machen und quält sich deswegen sehr, wenn sich die reaktante Mutter weigert, ebenjene tollen Superprodukte zu kaufen und anstatt dessen andere, billigere Alternativprodukte kauft.

Meine Reaktanz geht soweit, dass ich dieses Jahr sogar Dinge ge-bastelt! habe.

Nachdem ALLE Kinder nach der ersten Klasse die scheißteure Markenknete unbenutzt und leicht vertrocknet wieder nach Hause gebracht haben, war ich verleitet beim jüngsten Kind einfach farbige Fakewürste in die Knetpackung zu legen.

Und ja, ich rege mich aus Prinzip auf. Leisten kann ich mir das Zeug. ABER EIGENTLICH WILL ICH NICHT. Eben auch, weil es nicht für jede Familie einfach ist, Schulsachen im Wert mehrerer hundert Euro zu kaufen.

Ich will v.a. nicht, dass eine Autoritätsperson (ja, die Lehrerinnen und Lehrer sind für die Kinder Halbgötter, sie wollen ihnen immer alles recht machen, niemand darf sie anzweifeln, auch wenn die Englischlehrerin sagt es heisst „My best book is Harry Potter“ und nicht „My favorite book is Harry Potter“.) meinen Kindern eintrichtert, dass man immer teure Markenprodukte kaufen muss.

Aber wenn ich so eine Diskussion am Elternabend anfange, dann muss das mein Kind ausbaden. Also halte ich die Klappe.