Das Märchen vom Kleid

An verschiedenen Stellen berichtete ich bereits über meinen Geiz. Besonders romantisch bin ich leider auch nicht. Beide Faktoren zusammen ergeben nur mittelmäßige Voraussetzungen für ein rauschendes Hochzeitsfest. Heiraten wollte ich ohnehin nie, aber da nach dem ersten Kind sachlich nichts gegen eine Amtlichmachung der bestehenden Beziehung sprach, willigte ich dem fristgemäß eingereichten Antrag in doppelter Ausführung meines jetzigen Ehemannes ein. Ja, sogar bereitwillig möchte ich aus heutiger Perspektive, vor romantischer Liebe übersprudelnd, sagen.
Ein neues Hochzeitskleid zu einem überzogenen Preis, nur um es einen Tag zu tragen, kam natürlich trotzdem nicht in Frage.
Ich entschloss mich also ein Gebrauchtes zu kaufen und da mir die Mode der letzten 30 Jahre nicht allzu sehr zusagte, suchte ich einen Second Hand Laden auf, der auf Abendmode der 20er bis 70er Jahre spezialisiert war.
Da ich noch nicht so oft Kleider dieser Art getragen hatte, suchte ich zunächst wahllos Exemplare aus, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, was mir stehen könnte.
An Eitelkeit geizt es mir nämlich nicht.
Im ersten sah ich aus wie ein Bonbon, das zweite zeigte zu viel Haut, das dritte war zu kurz, das vierte müffelte, das fünfte etc. etc. etc.
Es war schnell klar, dass dies kein einfacher Nachmittag werden würde. Erschwerend kam hinzu dass eine Elfe nach der anderen in den Laden schwebte. Kaum hatte eine dieser 1,80 m großen Grazien das Geschäft betreten, stürmte auch schon eine Verkäuferin auf sie los. Wühlte kurz zwischen den Kleiderstangen und zog dann ein Kleid heraus, das die Schnepfe Glückliche aussehen lies wie einen Filmstar. Einige Verkäuferinnen schmissen sich auf den Boden, um der Schönheit zu huldigen, andere weinten vor Glück in seidene Taschentücher, schließlich hatte genau dieses Kleid 23 Jahre auf diese Trägerin gewartet.
Ich muss gestehen, in mir keimte nach einiger Zeit schon ein wenig die Missgunst.
Muffelig, wie Kleid Nummer vier, durchsuchte ich weiter das Sortiment. Meine Hände schoben gerade zwei augenkrebserzeugende Kleider der frühern 70er Jahre auseinander, da erschien DAS PERFEKTE KLEID. Ich bekam Herzklopfen und wollte gerade zur Umkleide eilen, als eine der Verkäuferinnen, die mich seit gut 40 Minuten ignoriert hatte, auf mich zurannte.
Sie machte einen Hechtsprung, um mir das Kleid zu entreißen: „Da passen sie nicht rein!“
Mein Blutdruck stieg leicht an und lies meine Augen aus dem Kopf hervor treten. Sicher hatte ich mich verhört: „Wie bitte?“
„Sie passen da nicht rein, sie sind zu dick für das Kleid.“ wiederholte die Verkäuferin geduldig.
Ich presste das Kleid an mich: „Ich gehe jetzt in die Umkleidekabine.“
„Haben sie noch andere Kleider ausgesucht?“
„NEIN, ICH NEHME DIESES HIER!“
Noch ehe die Verkäuferin ein drittes Mal eine Beleidigung aussprechen konnte, machte ich mich auf den Weg.
Wütend zog ich den Vorhang hinter mir zu, entkleidete mich und versuchte das wunderhübsche Kleid anzuprobieren. Von oben reinsteigen scheiterte bereits als ich optisch Maß nahm. Abendkleider zieht man kopfüber an, das weiß doch jeder, munterte ich mich auf.
Ich streckte meine Arme über den Kopf und lies das Kleid über mich gleiten. So der Plan jedenfalls. Praktisch blieb das Kleid bereits an meinen Ellebogen hängen. Ich zog also ein wenig daran. Dann zerrte ich ein bißchen und schließlich qeutschte ich mit aller Gewalt meinen Kopf durch das Kopfloch um das Kleid dann mit den Zähnen zentimeterweise weiter nach unten zu beißen.
Bis in den oberen Brustbereich kam ich. Dann konnte ich leider meinen Oberkörper nicht mehr bewegen. Die Arme standen in die Luft, ich konnte sie nicht knicken.
So stand ich einige Zeit da. Ich gebe anderen ungern recht, aber in dem Fall… erst recht nicht!
Ich würde das Kleid auf jeden Fall kaufen. Ich würde aus der Umkleide kommen, lächeln und der Verkäuferin sagen: „Sitzt wie angegossen, das kaufe ich.“
Ein super Plan. Nur müsste ich vorher noch aus dem Kleid rauskommen. Aus der Kabine „HILFE HILFE ICH STECKE FEsT“ zu schreien, kam natürlich nicht in Frage. Nach weiteren 20 Minuten des Nachdenkens verbog ich mich zum umgedrehten U, nestelte in meiner Handtasche nach meinem Handy, wählte mit meinen Füßen die Nummer meiner besten Freundin. Zum leisen Telefonieren legte ich mich ausgestreckt neben das auf dem Boden liegende Handy.
Nachdem ich meine Misere geschildert hatte, errettete mich meine Freundin nur 40 Minuten später, indem sie ihr Bein auf meine Schulter stellte und sich mit ihrem ganzen Körpergewicht gegen mich stemmte und dabei das Kleid von mir riss.
Ich zog mich wieder an, schob den Vorhang beiseite und lief an der wartenden Verkäuferin vorbei: „Passt total gut, wo ist bitte die Kasse?“
Geheiratet habe ich dann in einem nur wenig getragenen Sommerkleid und das Hochzeitskleid im Schrank schaue ich mir immer wieder gerne an.

Ich weiß nicht was das bedeuten soll

Alle Ranunkel sind Pofel
Alle Pofel sind Knofel

Daraus folgt, dass alle Ranunkel auch Knofel sind. Logisch oder? Ich liebe Logik.

Gelegentlich wird man nach Vorbildern gefragt. Jahrelang wusste ich keine rechte Antwort. Fragte mich heute jemand, ich würde mit „Dr. Temperance Brennan“ auch bekannt als „Bones“ antworten. Ich liebe diesen Seriencharakter. Sehr, sehr oft fühle ich mich der Figur verbunden.

Dr. Temperance Brennan  ist eine Antropologin, die so rational ist, dass sie auf oft komische Weise völlig weltfremd ist. Sie verlässt sich bei der Beurteilung von Sachverhalten ausschließlich auf ihren Verstand und die Logik. Alles was mit Emotionen zu tun hat, versteht sie nicht und vermutlich wäre sie nicht lebensfähig, wenn sie nicht den gefühlsbetonten FBI-Agenten Seeley Booth an ihrer Seite hätte.
Ich würde auch so gerne auf die Frage nach dem DSDS-Gewinner trocken antworten: „Oh DSDS? Ich weiß nicht was das bedeuten soll. Falls damit ein aktuelles medial inszeniertes Ereignis gemeint ist, muss ich sie leider enttäuschen. Ich beschäftige mich nicht mehr mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen seit Anfang des 19. Jahrhunderts.“

Bevor meine Kinder geboren wurden, war ich viel mehr wie Bones. Oft erntete ich Lacher an Stellen an denen ich keinen Witz gemacht hatte. Gerne zitieren Freunde noch zehn Jahre später irgendwelche Sätze, die ich durchaus ernst gemeint habe. Mein Mann erzählt beispielsweise gerne folgende Geschichte:
Als er mich nach unserer ersten Verabredung nach Hause gebracht hatte und sich auf den Heimweg machte, rief er mich noch mal an, um mir zu sagen, ich sollte aus dem Fenster schauen, der Mond sei so wunderbar und groß.
Ich antwortete: „Nun, ich werde mir nicht die Mühe machen zum Fenster zu gehen. Ich kenne das Phänomen, Du kannst es unter dem Begriff Mondtäuschung nachschlagen. Es handelt sich lediglich um eine optische Täuschung, durch die der Mond in Horizontnähe größer erscheint als bei größerer Höhe am Himmel. Es gibt dafür keine physikalische oder astronomische Ursache. Es ist ein ausschließlich wahrnehmungspsychologisches Phänomen.“

Mit der Geburt des ersten Kindes wurde ich hormonell rekalibriert. Mir entfielen ca. 50% meiner Fremdworte und ich hatte plötzlich rational nicht zu erklärende Gefühle. Welches Elternteil hat beispielsweise noch nie unbändigen Stolz empfunden, nur weil der Nachwuchs selbstgesteuert ein großes Geschäft auf der dafür vorgesehenen sanitären Einrichtung erledigte?

Ein nicht unwesentlicher Teil in mir bleibt aber Bones und ich fühle auch, dass dies die viel angenehmere Art zu leben ist. Das Leben ist schwarz oder weiß. Nicht bunt, nicht graustufig und schon gar nicht mauve.
Alles ist logisch. So gibt es für mich im Alltag genau eine Art und Weise wie man etwas innerhalb der vorgegebenen Parameter erfolgreich abarbeitet und ich muss mich nicht damit auseinandersetzen, dass es Alternativen gibt. Optimal ist optimal. Es gibt kein optimalst.

Ich wäre gerne ein Roboter. Rahmenparameter und aristotelische Syllogismen geben meine Grundprogrammierung vor und ich bin einfach perfekt. Was wäre das Leben schön!
Leider ist alles um mich herum chaotisch und unperfekt – ja noch schlimmer – unlogisch und oft auch emotional. Also versuche ich mich anzupassen. Durch Beobachtung anderer Subjekte, kann man ja einiges an Menschlichkeit nachahmen. Gemeinsam mit den Theorien zum Sozialkonstruktivismus verstehe ich die Menschen immer besser und bin so in der Lage meine Erkenntnisse auf zwischenmenschlichen Interaktionen zu übertragen.
Ja, ich kann sogar sagen, dass ich mit einem Mann verheiratet sein kann, der Socken NACH dem Tragen verknotet in den Wäschekorb wirft und erwartet, dass sie in der Waschmaschine trotz der erhöhten Materialdichte sauber werden.

Mauve, wer braucht das?

Schuldenfrei in Windeseile

Pragmatik ist nicht eine meiner Kernkompetenzen. Neulich hatte ich dennoch eine geniale Idee. Ich sorge mich nämlich ein wenig um Berlin. Berlin hat 60.970.000.000 Euro Schulden. Das macht bei knapp 3,5 Millionen Einwohnern eine Pro-Kopf-Verschuldung von 17.420 Euro.

Schulden finde ich scheußlich. Also habe ich etwas ersonnen, wie wir ALLE helfen können Berlin schuldenfrei zu machen.

(Eigentlich würde es ja schon genügen Knöllchen für Hundekacke zu verteilen oder für weggeworfene Kippen. Allein an unserer Tramhaltestelle liegen 37.865 Stück. Pro Kippe 20 Euro Strafe macht 757.300 Euro mal 6.500 Haltestellen in Berlin, macht 4.922.450.000 – Reicht schon mal für die Portokasse.)

Jedenfalls gefällt mir an meiner neuen Idee der Gemeinschaftsgedanke und auch dass es eine Win-Win-Situation für uns Bürger ist.
Jeder hat doch in seinem Haushalt Dinge, die top in Ordnung sind, die man aber nicht mehr benötigt und im Grunde schon seit Monaten – wenn nicht Jahren verkaufen will. Ebay sagt, das seien Gegenstände die durchschnittlich einen Wert von 700 Euro hätten.
Leider kommt man nie dazu und so verstopfen die Sachen die Schränke.
Dank meiner Genialität ist nun Abhilfe geschaffen.
Wir nehmen diese Dinge, bügeln, säubern und polieren sie und bringen sie anschließend in kleinen Mengen zum Fundamt bzw. zu den Bürgerämtern. Die sind näher und nehmen meinen Erfahrungen zufolge wahnsinnig gerne und freundlich Fundstücke entgegen. Man verzichtet auf die Fundrechte und nach sechs Monaten darf die Stadt Berlin die Gegenstände öffentlich versteigern. Die Gewinne kommen Berlin zugute.
Sind wir in knapp 25 Jahren Schuldenfrei!*
Ist das nicht wunderbar?
Berlin schuldenfrei und die Wohnung jederzeit pikobello aufgeräumt.

*Wenn Touristen und andere Berlinbesucher mitmachen, bekommen wir sogar die Sache mit den Zinsen in den Griff.

Jodhpur-Stiefeletten

Es ist so: Ich wollte nie, dass unsere Kinder in geschlechtsspezifische Rollenvorlagen gepresst werden. Im Hause Nuf waren die Farben Rosa und Hellblau verboten. Brachte ein Familienmitglied geschlechtsspezifische Merchandiseartikel mit nach Hause, gab es zwei Jahre Hausarrest. Tat ein Besucher das selbe, wurde nach einem langen Vortrag über geschlechtsneutrale Erziehung und negative Beeinflussung der Charakterentwicklung durch Konsumartikel mit mangelnder Genderneutralität die Freundschaft für die selbe Zeitspanne vorübergehend ausgesetzt.

Wenige Jahre später sind es die Kinder, die uns alles verbieten, was nicht eindeutig einem Klischee entspricht. Wie bei den Borg ist auch hier Widerstand völlig zwecklos. Nach Rosa, Hellblau, Hello Kitty, Barbie, Transformers, Power Ranger, etc. dachte ich nicht, dass es eine Steigerung gibt. Es gibt sie aber und sie heißt Pferd.

Mit Pferden kenne ich mich ungefähr so gut aus wie mit dem kambodschanischen Gesundheitssystem. Nein, halt, da habe ich mal eine Dokumentation auf Arte gesehen – also eher wie mit Techniken des Phosphatabbaus in Nauru.

Pferde sind mir fremd. Wenn ich an einem Pferd vorbei komme und es grüßt zeitgleich ein anderes Pferd, denke ich, es will mich auffressen. Ich schaue mir die Zähne an und bin mir sicher, wenn Pferde alleine sind, dann zupfen sie nicht Grashalme von der Wiese oder knabbern Möhren – nein – dann fressen sie Menschen, die sie vorher durch ihren unschuldigen Pferdeblick auf die Weide gelockt haben.

Kind 2.0, Körperhöhe 110 cm weiß das nicht. Anders kann ich mir nicht erklären wie es so arglos auf die gut doppelt so großen Lebewesen zuspringt und sie freudig füttert. Zudem schleppt es seit Wochen Pferdeliteratur an und ich muss mir dann die Zunge an Begriffen wie Jodhpur-Stiefeletten und Chaps brechen. Der ganze Fachtext ist durchzogen von seltsamen Begriffen, die mein Lesetempo stetig verlangsamen bis es schließlich ganz zum Stillstand kommt und ich laut buchstabiere wie ein Erstklässler Kardätsche „K A R D Ä T S C H E“. Vier Millisekunden später habe ich das Wort schon wieder vergessen. Am Reiterhof mache ich deswegen keine besonders gute Figur.

„Welche von den Dingern hier muss Kind 2.0 noch mal nehmen?“

„Die Wurzelbürste“

„Kann man damit auch die Augen sauber reiben?“

„…“

Kind 2.0 hat mit der Unterstützung von Kind 1.0 jetzt ein Pony-Fach-Know-how-Video recherchiert, das ich anschauen und auswendig lernen muss. Hab es bislang noch nicht länger als bis Sekunde 10 geschafft. Da fängt die Musik an und ich bekomme ein nervöses Zucken im rechten Auge und falle in einen katatonen Zustand.

Wie so oft mit Kindern – am Ende hilft nichts und so bleibt mir nur das Gute am Thema Reiten zu sehen, was da wäre:

1. Wenn ich mich in der Nähe von Pferden aufhalte, muss ich nicht mehr zum Blutschröpfen, um mein Blut frisch und flüssig zu halten. Die Mengen an Blut, die mir Pferdemücken absaugen, entsprechen ungefähr einer monatlichen Blutspende.

2. Empfinde ich es nicht mehr als Beleidigung wenn man zu mir sagt, ich sei eine Schabracke. Schließlich gibt es durchaus attraktive Satteldecken.

My little Alien von Mari Kasurinen

Quelle des Bildes „My little Alien“ von Mari Kasurinen

Und? Schläft es schon durch?

Wenn man Kinder hat, dann gibt es Fragen, die total nerven. In den Top Ten ist die Frage „Und? Schläft es schon durch?“ Alltime Spitzenreiter. Das letzte Mal wurde mir diese Frage wenige Tage nach der Geburt von Kind 3.0 gestellt.
Ich habe geantwortet: „Nein, aber ich mache mir keine Sorgen. Mein Mann ist 38 und der schläft auch noch nicht durch…“

Durchschlafen. Erziehungsziel Nummer eins.

Die allerwenigsten Kinder schlafen einfach durch. Mir ist auch kein Rat bekannt, der Kinder dazu bringt durchzuschlafen. Es passiert, wenn es passiert. Über das Durchschlafen gibt es also im Grunde nichts zu schreiben. Über die Art und Weise wie man die Nächte mit seinen Kindern verbringt hingegen schon.

Klar hat man mit kleinen Kindern zu wenig Schlaf. Klar, es wäre toll einfach so mal acht Stunden am Stück zu schlafen. V.a. wenn man berufstätig ist. Für den Wunsch habe ich vollstes Verständnis. Evolutionär bedingt, so meine Überzeugung, bleibt es in den allermeisten Fällen jedoch beim Wunsch.
Ich würde furchtbar gerne etwas völlig undogmatisches und wertfreies über das Schlafen schreiben. Ich fürchte aber, es wird mir nicht gelingen.

Kinder schreien zu lassen und zu erzwingen dass sie alleine im eigenen Bett im eigenen Zimmer schlafen, finde ich persönlich furchtbar und glaube auch nicht, dass es den Babys besonders gut tut.

Mich haben nachhaltig zwei Bücher beeindruckt. Das eine „In Liebe wachsen“ und das andere „Kinder verstehen“. Beide haben in mir das Verständnis wachsen lassen, dass Kinder, v.a. Säuglinge nicht einfach durchschlafen. Ich habe aufgehört darauf zu warten, ich zähle nicht mehr, wie oft wir nachts wach weden und es ist mir auch wirklich egal. Am Ende einer jeden Nacht fängt einfach ein neuer Morgen an.

Ich bin großer Freund des Familienbetts. Die ersten Monate haben unsere Kinder direkt in unserem Bett geschlafen und dann in einem Kinderbettchen welches direkt an unser Bett anschließt. Sie waren da die ersten Jahre und haben irgendwann ein eigenes Zimmer samt Bett bekommen und dort schlafen sie jetzt meistens und v.a. freiwillig.
Für uns als Eltern hat das nur Vorteile und unsere Kinder wirken auf mich angstfrei und fröhlich. Das Familienbett erleichtert z.B. ungemein das nächtliche Stillen. Ich wälze mich nur zur Seite (meistens werde ich nicht mal richtig wach) und wir schlafen gemeinsam wieder ein.
Es freut den Vater, der tagsüber mehr als 10 Stunden unterwegs ist und wirklich wenig Zeit mit den Kindern verbringen kann. So ein freudig strahlendes Baby am Morgen fördert doch sehr das Vergessen einer anstrengenden Nacht. Denn trotz des Familienbetts können Nächte natürlich anstrengend sein. Ich habe aber das Gefühl, dass es weniger anstrengend ist.
Woher ich das weiß? Beim ersten Kind habe ich tatsächlich versucht das Neugeborene mehr oder weniger rasch ans eigene Bett zu gewöhnen (Ratgebern der Risikominimierung von SIDS und gesellschaftlichen Zwängen geschuldet). Ich erinnere mich an die Qualen nachts aufzustehen, neben dem Bettchen zu wachen, das Baby nicht rauszunehmen, meine mütterlichen Gefühle zu übergehen, etc. Nach unendlichen drei Wochen habe ich aufgegeben und es tut mir heute noch leid, dass ich es versucht habe.
Die Babys ins Elternbett zu holen, fördert für mich in erster Linie nicht das Durchschlafen sondern das Seelenheil und zwar für Babys und Eltern.

Wie gesagt, macht es wie ihr wollt. Denen, die aber die geringsten Zweifel haben, ich kann sie nur bestärken: Nehmt die Kleinen in Euer Bett, an Euren Körper und schaut, ob ihr Euch damit besser fühlt.

Babybett

Levelboss Baby LeChuck

Recherchen zufolge habe ich 1993 mein letztes Computerspiel gespielt. Es war ein Picture Adventure und hieß Day of the Tentacle. Davor hatte mich für den Vorgänger Maniac Mansion und für Monkey Island begeistert und ich kann mich noch gut daran erinnern mit wie viel Herzklopfen ich nach siebenmaligem Rückfragen endlich die Tür zum Papageien öffnete und dass ich eigentlich fest eingeplant hatte, mein erstes Kind unabhängig vom Geschlecht Guybrush Threepwood zu nennen.

Computerspielen war damals wahnsinnig aufregend. Es zeichnete sich schon früh ab, dass Computerspielen an sich viel zu aufregend für mein zartes Nervenkostüm war. Mehr als die Hälfte meiner Spielzeit blieb ich Passivspielerin. Es begann alles in den 80ern als der erste Junge meiner Klasse einen Computer zuhause hatte. Leider habe ich nie wieder was von dem Jungen gehört, ich bin mir aber sicher, dass er ein super Software-Entwickler geworden ist. Er hatte eine große Brille und diesen ein Kubikmeter großen Kasten mit pizzagroßen Disketten und er ermahnte mich immer: Nix anfassen.
Da saß ich also und schaute ihm beim Spielen zu und er erklärte mir fachmännisch wie die einzelnen Rätsel zu lösen seien. Ich glaube, es gab damals nicht mal Bilder sondern nur Text und erst am Ende der Grundschulzeit pixelige Spiele.
Jedenfalls hatte ich eine kurze Phase des selbst Spielens, die bis in die 90er reinreichte und als dann die Spielkonsolen erfunden wurden und man bei bestimmten Spielen nicht weiter kam, wenn man nicht 10 Jahre Spielerfahrung mitbrachte, setzte ich mich wieder daneben und fieberte bei den anderen mit.

Nun, was ich eigentlich sagen wollte. Manchmal waren die Rätsel der Picture Adventures wahnsinnig schwer zu lösen. Man musste z.B. einem Pferd ein Physikbuch vorlesen, so dass es sich dermaßen langweilte, dass es sein Gebiss rausnahm und in ein Glas legte und mit dem Gebiss konnte man anschließend irgendwas anderes tolles machen. Natürlich hatte ich zu dieser Zeit noch kein eigenes Internet, aber ein Bekannter eines Bekannten in Berlin hatte das und den riefen wir dann an und fragten wie man weiterkommt. Einige Jahre später, war es schon der erste Bekannte selbst, der ins Internet konnte und wir suchten Foren auf, um die Lösung selbst herauszufinden.

Daran muss ich täglich denken wenn ich mit Kind 3.0 den Tag verbringe. Kind 3.0 ist nämlich ein einziges Adventure. Ein sehr vertracktes dazu.
Es isst z.B. nur, wenn es zwei Löffel hat. Ein Löffel muss einen langen Stiel haben und der andere muss blau sein. Man beginnt zu füttern, es füttert sich ein bisschen selbst und dann stoppt es plötzlich. Es isst erst weiter, wenn es zwischendrin drei Mal von einer Maiswaffel abbeißen darf. Das funktioniert eine Woche. Ohne Vorwarnung rekalibriert sich das Baby und das morgendliche Füttern funktioniert irgendwie anders. Ich probiere dann wild alles aus, klicke nehme verschiedene Gegenstände in die Hand, versuche sie zu kombinieren und dann zack plötzlich funktioniert was total abgefahrenes und ich komme eine Runde weiter.

Neben den Rätseln gibt es reine Geschicklichkeitspassagen. Windelwechsel z.B. Das Baby rennt vor mir weg oder quetscht sich in Nischen und beißt, wenn ich es rausholen möchte. Manchmal reißt es sich die Windel selbst ab und pullert innerhalb von wenigen Minuten mehrere Duzend Male in verschiedene Zimmerecken so dass ich mit dem Wischlappen hinter ihm herrenne und gleichzeitig versuche die neue Windel anzulegen.
So wie vor 20 Jahren liegen mir die Rätsel eher als die Geschicklichkeitsspiele. Die Rätsel löse ich selbst, organisiere mir Lösungen von anderen SpielerInnen oder lese in Foren nach.
Die Geschicklichkeitsaufgaben lasse ich gerne meinen Mann machen.
Soll einer mal sagen Computerspiele seien nicht lebensrelevant. Ohne die Monkey Island Serie hätte ich keines meiner Kinder vernünftig aufziehen können.

Der schönste Laden in Berlin

Koperni-Kuss, so heißt der schönste Laden in Berlin, achwas in Deutschland, DER WELT!
Ich weiß gar nicht wie lange es ihn schon gibt, aber wer noch nicht da war, sollte unbedingt mal hin. Wenn man ein kleines Geschenk für eine Freundin sucht, für das Patenkind, für die eigenen Kinder, für Kindergeburtstage, für sich selbst, für Mutti oder einfach Dekolücken in der Wohnung hat – unbedingt dort hingehen. Man findet immer was.

Besonders bezaubernd auch die Besitzerin, die dezent berät, einen auch einfach schauen lässst, dabei charmant das Kind und gegebenenfalls auch eine ganze Kinderhorde bespaßt. Wenn man fündig geworden ist, zaubert sie die herzallerliebste Verpackung. Ich kann wirklich gar nicht aufhören zu lobhudeln, weil der Laden so bezaubernd ist.
Gleichzeitig ist der Laden übrigens ein Café mit Spielecke.
Wer seinen Besuch unterbringen möchte, kann über fewo.direkt.de eine der beiden Ferienwohnungen mieten, die, wenn man den Fotos im Schaufenster glauben mag, nicht weniger liebreizend als das Geschäft sind.
Deswegen: Hingehen, einkaufen, Kaffee trinken, Besuch unterbringen.
Unbedingt.

Koperni-Kuss

Kopernikusstraße 34
10243 Berlin

Tel.: 030-29369141

Öffnungszeiten

Mo-Fr: 11-19 Uhr
Sa 11-17 Uhr